Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nessabo:
Halbwach von Sophia Como
Das ehrliche, schmerzhafte und umarmende Porträt einer Heilungsgeschichte
Ich kannte Sophia Como vorher noch nicht, bin aber beeindruckt, wie gut ihr der Eintritt in das für sie neue Genre gelungen ist. Zoes Geschichte ist schmerzhaft authentisch, kraftvoll feministisch und gleichzeitig eine wundervolle Umarmung.
Comos zugänglicher, leichtfüßiger Schreibstil fällt direkt von Beginn an auf.
Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Probleme, einen Zugang zur Protagonistin zu finden. Dabei hat sicherlich geholfen, dass ich mich als Millenial grundsätzlich verbunden gefühlt habe und mir Bindungsängste, wenn auch in anderer Form, in der Vergangenheit nicht fremd waren. Entsprechend kann ich sagen, dass die Darstellung sehr authentisch, glaubwürdig und stets einfühlsam ist.
Zoe ist eine starke Hauptfigur mit einigen Ecken, die wir nach und nach genauer unter die Lupe nehmen dürfen. Besonders positiv fand ich dabei die Therapiegespräche, die mir richtig unter die Haut gingen. Es wurde so präzise beschrieben, wieso Zoe Bindungen scheut, dass ich emotional völlig davon eingenommen wurde. Auch den Heilungsprozess der Protagonistin fand ich toll dargestellt, ohne dass die Autorin hier in eine vereinfachende Romantisierung abschweift. Heilung ist nicht linear und das hätte gar nicht besser abgebildet werden können.
Die Liebesgeschichte nimmt in genau dem richtigen Maß Raum ein, es ist eben keine Romance und deshalb bin ich umso zufriedener damit, wie Como das Ende geschrieben hat. Generell schafft sie es gut, an keiner Stelle in Plattitüden abzudriften und bleibt stets lebensnah. Der vorangestellte Soundtrack war für mich auch ein tolles i-Tüpfelchen.
Außerdem habe ich die feministische Färbung der Geschichte sehr gemocht. Wir finden darin einige starke Frauenfiguren, die sich trotzdem vielschichtig und verletzlich zeigen. Themen wie sexistische Rollenbilder und Belästigung werden elegant in die Handlung eingebunden, sodass ich mich leicht als Teil der fiktiven Welt fühlen konnte. Es ist sicherlich nicht über die Maßen radikal, aber das muss Unterhaltungsliteratur für mich auch nicht immer sein.
Ich empfehle diesen Roman allen, die Hauptfiguren gern auf ihrem authentischen Entwicklungsprozess begleiten und dabei auch unsichere, herausfordernde Charaktere nicht scheuen. Persönlich verbleibe ich neugierig auf die zukünftigen Romane dieser talentierten Autorin.
Rezensionen von peedee:
Grappas Versuchung von Gabriella Wollenhaupt
Ein unterhaltsamer Reiheneinstieg
Grappa, Band 1: Die Bierstädter Journalistin Maria Grappa ist mit Leib und Seele Verfechterin der Wahrheit. Diese präsentiert sie auch schnörkellos im Lokalradio, sehr zum Missfallen ihres Chefs. Anstatt brav über irgendwelche Nichtigkeiten des Ortes zu berichten, recherchiert sie den ungeklärten Todesfall von Richie Mansfeld, der als Gigolo gearbeitet hat.
Dabei lernt sie den Gastronomen Michael Muradt kennen und teilt nicht nur den Tisch, sondern auch bald das Bett mit ihm. Doch sagt er ihr die Wahrheit?
Erster Eindruck: Das Cover entspricht gestalterisch so gar nicht meinem Geschmack.
Meine Buchausgabe ist von 2013, doch die Erstveröffentlichung des Buches war nochmals 20 Jahre früher. Dies nur als Hintergrundinformation, da noch von D-Mark die Rede ist. Einleitend gibt es ein Personenregister, was ich immer als hilfreich erachte.
