Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Tal der Schwalben von Seraina Kobler
Zwischen Gletscher und Fortschritt
Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind die Städte in der Schweiz zu einer Metroplitane zusammengewachsen und die Alpenregion soll immer mehr gesperrt und für die Energieversorgung herangezogen werden.
Für eine wissenschaftliche Arbeit kehrt Alesch in seine Heimat zurück und muss sich wundern über seltsame Wetterphänomene, er ist hin- und hergerissen zwischen der rauen, sich stark verändernden Gletscherwelt und seiner Forschung, welche viele Energieprobleme lösen könnte.
In drei große Abschnitte gegliedert, begleiten wir Alesch durch diese recht nüchtern dargestellte Geschichte, die möglicherweise genau deshalb die Problematik von Naturschutz und Energiegewinnung unterstreicht. Die wenigen, das Geschehen beherrschenden Figuren sind für mich ziemlich unnahbar, sodass es schwer ist, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen. Dennoch wird das Dilemma eindringlich dargestellt: Klimaflüchtlinge und zwangsweise Umgesiedelte drängen sich in den neuen Städten, große Konzerne übernehmen das Kommando und wecken Illusionen, die möglicherweise nie wahr werden können. Die dystopischen Szenen werden allerdings abgelöst von Bildern aus Pradetta, dem Ort, aus dem Alesch stammt und wo man sich zur Wehr setzt gegen die Evakuierung.
Mit ihrer distanzierten Betrachtung gelingt es der Autorin, wertungsfrei zu erzählen und den Leser mitzunehmen in eine Zukunft, die wir vielleicht doch intensiver und engagierter mitgestalten wollen und sollen. Was romanhaft klingt, kann schneller zur Realität werden als wir uns vorstellen können. Das Tal der Schwalben bietet jedenfalls interessante Ausblicke.
Rezensionen von S.:
Wenn das die Lösung ist, will ich mein Problem zurück von Alexandra Potter
Auf der falschen Seite der Vierziger
Corona hat das gewohnte Leben gründlich verändert. Nun ist die Pandemie abgeklungen, die Normalität ist zurück. Erzählerin Nell erinnert sich, nicht alles war schlecht. Sie hat einen Podcast, frischt alte Bekanntschaften auf und hat einen neuen Freund. Der überrascht sie!
Alexandra Potter schreibt locker-leicht, ihr Stil ist erzählerisch, anschaulich und unterhaltsam.
In Nells Leben gibt es weiterhin Höhen und Tiefen, sehr realistisch und vorstellbar geschildert. Witziges, Peinliches und Schönes werden schonungslos ausgebreitet. Jedoch ist nicht alles leicht zu nehmen, es gibt Gedanken zu verschiedenen Verhaltensweisen, dazu, wie man auf andere wirkt, tiefergehende Erkenntnisse. Mitunter etwas viel davon.
Gut gefallen hat mir, dass am Ende jeden Kapitels aufgezählt wurde, wofür Nell dankbar ist. Eine gute Anregung für ein Bilanz ziehen vor dem Einschlafen.
Unterhaltsame Lektüre ist garantiert.
Rezensionen von Harakiri:
Mord ist die beste Beseitigung von Volker Klüpfel
ein unschlagbares Paar
Das unfreiwillige Ermittlerpaar stolpert wieder in ein neues Abenteuer.
Wer kennt sie noch von früher? Die Reiserufe im Radio: genau so einen hören Tommi und Svetlana und im selben Moment fährt das gesuchte Auto an ihnen vorbei. Nichts wie hinterher – doch Tommis altes Wohnmobil kann mit dem Audi nicht mithalten.
An einer Raststätte finden sie allerdings das gesuchte Auto wieder, doch die Insassin ist verschwunden. Klarer Fall: Wir kümmern uns drum. Und was dann passiert – lest selbst, es lohnt sich!
Ich habe mich schon sehr auf dieses Buch gefreut, mochte ich doch im ersten Band die Charaktere schon sehr gerne. Seien es die Protagonisten oder die Nebendarsteller (die auch jede Menge Leben ins Buch bringen), das Wiedersehen machte sehr viel Spaß.
Die Schreibweise ist sehr humorvoll und durch viel wörtliche Rede liest sich das Buch sehr flott und mit viel Schmunzeln. Tommi und Svetlana zusammen sind einfach unschlagbar und liefern sich manches Wortgefecht.
