Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Meli:
Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann
Durchschnittliches Romantasy-Abenteuer
Saya wurde zur Assassine ausgebildet, doch um ihre Ziele zu erreichen, muss sie noch eine Reihe von Prüfungen bestehen. Dafür muss sie ausgerechnet mit Teno zusammenarbeiten, der sie zuvor schon einmal verraten hat.
Das Setting ist zwar japanisch inspiriert, aber ich habe davon nicht so viel gespürt, was über die Namen von Personen oder Gegenständen hinausging.
Die Prüfungen fand ich nicht allzu spannend und auch die Intrigen drumherum konnten mich nicht begeistern. Die magische Welt fand ich interessant, auch wenn es gern noch etwas mehr Magie hätte sein dürfen. Auch die Enemies-to-Lovers-Romance fand ich zwar ganz nett, aber mehr auch nicht.
Insgesamt war das Buch für mich schon ein sehr durchschnittliches Romantasy-Abenteuer, das ich vermutlich schnell wieder vergessen werde.
Rezensionen von Shilo:
Dem Himmel entgegen von Katja Maybach
Ein Traum, der nicht loslässt
Ein Wunsch zieht sich leise durch die ganze Geschichte. Der Wunsch, endlich frei zu sein und den eigenen Weg zu gehen.
Isabelle möchte fliegen. Nicht nur mitreisen, sondern selbst das Steuer in der Hand haben. Doch Anfang der sechziger Jahre ist das für Frauen nicht vorgesehen. Obwohl sie ihre Ausbildung schafft, bleibt ihr nur die Arbeit als Flugbegleiterin.
Das fühlt sich beim Lesen oft ungerecht an und macht ihren Traum umso greifbarer.
Nach und nach rückt auch ihre Familie stärker in den Blick. Besonders Emanuelle, die sich in Paris ein eigenes Leben als Modeschöpferin aufgebaut hat. Zwischen den Schwestern liegt mehr als nur die Entfernung. Es wird langsam deutlich, dass es Dinge aus der Vergangenheit gibt, die lange keinen Platz hatten. Auch Heloise spielt dabei eine Rolle. Ihre Geschichte fügt sich Stück für Stück ein und lässt vieles in einem anderen Licht erscheinen.
Mit Julian kommt Bewegung in die Handlung. Erst wirkt die Begegnung eher zufällig, doch das ändert sich schnell. Verbindungen werden sichtbar, die so nicht zu erwarten waren. Spätestens mit der Reise nach Argentinien wird klar, dass die Vergangenheit der Familie tiefer reicht, als gedacht. Nicht jede Wahrheit ist leicht auszuhalten.
Die Handlung bleibt ruhig, wird aber nie langweilig. Es gibt immer wieder Wendungen, die überraschen und das Lesen zu einem spannenden Vergnügen machen. Dabei wirkt nichts übertrieben. Vieles ergibt sich einfach aus dem, was vorher schon angedeutet wurde.
Die Figuren fühlen sich nah an. Isabelle steht im Mittelpunkt, aber auch Emanuelle und Heloise bleiben im Gedächtnis. Gerade dieses Zusammenspiel macht die Geschichte lebendig.
Die Sprache ist schlicht und gut verständlich. Gefühle sind da, aber sie drängen sich nicht auf. Vieles passiert eher leise, und genau das bleibt hängen.
Es gibt Bücher, bei denen man am Ende merkt, dass man noch nicht loslassen möchte. Hier war es genauso. Die letzten Seiten kommen schneller als gedacht, und danach fehlt einfach noch ein Stück.
Es ist eine Geschichte über Träume, Familie und das, was lange verborgen bleibt.
5 wohlverdiente Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die Geschichten mit Gefühl und kleinen Spannungsmomenten mögen.
Rezensionen von evaki:
Begegnungen von Dierk Breimeier
Zufallstreffen gibt es auch im wirklichen Leben
Dierk Breimeier gibt uns mit "Begegnungen" eine wunderschöne Geschichte zu lesen, die sich um das Thema Abschiednehmen dreht. Bevor wir Abschied nehmen können, müssen wir zuerst ankommen oder etwas Vertrautes finden, kennen oder treffen. So dürfen wir sowohl in anderen Kontinenten und Kulturen zu Gast sein, als auch von neuen Gewohnheiten und Bräuchen hören oder als Beobachter eine Familie auf einer langen Schiffsreise begleiten.
