Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Spiegelland von Rebekka Frank
Geschichten aus dem Moor
Der vierzehnjährige Elias fährt kurzerhand mit dem Rad ins Moor, wo seine Oma Catharina (Cato) lebt, denn in der Abgeschiedenheit will er sich verstecken, nachdem er sich völlig daneben benommen hat. Was er nicht weiß: nicht nur er hütet ein Geheimnis, auch die Großmutter könnte so einiges erzählen.
Ein wunderbarer Roman in drei großartig verwobenen Zeitebenen erwartet die Leser von Spiegelland, jede einzelne der 560 Seiten ist so fesselnd und absolut kurzweilig, dass ich das Buch an einem Tag regelrecht verschlungen habe. Aber von vorne: Elias flüchtet sich im Sommer 2025 zu seiner Großmutter, wodurch sich ein perfekter Rahmen für die anderen beiden Geschichten ergibt, nämlich jene von seiner Oma und seiner Mutter im Jahre 1999 und eine noch viel weiter zurückliegende Begebenheit, der Urbanisierung des Moores 1756. Nicht nur die historischen Fakten sind akribisch recherchiert und unaufdringlich in den Roman eingeflochten, auch andere - fiktive - Details fußen auf wahren Grundlagen, auf die im Nachwort hingewiesen wird. Abwechslungsreich geht es durch die unterschiedlichen Zeitabschnitte, welche - einem Leporello gleich - die jeweiligen Episoden geschickt und nahtlos miteinander verknüpft, sodass die Gemeinsamkeiten über die Jahrhunderte bestens verdeutlicht werden.
Mit ihrer eloquenten Ausdrucksweise überzeugt Rebekka Frank ebenso wie mit ihren überaus realitätsgetreuen Figuren, die man genau so auch im echten Leben antreffen könnte. Die angesprochenen Themen, vom notwendigen Schutz der Moore über Gewalt in der Familie bis hin zur Täter-Opfer-Umkehr, sind in allen drei Abschnitten gleichermaßen aktuell und zeigen größtenteils ohne moralisierenden Unterton, wie viel auch heute noch zu tun ist. Der Bogen spannt sich vom beschwerlichen Leben im Moor über eine toxische Ehe bis hin zu einer inakzeptablen Handlung eines Jugendlichen und verknüpft alles zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.
Nicht immer vergnüglich, dafür aber umso glaubwürdiger, präsentiert sich der neue Roman Spiegelland von Rebekka Frank und verdient, nicht zuletzt durch die vielen bildhaften Beschreibungen, eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
Rezensionen von Ruth:
Alma von Federica Manzon
Heimkehr nach Triest
Die Autorin Federica Manzon, 1981 in Pordenone, einem Ort zwischen Venedig und Triest, geboren, ist Schriftstellerin und Verlegerin. Für ihren fünften Roman „Alma“, der von der Kritik gefeiert wurde, erhielt sie namhafte Preise, u.a. den „Premio Campiello“. Es ist ihr erster Roman, der auf Deutsch veröffentlicht wurde.
„Geografie siegt immer über Geschichte“- dies ist ein zentraler Satz im Roman und Alma, die Protagonistin ist von seinem Wahrheitsgehalt überzeugt. Und so spielt die Stadt Triest, seine geopolitische Lage und seine Geschichte, eine wesentliche Rolle für die Figuren im Roman.
Die 53jährige Alma arbeitet seit Jahren schon als Journalistin in Rom. Nun zwingt sie das Erbe, das ihr Vater ihr hinterlassen hat, zurückzukehren in ihre Heimatstadt Triest. Drei Tage, während des orthodoxen Osterfestes, nimmt sie sich Zeit dafür. Drei Tage, in denen sie nochmals die Orte ihrer Kindheit und Jugend aufsucht, bevor sie sich mit Vili treffen wird. Ausgerechnet Vili, der Mann, den sie nie mehr sehen wollte, ist es, der ihr das Vermächtnis ihres Vaters übergeben soll.
Während Alma die Straßen der Stadt durchstreift, drängen sich ihr die Erinnerungen an früher auf.