Nebenher widmet sich Tommi noch seiner Schriftstellerkarriere, was manchmal etwas viel ist, aber durchaus ebenso amüsant. Btw: ich würde das Zwillingssterne-Romantasy-Buch auch lesen.
Am Ende wird es nochmal so richtig spannend und einen Vorgeschmack auf einen Band 3 gibt es auch. Auf den freue ich mich dann jetzt schon.
Fazit: wer humorvolle Krimis mag, ist bei Klüpfel, Tommi und Svetlana genau richtig.
Rezensionen von Sonne89:
Mein zärtlicher Schatten von Johanna van Veen
Wahnsinn oder Realität?
Ein Buch über die Psyche der jungen Frau Roos in den 50er-Jahren der Niederlande, die einem Psychiater über ihre Kindheitstraumata erzählt. Der Psychiater soll in einem laufenden Mord-Prozess gegen Roos ermitteln, ob Roos schuldunfähig ist, oder eben nur schauspielert.
Seit Kindheit wird Roos von ihrem Schutzgeist Ruth begleitet, da sie viele Ängste durchleben musste, die sie anders nicht bewältigen konnte.
Später trifft sie auf Agnes, die ähnliches erlebt zu haben scheint. Beide Frauen kommen sich näher, doch für Agnes endet es tödlich.
Das Buch behandelt schwierige Themen und ist emotional und nichts für Zartbesaitete. Die Geister werden schaurig beschrieben und sind auch zu üblen Taten fähig, wobei die Frauen zumeist Schutz in ihnen finden.
Es wird damit gespielt, ob es die Geister nun wirklich gibt, oder ob diese nur für Roos tatsächlich existieren.
Der Schreibstil ist gut zu lesen und sehr metaphorisch, hatte für mich aber nach den ersten paar Seiten des Kennenlernens bis zur Mitte hin spannungstechnische Durchhänger, die mich das Buch fast weglegen ließen.
Ab der Mitte nimmt das Buch aber wieder Fahrt auf und entwickelt sich wirklich spannend weiter. Spannung wird dabei durch die düsteren Ereignisse aufgebaut, die unheilvoll drohen, weniger durch Unerwartetes.
Es ist also eher ein ruhiges, düsteres Buch, welches mit der psychologischen emotionalen Ebene spielt.
Rezensionen von Harakiri:
39 Grad von Quentin Peck
Pageturner
Eigentlich denkt man bei dem Buchtitel eher an einen Umweltthriller. Doch weit gefehlt. Was Quentin Beck hier abliefert ist Krimi vom Feinsten.
Ein irrer Killer tötet scheinbar wahllos Frauen. Kommissar Lukas Johannsen und Profilerin Berit Pernstein folgen seiner Spur. Doch der Mörder ist ihnen immer einen Schritt voraus.
Den entscheidenden Schritt. Am heißesten Tag des Jahres dann, kommt es zum Showdown.
Da man beim Morden hautnah dabei sein darf, sorgt das Buch für den einen oder anderen Schockmoment. Aber auch für schöne Momente, z.B. als Berit sich Timo annähert. Insgesamt ist das Buch wirklich spannend geschrieben. Von der ersten Seite an klebt man an den Zeilen und kann das Buch kaum weglegen.
Durch Rückblenden erfährt man als Leser etwas mehr aus der Vergangenheit und auch die hat es in sich.
Aber das Ende nehme ich dem Autor persönlich übel, wenn es auch realistischer ist, als wenn er es anders gelöst hätte.
Fazit der letzte Fall für Lukas Johannsen, aber ich bin gespannt, mit was uns der Autor als nächstes überrascht.
Rezensionen von Kwinsu:
Grüne Welle von Esther Schüttpelz
Fahr um dein Leben!
Es gibt Bücher, die begeistern mich. Weil sie eingänglich geschrieben sind, einen besonderen Schreibstil vorweisen, eine berührende und / oder mitreißende Geschichte erzählen, die nachhallen. Und dann gibt es Bücher wie "Grüne Welle", die ich so feiere, dass ich am liebsten jede/r ein Exemplar in die Hand drücken und sagen möchte: Du musst das lesen!
Im Mittelpunkt steht eine Frau, später wird sie sich Amy nennen, die im Auto fährt.
