Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Klaraelisa:
Das Buch der Spiegel von Chirovici E.O.
Die Unzuverlässigkeit der Erinnerung
"Das Buch der Spiegel" von E. O. Chirovici ist ein Buch in einem Buch, aufgegliedert in drei Teile. Im ersten Teil der Geschichte verspricht der Erzähler Richard Flynn in einem unaufgefordert eingesandtem unvollständigem Manuskript mit dem Arbeitstitel "Das Buch der Spiegel" an Peter Katz, einen Literaturagenten, der für Bronson & Matters arbeitet, der Wahrheit der Ereignisse auf den Grund zu gehen, die zum Tod des charismatischen Professors Joseph Wieder im Dezember 1987 führte.
Im Mittelpunkt standen damals Professor Joseph Wieder, Erzähler Richard Flynn und Laura Baines. Rückblickend beginnt seine Erzählung vor siebenundzwanzig Jahren, als er in Princeton Anglistik studierte und mit Laura befreundet war. Sie war es auch, die Flynn dem Professor vorstellte. Das Manuskript endet abrupt, ohne dass entscheidende Fakten des Tatherganges ans Licht kommen. Könnte die Geschichte, die Richard Flynn aufgeschrieben hat, wahr sein, oder haben die vergangenen Jahre seine Erinnerungen verfälscht, so dass er jetzt glaubt, die Wahrheit zu kennen? Oder will er am Ende selbst ein Geständnis ablegen? Immerhin zählte er damals eine Zeit lang zu den Tatverdächtigen. Peter Katz ist an dem Buch interessiert, das er einem Verlag anbieten will. Doch bevor er von dem Autor das komplette Manuskript erhält, stirbt dieser. Im Zentrum des zweiten Teils steht der Journalist John Keller. Er ist mit Peter Katz befreundet und wird von ihm beauftragt, den Rest des Manuskripts zu suchen. Keller spricht mit vielen Leuten, deren Geschichten sich alle widersprechen. Entscheidende Fakten kann er nicht finden. Er trifft sich mit dem pensionierten Polizisten Roy Freeman, der damals in dem Mordfall ermittelte. Freeman rollt das Verbrechen neu auf. Er wird es sein, der am Ende das Puzzle zusammenfügt.
Im Roman geht es um die Aufklärung eines alten ungelösten Falls. Vier Ich-Erzähler bieten ihre Erkenntnisse und ihren Blick auf die Ereignisse an. Was die Lektüre etwas mühsam macht, ist, dass sie sich gar nicht so sehr voreinander unterscheiden, jedenfalls haben sie im Roman keine klar erkennbare eigene Stimme. Zudem ist der Roman recht handlungsarm. Wechselnde Erzählperspektiven sind nicht grundsätzlich problematisch. Aussagen aus Flynns Manuskript ergeben zusammen mit den Entdeckungen von Katz, Keller und Freeman ein Mosaik, und man hofft, dass sich allmählich die Wahrheit abzeichnen wird. Doch dem ist nicht so. Stattdessen wird der Leser immer wieder auf falsche Fährten gelockt. Es ist alles anders. Alle irren sich. Chirovicis zentrale Thematik ist, unterstrichen durch das Proust-Zitat am Ende, unübersehbar: Unsere Erinnerung ist unzuverlässig, subjektiv sowieso, aber auch nicht immer wahr. Ich fand den Roman nicht uninteressant, aber überzeugt oder begeistert hat er mich auch nicht.
Rezensionen von Janine2610:
Das Buch der Spiegel von Chirovici E.O.
Die Welt vs. Fabian
Dieses Buch habe ich von einer lieben Bloggerkollegin vor ein paar Monaten geschenkt bekommen und weil ihr Fabians Geschichte damals nur mittelmäßig zugesagt hat, wollte ich es schnell lesen, um mir selbst ein Bild davon machen zu können.
Nun ist es gelesen und mein Gesamteindruck fällt etwas verhalten, aber doch recht positiv, aus.
