Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
Behäbiger Start, spannendes Ende
Der Einstieg in die Geschichte war sehr ausführlich, mit der Beschreibung der Begebenheiten rund um das große Feuerwerk am 04. Juli und die Autorin braucht zu Beginn viele Seiten für relativ wenig, das passiert. Dadurch schafft sie es allerdings auch, die herrschende Stimmung sehr gut einzufangen sowie die wichtigsten Personen und ihre Beziehung zueinander vorzustellen.
Mir war das Ganze teilweise ein bisschen zu Amerikanisch, was aber vielleicht auch nicht unbedingt verwunderlich ist, da North Falls eben auch eine amerikanische Kleinstadt ist. Trotzdem fand ich das manchmal ein bisschen anstrengend.
Darüber hinaus geht es schon sehr viel um die Familie Clifton, die einen großen Teil der Bevölkerung in und um North Falls ausmacht und auch das Sheriff Department besetzt. Da trat der Fall der verschwundenen Mädchen manchmal fast schon in den Hintergrund.
Ich habe also einige Zeit gebraucht, in das Buch hineinzufinden, doch irgendwann hat es die Autorin doch geschafft, mich so richtig zu packen, wenn es auch etwas gedauert hat.
Am Ende war es dann so richtig spannend, auch wenn die Thematik schon harter Tobak war, mit einigen Wendungen und Entwicklungen. Da konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen.
Nachdem die Autorin gerade auch im privaten Bereich die Personen sehr ausführlich vorgestellt hat, gehe ich stark davon aus, dass hier ein zweiter Teil vorbereitet werden sollte. Diesen werde ich ebenfalls gerne lesen.
Rezensionen von ReiShimura:
Die Streitsaurier von Annette Langen
Ein Buch über Streit und Versöhnung - theoretisch jedenfalls
Auf dieses Buch haben sich der kleine Leser und ich sehr gefreut, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der kleine Leser war total begeistert, dass es in diesem Buch um Dinosaurier geht bzw. dass die Hauptcharaktere des Buches Dinosaurier sind. Mich hat besonders das Thema des Buches angesprochen: eine humorvolle Geschichte über das Streiten und Versöhnen.
Leider konnte uns das Buch nicht beide zufrieden stellen.
Ich möchte aber mit den positiven Aspekten des Buches beginnen, bevor ich meine Kritik äußere. Wie vom Baumhaus Verlag nicht anders erwartet, ist das Buch wieder äußerst hochwertig verarbeitet. Die Illustrationen von Gloria Jasionowski sind bunt, humorvoll und manchmal ein klein wenig kurios. Das Miracelrex, ja er wird im Buch wirklich mit das und nicht der bezeichnet, und der Superosaurus schauen lustig aus und haben dem kleinen Leser sehr gut gefallen. Manche der Illustrationen haben ihn aber auch ein wenig ratlos zurückgelassen, da immer irgendwas aus dem Wasser heraussteht und für ihn nicht ganz klar war, was das darstellen soll.
Der Text ist kindgerecht verfasst und stellenweise auch sehr unterhaltsam. Manche Absätze sind in Urviehchisch verfasst, einer urzeitlichen Dinosauriersprache. An sich eine witzige Idee, allerdings hatte ich Schwierigkeiten mit dem Vorlesen, denn das urviechisch wollte mir nicht so einfach von der Zunge rollen. Auch beim kleinen Leser kam dies nicht so besonders gut an, ich denke, dies ist eher für ältere Kinder interessant.
Wie bereits anfangs angekündigt, muss ich leider ein wenig Kritik üben und diese betrifft den Inhalt des Buches. Mir ist bewusst, dass ich einen relativ hohen Maßstab für Kinderbücher ansetze, aber mir persönlich ist eben wichtig, dass die Bücher einen gewissen Lehrauftrag erfüllen. Insbesondere dann, wenn dies vom Verlag so angekündigt wird und es für mich der Hauptgrund war, mich für dieses Buch zu entscheiden. Leider kommen die Themen Streiten und Versöhnen in diesem Buch ein wenig zu kurz. Der Streit von Miracelrex und Superosaurus war für uns als solcher anfangs nicht zu erkennen. Ja, die beiden messen sich aneinander, dies war für uns aber eher ein gegenseitiges Necken und kein Streiten. Auch die Versöhnung am Ende kam so überraschend, dass sie nicht wirklich als solche erkennbar war.
