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Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Die Roma von Madeline Potter

Eine Leseempfehlung

Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem Schritt meiner Reise bin ich den kraftvollen Geschichten derjenigen begegnet, die sich ihrer Ausgrenzung widersetzten und deren Leben uns bis heute inspirieren.

«

Während ihrer Recherchen zu ihrer Herkunftsfamilie, die sie in zahlreiche Archive quer über den Erdball führen, begegnet sie den Aufzeichnungen zahlreicher historischer Persönlichkeiten: Musiker Django Reinhardt (1910-1953), der beim Brand in seinem Wohnwagen schwerste Brandverletzungen erlitten hat und trotzdem weiterhin virtuos Gitarre spielt, dem deutschen Meister im Halbschwergewicht Johann Rukeli Trollmann (1907-1943), dem die Nazis seinen Titel aberkannt und 1943 in einem Nebenlager des KZ Neuengamme ermordet haben oder Carmen Amaya (gest. 1963), eine spanische Romni, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts als beste Flamencotänzerin der Welt bekannt war, und die österreichische Schriftstellerin Ceija Stojka (1933-2013) vor.

Sehr interessant zu lesen ist, wodurch sich die verschiedenen Sinti- und Roma-Familien unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten, außer ihrer Verfolgung durch die Jahrhunderte, sie noch haben: Nämlich ihre Stärke und Ausdauer, ihre Fähigkeit zum Widerstand und zum Überleben mit der sie dem tief verwurzelten Hass, der ihnen auf der ganzen Welt entgegen schlägt, zu trotzen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem hoch interessanten Buch über die Geschichte der Roma und Sinti 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Die Roma

Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Die Apotheke der Hoffnung von Amanda Barratt

Eine klare Leseempfehlung!

Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. Ab November 1939 mussten sie den Judenstern tragen und im März 1941 begannen Enteignung und Umsiedlung der Juden nach Podgórze, dem südlichen Stadtteil von Krakau.

Das Ghetto von Krakau bestand bis Mitte März 1943. Kurz vor der Schließung wurden arbeitsfähige Menschen in das KZ Plaszow verlegt, die anderen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Die junge Witwe Zosia Lewandowska muss ansehen, wie ihre jüdischen zunächst enteignet und wenig später in das neu entstandene Ghetto eingewiesen werden. Als sie einen Weg sucht, den verzweifelten Menschen zu helfen, bietet sich die Chance in Form einer Anstellung in der Apotheke von Tadeusz Pankiewicz an, die als einzige Apotheke im Ghetto verblieben ist. In dieser Apotheke erhalten die Ghettobewohner nicht nur die wenigen Medikamente sondern auch anderes. Die Apotheke wird zur Drehscheibe von Informationen, gefälschten Dokumenten und Menschlichkeit. Doch die Möglichkeiten zu helfen werden immer geringer, denn das NS-Regime weitet Macht und Terror weiter aus.

Der Apotheker und seine Angestellten sind in höchster Gefahr, denn Juden zu helfen, ist verboten und wird mit Lagerhaft oder Todesstrafe geahndet. Trotzdem machen sie weiter. Und Zosia erhält Unterstützung von ungewohnter Seite.

Für einige wenige erfüllt sich die Hoffnung auf Flucht und Leben, für die meisten bleibt nur die Deportation und der Tod.

Meine Meinung:

Das Krakauer Ghetto ist vermutlich nicht ganz so bekannt, wie jenes in Warschau, das durch seinen Aufstand Geschichte geschrieben hat, aber um nichts weniger grausam. Wenig bekannt ist vermutlich auch, dass Filmregisseur Roman Polanski aus dem Krakauer Ghetto entkommen ist.

Die Autorin hat rund um die reale Person Tadeusz Pankiewicz (1908-1993), der 1983 von Israel mit dem Ehrentitel „ Gerechter unter den Völker“ ausgezeichnet worden ist, sowie den drei Mitarbeiterinnen einen fesselnd und einfühlsam erzählten Roman geschrieben. Allerdings lässt Amanda Barratt auch zahlreiche reale NS-Größen wie Lagerleiter Amon Göth, der besonders grausam agiert hat, oder Wilhelm Kunde auftreten.