Und fährt. Und fährt. Und sich denkt: wenn die nächste Ampel auf rot schaltet, kehre ich um. Doch es kommt keine rote Ampel, dafür aber immer mehr die Gedanken an ihr Leben, das so wie es ist, nicht gut ist. Ihr Mann ist herrisch, bestimmt über sie, schränkt sie ein, ja, eigentlich sperrt er sie ein. Nur einmal im Monat darf sie mit ihrer Freundin ins Kino gehen, muss aber gleich danach wieder heim kommen. Die Frau ist nur mehr ein Schatten ihrer selbst, nein, eigentlich ist sie gar nicht mehr sie, ihre Träume, ihre Pläne, alles vergessen, der Mann hat sie fest im Griff. Warum also nicht einmal planlos durch die Nacht düsen, die Gedanken schweifen lassen? Das Reh vor ihrem Auto wollte es anders und bringt eine Begegnung mit zwei Tramperinnen mit sich. Im Gespräch mit ihnen erinnert sich die Frau wieder an sich selbst, an ihre Kunst, an das selbstbestimmte Leben, dass sie einmal hatte.
Wie genial Ester Schüttpelz sich an das Thema häusliche Gewalt annähert, ohne belehrend, zu offensichtlich oder zu plakativ zu sein, zeigt sich vor allem an der Wahnsinnssprache. Sie setzt unterschiedliche Stilmittel ein um die Universalität des Themas häusliche Gewalt aufzuzeigen: die Frau bleibt lange nur die Frau; nur kurz, als sie die vertiefenden Gespräche mit den Tramperinnen führt und für einen Augenblick zu sich selbst zurück findet, wird sie wieder Amy - eine eigenständige Person, ein Mensch mit Talenten, Träumen und Hoffnungen. Im Schutze der Anonymität ist sie das unsichtbare Opfer, Gefangen in einem Käfig, der beherrscht wird von dem Mann, der sie als Besitz ansieht. Außerdem nutzt die Autorin Symbolik als starkes Element der übertragenen Situationsbeobachtung. Der plötzliche Stopp, den sie durch das Reh einlegen muss, steht der rasanten, unaufhaltsamen Autofahrt, die eigentlich eine Flucht ist, diametral entgegen, bringt sie jedoch in weiterer Folge für einen kurzen Moment zur Rückbesinnung auf sich selbst. Das Reh ist tot, wie sie selbst, doch sie will es noch nicht ganz gehen lassen.
Die Gewalt, die die Frau in allen Facetten erleben muss, wird nie so wirklich direkt beschrieben, aber feine Andeutungen lassen eine/n beim Lesen wissen, wie der Hase läuft. Ihre - mittlerweile einzige - Freundin, weiß nichts, vermutet aber viel, hat das richtige Gespür und droht Gefahr sich vom Mann täuschen zu lassen. Und die Frau selbst - bis zum Schluss wissen wir nicht, ob sie die Kraft aufwenden wird können, um sich zu befreien.
"Grüne Welle" betört mit einer Tiefgründigkeit, einer distanzierten Sprache und der Intensität der gefühlten Berührung, die sich oft in Form von Beklemmung und Atemlosigkeit Luft schafft. Für mich ist der Roman definitiv ein Jahreshighlight, mit dem ich mich noch des Öfteren beschäftigen werde.
Rezensionen von Kwinsu:
Das Tränenhaus. Roman von Gabriele Reuter
Erstaunliches aus 1908
Cornelie ist schwanger, doch da sie nicht verheiratet ist, bedeutet das für sie: Schande. Auch ihr gebildeter Hintergrund unterscheidet sie nicht vor den gesellschaftlichen Werten, die tief im Patriarchat verwurzelt sind. Und so zieht sie in das "Tränenhaus", eine Einrichtung, geführt von einer strengen Regentin, in der unverheiratete Frauen ihr Kind im Geheimen zur Welt bringen.
Erst ist Cornelie zurückhaltend, will ihre Ruhe, ist sich ihrem Stand gewiss, doch bald schon sieht sie die Gleichheit und die tiefe Solidarität, die sie mit den anderen Frauen verbindet, wird zu einem starkem Band des Zusammenhalts.