Dazu kommen dann noch der eine oder andere logische Fehler, der mich in Erklärungsnot gebracht hat. Da ich manche Dinge selbst nicht verstehen konnte, konnte ich diese dann eben auch nicht logisch erklären oder begründen, warum das jetzt so passt.
Empfehlen kann ich dieses Buch für kleinere oder größere Dinofans, die auf der Suche nach einer humorvollen Geschichte sind. Wer auf der Suche nach einer guten und spaßigen Möglichkeit ist, den Kindern Streiten und Versöhnen näher zu bringen, sollte meiner Meinung nach zu einem anderen Buch greifen, wie zum Beispiel Ruppi Rüpelfisch, ebenfalls aus dem Baumhaus Verlag.
Rezensionen von Shilo:
Die Hausmamsell von Edvard Hoem
Ein stilles Leben voller Würde
Es gibt Bücher, die sich leise entfalten, und genau darin liegt ihre Kraft. Dieses gehört für mich dazu. Edvard Hoem erzählt das Leben von Julie Elisabeth Hoem mit einer Ruhe, die ehrlich wirkt. Nichts wird übertrieben, nichts beschönigt. Ich mochte diese zurückhaltende Art, weil sie Raum lässt, um selbst nachzuspüren, was zwischen den Zeilen mitschwingt.
Julie wächst in einfachen Verhältnissen auf, arbeitet später als Hausmamsell in Bergen und begleitet eine Familie für einige Jahre nach Amerika. Diese Stationen wirken nicht erfunden, sondern sorgfältig recherchiert und mit Gefühl zusammengefügt. Man merkt, dass Hoem hinschaut, wo Lücken bleiben, und sie mit stiller Fantasie füllt, ohne den Kern zu verändern.
Die Sprache hat mich berührt. Sie ist schlicht, aber eindringlich. Man spürt die Einsamkeit und Würde einer Frau, die ihren Weg geht, ohne Aufsehen zu erregen. Nichts wirkt inszeniert. Alles hat die Ruhe einer Erinnerung, die langsam Form annimmt.
Besonders gelungen finde ich, wie Hoem die Zeit spürbar macht. Man bekommt ein gutes Gefühl für das Leben damals, für die Arbeit, die Häuser, die Menschen und die Stadt Bergen. Es wirkt echt. Nicht geschönt. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Distanz. Man fühlt sich als Beobachter, nicht als Teil der Geschichte. Das passt zu Hoems Stil, der immer etwas Sachliches mitschwingen lässt, selbst wenn es um Gefühle geht.
Für mich ist dieses Buch ruhig und unaufgeregt erzählt, aber genau das macht seinen Reiz aus. Es spricht von Arbeit, Verzicht und Stolz. Von einem Leben, das in seiner Einfachheit Sinn trägt. Ich habe es gern gelesen, auch wenn es stellenweise etwas betulich wirkt und mir manchmal mehr Nähe zu Julie gefehlt hat. Doch vielleicht gehört gerade das zu dieser Geschichte, die mehr sagt, wenn sie schweigt.
Eine leise Erzählung, die bleibt, weil sie zeigt, wie viel Stärke in einem stillen Leben liegen kann.
Ich empfehle das Buch allen, die ruhige, fein beobachtete Geschichten schätzen, in denen das Alltägliche Bedeutung bekommt, und allen, die gern Bücher lesen, die ohne Aufhebens berühren. 4 Sterne.
Rezensionen von Arambol:
The Academy von Elin Hilderbrand; Shelby Cunningham
Leben. Lernen.
"Ich dachte mir, wenn ich einfach bin, wie ich bin, werde ich meine Leute schon finden."
