Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nil_liest:
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes
Wenn Wurzeln wandern – und dennoch bleiben
E s beginnt nicht mit einem Ort, sondern mit einem Verlust: Münster, 1933. Eine Tür schließt sich, weil ein Name plötzlich nicht mehr dazugehört. Und während Alfred Heilbronn seine Professur verliert, beginnt etwas, das sich erst viel später als Anfang begreifen lässt.
Sandra Lüpkes erzählt in Ein Ort, der bleibt keine klassische Exilgeschichte – sie pflanzt sie.
Und wie jede Pflanze wächst auch diese Geschichte nicht geradlinig, sondern verzweigt sich, schlägt unerwartete Richtungen ein, treibt neu aus. Zwischen Münster und Istanbul, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, sich selbst zu verorten.
Magda trägt Samen im Gepäck – nicht nur botanische, sondern auch Erinnerungen, Hoffnungen, vielleicht sogar ein Stück Trotz. Ihre Reise nach Istanbul fühlt sich nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein vorsichtiges Weiteratmen. Und doch entsteht am Bosporus etwas, das größer ist als Exil: ein Ort, an dem Wissen, Sehnsucht und Überleben ineinander verwurzeln.
Besonders leuchtet für mich Mehpare. Inmitten von Pflanzen, die katalogisiert, benannt und verstanden werden, bleibt ausgerechnet das eigene Innenleben ein Rätsel. Ihre Geschichte hat eine leise Wucht – sie erzählt von Verlust, von Unsichtbarkeit, aber auch von dem Moment, in dem man gezwungen ist, sich selbst zu begegnen. Es ist diese feine psychologische Tiefe, die Lüpkes Figuren nicht nur lebendig, sondern spürbar macht.
Und dann ist da Imke, Jahrzehnte später – eine Frau, die glaubt, einen Ort analysieren zu können, ohne zu ahnen, dass dieser Ort längst begonnen hat, sie zu verändern. Hier zeigt sich die große Stärke des Romans: Zeit ist kein linearer Verlauf, sondern ein Geflecht. Entscheidungen, die einst aus Not getroffen wurden, wirken nach – in Landschaften, in Biografien, in Fragen, die nie ganz verschwinden.
Was mich besonders fasziniert hat, ist die Verbindung von Botanik und Biografie. Pflanzen werden hier nicht zur Kulisse, sondern zur Sprache: für Migration, Anpassung, Widerstand. Was bedeutet es, Wurzeln zu schlagen – wenn der Boden fremd ist? Und ist Heimat ein Ort oder ein Prozess?
Dabei schwingt stets eine leise historische Erkenntnis mit, die mich wirklich überrascht hat: die Rolle der Türkei als Zufluchtsort für verfolgte Wissenschaftler:innen. Lüpkes gelingt es, dieses Kapitel nicht trocken zu erzählen, sondern es mit Leben zu füllen – mit Gerüchen, Stimmen, Beziehungen. Istanbul wird dabei mehr als nur Schauplatz: eine vibrierende, widersprüchliche, zutiefst menschliche Stadt.
Dieser Roman ist kein reines Wohlfühlbuch – und genau das macht ihn so besonders. Er fordert, berührt und bleibt. Wie ein Garten, den man einmal betreten hat und dessen Wege man im Kopf weitergeht.
Oder anders gesagt: Ein Ort, der bleibt ist kein Ort. Es ist ein Gefühl, das Wurzeln schlägt, lange nachdem man die letzte Seite gelesen hat!
Rezensionen von Schlafmurmel:
Sandra Lang: Bestien von Roman Just
Zwischen Wahrheit und Wahnsinn – ein Thriller, der unter die Haut geht!
Schon beim ersten Blick auf das Cover war ich gefesselt: Diese intensiven, fast durchdringenden blauen Augen erzeugen sofort eine unheimliche Atmosphäre und machen neugierig auf die Geschichte dahinter.
Was als klassischer Gelsenthriller beschrieben wird, entpuppt sich schnell als deutlich mehr – für mich ist es ein packender Mystery-Thriller mit einer düsteren, teilweise beklemmenden Stimmung.
Im Mittelpunkt steht Sandra Lang, die an ihrem 24. Geburtstag eine schockierende Nachricht erhält: Ihre Eltern sind tot. Doch statt Trauer bleibt vor allem eines – ein Leben voller Fragen und ein Berg Schulden.
