Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücherfreundin:
Alleinruhelage von Eva Menasse
Großartige Erzählkunst
In ihrem neuen Roman "Alleinruhelage" beschreibt die Wiener Schriftstellerin Eva Menasse den Abschied einer Frau von ihrem in den Wäldern Brandenburgs an einem See gelegenen Wochenendhaus. Das Haus hat viel gesehen, die Ehe der namenlosen Ich-Erzählerin und das Aufwachsen der Kinder miterlebt und ist später Zeuge des Scheiterns der Ehe und diverser Neuanfänge geworden.
Die Protagonistin hat bereits vor über 10 Jahren dreimal versucht, es zu verkaufen, und dreimal hat sie den Verkauf wieder gestoppt. Doch nun ist es so weit: Das Haus wird verkauft. Während sie die letzten Dinge aus dem Haus räumt, erinnert sie sich an das Familienleben mit den drei Kindern, an vergangene Lieben und Kümmernisse.
Die Geschichte ist in intelligenter Sprache mit viel Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Es hat mir viel Lesefreude bereitet, den Gedankensprüngen der Ich-Erzählerin zu folgen. Das Haus war in früheren Zeiten eine Waldschänke, ehe die Protagonistin und ihr Mann es nach der Wende kauften und fortan zwischen Berlin und Vogelsang pendelten. In unzähligen Arbeitsstunden und mit Hilfe eines Nachbarn entstand ein Zuhause, in dem sich die Familie wohlfühlte. Das Haus war nicht nur das Wochenendhaus der Familie, sondern auch immer wieder ein Rückzugsort für die Protagonistin oder ihren Ehemann. Einmal im Jahr wurde dort mit Freunden so fröhlich gefeiert, dass sich die Bewohner der benachbarten Datschen beschwerten.
Ich habe die Geschichte, in der es neben dem Abschiednehmen auch um Probleme mit der Tochter, den Besuch bei einem Hellseher, um Heimat, Fremdheit und Ablehnung geht, sehr gern gelesen. Auch die besondere Erzählweise - die Protagonistin spricht ihr Haus ganz direkt an - hat mir gut gefallen. Eva Menasses feiner Humor durchzieht den ganzen Roman, die Schilderung der Renovierungsarbeiten durch die beiden polnischen Helfer Alla und Bolek fand ich besonders amüsant. Ich mochte aber auch die ernsteren Töne des Buches: die Gesellschaftskritik, die Ausführungen über die deutsch-deutsche Geschichte und die Beschreibung, wie es ist, als Österreicherin in Ostdeutschland zu leben.
Absolute Leseempfehlung für diesen unterhaltsamen Roman!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Totengräber und der Orden des Teufels von Oliver Pötzsch
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
In seinem 5. Fall für Inspektor Leo von Herzfeldt entführt uns Oliver Pötzsch in das Wien von 1896, in dem sich zahlreiche Verschwörungstheoriker zu okkulten Treffen verabreden. Allerdings bleibt es nicht immer beim lautstarken Geschwafel, sondern so manche Gruppe lässt den Theorien auch Taten folgen.
So wird Leo von Herzfeldt, der aktuell mit seiner Verlobten Julia, beim Begräbnis seines Vaters in Graz weilt, zurück nach Wien beordert. Der Sohn einer adeligen Familie steht unter Verdacht, bei einer gruseligen Séance, eine junge Frau getötet zu haben.
Dass er nun unverzüglich nach Wien reisen muss, um die Ermittlungen aufzunehmen, kommt ihm sogar gelegen, verlangt doch sein Bruder von ihm, die Verlobung mit Julia aufzulösen, ansonsten würde er enterbt. Das Verbrechen, das er nun aufklären soll, betrifft gleich zwei adelige Familien, nämlich jene des weiblichen Opfers und jene des augenscheinlichen Täters, die ihrerseits Verbindungen in höchste Kreise haben, sodass Moritz Stukart, Herzfeldts Vorgesetzter von mehreren Seite bedrängt wird, die Ermittlungen in die jeweils gewünschte Richtung zu lenken. Der mutmaßliche Täter kann nichts dazu sagen, denn er befindet sich in einer Art katatonischen Starre, weshalb man ihn in eine private Anstalt eingewiesen hat.
Neben den Juden geraten auch die verbotenen Freimaurer ins Visier der Ermittler, denn der Leichnam der Frau ist mit obskuren Zeichen versehen, die man den Freimaurern zuordnet.
Herzfeldt ist für den komplexen Kriminalfall fast dankbar, lenkt er ihn doch von seinen privaten Problemen ab, verschweigt er doch seiner Julia bislang das Ultimatum seines Bruders.
