Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Julia:
Eine falsche Lüge - Wird es ihre letzte sein? von Sophie Stava
Teilweise zu vorhersehbar
Bei diesem Buch bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits hat es mich gut unterhalten und durchaus Spannung aufgebaut, andererseits waren viele Handlungen für mich stark vorhersehbar.
Sloane ist eine notorische Lügnerin, und die erste Hälfte der Geschichte wird aus ihrer Perspektive erzählt. Als Charakter konnte sie bei mir leider keine Sympathiepunkte sammeln.
Zwar lügt sie viel, um gemocht zu werden, und man könnte vielleicht etwas Mitleid mit ihr haben, doch gleichzeitig wirkt sie oft sehr ichbezogen – als würde sich die ganze Welt und jede Handlung anderer nur um sie drehen. Mit der Zeit fand ich es zunehmend anstrengend, ihr zu folgen. Umso erleichterter war ich, als es zu einem Perspektivwechsel hin zu Violet kam.
Doch auch hier war vieles für mich schnell vorhersehbar, und einige Passagen erinnerten mich stark an einen anderen, sehr gehypten Thriller. Violet war mir zwar nicht ganz so unsympathisch wie Sloane, aber auch mit ihr bin ich nicht wirklich warm geworden. Ihre Beweggründe konnte ich zwar teilweise nachvollziehen, aber nicht vollständig verstehen – vor allem, da es aus meiner Sicht auch viele andere, vernünftigere Wege gegeben hätte, zumal sie sich ohnehin viel Zeit für ihren Plan genommen hat.
Als einziger sympathischer (Neben-)Charakter ist mir Harper in Erinnerung geblieben – die Tochter von Jay und Violet und wohl tatsächlich die einzige unschuldige Person in der gesamten Handlung.
Das Ende bot dann doch noch ein paar unerwartete Wendungen, die gut und logisch aufgeklärt wurden. Allerdings wirkten einige Entwicklungen etwas zu zufällig.
Insgesamt ist die Geschichte nicht schlecht. Sie bietet Spannung und – wenn man sich darauf einlässt – auch die ein oder andere überraschende Wendung. Vielleicht ist die Handlung für andere Leser*innen auch gar nicht so vorhersehbar, wie sie es für mich war. Man macht mit dem Buch sicher nichts falsch und hat ein paar unterhaltsame Lesestunden. Als absolutes Must-read würde ich es jedoch nicht bezeichnen.
Rezensionen von Julia:
Die Geschichtensammlerin von Evie Woods
Glaubst du an Feen?
Der Klappentext dieses Buches kann gar nicht gut genug zusammenfassen, was in dieser Geschichte alles drin steckt. Sarah reist ganz spontan und ohne richtigen Plan nach Irland. In der Nähe ihres Cottages findet sie ein Tagebuch von Anna, die 100 Jahre vor ihr in diesem Cottage gelebt hat.
Wir begleiten in diesem Buch beide Frauen bei ihren ganz persönlichen Reisen.
Während Sarah mit den Geistern ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, begleiten wir Anna beim Erwachsen werden. Und dabei, wie sie einem Amerikaner hilft, die Geschichten rund um die Feen in der Region kennenzulernen.
Der Schreibstil ist wirklich fantastisch und sehr ruhig. Ich bin nur so über die Seiten geflogen und habe mich in den Weiten Irlands verloren. Der Zauber und Glaube rund um die Feen der keltischen Länder wurde in dieser Geschichte sehr gut festgehalten. Die Charaktere sind super ausgearbeitet und obwohl sie eigentlich nichts verbindet, außer dem Cottage, in dem sie leben, passen die beiden Handlungsstränge sehr gut zusammen. Anna ist von Anfang an direkt sympathisch, man kann sie einfach nur ins Herz schließen. Und bei Sarah merkt man, dass sie mit Dingen zu kämpfen hat, die nicht von vornherein klar sind, und so braucht man ein wenig, um mit ihr warm zu werden.
