Kunden em pfehlungen
Rezensionen von c.groeger:
Wie im Wald von Elisabeth Klar
Allein im Wald
August ist tot. Soviel steht fest. Die genauen Umstände seines Todes vor mehr als zehn Jahren liegen jedoch weitgehend im Dunkeln. Für Augusts Frau und seine Kinder war die Schuldfrage keine solche, ?Lisa war für seinen Tod verantwortlich?. Lisa, welche die Familie Jahre zuvor als Pflegekind aufgenommen hatte.
Seither lebt Lisa, die damals einen Schock erlitten hat und verstört geblieben ist, in einer Wohngemeinschaft und wird psychologisch betreut. Als Karin, die jüngste Tochter der Familie beschließt, Lisa zu sich zu holen und sich um sie zu kümmern, ist die Bestürzung und das Unverständnis über diese Entscheidung bei ihren Geschwistern und Augusts Eltern groß.
Karin, die als Übersetzerin arbeitet und mit ihrem Freund Alexander im Haus ihrer toten Eltern lebt. Ihre Mutter Inge starb nur wenige Jahre nach Augusts Tod. Das Zusammenleben mit Lisa gestaltet sich jedoch als schwierig, denn sie spricht kaum, nässt sich ein und betrachtet Alexander als störenden Fremdkörper, der entfernt werden muss, als Leerstelle, die einer innigeren Beziehung zu Karin hinderlich ist. Schon damals waren die beiden Mädchen unzertrennlich und auch jetzt nimmt dies rasch obsessive Züge an.
Was nun folgt ist ein psychologisches Kammerspiel allererster Güte. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Perspektive der beiden charismatischen Frauen erzählt und erzeugt eine Spannung, einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Die Intentionen der beiden treten niemals klar zu Tage, kaum meint man zu verstehen was sie antreibt, wird man kurz darauf eines Besseren belehrt. Überzeugend auch, wie dieselben Situationen von den zweien unterschiedlich erlebt und erfahren werden.
Die junge Wiener Autorin Elisabeth Klar, die zusammen mit Susanne Müller den Verein ?Literaturwerkstatt Wien? leitet, hat mit ihrem Debütroman ganz große Literatur geschaffen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, atmosphärisch dicht, erotisch aufgeladen wird die Handlung mit hoher Sprachfertigkeit, ja Sprachkunst vorangetrieben.
Für mich eines der besten Bücher des heurigen Jahres. Absolute Leseempfehlung.
Rezensionen von c.groeger:
Gräser der Nacht von Patrick Modiano
Geheimnisvolle Vergangenheit
Eigentlich hätte der neue Roman von Patrick Modiano ja erst im nächsten Frühjahr erscheinen sollen. Die Verleihung des Literaturnobelpreises an diesen großen französischen Schriftsteller war für den Hanser Verlag Anlass genug, den Erscheinungstermin um einige Monate vorzuziehen. Ein Glück für die deutschsprachige Lerserschaft.
Als der angehende Autor Jean die rätselhafte Dannie kennenlernt und sich in sie verliebt, ist er fasziniert von der geheimnisvollen Aura, welche die junge Frau ausstrahlt. Sie lebt mit falschen Papieren, empfängt ihre Briefe postlagernd und verkehrt mit sinistren Gestalten, die ein Odeur von Gesetzlosigkeit umweht.
Vielleicht war es aber gerade dieser Hauch von Gefahr den Jean so anziehend fand. Er lebt mit Dannie in Wohnungen, in Landhäusern in denen sie früher bereits gelebt hat. Doch warum müssen sie sich dann vor den Nachbarn verbergen?. Als eine gemeinsame Zukunft vorstellbar wird, verschwindet Dannie von einem Tag auf den anderen.
Als er Jahre später im Zuge polizeilicher Ermittlungen vernommen wird, erfährt er mehr über die geheimnisvolle Dannie und die Gründe für ihr Verschwinden.
Fünfzig Jahre später. Jean hat mittlerweile viele Bücher verfasst, erinnert er sich noch einmal an jene Zeitspanne, die ihm heute wie ein Traum vorkommt und die ihm doch so gegenwärtig und real ist.
Die Zeit, das Erinnern, das Wirken der Vergangenheit in die Gegenwart hinein, sind auch in diesem Buch die maßgeblichen Kräfte.
Dieser enigmatische Roman reiht sich nahtlos ein, in das große Werk eines der größten zeitgenössischen Autoren.
