Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Wer wir geworden sind von Gabi Kreslehner
Starke Frauen
Die oberösterreichische Autorin Gabi Kreslehner entführt uns mit diesem Roman in eine 100-jährige Familiengeschichte, die von zwei Weltkriegen, Entbehrung, Glück und Verlusten, Weggehen und Nachhausekommen, geprägt ist. Und es sind die Frauen, die kleine, bäuerliche Welt am Laufen halten.
Wir begegnen zunächst Juli, die mit ihrem Mann August, Anfang des 20.
Jahrhunderts den Unterhof bewirtschaftet. Während am nahe gelegenen Oberhof, Susanna und ihr Mann Johann sich über eine Kinderschar freuen dürfen, bleibt dies Juli und August verwehrt. Nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Johann nicht und August versehrt nach Hause kommen, bringt Juli mit Anna ihr einziges Kind zur Welt. Dann muss Juli den Tod ihres Mannes verkraften, der im Wald von einem Baum erschlagen wird.
Knapp 20 Jahre später, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs heiratet Anna den Erben des Oberhofs Karl, wenige Tage bevor er an die Front muss. Während rundherum der Krieg tobt, bewirtschaften - wieder einmal - die zurückgebliebenen Frauen die Höfe. Von Karl fehlt jede Spur. Als er dann Jahre, als niemand mehr mit ihm gerechnet hat, völlig verändert aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, ist nichts mehr wie vorher.
Der nächste Zeitsprung führt uns nach Amerika zu Jahrtausendwende. Joanna findet ein vergilbtes Foto eines Kindes in den Sachen ihrer Mutter und stellt Fragen. Die Antworten lassen sich nach Österreich reisen.
Meine Meinung:
Dieser historische Roman beschreibt, hat mir sehr gut gefallen. Mit eindrucksvollen Worten, ohne kitschig zu sein, erzählt die Autorin die 100-jährige Geschichte einer Familie, in der starke Frauen die Hauptrolle spielen. Fast in jeder Generation wiederholen sich Schwangerschaften ohne zunächst oder überhaupt verheiratet zu sein.
Geschickt flicht Gabi Kresleher die historischen Ereignisse wie den Ersten und den Zweiten Weltkrieg sowie die Jahrtausendwende einfließen.
Die Charaktere, vor allem die weiblichen, sind sehr gut herausgearbeitet. Die jeweiligen Männer spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Fazit:
Jede dieser Frauen ist die Summe ihrer Erfahrungen. Gerne gebe ich diesem Roman 5 Sterne.
Rezensionen von ReiShimura:
Morbidly Yours von Ivy Fairbanks
Zwischen grünen Hügeln und rotem Gesicht – Wenn Spice die Story überlagert
Die Inhaltsangabe des Buches versprach so viele interessante Themen und eine grandiose Liebesgeschichte in einer atemberaubenden Kulisse. Ein schüchterner und unkonventioneller Held, eine starke Heldin eingebettet in die grünen Hügel Irlands. Zu meiner großen Enttäuschung musste ich allerdings feststellen, dass hier mehr Schein als Sein war.
Wobei ich dem Verlag zugutehalten muss, dass die Inhaltsangabe nicht komplett falsch lag, so etwas gibt es ja leider auch ab und an. Es waren alle angesprochenen Aspekte vorhanden, nur war ich mit der Umsetzung nicht besonders glücklich. Erste Befürchtungen, dass dieses Buch und ich keine Freunde werden hatte ich aber schon bevor ich überhaupt mit dem ersten Kapitel angefangen habe. Also alles andere als ein guter Start. Denn, bevor man in die Geschichte eintauchen darf, gibt es "Irisch / Gälisch Aussprache und Übersetzung". Ich habe mich gefreut, dass auch in der Sprache die Authentizität durchkommt und manche irischen Begriffe nicht übersetzt werden. Zu meinem großen Entsetzen musste ich dann aber feststellen, dass es sich bei den angeführten Wörtern fast ausschließlich um "dirty talk" handelt. Ein klares Zeichen für mich, dass der Anteil an intimen Szenen sehr hoch sein wird. Leider bin ich aber kein Fan von zu viel und vor allem von in die Geschichte unpassendem Spice.