Die Sommerferien sind vorbei, am Elite-Internat Tiffin beginnt ein neues Schuljahr. Gleich am ersten Tag gibt es eine große Überraschung: Die Schule hat im nationalen Ranking den zweiten Platz belegt.
Diese unerwartet gute Platzierung weckt Misstrauen: War es Zufall, oder steckt Größeres dahinter?
Unter den Schülern und Lehrkräften treffen einige ganz unterschiedliche Charaktere aufeinander. Da ist die "Neue", Charley Hicks, eine ehrgeizige Schülerin von einer staatlichen Schule, die sich in der elitären Umgebung behaupten will. Dann Davi Banerjee, eine gefeierte Influencerin, die versucht, hinter einer perfekten Fassade ihre eigene Unsicherheit zu verbergen. Die junge Geschichtslehrerin Simone Bergeron kämpft mit einem Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, das sie einzuholen droht. Und schließlich Andrew „East“ Eastman, der Sohn eines einflussreichen Sponsors, der seine Sonderstellung schamlos ausnutzt.
Der Roman "The Academy" von Elin Hilderbrand entführt den Leser in die abgeschlossene Welt eines elitären Internats; mit allen Geheimnissen, Intrigen und Alltagsdramen. Im Verlauf dieses Schuljahres wird eines schnell klar: Es geht nicht nur um Prestige – sondern um viel mehr. Um Macht und Loyalität, sowie um den Preis, den man zahlen muss, wenn niemand mehr unbeobachtet anonym bleiben kann.
Positiv fällt die Buchgestaltung auf: im Inneren der vorderen Klappen-Broschur findet sich ein übersichtlicher Lageplan des Campus, der hilft, sich räumlich zu orientieren. Hinten im Buch sind alle zentralen Charaktere in einem Personenverzeichnis aufgelistet.
Inhaltlich gelingt es Hilderbrand, den Alltag der Jugendlichen glaubwürdig und abwechslungsreich zu schildern. Freundschaft, Konkurrenz, erste Liebe, aber auch familiäre Erwartungen und Druck spielen dabei zentrale Rollen. Ständig wechseln sich humorvolle und leichte Szenen mit ernsteren Momenten ab, in denen deutlich wird, dass hinter der glänzenden Fassade des Internats auch Unsicherheit und Ängste stecken.
Die Handlung entwickelt sich angenehm flüssig, nicht alle Rätsel werden final gelöst, was auf ein Wiedersehen an der Tiffin Academy hindeutet.
Ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman mit stimmiger Atmosphäre und sympathischen Charakteren.
Rezensionen von begine:
Familia von Lauren E. Rico
Schwestern
Familia, ist eine fesselnde Geschichte von Lauren E. Rico.
Es geht um zwei Schwestern, von der eine nicht wusste, das sie ein hat.
Gabby ist in New York als Einzelkind aufgewachsen. Durch eine DNA Untersuchung, die vom Arbeitgeber angezettelt wurde, erfährt sie von Wurzeln in Puerto
Rico.
Isabella vermisst ihre kleine Schwester seit 25 Jahren.
Wie die Beiden dann ihre Geschichte zusammen bringen können, ist wunderbar spannend.
Ich wurde von der Geschichte gut unterhalten. Man erlebt alles direkt mit.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Zeit der Abschiede von Klaus Brinkbäumer
Von der Weisheit, die in der Trauer liegt
Klaus Brinkbäumer, Jahrgang 1967, kann in seinem Leben auf so einige Erfolge und Segnungen zurückblicken: eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere als Journalist, mehrere Jahre als Chefredakteur des Spiegels und danach als Programmdirektor des MDR, eine erwachsene Tochter aus einer früheren Ehe und einen kleinen Sohn aus der aktuellen Ehe mit Samiha Shafy, mit der er vor einiger Zeit ein Buch über Hundertjährige veröffentlicht hat.