Rezensionen von c.groeger:
Die Verschwundenen von Wolfgang Popp
Auf und davon..
Fünf Menschen brechen jeden Kontakt mit ihrem bisherigen Umfeld ab und beginnen ein neues Leben. Die Gründe hierfür, so unterschiedlich sie im Einzelnen auch gewesen sein mögen, haben doch gemein, dass sie aus einer Phase der höchsten nervlichen Anspannung resultierten. Auch eint die Verschwundenen eine nahe an Verrückheit grenzende Genialität.
Sei es ein ehemaliger Gymnasialprofessor, der nach zwanzig Jahren zufällig von einem seiner damaligen Schüler erkannt wird. Alpbacher, so der Name des Professors, ist nun als Historiker in der antiken Ausgrabungsstätte von Pompeji tätig. Die Gründe für sein plötzliches Abtauchen damals, schienen in der Präsenz einer neuen Schülerin in Alpbachers Klasse verborgen zu liegen.
Oder ein Doktor der Philosophie, der seinen ehemaligen Schulfreund zu sich ruft. Mit der Begründung ? ?Er sei todkrank und ihm bleibe nur mehr wenig Zeit?. Seinem großen Vorbild Ludwig Wittgenstein gleich, ging er vor Jahren nach Cambridge um dort seine Studien voranzutreiben. ?Sein Werk sei zwar so gut wie fertiggestellt, bloß die Katalogisierung und Veröffentlichung werde ihm wohl nicht mehr möglich sein?. Dies wäre also nun die Aufgabe seines Freundes, den, in England eingetroffen, eine gehörige Überraschung erwartet.
Im dritten, umfangreichsten Kapitel überredet ein von Geldsorgen Geplagter, sich ganz der Ornithologie verschrieben Habender, der die letzten Jahre auf einer kleinen britischen Insel verbracht hatte, seinen ehemals besten Freund dazu, sich auf nach Delphi zu machen, um dort ein ausgestorben geglaubtes Steinkäuzchen aufzuspüren, für dessen fotografischen Beweis eine hohe Geldsumme winkt. Der Auftakt für eine odysseenhafte Autofahrt von Wien quer über den Balkan.
Auch in den folgenden beiden Abschnitten stehen Menschen im Mittelpunkt, die ihr Leben ganz ihrer Leidenschaft untergeordnet haben und dieser manchmal auch erlegen sind.
Die fünf Erzählstränge des Romans sind, zumindest, lose miteinander verwoben. Manchmal wird die Verbindung mit nur einem oder zwei Sätzen angedeutet.
Wolfgang Popps Roman ist ganz große Literatur. Sprachlich überzeugend, sehr atmosphärisch und mit einprägsamen Figuren, sie an deren existenziellen Wendepunkten zeigend, bevölkert.
Absolute Leseempfehlung
Rezensionen von c.groeger:
Alles Licht, das wir nicht sehen Roman von Doerr Anthony
Liebe in Zeiten des Krieges
Saint-Malo 1944. Die Stadt an der bretonischen Küste wird noch von den deutschen Truppen gehalten und gegen die zu erwartende Offensive der Allierten zur Festung ausgebaut.
In der Stadt gefangen sind die zigtausenden Bewohner. Unter ihnen auch die blinde Marie-Laure und ihr Vater. Die beiden sind aus Paris geflohen und bei Marie-Laures Grossonkel untergekommen.
Seit dem ersten Weltkrieg, in welchem er als Soldat gekämpft hatte, leidet er unter traumatischen Angstzuständen. Sein Haus hat er in all den Jahren nicht mehr verlassen.
Im Gepäck von Marie-Laures Vater befindet sich auch ein seltener Edelstein, der der Legende nach mit einem Fluch belastet ist, seinem Besitzer jedoch Unsterblichkeit verheißen soll. Der Direktor des Pariser Museums, bei dem ihr Vater angestellt ist, hatte ihnen diesen mit auf den Weg gegeben, um ihn vor dem Zugriff der Nazis zu bewahren. Um dessen Spur zu verwischen, wurden Duplikate angefertigt, die in andere Regionen Frankreichs gebracht wurden. Niemand der Boten weiß, ob er sich im Besitz des Originals befindet.
Von Rumpel, Stabsfeldwebel und Diamantenexperte, ist dem Stein jedoch dicht auf der Spur. Bis Saint-Malo hat ihn seine Beharrlichkeit bereits gebracht. Seine Motivation den Diamanten zu finden, ist auch persönlicher Natur, da er unheilbar an Krebs erkrankt ist und mittels des Steins hofft, seine Krankheit zu besiegen.