Nach den ersten paar Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass ich mir unnötig Sorgen gemacht habe und ich in eine einfache Übersetzungsliste zu viel hineininterpretiert habe. Denn der Beginn war genau so wie ich es mir vorgestellt habe.
Mit Callum hat Autorin Ivy Fairbanks einen wirklich interessanten und teilweise unkonventionellen Charakter erschaffen. Mit seinem Beruf als Bestatter, seiner sozial Phobie und seinem Stottern hebt er sich deutlich von der Masse an Liebesroman-Helden ab. Optisch ist Callum natürlich trotzdem ein Hingucker und auch sein Charakter ist tadel- und makellos.
Bei Lark schaut die Sache hingegen ein wenig anders aus. Natürlich ist auch sie gutaussehend, aber ihren Charakter würde ich nicht als makellos bezeichnen. Viele ihrer Handlungsweisen kann ich nicht nachvollziehen und wirklich sympathisch wurde Lark mir bis zum Schluss auch nicht. Ich kann zwar verstehen, dass die ganze Situation für sie aufgrund ihrer Vergangenheit, auf die ich aufgrund von Spoilergefahr nicht näher eingehen möchte, nicht ganz einfach ist und sie sich in einer Zwickmühle befindet. Ihr Umgang mit Callum ist trotzdem mehr als fragwürdig und ich würde sie sogar als distanzlos, zudringlich und aufdringlich beschreiben.
Wie nicht anders zu erwarten, kam es dann auch irgendwann zu den ersten intimen Szenen. Ich lehne solche Szenen nicht kategorisch ab, habe aber große Ansprüche an die Art und Weise wie diese in die Geschichte eingebunden werden und an die Qualität der Beschreibungen. Leider hat mich Ivy Fairbanks in dieser Hinsicht enttäuscht. Zu Beginn dachte ich noch, dass sie die Kurve bekommen könnte, doch dann wurde die Anzahl immer höher, die Gelegenheiten immer unpassender und vor allem empfand ich es mit den Charakteren und deren Vergangenheit als unstimmig.
Bei diesem Buch bin ich erstmals sehr unsicher, was die Bewertung des Schreibstils betrifft. Denn ich kann hierbei schwer sagen, was wirklich Schwächen der Autorin sind und was auf eine mangelhafte Übersetzung hindeutet. Ich denke aber, dass es hierbei die Übersetzung ist, die mir so große Probleme gemacht hat.
Mein erster Impuls war, dieses Buch mit nur 2 von 5 Sternen zu bewerten. Da aber weder die Autorin noch der Verlag schuld an meiner Abneigung gegen übermäßigen Spice sind, gebe ich wohlmeinende 3 Sterne.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Deutschland im Ernstfall von Ferdinand Gehringer; Johannes Steger
Gut verständlich, spannend und aktuell
Spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 ist die Illusion des für immer garantierten Friedens in Mitteleuropa verloren gegangen. Nach Jahrzehnten der Abrüstung und der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht für Männer im Jahr 2011 geht es nun wieder in die Gegenrichtung: weitere Länder sind der NATO beigetreten, um besser vor russischer Aggression geschützt zu sein.
Europaweit wird aufgerüstet und sich auf verschiedene Bedrohungsszenarien vorbereitet.
Das Buch "Deutschland im Ernstfall" spielt verschiedene dieser Bedrohungsszenarien sehr realistisch durch. Fachlich fundiert und unterhaltsam und lebensnah erzählt, werden die wahrscheinlichsten Konsequenzen, Reaktionen der Regierung sowie mögliche Einschränkungen für die Zivilbevölkerung beschrieben. Dabei geht es etwa um den Fall, dass ein NATO-Bündnispartner Deutschlands militärisch angegriffen wird und Deutschland eine Beistandspflicht hat, genauso wie um Sabotageakte oder um Desinformationskampagnen.