Es geht darin um den deutschen Jugendlichen Fabian, der sehr unter dem Mobbing seiner Mitschüler leidet. Hinzu kommt, dass seine Eltern ihm gegenüber ein Verhalten an den Tag legen, das ich als äußerst gedankenlos/rücksichtslos und respektlos beschreiben würde, vor allem, weil die kleine Schwester genau gegenteilig behandelt wird, quasi eine Sonderstellung als Wunschkind einnimmt. Selbst die Lehrer hatten permanent etwas an ihm auszusetzen, weil er angeblich so oft den Unterricht gestört hat. - Aber das konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, weil Fabian grundsätzlich ruhig, brav und folgsam gewirkt hat. Er war so gut wie immer der Dumme, der eins auf den Deckel bekommen hat. Ich hatte also echt das Gefühl, dass sich die ganze Welt gegen Fabian verschworen hat, um ihn zu demütigen und zu kasteien.
~ Jeder wollte Anerkennung. Denn Anerkennung bedeutete, gesehen zu werden. Man war nicht unsichtbar, man gehörte dazu, man war Teil eines größeren Ganzen. ~
(S. 27)
Dass ein solches Leben für einen Jugendlichen nicht gerade angenehm oder spaßig ist, dürfte einleuchten. Und deshalb verwundert es auch nicht, dass man sich in so einer Lage persönlich verändert, still wird, sich zurückzieht, Einzelgänger wird. Nicht jeder reagiert so, das stimmt, aber Fabian blieb nicht viel anderes übrig ... Umso erfreuter war ich, als ich gelesen habe, dass der Neue in Fabians Klasse, Marc, ein wenig anders zu sein scheint, ihn also nicht wie Abschaum oder einen Freak behandelt. Auch Marcs Mutter, eine sehr liebevolle, mitfühlende und hilfsbereite Frau, bringt Fabian viel Herzlichkeit entgegen ...
Nichtsdestotrotz erzählt die Geschichte, die in meinen Augen einen sehr fesselnden Schreibstil aufweist und ziemlich spannend geschrieben ist, davon, wie es ist, ausgegrenzt zu werden, sich gänzlich abzuschotten, sodass niemand mehr (auf Dauer) auf einen herankommt und letztlich auch von Selbstverletzung, bedingt durch großen Selbsthass, der - logischerweise - infolge all dieser zwischenmenschlichen Missstände entstanden ist. Anhand von Fabians Geschichte kann man ganz klar sehen, was man als Elternteil, Mitschüler oder Lehrer alles falsch machen kann, um ein Kind völlig an seine persönlichen Grenzen zu bringen - mit allen ungemütlichen Konsequenzen.
~ Es war das eine, etwas zu tun, und etwas anderes, sich der Konsequenzen bewusst zu werden. ~
(S. 82)
Dieses Buch über Freundschaft, Familie, Mobbing und selbstverletzendes Verhalten hat mich irgendwie recht bedrückt, gleichzeitig aber auch ziemlich gefesselt, muss ich sagen. Es war traurig zu lesen, dass es Menschen gibt, vor allem Jugendliche, die so bewusstlos mit den Gefühlen anderer Menschen umgehen. Es war traurig zu lesen, wie die "Opfer" darunter leiden und sich infolgedessen selbst weh tun, weil sie denken, keinen Wert zu besitzen.
~ Warum sollte man sich für einen bemühen, der es einem nicht einmal dankte? ~
(S. 145)
Anhand des Buchtitels kann man erkennen, dass die Geschichte keinen schönen Ausgang nimmt, auch wenn ich das viele Seiten sehr gehofft habe. Leider kann man nicht in ein Buch springen, Hilfe anbieten und das schlimmste verhindern, aber glücklicherweise handelt es sich hierbei auch nur um eine fiktive Geschichte. Dennoch um eine, die sich tagtäglich so auch überall auf der Welt abspielen könnte und das vermutlich auch tut, einfach nur, weil es Menschen gibt, denen die Gefühle anderer egal sind. Und ich finde, dass man mit so einem Buch genau dafür ein Bewusstsein schaffen kann.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Ewa Wiercinska :
Das Floß der Medusa von Franzobel
Boat People von 1816
Die wahre Geschichte des Schiffbruchs der Méduse liegt jetzt 200 Jahre zurück. Das Buch von Franzobel basiert auf den Berichten des Schiffsarztes Savigny und des Ingenieurs Alexandre Corréard.