Julia, nunmehr Journalistin, soll ein Porträt des noch jungen und unbekannten Sigmund Freud schreiben und überredet ihn, sich des vermeintlichen Mörders anzunehmen. Die angewendete Hypnose gerät zu einem Desaster.
Zwischen all den Intrigen, die gegen Stukart und Herzfeldt geschmiedet werden und eine Abberufung beider zur Folge haben, echauffiert sich Totengräber Augustin Rothmayer über das geschändete Grab von Beethoven.
Beinahe gleichzeitig erschüttert ein Anschlag auf Vize-Bürgermeister Karl Lueger, einem eingefleischten Antisemiten, der auch im Jahre 2026 wegen seines Denkmals am Lueger-Platz noch von sich reden macht, die Stadt. Lueger ist mit seinem Antisemitismus nicht allein, denn gegen Juden wird schon seit Jahrhunderten gehetzt. Dieses Attentat wird den diversen Anarchisten, die im Vielvölkerreich ihr Unwesen treiben, zugeschrieben, die, was noch verborgen bleibt, einen weitaus größeren Anschlag planen.
Meine Meinung:
Auch in diesem 5. historischen Krimi rund um Leopold von Herzfeldt, seine Verlobte Julia und Augustin Rothmayer spielt vor dem Hintergrund einer Stadt im Umbruch. Auf der einen Seite Adel und wohlhabendes Bürgertum und auf der anderen Abertausende von Arbeiterinnen und Arbeiter, die unter unvorstellbaren Umständen ihr Leben fristen, um, zum Beispiel für die Prachtbauten an der Ringstraße in den Ziegelwerken zum Hungerlohn schuften. Oliver Pötzsch schafft es durch seinen eindringlichen Schreibstil und seiner akribischen Recherche, diese Zeit des Widerspruchs und Aufbruchs lebendig und authentisch auferstehen zu lassen.
Als Wienerin sind mir die Schauplätze und die historischen Persönlichkeiten wie eben Lueger (1844-1910) oder Freud (1856-1939) recht gut bekannt. Gut gefallen hat mir auch, dass der junge, noch unbekannte Sigmund Freud eine Rolle spielen darf. Kurz vor diesem historischen Krimi habe ich eine Biografie von Frank Tallis über Sigmund Freud gelesen, in der dessen Behandlungsmethoden aus den Tagebüchern bzw. den Patientenakten geschildert werden.
Der Anschlag auf Lueger, der eine Ähnlichkeit mit jenem auf Trump aufweist, wird sofort jener Gruppe untergeschoben, die die Masse der Bevölkerung ohnehin alles zutraut: Juden und Freimaurern. Im Hintergrund ziehen jedoch ganz andere die Fäden, um die Monarchie zu erschüttern. Geschickt flicht Oliver Pötzsch die Macht der Zeitungen ein, deren unterschiedliche Ausrichtung, die politische Meinung der Eigentümer vertritt. Krawallblätter, die mit ihren reißerischen Schlagzeilen die Menschen manipulieren, sind keine Erfindung der Neuzeit.
Ich freue mich schon auf Band Nr. 6 zumal der Cliffhanger, die eine oder andere Überraschung prophezeit.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem vielschichtigen historischen Krimi, der allen Beteiligten einiges abfordert, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Sommerhaus von Rachel Joyce
Auf Anfang
Habe ich dieses Buch hauptsächlich angefangen, weil Bonnie Garmus es empfiehlt? vielleicht. Bin ich aber drangeblieben, weil es eine schräge, beinahe voyeuristische Sogwirkung entfaltet? Absolut. Spannende Story zwischen Familienroman, Drama und Thrill.
Die zwischenmenschlichen Konflikte zwischen den Geschwistern selbst, aber auch zwischen ihnen und dem exzentrischen, hedonistischen Vic sind absolut herrlich herausgearbeitet.
Die Geschwister scheitern alle auf ihre Weise kläglich an der Realität des Erwachsen Werdens zwischen Erwartungshaltung und Gesellschaftsdruck im Schatten des berühmten Vaters.
Die Erzählung ist sehr dicht, es passiert wahnsinnig viel gleichzeitig und doch gar nicht mal so viel auf Handlungsebene, sondern eher zwischenmenschlich. Ich fand die feinen Risse, die immer größer wurden und eine Schlucht auftaten absolut fesselnd. Die Erzählung ist sehr atmosphärisch angelegt, Zwistigkeiten gefühlt mit Händen greifbar und die Charaktere mit ihren Eigenheiten und Gedanken sehr differenziert herausgearbeitet.