Der Einstieg in die Geschichte war ziemlich brutal – also nix mit cozy crime. Die bildliche Vorstellung des Gelesenen… da schüttelt es mich jetzt noch.
Maria Grappa ist bissig, definitiv nicht auf den Mund gefallen – was für eine Journalistin eh ungünstig wäre –, stets an der Wahrheit interessiert, und liebenswert. Michael Muradt macht bei Maria einen blendenden Eindruck: Sie ist völlig hin und weg von ihm! Der Mann sieht gut aus, weiss sich zu benehmen, ist erfolgreich, hat einen charmanten Sprachfehler, und er will sie. Sehr gut! Er kann ihr sicherlich bei ihren Ermittlungen helfen. Oder doch nicht? Sie neigt übrigens ganz und gar nicht zur Eifersucht – überhaupt nicht. Sie „brannte vor Eifersucht“! Ihre Tendenz zur Melodramatik war sehr amüsant.
Politik, Prostitution, Erpressung, Mord und Totschlag sind einige der behandelten Stichworte im fiktiven Bierstadt.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. War der Krimi spannend? Nicht wirklich. Glänzte die Hauptdarstellerin durch ihr ermittlerisches Geschick? Oh nein. Sie verglich ihr Handeln zuweilen mit den Ermittlerinnen aus TV-Krimiserien, merkte aber selbst, dass es da sehr grosse Unterschiede gab. Aber war die Geschichte denn unterhaltsam? Und ob! Von mir gibt es 4 Sterne und ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Rezensionen von Francesca :
Fünf Tage im Licht von Rhiannon Lucy Cosslett
Interessante Ideen, aber nicht ganz mein Buch
Fünf Tage im Licht hat bei mir ziemlich gemischte Gefühle hinterlassen. Es ist eines dieser Bücher, bei denen ich einige Aspekte wirklich mochte, während andere dafür gesorgt haben, dass ich nie komplett in die Geschichte eintauchen konnte. Gerade die Themen fand ich originell und wichtig, die Umsetzung hat mich jedoch leider nicht vollständig abgeholt.
Wir begleiten die Malerin Sophie aus der Ich-Perspektive, die gemeinsam mit ihren Freundinnen ein paar Tage auf einer Insel verbringt. Zwischen den eigentlichen Kapiteln gibt es immer wieder Abschnitte, in denen Kunstwerke beziehungsweise die Künstlerinnen direkt angesprochen werden. Die Erzählerin spricht die Malerinnen mit "du" an und erzählt von ihrem Leben, den Umständen, unter denen die Werke entstanden sind, und den Geschichten hinter den Bildern.
Gerade als Hörbuch hat mich das am Anfang allerdings unglaublich verwirrt, das ist im Buch wahrscheinlich einfacher nachzuvollziehen. Ich wusste häufig gar nicht, was gerade passiert oder warum plötzlich diese Perspektive gewechselt wird. Die Übergänge waren für mich nicht immer klar genug und ich musste mehrfach zurückspulen, weil ich zunächst gar nicht verstanden habe, welchen Bezug diese Passagen zur eigentlichen Handlung haben. Erst später habe ich mich daran gewöhnt und konnte den Mehrwert besser erkennen. Im Nachhinein fand ich diese Einschübe sogar ganz interessant, weil sie den Blick auf verschiedene Künstlerinnen und ihre Lebensgeschichten erweitern. Einige der erwähnten Malerinnen kannte ich vorher gar nicht und war danach tatsächlich neugierig, mehr über sie zu erfahren.
Grundsätzlich beschäftigt sich das Buch mit Themen wie weiblicher Selbstbestimmung, der Lust von Frauen, Selbstfindung und der Rolle der Frau in der Kunst. Genau diese Themen haben mir wirklich gefallen. Immer wieder gibt es Sätze oder Gedanken, die zum Nachdenken anregen und die ich sehr gelungen fand. Auch das Setting hat mir richtig gut gefallen. Die sommerliche Atmosphäre war für mich jederzeit spürbar. Das Schwimmen, die Insel, Sommerkleider und die allgemeine Leichtigkeit dieser Tage haben eine schöne Stimmung erzeugt und konnten mich immer wieder abholen.