Das Geschehen ist zum vielschichtigen Mythos und Symbol für das Übel unserer Menschlichkeit geworden.
Friedrich Nietzsche hat gesagt: der Mensch ist eine gemeine selbstsüchtige Bestie. Das hat Franzobel dem Leser sehr gut dargestellt.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Ewa Wiercinska :
Strandbadrevolution von Kurt Palm
Das Glück ist launisch wie ein Kind?
Sommer 1972, kleine Ortschaft in Österreich. Der 16 jährige Ich -Erzähler ist der Ernsti. Die Eltern von ihm, die Kriegskinder, leben noch in ihren Zwängen und Ängsten. Die Songtexte vom Mick Jagger sind seine Lebenshilfe. Nach dem Motto: nur die toten Fische schwimmen mit dem Strom, möchten er und seine Mitschüler etwas bewirken.
Sie beginnen zu revolutionieren, gegen den Krieg in Vietnam, gegen Fernsehen als neue Religion, Desexualisierung der Sexualität?...Palm zeigt in den dazwischen eingeführten Passagen aus der Zukunft: wie das Glück launisch ist wie ein Kind.
Das Buch ist genial, emotional, schräg, empfehlenswert.
Rezensionen von cosmea:
Die Zeit der Ruhelosen von Tuil Karine
Verlust der Unbeschwertheit
?Die Zeit der Ruhelosen? (?L´Insouciance?) ist Karine Tuils zehnter Roman. Im Mittelpunkt stehen vier Personen, deren Wege sich schicksalhaft kreuzen. Francois Vély, ein schwerreicher Unternehmer mit jüdischen Wurzeln, ist seit kurzer Zeit mit der Journalistin Marion Decker verheiratet. Romain Roller ist Soldat.
Er kehrt von einem Einsatz in Afghanistan zurück, bei dem er mit seiner Truppe in einen Hinterhalt der Taliban geriet und mehrere Männer verlor.Er kommt äußerlich unverletzt, jedoch schwer traumatisiert zurück. Osman Diboula entstammt einer Einwandererfamilie von der Elfenbeinküste. Er wuchs in Clichy-sous-Bois auf, einer Banlieue, die durch die schweren Krawalle von 2005 zu trauriger Berühmtheit gelangte. Osman Diboula war Sozialarbeiter und vermittelte erfolgreich in dem Konflikt. Er steigt daraufhin zum Berater des konservativen Präsidenten auf, wird aber ständig mit rassistischen Äußerungen konfrontiert. Dem schnellen Aufstieg folgt ein rapider Absturz. Auch alle anderen Personen geraten binnen kurzem in eine Abwärtsspirale, die ihre Existenz bedroht. Vély wird aufgrund eines Werbefotos in den sozialen Netzwerken und der Presse als Rassist verunglimpft, und antisemitische Beschimpfungen lassen nicht lang auf sich warten. Ausgerechnet Osman Diboula verteidigt ihn in einem vielbeachteten Zeitungsartikel und kehrt rehabilitiert in die Politik zurück. Marion Decker beginnt in einem Luxushotel auf Zypern eine Affaire mit Romain Roller. Ihre junge Ehe wurde durch den Selbstmord der Ex-Frau von Francois überschattet. Die vier Protagonisten treffen im Irak zusammen, wo sich die Dinge noch einmal dramatisch zuspitzen. Für alle geht es ?abwärts, immer weiter abwärts.? (S. 492)
Karine Tuil hat nahe an der gegenwärtigen Realität einen großen Gesellschaftsroman geschrieben, der zeigt, wie zerbrechlich unsere Existenz ist, wie flüchtig das Glück. Der Roman fängt besonders treffend die Situation in Frankreich ein. Dort ist die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, in oben und unten besonders krass. Herkunft und Identität sind von zentraler Bedeutung. Nur die Absolventen der Eliteschulen schaffen es in die höchsten Positionen der Macht. Die Bewohner der Banlieues bleiben in der Regel chancenlos. Die Vorstädte sind der sichtbare Beweis für eine gescheiterte Integrationspolitik und mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit vor allem unter den Jugendlichen eine Brutstätte für Kriminalität. Es ist kein Zufall, dass der IS hier erfolgreich Kämpfer rekrutiert.