Die Geschichte wir aus mehreren Perspektiven erzählt, so dass wir einen Einblick in das Grauen, das die verfolgten Juden erleiden mussten, erhalten können. Besonders beeindruckend ist der Perspektivenwechsel zwischen der Polin Zosia und der Jüdin Hania. Durch die Erzählung in der Ich-Form erhält der Roman eine eindrückliche Note.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten fußt, 5 Sterne.

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Die Apotheke der Hoffnung

Rezensionen von Micki:

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Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher

Oberflächliche Sommerlektüre für den Strand

Der Roman Der Sommer, der uns blieb hinterlässt bei mir einen eher durchwachsenen Eindruck. Insgesamt handelt es sich um eine solide, aber nicht besonders herausragende Sommerlektüre, die sich zwar angenehm lesen lässt, aber wenig bleibenden Eindruck hinterlässt.

Die Handlung ist von Anfang an sehr vorhersehbar.

Viele Entwicklungen zeichnen sich früh ab, sodass überraschende Wendungen weitgehend ausbleiben. Dadurch fehlt es der Geschichte stellenweise an Spannung und Tiefe. Auch die Figuren konnten mich nicht wirklich überzeugen – sie bleiben eher blass und wirken in ihren Motiven und Emotionen wenig differenziert, sodass es schwerfällt, eine echte Bindung zu ihnen aufzubauen.

Positiv hervorzuheben ist jedoch die Sprache: Sie ist leicht, flüssig und gut zugänglich, was das Buch zu einer unkomplizierten Lektüre für zwischendurch macht. Allerdings wirkt der Stil an manchen Stellen auch etwas zu seicht und oberflächlich, wodurch emotionales Potenzial verschenkt wird.

Gelungen finde ich die Atmosphäre des Romans. Die Autorin schafft es, dieses Gefühl von Kindheit, Unbeschwertheit und sommerlicher Leichtigkeit sehr stimmig einzufangen. Diese Passagen haben für mich den größten Reiz des Buches ausgemacht und verleihen der Geschichte zumindest stellenweise eine gewisse Wärme und Nostalgie.

Mein Fazit: Der Sommer, der uns blieb ist eine nette, leicht konsumierbare Lektüre für warme Tage, die vor allem durch ihre Stimmung punktet. Wer jedoch eine tiefgründige Handlung oder vielschichtige Figuren erwartet, könnte enttäuscht werden. Insgesamt also ein „ganz okay“ – weder besonders gut noch wirklich schlecht.

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Der Sommer, der uns blieb

Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Eleonora von Hubert Nowak

Arme, reiche Frau

Hubert Nowak, langjähriger Journalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sich mit seinem Debüt-Roman einer Frau gewidmet, die heute nahezu vergessen ist. Eleonora von Mendelsohn (1900-1951). Sie wächst als Tochter der berühmten jüdischen Berliner Bankiers- und Gelehrtenfamilie in einer kulturell bedeutsamen Umgebung auf.

Der Komponist Felix Mendelsohn-Barholdy ist ihr Cousin. Eleonora träumt schon bald von einer Karriere als Schauspielerin, die zunächst einmal in Erfüllung geht. In den 1920er-Jahren feiert sie einige große Erfolge, lernt Max Reinhardt kennen und lieben. Der exzentrische Regisseur wird ihre große Liebe sein, die über ein Verhältnis, wie Reinhardt es mit vielen (vermögenden) Frauen unterhält, aber nicht hinauskommt. Für Reinhardts kostspielige Theaterträume wird sie in der Bank ihrer Familie intervenieren und zahlreiche Bilder aus der Familienvilla veräußern.

Die Machtübernahme der Nazis katapultiert sie und ihren Bruder Francesco aus ihren glamourösen Leben. Francesco ist als homosexueller Jude gleich doppelt gefährdet. Man lässt Deutschland hinter sich, nicht ohne in mehreren gewagten Aktionen, zahlreiche Gemälde heimlich in die Schweiz zu bringen.