"Das Tränenhaus" ist ein erstaunlich feministischer Roman aus dem Jahr 1908, der viele fortschrittliche Gedanken aufzeigt, die man so nicht unbedingt erwarten würde. Die Autorin Gabriele Reuter war ihrer Zeit weit voraus und versuchte selbst, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. All das verarbeitete sie in diesem von Reclam neu herausgegebenen Buch. Die Protagonistin äußerst Gedankenwelten, die einem für diese Zeit nicht nur fortschrittlich, sondern teilweise auch gefährlich erscheinen. Sie will sich nicht unterordnen, will sich an keinen Mann binden, ist überzeugt davon, es auch alleine zu schaffen. Cornelie philosophiert über ihre Selbstermächtigung, steht den anderen Frauen bei, ist stark und emotional zugleich, wirkt in ihrer Rolle als bildungsbürgerliche Frau authentisch und doch so anders als erwartet.
Ein weiterer erstaunlicher Aspekt ist die Charakterschärfe, die die Autorin all den fiktiven Figuren zukommen lässt. Keine ist wie die andere, die eine naiv, die andere verzagt, doch die gemeinsame Ausgrenzung schweißt sie zusammen. Die Charaktere wirken so authentisch und andererseits bildhaft gestochen scharf, dass man stellenweise glaubt, man sehe eine Dokumentation über diese Frauen. Ein besonderes Stilelement ist der schwäbische Dialekt, der einigen der Figuren in den Mund gelegt wird - spielt das Geschehen doch in der schwäbischen Provinz. Dementsprechend weist das Buch auch etliche humoristische Tendenzen auf, die das Leseerlebnis umso erfrischender machen. Verschwiegen darf allerdings nicht werden, dass die Sprache der Autorin ziemlich schwülstig und deshalb oft schwer verständlich ist, für mich zumindest.
Es ist nicht verwunderlich, dass Macht, Klassismus, Ausbeutung, Missbrauch, Gier und Frauenverachtung eine zentrale Rollen spielen, das Buch ist wie ein Spiegel der Zeit um die Jahrhundertwende. Das Patriarchat ist eine Bürde, das sowohl die Autorin, als auch ihre Protagonistin Cornelie nicht so einfach hinnehmen wollen. So fließt viel fortschrittliches und feministisches Denken in den Roman, auch wenn dieses beinahe ausschließlich der bildungsbürgerlichen Hauptperson zugeschrieben wird. Außerdem ist Cornelie eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, die europaweite Erfolge mit ihren Schriften über die Psyche der Frauen feiert. Bezeichnend, dass auch die Schriftstellerin Gabriele Reuter zu ihrer Zeit höchst populär war und im Zuge der männlich fokussierten historischen Literaturwissenschaften aus dem kollektiven Gedächtnis gedrängt wurde. Die Männerwelt bekommt zurecht ihr Fett weg, allerdings gibt es auch positive und ebenso fortschrittliche Männermodelle. Diese Differenziertheit im Gesamten überrascht, lässt eine aber auch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn wie dieser Roman zeigt: Utopien zu träumen, kann auch durchaus realistisch sein. Auch wenn es seine oder ihre Zeit dauert.
Mein Fazit: Das Tränenhaus ist ein erstaunlich fortschrittlicher Roman aus dem Jahr 1908, der Augen öffnen, in so vieler Hinsicht. Es ist ein Hohelied auf die weibliche Solidarität und den unbeirrbaren Glauben daran, dass sich eine Gesellschaft zum Positiven, zur Gleichheit hin entwickeln kann. Wir müssen nur daran festhalten.
Rezensionen von Kwinsu:
Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann
Das große Schweigen
Judith Hermann begibt sich auf eine Reise. Diese Reise ist eine Spurensuche mit undeutlicher Spur, ein Vorantasten an Vergangenes, an Ungesagtes, an Nichtkommunikation, an dem, was verschwiegen wird. Erst geht es nach Polen, genauer in den Ort Radom, wo einst Hermanns Großvater als SS-Funktionär stationiert war.
Die Gräueltaten, die er verrichtet hat, können nur erahnt werden, es gibt keine eindeutigen Beweise seiner Täterschaft, nur das Unausgesprochene. Hermann versucht in Radom nach Anhaltspunkten, die eine vergangene Existenz des Großvaters aufzeigen, findet dort aber mehr zu sich selbst, spürt die Wirkung der Stadt und die Begegnung mit den dortigen Menschen. Zwischendurch gibt es Telefonate mit der Mutter, die partout keine Fragen über ihren Vater beantworten will, sie weiß nichts mehr, will vermutlich nichts wissen. Hermann drängt und wird doch nicht schlauer.
