Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:
Weltenwechsel von Marion Kraft
Dieses Buch muss gelesen werden
Bertas Tochter Margarete verliebt sich in einen schwarzen Soldaten und bekommt ein Kind von ihm – in den Jahren der Nachkriegszeit ganz sicher eine sehr schwierige Situation. Als sich herausstellt, dass der Soldat in den USA verheiratet ist und auch nicht mehr nach Deutschland zurückkommt, muss Margarete arbeiten, um Geld zu beschaffen und Oma Berta zieht die kleine Julia groß.
Der Rassismus und die Ausgrenzung bekommen Berta, Margarete und Julia zu spüren. Die Autorin nimmt uns hier mit auf eine Reise, die so tief geht und eine Welt zeigt, die nicht vergessen werden darf.
Dies ist mein erstes Buch von Marion Kraft und ich finde es überwältigend – mit wieviel Empathie und Tiefgang die Autorin ihre Figuren darstellt, ist so toll. Das Buch wird dadurch lebendig und wir erleben tiefe Einblicke in das Leben von Julia, einer schwarzen Deutschen.
Der Schreibstil der Autorin ist eindringlich und geht tief unter die Haut. Vom ersten Moment an versteht es Marion Kraft, ihre Leser/ Leserinnen mit in das Leben von Julia und ihrer Geschichte zu nehmen und eröffnet neue Einblicke.
Mich hat das Buch tief bewegt und ich empfand den Charakter von Julia auch oft als inspirierend.
Nicht nur von geschichtlicher Bedeutung, sondern auch aktuell sehr wichtig, möchte ich dieses Buch unbedingt empfehlen – es muss gelesen werden.
Rezensionen von Ameland:
Spätsommerglück von Heike Abidi
Es ist nie zu spät ... für nichts
Hannah hat vor fünf Jahren überraschend ihren Mann verloren. Sie hat sich in ihrer Routine eingerichtet. Für mich erweckt sie den Anschein, dass das Leben an ihr vorbeizieht. Eine Veränderung deutet sich an als sie beschließt, ihren Beruf als Übersetzerin für Thriller aufzugeben. Aber was nun?
Hannah war mir von Beginn an sympathisch, ihre Verlassenheit war gut zu spüren und in gewisser Weise konnte ich ihr Bedauern um die mit ihrem Mann gestorbenen gemeinsamen Träume nachvollziehen.
Am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen und ihr zugeraunt, es wird Zeit für eigene Träume. Aber Hannah musste ihren Weg in ihrem eigenen Tempo gehen und das macht sie auch. Mit ihrer Konsequenz und ihrem Mut konnte sie mich im Folgenden überraschen. Und in Schweden lerne ich eine ganz andere Hannah kennen, die allen beweist, dass es nie zu spät für Veränderungen und Neuanfänge ist.
Ein wunderschöner Roman aus der Feder von Heike Abidi, der mir entspannte Lese- und Wohlfühlmomente geschenkt hat. Der Schreibstil ist locker-leicht und flüssig zu lesen. Die Beschreibungen der schwedischen Küste und des kleinen Städtchens machten mir Lust auf einen Urlaub dort, zumal die Charaktere alle so liebenswürdig dargestellt wurden, dass ich sie am liebsten selbst kennenlernen wollte. Na gut, zu Beginn gibt es eine Ausnahme, aber irgendetwas ist ja immer.
Spätsommerglück ist nicht nur ein Wohlfühlroman, sondern macht auch älteren Semestern Mut, über ihren Schatten zu springen und keine Angst vor Neuanfängen zu haben. Man sollte Neues ruhig ausprobieren und wenn es einem nicht gefällt, hat man es wenigstens probiert.
Von mir gibt es für diesen Sommerroman fünf von der schwedischen Sonne beschienen Sterne.
Rezensionen von Anjulia :
Seamere College 1. Strange Familiars von Keshe Chow
Seelentiere und Magieexplosionen
Gwendolynne Chan steht kurz vor ihrem Abschluss am Seamere College für magische Tiermedizin und will die Auszeichnung der Jahrgangsbesten erhalten. Ihr größter Konkurrent ist Harrisford Briggs, arrogant und aus reichem Elternhaus. Als magische Explosionen London erschüttern, arbeiten beide zusammen und kommen hinter gefährliche Geheimnisse.