Es ist wirklich spannend dem Weg der Familie aus Indien nach Europa zu folgen. Dabei lernen wir zum einen zwei junge indische Mädchen kennen, die mit Ihrer deutschen Mutter nach Europa reisen, als auch einen jungen Seemann der quer über die Weltmeere unterwegs ist und zuletzt ein zufälliges Zusammentreffen von den zwei Protagonisten, die sich von Anfang an sympathisch und einander zugeneigt sind. Wie es der Zufall dann so will werden wir Zeuge von einer Liebesgeschichte, die schöner nicht beginnen könnte.
Rezensionen von Tara:
Party of Liars von Kelsey Cox
Abgründe & Lügen
„Party of Liars“ ist ein spannendes Drama der in Hill Country lebenden Autorin Kelsey Cox.
Sophie wird 16 und für sie ist eine glamouröse Party geplant. Ihre Eltern Ethan und Kim leben getrennt, das Fest soll in dem Haus von Ethan und seiner neuen Frau Dani stattfinden. Um das Anwesen gibt es Gerüchte, dort soll es spuken.
In kurzen Kapitel werden die Ereignisse aus den Perspektiven von Dani, Kim, Órlaith - dem irischen Kindermädchen für Charlotte, dem gemeinsamen Baby von Ethan und Dani - und Mikayla, der besten Freundin von Sophie geschildert.
Durch diese Wechsel bekommt man einen guten Einblick in die sehr unterschiedlichen Charaktere und es ist für Abwechslung gesorgt.
Die Spannung baut sich nur langsam auf, da sich die Autorin viel Zeit für die Charaktere, die Atmosphäre und das Setting nimmt.
Die Protagonistinnen könnten kaum unterschiedlicher sein, wirklich sympathisch war mir auf Anhieb keine von ihnen. Jede schien ihre Geheimnisse zu haben, zu manipulieren und etwas zu verbergen.
Das Setting, dieses opulente Anwesen fand ich sehr gut gewählt und dargestellt. Wohnen möchte ich dort nicht, auf mich wirkte es kalt und unheimlich.
Obwohl bereits durch die ersten Seiten klar ist wie die Party endet, ist das Buch spannend zu lesen. Ich habe gerätselt wer zu Tode gekommen ist und wie es dazu kommen konnte.
Die Auflösung hat mich überrascht, war aber stimmig und passend.
Für mich war das Buch kein Thriller im klassischen Sinne, sondern viel mehr ein Familiendrama mit hoher Spannung, in dem sich menschliche Abgründe auftun, die bei mir für Entsetzen gesorgt haben
Wer atmosphärische Schauplätze mag, Wert auf gut ausgearbeitete Charaktere legt und auch mit unzuverlässigen Perspektiven klar kommt, den dürfte dieses spannende Familiendrama fesseln. Wer Action sucht, könnte enttäuscht werden.
Es ist ein Buch voller Abgründe und Lügen, das zeigt, dass Glasfassaden Licht hereinlassen, aber die Dunkelheit im Inneren bleibt.
Rezensionen von nessabo:
Die Dinner Party von Viola Van de Sandt
Atmosphärische und spannend geplottete Story mit ein paar Kritikpunkten
Mich reizen Geschichten, die sich von einem bestimmten Ereignis aus entwickeln und die Story von hinten aufrollen. „Die Dinner Party“ versprach mir genau das zu sein und ich habe den Roman auch gern gelesen, obwohl er etwas hinter meinen Erwartungen zurück blieb.
Ich mochte das Pacing des Romans sehr gern.
Er deutet an und tritt dann wieder einen Schritt zurück, wagt immer wieder den Blick in die Zukunft wie auch die Vergangenheit. Außerdem war die Betroffenenperspektive wirklich toll herausgearbeitet. Die Therapiegespräche, die inneren Gedanken der Protagonistin und auch Impulse von außen haben mir eine sehr authentische Darstellung der Situation gegeben. Betroffene reagieren eben sehr verschieden - das macht sie jedoch nicht weniger betroffen.