Ebenfalls in Saint-Malo befindet sich der junge Werner Hausner. Der Waisenjunge, dem es aufgrund seiner technischen Begabung gelungen ist, in eine der begehrten Napola-Erziehungsheime aufgenommen zu werden, dient nun in einer Spezialeinheit die Feindsender aufspüren soll, über welche sich der Widerstand organisiert. Marie-Laures Großonkel hat eben einen solchen auf seinem Dachboden versteckt und sendet mit diesem der Résistance Codes und andere Informationen. Trotz seiner ideologischen Indoktrinierung, hat sich Werner ein gewisses Maß an Menschlichkeit bewahrt. Ob dies genügt, Marie-Laures Großonkel vor der Verhaftung zu bewahren?.
Vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges hat Anthony Doerr einen wunderbaren poetischen Entwicklungsroman geschrieben. Das Innenleben der Figuren, vor allem aber Marie-Laures Erkundungen der ihr unbekannten fremden Umgebung werden plastisch und wortreich geschildert.
Alles wird in diesem Buch mit Eigenschaften und Begrifflichkeiten ausgestattet, ohne das der Autor dabei der Redundanz anheimfallen würde.
Wunderbar und hochspannend. Absolute
Rezensionen von c.groeger:
Der Tag, als meine Frau einen Mann fand von Sibylle Berg
Ménage à trois
Chloe uns Rasmus sind seit beinahe zwanzig Jahren ein Paar. Während er als große Regiehoffnung in der deutschen Theaterszene gegolten hat, eine Hoffnung die sich nicht erfüllt hat, war sie ganz ?die Frau an seiner Seite?.
Ihn in Allem unterstützend, ?ganz so, wie es dem Frausein eben entspricht?, liebt sie ihn zwar immer noch, der Sex allerdings war von Beginn ihrer Beziehung an, bloß Pflichterfüllung.
?Weil Erwachsene es eben tun und es zu einer glücklichen Beziehung dazugehört?.
Seit Monaten schon, sind sie nun in ?irgendeinem Dritte-Welt-Land?, wo ?sich die Bewohner vor wenigen Jahren noch, mit Macheten gegenseitig die Köpfe abgeschlagen haben?. Rasmus will hier in einem Theaterprojekt den Einheimischen die europäische Kultur nahebringen. Die zeigen sich davon allerdings wenig beeindruckt und nehmen nur wegen des kostenlosen Bierausschanks nach den Proben daran teil.
Bei einem ihrer Streifzüge durch das heruntergekommene Dorf in welchem sich ihr Hotel befindet, stoßen sie auf ein Massageinstitut dessen Dienste die beiden in Anspruch nehmen, Drogengebrauch inklusive, und der Masseur beschert Chloe einen wunderbaren Orgasmus, der ihr (die sich seit Jahren angewöhnt hat, mehrmals täglich zu masturbieren) genügt, sich in ihn zu verlieben. Benny, so der Name des Dienstleisters, ist also der Grund für die kurzfristige Trennung von Chloe und Rasmus.
Als Rasmus die Vergeblichkeit seiner kulturellen Entwicklungshilfe einsieht, und beschließt, in die Heimat zurückzukehren, begleitet in Chloe zwar, doch ihre Gedanken sind weiterhin bei Benny. Wie wunderbar für sie, als sie nach kurzem eine Nachricht von ihm erhält und sie ihn auffordert, zu ihr zu kommen. So beginnt also das gemeinsame Leben von Chloe, Rasmus und Benny?.
Sibylle Bergs Roman ist eine großartige Analyse der Zumutungen und Ungeheuerlichkeiten der menschlichen Existenz. Ihr Witz ist treffsicher wie nur je, ihre Angriffe wahrhaftig und das diese stets die Dinge benennen und zutreffend sind, macht die Lektüre ihres Buches zwar beklemmend, schmälert allerdings in keinster Weise den Lustgewinn den man dadurch erfährt.
Große Literatur. Chapeau
Rezensionen von c.groeger:
Unterwerfung von Michel Houellebecq
Eine Utopie?.
Frankreich im Jahr 2022. Anders als vor fünf Jahren, als durch das Zusammenwirken gemäßigter Kräfte, ein Sieg der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen verhindert werden konnte und François Hollande für eine weitere Amtszeit bestätigt worden ist, gilt für den jetzigen Präsidentschaftswahlkampf und das Antreten des muslimischen Kandidaten Mohammed Ben Abbes das Heranbrechen einer neuen Ära.