Der letzte Part, das Ende, hat mir besonders gut gefallen. Wie alle ihre ganz eigenen Wege einschlagen, sich loslösen von dem, worüber sie sich definierten und neu beginnen. Tatsächlich mochte ich dieses leicht verklärte Ende, das fast schon zu versöhnlich wirkt und trotzdem war es wie ein Aufatmen, das dringend nötig war.
Starker Roman, hat mir richtig gut gefallen
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Maja & Natascha von Elyse Durham
Eine kalte Welt
Russisches Ballett ist eine Kunst für sich, die nicht nur Prestige, sondern auch Härte ausstrahlt. Und genauso ist diese Geschichte. Es ist eine Familiengeschichte, eine Geschichte von Schwesternschaft und Rivalität, von Flucht und Fügung. Hier werden starke Bilder geschaffen, die den Leser in die ungewisse Welt des Russischen Balletts entführen.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen, war bildhaft, aber emotional aufgeladen. Und dadurch, dass beide Schwestern zu Wort kommen, werden Kränkungen, Unsicherheiten, Schmerz und Liebe immer von beiden Seiten beleuchtet, was die Geschichte sehr plastisch macht.
Die sozialen und weltpolitischen Umstände, die das Leben der beiden jungen Frauen maßgeblich beeinflussen werden beleuchtet, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Hatte erst Angst es könnte trocken werden, aber die Geschichte ist durchweg sehr kurzweilig angelegt.
Manchmal ging es mir sogar fast zu schnell und ich hätte mir etwas mehr Tiefe für die Hintergrundgeschichte gewünscht, Beweggründe werden oft eher nur kurz und oberflächlich beleuchtet, wodurch alle Charaktere außer den Schwestern eher blass blieben.
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Eine zu viel von Samantha Hayes
Ein Haus voller Lügen und Geheimnisse
Samantha Hayes schreibt einfach richtig coole, vielschichtige Thriller, die meist auch eine starke psychologische Komponente haben. Das gefällt mir immer richtig gut und war auch wieder hier der Grund, warum ich das Buch am liebsten gar nicht aus der Hand legen wollte. Die Geschichte ist spannend geplottet, findet in sehr komprimierten Rahmen statt, was Reibungen zwischen den Charakteren quasi vorprogrammiert und mit all den Geheimnissen, die die Charaktere jeder für sich oder gemeinsam verbergen, entsteht eine tolle, angespannte Stimmung.
Vor allem am Anfang baut sich die Atmosphäre darauf auf, dass innerhalb der Familie viel ungesagt bleibt und einige ein paar echt suspekte Geheimnisse im Gepäck haben. Die gesamte Familiendynamik wirkt nicht unbedingt harmonisch und da der Prolog den Fund einer Leiche bereits andeutet, stand ich schon zu Beginn den Figuren eher misstrauisch gegenüber. So richtig sympathisch fand ich eigentlich auch keinen von ihnen, was ich in diesem Kontext aber passend finde.
Die Rückblenden in die Ehe von Ray und Connie fand ich stark gewählt, um den Rahmen der Handlung zu stecken. Ray hat mich richtig aggressiv gemacht, wie kann man nur so ein derartiger Hinterwäldler sein? Wie er mit Connie umgesprungen ist, hat mich richtig wütend gemacht.
Muss aber sagen, dass ich es durchaus stark fand, wie die Konflikte hier angelegt und platziert wurden. Es gibt eigentlich durchgehend neue Enthüllungen, wodurch die Geschichte durchaus einen Nerv trifft und spannend zu verfolgen ist. Insgesamt ist es eher ein unterschwelliges Brodeln als offen ausgetragene Streitigkeiten, aber man merkt als Leser einfach, dass die Geschichte nur in einer Katastrophe enden kann.
Ich fand das Buch wirklich packend und habs gern gelesen. Hat mir wieder richtig gut gefallen.
Rezensionen von PC69:
Fünf Tage im Licht von Rhiannon Lucy Cosslett
Griechenland - Liebe und Erotik
Vier Freundinnen feiern den Junggesellinen Abschied in Griechenland. Sie sind fünf Tage allein, danach kommen die Männer nach. Sophie ist die Hauptperson in diesen Roman, die von Greg unter Druck gesetzt wird wegen dessen Kinderwunsch. Sie ist noch nicht bereit für ein Kind und fängt mit Ky, den Tavernenbesitzer eine stürmische Affäre an.