Es gelingt Eleonora, wie so vielen Emigranten nicht, in den USA beruflich Fuß zu fassen. Auch ihr Privatleben ist ein ziemliches Desaster. Vier Ehen, endlose Zahl von Liebhabern sowie ihre Drogensucht lassen Eleonora am Rande des Abgrunds balancieren, bevor sie im Jänner 1951 endgültig abstürzt.

Ihr Leben endet am 24. Jänner 1951 unter mysteriösen Umständen: Man findet sie in ihrem Quartier in New York auf dem Sofa liegend. Ein mit Äther getränktes Tuch über dem Gesicht, eine halbvolle Flasche des Betäubungsmittels, ein leeres Röhrchen Schlaftabletten sowie leere Ampullen von Morphium und die dazu gehörige Spitze. Obwohl keine Anzeichen für Fremdverschulden gefunden werden können und ihr Tod als Suizid eingestuft worden ist, gibt es nach wie vor, wie bei Marilyn Monroe, unbestätigte Gerüchte, dass hier nachgeholfen worden sein könnte.

„Aus Verzweiflung. Wahrscheinlich. Um Ruhe zu finden. Um zu vergessen. Das Unglücklichsein, das Nichtgeliebtwerden von denen, die sie lieben wollte. Um die trügerischen Erfolge zu verdrängen und die Niederlagen, den unverlässlichen Jubel von Fans, die oberflächlichen Bewunderer ihrer Schönheit, und all die, die nie begriffen haben, was in ihr wirklich vorging.“

Meine Meinung:

Obwohl Hubert Nowak penibel recherchiert, dass er durchaus eine Biografie schreiben hätte können, nennt er sein Werk einen Roman. Das gibt ihm die künstlerische Freiheit die reale Eleonora mit fiktiven Charakteren zusammenzubringen.

So beschreibt er eine junge Frau, der (fast) alle Möglichkeiten in die Wiege gelegt worden sind, die aber wenig Liebe erfahren konnte. Der frühe Tod des Vaters, die eigenwillige Mutter, der man als Italienerin eine enge Beziehung zu Mussolini und seiner Politik nachsagt, sowie die unerwiderte Liebe zu Max Reinhardt, der nicht nur verheiratet und Kinder, sondern mit Helene Thimig eine besonders eifersüchtige Geliebte, die Eleonoras Feindin bis zu Tod bleiben wird. Als sie von Reinhardt schwanger wird, lässt Eleonora abtreiben, die verpfuscht wird. Weitere Schwangerschaften sind unmöglich.

Der Lebenslauf von Eleonora von Mendelsohn, könnte durchaus als Vorlage für einen Film dienen. Dramatik ist genug vorhanden.

Der Schreibstil ist durchaus gelungen. Max Reinhardt kommt hier nicht sehr gut weg. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er ein Egozentriker gewesen ist, der glaubte, der Nabel der (Theater)Welt gewesen zu sein. Eine um 27 Jahre jüngere, vom Theater faszinierte und reiche Erbin kommt ihm, der ständig in Geldnöten schwebte, sicher gerade recht. Ihr Liebe vorspielen? Nichts leichter als das. Ich bin fast versucht zu sagen: armes, reiches Mädchen.

Fazit:

Diese romanhafte Biografie habe ich gerne gelesen und gebe ihr 5 Sterne.

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Eleonora

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Der Zitronenbaum in meinem Garten von Andrea L'Arronge

Hat mich leider nicht ganz überzeugt

Die sympathische Schauspielerin Andrea L’Arronge erzählt, wie sie schon als Kind Schauspielerin werden wollte und kleine Rollen gespielt hat. Sie berichtet aus ihrem Leben, das nicht immer konfliktfrei gewesen ist und spart dabei nicht aus, dass sie auch Misserfolge, sowohl im Privatleben als auch im Beruf erleben musste.

Schmunzeln musste ich, als sie berichtet, wie sie ziemlich unbedarft und ohne ausreichend die italienische Sprache zu können, ein Haus in Italien gekauft hat und sich der Herausforderung der örtlichen Gegebenheiten stellen musste.