Was mir dagegen deutlich schwerer gefallen ist, war der Erzählstil. Die Handlung kommt insgesamt eher schleppend voran und Sophie erzählt ihre Geschichte oft so, als würde sie in einem Tagebuch auf ihr Leben zurückblicken. Dabei springt sie ständig zwischen verschiedenen Zeitpunkten hin und her. Plötzlich befindet sie sich viele Jahre in der Zukunft, erzählt in wenigen Sätzen, was später einmal passieren wird, und kurz darauf sind wir wieder auf der Insel. Im Hörbuch war das manchmal ziemlich verwirrend. Wäre nicht immer wieder erwähnt worden, wie alt Sophie gerade ist, hätte ich häufig gar nicht gewusst, in welcher Zeitebene ich mich befinde. Vor allem fand ich schade, dass dadurch viele wichtige Entwicklungen und Ereignisse einfach vorweggenommen werden. Ich hätte diese Momente viel lieber gemeinsam mit Sophie erlebt, anstatt sie nur in wenigen Sätzen erzählt zu bekommen. Dadurch ging für mich einiges an emotionaler Wirkung verloren.
Was ich dem Buch allerdings sehr zugutehalten muss, ist die Charakterzeichnung. Sophie ist keine perfekte Protagonistin. Sie trifft Entscheidungen, die anderen wehtun, verhält sich manchmal egoistisch oder verletzend und macht Fehler. Trotzdem konnte ich ihre Gedanken oft nachvollziehen. Gerade dieses Unperfekte hat sie für mich glaubwürdig gemacht. Statt einer makellosen Hauptfigur bekommt man hier einen Menschen mit Ecken und Kanten, bei dem man sich selbst immer wieder fragt, ob man ihre Entscheidungen nachvollziehen kann oder eben nicht. Das fand ich sehr gelungen.
Mein Fazit: Letztendlich hat mich Fünf Tage im Licht trotzdem nicht vollständig überzeugt. Ich mochte die Themen, die Denkanstöße und auch viele der Figuren. Die Erzählweise mit ihren vielen Zeitsprüngen sowie die Tatsache, dass wichtige Entwicklungen oft nur erzählt statt erlebt werden, haben für mich jedoch dafür gesorgt, dass ich emotional auf Abstand geblieben bin
Ein Roman mit spannenden Themen, einer glaubwürdigen Hauptfigur und einer schönen sommerlichen Atmosphäre, dessen ungewöhnlicher Erzählstil und die vielen Gedanken bzw. Zeitsprünge für mich jedoch mehr Distanz als Nähe geschaffen haben.
Rezensionen von Neobook:
Eine zu viel von Samantha Hayes
Familiendrama
Das Buch Eine zu viel von Samantha Hayes ist mehr ein Familiendrama als Thriller. In einem abgelegenen Ferienhaus verbringt, auf Mutter Connie’s Wunsch, die gesamte Familie Hunter den Urlaub. Sie will nach dem Tod ihres Mannes den Inhalt des Testaments verkünden, das nicht jedem gefallen wird.
Aber schnell merkt man, dass jeder irgendein Geheimnis hat.
In einem Rückblick im Mittelteil erfährt man dann auch endlich mehr. Davor hat es sich für mich etwas in die Länge gezogen.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Durch die Perspektivwechsel wurde einerseits schon Spannung erzeugt aber teilweise hat es dadurch wieder in die Länge gezogen. Es waren aus meiner Sicht etwas zu viele unterschiedliche Dramen in der Familie. Da wäre weniger mehr gewesen. So richtige thrillermäßige Spannung ist dann auch erst im letzten Drittel aufgekommen.
