Kunden em pfehlungen
Rezensionen von rewareni:
Hör auf zu bluten von Matthias Krause
Eine blutige Geschichte
Einen größeren Masochisten als Jakob Schubert gibt es nicht, da er es liebt andere solange zu provozieren bis er von ihnen zusammen geschlagen wird und er genussvoll sein eigenes Blut schmeckt und sein kleiner Freund in der Hose zur Höchstform aufläuft. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Sandra und seiner Tochter Patricia.
Selbst sein Therapeut weiß keine wirkliche Lösung für Jakobs ungewöhnliches Verhalten. Bis er auf Headbutt trifft, ein sadistischer Mörder, der es liebt seine Opfer genüsslich zu quälen, bis er sie endlich tötet. So treffen schon bald beide aufeinander, wo ein gnadenloses Katz-und Mausspiel beginnt und so mancher, der ins Kreuzfeuer der beiden gerät, schneller als ihm lieb ist, das zeitliche segnet.
Der Psychothriller ,, Hör auf zu bluten“, ist nichts für schwache Nerven, da hier der Autor Matthias Krause literweise Blut und andere Flüssigleiten fließen lässt.
Es ist eine abgedrehte Geschichte, wo man als Leser immer wieder einmal die Luft anhalten muss, wenn man so manche Szenen bildhaft vor den Augen sieht, um dann wieder schnell weiter zu lesen, weil es immer wieder Überraschungen gibt, die spannend und auch äußerst blutig sind.
Dass selbst bei so einer Geschichte auch ein zynischer Humor nicht zu kurz kommt, finde ich toll. Nur möchte man selber wohl nicht in den Genuss von einem blutigen, menschlichen Handpuppenspiel kommen oder eine besonders geschmackvolle Knackwurst essen , die mit einer Gartenschere portioniert worden ist.
Im Grunde ist es auch eine berührende Geschichte, die in Jakobs Jugend ihren Ursprung hat und er mit seinen inneren ,,Dämonen“ ein Leben lang zu kämpfen hat.
Etwas anstrengend waren für mich die vielen Kampfszenen, wo es erstaunlich war, wie viele Faustschläge ins Gesicht oder unzählige Fußtritte in den Körper jemand aushält und dabei immer wieder aufstehen kann. Manchmal haben dabei zu viele Protagonisten gleichzeitig miteinander gekämpft, wo es nicht immer leicht war den Überblick zu behalten.
Wenn ein Masochist auf einen Sadist trifft, dann kommt ein spannender, brutaler und blutiger Roman heraus, wo der Autor dank seines bildhaften Schreibstils ein Kopfkino erzeugt hat, das man eigentlich nicht sehen will. Wer also abgetrennte Gliedmaßen und blutige Szenen mag, der wird hier sicher auf seine Kosten kommen.
Rezensionen von MarcoL:
Grüne Welle von Esther Schüttpelz
Experimentelle Literatur, feinfühlig umgesetzt
Eine Frau – und so wird die Protagonistin im ganzen Roman nur genannt – verbringt einen Abend mit der „Freundin der Frau“ im Kino. Das machen sie einmal im Monat. Die Frau fährt nach Hause, aber sie verfährt sich, geschuldet an einem Wald aus Umleitungsschilder. Eigentlich müsste sie ihren Mann anrufen – genau: „der Mann der Frau“ – damit er Bescheid weiß, dass sie etwas später nach Hause kommt.
Das möchte sie an der nächsten roten Ampel machen. Sie sieht schon von weitem das rote Licht. Allerdings wechselte das Signal kurz vor ihrer Ankunft auf grün. Als sie ihr Missgeschick bemerkt, beschließt sie, an der nächsten roten Ampel stehen zu bleiben und umzudrehen. Auch die war dann grün. Und so macht die Frau weiter, überfährt irgendwann ein Reh, dessen Kadaver sie kurzerhand in den Kofferraum zerrt. An einer Tankstelle nimmt sie zwei junge Anhalterinnen mit. Und fährt ziellos weiter. Was dann passiert – eben eigentlich nichts.