Das Buch ist in leichtem Plauderton verfasst, lässt aber Platz für ernsthafte Themen. So erzählt sie einerseits über ihre erste Ehe mit der sie aus ihrer komplizierten Herkunftsfamilie ausbricht, nur um in einer anderen schwierigen Situation zu landen. Eine Situation, die viele Frauen erlebt haben oder noch erleben. Andererseits berichtet sie über ihr Engagement für Waisenkinder in Rumänien, die nach dem Sturz der Diktatur unter schrecklichen Bedingungen sich selbst überlassen waren.

In einigen der 15 Kapiteln fließen nachdenkliche und beinahe philosophische Gedanken ein. Zahlreiche Abbildungen ergänzen dieses Memoir, dem ich 3 Sterne gebe, da es mich nicht ganz überzeugt hat.

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Der Zitronenbaum in meinem Garten

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Tod im Steinkreis von Angela Richford

Hier ist wenig, wie es scheint

Autorin Angela Richford entführt uns Leser in ihrem dritten Krimi für DCI Fiona Sutherland abermals an die Küste Cornwalls.

Es sind nur mehr wenige Tage bis Weihnachten und das Team rund um Sutherland hofft auf ruhige Feiertage. Doch daraus wird nichts, als in einer stürmischen Winternacht die Leiche eines Mannes im Steinkreis Boscawen-ûn gefunden wird.

Beinahe gleichzeitig geht ein Antiquitätengeschäft in der Stadt Penzance in Flammen auf. Zufall?

Wenig später ist klar, der Tote ist der Besitzer des Antiquitätenladens in dem er nicht nur Antiquitäten sondern auch Zubehör für keltische Rituale verkauft. Zudem versteht er sich als Druide und schart eine Gruppe naturverbundener Menschen um sich.

Während Detective Chief Inspector Fiona Sutherland und Detective Constable Hunt nach einem Motiv suchen und zahlreiche Gespräche mit seinen Anhängern führen, müssen sie in das Reich der Sagen und Mythen eintauchen. Dabei entdecken sie einige Ungereimtheiten in der Biografie des Mordopfers. Als wenig später ein möglicher Widersacher und Tatverdächtiger tot in der Brandruine gefunden wird ist klar, dass der Fall nicht bis zum Weihnachtsabend aufgeklärt werden wird.

Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig, denn hier ist einiges nicht so, wie es scheint. Die mystische Fassade des Druiden bekommt recht bald Risse, als bekannt wird, dass er mit einer halb so alten Jüngerin, ein Verhältnis hatte ...

Meine Meinung:

Dieser dritte Teil der Reihe um DCI Fiona Sutherland ist meine erste Begegnung mit der geschiedenen und allein erziehenden Ermittlerin. Zwar werden ein paar Details aus ihrer Vergangenheit angerissen, doch ganz erschließt sich mir ihr Leben noch (?) nicht. Besonders neugierig bin ich auf Mrs. Jones, wie sie ihre besondere Begabung nennt. Die wird leider nicht erklärt, sondern als bekannt vorausgesetzt. Dafür werden Sutherlands Ängste vor einer neuen Beziehung mehrfach erwähnt. Ziel ihrer Sehnsucht ist der smarte Coroner Alister.

Die Schilderung des oft mühsamen Polizeialltags, der von Gesprächen und Suche nach dem Motiv ist recht gut gelungen. Die mehrfache Erwähnung, dass alle das Fest in Ruhe feiern wollen, ist mir allerdings auf die Nerven gegangen. Dass Fionas 14-jähriger Sohn seiner Mutter eine Weihnachtsüberraschung beschert, habe ich sehr nett gefunden.

Man stellt sich religiöse Führer immer als integre Menschen vor. Doch hier gibt es einen, der sein Charisma missbraucht.

Um mir einen besseren Überblick über DCI Sutherland zu verschaffen, werde ich die beiden Vorgänger lesen (müssen).

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Cornwall-Krimi, der mich in die Welt der Druiden geführt hat, 4 Sterne.