Und dass beim wendungsreichen Schluß, mit der Andeutung wieder ein Fragezeichen offen ist, gefiel mir eher weniger.
Insgesamt ein leicht zu lesendes, etwas überzogenes aber doch auch spannendes Familiendrama. Ich vergebe 3,5 Sterne.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Hammerfrau von Mario Keszner
Toller „Kremi“!
Ich bin ja einem literarischen Krimi definitiv nicht abgeneigt, und in diesem Fall habe ich zu einem „Kremi“ gegriffen. Mit diesem Kofferword bewirbt der österreichische Verlag Kremayr & Scheriau seine Kriminalromane und True-Crime-Bücher als eigenständiges Genre innerhalb des Programms. Komischerweise muss ich bei der Covergestaltung ständig an das Spiegel-Magazin denken ????.
Meine Wahl fiel auf „Hammerfrau“, den ich nicht als klassischen Krimi bezeichnen würde. Es gibt nämlich keine Suche noch einem Täter, keine Ermittler*innen, kein Miträtseln, was geschehen sein könnte.
Ein Mann verletzt eine Frau schwer mit mehreren brutalen Schlägen mit einem Hammer. Das Opfer überlebt, ist aber von der Tat psychisch und physisch schwer gezeichnet.
Dass der Täter sein Opfer zufällig ausgewählt hat, ist ein weiterer Fakt, der bereits früh bekannt ist. Mario Keszner benutzt Zeitungsausschnitte um die Tat aus der Perspektive der Presse zu beschreiben.
Das eigentlich Besonderes an dem Roman ist, dass Keszner die Geschichte im Wechsel aus der Perspektive des Täters, Thomas, und aus der Perspektive des Opfers, Julia, erzählt. Ich finde, die Perspektive eines Täters oder einer Täterin einzunehmen ist literarisch oft ein schmaler Grat zwischen Verstehen wollen und Verständnis wecken. Ersteres begrüße ich und lese ich gerne, zweiteres ärgert und befremdet mich.
Diesen Grat trifft Keszner, wie ich finde, sehr gut. Er lässt Thomas aus seinem Leben erzählen, von seinem familiären Hintergrund und von der Entwicklung seiner Einstellung gegenüber Frauen.
“Ich denke, dass ich im Laufe der Jahre unempfindlicher geworden bin gegenüber den Empfindlichkeiten anderer Menschen. Ich rege mich nicht mehr so oft auf wie früher.
Sollen mich die Blicke wegen meinem Übergewicht aufregen?”
Der Perspektive von Thomas stellt Keszner Julias Perspektive gegenüber. Sie war vor dem Angriff eine lebenshungrige junge Frau, die ehrgeizig und leidenschaftlich ihr Ziel verfolgt hatte, Opernsängerin zu werden. Nicht ihr Kopf und ihr Gesicht wurde durch die brutalen Hammerschläge kaputtgemacht, auch ihre Träume für die Zukunft haben sich zerschlagen. Keszner lässt Julia von ihren Ängsten und ihrer Wut erzählen.
“Diese Schläge mit dem Hammer haben mein Leben in zwei Teile zerrissen. Das Leben der Hammerfrau. Altes Leben, neues Leben.”
„Hammerfrau“ ist mit „Justizroman“ untertitelt, aber auch das passt nicht wirklich, wie ich finde, weil eigentlich keine Szenen vor Gericht spielen und nicht die Verurteilung oder die Verhandlung im Mittelpunkt steht. Ich finde Keszners Roman ist vielmehr eine Art Psychogramm zweier Menschen, die jetzt mit den Konsequenzen einer Tat leben, für die sich aber nur einer entschieden hat.
Dieses Psychogramm ist in meinen Augen sehr gelungen und liest sich interessant und spannend. Besonders Julias Perspektive fand ich für einen „Krimi“ überraschend einfühlsam. Und auch wenn der Roman schon klar als „Krimi“ und nicht als gesellschaftskritisches und feministisches Literaturstück konzipiert ist, sind Keszner Einlassungen in diese Richtung doch deutlich wahrnehmbar.