Für mich war es das erste Buch von Evie Woods, aber definitiv nicht das letzte. Eine wunderbare Geschichte, um die Realität hinter sich zu lassen und einfach mal ein wenig abzuschalten.
Rezensionen von Julia:
Deckname: Bird von Louise Doughty
Geheimagentin auf der Flucht
Ich liebe Thriller und muss bei diesem Buch sagen, dass es zwar durchaus an einigen Stellen spannend war, aber definitiv nicht in dieses Genre gehört. Die Geheimagentin Bird ist auf der Flucht, wieso genau, das weiß man nicht. Erst nach und nach wird aufgedeckt, wieso Bird überhaupt auf der Flucht ist.
Dabei ist das Buch in drei Teile unterteilt: die Gegenwart (und Flucht) - Die Vergangenheit - und wieder die Gegenwart. Die Zeitsprünge zwischen den Kapitel sind teilweise aber nicht ganz so gut gemacht.
Die Vergangenheit war ein teils sehr interessanter Abschnitt. Allerdings hatte ich die Hoffnung, dass die Geschehnisse etwas mehr mit dem Grund zusammenhängen, wieso sie auf der Flucht ist. Letztendlich waren sie eher die Erzählung des Karriereweges von Bird. Und klar, immer mal wieder gab es Zusammenhänge mit der Flucht, die waren für die Geschichte in meinen Augen aber auch nicht zwingend ausschlaggebend. Einige Male habe ich die Zusammenhänge auch gar nicht direkt erkannt, bis dann doch irgendwann der Aha-Moment kam.
Das Buch ist per se nicht schlecht, der Schreibstil ist sehr angenehm und es ist auch Spannung in der Geschichte. Aber irgendwie hat es bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Ende ist vage und hat mich nicht wirklich zufrieden gestellt. Hätte man den mittleren Teil etwas gekürzt und dafür am Ende mehr Story eingebaut, dann hätte es durchaus auch Potential für einen richtig guten Thriller. Einzig das Nachwort gibt in meinen Augen eine Option darauf, wie die Geschichte wohl enden könnte, aber auch das ist doch etwas weit hergeholt.
Rezensionen von Shilo:
Die verschwundenen Jahre von Astrid Töpfner
Bewegende Familiengeschichte mit historischem Tiefgang
Schon das frische Cover hat mich gleich angesprochen – es ist eines dieser Bücher, die man neugierig in die Hand nimmt und beim Lesen des Klappentextes spürt: Das könnte etwas Besonderes werden. Und genauso war es.
"Die verschwundenen Jahre" hat mich von der ersten Seite an berührt und gefesselt.
Die Geschichte von Clara, Daniel und Alejandro entfaltet sich in einer Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit und führt mitten hinein in die Zeit des Putsches und des spanischen Bürgerkriegs – ein Kapitel Geschichte, das mir zuvor kaum vertraut war. Gerade dieser Einblick hat die Lektüre für mich spannend und lehrreich gemacht, ohne dass es je trocken wirkte.
Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig Astrid Töpfner Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft. Nach und nach kommen Geheimnisse ans Licht, die Verbindungen zwischen den Figuren offenbaren und einen Sog entfalten, dem man sich kaum entziehen kann. Die Charaktere wirkten auf mich lebendig, echt und vielschichtig. Vor allem Claras Schicksal ging mir sehr nahe – sie blieb mir auch nach dem Zuklappen des Buches lange im Kopf.
Der Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch dicht und gleichzeitig bildgewaltig. Es gibt Passagen, die so intensiv beschrieben sind, dass ich das Gefühl hatte, mitten in den Szenen zu stehen. Dazu kommt die spürbar gründliche Recherche, die den historischen Rahmen greifbar und glaubwürdig macht, ohne die emotionale Seite der Erzählung zu überlagern.