In Zwischensequenzen erzählt die „Freundin der Frau“ einiges über den Abend, die Frau und den Mann der Frau. Der scheint nicht gerade ein mustergültiger Ehegatte zu sein. Das weiß auch die Frau – wahrscheinlich winkt sie das Schicksal jetzt mit den grünen Ampeln auf neue Wege durch.
Die Sprache klingt wie ein neutraler Bericht eines x-beliebigen Erzählers. Die Sätze meist holprig, verschachtelt, sich wiederholend. Man kann sich zwar daran gewöhnen, man kann es „Literatur“ nennen – und ist bestimmt mal eine ganz andere, ja beinahe schon experimentelle Erzählweise, aber anfreunden konnte ich mich damit nicht. Der Inhalt hinterließ mir mehr einen faden als erquickenden Geschmack, auch wenn vieles sehr symbolhaft und allegorisch zu verstehen ist.
Möge hier jeder für sich entscheiden, ob er sich auf solch ein literarischen Terrain wagen will.
Rezensionen von Anndlich:
The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota
Ruhige Magie fürs Herz!
Finlay ‚Fin’ Ashowan tritt seine neue Stelle als königlicher Koch in Daxaria an. Keiner ahnt jedoch, dass Finlay mehr als nur ein Koch ist und am liebsten seine Kräfte wirken lässt, um in der Küche die leckersten Gerichte zaubern zu können. Finlay ist eine Haushexe und hat nicht nur für Essen ein gutes Gespür, sondern auch für seine Mitmenschen.
Während die Hexe seine Küche zum Wohlfühlort für Alle werden lässt und eine schwarze Katze namens Kraken aufnimmt, werden die Spannungen zwischen den Königreichen immer größer.
The House Witch ist der erste Band um die Haushexe Finlay Ashowan von Delemhach und für mich ein wahres Highlight, wobei ich kaum greifen kann, wie die Autorin das gezaubert hat. Denn The House Witch ist kein Page Turner, der mit Spannung und Action daherkommt. Auf den gut 600 Seiten passiert eigentlich gar nicht viel und doch mochte ich jede Seite des Buchs unheimlich gerne, das Setting besteht auch meistens aus der Hausküche und hat nur wenige weitere Orte parat.
Dennoch schafft Delemhach ein absolutes Wohlfühlwerk, was vor allem an Finlay Ashowan liegt, der ein wundervoller Protagonist ist. Finlay hat so viele schöne Charaktereigenschaften, die es einfach machen, ihn ins Herz zu schließen. Er legt wert auf das Wohl der anderen, stellt sich unter einen kleinen Scheffel und steht für die Schwachen ein. Trotzdem hat Finlay auch Ecken und Kanten, die unheimlich lustige Dialoge zutage fördern, auch sein Versuch seine Herkunft zu verbergen bringt lustige Szenen hervor und vor allem im Verbund mit Magier Lee gibt es immer etwas zu Lachen. Auch die Entwicklung einiger Nebencharaktere ist einfach wundervoll zu Beobachten und erweckt Freude beim Lesen.
Ich kann jedem der Lust auf ein langsames, ruhiges Wohlfühlbuch mit magischen Background hat The House Witch nur ans Herz legen. Ich warte nun ganz gespannt auf den Erscheinungstermin des zweiten Bands, der für mich ein absolutes Muss sein wird und freue mich bald mehr von Finlay Ashowan lesen zu können!
Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:
Dieser Sommer auf Sylt von Rita Fischer
Ein schöner Sommer-Sylt-Roman
Dies ist mein erstes Buch von Rita Fischer und ich muss ganz ehrlich gestehen : mich hat schon das Cover gecatcht, dass Sonne, Meer und ganz viel Sylt versprochen ( und auch gehalten ! ) hat.
So bin ich gestartet und habe mich in dem federleichten Schreibstil der Autorin direkt in die Geschichte rund um Paula und *Mommes Hüs* – dem Dreh- und Angelpunkt -rein gefunden :
Paula, ein Teil ihrer Familie, die Pensionsgäste und alle anderen Charaktere bilden zusammen eine schöne, leichte Geschichte, die nach Sommer und salziger Meeresluft schmecken und ich hatte wirklich schöne Lesestunden.