Eines kann ich auf jeden Fall auch sagen: Plotten kann Viola van de Sandt! Anfangs hatte ich noch die Befürchtung, dass mir das Andeuten zu repetitiv ist, aber dann habe ich verstanden, dass es hier um ehrliche Erinnerungslücken der Protagonistin geht. Und den Twist rund um Harry habe ich keinen Millimeter kommen sehen!
Was mir das Lesen aber echt erschwert hat, sind die wahnhaften Abschnitte. Franca verliert sich immer wieder in Gewaltfantasien - u. a. auch dem Kater gegenüber, was ich einfach generell nicht lesen möchte. Ich meine zu verstehen, warum sie diese Fantasien hat, aber mich erinnerte das schon etwas an Body Horror und das ist einfach nicht meins. Realität und Fantasie fließen auch wirklich nahtlos ineinander, was schriftstellerisch klug gemacht ist, meiner Vorliebe für klare Strukturen aber nicht ganz entspricht.
Insgesamt ist es ein extrem atmosphärisches Buch, das die bedrückende Stimmung und die intensive Zuspitzung sehr gut abzubilden vermag. Die Autorin schreibt überwiegend leicht lesbar und balanciert geschickt zwischen dem Detaillierten und dem Unkonkreten. Die etwas wahnhaften Fantasiepassagen waren mir allerdings zu sehr übers Ziel hinaus. Dennoch empfehle ich die wirklich besondere und authentische Betroffenenperspektive des Buches unter klarer Berücksichtigung der Triggerwarnungen.
3,5 Sterne
Rezensionen von qq:
Heimkehr nach Morioka von Yuki Ibuki
Suche nach dem eigenen Platz im Leben
Suche nach dem eigenen Platz im Leben
In "Heimkehr nach Morioka" erzählt die Autorin Yuki Ibuki eine ruhige und zugleich berührende Geschichte über Heilung, Familie und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
Im Mittelpunkt steht die siebzehnjährige Mio, die nach unschönen Erlebnissen in der Schule Zuflucht bei ihrem Großvater in der ländlichen Präfektur Iwate sucht.
Dort entdeckt sie nicht nur das traditionelle Handwerk des Webens und Spinnens, sondern findet Schritt für Schritt auch wieder zu sich selbst. Ihr Großvater versteht es, ihr den Raum zu geben, sich selbst zu vertrauen und die nötige Worte zu finden.
„Heimkehr nach Morioka“ ist kein actionreicher Roman, sondern ein stilles Buch zum Nachdenken und Wohlfühlen. Wer Geschichten über Selbstfindung, japanische Kultur und zwischenmenschliche Wärme mag, wird dieses Buch sehr genießen. Von mir gibt es eine Empfehlung für das Buch.
Rezensionen von nessabo:
Little Hollywood von Inga Hanka
Ein unglaublich tolles, atmosphärisches Coming-of-Age
Ich fand dieses Coming-of-Age absolut makellos. Inga Hanka hat mit viel Feingefühl eine ganz besondere Geschichte geschrieben, deren Figuren mich mit ihrer Authentizität sowie Ehrlichkeit bewegt und mitgenommen haben. Ich bin zwar ein etwas späterer Jahrgang, aber die Musik und Filme des Buches sind mir natürlich trotzdem bekannt.
Und ich habe dieses Videothek-Setting sowie die sich entwickelnde Beziehung zwischen Leo und Jo so geliebt! Der Vibe des Ladens wurde wirklich ebenso gut abgebildet wie die allgemeine Atmosphäre eines Sommers nach dem Abi.
Dabei waren hier Tiefe und Leichtsinn in einer ganz tollen Balance. Die Charaktere lassen sich fallen und leben im Moment wie es als erwachsene Person nur noch selten vorkommt. Gleichzeitig beschäftigen sie aber so ernste Dinge, dass mir eng ums Herz wurde. Hier werden Themen wie Mental Health, gewalttätige Elternteile und Trauer wunderbar feinfühlig und der Hauptfigur absolut angemessen besprochen. Die liebevolle Beziehung von Leo und ihrem Bruder Ben wird für immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen. Ich fand es so toll, wie die beiden einander eine so wichtige Stütze sind.