Aufgewachsen ist sie in zwei Welten. Da die schöne Wohnung in der Platanenallee, in der ihre Großeltern leben. Hier fühlt sich Alma geborgen. Mit dem Großvater führt sie lange Gespräche, die Großmutter verwöhnt sie mit Sahnetorten und glitzernden Geschenken. Die beiden verkörpern ein Bildungsbürgertum in der alten Tradition des Habsburgerreiches.
Ganz anders in dem Häuschen auf dem Karst, nahe der Grenze. Hier herrscht eine schlampige Unordnung. Die Mutter hat wenig Zeit für ihre Tochter. Sie arbeitet in der „Stadt der Irren“, wo der Psychiater Franco Basaglia eine moderne Form der Psychiatrie geschaffen hat, mit offenen Türen und ohne Gewaltmaßnahmen. Das Verhältnis zur Mutter ist distanziert , das zum Vater sehr viel inniger. Auch wenn dieser oft tagelang über die Grenze verschwindet und wenig erzählt, was er dort macht. Dass er für Tito gearbeitet hat und dessen Reden schrieb, ist alles, was Alma später erfahren wird.
Als Alma elf Jahre alt ist, bringt ihr Vater eines Tages einen Jungen mit nach Hause. Vili ist der Sohn serbischer Intellektueller, die in Ungnade gefallen sind. Vili wird für Alma Bruder, Freund und Geliebter.
Nach Titos Tod ändert sich vieles. Der Vater bleibt von nun an daheim, aus dem Rastlosen wird ein Mann, der sich zurückzieht.
Alma wird Vili bis nach Belgrad folgen, wird die Gräuel des Krieges aus nächster Nähe erleben, bevor sich ihre Wege für Jahrzehnte trennen.
Im steten Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt Federica Manzon ihre Geschichte. Dabei bleibt sie ganz nah bei ihrer Hauptfigur, nimmt deren Perspektive ein, beschreibt deren Entwicklung vom Kind zur reifen Frau. Aber auch die anderen Charaktere bekommen Kontur, obgleich die beiden Männerfiguren, der Vater und Vili, lange schwer zu fassen sind. Erst am Ende werden sich für Alma und damit für den Lesenden die meisten Rätsel auflösen.
Sehr sinnlich und atmosphärisch werden die Kindheits- und Jugenderlebnisse geschildert, beklemmend dagegen die Kriegsszenen. Wenige in den Text eingestreute Schwarz- Weiß- Fotografien verleihen dem Geschriebenen zusätzliche Authentizität.
Allerdings macht es die Autorin dem Lesenden nicht einfach.
Verschwimmende Zeitebenen und manche nebulöse und sperrige Formulierungen erfordern volle Konzentration. Kenntnisse über die jugoslawische Geschichte und über den Balkankrieg sind zwar nicht Voraussetzung, aber hilfreich. Außerdem vermeidet die Autorin Jahreszahlen und oftmals klare Benennungen. Man weiß zwar, wer mit dem Marschall, der Stadt oder der Hauptstadt usw. gemeint ist, doch der Mehrwert dieses Kunstgriffes ist nicht erkennbar.
Ansonsten ist „Alma“ ein lesenswerter Roman, der die Themen Herkunft und Identität, Erinnerung und Geschichte auf facettenreiche Weise beleuchtet.
Rezensionen von ekiam:
Judiths kleine Farm, Band 3, von Judith Rakers
Ein spannendes Vorlesebuch rund um das Farmleben
Die Tiere auf Judiths Farm sind ganz aufgeregt: Fohlen Charlie darf zur Fohlenschau! Schon Wochen vorher übt Judith fleißig mit ihm, doch besonders das Traben will einfach nicht so recht gelingen.
Am großen Tag schmuggeln sich die beiden Katzenkinder Jack und Lotti heimlich in den Pferdeanhänger; schließlich sind sie viel zu neugierig, um dieses Ereignis zu verpassen.
Auf der Fohlenschau verfolgen sie begeistert Charlies Auftritt und seinen Erfolg. Doch vor lauter Abenteuerlust verpassen sie den richtigen Moment zur Rückkehr und Judith fährt ohne sie nach Hause. Ob Jack und Lotti den Weg zurück zur Farm wiederfinden?
