Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Angerer:
Der Staubleser von Josef Brainin
Insgesamt eine ansprechende und kurzweilige Unterhaltungslektüre, bestens geeignet für unbeschwertes Lesen am Strand, im Zug, an einem verregneten Wochenende oder als niveauvolle Alltagsbegleitung.
Eines derjenigen Bücher, welches ich in einem Satz durchgelesen habe. Ausgezeichnet für mich ist die Sprache und phasenweise der Sprachwitz. Schon aus diesem Grund ist dieses Buch besonders lesenswert.
Der Handlungsbogen ist sehr phantasievoll, hat in mir so manche „Aha-Eindrücke“ ausgelöst (ich war oft überrascht, welche Wendungen Josef Bainin in der Story eingefallen sind), erweckt aber ab und zu den Eindruck, nicht immer lebensnah zu sein und gleitet einige male ins „Kitschige“ ab.
Ob dies vom Autor gewollt ist oder nicht, sei dahingestellt.
Eine gute Geschichte, Großteils sehr ansprechend, „elegant wienerisch“ geschrieben, viele Überraschungsmomente und eine Story, die Verständnis für das „Lesen im/des Staub/es“ erweckt. Insgesamt eine ansprechende und kurzweilige Unterhaltungslektüre, bestens geeignet für unbeschwertes Lesen am Strand, im Zug, an einem verregneten Wochenende oder als niveauvolle Alltagsbegleitung.
Rezensionen von HEYN Leserunde Erika Liebminger:
Der Staubleser von Josef Brainin
Die zum Teil abgehobene Sprache ist (...) gewöhnungsbedürftig.
Die wunderbare Welt des Antiquitätenhändlers Alfred wird auf ungewöhnliche Weise erzählt. Zwischen Barock, Biedermeier und Jugendstil sinniert er über seine jahrelang trainierte Kunst des Staubspurenlesens. Er weiss, dass wertvolle Möbel, Bilder oder Gegenstände ihre eigene Aura haben und Stimmen, die nur er versteht.
Seine heile Welt beginnt zu schwanken, als er sich auf eine Affäre mit Mutter und Tochter aus gehobenen Kreisen einlässt, und gerät vollends aus den Angeln, als er für die reiche Amerikanerin Betty ein Bild, das ihrer Familie während des Krieges von den Nazis geraubt wurde, wiederbeschaffen soll. Das gelingt ihm auch, doch findet er sich in einem Wirbel von Diebstahl, Bedrohung und Antisemitismus wieder, aus dem ihm die grosszügige Amerikanerin hilft, indem sie Teilhaberin seines neuen Geschäftes wird. Die zum Teil abgehobene Sprache ist allerdings gewöhnungsbedurftig.
Rezensionen von Renate Geissler:
Der Staubleser von Josef Brainin
In diesem Buch wird zuviel Staub aufgewirbelt !
Rezensionen von HEYN Leserunde, Petra Hesse:
Der Staubleser von Josef Brainin
Ein wenig viel der Stereotypen und eine verschenkte Metapher: die des genauen 'Staublesers'
Eine allgemeine Bemerkung vorweg: Solange Antisemitismus existiert, muss er dargestellt und damit aufgedeckt werden; das kann in jedem Genre, auch in der Belletristik, geschehen. Allerdings ist das Problem noch immer viel zu ernst und bedrückend, als dass ein schematisch konstruierter Beinahe-Krimi ihm gerecht werden könnte.
Die bis heute unabgeschlossene Geschichte von Restitutionsansprüchen und -prozessen spricht eine ganz andere Sprache als dieser ‚Ende gut, alles gut’-Roman.
Dabei weckt der Titel zunächst die Erwartung eines spannenden realistischen Erzählens als Spurenlesen: Ein Antiquitätenhändler, der im Staub zu räumender Verlassenschaften detektivisch zu lesen versteht, bietet eigentlich eine wunderbare Perspektive auf das Problem der im Nationalsozialismus enteigneten Raubkunst. Im konkreten Fall, den der Held zu lösen hat, lässt sich die verborgene Spur eines Gemäldes mit etwas Glück recht einfach zurückverfolgen. Das nach Flucht oder Vertreibung, Konzentrationslager und Bombenkrieg unweigerlich auftretende Problem der missing links im Provenienz-Nachweis scheint nicht zu existieren. Ähnlich verläuft die Frontenbildung unter FreundInnen, KundInnen und GegenspielerInnen des Helden nach einem simplen Schwarz-Weiß-Schema – für oder gegen ‚die Juden’. Den Anstoß zu einer regelrechten Kampagne gegen den Helden gibt allerdings seine Affäre mit einer Kundin und zeitgleich mit deren Tochter; soll der Rachefeldzug der Mutter auf Nazi-Propaganda à la 'Rassenschande' anspielen? Im Bewusstsein des Helden bleibt die Fragwürdigkeit seines eigenen Verhaltens merkwürdig unbedacht, und der Leserin hätten Eifersucht und Kränkung ohne den Beigeschmack von Inzest auch genügt.