Für mich ein richtig toller „Kremi“, sicher nicht der letzte, den ich aus dieser Reihe lesen werde!
Rezensionen von Kat:
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes
Wurzeln schlagen in der Fremde
Mit „Ein Ort, der bleibt“ ist Sandra Lüpkes ein Roman gelungen, der historische Recherche, atmosphärisches Erzählen und große Gefühle auf besonders schöne Weise miteinander verbindet. Das Buch spannt einen Bogen über mehrere Generationen und erzählt von drei Frauen, deren Lebenswege durch den Botanischen Garten in Istanbul miteinander verknüpft sind.
Dabei entsteht eine Geschichte über Heimat und Fremde, über Verlust und Neuanfang - und über die Frage, was von Menschen bleibt, wenn Zeiten sich ändern und Orte verschwinden.
Besonders beeindruckend ist, mit welcher Sorgfalt Sandra Lüpkes historische Stoffe in lebendige Literatur verwandelt. Der Roman basiert auf realen Begebenheiten und greift mit der Geschichte um Alfred Heilbronn und den Botanischen Garten in Istanbul ein ebenso ungewöhnliches wie faszinierendes Kapitel deutsch-türkischer Geschichte auf. Doch trotz dieses fundierten historischen Hintergrunds wirkt Ein Ort, der bleibt nie trocken oder belehrend. Vielmehr gelingt es der Autorin, Geschichte ganz nah an ihren Figuren erfahrbar zu machen.
Vor allem die drei Frauenfiguren tragen den Roman mit großer Überzeugungskraft. Magda, Mehpare und Imke stehen jeweils für unterschiedliche Zeiten, Erfahrungen und Formen weiblicher Selbstbehauptung, und doch sind ihre Geschichten auf berührende Weise miteinander verbunden. Sandra Lüpkes zeichnet sie differenziert und lebensnah, sodass man ihnen nicht nur folgt, sondern wirklich an ihrem Hoffen, Zweifeln und Ringen teilhat.
„Ich will auch erforschen. Erfühlen. Begreifen. Nicht nur die Bedeutung des ersten Botanischen Gartens in Istanbul, sondern auch mich selbst. Wer weiß, vielleicht wäre ich auch dazu in der Lage, überall auf der Welt Wurzeln zu schlagen. Wenn nur meine Ma nicht… Stopp, das stimmt so nicht. Ma hat mich nie davon abgehalten, aufzubrechen. Das war immer nur ich selbst.“ Das schreibt zum Beispiel Imke auf Seite 305 an einer der vielen Stellen, die mich sehr berührt haben.
Denn „Ein Ort, der bleibt“ bleibt nicht in der Vergangenheit stehen. Themen wie Exil, Entwurzelung, Zugehörigkeit und die Suche nach einem Platz im Leben wirken erstaunlich gegenwärtig. Genau darin liegt für mich die besondere Qualität dieses Romans: Er erzählt von vergangenen Jahrzehnten und berührt doch Fragen, die bis heute aktuell geblieben sind.
Eine besondere Stärke des Romans ist außerdem seine Atmosphäre. Istanbul wird nicht nur zum Schauplatz, sondern zu einer eigenen erzählerischen Kraft. Der Garten, der Bosporus, die Stadt zwischen Aufbruch und Umbruch - all das ist so anschaulich beschrieben, dass beim Lesen ein sehr lebendiger Eindruck entsteht. Gerade diese Verbindung aus historischer Tiefe und sinnlicher Ortsbeschreibung macht das Buch so eindrucksvoll.
Auch emotional hat mich das Buch sehr überzeugt. Es ist bewegend, ohne sentimental zu werden, klug komponiert und zugleich sehr zugänglich erzählt. Man spürt auf jeder Seite, wie viel Sorgfalt, Wissen und Empathie in diesem Roman stecken.