Und auch Jo war eine tolle Männerfigur, die zwar neben Leo ein klein wenig blass erschien, aber vielleicht sollte das auch einfach das Geheimnisvolle dieser so besonderen Beziehung unterstreichen. Die Entwicklung von Bekannten zu Freund*innen zu romantischem Paar hat mir, eingebettet in die gemeinsame Leidenschaft, außerordentlich gut gefallen.
Am Ende ist dies ein Buch, das mich wie kaum ein anderes mit seiner flimmernden Atmosphäre für sich eingenommen hat. Ein Roman, der seine Lesenden sanft trägt und eine Nostalgie hervorruft, die ich in der Form lange nicht mehr hatte. Eine Geschichte, die tiefgründig ist und mit ganz viel Atmosphäre sowie Liebe besticht. Perfekte Sommerlektüre - ob Kind der 90er/00er oder nicht.
Rezensionen von Immenhof:
Conni-Bilderbücher: Conni und das Abenteuer mit Kranich Klaus von Liane Schneider
Für ältere Kinder
Ich bin selbst mit Conni aufgewachsen und habe neben der ursprünglichen Reihe auch die Conni & Co Bücher, die Conni 15 Bücher sowie die Kurzgeschichten für jüngere Kinder gelesen. Das Konzept dieses Buches war mir jedoch neu.
Das Buch enthält viele grosse Bilder und für Kinder ab 3 Jahren auch relativ viel Text.
Dies finde ich einen schönen Kontrast zu vielen anderen Vorlesebüchern. Durch die grossen Illustrationen wird die Handlung zusätzlich gut unterstrichen und aufgelockert.
Allerdings finde ich Teile des Buches für die angegebene Altersklasse nur bedingt geeignet. Das Übernachten ohne Eltern empfinde ich zwar als zeitgemäss, dass jedoch zusätzlich noch Freunde dabei sind, finde ich eher ungeeignet. Gerade in dieser Altersspanne fände ich es schön, wenn die Handlung stärker alltagsnah bleiben würde. Für mich würde das Thema deshalb eher in die klassische „Meine Freundin Conni“ Reihe für das Grundschulalter passen.
Insgesamt ist das Buch schön gestaltet und bietet durch die grossen Bilder sowie die längeren Texte ein etwas anderes Vorleseerlebnis. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass das Buch eher für etwas ältere Kinder geeignet ist als für die empfohlene Altersgruppe ab 3 Jahren
Rezensionen von Ele:
Tödliche Nachlese von Matthias Melich
Die seltsame Puppe
Tödliche Nachlese, Krimi von Matthias Melich, 311 Seiten, Draupadi Verlag
Der nächste Putt könnte der letzte sein.
Im Weinort Malsch, im beschaulichen Kriechgau bringt eine Voodoo-Puppe, die auf der Kirchentreppe liegt, die Mesnerin und den Lektor Tobias durcheinander. Handelt es sich um ein Überbleibsel von der feuchtfröhlichen Faschingseröffnung am Abend davor? Gibt es in Malsch einen Voodoo-Kult oder handelt es sich um eine Warnung? Ein Jahr zuvor hatte Tobias und sein Tennisfreund Dominik, einen Mordserie aufgeklärt die den ruhigen Ort in Aufruhr gebracht hat.
Es erhärtet sich der Verdacht, dass sich der Bruder des Täters, für den Tod seines Bruders, an den beiden rächen will.
M. Melich schreibt den Kriminalroman aus der Sicht der beiden Freunde, abwechselnd lässt er Dominik und auch Tobias zu Wort kommen, ganz nah ist der Leser da dran an der Geschichte, erfährt die Vorkommnisse direkt aus erster Hand. Sehr viel Dialoge, machen die Erzählung lebendig, der Autor verwendet in seinem Buch etliche Stilmittel die die Stimmung direkt implizieren. Je nachdem ob die Figuren schreien, flüstern oder zeitverzögert sprechen hat der Autor diverse Schriftarten gewählt, selbst die Gedanken des Killers sind kursiv hervorgehoben. Dies habe ich bisher noch nie so deutlich erfahren, es gefällt mir wirklich gut und kommt an. Es zeiht den Leser tatsächlich noch intensiver in die Abläufe und Geschehnisse.