Es wird beschrieben, welche Gesetze für solche Fälle in der Schublade bereitliegen und auf welche Weise diese aktiviert werden könnten, bis hin zum Notstand/Kriegsrecht im äußersten Notfall. Wie zivile Bedürfnisse den militärischen im Ernstfall weichen müssen und Straßen und Schienen vorrangig für das Militär eingesetzt werden können, insbesondere auf bestimmten Routen. Wie alle Bürger und Bürgerinnen verpflichtet werden können, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Fähigkeiten für die Landesverteidigung einzusetzen, wenngleich nach jetzigem Recht niemand zum direkten Dienst an der Waffe verpflichtet werden kann.
Es ist sehr interessant, das Buch zu lesen, um sich bewusst zu machen, auf welche Weise Deutschland auf verschiedenste Szenarien vorbereitet ist, aber auch, welche Szenarien als wahrscheinlicher oder als unwahrscheinlich angesehen werden. Ausländische Desinformationskampagnen auf den sozialen Medien sind zum Beispiel etwas, was auch heute schon stattfindet, während ein bewaffneter Angriff eines anderen Landes mit Bomben und Drohnen direkt auf bundesdeutsches Gebiet aus aktueller Sicht als unwahrscheinlich eingestuft wird.
Insgesamt ist es ein sehr interessantes und gut zugängliches, auch für Laien verständliches Sachbuch zu einem spannenden aktuellen Thema, das ich allen Interessierten nur empfehlen kann.
Rezensionen von clematis:
Das Flüstern der Marsch von Katja Keweritsch
Frostige Familie
Mona reist in die Marsch, da ihr Opa Karl seinen 80. Geburtstag feiert, aber, anders als sonst, steht nicht Oma Annemie in der Tür. Diese scheint spurlos verschwunden, dennoch misst Karl dieser Tatsache kaum Bedeutung bei. Die gesamte Familie bereitet die geplante Feier vor, so als wäre nichts geschehen.
Lediglich Mona begibt sich auf die Suche und dabei viele Jahre zurück.
Aus unterschiedlichen Blickwinkeln – bei Mona in der Ich-Form, bei anderen Personen aus neutraler Erzählersicht – wird diese bedrückende Geschichte erzählt. Zudem gibt es Handlungsstränge in unterschiedlichen Zeitebenen, die besonders am Anfang verwirrend sind, denn die Zusammenhänge sind hier noch unklar. Speziell Freyas Bericht lässt sich sehr lange nicht in die Abfolge der Geschehnisse einordnen und lässt mich über viele Kapitel hin unschlüssig zurück. So findet der Leser einzelne Fragmente einer verstörenden Familiengeschichte vor, die sich nur langsam zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen. Dies und die große Zahl an Figuren sind wohl der Grund dafür, dass man kaum einer Person richtig nahe kommt, so als würde der Roman selbst die frostige Familie und ihre mangelnde Eintracht widerspiegeln. Erst spät kommt die Wende und berührende Szenen lassen den Funken überspringen. Das fulminante Ende kann leider über den eher schwierigen Anfang nicht ganz hinwegtäuschen.
Vielerlei Gedanken zum Thema Frau flicht Katja Keweritsch in diesen Roman ein, spannt den Bogen von rechtlosen minderjährigen Müttern in den 1960er-Jahren über die Abhängigkeit vom Ehemann bis hin zur immer noch selbstverständlichen Doppelbelastung von berufstätigen Müttern in der heutigen Zeit. Auch den Einfluss früherer Generationen auf ihre Nachkommen arbeitet die Autorin geschickt heraus.