Schon in ihrer Kindheit wurde sie von ihren Eltern als „anders“ abgestempelt. Ihre außergewöhnliche Intelligenz wurde nicht gefördert, sondern als Problem gesehen. Erst später zeigt sich, warum: Sandra besitzt eine besondere Gabe – sie kann Gedanken lesen und noch einiges mehr. Doch was zunächst faszinierend klingt, entwickelt sich schnell zu einer belastenden Fähigkeit, denn nicht alle Gedanken, die sie hört, sind harmlos.
Als sie finanziell am Abgrund steht, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung und bietet ihre Hilfe dem BND an. Von da an nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Sandra wird in einen gefährlichen Auftrag verwickelt: Sie soll helfen, eine Person aufzuspüren, die dem Staat schaden könnte.
Die Spur führt sie zurück nach Gelsenkirchen – und damit direkt in ihre eigene Vergangenheit. Doch je tiefer sie gräbt, desto mehr Ungereimtheiten, Geheimnisse und erschreckende Wahrheiten kommen ans Licht. Was ist damals wirklich passiert? Wem kann sie noch trauen? Und wie weit kann sie ihre Gabe einsetzen, ohne selbst daran zu zerbrechen?
Besonders gegen Ende spitzt sich die Handlung noch einmal deutlich zu und sorgt für echte Spannung. Viele Fragen bleiben bewusst offen, was die Neugier auf die Fortsetzung nur noch steigert.
Mich hat das Buch definitiv gepackt – und ich bin jetzt schon gespannt, wie es in Band 2 weitergeht!
Rezensionen von nil_liest:
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Zwischen Businessplan und Barfußpfad
Einatmen Ausatmen von Maxim Leo beginnt wie eine bissige Abrechnung mit unserer Selbstoptimierungs-Gesellschaft – und endet ganz woanders: leiser, nachdenklicher, fast versöhnlich.
Im Zentrum steht Marlene Buchholz, eine Frau, die alles erreicht hat – außer Nähe zu anderen Menschen. Ihre Beförderung hängt ausgerechnet davon ab, ob sie lernt, empathischer zu sein.
Also landet sie in einem Achtsamkeitsseminar, das sie selbst eher als „Umerziehungslager“ betrachtet. Dort trifft sie auf Alex Grow, einen Coach, der anderen Orientierung geben soll – während ihm selbst gerade alles entgleitet.
Was folgt, ist weniger ein klassischer Plot als ein Aufeinandertreffen zweier Lebensentwürfe: Kontrolle versus Kontrollverlust, Karriere versus Sinnsuche.
Leo schreibt leicht, fast spielerisch – und genau darin liegt seine Stärke. Die Sprache ist zugänglich, temporeich und durchzogen von einem feinen, oft selbstironischen Humor. Genau wie in seinen anderen Romanen. Die Dialoge sitzen, wirken lebendig und tragen viel zur Dynamik zwischen den Figuren bei. Gleichzeitig schafft er es, unter dieser Oberfläche immer wieder ernstere Themen anklingen zu lassen, ohne dass der Roman je schwer wird.
Auffällig ist der Perspektivwechsel zwischen Marlene und Alex. Dadurch entsteht eine schöne Doppelbewegung: Während Marlene langsam lernt, sich selbst zu hinterfragen, kämpft Alex damit, überhaupt noch Halt zu finden. Diese Spiegelung macht den Roman interessant – auch wenn beide Figuren an manchen Stellen etwas klischeehaft wirken. Doch gerade durch ihre Brüche und Unsicherheiten gewinnen sie schnell an Sympathie.
Inhaltlich balanciert der Roman geschickt zwischen Satire und Ernst. Anfangs hatte ich das Gefühl, hier wird der ganze Coaching- und Achtsamkeitsboom ordentlich aufs Korn genommen – und ja, diese Spitzen gibt es auch. Aber im Laufe der Geschichte verschiebt sich der Ton. Die ironische Distanz wird zugunsten einer ehrlicheren Auseinandersetzung mit Themen wie Selbstbild, Erwartungen und Lebensentwürfen aufgegeben. Das wird nicht jede*r mögen, ich fand es aber durchaus spannend.
