Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Träume aus Feuer von Florian Illies
Im Feuer geboren, im Feuer verloren
Träume aus Feuer heißt Florian Illies Novelle über einen Mann, der vom Alchemisten zum Wissenschaftler wird. Sie ist im 17.Jahrhundert angesiedelt. Schauplatz ist die Pfaueninsel in Brandenburg.
Es ist ein Porträt des Johannes Kunckel, dessen Gönner der Kurfürst ist.
Verfasst ist das Buch im typischen Florian Illies Stil, der manchmal halbdokumentarisch wirkt.
Auf Dauer ist das nicht immer einfach, aber für diesen relativ kurzen Text passt es und gibt dem Buch ein Gefühl für den Barock.
Rezensionen von div:
Die Toten von morgen - Thriller (Berliner Schattenwelt 2) von Kim Koplin
düster
düster
Macht, Drogen und sehr viel Geld - im Grunde dreht sich das Buch darum, und zwar in einem sehr sehr düsteren Banden Background.
m Mittelpunkt steht Kommissarin Nihal Khigarian, die nach ihrer Rückkehr nach Berlin nicht nur mit einem mysteriösen Mordfall, sondern auch mit den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird.
Sie kommt einem französischen Drogenhändler auf die Spur, der sich in Berlin breitmachen und die ansässigen Drogenhändler rausdrängen will.
Besonders überzeugend ist die vielschichtige Hauptfigur. Nihal wirkt authentisch und menschlich, da sie neben den beruflichen Herausforderungen auch mit familiären Problemen und persönlichen Konflikten kämpft.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Man muss wirklich etwas lesen, um sich daran zu gewöhnen.
Aber im Großen und Ganzen ein guter Großstadtthriller.
Rezensionen von Katzenmicha:
Tote trinken keinen Riesling von Lilly Hess
Mord im Gepäck
Rosi Ritter ist die ehemalige Kanzlerreferentin von Helmut Kohl ,und nun Reiseleiterin einer munteren Seniorentruppe.Diese wollen zusammen mit Rosi die Pfälzische Weinstraße erkunden.Zwei ihrer ältesten Freundinnen begleiten Rosi. Monique, die früher Assistentin von Präsident Mitterrand und Olga, Ex-Kommissarin .
Die Damen sind auf der Suche nach den besten Schmankerln und den süffigen Pfälzer Weinen der Gegend.Erst fällt der Würstenwärmer aus und bei einer Pause im Pfälzer Wald stolpert Rosi über eine Leiche,die junge Winzerin Anna Zeder wurde brutal erschlagen.Neben der Leiche findet Rosi das Amulett von ihrer bester Freundin Grete, deren Weingut der größte Konkurrent des Opfers ist.Nachdem die beiden Kriminalhauptkommissare ,der ehemaligen Kommissarin Olga nicht kompetent genug erscheinen,ermitteln die drei Frauen auf eigene Faust.Rosi ist es nicht wohl,den die meisten Verdächtigen kennt sie…..
Die Autorin Lilly Hess hat einen fließenden und bildhaften Schreibstil.Ich hatte von der ersten Seite an dasGefühl als stillerBeobachter dabei zusein.Sehr gerne 5 Sterne und ich bin schon sehr gespannt auf Band 2 der Reihe.
Rezensionen von rosetheline :
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman
Fragenkarussell
Jacqueline Harpmans "Ich, die ich Männer nicht kannte" ist schon seit einiger Zeit immer wieder auf englischsprachigen Booktube Kanälen aufgetaucht und hat vor allem vor Kurzem einen regelrechten Hype ausgelöst und das, obwohl es vor über 30 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht worden ist.
In Harpmans Buch geht es um eine namenlose Protagonistin, die zusammen mit 39 anderen Frauen eingesperrt in einer Art Keller lebt. Sie ist die jüngste von allen und hat schon immer in Gefangenschaft gelebt und kennt kein Leben außerhalb. Jeder Tag sieht gleich aus, die Wachtmänner sind streng und reden nicht mit den Gefangenen, Widerstand ist zwecklos. Eines Tages durchströmt eine Sirene den Keller, alle Wachtmänner laufen weg. Die Frauen schaffen es an einen Schlüssel zu kommen und somit ihr Verlies zu verlassen...