Die Geschichte rund um Jack, Lotti und Charlie ist in altersgerechter, leicht verständlicher Sprache erzählt. Die niedlichen Illustrationen ergänzen die Handlung stimmungsvoll..
Das Buch eignet sich hervorragend zum Vorlesen, aber auch Leseanfängerinnen und Leseanfänger können hier erste eigene Leseerfahrungen sammeln. Zusätzlich bietet die Kosmos-Plus-App die Möglichkeit, sich das Buch vorlesen zu lassen. Das Konzept ist kindgerecht gestaltet: Zu Beginn benötigen Kinder noch etwas Unterstützung, später genügt es, Zahlen einzugeben, um die passenden Inhalte abzurufen.
Für Leserinnen und Leser, die die ersten beiden Bände noch nicht kennen, gibt es zu Beginn eine kurze Zusammenfassung sowie eine Vorstellung der wichtigsten Figuren.
Besonders schön sind die ergänzenden Erklärungen und kreativen Anregungen. So erfahren Kinder beispielsweise, wie ein Pferd richtig geputzt wird oder wie man mit Kartoffeln basteln kann.
Insgesamt eine warmherzige Geschichte, die Kindern auf spielerische Weise das Farmleben näherbringt.
Rezensionen von Sophie H.:
Theo und die Immerhelden von Ruth Katharina Breuer
Helden sind überall
Theo liebt seine beiden Helden Superman und Hulk über alles. Stundenlang spielt er jeden Tag mit ihnen. Eines Tages hat er den Begriff „Alltagshelden“ aufgeschnappt und fragt seine Mutter, was das sind. Als seine Mutter ihm erklärt, dass das Menschen sind, die sich immer um andere Menschen kümmern, fallen diese Alltagshelden Theo überall ins Auge.
Und zwar immer dort, wo Menschen nicht „Dienst nach Vorschrift“ machen: die Müllmänner, die warten, bis Papa die Tonne an die Straße gestellt hat, oder die Klofrau, die Theo auf Klo lässt, obwohl er kein Geld dabeihat. Theo tauft diese Menschen kurzerhand „Immerhelden“, weil sie immer da sind.
Ein wunderschönes Bilderbuch, das klar macht, dass wahre Helden keinen roten Umhang tragen und dass sie uns täglich in unserem Leben begegnen. Dieses Buch macht deutlich, was im Leben zählt: Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Das Buch richtet sich an Kinder an 4 Jahren und greift Situationen auf, die jedes Kind kennt. Dadurch bietet es zahlreiche Gelegenheiten für Gesprächsanlässe.
Sehr gut gefallen haben mir auch die tollen Illustrationen von Bernd Lehmann. Auf jeder Doppelseite kann man zusammen mit seinem Kind viel entdecken. Das gilt auch besonders für den Vorsatz. Von mir gibt es 5 Sterne!
Rezensionen von yellowdog:
Casino von Cihan Acar
Das Urteil der Eulen
Cihan Acar hat einen deutsch-türkischen Familienroman geschrieben.
Cumali Karagöz ist Geschäftsmann und Familienvater. Ein Mann mit Profil und Durchsetzungsvermögen. Er betreibt Spielhallen, ein etwas anrüchiges Gewerbe für viele. Doch Cumali ist reich dadurch geworden und wohnt in einer Villa.
Der Autor wechselt die Figuren mit jedem Kapitel. So bekommen auch Cumalis Frau Hannah und seine Tochter Zaha, sein Sohn Ediz und andere ihre Abschnitte. Der Roman zeichnet sich durch seine Unverkrampftheit aus. Das ist vielleicht auch der jugendlich wirkenden Art des Autors Cihan Acar geschuldet. Casino ist sein zweiter Roman. Ihm gelingt es, seine Szenen ansprechend zu gestalten.
Auffällig aber, das man die Figuren, insbesondere Cumali, mehr nur von Außen sieht. Das erzeugt Distanz. Zum Teil ist Cumali mir fremd geblieben, bei seinen Kindern war es nicht ganz so.