Ein Wohlfühlroman, der Lust auf den Sommer und den eigenen Urlaub macht und dabei wunderbar unterhält.
Mir hat diese Auszeit vom Alltag sehr gefallen und ich habe mich in „Dieser Sommer auf Sylt“ sehr wohlgefühlt und es war ganz sicher nicht das letzte Buch, dass ich von der Autorin gelesen habe.
Eine ganz klare Kauf- und Leseempfehlung für dieses Buch.
Dieser Sommer auf Sylt von Rita Fischer ist am 11. März 2026 beim Gmeiner-Verlag erschienen.
Rezensionen von leopol:
Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola
gelungene Fortsetzung - lassen wir uns wieder durch Neapel treiben
Commissario Gaetano ermittelt wieder, und zwar wieder in einer bedeutenden Woche im Jahreskreis – Ostern steht vor der Tür. Um die Wogen in der etwas zerrütteten Familie zu glätten hat Commissario Gaetano zu Ostern Urlaub und plant diesen mit seinem pflegebedürftigen Bruder Aniello und seiner resoluten Nichte Carla auf der Familien Tenuta zu verbringen.
Derweil fischt man eine Leiche aus dem Hafenbecken und Beppa Bellucci, vormals Streifenpolizistin, sieht sich mit ihrem ersten Fall konfrontiert. Rasch ist auch der Commissario am Fall beteiligt, um zu helfen und auch um aus der familiären Enge zu flüchten.
Wie schon im Vorgängerband taucht man auch hier tief in den Alltag von Neapel ein – nicht alles ist so schön wie die Postkartenidylle der Urlaubsprospekte glauben lassen mag. Es gibt ärmer Regionen, den Wunsch sich aus diesen zu befreien und fortan ein leichteres Leben der betuchten zu führen. Man spürt die Gegensätze von Neapel – traditionelle Fischer kämpfen mit Reichen um ihren Platz und Lebensstil am Hafen. Versucht in all dem Wandel den traditionellen Lebensstil und die Werte hochzuhalten.
Commissario Gaetano ist ein spezieller Charakter, teilweise nicht einfach für seine Kollegen, allerdings auch durch sein Leben in Neapel geprägt. Ein typischer Ermittler mit Ecken und Kanten, den man trotz allem rasch ins Herz schließen kann. Auch er hatte es nicht einfach, wie seine eigene Familiengeschichte zeigt. Exemplarisch steht er wohl für so viele Neapolitaner die es oft nicht einfach haben, in einer ärmeren aber durchwegs reizvollen Region Italiens und dennoch sehr stolz sind.
Der Erzählstil ist angenehm, bildlich und durchwegs humorvoll. Durch all die kleinen Episoden wie z.B. die Fischer am Hafen und die bildhaften Beschreibungen wird man rasch in die typische Atmosphäre Neapels gezogen.
Für mich definitiv ein empfehlenswerter Roman, der die lokalen Besonderheiten gut aufnimmt. Ich freue mich damit umso mehr auf meinen nächsten Neapel Urlaub.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Vor uns die Zeit von R. C. Sherriff
Vom Ruhestand und der Bereitschaft zu Veränderung
Was macht es mit Menschen, wenn sie in den Ruhestand gehen und auf einmal "vor ihnen die Zeit" liegt?
Wenn jahrzehntelange Routinen dadurch auf einmal zu einem Ende kommen und es eine Neuausrichtung braucht?
Wenn sich auch eine eingespielte Partnerschaft neu ordnen muss?
Worin liegen die Gefahren, aber auch die Chancen dieser Lebensphase?
Und was können wir vom Beispiel anderer lernen, so wie aus diesem Roman?
Diese universellen Fragen, die viele Menschen in verschiedenen Zeiten und Lebenslagen bis heute beschäftigen, behandelt der zeitlose Klassiker "Vor uns die Zeit".
Die Originalausgabe des Werks ist unter dem Titel "Greengates" im Jahr 1936, also vor 90 Jahren, erschienen. Nun wurde das Buch von Rainer Moritz in moderner und zugänglicher Sprache übersetzt und im Unionsverlag neu herausgebracht.