Fazit: Ein Ort, der bleibt ist ein wunderbar erzählter Generationenroman, der Geschichte, Atmosphäre und starke Frauenfiguren auf eindrucksvolle Weise vereint. Ein kluges, berührendes und sehr lesenswertes Buch, das seinem Titel alle Ehre macht - weil es selbst noch lange im Gedächtnis bleibt.
Rezensionen von Brigittte:
Was dein Leben leichter macht von Sina Haghiri
Kreuz und quer zum leichteren Leben
Dieses Buch ist ein echtes Juwel für die Seele und führt uns durch vier große Bereiche: Alltag, Psyche, Gesellschaft und Gesundheit. Ob es um das leidige Zu-spät-Kommen geht, um Streit, guten Schlaf oder sogar um das schwere Thema Sterben – Sina Haghiri greift alles mit einer wunderbaren Würde und ganz viel Feingefühl auf.
Was mir besonders gut gefällt: Man muss das Buch nicht von vorne bis hinten durchackern. Man kann wunderbar kreuz und quer lesen und sich genau die Themen heraussuchen, die einen gerade beschäftigen. Die einzelnen Kapitel hat man in 15–20 Minuten weggeschmökert. Der Tipp im Buch, den Ratgeber danach erst einmal zur Seite zu legen und alles sacken zu lassen, ist einfach Gold wert. Wir wissen ja alle, wie viel unbewusst in uns arbeitet.
Der Schreibstil ist herrlich leicht verständlich, unterhaltsam und oft sehr berührend. Die vielen Beispiele aus der Praxis bringen einen zum Schmunzeln, regen zum Nachdenken an und die nötige Theorie wird ganz einfach und ohne Fachchinesisch erklärt.
Ein absolut bereicherndes Buch, das ich jedem – ob Jung oder Alt – nur wärmstens ans Herz legen kann.
Rezensionen von Kat:
Au revoir und tschüss von Gudrun Lochte
Viel Flair, wenig Tiefe
„Au revoir und tschüss“ ist für mich ein Roman, der vor allem über seine Atmosphäre und seine liebevolle Gestaltung wirkt. Der Schauplatz in Südfrankreich, die sommerliche Stimmung und die wunderschöne Ausstattung machen das Buch zu einem echten Hingucker. Inhaltlich bleibt die Geschichte aus meiner Sicht jedoch eher leicht und überschaubar.
Gudrun Lochte erzählt von einer Frau, die nach vielen Jahren des Funktionierens an einen Punkt kommt, an dem sie ihr Leben neu betrachten muss. Im Mittelpunkt steht Caro, die seit über zwanzig Jahren in einer Ehe und einem Familienalltag feststeckt, der von Routinen, Verantwortlichkeiten und stiller Selbstaufgabe geprägt ist. Als sich die Möglichkeit einer Sprachreise nach Frankreich ergibt, wird daraus mehr als nur ein Ortswechsel - es ist der vorsichtige Beginn eines inneren Aufbruchs.
Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, wie erschöpft und unzufrieden Caro in ihrem Leben geworden ist. Sie hält den Alltag zusammen, kümmert sich um Haushalt, Familie und all die kleinen und großen Aufgaben, die oft unsichtbar bleiben und doch alles tragen. Diese Ausgangslage war für mich sehr nachvollziehbar und kommt sicherlich auch vielen anderen vielen Leserinnen bekannt vor. Gudrun Lochte greift damit Themen wie Mental Load, Selbstverlust und weibliche Überforderung auf, ohne sie allzu laut auszubuchstabieren.
Sehr gelungen fand ich die Atmosphäre des Romans. Die französische Kulisse, die Begegnungen vor Ort und die leisen Momente des Innehaltens verleihen der Geschichte Wärme und einen spürbaren Reiz. In Frankreich gewinnt Caro erstmals seit langer Zeit Abstand zu ihrem gewohnten Leben und damit auch die Möglichkeit, wieder auf die eigenen Wünsche zu hören. Diese Passagen gehören zu den stärkeren des Buches, weil hier tatsächlich etwas von Aufbruch, Sehnsucht und neuer innerer Bewegung spürbar wird.