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Tod im Steinkreis

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Pulver von Johann Reißer

Vom Apothekersohn zum Unternehmer

Autor Johann Reißer ist während seines Aufenthaltes im Rahmen des Rottweiler Stadtschreiberstipendiums über eine interessante Persönlichkeit Rottweils buchstäblich gestolpert: über den Unternehmer Max Duttendorfer. Fasziniert von diesem Mann hat er weitere Recherchen angestellt. Herausgekommen ist nun dieser historische Roman, der in zwölf Kapiteln bzw.

Episoden die Zeitspanne von 1858 bis 1933 abdeckt, um mit einem abschließenden Sprung in das Jahr 2020, die eine oder andere Ähnlichkeit von heute darzustellen.

Im Zentrum des Romans steht der Apothekersohn und spätere Unternehmer Max Duttenhofer (1843 - 1903), der nach einer Lehre in der Apotheke seines Vaters die kleine Pulverfabrik in Rottweil übernommen hat und zu einem florierenden Unternehmen ausgebaut hat. Obwohl man in ab den 1880er Jahren als „Krupp von Süddeutschland“ genannt hat, ist er heute, anders als Alfred Nobel beinahe vergessen.

Die Geschichte des Unternehmens wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Während seine Erfindung, das raucharme Schießpulver, die Kriegsführung revolutioniert und Duttendorfer zu einem der mächtigsten Männer im Deutschen Kaiserreich macht, gefällt die Entwicklung, die sowohl die Fabrik als auch die Politik nehmen, nicht jedem. Duttendorfers Enkelin Rosa erlebt die Aufrüstungsspirale, die in den Ersten Weltkrieg führt, als Arbeiterin in der Pulverfabrik hautnah mit, was sie zu einer Kämpferin gegen die Kriegspartei werden lässt.

Dieser historische Roman hat mir sehr gut gefallen. Einzig, die winzige Schrift in meiner eBook-Ausgabe muss ich bemängeln. Ich konnte auf keinem meiner zahlreichen Lesegeräte (Reader, PC oder App) eine angenehme Schriftgröße einstellen, was mir das Lesen ziemlich erschwert hat.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der den Aufstieg eines neugierigen Apothekersohn zum Unternehmer nachzeichnet, 4 Sterne.

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Pulver

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Poyais. Ein Land, das es nie gab von Uli Aechtner

Eine klare Leseempfehlung!

Dieser historische Roman erzählt am Beispiel von Julie, der Kaufmannstochter aus Frankfurt am Main, und Carl, dem Gärtner ihres Vaters, eine Geschichte voller Hoffnungen und Erwartungen auf ein gemeinsames Leben ohne Standesunterschiede in einem fernen Land, nämlich Poyais. Dort sollen die neuen Siedler nicht nur willkommen sein, sondern auch Land und Haus erhalten.

Es soll eine Stadt geben und ein Theater soll für Amüsement und Kultur sorgen.

Der geneigte Leser wird es ahnen, dass die Versprechen und die Realität ziemlich auseinanderklaffen. Nach wochenlanger Überfahrt erreicht man das Ziel. Doch nicht ganz - die versprochene Stadt liegt landeinwärts, angeblich. Ein paar verwegene Männer machen sich auf, die Stadt zu suchen. Die anderen Auswanderer bleiben am Strand. Nichts ist, wie versprochen, die Stadt ein Trümmerhaufen.

Verzweiflung und Wut machen sich ebenso breit, wie Krankheit und Tod. Die meisten Auswanderer haben in ihrer Heimat alles verkauft und nur eine einfache Überfahrt bezahlt. Werden sie jemals wieder nach Europa zurückkehren können?

Hier, in Poyais, dem Land, das den Verheißungen so gar nicht entspricht, entpuppt sich die aufmüpfige Kaufmannstochter als Fels in der Brandung. Sie hilft, organisiert und findet zu ihrer wahren Berufung.

Meine Meinung:

Uli Aechtner, Autorin und Fernsehmoderatorin, hat mit diesem historischen Roman, dem wahre Begebenheiten zu Grunde liegen, eine spannende Geschichte von Fake News geschrieben.