Ein ruhiger Roman wie die Marsch, in der er angesiedelt ist, der viel Hintergründiges transportiert. Die Emotionen sind anfangs kühl, ja frostig und brauchen ihre Zeit, um sich zu entfalten. Zum Nachdenken scheint das Marschland wohl bestens geeignet zu sein.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Italiener von Arturo Pérez-Reverte
Wow, was für eine Geschichte!
Wow, was für eine spannende Geschichte über die gefährlichen Einsätze von Kampftauchern im Zweiten Weltkrieg!
Ich habe ja schon viele Sachbücher und historische Romane zum Zweiten Weltkrieg gelesen und dabei unterschiedliche (politische) Perspektiven und verschiedene Waffengattungen kennengelernt.
Doch der, auf Tatsachen beruhende historische Roman rund um secondo capo Teseo Lombardo, einem Kampftaucher der italienischen Marine Regia Marina, der gemeinsam mit sottocapo Gennaro Squarcialupo auf dem, maiale (=Schwein) genannten, bemannten Torpedo SLC geritten ist, um im Hafen von Gibraltar feindliche (also unter britischer Flagge fahrende) Schiffe zu versenken, ist wohl eine besondere Geschichte.
Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen, jene in den Jahren 1942/43 auf der Halbinsel Gibraltar, die ja nach wie vor eine britische Enklave in Spanien ist, und Jahrzehnte später, als der Ich-Erzähler, ein Journalist auf diese Geschichte stößt und Gennaro Squarcialupo in seiner Heimat Neapel ausfindig macht und interviewt.
Gennà, wie er von Teseo genannt worden ist, erzählt, wie die beiden im Hafen von Gibraltar Sprengladungen an den Schiffen anbringen und wie der verletzte Teseo am sapnischen Strand von Algeciras von der jungen spanischen Witwe Elena Arbuès, die eine Buchhandlung führt, gefunden und gerettet worden ist. Statt ihn den Behörden auszuliefern, lässt sie ihn, ohne Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit, von den eigenen Kameraden abholen. Eine gefährlich Aktion, denn in Gibraltar wimmelt es nur so von Spionen und Doppelagenten.
Das muss Elena wenig später am eigenen Leib erfahren, als sie für Teseo, mit dem sich, zwischen seinen gefährlichen Einsätzen, eine zarte beinahe unmögliche Liebesbeziehung entspinnt, britische Schiffe im Hafen von Gibraltar lokalisiert, denn sie darf als Spanierin die Grenze überschreiten. Denn nicht nur die britische Marine verhaftet Spione, Doppelagenten und Saboteure, sondern auch die spanische Polizei, die mit Saboteuren allerdings gleich kurzen Prozess macht.
Meine Meinung:
Dieses höchst spannende Buch wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. So erfahren wir Elenas Geschichte, deren Familie vor Franco aus Spannien geflüchtet ist und deren Ehemann von den Briten getötet worden, sowie einiges über die italienischen Kampftaucher, die 1942/43 noch an der Seite Hitler-Deutschlands gegen die Alliierten kämpften, was dann später zu einer Spaltung der ohnehin sehr kleinen Truppe geführt hat. Die einen wie Teseo schließen sich den Alliierten an, andere wie Gennaro nehmen lieber Repressalien in Kauf. „Prinzipientreue gegen unehrenhaftes Verhalten.“ (S. 206). Doch auch die Briten wie zum Beispiel Kommissar Harry Compello kommen zu Wort.
Gleichzeitig bindet der Autor seine Recherchen zu diesem Stoff in die Geschichte ein. Wie er die kleine Buchhandlung Olterra in Venedig und damit Elena, Teseo und ihre Geschichte entdeckt hat. Und warum er aus dem Stoff lieber einen historischen Roman als einen Tatsachenbericht gemacht hat. So hat er Fakten, die er in Archiven recherchiert hat und einige Interviews mit Augenzeugen mit fiktiven Dialogen zu einem fesselnden historischen Roman verknüpft. Dennoch hätte ich diesen Teil des Romans lieber als Epilog gelesen, sowie mit der Erklärung was Fakt und was Fiktion ist, versehen.