Sein Lebensstil ist privilegiert und materiell abgesichert, er pendelt in den im Buch beschriebenen Jahren zwischen New York - wo er mit seiner Familie in einer Wohnung in Manhattan mit toller Aussicht lebt - und Deutschland. Außerdem war ihm das nicht selbstverständliche Glück vergönnt, seine beiden Eltern lange in seinem Leben zu haben und erst in den eigenen 50ern zu verlieren, als beide schon ein hohes Alter erreicht hatten. Doch der Verlust der Eltern, nochmal mehr beider innerhalb der Zeitspanne von wenigen Jahren, ist für jeden Menschen ein existenzieller Einschnitt und oft auch eine tiefe Krise.
In diesem Buch gelingt es dem Autor, den Abschnitt von den beiden sterbenden Eltern in einen größeren Rahmen einzubetten, in "sieben Jahre des Loslassens und Wiederfindens", wie es im Untertitel passend heißt.
Das Buch beginnt mit dem Tod der Mutter und dem Bedauern und Unverständnis des Sohnes darüber, dass der Vater diese alleine über die Schwelle begleitet und seinen Sohn nicht verständigt hat, um sich in den letzten Stunden von der Mutter zu verabschieden, obwohl dies aus Sicht des Sohnes leicht möglich gewesen wäre. Etwas, womit er noch länger zu hadern haben wird im Verlauf des Buches. Darauffolgend wird dann in bruchstückhafter und nicht chronologischer Form von den sieben Jahren der Abschiede erzählt: der Zeitspanne zwischen 2018 und 2024, im Leben des Autors und in der Welt. Dementsprechend beginnen auch viele Absätze nach folgendem Muster: "Es ist der 17. Februar 2019, im zweiten Jahr der Abschiede,..." (S. 19).
Der große Thema des Buches ist natürlich der Abschied von den beiden alten Eltern, zuerst von der Mutter, später vom Vater, doch es geht insgesamt noch um viel mehr: um die Weisheit des mittleren Lebensalters und die reifende Erkenntnis, dass vieles zu Ende geht und nie wieder kommt, dass wir selten wissen, wann etwas zum letzten Mal geschieht, und dass niemand von uns am Ende von Tod, Trauer und Schicksalsschlägen verschont bleiben wird im Leben. Eingebettet ist dieses Thema in die globale Situation und insbesondere in die Zeit der Coronapandemie, die bekanntlich in diese Zeit fiel. Diese Pandemie mit all den damit verbundenen Aspekten ist ebenfalls ein großes Thema in diesem Buch - somit empfehle ich die Lektüre dieses Buches nur jenen, die bereit sind, sich neben dem Thema Trauer und alte Eltern auch mit dieser Zeit noch einmal innerlich auseinanderzusetzen.
Es ist ein stilles, weises, tiefgründiges und nachdenklich machendes Buch eines gereiften Menschen, der in seinem Leben schon einiges erlebt und erfahren hat und nun insbesondere hervorgerufen durch das Sterben und den Tod der alten Eltern die Gelegenheit nutzt, seine Gedanken über Tod und Vergänglichkeit in Worte zu fassen. Ich habe mir während des Lesens einige treffende Zitate notiert, die ich hier teilen möchte:
"Trauer nimmt die Trauernden gefangen und verunsichert die Nichttrauernden, weshalb sie aus deren Sicht gezähmt und überwunden werden sollte." (S. 11)
"Die Erschütterung unserer Welt hatten wir doch gerade noch für ungefähr 2035 erwartet, mit etwas Glück für 2040, das lag an der scheinbaren Langsamkeit der Klimakrise, am scheinbar unzerstörbaren Westen. Unsere Eltern, im Krieg geboren, dann aber die Nachkriegsgeneration und die Generation Wiederaufbau, hatten uns Stabilität garantiert. Und jetzt müssen wir uns von viel zu vielem verabschieden, zu schnell. Geborgene Jahrzehnte enden." (S. 33)