Tuils Roman ist komplex und gut recherchiert, teilweise auf bekannten Fakten basierend und dennoch eine Fiktion. Er ist düster und voller Gewalt, lässt den Leser aber nicht ohne Hoffnung zurück. Trotz der uns auferlegten Prüfungen retten uns die Liebe, die Literatur und menschliche Beziehungen. Ein empfehlenswertes Buch ? noch besser als die Vorgänger.
Rezensionen von thora01:
Friesenkreuz. Ostfrieslandkrimi von Sina Jorritsma
Eine rätselhafte Mumie in der Ferienidylle - sehr spannender Kriminalfall
Inhalt/Klappentext:
Eine Leiche in den Dünen von Borkum gibt Kommissarin Mona Sander und ihrem Kollegen Enno Moll Rätsel auf. War es Mord? Wie lange liegt der Tote schon unter dem Sand begraben? Als die Identität des Mannes geklärt ist, nimmt der Fall erst recht an Fahrt auf. Plötzlich geschieht ein weiteres Verbrechen, und Mona Sander kommt einem Mordverdächtigen persönlich näher.
In dem ostfriesischen Idyll gibt es viele Menschen, die etwas zu verbergen haben. Um den Täter entlarven zu können, muss die Kommissarin ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit lösen?
Meine Meinung:
Spannender und mit Überraschungen gespickter Krimi. Er hat mich ab der ersten Seite weg gefesselt. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und gibt der Geschichte die richtige Würze. Die Protagonisten sind sehr tiefgründig. Sie zeigen immer wieder neue Eigenschaften und Charakterzüge. Mein Favorit ist eindeutig Mona. Sie lässt sich nicht so einfach in ein Schema pressen. Mona ist ein wenig aufbrausend und fällt sehr gerne mit der Türe ins Haus. Diese Charakterzüge machen sie zu etwas besonderem. Enno ist dazu das klassische Gegenstück. Er ist ruhig und sehr überlegt. Zusammen sind sie ein Klasse Team. Die Story ist sehr spannend. Sehr Interessant war das die Spur zum wahren Täter sehr gut versteckt wurde und wirklich erst ganz zum Schluss an das Licht gekommen ist. Der Abschluss war für mich genau richtig. Er war spannend und die offenen Fragen wurden beantwortet.
Mein Fazit:
Tolle Frieslandkrimi mit einem spitzen Ermittlerteam und einem sehr spannenden Fall. In dem nichts so ist wie es zuerst erscheint.
Rezensionen von TheUjulala:
So, und jetzt kommst du von Arno Frank
Bildgewaltige Erzählung aus der ergreifend nüchternen Realität eines Kindes!
Zum Cover kann ich nur sagen, absolut passend für die 80er Jahre. Polaroid, der Inbegriff der fotografischen Freiheit mit der fetten Bauhaus-Schrift passen wie die Faust aufs Auge. Kein Schnick-Schnak, keine Schnörkel, plakativ wie die Zeit damals auch war. Ob es geschmacklich meine Vorstellung trifft sei dahingestellt, es trifft auf jeden Fall den Nerv der Zeit.
Ich finde es köstlich hässlich.
In 4 Teilen begleiten wir den Jungen Arno mit seiner Familie auf einer Odysee durch Frankreich und Portugal. In der kindlichen Naivität eines kleinen Jungen erzählt er zunächst von seiner unbeschwerten und verklärten Kindheit, in der in allen Ecken und Winkeln noch die großen Wunder stecken. Er wird von seinem Vater mit Vorstadt-Weisheiten überschüttet, die der arme Junge für bare Münze nimmt. Getrieben von den betrügerischen Machenschaften des Vaters muss die Familie aber plötzlich von einem Ort zum Anderen ziehen, immer auf den Kosten der Kinder. Bis sie zum Schluß wieder da ankommen, wo alles begann. Die anfänglich unerschütterliche Liebe der Eltern bröckelt, genauso wie der Fassade des Felses in der Brandung, der haltgebende Anker für die Kinder. Bis sie sich zum Schluß nur noch verwahrlost und abgestumpft ihrem Schicksal ergeben müssen.