Wie es für mich üblich ist, wenn mich ein Thema interessiert, beginne ich selbst zu recherchieren. Dabei bin ich auf den historischen Teseo, der mit Nachnamen Tesei hieß, gestoßen. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Weiterentwicklung des SLC, das wegen seiner schweren Lenkbarkeit „maiale“, also Schwein genannt wurde. Tesei kam am 26. Juli 1941 bei einem Einsatz vor La Valetta/Malta ums Leben. Er wurde 22 Jahre alt. Zu seinem Gedenken heißt eine Spezialeinheit der italienischen Marine auch heute noch COMSUBIN Comando Raggruppamento Subacquei e Incursori Teseo Tesei. Diese Truppe besteht aus Tauchern, Kampfschwimmern und Kommandotruppen. Ihre Basis ist der Marinehafen von La Spezia.
Im Museo storico navale in Venedig sowie im Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinciin Mailand sind maiali zu sehen. Beim nächsten Aufenthalt in Venedig und/oder Mailand stehen beide Museen auf dem Programm, versprochen.
Die Charaktere überzeugen durchwegs. Die Kampftaucher sind Spezialisten, nicht ganz ohne Angst oder Zweifel.
Gut gefällt mir, dass Bücher und Buchhandlungen in dieser Geschichte eine sehr große Rolle spielen.
Fazit:
Dieser historische Roman, der auf wahren Ereignissen beruht, hat mit sehr gut gefallen. Ich konnte ihn nicht aus der Hand legen. Wer etwas über ungewöhnliche Einsätze abseits von Panzerschlachten des Zweiten Weltkriegs lesen möchte, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Wolfstal von Alexander Oetker
Schatten der Vergangenheit
In diesem 9. Fall lässt Alexander Oetker seinen Commissaire Luc Verlain zusammen mit seinem Kollegen und Freund Gilen Etxberria aus Biarritz, der ihn um Unterstützung gerufen hat, wieder in den Pyrenäen ermitteln. Was ist passiert? Jacques, ein Schäfer, der den Bewohnern des malerischen Dorfes Espelette aus dem Weg geht, liegt brutal ermordet auf der Schafsweide.
Zu beider Überraschung ist Rose Schillinger, Verlains neue Mitarbeiterin, bereits vor Ort. Die Ermittler stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Über das Motiv kann nur gerätselt werden. Der Tote hat als Einzelgänger und Störenfried gegolten. Seine feindliche Haltung den Pilgern auf dem Jakobsweg gegenüber, inklusive Schüsse aus seiner Flinte, hat die Hoteliers erzürnt. Zudem glauben die Dorfbewohner zu wissen, dass Jacques die Wiederansiedlung von Wölfen fördert. Zwar hat bislang niemand das Raubtier gesehen, aber die Eigentümer der gerissenen Schafe und Ziegen
fordern von der Bürgermeisterin Maßnahmen gegen Wolf und Jacques.
Ungewöhnlich lange tappen Verlain und Etxberria im Dunkeln, zumal Rose Schillinger ein höchst seltsames Betragen an den Tag legt. Sie ist unhöflich, gleichzeitig wichtigtuerisch und verschwindet für Stunden, ohne sich abzumelden. Teamarbeit sieht anders aus. Insgeheim sind Verlain und Etxberria nicht unglücklich, die eigenbrötlerische Kollegin, die ihre eigene Suppe zu kochen scheint, nicht ständig um sich zu wissen.
Als dann die Einvernahme eines Zeugen eskaliert und Luc Verlain einen Blick in ihre Personalakte wirft, eröffnet sich ein neue Spur.
Meine Meinung:
Diesmal dauert es für meinen Geschmack ein wenig länger bis der Kriminalfall so richtig in Gang kommt. Zunächst werden einmal Land und Leute vorgestellt. Zugegeben, die Pyrenäen sind ein spannender Schauplatz. Immerhin haben sie in der Vergangenheit immer wieder eine große Rolle gespielt und die rauen wie kargen Berge haben einen ebensolchen Menschentyp geformt, die sich gerne gegen die Obrigkeit, egal ob Frankreich oder Spanien, auflehnt.