Seamere College 1. Strange Familiars von Keshe Chow ist spannende Rivals to Lovers-Romantasy mit College-Elementen und magischen Geschöpfen. Das Setting ist modern, unterscheidet sich aber von unserer Welt durch Magie und Tierwesen. So gibt es beispielsweise Seelentiere, die mit ihrem menschlichen Gefährten gedanklich kommunizieren können. Dies, sowie die Tierarztaspekte, hat mir gut gefallen. Gwendolynne und Harrisford sind zwei sehr gegensätzliche Charaktere, in fast jeder Hinsicht. Aber beide haben einen guten Grund Jahrgangsbester werden zu wollen. Mit Harrisford wurde ich aufgrund seiner arroganten Art erst langsam warm. Zwischen beiden entwickelt sich eine schöne Lovestory. Aufgrund von Spicy Szenen liegt das Buch altersmäßig oberhalb des Jugendbuchbereichs, eher im New Adult Bereich. Das Magiesystem fand ich leider nicht ganz verständlich ausgearbeitet. Stellenweise hat die Geschichte für mich auch Logikprobleme. Da das Ende offen gehalten ist, kann man auf eine Fortsetzung gespannt sein.
Rezensionen von Alo:
John of John von Douglas Stuart
Zwischen Tradition und Selbstfindung
Mit John of John hat Douglas Stuart es mal wieder geschafft: ein trauriges, tragisches und tiefgründiges Buch zu schreiben, das gleichzeitig so zärtlich und schön ist.
Ich bin ehrlich: Als ich gesehen habe, wie dick das Buch ist, hatte ich erstmal Respekt davor. Ich habe es normalerweise nicht so mit sehr umfangreichen Romanen.
Aber diese Sorge war komplett unnötig. Mir war keine einzige Seite zu lang.
Am allerbesten haben mir die Figuren gefallen. Auch wenn sie einem manchmal alles abverlangen, sind sie so zart und feinfühlig gezeichnet, dass man sie einfach nicht loslassen will. Man schließt wirklich alle ins Herz.
Da ist zum Beispiel Kel. Er hat in Edinburgh Textilverarbeitung studiert und kehrt nun mittellos auf seine Heimatinsel zurück. Dort erwarten ihn sein Vater und seine Großmutter in der Enge des Elternhauses, in dem es eigentlich nichts gibt außer Schafen, einem Webstuhl und sehr strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Dazu kommt, dass Kel homosexuell ist und seine wahre Identität verstecken muss.
Sein Vater John ist ein sehr strenger und gläubiger Mann. Unter dieser harten Schale steckt aber auch ein unglaublich zarter Mensch, der selbst sehr mit dem Leben kämpft und vieles andere leichter sein kann als er selbst. Ich habe alle Figuren geliebt, aber meine absolute Lieblingsfigur war Ella, die Großmutter. Sie ist einfach eine wahnsinnig coole Socke. Ella kam vor vielen Jahren mit ihrem Mann auf die Insel und gilt dort trotzdem immer noch als Außenseiterin. Weil sie kein Gälisch spricht, wird sie immer wieder ausgeschlossen und gehört nie ganz dazu. Trotzdem begegnet sie der Welt mit einer großen Portion Coolness und sehr viel Witz. Man muss sie einfach erleben.
Das Buch ist insgesamt ganz ruhig erzählt. Handlungsmäßig passiert eigentlich gar nicht so viel und gleichzeitig passiert unglaublich viel. Eben in den Figuren, den Beziehungen und dem Miteinander. Mit jeder Seite wünscht man sich für diese Menschen mehr, dass sie irgendwie ihr Happy End bekommen.
Außerdem kann ich auch das Hörbuch sehr empfehlen. Charly Hübner spricht die Figuren mit so viel Gefühl, dass er dieser Geschichte vollkommen gerecht wird.
Rezensionen von Harakiri:
Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln von Florian Schwiecker
What if?
Code Null ist der Auftakt zu einer neuen Reihe des Autors, der bisher seine Bücher meistens mit einem Co-Autor geschrieben hat.
Berlin steht unter Druck: eine Organisation, die sich TimeOut nennt, hat die Kontrolle über Satelliten übernommen und könnte damit für Verkehrsausfälle oder Flugzeugabstürze sorgen.
Charlie, eine junge Hackerin, findet schnell heraus, dass die Ursache sehr tief liegt und nur mit Hilfe einer KI überwältigt werden kann.