Mit einer bildgewaltigen Kulisse beschreibt Arno Frank in seiner Autofiktion in sehr wortgewandter, pointierter und ironischen Sprache die Geschehnisse in der ergreifenden, sarkastischen Nüchternheit, die aus der Sicht eines Jungen entspringt. Einige Andeutungen bleiben im Raum stehen, da sie aus der Perspektive des Kindes nicht anders wahrgenommen wurden und aus seiner Erzählung heraus nicht erklärt werden können. Ein Junge, der fast bis zum Schluß den Vater auf kindlichen Charme idealisiert. Aus der Angst heraus die Eltern und die Familie zu verlieren, lassen die Kinder die Geschehnisse über sich ergehen und ziehen bedingungslos mit.
Und bis zum Schluß klingt es fast wie eine Hommage an seinen Vater, der niemals die Familie aufgeben wollte. Es gibt keinen Vorwurf, keine Infragestellung, keine Verurteilung.
Einige der Passagen wirken für mich trotz herausragender Erzählung etwas lang und zu viel. Es ist kein ?Roadmovie" mit wilder Verfolgungsjagd, sondern bleibt von der Dramaturgie eher flach. Es ist vielmehr die subtile Erdrückung und Machtlosigkeit durch die bedingungslose Liebe der Kinder, die einem beim Lesen immer wieder das Herz zuschnüren lässt.
Der Epilog hat mich selber dann noch mal sehr ergriffen.
Rezensionen von rewa:
Im Jahr der Brandzeichen von Vera Forester
Leben und leben lassen
Krista , angehende Kamerafrau, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein Sprengstoffattentat, bei dem sie als einzige Deutsche verletzt wird, sorgt für Aufregung. Die anderen Verletzten stammen aus slawischen Ländern, so auch der Russe Maxim, den sie im Spital kennen lernt. Seltsame Fragen der Polizei ob sie Juden, Nazi´s oder Araber kennt verwirren Krista und schon bald gibt es den nächsten Anschlag, dieses Mal auf eine Synagoge.
Als Täter wird der 19 jährige Flüchtling Labib aus Palästina ausgeforscht, der im Zuge des Täter- Opfer- Ausgleichs als Hilfsarbeiter in der jüdischen Gemeinde in einem Seniorenheim arbeiten muss. Dort lernt er Maria kennen, deren Lebensgeschichte auch sein Leben für die Zukunft verändern wird.
Wolff, ein eigen ernannter guter Deutscher aus der rechten Szene versucht immer wieder zu provozieren mit Parolen und Störaktionen, wo er von der Polizei und Presse immer die Aufmerksamkeit bekommt die er sich erhofft hat. Eine überraschende Einladung an ihn und der Hoffnung, dass er als aussteigewilliger Rechtsextremer gemeinsam mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen sowie mit Profi Tänzern gemeinsam ein Ballettstück einzustudieren soll, bringt Wolff´s Leben und Weltanschauung gehörig durch einander.
Die Beziehung zwischen Maxim und Krista ist geprägt von Höhen und Tiefen und erst die Rückkehr Maxim´s aus Afghanistan, wo er wirkliches Leid, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung kennen lernt, weiß er, dass er ohne Krista nicht mehr leben möchte.
Vera Forester hat mit ihrem Roman ,, Im Jahr der Brandzeichen´´ eine aufwühlende Geschichte erzählt. Es beginnt alles ganz harmlos und zeigt an Banalitäten, wie schnell sich ein Leben verändern kann. Ein manchmal eigenwilliger Schreibstil lässt eine Intensität verspüren die tief in den Leser eindringt. So werden Szenen, Gedanken oder auch Handlungen immer mehr gesteigert, bis es wieder zu einem Knalleffekt kommt.