Geschickt drapiert Alexander Oetker seinen Krimi rund um das Thema Wolf, das jede Menge Konflikte birgt, weshalb man einige Zeit auf der buchstäblich falschen Fährte ist.
Das ungewöhnlich ruppige Auftreten von Rose Schillinger, einer Elsässerin, die wie ein Wanderpokal durch Polizeidienststellen in mehreren Départements weiter gereicht worden ist, hat recht schnell eine Hypothese bei mir aufkommen lassen.
Gut gefallen hat mir der für mich viel zu kurze Exkurs in die Vergangenheit des Baskenlandes. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Infos erhofft, zumal mit Gilen Etxberria ein Betroffener im Spiel ist. Nun, immerhin hat Alexander Oetker im Nachwort einiges erklärt.
Wie immer ist auch dieser 9. Fall eine gelungene Mischung zwischen Krimi, kulinarischer Reise und Tourismusführer. Der Autor stellt die kommerziell ausgereizte Pilgerreise des Jakobswegs ein wenig an den Pranger. Haben im Jahr 1970 ganze 68 Pilger die Reise zu Fuß zurückgelegt, so sind es im Jahr 2024 knapp 500.000 Personen, die weniger zu Fuß gehen, sondern sich der üblichen Verkehrsmittel bedienen. Statt einfacher Herbergen und Speisen müssen es nun Wellnesstempel und Gourmetrestaurants sein. Zwar klingeln die Kassen der Gemeinden entlang des Pilgerwegs, der ursprüngliche Zweck, innere Einkehr zu halten, ist im Laufe der Jahre verloren gegangen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, der die Vergangenheit des Baskenlandes aufgreift, 5 Sterne.
Rezensionen von clematis:
Wolfstal von Alexander Oetker
Der Schäfer
Ein einsamer, zurückgezogen lebender Schäfer wird im Baskenland tot aufgefunden, Mord steht zweifelsfrei fest. Nach kurzer Zeit der Ermittlungen wissen Luc Verlain und sein Kollege Gilen Etxeberria, dass der Einzelgänger viele Feinde gehabt hat.
Wunderschöne Ausschnitte aus dem Jakobsweg, verführerisch duftende Speisen und ein verwirrender Mordfall, aus diesen Zutaten zaubert Alexander Oetker einen atmosphärischen, spannenden Kriminalfall, den neunten für unseren souveränen Kommissar Verlain.
Auch diesmal wird man beim Lesen belohnt mit einem großartigen Potpourri an regionalen Eindrücken, spürt die Leidenschaft des Autors für Land und Leute, welche auch in diesen Band wieder auf überaus gelungene Weise einfließt. Ein Schafhirte, der mit seinem Gewehr die Pilger einschüchtert und eine sonderbare Kollegin an Lucs Seite wecken sofort meine Neugierde an den Ermittlungen zum Tathergang, welche sich als viel komplizierter herausstellen als anfangs angenommen. Es bleibt also durchgehend hochspannend, das Ende ist exzellent und lässt auf eine baldige Fortsetzung hoffen.
Alexander Oetker bleibt seiner Linie treu und verknüpft Lucs Ermittlungen mit so viel Flair, dass die Beschreibungen in schillernden Farben jeden Reiseführer in den Schatten stellen. Auch den neunten Fall mit Verlain habe ich mit großem Vergnügen genossen.
Rezensionen von Lilli33:
Man sieht nur mit der Schnauze gut von Bernhard Aichner
Ganz amüsant, wenn man Hunde mag
Ganz amüsant, wenn man Hunde mag
Inhalt:
Aspro liebt es zu apportieren. Doch einmal geht es so richtig granatenmäßig schief und sein Herrchen ist nicht mehr …
Eine nette Polizistin nimmt sich des Mischlingshundes an und ihn in ihre Familie auf, die bald um ein Baby erweitert wird. Auch ohne Abschluss der Polizeihundeschule mausert sich Aspro zum besten Polizeihund aller Zeiten.