Puh, anfangs fand ich den Krimi sehr technisch und speziell, hatte mich aber schnell eingelesen. Mit Charlie ist Schwiecker eine sympathische Protagonistin gelungen, die aber auch ihre Ecken und Kanten hat. Auch Lukas mochte ich gerne, obwohl er nicht so viel Raum einnahm.
Die Handlung ist rasant und spannend, allerdings zieht sie sich an manchen Stellen etwas und die vielen Abkürzungen, die sehr oft wiederholt werden, hemmen den Lesefluss etwas.
Ein wenig bleibt die Spannung hinter vielen technischen Erklärungen zurück. Man merkt, dass Schwiecker selber in der IT-Branche ist. Ein paar weniger Seiten hätten dem Buch gutgetan.
Die Idee hinter der Handlung fand ich aber sehr gelungen, dieses „Was wäre, wenn es tatsächlich so weit käme?“ macht nachdenklich und lädt zum Mitfiebern ein. Vor allem der Krieg am Ende ist neu und erfrischend. Und das war ja nur der Anfang wie der letzte Satz des Buches eindringlich zeigt und neugierig auf den Folgeband macht.
Fazit: nicht nur für Techniknerds ein gelungener Auftakt zu einer neuen Krimireihe, die aktueller kaum sein könnte.
Rezensionen von Nicole (Abby1810):
Der große Bibel-Guide von Hanna Holwerda
Absolute Kaufempfehlung!
Der große Bibel-Guide ist tatsächlich ein großes und sehr gut durchdachtes Bibellesebuch. Es ist sehr kreativ und schön bunt gestaltet. Die Informationen sind sehr gut und detailliert beschrieben, ohne dabei überfordernd zu sein. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich sehr positiv überrascht bin. Also ich dachte mir schon, dass es ein tolles Sachbuch sein wird, aber die Gestaltung, die Informationen, die Steckbriefe der Menschen aus der Bibel und das historische Wissen, welches hier vermittelt wird, ist einfach großartig.
Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsene können aus diesem Buch einiges Lernen.
Der Guide beginnt mit der Urgeschichte und der Entstehung der Bibel. Alles Wichtige wird bildlich dargestellt. Zusätzlich gibt es immer wieder Zeitstrahlen. Diese erleichtern den Lesern das Verständnis für die Zeit. Es wurde auf nichts Wichtiges vergessen: Die Kleidung, die Ernährung, die Berufe, der Alltag, die Bildung, die Gepflogenheiten und viele weitere tolle Informationen rund um die Welt von Abraham, Debora und Jesus werden in diesem schönen Buch kindgerecht, aber dennoch detailliert und verständlich erklärt.
Die Welt der Bibel wird lebendig und ausdrucksstark dargestellt. Die Inhalte sind kurz aber sehr gut und informativ geschrieben. Ich kann dieses wunderbare Buch nur unbedingt weiterempfehlen! Sowohl Kinder als auch Erwachsene werden damit große Freude haben!
Rezensionen von Eternal-Hope:
Ausradiert? von Carsten Gansel
Für eine Sicht auf die DDR und ihre Menschen
In den letzten Jahren sind angesichts diverser Jubiläen und aktueller politischer Entwicklungen viele Bücher und Artikel erschienen, die sich auf die eine oder andere Weise mit der ehemaligen DDR und den dazugehörigen "neuen" deutschen Bundesländern sowie den dort lebenden Menschen befassen.
Davon habe ich schon einige gelesen, manche zugänglicher, andere für Außenstehende schwieriger zu erschließen, manche aus einer Innensicht, andere mit einem Blick von außen.
Selten habe ich aber von einem Sachbuch so viel über die ehemalige DDR und die Zeit danach gelernt und vor allem durch die Lektüre so viel Empathie für die Herausforderungen und das Nicht-Gesehen-Werden der Menschen aus dieser Region entwickeln können, wie durch dieses Werk des in Ostdeutschland geborenen und aufgewachsenen Literaturwissenschaftlers und Hochschullehrers Carsten Gansel, der beide Teile des heutigen Deutschlands gut kennt und versteht.
