Persönliche Lese- tipps
Melanie Winkler empfiehlt:
Wir schreiben unsere Namen in den Wind von Jodi Picoult
War Shakespeare eine Frau?
England, 17. Jahrhundert: Emilia Bassano möchte nicht nur schreiben, sondern wünscht sich auch, dass ihre Worte von der Welt gehört werden. Doch als Frau im Elisabethanischen England kann sie diesen Traum nicht verwirklichen. Es sei denn, sie findet einen Mann, der sich als Autor ihrer Werke ausgibt.
Sein Name ist William Shakespeare.
New York, 21. Jahrhundert: Eine junge Dramatikerin reicht bei einem Wettbewerb ein Stück über ihre Vorfahrin Emilia Bassano ein - unter männlichem Pseudonym, um der Misogynie in der Theaterwelt ein Schnippchen zu schlagen. Es beginnt ein Verwirrspiel falscher Identitäten, das ihr bald über den Kopf zu wachsen droht.
Ein bewegender wie fesselnder Roman über zwei Frauen, die getrieben werden von ihrem Wunsch von der Welt gehört zu werden. Emilia Bassano war eine Anomalie ihrer Zeit und wird in diesem Roman facettenreich und ergreifend zum Leben erweckt. Jodi Picoult ist und bleibt eine Meisterin der Erzählkunst!
Barbara Pritz empfiehlt:
Der Tote in der Crown Row von Sally Smith
Cozy Brit-Crime
London 1901: im traditionsreichen Juristen-Viertel „The Temple“ zwischen Fleet Street und der Themse gehen unerhörte Dinge vor sich. Lord Chief Justice Dunning wird eines Morgens ermordet aufgefunden – das hat es in der 600-jährigen Geschichte dieses „Staates in der Stadt“ noch nie gegeben.
Er ist in Abendgarderobe, aber, was fast noch skandalöser ist, ohne Socken und Schuhe. Da die Polizei keine Ermittlungsermächtigung hat, wird Barrister Sir Gabriel Ward beauftragt, Informationen einzuholen. Ward, zusätzlich auch noch mit einem Urheberrechtsfall um ein Kinderbuch mit mysteriöser Autorin beschäftigt, kommt dabei Geheimnissen auf die Spur, die vielleicht besser nicht aufgedeckt worden wären... spannend bis zum Schluss!
Lebensklug erzählt in einer typisch britischen Kombination aus Selbstironie und Understatement von der Juristin Sally Smith, die ihr Berufsleben im Temple verbrachte und auch heute noch dort wohnt – ganz so wie ihr Protagonist. Wärmstens zu empfehlen!
Melanie Winkler empfiehlt:
Nackt von Jennifer Weist
Stark und unverblümt
In ihrem Memoir „Nackt“ packt Jennifer Weist richtig aus und erzählt ganz offen und schonungslos von verschiedenen Erfahrungen, die sie geprägt und zu der Frau gemacht haben, die sie heute ist. Sie berichtet unter anderem über sexuelle Gewalt, Machtmissbrauch in der Musikbranche und Anfeindungen aufgrund ihrer politischen Überzeugungen, für die sie sich immer lautstark einsetzt.
Es gelingt ihr auch schwierige Themen einfühlsam und reflektiert zu schildern und damit vielleicht auch anderen Betroffenen Mut zu machen. Sie gewährt tiefe Einblicke in ihr Privatleben und ihren Weg zur Polyamorie, ihren Umgang mit Drogen und ihr Dasein als Künstlerin.
Jennifer Weist zeigt sich authentisch und nahbar; sie schafft ein Buch, das sich nicht nur für eingefleischte Fans der Band Jennifer Rostock oder der Solokünstlerin Yaenniver zu lesen lohnt, sondern für alle, die an aktuellen gesellschaftlichen Debatten interessiert sind und eine starke Frauenstimme hören wollen.
Ina Cassik empfiehlt:
Es werden schöne Tage kommen von Zach Williams
Kafka meets Twin Peaks
Zurecht mit Lobeshymnen überhäuft: Grandiose Short Stories über Amerika, das Unbehagen in der Gesellschaft und das Lebensgefühl unserer Zeit. So etwas hat man garantiert noch nie zuvor gelesen, brillant und absolut unvergleichlich!
im Shop ansehen weitere Empfehlungen von Ina CassikIna Cassik empfiehlt:
Drei Wochen im August von Nina Bußmann
Psychologische Abgründe vor idyllischem Hintergrund
Zwei Frauen fahren gemeinsam in ein Sommerhaus. Während die ausgedörrte Natur in Flammen steht, schleichen sich Misstrauen und Disharmonie in die Freundschaft ein. Als eine Tochter verschwindet, eskaliert die Situation.
Sehr atmosphärisch erzählt, toller psychologischer Spannungsroman!
Barbara Pritz empfiehlt:
Winston Churchill von Franziska Augstein
Keine Hagiografie!