Meine Meinung:
Mit einem Augenzwinkern beschreibt Bernhard Aichner, der durch viele Thriller berühmt ist, den Alltag des gewitzten Hundes. In kurzen Kapiteln gelingt es Aspro immer wieder, Diebe zu entlarven, Drogen aufzuspüren oder einen Menschen vor dem Tod zu retten. Es gibt praktisch nichts, was der verfressene und immer müde Aspro (typisch Hund eben ;-)) nicht kann.
Es macht viel Spaß, von seinen Abenteuern zu lesen und die Welt aus der Sicht eines Hundes zu erleben. Das Büchlein kann gut unterhalten und gerade als Hundehalter*in wird man viele von Aspros Eigenarten auch bei dem eigenen Hund wiederfinden. Vielleicht kann man dadurch so manches Ärgernis zukünftig mit einem Schmunzeln betrachten. ;-)
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Das Flüstern der Marsch von Katja Keweritsch
Schwarze Schatten der Vergangenheit
Dieser Roman über eine höchst seltsame Familie ist fesselnd bis zur letzten Seite!
Wenige Tage vor der Feier zum 80. Geburtstag ihres Großvaters Karl trifft Mona in der Marsch ein und muss feststellen, dass Großmutter Annemie verschwunden ist. Karl scheint das Verschwinden seiner Frau nicht wesentlich zu tangieren.
Wortkarg wie eh und je, maßregelt er Mona, die sich sowohl um ihn als auch um Annemie sorgt. Nur mit Widerwillen lässt er Mona in sein Haus, in dem sie ihre Sommerferien verbracht hat, einziehen. Auch der Rest der Familie, also Monas Mutter Sabine, die nur sehr selten in Deutschland ist, oder Sabines Zwillingsbrüder Sven und Stefan, wollen dem Verschwinden ihre Mutter nachgehen. Ja, man schaltet halbherzig die Polizei ein, ruft Krankenhäuser und die eine oder andere Bekannte, denn wirkliche Freundinnen von Annemie sind nicht bekannt, an. Irgendwie ist allen das Schicksal Annemies egal.
Nur Mona stochert weiter in Omas Leben. Ein vergilbtes Säuglingsfoto in Omas Geldbörse, das weder Sabine oder einen der Zwillige zeigt, gibt einen ersten Hinweis auf ein unbekanntes Familiengeheimnis, zumal es plötzlich wieder verschwunden ist.
Erst als Mona gemeinsam mit Jon, dem Freund aus Kindheitstagen aufmacht, Annemie zu suchen, kommt Bewegung in die Sache. Dabei hat Mona eigentlich mit sich selbst genug zu tun.
Bei der Geburtstagsfeier, die trotz des Fehlens von Annemie stattfindet, kommt es dann zum Eklat.
Meine Meinung:
Autorin Katja Keweritsch zeichnet hier ein Bild einer dysfunktionalen Familie, die man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünschen würde, aber immer wieder doch vorkommt. Alles dreht sich um die Doppelmoral und um die Angst vor Gerede im kleinen Dorf in der Marsch, wo man sich ganz genau beobachtet und zu kennen glaubt. Doch kennt man seine Nachbarn wirklich? Oder sieht man nur das, was man sehen will? Das, was in das eigene Weltbild passt?
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. So kommen neben Mona und ihre Tante Janne, auch Großmutter Annemie zu Wort. Einen weiteren Handlungsstrang mit Freya und Ayko, kann man zunächst nicht ganz einordnen.