Besonders gelungen sind die Momente, in denen Marlene aus ihrer gewohnten Welt herausgerissen wird – sei es durch Naturerfahrungen, Begegnungen oder Übungen wie die Familienaufstellung. Hier zeigt sich, dass hinter der kühlen Fassade mehr steckt, als sie selbst lange wahrhaben wollte. Ihr Wandel geht stellenweise schnell – vielleicht sogar etwas zu schnell – wirkt aber emotional nachvollziehbar.
Nebenfiguren und kleinere Episoden lockern die Handlung auf, auch wenn sie nicht immer zwingend notwendig erscheinen. Dafür bringen sie Wärme und Farbe in die Geschichte. Und ganz nebenbei stellt der Roman Fragen, die hängen bleiben:
Was, wenn Erfolg nicht erfüllt? Was, wenn wir uns selbst auf dem Weg dorthin verloren haben?
Fazit: Ein unterhaltsamer, klug erzählter Roman, der mit Humor beginnt und mit Herz endet. Vielleicht nicht in jeder Hinsicht originell, aber mit einem feinen Gespür für die Widersprüche unserer Zeit. Eine Geschichte, die leicht daherkommt – und trotzdem dazu einlädt, das eigene Leben kurz anzuhalten und zu fragen: Bin ich eigentlich noch auf meinem Weg?
Rezensionen von Ameland:
52 kleine & große Eskapaden in Deutschland - Für die Seele von Cornelia Jeske; Elke Weiler; Sylvia Pollex; Stefanie Sohr; Andrea Lammert; Alexandra Schlüter; Ann Baer; Aylin Krieger; Sybille Baecker; Oliver Gerhard; Katrin Jäger; Marion Hahnfeldt; Rebecca Schirge; Jutta M. Ingala; Inka Chall; Laura Schneider; Silke Kuri; Jana Zieseniß; Julia Patzenhauer; Magda Lehnert; Sandra Kathe; Alexandra Lattek; Jessica Niedergesäß; Loni Liebermann; Barbara Riedel; Christine Röhling; Michelle Fiedler; Sonja Anwar; Thomas Diehl; Nina Loos; Sarah Uhrig; Verena Mog; Melanie Wolfmeier; Nadine Ormo; Sinja Stiefel; Elisabeth Wein; Yvonne Weik; Barbara Kettl-Römer; Saskia Niedermeier; Sonja Hoffmann; Siiri Klose
Einfach mal raus und entspannen
Seit mein Mann und ich im (Un)Ruhestand sind, gönnen wir uns immer mal wieder kleine oder größere Auszeiten, aber möglichst abseits vom Trubel. Inspirationen erhoffte ich mir von diesem Reiseführer von DUMONT. Ich wurde nicht enttäuscht, sondern ganz im Gegenteil! Ich fand nach den Regionen Norden, Mitte und Süden aufgeteilt 52 Vorschläge für Ausflüge und Miniurlaube.
Egal ob zu Fuß, per Rad oder mit dem Boot alle Orte versprechen eine besondere Auszeit, Erholung und Lebensfreude. Mal etwas Neues entdecken oder ausprobieren oder auch einfach nur entspannen in der Natur oder beim Yoga, alles ist möglich.
Jedem Vorschlag wurden vier informative Seiten gewidmet. Die Routenbeschreibung, die auch auf einem Kartenausschnitt eingezeichnet ist, beinhaltet neben Aussichtspunkten, Sehenswürdigkeiten auch Einkehrmöglichkeiten. Anhand der schönen Fotos konnte ich mich direkt von der landschaftlichen Schönheit, interessanten Bauwerken oder kulinarischen Köstlichkeiten überzeugen.
Gefallen hat mir auch das Fazit zu jedem Ausflug und der Infokasten zum Schluss. Neben der Anfahrt erfährt man wann die beste Reisezeit ist und die Länge der Touren, deren GPX -Daten übrigens kostenlos bei DUMONT zum Download zur Verfügung stehen. Ebenso gibt es Vorschläge wo man abends sein müdes, aber bestimmt glückliches Haupt betten kann. Und die Übernachtungsvorschläge sind teilweise ziemlich cool, Beispiele gefällig? Schlafen im Heu, im Baumhotel, in einem Hängezelt, im Turmzimmer eines mittelalterlichen Turms oder in einem umgebauten Schäferwagen.