Es werden aber auch sehr kritische Gedanken geäußert, die durchaus aktuell sind. Nazi Sympathisanten, die Angst um ihre Arbeit haben, da die Ausländer ihnen diese wegnehmen. Juden, die verfolg, vertrieben und verachtet werden. Politische Machtkämpfe, ohne Rücksicht auf Verluste . Oder Klimakatastrophen, die immer aktueller werden.
Die Autorin geht hart ins Gericht mit Vorurteilen und scheut sich nicht unangenehme Themen offen anzusprechen und aufzuzeigen. Es ist immer wieder ein Teufelskreis der anhand von Flüchtlingen zeigt wie schwer es ist sich zu integrieren, wenn man keine Arbeitserlaubnis bekommt, immer darauf warten ob der Asylantrag, oft erst nach Jahren, genehmigt oder abgelehnt wird. Immer in Angst und Sorge leben. Die Protagonisten leben von ihren Gedanken und Gefühlen und man leidet als Leser mit, wenn man deren Hilflosigkeit und Desillusion spürt.
Man bekommt als Leser auch Einblicke in geschichtliche Ereignisse, die einem erklären, warum gewisse Abneigungen und Hass gegenüber anders Gläubiger heute immer noch aktuell sind.
Das Buch baut eine Brücke zwischen Hass und Vergebung und zeigt, dass verschiedene Menschengruppen durchaus im gegenseitigen Respekt zusammen leben können.
Rezensionen von yesterday:
Gefährliche Empfehlungen von Tom Hillenbrand
Ein blaues Buch und ein sehr glücklicher Koch
Auch wenn Essen in ausreichendem Maß in diesem Krimi Verwendung findet, so ist das zentrale Thema, worum sich Xavier Kieffers Ermittlungen drehen, nicht zum Verzehr geeignet. Der berühmte Restaurant-Guide ?Gabin? trägt offenbar ein jahrzehntealtes Geheimnis mit sich herum, das nun plötzlich wieder aktuell zu sein scheint.
Dieses Buch mit dem kobaltblauen Einband spielte schon vor und im Zweiten Weltkrieg eine größere Rolle als man vermuten könnte und das obwohl es zu Kriegszeiten natürlich nicht erscheinen konnte.
Ausgerechnet auf der großen prunkvollen Eröffnungsfeier eines neuen Gabin-Gebäudes, das Kieffers Freundin Valérie Gabin, herrichten ließ, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und der Koch muss nun nicht nur ein Buch sondern auch noch das Geheimnis finden. Dabei trachten ihm scheinbar sehr gewiefte Gegner nach dem Leben. Kieffers Reisen führen quer durch Luxemburg und Frankreich bis sie in einem etwas skurrilen Showdown zwischen ihm, den ?Guten? und den ?Bösen? gipfelt. Wobei Gut und Böse gar nicht so weit auseinanderliegen.
Neben der ?Jagd ums Buch? kommt aber auch der Magen nicht zu kurz und ein paar interessante Einblicke in die Luxemburger Küche sowie Sprache sind sowohl spannend als auch herausfordernd. Praktisch ist da das Glossar am Ende des Buches.
Stichwort Sprache: Unauffällig und gewandt geleitet Hillenbrand den Leser durch die Gassen und Städte. Eine Prise Humor an den richtigen Stellen sowie Dialoge, über die man noch länger schmunzelt, inklusive.
Xavier Kieffer ist für mich eine oft vom Glück geküsste Hauptfigur, die ansonsten um einiges ärmer dran wäre. Nicht nur, dass er immer wieder seine Haut retten kann, ist er doch auch mit der fabelhaften Valérie liiert, die, wie er sich selbst denkt, ja viel interessantere Partner haben könnte. Zudem trinkt er gerne (viel) Wein, Bier und luxemburgischen Schnaps und noch lieber raucht er eine Zigarette nach der anderen. Es stellt sich passenderweise heraus, dass das neben den gesundheitlichen auch noch andere Nachteile hat?