Der Roman bleibt für mich ein Stück weit gehobenes Mittelmaß, wenn auch mit vielen starken Passagen. Ich kann mir vorstellen, auch Cihan Acars ersten Roman Hawaii noch zu lesen.
Rezensionen von brauneye29:
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Ganz okay
Zum Inhalt:
Der zwölfjährige Gigio interessiert sich brennend für die Schachweltmeisterschaft und natürlich die olympischen Spiele in München. Doch als die dreizehnjährige Astel mit ihrer Mutter in die benachbarte Strandkabine zieht, ist plötzlich was ganz anders interessant. Doch dann wird der Vater von Astel ermordet und Gigios Vater soll die Verteidigung der unter Verdacht stehenden Ehefrau übernehmen.
Und in München ereignet sich der Anschlag auf die israelitische Mannschaft.
Meine Meinung:
In den siebziger Jahren war ich etwas jünger als die Protagonisten Gigio und Astel, kann mich aber noch sehr gut an so manches Ereignis oder auch die Musik der Zeit erinnern, das war ein bisschen wie nochmal in die Vergangenheit zu reisen. Das hat mir schon gefallen, dennoch hat mich das Buch nicht so richtig gefesselt. Warum das so war, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht weil es ein Buch ist, dass eher so vor sich hin plätschert ohne große Highlights. Zum Glück war das Buch aber gut geschrieben, so dass man das Buch leicht lesen konnte. insgesamt kein großes Highlight aber gut lesbar.
Fazit:
Ganz okay
Rezensionen von Pusteblümchen:
Alma von Federica Manzon
Alma und Vili
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Alma und Vili, die ihre Kindheit zur Zeit des Krieges in Jugoslawien gemeinsam in Triest verbracht haben. Alma hat später Triest verlassen und kehrt erst nach dem Tod ihres Vaters zurück.
Damit beginnt eine Suche nach der eigenen Identität, die Frage danach wie sehr unsere Herkunft uns prägt und beeinflusst.
Die Beschreibung von Almas Jugendjahren ist wunderschön zu lesen und hat in mir ein nostalgisches Gefühl hervorgerufen. Weniger schön sind die Grausamkeiten des Krieges, die mir sehr unter die Haut gegangen sind.
Das Buch erfordert einiges an Konzentration, da die zeitliche Abfolge nicht chronologisch erfolgt und es eine Menge zeitliche oder örtliche Sprünge gibt. Zunächst hat mich das verwirrt und ich habe dadurch ein wenig gebraucht, um in der Handlung anzukommen.
Dennoch lohnt sich das Lesen sehr, da anhand von Alma ein Stück Geschichte einfangen wird mit dem ich mich bisher noch nicht beschäftigt hatte.
Rezensionen von brauneye29:
Real Americans von Rachel Khong
Sehr interessant
Zum Inhalt:
Lily Chen lernt Silvester 1999 den charmanten Matthew kennen und krasser könnten die Welten nicht sein, aus denen sie stammen. Sie die Tochter chinesischer Einwanderer und unbezahlte Praktikantin in einem Medienunternehmen. Er, als Erbe eines Pharmaimperiums ist privilegiert. Sie verlieben sich und alles scheint möglich.
Jahre später lebt Lily mit ihrem Sohn Nick auf einer abgelegenen Insel. Ihm fehlt etwas und bei der Suche nach seinem Vater stößt er auf Geheimnisse.
Meine Meinung:
Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Buch so fesseln würde. Ein Familienroman, der sich über drei Generationen zieht, bietet natürlich eine Menge Möglichkeiten Ereignisse einzubauen und das ist hier wirklich gut gelungen. Es beginnt schon sehr schön, mit der Begegnung von Matthew und Lily und eigentlich hätte alles schön sein können, aber es kommt natürlich anders. Und auch die nachfolgende Generation hat mit den Geheimnissen zu kämpfen und es beeinflusst natürlich auch deren Leben. Auch die Sicht der Großmutter brachte nochmal neue Aspekte in die Geschichte. Ich hatte die Gelegenheit sowohl Buch als auch Hörbuch zu genießen und ich habe beide genossen, vielleicht sogar das Hörbuch noch ein bisschen mehr.