Schließlich fährt sie zu ihrer Schwester nach Süditalien. Die beiden sind, wenn wir der Autorin glauben, wie Tag und Nacht, ihr Kontakt grundsätzlich kaum vorhanden, eine ständige Genervtheit umgibt sie in der gegenseitigen Kommunikation. Vor allem aber haben sie das Schweigen gemein, das sich scheinbar durch die Familiengeschichte zieht. Über dunkle Dinge, sei es die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft spricht man nicht, schon gar nicht vor den Kindern. Diese Scheuklappen sind symbolisch für den Umgang mit Unangenehmen, erkennt Hermann. Auch wenn sie diesen Schweigenskreislauf durchbrechen will, kommt sie nicht dagegen an. Dafür steht ein Karpfen, gefangen in einem kleinen Becken, der nur im Kreis schwimmen kann, sinnbildlich - ein Bild, eigentlich das einzige Bild, dass sich langfristig von diesem Buch in meinem Kopf festgesetzt hat.
Zum Abschluss folgt das große Finale des Schweigens, nämlich eine kurze Geschichte der Schwiegereltern, die auf Reisen gehen, bei ihrer Sollunterkunft aber nie ankommen. Die Sorge ist groß, man findet Spuren in Polen und plötzlich sind sie wieder da. Und genau: auch darüber wird nie gesprochen.
Ich hatte mir nach dem Lesen des Beschreibungstextes eine andere Geschichte erwartet: eine Spurensuche nach der Wahrheit, der bitteren Vergangenheit des Großvaters und seiner Mittäterschaft. Daweil steht das Schweigen im Mittelpunkt, gerahmt von Gedanken, Beobachtungen und Erinnerungen der Autorin oder der Figur - es ist unklar, was wahr ist und was fiktional. Ich konnte davon nicht alles nachvollziehen und das Buch hinterließ mich ob der differenten Erwartungen enttäuscht, auch wenn man der Autorin ein hervorragendes und einnehmendes Sprachgefühl attestieren muss. Für viele, die dieses Hintreiben der Sprache, das Philosophieren über die Welt und die scharfen Beobachtungen zur Kommunikation, oder vielmehr der Nichtkommunikation, genießen können, ist "Ich wollte zurückgehen in der Zeit" bestimmt ein ansprechender Lesegenuss. Mich hinterlässt das Buch jedoch recht unbeeindruckt.
Rezensionen von Kwinsu:
Die Stockholm-Protokolle von Moa Berglöf; Joakim Zander
The inner circle of politics
Julia wurde als Politikjournalistin abgesetzt, nachdem sie durch eine Aufdeckung eine Ministerin zum Rücktritt zwang. Dass sie dem Politikzirkus näher bleibt, als ihr lieb ist, verdankt sie ihrem Partner Alfred, der unerwartet zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten berufen wird. Doch Julia kann es nicht lassen und jagt nach einem brisanten Hinweis der Aufdeckung eines Politikskandals hinterher, der die gesamte Regierung zum Platzen bringen könnte.
Und auch Alfred erkennt, dass die Politikwelt nicht nur mit lauteren Mitteln arbeitet. Es beginnt eine rasante Spurensuchen nach Wahrheiten, die das Leben ihrer gesamten Familie bedrohen.