Als Lesende hatte ich zu Anfang der Geschichte eine Theorie, was es mit den Frauen, den Wachtmännern und dem Keller auf sich hat, die allerdings nach einiger Zeit nicht mehr stimmig war. Dann hatte ich eine weitere Theorie, dann noch eine, doch nie hat sich irgendeine davon bewahrheitet, weil es keine Lösung in diesem Buch gibt. Es ist, als würde man die Hoffnungslosigkeit am eigenen Leib spüren, weil die unbeantworteten Fragen einen regelrecht überschwemmen. Das Leben der Frauen scheint dabei so trist, auch, wenn es für sie besser ist als im Verlies.
Ich kann den Hype an dem Buch nicht ganz nachvollziehen. Es ist bestimmt ein gutes Buch für einen Buchclub, weil so viele existenzielle Fragen gestellt und besprochen werden können. Mir persönlich waren es allerdings zu viele unbeantwortete Fragen und daher kann ich dem Buch nur 2,5 Sterne geben.
Rezensionen von saskia13120:
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
Zwischen mythischen Drachen und modernen Tech-Bots
"The Rainshadow Orpheans" ist ein wunderschöner Fantasyroman mit tollen Protagonisten und einer gelungenen Mischung aus moderner Technologie und Mythologie, Tech-Bots und Magie.
Naomi Ishiguru hat mit dem ersten Band ihrer ersten Fantasy-Triologie eine Welt geschaffen, in die man einfach super gerne eintaucht.
Rainshadow City ist ein sehr vielschichtiger Ort, vom Kaiserlichen Palast bis zum "Ghetto" ist alles dabei.
Das Erzähtempo ist wahnsinnig schnell, sodass es mir mit keiner Seite langweilig wurde. Der ganze Roman, immerhin 640 Seiten, umfasst einen Zeitraum von nur wenigen Tagen, dafür aus verschiedenen Perspektiven.
Die Geschwister Toshiko, Jun und Mei bilden den Mittelpunkt der Geschichte. Alle drei Charaktere sind liebenswürdig und man erfährt einiges über ihre Herkunft. Sie sind alle drei Waisen und quasi Adoptiv-Geschwister, aber das Gefühl von Familie ist allgegenwärtig. Sie geben dem Roman alle ihre eigenen Eigenschaften mit und jeder kann sich wahrscheinlich mit einem der dreien irgendwie identifizieren.
Außerdem gibt es noch Haru, den 10-Jährigen Sohn der Kaiserin, der mein heimlicher Liebling ist. Er ist einfach ein herzenslieber Junge, sehr erwachsen und reflektiert für sein Alter. Er hat das Herz am rechten Fleck und möchte vor allem ein besserer Mensch sein als seine Mutter.
Insgesamt sind einfach alle Charaktere, egal ob gut oder böse, sehr gut ausgearbeitet und vor allem nachvollziehbar.
Mir gefällt an dem Buch vor allem der Zusammenhalt, der aus jeder einzelnen Pore der Geschichte spürbar wird. Egal ob innerhalb der Kawakami-Geschwister oder der Bewohmer des Halbmonds (dem "Armenviertel" von Rainshadow City). Ich finde es auch sehr angenehm dass sich hier mal keine Liebesgeschichte in den Vordergrund rückt. Das kleine bisschen Romantik im Buch ist eher zurückhaltend und nimmt wenig Raum ein.
Im Rainshadow City steht vor allem der technische Fortschritt im Vordergrund. Es gibt für fast alles Roboter und elektronische Helferlein. Doch es geht in dem Buch eben auch um Magie, sogar um Drachen, und um den natürlichen Energiefluss und diesen Spagat, bzw. die Zusammenführung dieser beiden Komponenten gelingt hier einfach wunderbar und ohne dass es merkwürdig wirken würde.
Die Darstellung der Energieflüsse und der daraus entstehenden Geister finde ich persönlich wunderschön.