Rezensionen von Xirxe:
Es klingelte an der Tür von Rex Stout
Nero Wolfe ist zurück
Nero Wolfe alias William Conrad habe ich früher gern gesehen, diesen wohlbeleibten, orchideenliebenden Gourmet, der immer wieder die New Yorker Mordkommission düpierte, indem er Fälle auf seine unnachahmliche Weise deutlich schneller als diese löste. Nun wurde eines der Bücher dieser Reihe in einer neuen Übersetzung wieder herausgegeben und ich muss sagen, ja, auch das Lesen lohnt sich.
In diesem Fall erhält er von einer sehr vermögenden Klientin den Auftrag, ihre Überwachung durch das FBI zu beenden. Dass sich das FBI von einem Privatdetektiv sicherlich nicht vorschreiben lässt, wen es überwachen darf und wen nicht, ist sowohl Wolfes Klientin klar wie auch ihm selbst. Seine Zweifel, diesen praktisch unlösbaren Auftrag anzunehmen, verschwinden, als ihm ein 100.000 $ Scheck als Vorschuss übergeben wird, den er in jedem Fall nicht zurückzahlen muss und die Aussicht, ein Honorar zu bekommen, dass er selbst festlegen darf, wenn er Erfolg hat. Wolfe nimmt an und beginnt mit der Arbeit in diesem offenbar aussichtlosen Fall ...
Erzählt wird die Geschichte von Archie, dem Assistenten von Nero Wolfe, der für diesen die Aussenaufgaben übernimmt. Denn Wolfe ist bequem, er liebt gutes Essen und Trinken, seine Orchideen und das Lesen, während er sein Zuhause nur in seltenen Fällen verlässt. Ansonsten ist es aber wohl das typische Szenario der Krimis dieser Zeit, der 60er Jahre. Coole Männer, lässig eine Zigarette rauchend und schönen jungen Frauen hinterherblickend, die meist nur als schmückendes Beiwerk, Zeugin oder Klientin dienen. Dazu eine in gewisser Weise etwas umständliche Sprache, die mich jedoch immer wieder zum Grinsen brachte. "Als sie mich aus blauen Augen betrachtete, wies ich meine an, sämtliche Aspekte zu ignorieren, die für die anstehenden Aufgaben ohne Belang waren." Auch eventuelle Beleidigungen sind eher subtil, die ich stellenweise recht originell und amüsant finde: "Von der Grösse her war er eine Erdnuss, aber eine elegante." Überhaupt ist der gesamte Umgangsstil in diesem Privatdetektivmilieu ungewöhnlich gehoben: Es werden Bücher gelesen ;-) Diners serviert wie 'Täubchen à la Moscovite, Pilze Polonaise, Salade Béatrice und Soufflé Armenonville' und das wohl schlimmste Unmut ausdrückende Wort ist 'Pfui'. Der Fall selbst ist recht verworren, denn um das gewünschte Ziel zu erreichen, sind zahlreiche Umwege vonnöten, die sich erst nach und nach als zielführend erweisen. Wolfe löst diese Angelegenheit (wie auch eine Menge andere) durch reines Nachdenken, nachdem er durch seinen 'Aussendienstmitarbeiter' mit den entsprechenden Informationen versorgt wurde.
Es ist ein ruhiger, stellenweise amüsanter Krimi ohne Blutvergießen und große Action, der zudem auch Gewicht auf das Drumherum der handelnden Personen legt. Ob die Neuübersetzung nun schlechter oder besser gelungen ist, kann ich nicht beurteilen. Gehe ich jedoch vom früheren Titel aus "Per Adresse Mörder X", ist der neue auf jeden Fall deutlich gelungener (im Original: "The Doorbell Rang"). Auch wenn es ein typischer Krimi seiner Zeit ist: Das Thema ist hochaktuell. Darf der Staat um der Sicherheit willen einfach Alles? Jede/n zu jeder Zeit und überall überwachen und abhören? Manche Probleme scheinen sich nie zu ändern...