Man könnte anhand des Titels meinen, es ginge in diesem Buch ausschließlich um die vergessene und zum Teil tatsächlich auf Mülldeponien achtlos oder sogar bewusst vernichtete in der DDR entstandene Literatur. Und ja, um diese geht es natürlich auch. Der Autor stellt uns unzählige interessante Werke aus dieser Zeit vor, beschreibt die Situation der Literaturschaffenden zwischen Anpassung, Beschreibung ihrer Lebenswelten und Kritik und sensibilisiert für die Vielfalt der in vier Jahrzehnten DDR entstandenen literarischen Werke, von denen viele einen näheren Blick wert sind, um Kunst, Kultur und Leben der Menschen in dieser Zeit und deren Auswirkungen bis heute besser zu verstehen.
Doch die Botschaft, die ich aus diesem Buch mitnehme, geht weit über die Beschreibung der Literatur heraus: es ist ein Entsetzen, das ich (als Österreicherin mit einem mitfühlenden Blick von außen) spüre, wenn ich davon erfahre, wie sehr die im ehemaligen Ostdeutschland aufgewachsenen und sozialisierten Menschen sowie ihre Kunst, Kultur und Lebenserfahrungen im Zuge der Wende und auch danach, immer wieder und bis heute, marginalisiert und entwertet werden, als gäbe es absolut nichts Wertvolles, das sie in dieser Zeit geleistet oder entwickelt hätten und als wäre es nur gut und richtig, wenn jegliche Kultur und Kunst aus der DDR-Zeit vergessen würde und komplett in der Kultur der ehemaligen BRD aufgehen würde. So wenig Interesse besteht und bestand oft von Seiten des ehemaligen "Westens" für reale Lebenserfahrungen der Menschen aus der ehemaligen DDR, aus denen doch ebenfalls Weisheit gewonnen werden kann!
Da verwundert es nicht, wenn manche von ihnen sich bis heute nicht zugehörig oder stark abgewertet fühlen, und, auch aufgrund eigener Erfahrungen, für undemokratische Entwicklungen, die es auch heute gibt, sensibilisiert sind.
Wie der Autor gegen Ende des Buches treffend schreibt und damit die besonderen Kompetenzen vieler dieser Menschen sieht und würdigt: "Eine Demokratie benötigt Kritiker, Nein-Sager, Aufstörer, die die als alternativlos gezeichneten Botschaften hinterfragen, ja in Frage stellen. Gefährdungen einer Demokratie vermögen daher besonders jene zu erkennen, die den schleichenden Prozess der "Zerwicklung" einer Gesellschaft am eigenen Leibe erlebt haben. Auf den Punkt gebracht: Man kann und sollte der beständigen Rede von den Ostdeutschen als defizitären Wesen endlich einmal eine andere Erzählung entgegenstellen - nämlich jene von den Ostdeutschen, die durch ihre Erfahrungen in der DDR und im Transformationsprozess gefeit sind gegen allzu übertriebene Versprechungen und Ideologien, die realistisch die Wirklichkeit beobachten und daher sensibel erkennen können, wann demokratische Rechte in Gefahr sind (...) Insofern vermögen die Ostdeutschen als Seismographen der Demokratie zu funktionieren. Man muss sich nur die Mühe machen, einen Blickwechsel vorzunehmen, und ihren Sichtweisen ernsthaft auf den Grund gehen." (S. 364)
Vielen Dank dem Autor für ein empathieförderndes, erhellendes, aufklärendes Werk und dem Reclam Verlag für die Bereitschaft und den Mut, es herauszubringen! Ich kann es einer breiten Leserschaft in ganz Deutschland sowie darüber hinaus Interessierten aus anderen Ländern aus ganzem Herzen empfehlen!
Rezensionen von Krani:
Träume aus Feuer von Florian Illies
Goldrubinglas
1685: Johannes Kunkel ist Alchimist und bekommt vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg eine Insel in der Havel geschenkt, um dort Glas zu fertigen. Er erschafft Großartiges.
Die Sprache von Florian Illies ist etwas Besonderes. Der Autor berichtet poetisch und mit einem feinen Humor, aber auch mit einer gewissen Distanz.
Wörtliche Rede benutzt er nur selten. Das wirkt eher betrachtend als spannend. So sehr ich die Sprache genoss, ich konnte mich nicht so richtig verlieren in der Geschichte.
Die Details der Glasherstellung sind sehr anschaulich. Es ist ein Handwerk und zugleich eine Kunst, und das an der Grenze zwischen Alchemie und Naturwissenschaft.
Ein interessanter Einblick in die deutsche Geschichte. Kein Roman.