Erstmals seit Bestehen der Fünften Republik stehen einander in der Stichwahl keine Kandidatin und kein Kandidat der gemäßigten demokratischen Parteien gegenüber.
Marine Le Pen gegen Ben Abbes. So lautet das Szenario in dem sich der Literaturwissenschaftler François wiederfindet. Der an der Sorbonne lehrende Professor gilt als Spezialist für Joris-Karl Huysmans, einen Autor der Belle Epoque, über den François auch seine Dissertation verfasst hat.
Die aufgeheizte Stimmung nimmt François, der sich selbst als ?so politisiert wie ein Handtuch? bezeichnet, erst nur am Rande war. Doch auch seine derzeitige Geliebte Myriam fürchtet eine Radikalisierung der Atmosphäre und entschließt sich, nach Israel auszuwandern.
Als es zu ersten kleineren Unruhen kommt, beschließt François sich aus Paris zurückzuziehen. Auf seiner Fahrt in den Südwesten des Landes, auf gespenstisch leeren Autobahnen, entdeckt er bei einer Tankstelle mehrere Leichen. Einige davon, augenscheinlich Nordafrikaner, bewaffnet mit Maschinenpistolen. Auf den Frequenzen der Radio- und Fernsehstationen nur Rauschen.
Nach einigen Wochen Aufenthalt in der Provinz entschließt sich François nach Paris zurückzukehren. Als sich in der Stichwahl Ben Abbes durchsetzt und die Universität, vorerst, für unbestimmte Zeit geschlossen wird, erkennt François, das ?Alles politisch ist?. Der neue Rektor, ein zum Islam konvertierter Identitärer wechselt die Professoren, der neuen Ideologie gemäß, aus. François wird, ohne Abstriche in Kauf nehmen zu müssen, pensioniert.
Das erste Anzeichen des neuen Geistes ist das allmähliche Verschwinden der Frauen aus der Arbeitswelt. Arbeitenden Frauen, ohnehin nicht gern gesehen, wird das Zuhausebleiben noch durch finanzielle Zuwendungen versüßt. Die Geldmittel der Golfstaaten machen es möglich.
Auch Röcke und Kleider verschwinden mehr und mehr aus dem Straßenbild. An ihre Stelle treten Hosen und weite Blusen, welche beinahe bis zu den Knien reichen. François, der sich zunehmend zurückgezogen hatte, erreicht schließlich der Ruf der neuen Universitätsleitung, welche ihn gerne wieder als Lehrenden sehen würde. Als Lockmittel dienen, eine grosszügige Entlohnung, sowie im Falle seines Übertritts zum Islam, bis zu drei Frauen, welche ihm dem Gesetz nach, nunmehr zustünden.
Houellebecqs neuer Roman ist ein großes düsteres Gedankenexperiment. Sein Anti-Held François, ein Nihilist wie die meisten Figuren dieses Autors, versucht sich durch Anpassung Vorteile zu verschaffen. Was ihn natürlich nicht unbedingt sympathisch macht, trotzdem muss die vielfach überzogene Kritik am Verhalten François abgelehnt werden, man tut gerade so, als wäre dies etwas Neues in der Menschheitsgeschichte.
Auch der Vorwurf der Islamophobie trifft in keinster Weise zu. Viel eher ist dieser Roman ein Schlag ins Gesicht der sogenannten Mehrheitsgesellschaft, welche sich ihre ach so kostbaren Errungenschaften wie Meinungsfreiheit, die Gleichstellung der Frau etc. ohne weiteres nehmen lässt.
Ein großer dystopischer Roman eines großen Schriftstellers.
Und ja, Literatur darf und muss provozieren und kritisieren. LITERATUR DARF ALLES!
Rezensionen von c.groeger:
Hart auf hart von T. C. Boyle
Wütende weiße Männer
Als der pensionierte Schuldirektor und Vietnamveteran Sten während einer Mittelamerikakreuzfahrt, die er gemeinsam mit seiner Frau unternimmt, bei einem Landausflug überfallen wird, brennen bei dem topfiten Siebzigjährigen die Sicherungen durch. Was man ihm vor Jahrzehnten bei der U.S. Army beigebracht hatte, ist ihm immer noch gegenwärtig.