Die vier Freundinnen sind aus verschiedenen Schichten, was zu Streit und Meinungsverschiedenheit führt. Erfolg, Luxus und Neid sind immer wieder mal bei den vieren ein Thema. Helena die zukünftige Braut tritt etwas in den Hintergrund, was ich schade finde. Die ganze Geschichte ist mit sehr viel Kunst durchzogen. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist der Umgang mit Drogen und sehr viel Alkohol. Das Cover ist sehr schlicht gehalten, Pool, Drink und Sonne, und passt gut zum Roman. Der Schreibstil ist recht flüssig, da will man es gar nicht mehr aus der Hand legen.
Rezensionen von Novalie:
Wenn liebe Waschbären wütend sind von Sandra Grimm
Sehr süß!
Super süß!
Nachdem ein Elch ihm seinen Apfel weggefuttert hat, ist der kleine Waschbär ziemlich sauer. Doch wie kann man mit diesem Gefühl umgehen? Zum Glück trifft er auf verschiedene Tiere, die ihre Strategien vorstellen und ihm helfen, das Gefühl gut zu verarbeiten.
Das Buch war richtig süß und die Bilder einfach nur perfekt.
Es ist schön bunt, Emotionen werden klar und verständlich dargestellt und der Text ist leicht verständlich.
Die Strategien zur Emotionsregulation sind kindgerecht und werden sowohl als Text, als auch als Bild dargestellt. Sie können schnell angewendet und geübt werden. So bekommen Kinder Kontakt zu verschiedenen Möglichkeiten, um zu lernen, mit dem Gefühl der Wut umgehen können.
Was mir richtig gut gefallen hat ist, dass der Waschbär im Titel explizit als lieber Waschbär benannt wird und das Gefühl der Wut eben nur eine Momentaufnahme ist, wodurch auch liebe Waschbären, oder eben auch Kinder, mal dieses Gefühl haben dürfen. Die Wut macht uns also nicht zu schlechten Menschen und es ist okay, auch mal wütend zu sein.
Das Buch wird für Kinder ab 2 Jahren empfohlen, wobei die Bilder so süß sind, dass bestimmt auch andere Altersgruppen ihre Freude damit haben werden.
Rezensionen von scorpio:
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe
Vier Generationen einer Familie
Dieses Buch ist nicht nur ein sehr unterhaltsamer Roman, es ist auch ein vielschichtiges Generationenporträt deutscher Geschichte.
Die Einblicke in die Familie der Autorin, basierend auf Tage- und Notizbüchern ihrer Vorfahren, ist zugleich eine Zeitreise durch ein Jahrhundert deutsche Geschichte, mit allen Höhen und Tiefen dieser Zeit.
Sie schildert die schmerzhafte Erkenntnis, als uneheliches schwarzes Kind in den 1960er Jahren von der eigenen Familie als unerwünscht betrachtet worden zu sein. Sie legt dar, wie rassistische Denkmuster und Vorurteile, die tief in der Gesellschaft verwurzelt waren, von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
Ein schwieriges Erbe, dass aber auch einen Blick auf die Gesellschaft eines ganzes Jahrhunderts wirft, und zeigt wie schwierig es ist eigene selbstbestimmte Wege zu gehen.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Ungesunde Verhältnisse von Betina Aumair; Brigitte Theißl
Soziale Ungleichheit in Österreich
Die Autorinnen Betina Aumair und Brigitte Theißl setzen sich seit langem privat und beruflich mit sozialer Ungleichheit und Klassismus auseinander. Nach ihrem Vorgängerwerk "Klassenreise: Wie die soziale Herkunft unser Leben prägt" geht es auch in diesem Buch wieder um ähnliche Themen, diesmal mit einem Schwerpunkt auf das Thema Gesundheit.
Anschaulich zeigen die Autorinnen, wie neoliberales Denken in den letzten Jahrzehnten in immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft Einzug gehalten hat: Gesundheit wird nun oft als etwas propagiert, das man ausschließlich selbst in der Hand habe und für das nur die Individuen allein Verantwortung tragen würden, während gesellschaftliche und ökonomische Einflüsse darauf aufgeblendet werden. Dabei gibt es viele Bereiche, in denen Menschen aus sozioökonomisch schwächeren Milieus benachteiligt sind, was hier anhand des österreichischen Systems aufgezeigt wird: zwar sind die meisten Menschen gesetzlich krankenversichert, doch wer eine private Zusatzversicherung hat oder Wahlarztbesuche aus eigener Tasche zahlen will, bekommt oft schnellere und bessere Behandlungen, eine wichtige Zweitmeinung oder muss nicht monate- oder gar jahrelang krank auf eine notwendige Operation warten.