Die Stockholm-Protokolle der beiden Autoren Moa Berglöf und Joakim Zander zeichnen ein erschreckend realistisches Bild der Politikwelt, welche gezeichnet ist von aufstrebenden und egozentrierten Persönlichkeiten, die durch ihr scheinbares Charisma von ihren eigentlichen Zielen ablenken: dem absoluten Machtstreben. Nicht überraschend sind diese männlich. Im ersten Drittel des Romans erfolgt eine Einführung der verschiedenen Figuren, die in Anbetracht der aktuellen Weltlage und ob der erschreckenden Nachvollziehbarkeit für mich nicht immer leicht verkraftbar waren. Außerdem habe ich diesen Teil stellenweise auch als langatmig empfunden. Im zweiten Drittel nimmt die Geschichte dann Fahrt auf und mir fiel es zunehmend schwerer, das Buch wegzulegen. Immer mehr schmutzige Details und Vermutungen kommen zutage. Im dritten Drittel wird es dann echt rasant und spannend, die Ereignisse überschlagen sich, ich war gefesselt und habe mich zunehmend gefragt, wie diese Geschichte in den immer weniger werdenden Seiten noch aufgelöst werden kann. Die Ernüchterung erfolgte am Ende: es gibt sie nicht, die Auflösung. Alles endet mit einem Cliffhanger, der uns die Fortsetzung des Buches ankündigt. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, trotzdem war ich enttäuscht, als die immer steiler werdende Spannungskurve wirklich senkrecht abfiel. Ein rundes Ende, das durchaus mit einem offenen und fortsetzungsverdächtigen Schlussakkord daherkommt - dagegen ist nichts einzuwenden. Trotzdem ist das für mich bei den "Stockholm-Protokollen" alles andere als rund. Es liest sich, als wäre die Geschichte komplett abrupt mitten unter der Erzählung abgebrochen worden sein. Und ohne Recherche war es für mich nicht klar und verständlich, dass es eine Fortsetzung geben wird. Das Ende hinterlässt mich frustriert ob der jähen Unterbrechung und diese Frustration überwiegt beinahe den Willen und die Lust, die Fortsetzung lesen zu wollen.
Was positiv hervorgehoben werden kann, ist, dass die Geschichte und die meisten Charaktere tatsächlich sehr realistisch anmuten. Politik ist kein Kinderspiel, es geht um Macht, Einfluss und die Hervorhebung der einzelnen Interessen. Auch die beiden Protagonist*innen Julia und Alfred sind glaubwürdig gezeichnet und die Dynamik zwischen der erfahrenen Politikjournalistin und dem naiven Newbie in der Politik ist authentisch und nachvollziehbar herausgearbeitet. Ab dem zweiten Drittel jedoch habe ich über einige sehr naive und unerfahren Wirkende Aktionen der Handelnden gestaunt, die dadurch etwas an ihrer Glaubwürdigkeit einbüßen. Teilweise sind sie so hanebüchen, dass ich mich gewundert habe, weshalb dies dem Lektorat nicht aufgefallen ist.
Trotz aller Kritikpunkte: ich habe das Buch, je weiter es fortgeschritten ist, wirklich gern gelesen. Die Art wie Skandinavier*innen Krimis und Thriller schreiben, beeindruckt mich ob der Realitätsnähe immer wieder. Und ich muss definitiv wissen, wie es mit Julia, Alfred und der aufgedeckten, dreckigen aber vertuschten Skandale weitergeht.
Rezensionen von Petra:
Sepia 3: Sepia und der Fluch des Tintendrachen von Theresa Bell
Zwischen den Zeilen
Flohall wird von einem undurchdringlichen Nebel bedroht.. Selbst das Licht und Feuer haben keine Chance. Sepia, Nikki und Sancio wollen die Stadt retten. Sie haben eine Vorstellung wo sie hin müssen um das Herz von Flohall zu retten. Sie sind unzertrennlich obwohl das Abenteuer das gefährlichste sein wird das sie bestehen müssen.
Sie wechseln die Welten und kommen hinter das Geheimnis der Gründungsgeschichte.
Es waren alle drei Bände spannend und jeder für sich ein Erlebnis. Aber dieser hier ist wirklich der krönende Abschluss dieser Trilogie.
Sepia steht zwar durch die Tintenmagie an erster Stelle aber ihre beiden Freunde stehen ihr in Mut, Tatkraft, Überzeugungskraft und Intelligenz in nichts nach.
Diese Freundschaft überzeugt beim Lesen, die Abenteuer die die drei bestehen müssen sind voller Phantasie und stellen auch die Frage wie hat es so weit kommen können.
Der Tipp von anderen es steht auch noch etwas zwischen den Zeilen, ist für Buchdrucker und Buchbinder eigenartig. Aber er ist letztendlich der Richtige. Wie Sepia und ihre Freunde dahinter kommen und welche Konsequenzen sie daraus ziehen, ist detaillreich und verständnisvoll beschrieben. Am Ende siegt das Herz.