"Dass wir zurückkommen werden, das sagen wir, aber ich musste lange genug leben, ehe ich es verstanden, wirklich verstand, fühlte und wusste: Dinge enden, verstreichen, zerbrechen, und dann sind sie vorbei, und vielleicht kommen neue Dinge, vielleicht aber folgt bloß Leere. Erwachsensein heißt zu verstehen, dass nichts bleibt und nichts wiederkehrt; heißt, mehrere Gefühle zugleich zu erleben, das Glück und die Trauer; heißt, all das zugleich auszuhalten, auszubalancieren und weiterzugehen." (S. 43)
"Die Welt und mein Leben sind voll von Geschichten und Dingen, die niemand jemals hatte kommen sehen. Und doch glaubte ich, das Leben planen und gestalten zu können, glaubten wir das nicht alle?" (S. 51)
"Kein erwachsener Mensch führt ein Leben ohne Brüche und ohne Wendungen, ohne all die Fehlentscheidungen und Zufälle, die uns hierhin lenken und dorthin werfen; manchmal, für die Glücklichen, kommen die Schläge spät, doch sie kommen. Die meisten Menschen möchten sich das eigene Leben als lineare Geschichte des Aufstiegs, der Addition von Wissen, Liebe, Geld und Ruhm erzählen, ich wollte das auch, doch dann kommt die Ahnung, dass das Leben so nicht bleiben wird. Nicht ist. Niemals war. Oder bestenfalls am Anfang, in der Jugend, so gewesen sein wird." (S. 81)
"Vom Land der Gesunden und dem Land der Kranken spricht auch Christopher Hitchens, und irgendwann kommt der Moment der Deportation für jeden. Danach: Sehnsucht nach der einstiegen Heimat und keine Chance auf Rückkehr." (S. 107)
"Es ist ganz egal, es spielt keine Rolle, wer in einem Leben zuletzt angerufen hat, wer der letzte Besucher war, der letzte Freund oder der letzte Gegner, der Abschied ist immer eine einsame Angelegenheit." (S. 124)
Insgesamt ist es ein Buch, das mich persönlich sehr berührt hat und in dem viel Tiefgründigkeit und Weisheit zu finden ist und das ich jenen, die sich mit den Themen Tod, Sterben, Vergänglichkeit und alte Eltern auseinandersetzen möchten, ans Herz legen kann. Ich empfehle, sich für dieses Buch Zeit zu lassen, sich darauf einzulassen, den Worten Raum zum Wirken zu geben und sie, am besten in einem Notizbuch, mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen zu diesen Themen zu verbinden. Danke an den Autor für dieses ehrliche, persönliche Buch!
Rezensionen von ratra:
Die Botschaft der Meere von Matt Porteous; Tamsin Raine
Eine Hommage an die Ozeane der Welt
Es ist bekannt, „dass der Ozean keine von uns getrennte Einheit, sondern ein integraler Teil unserer Existenz ist.“ Daher ist es bewundernswert, dass sich so viele Menschen und Organisationen schon für den Schutz der Meere einsetzen. OCL ist eine davon. Und wer könnte von der Schönheit der Meere besser berichten als genau jene Menschen, denen diese blauen Tiefen so sehr am Herzen liegen?
In eindrucksvollen Bildern und Schilderungen haben die beiden Gründer von Ocean Culture Life (OCL), Matt Porteous und Tamsin Raine, eine Auswahl an Geschichten unterschiedlichster Autoren frisch aus dem ewigen Blau der Ozeane gesammelt, um uns jene wunderschönen Facetten der Meere zu zeigen, die es zu bewahren gilt und die nicht für jeden so einfach zugänglich sind.
So nimmt das Buch (geografisch nach den Ozeanen gegliedert) seine Leser mit auf eine Weltreise und taucht mit ihnen in eindrucksvolle Momente ein.
Bei dem Tauchgang durch den Atlantischen Ozean trifft der Leser so z.B. auf Pottwale bei den Azoren (geschildert von Javi García), schwimmt zusammen mit Nadine Bauer durch die Cenoten der Yucatán-Halbinsel (Mexiko), sieht zusammen mit Catherine Cushenan die Riesen der Meere (Silver Bank, Dominikanische Republik) oder bestaunt mit Garce Bailey Makrolebewesen (Jersey – Kanalinseln).