Und weil es im Leben keine Zufälle gibt, habe ich nach der Lektüre dieses historischen Romans, ein weiteres Beispiel falscher Versprechen entdeckt. Ich war letzte Woche in Darmstadt und habe bei einem Besuch des Hessischen Staatsarchivs eine Führung zum Thema „Seit wann werden Fake News verbreitet?“ eine ähnliche Geschichte gehört. Hier geht es um Ansiedlungen in Brasilien. Ab 1822 beauftragte Pedro I., Kaiser von Brasilien, den deutschen Major Der. Georg Schäffer (1779-1836), auswanderungswillige Bewohner diverser deutscher Fürstentümer, nach Brasilien zu holen, um das Land zu besiedeln. Grundsätzlich ja keine schlechte Idee. Doch was macht Schäffer? Er gründet ein Auswandererbüro in Hamburg, verkauft selbst entworfene Anteilscheine über Landbesitz in Brasilien, die keine Entsprechung in der Wirklichkeit haben und das Papier nicht wert sind, auf die sie gedruckt sind. Tausende Einwanderer werden getäuscht und von den versprochenen Grundstücken, Häusern sowie sonstigen Privilegien ist nichts zu sehen. Zudem werden unverheiratete Männer, die dem Militärdienst in der deutschen Heimat entgehen wollten, sofort in Pedros Armee eingezogen. Sie kommen also vom Regen in die Traufe. Zahlreiche Briefe von Auswanderern sind erhalten geblieben und im Staatsarchiv aufbewahrt.

Doch zurück zu diesem Buch. Uli Aechtner erzählt eine interessante Geschichte, in der Julie die eigentliche Hauptrolle spielt. Sie ist es, die nicht aufgibt, die Qualitäten in sich entdeckt und die ihren Mann steht, während sich zahlreiche Männer dem Suff ergeben oder einfach aufgeben. Die Charaktere sind penibel herausgearbeitet.

Das Buch liest sich leicht und dennoch spannend. Die Lehre daraus? Glaube keinem Politiker oder seinen Bevollmächtigten. Manches, was paradiesische Zustände verspricht, ist nichts als trüber Schein.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Poyais. Ein Land, das es nie gab

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Stürmische Hoffnung von Christel Netuschil

Hat mich leider nicht überzeugt

Nach dem überraschenden Herz-Tod ihres Mannes Carl-Hermann Hansen wird seine Ehefrau Anna Hansen zur alleinigen Erbin des in die Jahre gekommenen Grand Hotels Meereskrone über der Ostsee sowie seiner Geschäfte. Die Familie ihres verstorbenen Mannes, allen voran dessen Bruder Friedrich neidet ihr das Erbe, obwohl sie eigentlich selbst genug Vermögen besitzen.

Man will verhindern, dass Anna, deren Vater einst Betrügern aufgesessen ist und in die Pleite geschlittert ist, über das stattliche Vermögen verfügen kann und die Leitung des Hotels übernimmt. Nach Ansicht der hanseatischen Familie schickt sich Berufstätigkeit für eine Frau nicht.

Nachdem Anna das Hotel besichtigt und gleich einmal alle jene, die nicht unter einer weiblichen Hotelleitung arbeiten wollen, entfernt hat, beginnt sie mit dem verbliebenen Personal, in der Mehrzahl Frauen, ihre Pläne für eine Neugestaltung in die Tat umzusetzen. Das Hotel soll in Zukunft nicht nur der High Society als Erholungsort dienen, sondern allen jenen, die sie benötigen.

Es kommt wie es kommen muss. Zum einen bleiben zugesagte Gelder aus, Gerüchte entstehen und obwohl die Dorfbewohner von der einen oder anderen Änderung profitieren wird, legen sie sich quer. Schnell ist klar, dass ihre Schwäger die Finger im Spiel haben sowie vor Verleumdungen und einer gezielten Sabotage nicht zurückschrecken.