So tötet er einen der Räuber, was genügt, den Rest der Bande in die Flucht zu schlagen.
Zurück in den Staaten wird Sten für kurze Zeit als Held gefeiert. Glückwünsche und Unterstützungserklärungen erreichen ihn, was ihm eigentlich nicht recht ist, denn anders als Viele, die in eine ähnliche Situation geraten wären, sieht Sten in seiner Tat wenig Heldenhaftes. Dazu beigetragen mögen auch die Probleme mit seinem Sohn Adam haben, der schon seit frühester Jugend an, mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist und durch etliche gewalttätige Ausraster vorbelastet ist.
Dieser psychisch labile Sohn beginnt nun eine leidenschaftliche Affäre mit Sara, einer Globalisierungskritikerin, Regierungsgegnerin die, wie sie immer wieder betont, ?keinen Vertrag mit denen eingegangen ist?. Denen, meint in ihrem Fall so ziemlich Alle die den Staat repräsentieren.
Doch auch Sara wird schnell klar, das Adam, neben seiner Begeisterung für einen Trapper des 19.Jahrhunderts, mehr antreibt, als die bloße Ablehnung der Staatsgewalt und er sich als tickende Zeitbombe erweist, die zu entschärfen, nicht ohne Gewalt anzuwenden möglich sein wird.
T.C. Boyles Roman ist wieder einmal von beinahe unheimlicher Aktualität und Realitätsbezogenheit, indem er die Gefahr, welche von labilen gewaltbereiten Männern ausgeht, zum Thema macht.
Bestsellertaugliche, große Literatur.
Rezensionen von c.groeger:
Das Haus im Dunkel von José Luís Peixoto
Der Untergang Arkadiens
Der Protagonist dieses Romans, ein junger erfolgreicher Schriftsteller, lebt zusammen mit seiner melancholischen Mutter und der Sklavin Miriam in einem, von einem verwilderten Garten umgebenen, abgelegenen Haus. Die weitläufigen Räumlichkeiten werden von unzähligen Katzen bevölkert.
Er erschafft sich eine Geliebte, eine wunderschöne Frau,?die in ihm ist?, wie es im Buch immer wieder heißt.
Mit ihr, dieser geisterhaften Schönen, unterhält er einen ?wortlosen Dialog?. Sie ist ihm Inspiration für seine Arbeit.
Als er seinen Verleger, der schon seit Jahren im Gefängnis sitzt, weil er das Manuskript eines jungen, unbekannten Autors mit der Begründung,?die Leute lesen heutzutage wenig, und schon gar nichts von einem jungen Autor, von dem sie noch nie gehört haben?, zurückgewiesen hatte, mit lüsternem Blick über seine unschuldige Arbeit schweifen sieht, kommt ihm dies wie ein Sakrileg vor und er beschließt ihn nie mehr aufzusuchen. Ein Vorsatz, den er nur kurze Zeit später, bei einer Gefängnisrevolte als dessen Anführer sich der Verleger entpuppt, brechen wird.
Als der Prinz von Calicatri, sein bester Freund aus Kindheitstagen, der sich auf eine jahrelange Weltreise begeben hatte, wieder auftaucht und vor einer bevorstehenden Invasion der Barbaren warnt und diese tatsächlich erfolgt, wird sein Haus, sein Rückzugsort zu einem Ort bestialischer Grausamkeit.
Der portugiesische Schriftsteller José Luís Peixoto hat einen Roman geschrieben, der einem den Atem raubt. Passagen von poetischer Schönheit wechseln sich mit Szenen schwer zu ertragender Gewalttätigket ab. Mit fantastischen allegorischen Bildern zeigt uns der Autor eine Welt, in der die Kunst, die Literatur mit zum Wichtigsten gehören was in ihr existiert und die von der Grausamkeit der Barbaren vernichtet wird.
Ein großartiges
Rezensionen von Mel.E:
Mein Herz und andere schwarze Löcher von Warga Jasmine
Brisantes Thema in einer genialen Umsetzung
"Mein Herz und andere schwarze Löcher" sprach mich als erstes durch das kunterbunte Cover an, bevor ich mich dem Klappentext widmete. Wie kann ein Buch über Depression und dem Gedanken an Selbstmord trotzdem so farbenfroh auf mich wirken? Zumal der Klappentext eine andere Sprache spricht als das Cover.