Der Indische Ozean erwartet die Leser u.a. mit Berichten und imposanten Bildern zu den Lederschildkröten, den Riesensepien, den Haien der Aliwal Shoal, den Rochen der Malediven und dem größten Saumriff Australiens. Die Geheimnisse des Meeresschildkrötengrabs werden ebenso beleuchtet wie das Miyaru-Projekt oder die Tauchbasis der Insel Fuvahmulah. Natürlich darf hier ein Ausflug zum Great Barrier Reef und nach Hawaii nicht fehlen.
Das Kapitel „Der Pazifische Ozean“ überzeugt mit weiteren Kurzgeschichten. Ob Zackenbarsche oder Riffhaie, Guadalupe-Seebär oder Weiße Haie, tausende von Teufelsrochen (die eine schwimmende Wolke bilden) oder die Nahaufnahme eines Buckelwal-Auges, schwebende gelbe Korallen vor dem blauen Nichts oder sich emporreckende Fingerkorallen … Die Geschichten und die Ästhetik der Bilder sprechen auch hier für sich.
Die Tiefsee selbst erhält durch Carissa Cabrera und Shane Gross eine eigene Betrachtung, da sie immerhin 90 % der Meeresumwelt ausmacht und dennoch immer noch größtenteils unbekannt ist.
In jedem Buchabschnitt bereichert facettenreiches Wissen die Lektüre, wie Mia Stawinskis Schilderungen über die freundlichen Dugongs oder Marcus De La Hayes Eindrücke über die Korallenriffe des Roten Meers. Alle Autoren finden dabei die richtigen Worte, um auf Gefahren, aber auch auf die Hoffnung hinzuweisen. So ist hier zu lesen, wie seit über einem Jahrzehnt MARRS gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften eine gemeinschaftsgetragene Methode für die Restaurierung beschädigter Korallenriffe voranbringt. Und so wurden schon 90.000 Riffsterne mit über 1.300.000 Korallenfragmenten an 40 Standorten verbaut.
Dazwischen erfährt der Leser immer wieder Verblüffendes, wie dass Blauhaie verspielt sind oder wie Tümmler und Thunfische sich den Menschen auch zunutze machen. Und alle Kurzgeschichten vermitteln dabei einen ganz individuellen und häufig bewegenden Eindruck.
Die begleitenden Aufnahmen sind dabei von hervorragender Qualität und zeigen so häufig den „passenden Moment“, dass man sich gut vorstellen kann, wie ausdauernd und geduldig die Fotografen nicht nur bei den Aufnahmen, sondern auch bei der Auswahl der Fotografien vorgegangen sind. Ob ein Seestern, der als Anhalter auf einer Karettschildkröte mitschwimmt, gigantische Blauwahlaufnahmen oder kleine wie farbenfrohe Meeresschnecken, die unglaublichen Fetzenfische oder eine Gruppe ruhender Weißspitzen-Riffhaie … Die stimmungsvollen Aufnahmen sind so gelungen, dass sie einen direkt in den Moment hineinziehen. Sei es die perfekte Fotografie eines „Sternenhais“ (Walhai) vor der schwarzen Tiefe, Riffmantas (die scheinbar direkt auf einen zuschwimmen), die putzige Aufnahme eines Zwerg-Seepferdchens oder die immer wieder beeindruckende Fluke (Schwanzflosse) eines Wals beim Abtauchen. Auf jeder Seite bezaubern die Meere auf eine andere Weise. So auch bei meiner Lieblingsaufnahme (auf S. 10). Ein schattenhafter Taucher läuft am Meeresgrund entlang und über ihn schwimmt friedlich ein Tigerhai dahin. – Einfach beeindruckend.
Was ich an diesem Buch wirklich schätze: Es legt häufig den Fokus auf die Dinge, die schon gut laufen und auf all die tollen Menschen und Projekte, welche die Meere unterstützen, was meiner Meinung nach einen unglaublich bestärkenden Effekt hat.
