Persönliche Lese- tipps
Barbara Pritz empfiehlt:
Die Kammer von Will Dean
Kammerspiel in 100 Meter Tiefe
Brooke ist Sättigungstaucherin. Gemeinsam mit 5 Kollegen ist sie 1 Monat lang in einer Druckkammer von den Ausmaßen eines Kleinbusses eingeschlossen, eine (noch kleinere) Taucherglocke wird täglich auf den Meeresboden der Nordsee abgesenkt und abwechselnd führen 2-Personen-Teams Reparaturarbeiten an Ölpipelines durch.
Als Brooke und ihr Tauchpartner von ihrem ersten Außeneinsatz in die Kammer zurückkehren, ist einer von den anderen mysteriöserweise ins Koma gefallen und die Kollegen sind damit beschäftigt, ihn wiederzubeleben. Vergeblich. Das Team steht unter Schock und sucht nach Erklärungen, die Reparaturarbeiten werden abgebrochen und der Druck in der Kammer ganz langsam wieder erhöht, die Dekompression soll 5 Tage dauern. Dann kommt es zu einem weiteren Todesfall und die Taucher beginnen nicht nur, sich gegenseitig zu belauern, sondern misstrauen auch zunehmend dem Security-Team außerhalb der Kammer, das eigentlich ihr Wohlergehen überwacht...
Sättigungstauchen gehört zu den gefährlichsten und am besten bezahlten Berufen, körperliche und mentale Fitness sind unerlässlich. Dieser realistische Technothriller fasziniert nicht nur mit überraschenden Twists, sondern auch mit interessanten Fakten aus der Welt der Berufstaucher.
Große Empfehlung!
Ina Cassik empfiehlt:
Wild wuchern von Köller Katharina
Beeindruckendes Debüt aus Österreich
Marie ist auf der Flucht und flüchtet zu ihrer Cousine Johanna auf die Alm. Zwei Cousinen mit diametral entgegengesetzten Lebensentwürfen: Natur vs. Zivilisation, selbstgenügsames Leben allein vs. Beziehung mit einem gewalttätigen Mann.
Von der ersten Seite an entwickelt das Buch einen Sog, der einen bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Ein äußerst spannendes Leseerlebnis!
Ina Cassik empfiehlt:
Als wir Schwäne waren von Karim Khani Behzad
Ein literarisch herausragendes Buch über das Leben der zweiten Generation
Mit seinen gebildeten Eltern flieht Reza mit 10 Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Integration im Plattenbau bedeutet die Hinwendung zu Gewalt und Kriminalität. Kann Wut und Gewalt die Antwort sein auf das Gefühl der Fremdheit in einem Land, das denen, die es aufgenommen hat, die Würde nimmt?
Eine bittere, sehr persönliche Abrechnung und ein literarisch herausragendes Buch, das sprachlich und inhaltlich seinesgleichen sucht.
Ina Cassik empfiehlt:
Rückkehr nach Budapest von Kiss Nikoletta
Über die Liebe in Zeiten des Misstrauens
Eine dramatische Liebesgeschichte über drei Frauen, die denselben Mann lieben, eingebettet in die Wirren einer politisch turbulenten Zeit.
Ein großartiges Buch über die Liebe zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, über Poesie, politisches Engagement, Solidarität und Verrat zwischen Budapest, Berlin und Wien.
Fesselnd und mitreißend, große Empfehlung!
Robert Renk empfiehlt:
Es sind nur wir von Martin Peichl
Es sind nur wir
Nun endlich der neue Roman von Lesekanone Martin Peichl! Eine wunderbare Rückzugsgeschichte von zweien, die sich gefunden haben in einer Welt, in der man so schnell verloren geht. Genial verwoben mit einem „Wörterbuch der Verluste“. Nachdenklich, aber nie larmoyant, berührend und dennoch sehr witzig.
Real und fantastisch zugleich erzählt er von unserer Gesellschaft, von Natur und Zivilisation und nimmt „ebenso poetisch wie lapidar dem eiläufigen jede Beiläufigkeit“, wie Karin Peschka schreibt. Fuchsschlau!
Robert Renk empfiehlt:
Der längste Schlaf von Melanie Raabe
Der längste Schlaf
Insomnia, sprich Schlaflosigkeit, verfolgt die junge Wissenschaftlerin Mara Lux seit vielen Jahren. Gleichzeitig ist genau dies ihr Fachgebiet. Durch und durch rational ängstigt sie die Irrationalität der Träume, die bisweilen
auf unerklärliche Weise in die Wirklichkeit zu schwappen scheinen. Plötzlich wird ihr ein Haus in der deutschen Provinz vermacht.
Zuerst glaubt sie an einen Scherz – als sie das Haus besichtigt, muss sie feststellen, dass sie durch hre Träume mit diesem Ort auf seltsame Weise verbunden ist.
Robert Renk empfiehlt:
Grönemeyer von Lentz Michael
Grönemeyer
Eine erste umfassende Gesamtdarstellung zu Leben und Werk wird am besten von einem großen Schriftsteller und engen Freund geschrieben. Schön, dass Herbert Grönemeyer einen solchen Freund hat, und zwar Michael Lentz! Wie lassen sich die Wucht und Energie, auch das Tröstliche seiner Musik erklären? Auf der Grundlage zahlreicher Gespräche erzählt er von der Herkunft und Familie des Ausnahmekünstlers und beschreibt ein faszinierendes Leben im Zeichen von Musik und Literatur, Pop und Politik.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Die Villa der Architektin von Mazzucco Melania G.; Fleischanderl Karin
Die Villa der Architektin
Rom im 17. Jahrhundert. Dies ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, der berühmten Malerin und ersten Architektin Plautilla Bricci. Mit 13 Jahren malte sie ihre erste Auftragsarbeit „Madonna mit Kind“. Wirklich bekannt wurde sie durch den Bau 1663 in Trastevere der Villa Benedetta. Man bekommt einen starken Einblick über ihre Armut als Kind, dem Verhältnis zu ihrem Vater.
Ein sehr gelungener, recherchierter Roman über eine außergewöhnliche Zeit. Nicht nur für Architekturbegeisterte.
Robert Renk empfiehlt:
Als ich noch unsterblich war von Ransmayr Christoph
Als ich noch unsterblich war
Ein weiter großer Erzählband, der an Atlas eines ängstlichen Mannes (2017) anknüpft. Wieder ist es eine authentische und poetische Mischung zwischen autobiographischen (oder autofiktionalem, wie man heutzutage sagt) Texten und solchen, die von den Reisen Ransmayrs stammen, die er tlw. als Journalist gemacht hat, wie z.
B. die Entdeckungsreisen in den Transhimalaya, die Sahara oder zu den Bürgerkriegsschauplätzen Sri Lankas. Am persönlichsten ist die titelgebende Erzählung aus Ransmayrs Kindheit. Ganz groß!
Andrea Scheiber empfiehlt:
Die Schwarzgeherin von Regina Denk
Die Schwarzgeherin
Tirol, Ende des 19. Jahhunderts. Die 18-jährige Theres lebt in einem abgeschiedenen Dorf im hintersten Tal. Ihr Leben ist vorbestimmt, die Heirat schon von Kindestagen an fixiert. Als ein Fremder ins Dorf kommt, verliebt sie sich und wird schwanger. Von der Dorfgemeinschaft wird er vertrieben, so geht Theres in die Berge als Eremitin und lebt von nun an in Einsamkeit mit ihrer Tochter.
Ein eindrucksvoller Roman über zwei starke Frauen, hart und nadenlos. Absolute Leseempfehlung.