Inhaltlich bleibt der Roman aus meiner Sicht sehr zurückhaltend. So überzeugt es mich nicht, dass Caros Selbstfindung zeitweise über die Begegnung mit einem anderen Mann zugespitzt wird. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Roman stärker bei Caros eigenem inneren Prozess bleibt. Gerade weil die Geschichte dann am stärksten ist, wenn sie von Selbstbehauptung, neuen Möglichkeiten und leiser Emanzipation erzählt, wirkt diese Wendung für mich eher entbehrlich. Am Ende werden die entscheidenden Konflikte vergleichsweise rasch aufgelöst, sodass der emotionale Kern des Romans am Schluss keine Tiefe entfalten kann. Auch wirkt Caro viel älter als sie mit 45 eigentlich ist. Die kurzen, sprachlich sehr einfachen Sätze tragen zur trivialen Wirkung bei, es fehlt nicht nur Tiefgang in der Geschichte sondern auch in den Dialogen, die Charaktere bleiben flach und farblos. Viele Belanglosigkeiten könnten problemlos gestrichen werden.
Trotzdem hat „Au revoir und tschüss“ seine Qualitäten: als Unterhaltungsroman über Aufbruch, Überforderung und den Wunsch, sich selbst nicht ganz zu verlieren. Besonders die liebevolle Gestaltung und die schöne Aufmachung des Buches unterstreichen diesen Eindruck zusätzlich. Inhaltlich hätte ich mir allerdings mehr Substanz und erzählerische Tiefe gewünscht.
Rezensionen von JD:
Deine Zeit wird kommen von Carl-Johan Vallgren
Ein Thriller mit Tiefgang!
Das Cover des Buches zeigt bereits eine unheilverkündende Stimmung, indem der Schwarm Vögel auffliegt und alles sehr dunkel gehalten ist. Mir gefällt es, da es meine Neugier auf den Inhalt weckt. Das Buch selbst habe ich regelrecht verschlungen, da ich es einfach extrem spannend fand und es mich gleich von Beginn an gefesselt hat.
Die Charaktere finde ich gelungen gezeichnet, allen voran der Kommissar, den ich sehr authentisch fand und dessen Innenleben ich gut nachvollziehen konnte. Auch der Schreibstil ist flüssig und nach meinem Geschmack. Das Ende des Buches hat mich überrascht und mich hat die Geschichte nicht gleich losgelassen, sondern ich habe über das Eine oder Andere noch tiefer nachgedacht. Mir hat der Thriller sehr gut gefallen, da er einen gewissen Tiefgang hatte und mich zugleich sehr gut unterhalten hat.
Rezensionen von F.H.:
People in Love von Claire Daverley
Feinfühliges und berührendes Buch
"Was wäre gewesen, wenn..." - diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und hat mich als Leserin auch zutiefst beschäftigt und zum Nachdenken gebracht. People in Love ist ein sehr berührendes Buch. Feinfühlig erzählt die Autorin die Geschichte von Nora und Bren, zwei beste Freunde seit Kindheitstagen.
Aber auch die Beziehung zwischen Nora und Robin wird sehr feinfühlig beschrieben. Insgesamt gefällt mir sehr gut, wie die Autorin die Charaktere angelegt hat. Freya und Josie könnten nicht gegensätzlicher sein. Genau deswegen fügen sie sich so gut in die Geschichte ein. Spannend bleibt es bis zum Schluss, als eine plötzliche Wende Nora und Bren einander wieder so nahe bringt wie nie zuvor im Buch. Und auch die Enthüllung der Geheimnisse lässt den Leser Seite um Seite verschlingen. Für mich ein sehr stimmiges und rundum gelungenes Buch zu den Themen Freundschaft und Liebe.