Rezensionen von Herwig Oberlerchner:
Udo Fröhliche von Benjamin von Stuckrad-Barre
Eine Udographie
Die neu aufgelegte und ergänzte und überarbeitete Biographie beschreibt dieses Urgestein deutscher Musikgeschichte in Form von kurzweiligen Episoden und Anekdoten von Alkohol bis Zigarren. Daran erkennt man schon, dass auch die Suchthematik in der Lebensachterbahn dieses faszinierenden Künstlers eine zentrale Rolle spielt.
Zuletzt weiß man nichts von Udo Lindenbergs Leben, keine Fakten und Daten und hat doch das Gefühl diesem Menschen sehr nahe gekommen zu sein. Eine etwas andere Biographie - eine Udographie.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Wir in zehn Jahren von Jessica Stanley
Lebensnah erzählte Beziehungsgeschichte
In ihrem zweiten Roman "Wir in zehn Jahren" erzählt die australische, in London lebende Autorin Jessica Stanley rückblickend die Geschichte eines Paares, das seit zehn Jahren zusammen ist.
Die Werbetexterin Coralie Bower ist knapp Dreißig und vor einem halben Jahr von Australien nach London versetzt worden.
Nachdem sie die 4-jährige Zora vor dem Ertrinken in einem Ententeich gerettet hat, lernt sie deren Vater Adam Whiteman kennen. Der 37-Jährige ist geschieden und arbeitet als Autor, politischer Journalist und Kommentator. Die beiden stellen viele Gemeinsamkeiten fest, verlieben sich ineinander und werden ein Paar. Bald gibt Coralie ihre Wohnung auf und zieht in Adams Haus, das sie über Monate nach ihren Vorstellungen umgestalten. Sie steckt ihre gesamten Ersparnisse in das Projekt, derweil stellt Adam sein Buchprojekt fertig und nimmt das nächste in Angriff. Die beiden Wunschkinder Florence und Max werden geboren. Mit viel Elan schafft es Cora, Beruf, Familie, Haushalt und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Die Jahre vergehen, inzwischen ist sie hoffnungslos überfordert. Der tägliche Stress lässt sie verzweifeln, Schuldgefühle auf der Arbeit und zuhause machen ihr zu schaffen. Sie hat kaum einmal Zeit für sich und ihre eigenen Bedürfnisse, so kann es nicht mehr weitergehen ...
Die Handlung beginnt mit dem Jahr 2013 und erstreckt sich über 10 Jahre. Wir begleiten Coralie und Adam vor dem Hintergrund eines ereignisreichen Jahrzehnts in Großbritannien, als das Land fünf Premierminister wählte, der Brexit die britische Gesellschaft spaltete und die Corona-Pandemie abrupt den Alltag veränderte. Coralie ist von Beginn der Beziehung an die Gebende, sie kümmert sich um fast alles, hält Adam den Rücken frei, ist ständig bemüht, es allen recht zu machen und opfert sich dabei mehr und mehr auf. Jessica Stanley zeichnet in ihrem Roman ein ehrliches Bild von den Herausforderungen, denen heutzutage viele junge Frauen, die sich Kinder wünschen und Karriere machen wollen, gegenüberstehen.
Die unterhaltsame Geschichte ist in intelligenter Sprache mit feinem Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die Nebenfiguren sind authentisch und mit viel Empathie beschrieben. Es hat mir viel Lesefreude bereitet, in Coralies Leben mit all seinen Höhen und Tiefen einzutauchen und dabei auch Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt zu erhalten. Ich mochte die junge Frau und fand es bewundernswert, mit welcher Hingabe sie sich in die Beziehung mit Adam einbringt, habe aber auch schon früh gesehen, dass sie sich zu viel aufbürdet und dabei permanent überfordert. Eine weitere Lieblingsfigur war für mich Coralies jüngerer Bruder Daniel, der sich in Australien um seine kranke Mutter kümmert und später in London auch für seine Schwester da ist.
Dass die politischen Themen in diesem Beziehungsroman relativ viel Raum einnehmen, hat mir nicht so gut gefallen. Hier wäre für mich weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch, in dem es um Liebe und Familie, um Partnerschaft und Mutterschaft geht, bis zum für mich stimmigen Ende sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und berührt
Leseempfehlung für diesen großartigen Roman!