Fazit:
Sehr interessant
Rezensionen von yellowdog:
Die Liebe kommt immer zu spät von Karl-Markus Gauß
Drei Reisen
Karl-Markus Gauß ist gerade in Bezug auf Reiseberichten ein großer Essayist, da er es vermag, weit auszuholen und den Leser doch an den Text zu binden.
Die erste Reise führt in 2022 nach Slowenien. Aber eigentlich berichtet er hier viel von Persönlichkeiten der Vergangenheit, vor allen von denen mit einem feministischen Ansatz.
Das war interessant, mir vollkommen unbekannt.
Mehr drin im Buch war ich der zweiten Reise nach Bosnien. Dieser Text ist durchdrungen vom Werk und Wesen des Schriftstellers Dzevad Karahasan, der als Stimme Bosniens galt und der 2023 starb. Ich habe sein Tagebuch der Übersiedlung besonders bewundert. Gauß war mit Karahasan gut befreundet und konnte viel berichten. Daher war diese mittlere Reise für mich der Höhepunkt, wobei Gauß einige gute Beschreibungen der Umgebung hinzufügt. Gauß schreibt insgesamt so detailliert und genau, das es wirklich beeindruckend ist. Nur den letzten Teil des Buches empfand ich als etwas zu ausschweifend, aber das mindert nicht den guten Gesamteindruck.
Rezensionen von Karina :
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt von Dita Zipfel
Zwischen Mutterschaft und Kinderwunsch
Wow, was für eine rasante Geschichte. Mein Fazit vorweg: Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.
Ein Urlaub, zwei Paare und vier völlig unterschiedliche Charaktere - das ist von Beginn an perfekter Stoff für eine explosive Handlung. Da sind Eva und Felix: Er ist erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst, sie jung, schön und fruchtbar.
Dem gegenüber stehen Linn und Matze: Er ist freundlich, angepasst und Felix' bester Freund, sie unangepasst und unfruchtbar.
Linn steckt mitten in einer Kinderwunschbehandlung, und ich fand es großartig - und wichtig -, so eindrücklich zu erleben, wie belastend und fordernd dieser Prozess für Körper und Seele sein kann.
Während des gemeinsamen Urlaubs wird Linn ständig mit der jungen Zweifachmutter Eva konfrontiert und ist zugleich fasziniert von ihr. Als Evas perfekte Fassade zu bröckeln beginnt und eine überforderte junge Frau zum Vorschein kommt, die alles andere als makellos ist, entwickelt sich zwischen den beiden eine besondere Verbundenheit. Die Männer hingegen nehmen von den emotionalen Spannungen zwischen den Frauen kaum etwas wahr. Sie sind seit jeher beste Freunde, und jeder kennt seinen festen Platz in dieser Beziehung: Felix gibt den Ton an, Matze folgt. In einem Rückblick erfahren wir, dass sich dieses Machtgefüge einst einmal verschoben hatte - ein Aspekt, den ich sehr spannend fand. Insgesamt stehen die beiden Männer jedoch weniger im Mittelpunkt der Geschichte.
Der Roman lebt vor allem von Eva und Linn. Ich mochte beide Figuren sehr und hatte beim Lesen mehr als einmal einen Kloß im Hals. Die Themen Mutterschaft, gewollte und ungewollte Schwangerschaft sowie das Spannungsfeld zwischen "zu viel" und "zu wenig" Muttersein stehen im Zentrum - ungeschönte, ehrliche und berührend erzählt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.
'Es ist hell und draußen dreht sich die Welt' von Dita Zipfel hat mich wirklich überzeugt. Erwähnen möchte ich auch die Reinigungskraft der Anlage: An ihr zeigt sich eindrucksvoll der Unterschied zwischen bloßem Sich-wichtig-Machen und echter Macht - eine sehr gelungene Idee.
Mein einziger Kritikpunkt betrifft das Ende. Dort geschieht etwas, das ich bis heute nicht ganz einordnen kann; der Zusammenhang zur restlichen Geschichte blieb mir unklar. Trotzdem war der Roman zuvor so stark, dass ich ihn uneingeschränkt empfehlen möchte. Greift zu - es ist ein wirklich lesenswertes Buch.