Fazit: Das Buch ist eine Hommage an die Ozeane der Welt und führt uns gekonnt vor Augen, für was sich der Schutz der Meere lohnt. Die beiden Autoren haben gut gewählte Geschichten und Bilder aus der Tiefe geholt und sie mit eindrucksvoller Intensität in ein Buch gepackt, um sie zu teilen. Und so reist der Leser einmal durch die Meere, in einem Bildband, in dem sich mahnende Worte mit hoffnungsvollen Stimmen zusammen zu einem vielseitigen Bild zusammenfügen.
Rezensionen von dorli:
Sieben Jahre von Tanja Kinkel
Friedrich II. von Preußen - Kriegsgeschehen und innerfamiliäre Konflikte
In ihrem historischen Roman „Sieben Jahre“ entführt Tanja Kinkel den Leser in die 1750er Jahre nach Preußen. Im Mittelpunkt stehen König Friedrich II., sein Leben und Wirken während des Siebenjährigen Krieges und ganz besonders die wechselvolle Beziehung zu seinen Geschwistern während dieser Zeit.
Tanja Kinkel beginnt ihren Roman mit einem Prolog, der mir nicht nur einen kleinen Überblick über die wichtigsten Protagonisten und ihre Eigenarten gibt, sondern mir auch Einblick in die familiäre Situation der königlichen Hoheiten verschafft und mir damit vor Augen führt, dass das Leben im Hause Hohenzollern kein Zuckerschlecken war.
Die eigentliche Handlung beginnt dann im Januar 1756 und wird zum größten Teil aus der Perspektive von Friedrichs Bruder Heinrich und seiner Schwester Amalie erzählt. Heinrich, der Friedrich in vielem ähnelt und doch ganz anders ist. Und Amalie, die eigenwillig und scharfzüngig ihre eigenen Wege geht.
Tanja Kinkel hält sich eng an die historischen Fakten und vermittelt mir ein äußerst umfassendes und detailreiches Bild von Zeit und Ort - ich werde nicht nur hineingezogen in das Gerangel der Mächtigen um die Vorherrschaft in Europa und erlebe Feldzüge, Belagerungen, Schlachten und das stetige Ausklügeln von Strategien und Taktiken mit, ich bin auch mittendrin in einer konfliktreichen Familiengeschichte, in der alle mit den Auswirkungen einer überaus strengen Erziehung zu kämpfen haben.
Das Miteinander und Gegeneinander der charakterlich so unterschiedlichen Geschwister habe ich als besonders interessant empfunden. Die Autorin lässt mich hier intensiv an einen turbulenten Familienleben teilhaben - es wird geliebt und gehasst, gelogen, gestichelt, gedemütigt und verhöhnt, gestritten, provoziert und intrigiert. Ich erlebe geschwisterlichen Neid, Besitzgier und Eifersucht mit und erfahre darüber hinaus einiges über ihren Alltag, ihre Freundschaften und Feindschaften, ihre Zweckehen, ihre sexuellen Neigungen und ihre große Leidenschaft zur Musik.
Eine Figur, die mich besonders beeindruckt und zudem gut unterhalten hat, ist der ehemalige Sklavenjunge Hannibal. Ein pfiffiges Stehaufmännchen. Als die sächsische Gräfin, der Hannibal zuletzt als Page gedient hat, wegen der einfallenden Preußen Dresden Hals über Kopf verlässt, bleibt er obdachlos zurück. Mutig bittet er ein paar Soldaten um Arbeit und hat das Glück, dass Heinrich Teil der Gruppe ist. So wird Hannibal zunächst Page bei Prinz Wilhelm und später auch bei Amalie. Durch Hannibals Augen bekomme ich gute Einblicke in das Umfeld der königlichen Familie. Der clevere Junge versteht es ganz ausgezeichnet, sich bei den jeweiligen Hoheiten einzuschmeicheln und sichert sich so Kost, immer einen geschützten Platz zum Schlafen und erhält sogar die Bildung, die er sich wünscht.