Meine Neugier schürte es und ehrlich gesagt freute ich mich riesig auf das Buch. Ich erwartete auf der einen Seite sehr viel Traurigkeit und auf der anderen Seite Hoffnung, denn Hoffnung ist bunt und dieses könnte ein Zeichen sein, warum für das Cover bunte Farbkleckse gewählt worden sind.
Ich gestehe, dass das Lesen der Story nicht immer einfach war, denn Aysel gibt uns tiefe Einblicke in ihre Seele und lässt uns nachempfinden, wie einsam und zerstört sie sich fühlt. Die schwarze Qualle / Depression hat sie voll im Griff. je mehr ich mich in der Story voran bewegt, bekam der Titel mehr und mehr Sinn. Hier einige Zitate aus dem Buch, um zu verdeutlichen, wie Aysels Gefühlslage zu deuten ist:
Manchmal frage ich, ob mein Herz wie ein schwarzes Loch ist - eine Masse, so dicht, dass dort kein Raum für Licht bleibt. Aber das heißt trotzdem nicht, dass das schwarze Loch mich nicht aufsaugen kann. Zitat S. 156
Mein Herz, dieses schwarze Loch, stolpert und saugt alle Luft aus meiner Lunge. Zitat S. 233
Zwei junge Menschen, die sich nach dem Tod sehnen. Eigentlich unvorstellbar, aber gerade Romans Situation verdeutlicht, wie sehr Depressionen uns umhauen können. Roman hat Tage, in denen er es nicht schafft sich morgens anzuziehen und er verbringt seine Tage im Bett, angefüllt von Trauer, Schuldgefühlen und einer gewissen Antriebslosigkeit. Aysel selbst hat andere Beweggründe, um ihrem Leben ein Ende zu setzen, die erst nach und nach offen dargelegt werden. Aus Angst vor erneuter Verletzung verschweigt Aysel ihre Gründe recht lange und präsentiert sich erst als sie genügend Vertrauen zu Roman entwickeln konnte. Selbst bei ihm befürchtet sie Ablehnung. Wir treffen hier auf zwei junge Menschen, die tief in ihrer Seele verletzt sind und keinen anderen Ausweg als den Tod sehen. Mir ging es sehr nah und erfüllte mich mit Schrecken, denn die Tatsache, dass es tatsächlich Foren gibt in denen Menschen sich suchen und finden um einen Selbstmord zu planen ist sehr beklemmend.
Im Anhang deutet die Autorin an, dass sie das Buch aus einer Begebenheit ihres Lebens geschrieben hat und vielleicht ist das auch der Grund, warum mir "Mein Herz und andere schwarze Löcher" mitunter so authentisch erschienen ist? Das Buch hat mich sehr bewegt und nachdenklich gestimmt. Ich werde nicht viel preisgeben, was die Story betrifft, denn Ziel einer Rezension ist es, neugierig zu machen und das Buch so überzeugend darzustellen, dass es unbedingt gelesen werden muss. Ich freue mich immer noch sehr, dass ich die Möglichkeit dazu hatte. Mich lässt das Buch begeistert zurück, denn die Hoffnung, die das Cover ausstrahlte, begleitete mich während des Lesens und beweist eindeutig, dass es möglich ist, sich von der schwarzen Qualle zu befreien, auch wenn der Weg hart ist und man definitiv Hilfe benötigt.
Absolute Leseempfehlung an ein Jugendbuch, welches nachdenklich stimmt, mitunter emotional wirklich bewegt und dennoch ganz viel Wahrheit beinhaltet, die mich wirklich umgehauen hat. Im Hinblick auf uns Menschen, die verletzlich sind und auf Mitleid oder Ausgrenzen der Person unterschiedlich reagieren, ist es kein Wunder, wenn es Menschen gibt, die sich einigeln, zurückziehen und in tiefe schwarze Löcher fallen. Vielleicht trifft uns mitunter auch eine Mitschuld am Leid eines anderen?
Rezensionen von Sonja:
Mein Herz und andere schwarze Löcher von Warga Jasmine
Immer wieder neu!
I
ch darf die musikalische Entwicklung Raphael Wressnig nun schon ein paar Jahre mitverfolgen und bin immer wieder aufs Neue beeindruckt.
Er ist ein Musiker, der seinen ganz persönlichen Stil entwickelt hat, aber dennoch immer wieder einen Schritt weiter geht. Es ist übrigens auch ein Genuss ihn live zu erleben! Hoffentlich hört man ihn bald wieder einmal in Klagenfurt/Celovec!