Auch wenn ich einige der aufgeführten Orte bereits kenne, habe ich doch viele neue Reiseziele für uns entdeckt und wer sagt, dass wir nur ein oder zwei Tage dort verbringen dürfen? Genau, niemand und bei einer längeren Anreise lohnt sich das ja auch nicht. Wer auf der Suche nach Auszeiten für die Seele ist, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.
Rezensionen von Claudia R.:
Der Blick der Libelle von Heiko Flemming
Prosasammlung
Klappentext / Inhalt:
Was zeigt sich, wenn man den Blick weitet?
Der Blick der Libelle versammelt literarische Kurzgeschichten, die unterschiedliche Facetten menschlichen Lebens beleuchten. Sie erzählen von Frieden und Krieg, von Kindheit und Erinnerung, von Verlust, Hoffnung und leisen Momenten des Glücks.
Mal ruhig und poetisch, mal direkt und eindringlich richten die Texte ihre Aufmerksamkeit auf das Alltägliche ebenso wie auf das Erschütternde. Auch weihnachtliche Geschichten finden ihren Platz – nicht als bloße Idylle, sondern als Spiegel von Nähe, Sehnsucht und Menschlichkeit.
Der Blick der Libelle steht für eine besondere Perspektive: aufmerksam, vielschichtig und offen für Widersprüche. Ein Buch für LeserInnen, die literarische Kurzprosa schätzen und sich auf unterschiedliche Themen und Stimmungen einlassen möchten.
Cover:
Eine wunderschöne Libelle ziert dieses Cover und zieht zugleich die Aufmerksamkeit auf sich. Das Interesse wird geweckt und das Cover selbst wirkt besonders und interessant. Der Hintergrund ist einfach weiß gehalten und so kommt die Libelle und besonders die blaue Farbe dieser zur Geltung.
Meinung:
Eine wundervolle Sammlung und Verbindung von Kurzgeschichten, die Berühren, Bewegen und jede auf ihre eigene Art und Weise, mal laut mal leise, für sich spricht.
Inhaltlich möchte ich hier gar nicht ins Detail gehen, schaut am Besten selbst hinein und lasst euch von den Kurzgeschichten verzaubern, berühren und mitnehmen.
Jede Geschichte steht für sich und eine große Vielzahl und Bandbreite wird hier mitgeliefert. Mit über 30 Kurzgeschichten ist dies eine recht große Sammlung und so kann man immer wieder eine neue und andere Geschichte genießen, lesen und entdecken. Die Geschichten sind toll erzählt und schön umgesetzt. So wird man von einigen emotional ergriffen, andere regen zum Schmunzeln an und für Unterhaltung wird hier gesorgt und die ein oder andere regt auch zum Nachdenken an.
Die Geschichten sind unterschiedlich lang und unterscheiden sich auf vom Erzählstil und der Art und Weise, sowie den Emotionen. Optisch sind diese gut hervorgehoben und auch gut erkennbar. Die Überschrift ist deutlich erkenntlich gemacht. Bei der ein oder anderen Geschichte rundet eine Illustration das Ganze sehr schön ab. Gliederung und Gestaltung im Gesamten haben mir gut gefallen.
Fazit:
Eine tolle Sammlung von Texten und Kurzgeschichten, die berührt, zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anregt.
Rezensionen von milky:
Bachelorette Party von Camilla Sten
Freundinnen auf einer einsamen Insel
Annelieses Junggesellinnenabschied verspricht ein voller Erfolg zu werden: beste Freundinnen zusammen auf einer einsamen, abgeschiedenen Insel, Yogasessions, Achtsamkeitsübungen und digital Detox – gemeinsame Zeit verbringen ohne den Alltagsstress. Die Hauptperson Tessa sowie ihre Schwester sind Teil der Gruppe und Tessa ist sowohl neugierig auf die kleine Insel als auch ehrfürchtig.
Zehn Jahre zuvor wurden vier Freundinnen, die ebenfalls auf dieser Insel waren, als vermisst gemeldet und nie wieder gefunden.
Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Der Großteil findet in der Gegenwart statt und ist in der Ich-Perspektive von Tessa geschrieben. Zudem gibt es Rückblicke, um die Geschehnisse der vier Freundinnen zehn Jahre zuvor aufzuklären. Unterschiedliche Zeitstränge empfinde ich immer als positiv, da es aufgrund der Abwechslung nicht langweilig wird und bei beiden Zeitsträngen die Spannung erhalten bleibt.