Von Kapitel zu Kapitel steigert sich mein Zorn auf Karl und Stefan, die beide ihre Frauen misshandeln, der ein physisch und der andere psychisch. Während Janne, Stefans Frau, sich mit drei Kindern und dem Haushalt (beides will sie perfekt hinkriegen) abstrudelt, geht Stefan zur Herrenrunde, ins Fitness-Studio oder zu Feuerwehrübungen. Es ist ja sein gutes Recht - er bringt das Geld nach Hause, oder?. Kindergeschrei gehört in die Hemisphäre der Frau, weshalb er mit Ohrstöpseln schläft, um von der zahnenden Jüngsten nicht geweckt zu werden. Nicht einmal als Janne völlig zusammenbricht und in die Klinik muss, kümmert er sich um den Nachwuchs. Da springen Jannes Eltern ein.
Die Auflösung ist so tragisch wie komplex. Erst als Sabine ihr Schweigen bricht, scheint es die Möglichkeit zu geben, diese Familientraumata, die von Tochter zu Tochter weitergegeben worden sind, zu durchbrechen.
Unheimlich sind die Zitate aus Johanna Haares Buch der Kindererziehung aus der NS-Zeit. Dass dieses Buch bis 1987 (!) im Buchhandel erhältlich war, erschüttert noch einmal extra.
Fazit:
Schon lange keinen Roman über so eine dysfunktionale Familie gelesen, der mich so berührt und gleichzeitig wütend gemacht hat. Gerne bewerte ich dieses Buch mit 5 Sternen.
Rezensionen von Cellissima:
Thea Magica, Band 1 - Das Geheimnis von Port Mint von Vivien Verley
Magischer Tee
"Thea Magica - Das Geheimnis von Port Mint" ist der erste Band einer Dilogie aus der Feder von Vivien Verley. Die Illustrationen stammen von Caroline Garcia.
Es ist schon optisch ein wunderschönes Buch, und das Innere steht dem in nichts nach - wirklich jede einzelne Seite ist schön eingerahmt und illustriert.
So viel Liebe zum Detail habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch bei keinem anderen Buch gesehen. Doch zum Inhalt:
Robin muss mit ihrer Mutter zu ihrer Großmutter nach Port Mint ziehen. Sie möchte das nicht und kann es auch zunächst nicht verstehen, doch es dient ihrem Schutz, denn Robin verfügt wie andere Familienmitglieder über eine besondere Kraft. -In Robins Fall darf jedoch niemand davon erfahren, da es sich um eine sehr mächtige und gefährliche Kraft handelt, die man bekämpfen will.
Ausgerechnet ihr größter Feind weiß schnell um Robins Kraft und setzt alles daran, Robin diese Kraft zu nehmen. Werden Robin und ihre Freunde ihrem Feind zuvorkommen und ihn besiegen können?
Das Buch eignet sich sowohl zum Vorlesen als auch zum Selbstlesen, die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang, so dass die Kinder sie auch abends vor dem Schlafengehen lesen können, was uns sehr gut gefallen hat.
Vivien Verleys Stil lässt sich angenehm und flüssig lesen. Die Geschichte überzeugt sowohl durch die Figuren als auch durch die Handlung, es gibt keinerlei Längen, dafür viel Atmosphäre, Freundschaft, Familie, Magie, Spannung und Gefahr. Empfohlen wird das Buch für LeserInnen ab 10 Jahren. Vivien Verley schafft es sehr gut, den Geschmack der Zielgruppe zu treffen.
Vor allem der Cliffhanger am Ende macht viel Lust auf den zweiten Band, der im Februar 2026 erscheinen wird. Eine Leseprobe zu der Fortsetzung ist ebenfalls enthalten.
Uns hat vor allem die Teemagie gefallen und dieses Buch so lesenswert gemacht, da die Geschichte ihre Atmosphäre und Magie und Sogwirkung größtenteils dieser Idee verdankt. Es ist eine neue, erfrischend andere Idee, durch die sich diese Dilogie von zahlreichen anderen Büchern in diesem Bereich abheben kann.
Definitiv ein schönes und lesenswertes Kinderbuch!