Nach wie vor sind Bildungsniveau und sozialer Status die wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, welche Kinder in Mittelschule oder Gymnasium kommen, wer Lehre und wer Matura macht und wer studiert. Wer mehr Geld hat, wohnt außerdem in einer besseren Wohngegend, mit besserer Verkehrsanbindung, weniger Belastungen, mehr Möglichkeiten und lebt länger. Und vieles mehr. Dabei sind diese Tendenzen dabei, sich zu verschärfen, denn aus eigener Kraft alleine durch Erwerbseinkommen ist in Österreich sozialer Aufstieg kaum mehr möglich. Das hat sich noch einmal verstärkt, seit Erbschafts- und Schenkungssteuern abgeschafft wurden.
Besonders gut hat mir auch gefallen, dass die Autorinnen - von denen eine auch im Journalismus arbeitet - auch beschreiben, wie auch dieser Bereich zunehmend blinde Flecken entwickelt, weil immer mehr Journalisten und Journalistinnen studiert haben und eine Lehre nicht aus dem eigenen Umfeld kennen, sodass über diese und damit verbundene Themen auch weit weniger berichtet wird als über Themen, die Schülerinnen und Schüler bzw. Studierende betreffen.
Es wird also anhand verschiedener Bereiche von Medizin über Bildung bis zu Wohnen, Arbeit und dem Rechtssystem und anhand vieler auch persönlicher Beispiele realer Menschen, mit denen sich die Autorinnen zu Gesprächen getroffen haben, für soziale Ungleichheit sensibilisiert. Ein wichtiges Buch, dem ich wünsche, dass es von vielen Menschen gelesen wird, die in diesen Bereichen etwas verändern können.
Rezensionen von Sassy:
Was Sie (wirklich) über Erziehung wissen müssen von Tillmann Prüfer
Eigentlich ist es so einfach
Das Buch ist interessant, ehrlich und humorvoll. Tillmann Prüfer lässt uns immer wieder an sehr persönlichen Geschichten aus seinem Familienalltag mit vier Töchtern teilhaben. Das lockert das ganze immer wieder auf. Denn daneben sind unglaublich viele Studien sachlich recherchiert und verständlich erklärt.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, welche immense Recherche für dieses Werk nötig war.
Zeitweise war es mir fast ein bisschen zu viel, wenn eine Studie an die nächste gereiht war. Da hat es gut getan, immer mal wieder etwas anderes zu lesen.
Die Entwicklung der Erziehung war sehr interessant. Die Sätze aus alten Erziehungsratgeber, die z.B. die Prügelstrafe für Säuglinge empfehlen, war für mich fast nicht auszuhalten und mir ist richtig schlecht geworden. Zum Glück liegt diese dunkle Zeit lange hinter uns.
Ich konnte mich in sehr vielen Kapiteln, z.B. über "intensive parenting", wiederfinden. Tatsächlich konnte ich aus jedem Kapitel etwas für mich mitnehmen, auch wenn ich zu Beginn dacbte, dass dieser Abschnitt mich vielleicht nicht betrifft.
Sehr hilfreich fand ich, dass es am Ende jedes Kapitels eine Zusammenfassung gab.
Prüfer plädiert in seinem Buch immer wieder für mehr Gelassenheit in der Erziehung. Sätze wie: "Dann kann fast nichts schief gehen.", nehmen den Druck aus der Thematik. Das wichtigste sei die Beziehung zwischen Eltern und Kind, die durch Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt sein sollte. Eine gute Bindung resultiere häufig auf das Hören auf das eigene Bauchgefühl.
Ich hatte beim Lesen häufig den Gedanken: "Ach, ich mache schon einiges richtig." Das ist ein sehr angenehmes Gefühl, das nicht durch jeden Erziehungsratgeber hervorgerufen wird. In diesem Werk wird nämlich nicht ein Stil als der einzig Richtige dargestellt, sondern das für und wieder verschiedener Stile dargestellt. Das ganze ist absolut alltagsnah und es wird immer wieder betont, dass auch "Fehler" zum Leben gehören.
Mein Fazit aus dem Buch: Es ist eigentlich so einfach. Liebe, Zeit und Bauchgefühl und schon ist man eine hinreichend gute Mutter. Und mehr muss man nicht sein.
Eine absolute Leseempfehlung für alle, die einen Überblick über die unzähligen Studien zum Thema Erziehung haben möchten und einfach den Druck ein bisschen rausnehmen wollen.