Einige Handlungen fand ich leider vorhersehbar, die Beweggründe für die Handlungen waren jedoch überraschend. An sich war das Buch schon spannend, es ist jedoch noch Luft nach oben vorhanden.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Britta Speer:
Die Namen von Florence Knapp
Was wäre, wenn man mit einem anderen Namen ins Leben gestartet wäre?
Jeder, der das Glück gehabt hat, für ein neugeborenes Kind einen Namen auszuwählen, kennt dieses Erlebnis, dass das Kind dann tatsächlich auf unerklärliche Weise diesem Namen entspricht. Florence Knapp greift diesen Moment auf und entwirft drei Lebensläufe einer Figur mit einem jeweils anderen sprechenden Namen (Bear (Bär), Julian (Himmelsvater) und Gordon (großer Hügel)).
Die Autorin nutzt dieses gelungene Strukturprinzip, bei dem die Familienmitglieder namentlich gleich, aber die prägenden Menschen und Erlebnisse unterschiedlich sind, um alle Facetten häuslicher Gewalt nachhaltig zu veranschaulichen. Kein einfaches, aber ein sehr wichtiges Thema. Wie bei einer systemischen Familienaufstellung wird so deutlich, dass vielleicht gar nicht so sehr die Namen, sondern eher die Beziehungen, die man eingeht, und der Kontext, in dem man sich befindet, ausschlaggebend dafür sind, welche Charaktereigenschaften man entwickelt. Die LeserInnen springen also zwischen drei Lebensläufen hin und her, was manchmal etwas verwirrend, aber vielleicht sogar intendiert ist, da es ja eigentlich um ein einziges Leben geht, das unterschiedlich hätte verlaufen können. Dabei psychologisiert die Autorin nicht plakativ, sondern zeigt uns alltägliche Situationen in schlichter Sprache, sodass wir uns selbst ein Bild der unterschiedlichen Charaktere machen können. Diese sind so geschickt gestaltet und der Roman liest sich so gut, dass man sich am Ende nur schwer von ihm trennt.
Rezensionen von Katja K.:
Woman Down von Colleen Hoover
Schräg und toxisch oder einfach nicht mein Genre?
Ich habe bislang ein Buch der Autorin gelesen, das mir schon nicht besonders gut gefallen hat, weil ich fand, dass ein Thema bagatellisiert wurde. Ich wollte ihr aber mit diesem Buch noch mal eine Chance geben und in ein anderes Genre hineinschnuppern. Nun bin ich etwas ratlos, weil ich das Buch wirklich richtig schlecht fand, mich aber auch frage, ob ich möglicherweise das Genre Romantic Thriller einfach nicht mag.
Ich fand die Toxizität in der Beziehung ganz schwer zu ertragen und es kam mir richtig "billig" vor, aber vielleicht gehört das bei dem Genre bis zu einem gewissen Grad auch immer dazu?
Definitiv kann ich sagen, dass mir der Beginn mit den Schilderungen zum Autorinnenleben und dem Cybermobbing ziemlich gut gefallen hat und ich optimistisch gestartet bin. Der Schreibstil ist nicht besonders anspruchsvoll, aber auf jeden Fall sehr flüssig und gut zu lesen. Sobald Saint seinen Auftritt hatte, kam mir die ganze Story total konstruiert vor und mir war völlig unverständlich, wie naiv sich die Protagonistin verhalten hat. Dass es hier um eine innere Ambivalenz geht im Love Triangle und Petra sich somit auch ambivalent und deshalb nicht immer ganz logisch verhält, ist klar, aber diese Ambivalenz wurde nicht nachvollziehbar dargestellt. Auch die Emotionen konnte ich nicht spüren und dadurch wirkte die ganze Story extrem platt.
Ich hatte dann zumindest mit einem großen Plot Twist gerechnet. Es kam aber lediglich eine unerwartete Wendung, alles andere lief genau so, wie ich es von Anfang an vermutet hatte. Das hat mich dann auch ziemlich enttäuscht. Ich hatte eigentlich nur deshalb weiter gelesen, weil ich dachte, dass das Buch ein interessantes Ende bereithält.
Fazit: Absolut nicht mein Geschmack, toxisches Verhalten, unglaubwürdige Charaktere. Möglicherweise ist es auch einfach nicht mein Genre. Ich kann auf jeden Fall keine Empfehlung für dieses Buch aussprechen.