Besonders gefallen hat mir das Ende. Das Buch ist in sich abgeschlossen. Es gibt keinen Cliffhanger (das wäre auch Folter wo die Fortsetzung doch noch nichtmal angekündigt wurde) und könnte theoretisch auch als Standalone gelesen werden. Trotzdem werden am Ende neue Themen eröffnet die ein wenig erahnen lassen, worum es in Band zwei gehen wird. Und ich weiss jetzt schon: Es wird garantiert wieder großartig. Ich freue mich drauf!
Rezensionen von rosetheline :
John of John von Douglas Stuart
Sehr atmosphärisch mit einigen Längen
Mit seinem dritten Roman "John of John" bringt uns Douglas Stuart auf die Äußeren Hebriden, eine Inselkette nordwestlich der schottischen Küste.
Dabei begleiten wir Cal, einen homosexuellen jungen Mann, der nach seinem Studium in Edinburgh notgedrungen auf Bitte seines Vaters John zurück auf die Hebriden (Harris) kehrt, weil es seiner Großmutter Ella nicht gut geht.
Doch zurück fängt ihn all das ein wovor er "geflohen" ist.
Stuarts Sprache ist sehr atmosphärisch und so hatte ich als Lesende das Gefühl selbst dort zu sein. Vor allem das kalte, raue Klima haben die gewisse Tristheit und Schwere der Erzählung gut unterstrichen. Auch die weite und schwere Anreise hat mir das Gefühl gegeben, dass Cal nicht nur körperlich weit reisen musste, sondern Edinburgh (Freiheit, Akzeptanz) und Harris (Tradition, Konservatismus, Verschlossenheit) auch mental weit voneinander entfernt liegen und es Cal schwer machen der zu sein. Denn selbst sein Vater kann den neuen Cal mit den langen, gefärbten Haaren nicht akzeptieren. Oder kann er vielleicht nicht akzeptieren, dass sein eigener Sohn sich von den Traditionen und Blicken der anderen freimachen konnte und er selbst nicht? Es gibt viele Geheimnisse in dem Buch, die nach und nach gelüftet werden (wenn auch manche nicht im Detail besprochen werden) und einen die Geschichte nochmal besser verstehen lassen.
Dennoch hätte ich gerne mehr über einige Charaktere und ihre Gedanken erfahren und gewisse andere Längen im Buch dafür eingetauscht, denn die Geschichte ist eher langsam und lebt vor allem von seiner Atmosphäre.
Alles in Allem ist es aber ein solides Buch und ich werde auf jeden Fall noch die anderen Bücher von Stuart lesen, die zum Teil ähnliche (wichtige) Themen wie komplexe Familiendynamiken, Identität, Armut und Homosexualität behandeln.
Rezensionen von Kwinsu:
Fast ein Leben von Kiran Millwood Hargrave
Fast eine Liebe
Es beginnt im Sommer 1978: die 18-jährige Erica verbringt ihren Sommer nach Abschluss der Schule in Paris und lernt dabei die Kunsttheoretikerin Laure kennen. Trotzdem sie irgendwie nicht richtig zusammenpassen, ist die Anziehungskraft zwischen ihnen groß. Erst nähern sie sich körperlich, aber bald ist richtige Liebe im Spiel und ihr ganzes Leben lang kommen sie nicht ordentlich voneinander los.
Ich muss zugeben: der Einstieg in dieses Buch ist mir nicht leichtgefallen. Sprachlich wird viel und breit ausgeschmückt und erzählt, die Beziehung und Liebe zwischen Laure und Erica besteht zwar, mir war aber eigentlich das gesamt Buch hindurch nicht klar, wieso und weshalb überhaupt. Warum findet Erica Laure so toll und umgekehrt? Warum können sie nicht voneinander lassen, was ist es, was sie aneinander lieben? Diese Fragen bleiben für mich im gesamten Buch unbeantwortet. Die Figurenzeichnung war für mich eher oberflächlich. Erica wird sehr naiv geschildert, ihre Figur wirkt vollkommen ziellos, sie scheint nicht richtig zu wissen, was sie vom Leben überhaupt will. Und vor allem: sie lässt sich durch reine Interpretation sehr einfach von ihrem oft gerade erst vorgenommenen Entschluss abbringen. Sie gibt viel zu schnell auf, hat teilweise sehr unrealistische Vorstellungen, trifft Entscheidungen, die einfach nicht nachvollziehbar sind. Was ich besonders unglaubwürdig fand: sie wird als Masterstudentin für Kreatives Schreiben als nur eine von vier Personen aufgenommen, ist scheinbar gut, aber als das Studium abgeschlossen ist und sie mit ihrem erfolgreichen Kommilitonen verheiratet, will sie ein Buch schreiben - hat dafür aber lange Zeit keine Idee, um was es darin gehen soll. Funktioniert so wirklich das Schriftsteller*innen-Dasein? Ich habe meine Zweifel...