Auch wenn die Charaktere des Buches natürlich in der damaligen Zeit und in ihrer Region in der Nähe von London verortet sind, ist das Buch auch für heutige Menschen aus anderen Regionen ein großartiges Lesevergnügen, das nicht nur unterhält, sondern auch viel Weisheit in sich trägt und zum Nachdenken anregt. Es geht um das große Thema des Sinnfindens im eigenen Leben und der Herausforderung und Chance, die freie Zeit selbst so zu nützen, dass sie einem nicht verschwendet vorkommt - und das nach einem langen Arbeitsleben, in dem man darauf konditioniert wurde, fremdbestimmten Rhythmen zu folgen und sich vielleicht auch nur zu gerne bequem den immer gleichen Gewohnheiten hingegeben hat.
Wir begegnen Tom Baldwin an seinem letzten Arbeitstag. Jahrzehntelang hat er im gleichen Unternehmen gearbeitet, nun ist die Zeit seines Ruhestands gekommen, er wird ehrenvoll verabschiedet und bekommt als Abschiedsgeschenk ausgerechnet eine Uhr. Dann kommt Tom nach Hause in sein altes Anwesen "Grasmere", das ihm auf einmal dunkel und abgewohnt erscheint, und bringt dort erst die Routinen seiner nicht erwerbstätigen Frau Edith und der Haushälterin Ada gehörig durcheinander.
Außerdem hat Tom ehrgeizige Pläne für seinen Ruhestand und nun sieht er die Zeit gekommen, diese endlich verwirklichen zu können: "Er würde Historiker werden. Kein bloßer Stubenhocker, sondern einer, der hinausging, erforschte und entdeckte. Das verlieh Winter- und Sonnentagen eine herrliche Fülle. Tausende faszinierender Bücher galt es zu studieren, tausend Ausgrabungen an der englischen Küste, die römischen Festungen und die normannischen Schlösser." (S. 25)
Doch bei beidem stößt er an innere und äußere Grenzen und realisiert nach einigen Rückschlägen, dass er diesen Traum nicht wie geplant verwirklichen kann: "Ein Hirn, das sechzig Jahre lang das Leben begierig aufgenommen hat, ist am Rande seines Fassungsvermögens angekommen. Man kann sich großzügig daraus bedienen und es wieder auffüllen mit dem, was es gewohnt ist, doch man kann es nicht komplett ausmisten und mit neuen Dingen unterschiedlicher Form und Größe wieder füllen. Dafür ist es einfach nicht geschaffen, es stößt das Neue entweder ab oder bricht unter der Belastung zusammen." (S. 88)
So geht ein Jahr ins Land und Tom wird immer deprimierter, auch der Paarbeziehung tut sein Ruhestand nicht sehr gut: "Als sich der erste Winter, in dem ihr Mann im Ruhestand war, seinem Ende zuneigte, begann Mrs Baldwin allen Glauben daran zu verlieren, dass sie ihm helfen könnte. Es wurde ein Ding der Unmöglichkeit, wenn jedes Wort als Zurechtweisung oder Vorwurf der Trägheit aufgefasst und zornig zurückgewiesen wurde." (S. 96)
Das sind die ersten knapp 100 Seiten des über 300 Seiten dicken Buches. Und wäre es so weitergegangen, hätte es eine äußerst deprimierende Beschreibung des möglichen körperlichen und geistigen Niedergangs im Ruhestand werden können. Aber zum Glück kommt es anders, denn das Ehepaar Baldwin trägt wesentlich mehr Flexibilität, Veränderungswille und Tatkraft in sich, als man vielleicht erst einmal vermutet hätte.
Als eine Gelegenheit auf die beiden zukommt, ihr eigenes Leben grundlegend zu verändern und an einem anderen Ort neu zu starten, Kontakte zu knüpfen und für eine Gemeinschaft aktiv zu werden, packen die beiden diese beim Schopf und stürzen sich mutig und unerschrocken in die Veränderung, lassen sich auch von Hürden nicht von ihrem Weg abbringen und mobilisieren alles, was nötig ist, um noch einmal ganz neu zu beginnen.