Rezensionen von Krani:
Der letzte Leuchtturm von Michael Pedersen
Schön!
Ein angehender Selbstmörder lässt sich von einem vorbeifliegenden Baßtölpel überzeugen, vorher noch etwas zu erledigen. So reist er nach Muckle Flugga, eine unbewohnte Shetlandinsel, auf der Ouse und sein gewalttätiger Vater sich um den Leuchtturm kümmern. Der Autor ist erfolgreicher Poetry Slammer und Lyriker in Schottland.
Die Hauptpersonen haben mich fasziniert und überrascht. Immer wieder wechseln die Perspektiven, manchmal mehrmals im gleichen Absatz. Das ist immer eindeutig, und es bringt die Menschen dem Leser sehr nahe. Auf Anführungsstriche, die wörtliche Rede anzeigen, wird kompett verzichtet. Alles Gesagte ist kursiv gedruckt. Das verstärkt den Eindruck, es gehe hier mehr darum, wie die Menschen sind als darum, was sie darüber sagen.
Die Sprache ist besonders. Beispiel: „Lichtexplosionen aufgeplatzter Kirschen, die am Lätzchen des Himmels herabrinnen, während sich die Dunkelheit hereinwindet und Sternenlicht alles mit Juwelen besetzt“. Der Ausdruck „Sonnenuntergang“, so heißt es, sei doch viel zu mechanisch und klinisch!
Die Geschichte entwickelt sich eher langsam. Weil viel gestaunt wird und die Sprache so ungewöhnlich ist, erfordert dieses Buch viel Aufmerksamkeit. Dennoch ein Highlight!
Rezensionen von Annabell95:
Woman Down von Colleen Hoover
Enttäuschend
Nach einem heftigen Shitstorm zur Verfilmung ihres Romans steckt Autorin Petra Rose in einer Schreibkrise. In einer abgelegenen Hütte will sie zu sich finden. Dann taucht plötzlich der Detective Nathaniel auf, der ihrer eigenen Romanfigur gleicht. Er inspiriert sie, zieht sie in seinen Bann, doch die Nähe zu ihm wird schnell gefährlich und bedroht alles, was sie sich zurückerarbeitet hat.
Nachdem ich so viele unterschiedliche Meinungen zu dem Buch gehört habe, wollte ich mir unbedingt auch selbst eine Meinung bilden. Doch leider konnte mich "Woman Down" nicht überzeugen.
Der Schreibstil hat mich anfangs etwas abgeholt. Er lässt sich flüssig lesen und so wie es geschrieben ist, wirkt es recht lebendig und auch authentisch. Stückchenweise wirkt die Erzählung wie aus einer Talkshow, Podcast oder einem Film. Jedoch wurde alles unnötig ist die Länge gezogen. Es wird viel geredet, aber wenig erzählt, und die Handlung verliert dadurch an Fokus. Irgendwann habe ich quasi nur noch quergelesen, weil ich doch wissen wollte wie es alles zusammenhängt und wo es am Ende hinführt.
Mit der Hauptfigur Petra, einer Autorin mit Schreibblockade, konnte ich leider nicht warm werden. Sie versinkt häufig in Selbstmitleid und bleibt insgesamt unsympathisch und schwer greifbar. Auch die übrigen Figuren wirken eher wie Rollen, die eine Funktion erfüllen sollen, statt wie echte Menschen. Für mich waren sie oberflächlich und eindimensional, ohne wirkliche Tiefe.
Was ich mir besonders gewünscht hätte, waren Spannung und Thriller‑Elemente. Doch das Buch baut kaum Spannung auf, und die wenigen Ansätze verlaufen schnell im Sande. Einige Szenen wirkten sogar unwirklich, und der Plot insgesamt war für mich vorhersehbar. Inhaltlich hat mich die Geschichte daher nicht erreicht.
Mein Fazit:
Trotz flüssiger Sprache blieb Woman Down für mich inhaltlich schwach. Die Figuren wirkten eindimensional, die Handlung vorhersehbar und echte Spannung kam nie auf. Irgendwann habe ich quasi nur noch quergelesen, weil ich doch wissen wollte wie es alles zusammenhängt und wo es am Ende hinführt. Leider konnte mich die Geschichte nicht überzeugen, daher von mir keine Empfehlung.