Laures Figur wird durchaus als störrisch, aber selbstbewusst gezeichnet. Sie scheint zu wissen, was sie vom Leben will, auch, wenn wir als Leser*innen das oft nicht wirklich erfahren. Sie weiß zumindest, dass sie lesbisch ist und mit Hingabe für ihre Freund*innen einsteht. Besonders hervorzuheben ist ihre Freundschaft mit dem schwulen Michel, der Anfang der 80er Jahre schwer erkrankt und dessen Tod sie nie wirklich verkraftet. Sie ist die leidenschaftlichere Liebende, aber sie weiß auch, wann es keinen Sinn mehr macht.
Ich kann nicht sagen, dass ich das Buch ungern gelesen habe. Ab ca. Seite 180 bin ich dann doch noch in die Geschichte hineingekommen. Was mir gefallen hat, war der jeweilige Zeitgeist des geschilderten Jahrzehnts, besonders die queeren Themen mit Diskriminierung, Anschlägen und Krankheiten fand ich wirklich gut herausgearbeitet. Auch Laure fand ich als Charakter authentisch und nachvollziehbar und habe die Episoden über sie gern gelesen. Etwas anders war dies bei Erica, über deren Charakterzeichnung ich mich oft ärgern musste. Wie man sich so schnell von seinen Entschlüssen abbringen lassen kann, vor allem, wo es nur kleine paranoide Vorkommnisse sind, verstehe ich nicht. Klar, die Liebe ist kompliziert, es kann auch möglich sein, zwei Menschen zu lieben und sicher war es früher sehr viel schwerer, sich für eine queere Liebe zu entscheiden, aber diese Zerrissenheit konnte ich aus ihr einfach nicht herauslesen. Und auch nicht, was sie zu ihrem Ehemann hinzog. Ganz schräg wurde es dann für mich, als die beiden mit ihren Kindern zu Laure nach Frankreich auf Urlaub fahren, um einen Monat bei ihr zu verbringen. Nahezu erschüttern fand ich, wie sie sich ihrem Mann unterordnete und sich selbst - vermeintlich ihm zuliebe - aufgab. Das Buch hat oft enorme Längen, die die Lust weiterzulesen etwas hemmt. Der ganze Roman zieht sich von 1978 bis 2013, allerdings bin ich ob der Zeitbeschreibung etwas verwirrt, weil sie für mich so nicht ganz stimmen kann. Oft fehlen Zeitangaben oder sind nicht schlüssig. Nichtsdestotrotz gab es immer wieder Episoden, vor allem jene in Paris bzw. Frankreich, die ich regelrecht verschlungen habe.
Mein Fazit: "Fast ein Leben" ist ein queerer Liebesroman, der sich durchaus lohnt zu lesen, wenn man sich von einigen Längen und dem oftmals nicht nachvollziehbaren Gebaren einer der Protagonistinnen nicht abschrecken lässt. Besonders gut hat mir gefallen, dass glaubhaft beschrieben wird, wie schwer es lange Zeit war (und vermutlich teilweise immer noch ist), offen queer zu leben. Die Oberflächlichkeit der Liebesgeschichte hinterlässt mich etwas ratlos, kann für andere Lesende aber bestimmt genossen werden.
Rezensionen von nessabo:
Liebe Wilhelmine oder Plädoyer fürs Kinderkriegen in der Klimakrise von Marisa Becker
Eine kluge, liebevolle und hoffnungsspendende Perspektive
Ich liebe die Reihe des Kjona-Verlags und ehrlicherweise weiß ich da nie, wieso ich etwas von der Wertung abziehen sollte, weil es eben immer Meinungsbeiträge sind, die bislang doch stets meine eigene Perspektive erweitert haben. Auch dieser Band hat das absolut erfüllt.