Meine Meinung:

Dieser Roman lässt sich schnell lesen, weil man doch wissen will, ob Anna mit dem Hotel Erfolg hat und ob sie - nein das verrate ich jetzt nicht.

Allerdings ist der Schreibstil viel zu modern. Man kann Wörter wie „beratungsresistent“ lesen und die Dienstboten parlieren in geschliffener Sprache. Zudem siezen sich um 1900 viele Eheleute und jedenfalls die Kinder ihre Eltern. Zu Dienstboten hat man ein Arbeitsverhältnis, aber keine Freundschaft. Dass Anna also ihren Mitarbeiterinnen gleich erlaubt, sie mit dem Vornamen anzusprechen und sich duzen lässt, klingt wenig plausibel.

Zunächst ist sie trauernde Witwe, um dann nur wenig später buchstäblich die Ärmel aufzukrempeln und gleich Hand anzulegen, wenn es darum geht, den Boden zu schrubben. Nein, bei allem Respekt für eine ungewöhnliche Frau, das glaube ich nicht.

Dass sie dann auch noch ein psychologisches Gutachten zu Johann, ihrem anderen Schwager, der sie vor versammelter Gesellschaft abkanzelt, abgibt, ist doch sehr, sehr weit hergeholt. Anna mag ja empathisch sein, aber in Johann das arme, zurück gesetzte Kind, das nun seines Vorbildes Carl-Hermann beraubt ist, zu sehen, passt überhaupt nicht in die Zeit und stört mich schon sehr.

Daneben gibt es ein paar lose Fäden. Nur um einen zu nennen: Sie überlegt zwar, warum ausgerechnet der entmachtete stellvertretende Hoteldirektor weiter bei ihre arbeitet, frägt aber nicht bei ihm nach, sondern begnügt sich mit der vagen Aussage der Köchin, sie glaube, er hätte ein kranke Frau. Also, da hätte ich mir schon etwas mehr Engagement von Anna erwartet. Spätestens als er auf Seite der unzufriedenen Dorfbewohner zu finden ist, hätte es bei Anna klingeln müssen, dass er die Laus im Pelz ist, der für ihre Schwäger spioniert.

Von einem historischen Roman um 1900 hätte ich mir schon ein wenig mehr Recherche und Authentizität erwartet.

Fazit:

Leider stören mich diese Unzulänglichkeiten im Schreibstil, weshalb ich gerade einmal 3 Sterne für diesen historische Roman vergeben kann.

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Stürmische Hoffnung

Rezensionen von Julchentim:

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Liars all around me von Clara Blais

Spannend, aber nicht ganz perfekt

Ich habe Liars All Around Me von Clara Blais gelesen und war echt schnell drin. Die Story packt einen direkt und ich wollte ständig wissen, was als Nächstes passiert.

Die Idee ist jetzt nichts komplett Neues, aber die Umsetzung hat für mich trotzdem gut funktioniert. Dieses ständige Misstrauen zieht sich durch das ganze Buch, und man merkt schnell, dass hier wirklich jede Person irgendwas verbirgt.

Ich hab beim Lesen dauernd eigene Theorien gehabt und lag auch nicht immer richtig, was ich gut fand.

Ryle und Avery mochte ich nach einer kurzen Eingewöhnung recht gerne. Am Anfang war ich mir bei beiden nicht sicher, aber je mehr man über sie erfährt, desto mehr versteht man ihr Verhalten. Die Dynamik zwischen ihnen hat mir auch gefallen, vor allem weil sich das langsam aufbaut und nicht erzwungen wirkt.

Was mich ein bisschen gestört hat, waren ein paar bekannte Muster, und dass ich manche Entwicklungen schon erahnen konnte. Da hätte ich mir stellenweise mehr Überraschung gewünscht oder etwas mehr Tiefe bei den Hintergründen.

Trotzdem, die Spannung war durchgehend da und das Ende hat nochmal einen draufgesetzt. Ich saß da kurz und dachte mir, okay damit habe ich jetzt nicht gerechnet.

Für mich ein richtig solider Thriller, der Spaß macht und sich super weglesen lässt.

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Liars all around me