Schließlich erfolgt die Korrektur historischen Unrechts durch einen – natürlich von Südslawen erfolgreich durchgeführten – Einbruch, und die rechtmäßige Erbin des Bildes ist eine reiche amerikanische Jüdin mit luxuriösem Lebensstil und einem großen Herzen. Diese rettet den Helden dankbar aus seiner Kreditklemme, und mit der Eröffnung eines neuen Antiquitätengeschäfts ist die Welt wieder in Ordnung.
Ein wenig viel der Stereotypen und eine verschenkte Metapher: die des genauen 'Staublesers'. Aber für uns Leser und Leserinnen ist und bleibt die Welt doch heil: Die gehobene Wiener Gesellschaft mit ihren Finanzgeschäften ist eine böse. Da gibt´s offenbar nix zu hinterfragen.
Rezensionen von Eva Knezicek:
Der Staubleser von Josef Brainin
Der Reiz des Buches ist für mich die stellenweise groteske Verquickung von so verschiedene Sprachwelten. Sprachenwelt der Poesie- Sprachenwelt der Technik, eine interessante Mischung aus Innerlichkeit und Abstraktion.
Der Roman des Schriftstellers Josef Brainin 'Der Staubleser' ist die Geschichte eines Lebensabschnittes von Alfred, einem jüdischen Antiquitätenhändler. Alfred hat sich in seinem Geschäft ein eigenes kleines Universum geschaffen. Schauplätze sind Wien und das utopiehafte Kalifornien. Dieser Roman ist zugleich Kriminalgeschichte, Liebesgeschichte und wohl auch literarisch gefasste Zeitgeschichte, wenn man die Tatbestände rund ums Leopold Museum im Hinterkopf behält.
Sehr gut fasst dieses Buch die Ignoranz der Erben von Raubkunst in Worte, thematisiert sie. Dieser Konflikt ist Teil unserer Wirklichkeit. Den ursprünglichen, rechtmäßigen Besitzern der einst geraubten Schiele-Zeichnungen wird gegen Verzicht auf alle ihre Rechte als Entschädigung einzig das Anbringen einer Tafel 'tagic faith of Carl Mayländer' im Museum angeboten ( aus: Der Standard 22.April 2013). Sehr genau fasst Brainin in Worte, wie das, was verborgen war, jahrzehntelang vor sich hin faulte und gärte, an die Oberfläche tritt. Da schützen oder heilen auch die Lebensjahre der Figur des alten Herrn Schiebel nicht. Brainin schildert die 'übermäßige' Kraftanstrengung eines Altnazis die eigene körperliche Vitalität zu erhalten, den Schein körperlicher Eigenständigkeit zu wahren. Damit berührt er einen wesentlichen Punkt. Die eigen Ideologie würde einem Nationalsozialisten bei Verlust seiner körperlichen Unabhängigkeit den Wert des ihm eigenen Lebens absprechen müssen. Immer wieder wird Alfred konfrontiert mit verdeckten Ressentiments, direkten Vorurteilen, gnadenlosen Verurteilungen. Mittels der präzisen Beschreibung der akribischen Arbeit des Durchsuchens alter Wohnungen Alfreds, des Staublesers, geht Brainin der Veränderung auf die Spur. Der Veränderung durch den Ablauf der Zeit. Dringlichkeiten gehen verloren, Brisantes wird zu Belanglosem, Wertigkeiten verschieben sich. Die Zeit, die abläuft, hinterlässt Spuren an den Dingen, an den Menschen. Umstrukturierungen hinterlassen etwas. Aber Alfred begibt sich nicht nur auf die Spuren der Vergangenheit, er sieht sich ebenso als Entsorger des angefallenen 'Nazi-Mülles'. Das, was zu entsorgen ist, wird entsorgt; unbeseitigbar ist der Restmüll des Endlagers. Aufgrund der so präzisen Sprache Brainins ist der Schauder Alfreds in vielen Konfliktsituationen für mich als Leserin spürbar gewesen, subtile Gewalt - 'Ausgrenzung durch stille Übereinkunft'(Brainin, S.103) fühlbar. Zuvor eingeschlossene Ahnung wird oft zu dunkler Gewissheit. Lähmende Angst taucht aus dem Untergrund auf, kommt in seiner ganzen Hässlichkeit zutage. Die stellenweise etwas langatmigen Gedankengänge Alfreds werden mit Wortwitzen unterbrochen. Alfred wird von Brainin als analytischer Stratege dargestellt, seine Strategien