Ich bin sehr gefestigt und zufrieden in meiner Überzeugung, selbst keine Kinder zu wollen.
Das soll aber nicht bedeuten, dass mir Eltern- und Kinderperspektiven egal sein dürfen - im Gegenteil. In einer solidarischen, gleichberechtigten Welt müssen all die verschiedenen Bedürfnisse irgendwie zusammengebracht werden. Diese Ansicht teilt auch Marisa Becker und schreibt deshalb in ihrem Essay eindringlich und liebevoll von einer Zukunft, die für alle aktuellen und noch kommenden Generationen lebenswert ist.
Dass die Klimakrise real ist, vergisst sie dabei selbstverständlich nicht. Sie balanciert jedoch stets gut zwischen realem Ernst und freundlichem Optimismus. Wie sie selbst schreibt, haben Menschen für viele Dinge schon kluge Lösungen gefunden und maßgeblich daran beteiligt sind immer auch die neuen Generationen, die frischen Wind in Debatten und Innovationen bringen. Becker wirft die wirklich berechtigte Frage auf, für wen es sich denn zu kämpfen lohnt, wenn nicht für die noch kommenden Menschen?
Sie widerlegt Mythen rund um Kinder als Klimasünde und Überbevölkerung, ohne dabei je den Ernst der Lage zu verkennen. Dennoch gelingt es hier gut, die Verantwortung der Einzelnen vor allem auf die Systemkritik und eine Neuausrichtung ebendiesen Systems auszurichten. Becker bleibt sachlich, aber auch zugewandt und ich habe ihre Gedanken gern gelesen. An keiner Stelle habe ich mich in meiner eigenen Entscheidung bevormundet gefühlt, im Gegenteil. Die Autorin ergreift Partei dafür, dass alle Menschen die Kinderentscheidung selbst treffen können und adultistisch sowie rassistisch begründete Narrative bei dieser Entscheidung keine Rolle spielen sollten.
Ihr wertschätzender Blick auf insbesondere Eltern und Kinder hat mich berührt, ihre Impulse meinen Horizont erweitert. Denn Kinder suchen sich ihre Welt nicht aus, wir müssen sie für sie so gestalten, dass sie lebenswert ist und bleibt. Das schmale Werk lege ich wirklich allen Nicht-Eltern wie auch Eltern ans Herz. Es macht Hoffnung und Mut - und davon können wir schließlich nie genug haben.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Meine Berge bist du von Francesco Vidotto
Sehr atmosphärisches Buch über eine tragische Liebesgeschichte
"Meine Berge bist du" von Francesco Vidotto ist eine sehr atmosphärisch erzählte, tragische Liebesgeschichte in den italienischen Dolomiten, die mich sprachlich und emotional sofort in ihren Bann gezogen hat. In der Gegenwart besucht der Ich-Erzähler Francesco immer wieder einen alten Mann aus seinem Heimatdorf, der die Briefe aufgehoben hat, die vor langer Zeit ein Onesto an die Berge geschrieben hat.
Es geht darin um seine tragische Liebe zur schönen Celeste, in die aber auch sein geliebter Zwillingsbruder Santo verliebt war und dem er diesbezüglich den Vortritt gelassen hat. Geboren wurden die beiden Brüder zur Zeit des ersten Weltkrieges, sind alleine bei der verwitweten Mutter aufgewachsen und haben den Vater nie kennen gelernt. Auch der zweite Weltkrieg wird ihr Leben prägen, so wie noch einige andere tragische Ereignisse.
Das Buch lebt von den Begegnungen der Menschen, oft ohne viele Worte, eingebettet in eine wunderschöne Berglandschaft, die sinnesnah beschrieben wird. Die Erzählweise passt zur geschilderten Umgebung, man wähnt sich beim Lesen selbst dort und kann tief in die Atmosphäre eintauchen: "Meter um Meter füllte sich der Himmel mit silbernen Strichen. Die leichten Tropfen bespielten die hölzernen und blechernen Dächer und Gauben, zuerst die weiter entfernten, dann die in der Nähe, in einem friedlichen Trommeln. Das Grün der Kiefern wurde dunkel, der Duft des Waldes intensiver. Zusammen mit dem einförmigen Klang stellte sich die Melancholie ein, die den Geist im Herbst befällt, wenn der Kreis des Lebens sich sanft schließt, um sich kurz darauf wieder zu öffnen." (S. 68 im E-Book)
Es ist ein ruhig erzähltes Buch und doch voll der tragischen Ereignisse in den Leben von Onesto, Santo und Celeste. Besonders ist die Perspektive der Briefe an die Berge, in denen auch die besondere Perspektive auf die Natur und eine tiefe Liebe zu ihr spürbar werden.