Der ehemalige Hitler-Bewunderer Churchill warnte schon früh vor der Aggressivität Nazi-Deutschlands und stellte ab diesem Zeitpunkt ein Gegengewicht zur Appeasement-Politik von Chamberlain dar. Der Militarist Churchill beging im 1. und auch im 2.Weltkrieg nicht unerhebliche strategische Fehler, wodurch sein Ruf litt und er sich für einige Zeit in sein Landhaus zurückzog, um zu schreiben und zu malen.
Als Mitglied der aristokratischen Elite mit entsprechendem Klassenbewusstsein ausgestattet, zögerte er nicht, im Arbeitskampf walisischer Bergleute um bessere Löhne und Lebensbedingungen die Armee zu Hilfe zu holen. Der Renaissancemensch Churchill befürwortete zwar die Bombardierung ziviler Ziele in Deutschland während des Krieges, war aber gleichzeitig den Tränen nahe, als Dresden zerstört wurde. Und sein Interesse an technologischen Neuerungen ließ ihn nicht davor zurückschrecken, den Einsatz von Chemie- und Atomwaffen in Erwägung zu ziehen. Gleichzeitig galt er, der Anhänger des Kolonialismus, als Vordenker der EU und war beteiligt an der Umwandlung des britischen Empire in ein Commonwealth of Nations.
Man sieht: Die Liste der Licht- und Schattenseiten dieser widersprüchlichen Persönlichkeit ist lang.
Als kämpferischer (eher als als kampferprobter) Mensch war er in den Kriegsjahren mit seinen berühmten Reden zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um den Zusammenhalt und das Durchhaltevermögen seiner Landsleute zu befeuern.
Eine erhellende und hochgelobte Biografie des wohl berühmtesten Tories, der als Kind des kolonialen viktorianischen Zeitalters nie die Vorzüge des demokratischen Parlamentarismus in Frage stellte.
Barbara Pritz empfiehlt:
Die Kammer von Will Dean
Kammerspiel in 100 Meter Tiefe
Brooke ist Sättigungstaucherin. Gemeinsam mit 5 Kollegen ist sie 1 Monat lang in einer Druckkammer von den Ausmaßen eines Kleinbusses eingeschlossen, eine (noch kleinere) Taucherglocke wird täglich auf den Meeresboden der Nordsee abgesenkt und abwechselnd führen 2-Personen-Teams Reparaturarbeiten an Ölpipelines durch.
Als Brooke und ihr Tauchpartner von ihrem ersten Außeneinsatz in die Kammer zurückkehren, ist einer von den anderen mysteriöserweise ins Koma gefallen und die Kollegen sind damit beschäftigt, ihn wiederzubeleben. Vergeblich. Das Team steht unter Schock und sucht nach Erklärungen, die Reparaturarbeiten werden abgebrochen und der Druck in der Kammer ganz langsam wieder erhöht, die Dekompression soll 5 Tage dauern. Dann kommt es zu einem weiteren Todesfall und die Taucher beginnen nicht nur, sich gegenseitig zu belauern, sondern misstrauen auch zunehmend dem Security-Team außerhalb der Kammer, das eigentlich ihr Wohlergehen überwacht...
Sättigungstauchen gehört zu den gefährlichsten und am besten bezahlten Berufen, körperliche und mentale Fitness sind unerlässlich. Dieser realistische Technothriller fasziniert nicht nur mit überraschenden Twists, sondern auch mit interessanten Fakten aus der Welt der Berufstaucher.
Große Empfehlung!
Ina Cassik empfiehlt:
Wild wuchern von Katharina Köller
Beeindruckendes Debüt aus Österreich
Marie ist auf der Flucht und flüchtet zu ihrer Cousine Johanna auf die Alm. Zwei Cousinen mit diametral entgegengesetzten Lebensentwürfen: Natur vs. Zivilisation, selbstgenügsames Leben allein vs. Beziehung mit einem gewalttätigen Mann.
Von der ersten Seite an entwickelt das Buch einen Sog, der einen bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Ein äußerst spannendes Leseerlebnis!
Ina Cassik empfiehlt:
Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani
Ein literarisch herausragendes Buch über das Leben der zweiten Generation
Mit seinen gebildeten Eltern flieht Reza mit 10 Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Integration im Plattenbau bedeutet die Hinwendung zu Gewalt und Kriminalität. Kann Wut und Gewalt die Antwort sein auf das Gefühl der Fremdheit in einem Land, das denen, die es aufgenommen hat, die Würde nimmt?
Eine bittere, sehr persönliche Abrechnung und ein literarisch herausragendes Buch, das sprachlich und inhaltlich seinesgleichen sucht.
Ina Cassik empfiehlt:
Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss
Über die Liebe in Zeiten des Misstrauens
Eine dramatische Liebesgeschichte über drei Frauen, die denselben Mann lieben, eingebettet in die Wirren einer politisch turbulenten Zeit.
Ein großartiges Buch über die Liebe zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, über Poesie, politisches Engagement, Solidarität und Verrat zwischen Budapest, Berlin und Wien.
Fesselnd und mitreißend, große Empfehlung!