Das Lesen dieses über 800 Seiten starken Buches war für mich über weite Strecken eine Herausforderung, gelegentlich sogar ein wenig anstrengend, weil der Roman mit einer überbordenden Fülle an Informationen und Emotionen aufwartet. Dennoch bleibe ich am Ende zufrieden zurück, weil die abwechslungsreiche Handlung mit all den kleinen und großen Dramen mein bisher eher bescheidenes Wissen über Friedrich II. von Preußen, seine Familie, seine Zeit und die damalige Politik auf anschauliche Weise erweitert hat.
Rezensionen von Der blaue Mond:
Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer
kostbare Momente
Ein Moment kann im Leben entscheidend sein, Schicksal oder einfach Pech? Der Autor ist dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen, ein kleiner Schnitt in die Fingerkuppe führte rasend schnell zu einer Sepsis.
Wie geht man mit der Zeit der Ungewissheit um? Man fühlt mit dem Erzähler. Achtsamkeit steht nun im Fokus, was macht eigentlich das Leben aus? Was zählt, was bleibt? Viele kostbare Momente werden hier aus individueller Sicht zusammengetragen.
Die Geschichten sind oft nur ein paar Seiten lang, aber es fühlt sich einfach und gut an. Es ist kein lautes Buch aber eines, das schnell gelesen ist und das man sicherlich öfters mal aus dem Regal zieht, wenn man es braucht. Besonders finde ich auch den durchwegs bedruckten Einband, und überhaupt die Gestaltung des Covers. Das Buch ist ein Appell im hektischen Alltag innezuhalten und den Moment mit allen Sinnen bewußt aufzunehmen.
Rezensionen von clematis:
Schatten über dem Kloster von Manuela Schörghofer
Hinterhalte
Der Füssener Bürgermeister Alois Vogler ist tot, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt im Kloster Weißenfels. Sein Freund, Richter Rudolf Falk, geht eher von Mord als von einem Unfall aus, stirbt jedoch, bevor er genug Beweise sammeln kann. In seinem Testament stellt er seine um viele Jahre jüngere Ehefrau Isabella vor außergewöhnliche Bedingungen um sein Erbe anzutreten.
Dunkel ist die Nacht, neblig und wolkenverhangen, so beginnt und so endet dieser spannende Historische Kriminalroman, der so manche Überraschung bereithält. Über die kurzweiligen 59 Kapitel zwischen düsterem Prolog und ebensolchem Epilog erstreckt sich eine bemerkenswerte Handlung, welche im Jahre 1376 spielt und sich um Hinterhalte, Intrigen und Täuschungsmanöver dreht. Angesehene Ratsmitglieder sowie Angehörige des Klosters von Sankt Mang stehen im Mittelpunkt, drei Figuren, welchen diese Aufgabe ganz und gar nicht offiziell zufällt, versuchen aus pragmatischen Gründen, gemeinsam einen Mord aufzuklären. Diese drei Personen sind die Witwe Isabella Falk und die beiden Jugendfreunde Leonhard Stadler, der Stadtschreiber und Magnus Bader, ein studierter Medicus, wobei jeder von ihnen ganz unterschiedliche Beweggründe hat.
Die Atmosphäre des Spätmittelalters ist auf großartige Weise eingefangen, jede Figur mit Gestik, Mimik und Bekleidung bestens charakterisiert. Lebendigkeit und ein durchgehend hoher Spannungsbogen prägen das Geschehen, Unerwartetes trifft die Füssener und die Leser gleichermaßen. Wie schon in ihren bisherigen Romanen, gelingt es Schörghofer auch diesmal, mittelalterliches Flair und kriminalistische Handlungselemente glaubwürdig zu verweben, sei es durch genaueste Recherche, sei es durch ihren bildreichen und fesselnden Schreibstil. Die logische Aufklärung aller offenen Fragen versteht sich von selbst.
Ein eindrucksvoller Kriminalroman aus dem Spätmittelalter mit reichlich Dramatik und ausgezeichnetem Unterhaltungswert. Wer düstere Atmosphäre sucht, gepaart mit einer klar konstruierten Geschichte, der sollte in Füssen innehalten.