werden von der Wirklichkeit durchbrochen, können niemals stringent ablaufen. Gefangen in seinen akribischen Beobachtungen und Überlegungen, verliert sich Alfred in denselben und merkt erst spät wie das Geschehen um ihn seinen Lauf genommen hat, längst vergangen ist. Er verliert sich als genauer Analysand in stattfindenden Begegnungen, die Wirklichkeit ist immer schon vorbei. Witz in Situationen, Situationskomik mit dem bitteren Beigeschmack einer Passivität des Opfers. Aber Alfred wir aktiv. Zeitweise befremdende Vergleiche weisen auf den technischen Hintergrund des Autors hin, irritieren zuweilen. Leider mündet des Schriftstellers Sprache manchmal in symbolhafter Oberflächlichkeit - wie die weiße Rose im Knopfloch zur Eröffnungsfeier eines neuen Geschäftes. Das ist schade und lässt Worte ins Plakative triften. Der Reiz des Buches ist für mich die stellenweise groteske Verquickung von so verschiedene Sprachwelten. Sprachenwelt der Poesie- Sprachenwelt der Technik, eine interessante Mischung aus Innerlichkeit und Abstraktion.
Rezensionen von Harald Schellander:
Der Staubleser von Josef Brainin
Ein Staubfänger in meiner Bibliothek.
Nomen est omen: Beim Lesen des "Staublesers" hatte ich das Gefühl, mich durch eine Schicht bereits angestaubter Wortkonstrukte zu bewegen. Auch die Story empfand ich antiquiert und ohne Höhepunkte. Das mag ja Absicht des Autors gewesen sein, um die ach so feine Wiener Gesellschaft zu charakterisieren und ein bisserl zu demaskieren.
Was bleibt? Ein Staubfänger in meiner Bibliothek.
Rezensionen von Doris Moser:
Der Staubleser von Josef Brainin
Geschwätzig und unglaubwürdig
Ein Wiener Antiquitätenhändler zwischen guten Serben und bösen Mödlingern, zwischen einer älteren Geliebten und einer jüngeren (deren Tochter), zwischen Döblinger Distinguiertheit und Kalifornischer Gelassenheit. Dieser Mann namens Alfred geriert sich höchst unglaubwürdig als Räuber von Raubkunst, der Restitution in Eigenregie durchführt.
Nur an wenigen Stellen wird die Hauptfigur des geschwätzigen und klischeebeladenen Romans greifbar: wenn der Erzähler Einblick gewährt in Alfreds verstaubten Kosmos hinterlassener Dinge, der auf sympathische Weise aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Mir ist das zu wenig, also: keine Empfehlung!
Rezensionen von HEYN Leserunde, Manfred Kohl:
Der Staubleser von Josef Brainin
Gute Milieustudie des verlogenen Wiener Herzens
Im ersten Drittel des Buches irritierte mich die Mischung aus der sehr feinsinnigen Beschreibung der liebevollen Mensch-Antiquariat-Beziehung mit den eher Männerphantasien entspringenden erotischen Szenen. Ab ca. der Mitte des Buches kommt die Story in Schwung. Manchmal klingen Sätze wie gewollte Literatur, dann aber wieder wird treffsicher und köstlich formuliert (Kostprobe: 'Ein neuer Kellner kam und verteilte die Speisekarte mit der Mine eines Lehrers, dessen Klasse eben eine katastrophale Schularbeit geschrieben hat.
')
In Summe eine sehr gute Milieustudie des verlogenen Wiener Herzens gemischt mit Krimispannung. Lesenswert.
Rezensionen von HEYN Leserunde Petra Gutsche:
Der Staubleser von Josef Brainin
......eine staubige Angelegenheit.........
Alfred, ein Antiquitätenhändler aus Wien kümmert sich eigentlich um Nachlässe.
Sein Leben gerät jedoch komplett aus den Fugen, als er sich zunächst in zwei Frauen verliebt – in Mutter und Tochter! Als ob er nicht schon genug Kummer hätte, beauftragt ihn eine Bekannte, nach einem verschwundenen Bild zu suchen.
Ein unterhaltsamer Wiener Krimi mit humorvollen Untermalungen.
Die Sprache hat mir gut gefallen, das Ende ist jedoch offen geblieben……. Man kann sich somit die Frage stellen: gibt es eine Fortsetzung des Staublesers?