Das macht sich bezahlt: während im alten Haus alles abgewohnt und alt wirkte, mobilisiert das neue Haus an einem anderen Ort positive Gefühle in den Baldwins: "...Tom und Edith Baldwin empfanden all die Freude, Frische und Steigerung ihres Selbstwertgefühls, die sich einstellen, wenn man mit sauberen, neuen Dingen Umgang hat." (S. 277)
Damit ist es insgesamt ein nicht nur äußerst vergnüglich und unterhaltsam geschriebenes Werk und ein sehr interessantes Zeitporträt des Kleinbürgertums im England der 1930er Jahre, sondern auch ein weises und inspirierendes Buch, in dem sich viele Ideen dazu finden, wie der Lebensabschnitt nach dem aktiven Berufsleben sinnvoll gestaltet werden könnte. Es kann zu Recht als Klassiker bezeichnet werden, aus dem sich auch für die heutige Zeit viel lernen lässt und das ich einer breiten Leserschaft wärmstens empfehlen kann!
Rezensionen von Chrystally:
Obacht! von Kerstin Hau
Ein Kunstwerk über den Umgang mit dem Unbekannten
Kerstin Hau erzählt eine Geschichte über den Umgang mit dem Unbekannten, kreativ illustriert von Stella Dreis. In einem Ort mit phantastischen Wesen liegt plötzlich ein riesiges, unbekanntes, schlafendes Tier im Weg, und erst nach mehreren vergeblichen Strategien der Bewohner, es zu umgehen, findet das Mienchen die Lösung: mit ihm zu reden.
In einer Zeit, in der so viele Themen die Gesellschaft spalten, war ich sehr neugierig auf das Buch. Die Geschichte fand ich dann auch toll – es geht um Angst, Problemlösekompetenz, Mut, Konformität, Kompromissbereitschaft, Ageism, Autorität und Macht und die Kraft Gewaltfreier Kommunikation, erzählt in einfachen Sätzen, Dialogen und vielen Ausrufen, die die Innenwelt der Figuren erlebbar macht. Die Illustrationen lassen eine fremde Welt lebendig werden (auch wenn sie der unseren sehr gleicht), mit vielfältigen Figuren – Tiere, Menschen, Phantasiewesen, ausdrucksvoll in unterschiedlichen Stilen gestaltet, mit einer eindrucksvollen Farbgebung in Graustufen und kraftvollen, effektvoll eingesetzten Akzenten in Orange. Das Buch ist hochwertig verarbeitet. Insgesamt war es eine Freude, im Buch zu blättern und es dann zu lesen! Auch unser Kind (fast 5) hat es nach dem ersten Vorlesen nochmal aus einem Stapel ausgesucht.
Schade fand ich, dass die Figuren sehr klein abgebildet sind – das ist sicher auch Absicht und zeigt den Kontrast zu dem großen Tier. Leider kommen ihre Eigenheiten und Vielfalt dadurch nicht ganz so gut zur Geltung; ich würde sie gerne leichter genauer betrachten können. Die vielen Ausrufe fand ich stellenweise etwas langatmig. Was mich allerdings mehr gestört hat, war die stereotype Rollenzuordnung der erwachsenen Figuren: Timpe-Pa, ein „alter weißer Mann“, trifft die Anordnungen; Timpe-Ma, die toupierte Hausfrau, jammert und ist hilflos. Ich hoffe, dass Kinder heutzutage schon weniger in diesem Klischeedenken aufwachsen, und finde es schade, dass dieses Buch es wieder aufgreift. Die Autoritätsthematik hätte auch mit nicht-genderklischeekonformen oder geschlechtslosen Wesen dargestellt werden können.
Insgesamt ist „Obacht“ ein kreatives Kinderbuch, dass schwere Themen leicht verpackt und auch für Erwachsene schön zum Vorlesen ist.
Rezensionen von begine:
Fäden des Glücks von Marit Warncke
Berührend
Den Roman, Fäden des Glück von der Näh – Queen Marit Warncke. Ich habe mir den Roman ausgesucht, weil eine Nähmaschine auf dem Cover ist.
Carla hat in einer Kleinstadt in der ehemaligen DDR von ihrem Vater ein Gut geerbt.Bis vor dreizehn Jahren machte die Familie jedes Jahr Urlaub auf dem Gut.