Insgesamt war der Kriminalroman verhalten spannend, hat aber leider immer wieder Szenen bei denen ich mich nicht wohl gefühlt habe, denn unsere beiden „Helden“ benehmen sich mitunter sehr komisch, zum Teil hysterisch, linkisch, sie übertreiben maßlos. Auch Nebenfiguren wie Hitman Hartmann (Höhöhö), waren nach einiger Zeit nicht mehr lustig. Immer wieder kamen alltägliche Szenen die so ausführlich beschrieben waren, dass ich sie nur überflogen habe, z.B. das Aufladen eines E-Autos über 11 Zeilen.
Die letzten 50 Seiten haben mir besser gefallen, da zieht die Spannung an, da wird es nochmal richtig brenzlig. Letztendlich hat mich auch das Ende nicht zufriedengestellt. Eine nachvollziehbare Aufklärung habe ich vermisst, das war den involvierten „Hobbyermittlern“ wohl selbst nicht ganz klar, bzw. es wurde dem Leser nicht erklärt. Die Figur Ritter kann und konnte ich auch nicht so ganz einordnen.
Ich habe für meine Verhältnisse lange am Buch gelesen, konnte es auch jederzeit und mitten im Kapitel zur Seite legen. Insgesamt vergebe ich 3 Sterne
Rezensionen von nessabo:
Schon schwankte die Welt von Felicitas Prokopetz
Ein dichtes, hochpolitisches und spannungsvolles Werk
Ich mochte schon das Debüt von Felicitas Prokopetz sehr gern und ihr neuer Roman konnte das noch einmal toppen. Eine wirklich runde Erzählung mit hohem Tempo, pointierten Perspektivwechseln, einer scharfzüngigen politischen Komponente und einer Prise Raben-Mystik.
Die Figuren sind alle total spannend und ergänzen sich ganz toll.
Ich bin besonders beeindruckt davon, wie die Autorin Perspektivwechsel einsetzt, um die Geschichte dichter zu machen. Das Tempo der Wechsel zieht manchmal so stark an, dass wir in einer bestimmten Szene quasi mit dabeisitzen und die verschiedenen Wahrnehmungen und Gedanken gleichzeitig erleben dürfen. Außerdem gelingt es ihr, die Spannung verschiedener Situationen auszuhalten. Die Empfindungen der Figuren in einem bestimmten Moment sind teilweise völlig gegensätzlich und diesen Raum zu halten ist anstrengend, aber eben eine wahre Kunst.
Die Sprache ist teils anspruchsvoll, die Sätze wirken nahezu wie Wort für Wort kuratiert. Das ist nicht immer mein Fall, hier ist es aber wohldosiert eingesetzt und bei einem so schmalen Buch nehme ich auch gern in Kauf, manche Sätze doppelt lesen zu müssen.
Ich finde es großartig, dass hier so politisch geschrieben wird. Feminismus, Veganismus, Klimakrise - alles ganz wichtige Themen und Prokopetz nimmt hier kein Blatt vor den Mund. Außerdem liebe ich ältere Frauenfiguren, die happily single sind und sich nicht dem gesellschaftlichen Narrativ einer „richtigen" Familie unterordnen wollen. Männer kommen dagegen nicht so gut weg und auch, wenn Polly als etwas klischeehaft eingeordnet werden kann, akzeptiere ich das gern - denn viele cis Männer sind eben genau auf diese Art „feministisch“. Wie subtil sexistisches Denken wirkt, fand ich unglaublich fein herausgearbeitet.
Das Ende greift die mystische Raben-Storyline noch einmal auf und hinterlässt seine Lesenden mit ein paar Fragezeichen. Das passt für mich nicht immer, aber hier war es mit Blick auf die gesamte Interaktion mit dem Raben stimmig. Nicht alles wird geklärt und das ist auch okay so.
Eine wirklich tolle, intensive Erzählung mit starken Figuren, die uns dank vieler Perspektivwechsel keineswegs schonen. Prokopetz jongliert eine schiere Masse an Themen und vermittelt sie auf anspruchsvolle, aber kluge Weise, die mich völlig für sich eingenommen hat. Die Kürze des Romans verhindert an manchen Stellen eine gewisse Tiefe, die mein Urteil insgesamt aber nicht verändert. Bitte mehr davon!