Außerdem möchte ich aber auch darauf aufmerksam machen, dass es einige sehr drastische Schilderungen von Gewalt an Tieren und Menschen in diesem Buch gibt, auf die mitfühlende Leserinnen und Leser vorbereitet sein sollten und die empathischen Menschen im Herzen weh tun können.
Abgesehen davon ist es aber ein großartiges, atmosphärisches und emotional lange nachhallendes Buch, das ich allen, die sich für Naturbeschreibungen und tragische Liebesgeschichten interessieren, sehr empfehlen kann.
Rezensionen von askyfullofpages:
Kraftweg von Michael Stingl
Ein Buch, das Betroffene wirklich versteht!
Dieses Buch ist wie Balsam für meine Seele, weil ich mich darin zum ersten Mal wirklich gesehen und verstanden fühle. Besonders berührt hat mich, dass hier ein Arzt die Schwere der Erkrankung und die Lebensrealität der Betroffenen ernst nimmt und klar benennt.
Dr. Michael Stingl ist ein äußerst engagierter Neurologe, der sich seit vielen Jahren intensiv für Menschen mit ME/CFS und Long Covid einsetzt.
Da er auch mein behandelnder Arzt ist, durfte ich seine wertschätzende, verständnisvolle und respektvolle Art persönlich kennenlernen. Die Haltung, die in diesem Buch spürbar wird, entspricht dabei genau meinen eigenen Erfahrungen mit ihm.
Viele der beschriebenen Erfahrungen haben mich unmittelbar an meinen eigenen Alltag mit ME/CFS erinnert. Dadurch habe ich mich in diesem Buch außergewöhnlich gut aufgehoben und verstanden gefühlt.
Für mich ist es ein wirklich gut geschriebenes Werk, das die Realität von Menschen mit ME/CFS sehr treffend beschreibt. Das Buch beleuchtet postvirale Erkrankungen allgemein, Long Covid und insbesondere ME/CFS umfassend und verständlich.
Besonders wertvoll sehe ich das Buch für Menschen, die sich erstmals mit ME/CFS oder Long Covid auseinandersetzen müssen. Es vermittelt einen umfassenden Überblick und hilft dabei, die Erkrankungen und ihre Herausforderungen besser zu verstehen. Wer sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit ME/CFS beschäftigt, wird vieles davon vermutlich schon kennen. Gerade deshalb halte ich das Buch aber für ein ausgezeichnetes Basiswerk, das Betroffenen, Angehörigen und Behandelnden einen fundierten und gut verständlichen Einstieg in das Thema ermöglicht.
PEM wird als Kernmerkmal der Erkrankung besonders hervorgehoben. Ich finde es sehr wichtig, dass sowohl Behandelnde, als auch Betroffene lernen, PEM frühzeitig zu erkennen und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen.
Auch auf den dringend notwendigen politischen und gesellschaftlichen Handlungsbedarf wird eingegangen.
Für mich ist das Buch ein sehr gutes Basiswerk, das hilfreiche Informationen über die Erkrankungen, sowie Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bietet. Besonders wertvoll fand ich die verständliche Erklärung des Pacings und die Bedeutung, innerhalb der eigenen Energiegrenzen zu bleiben.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. Es ist nicht nur für Erkrankte und Behandelnde ein wertvoller Wegweiser, sondern auch für Angehörige, Freunde und alle, die diese Erkrankungen besser verstehen möchten. Da ME/CFS und Long Covid grundsätzlich jeden treffen können, halte ich dieses Buch für eine wichtige Lektüre weit über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus.
Ein herzliches Dankeschön an den edition a Verlag für dieses tolle Buch. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.