Sie hatte sich in den Nachbarsohn Rasmus verliebt.
Aber dann kam es zu einem Krach und die Mutter führ mit ihr holter die Polter zurück.Jetzt kommt sie zurück, weil sie das Anwesen renovieren und verkaufen will.
Rasmus kommt ihr wieder Nahe und hilft ihr das Haus zu erhalten.
Dann findet sie ein Tagebuch der früheren Besitzerin von 1943.
Die Autorin hat diese Geschichte nett geschrieben.
Gut, Rasmus Entscheidungen konnte ich nicht immer folgen.
Aber sie hat gut geschildert, wie Carla das Haus retten will.
Am Ende gibt es dann noch eine Nähanleitung.
Rezensionen von Chrystally:
Paul bekommt kein Kätzchen von Bernhard Hoëcker; Eva von Mühlenfels
Paul schreibt seine eigene Geschichte
Ach, Paul! Ein Kind wie jedes andere: fröhlich, neugierig, kreativ – und mit einem eigenen Kopf voller Ideen, die meist dem zuwiderlaufen, was sich die Erwachsenen vorstellen, in diesem Fall dem Erzähler von Pauls Geschichte. Paul soll aufstehen, frühstücken und dann mit einem Karton zum Zoohandel gehen, um sein Kätzchen abzuholen.
Aber Paul hat andere Pläne, und erklärt dem Erzähler auch geduldig, warum er es eben anders macht. Und der wiederum begleitet Paul, ebenso geduldig, wie ein wohlwollender Elternteil durch seine ganz eigene Geschichte – lässt ihn sich ausprobieren, unkonventionell sein, Spaß haben. Am Schluss stellt Paul - ohne Vorhaltungen! - fest, dass (ganz manchmal) die Erwachsenen doch auch Recht haben. Und der Erzähler, dass Kinder manchmal die interessanteren Geschichten schreiben.
Ich liebe Paul. Und sein „Kätzchen“. Und ich liebe den Erzähler, bei dessen Text ich immer Bernhard Hoeckers Stimme im Kopf hatte. Und ich liebe die Bilder – bunt, lebendig, ungezwungen, ausdrucksstarke Figuren. Und ich liebe die warme, herzliche, liebevolle Atmosphäre, die das Buch entstehen lässt. Ermutigend für Kinder, inspirierend für Eltern. Großartiges Buch!
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Salto von Kurt Prödel
Salto
"Salto" von Kurt Prödel ist in der Hörbuchfassung von Lukas von Horbatschewsky gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen. Die Stimme des Sprechers kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören, Betonungen kamen gut heraus und auch verschiedene Charaktere waren durch eine gute modulierte Stimmführung erkennbar.
Protagonist Marko ist ein sehr nahbarer Charakter, dessen Lebensrealität von Widrigkeiten geprägt ist. Als Leser:in begleitet man Marko durch den Abschluss der Abiturphase und den Beginn des Studiums. Aufgrund fehlender Zusagen in Ungarn - eine Hürde für eine Person, die mit Armut aufwächst. Dabei schafft es Prödel hervorragend die Schwierigkeiten des Identitätfindens und der Suche nach dem eigenen Platz im Leben im Rahmen der späten Adoleszenz zu beschreiben.
Sowohl bei Marko, als auch bei seiner (Ex-)Freundin Claire kommt es im Handlungsverlauf zu medizinischen Schicksalsschlägen, so dass auch auf dieser Ebene eine Auseinandersetzung stattfindet. Die Schwierigkeiten sich im eigenen eigenenständigen Leben zu navigieren, sich Sorgen um seine Liebsten zu machen und dabei selbst Einschränkungen zu erfahren sind in diesem Coming-of-Age-Roman gut dargestellt.
Die Stimmung des Buches ist meist düster ohne dabei zu deprimierend zu sein. Schwierigkeiten gehören zum Leben dazu und werden in diesem Buch ohne Stigma geschildert.
Insgesamt habe ich eine gute Zeit mit diesem Buch gehabt, zwischendurch gab es einige inhaltliche Längen, dennoch haben mir die Aufmachung und Thematik hervorragend gefallen.