Alles in allem ist es ein Roman, der mich tief bewegt hat. Er vereint eine packende Handlung mit starken Figuren und historischem Hintergrund. Ich empfehle das Buch allen, die sich für bewegende Familiensagas interessieren, die unter die Haut gehen und dabei auch noch ein Stück Geschichte lebendig werden lassen. 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.
Rezensionen von Skanus:
Das glückliche Leben von David Foenkinos
Deckel drauf und zu
Diese sehr erzählerisch angelegte Geschichte erweckt nach Lektüre des Klappentextes einen anderen Eindruck, als den, den man abschließend gewinnt.
Das lebensverändernde Ereignis der Fake Beerdigung wird als Event nicht geschildert. Das ist enttäuschend und macht die weitere Lektüre zu einer Pflichtlektüre, weil der Leser doch wissen möchte, wie die Story zur Auflösung kommt.
Die losen Fäden finden nach und nach zu einem Gewebe zusammen und trotzdem ist das Ende eher mau. Als geneigte Leserin habe ich eine gefühlsmäßige Tiefe vermisst. Es ist mir nicht gelungen nachzuvollziehen, in wie fern der Aufenthalt in einem geschlossenen Sarg dem Leben eine positive Wendung geben soll. Es wir lediglich behauptet, dass dem so sei. Die teilweise dürren Gefühlsbekundungen brachten mich nicht näher an das Geschehen heran.
Ich hätte mich gefreut zu lesen, wie die Menschen nach so einer Erfahrung ticken, welche inneren Gefühlswelten sich ihnen erschlossen haben und was das auf ihrem weiteren Lebensweg für ihren Umgang mit dem Tod bedeutet.
In diesem Roman finden wir einen bilderbuchmäßigen Plotverlauf: eingefahrener Alltag, einschneidendes Ereignis, Bruch, Neubeginn, Erfolg. Die Szenen wirken zum Teil wie abgehakt, die emotionale Tiefe fehlt.
Bei mir blieb ein Gefühl der Oberflächlichkeit zurück. Eine coole Idee für einen Plot, aber eine etwas dürre Umsetzung. Das Besondere an einer Fake Beerdigung kommt nicht heraus. Mir fehlt die emotionale Tiefe, die gerade mit der Auseinandersetzung der eigenen Sterblichkeit doch im Übermaß vorhanden ist. Hier wird an der Oberfläche gekratzt. Mehr nicht.
Rezensionen von Gernot Pirolt:
Die Insel der magischen Wächter – Der große Test von Christina Soontornvat
klasse
Rezensionen von Marw76:
Die Dolmetscherin von Titus Müller
Geschichte wird lebendig
Cover: das Cover passt sehr gut zu diesem historischen Roman, man sieht schnell um welches Genre es sich hierbei handelt und die Trümmer der Stadt Nürnberg passen im Hintergrund natürlich wunderbar dazu. Auch die beiden Charaktere im Vordergrund passen zur Beschreibung der Protagonisten im Buch.
Inhalt: Asta arbeitet als Dolmetscherin im Kurhotel »Palace« in Mondorf-les-Bains, wo die US-Armee gefangengenommene Nazi-Größen interniert.
Am 20. Mai 1945 reist ein neuer Gast an. Er bringt 16 Koffer, eine rote Hutschachtel und seinen Kammerdiener mit. Es ist Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Hitlers designierter Nachfolger. Asta übersetzt bei den Verhören, reist dann mit nach Nürnberg zu den Prozessen und wird jeden Tag im Gerichtssaal anwesend sein, die abscheulichsten Dinge zu hören bekommen und sie zudem ins Englische übertragen müssen. Umso empfänglicher ist sie für Leonhard, ein junger, sensibler Mann, der ihr sanft den Hof macht. Doch seine Vergangenheit ist undurchsichtig und er stellt verdächtig viele Fragen zu den Prozessen ...
Meine Meinung: Ich lese immer wieder sehr gerne historische Romane, die mich in eine vergangene Zeit führen und gleichzeitig etwas dazulernen lassen. Deshalb war ich auf dieses Buch sehr gespannt. Und ich wurde mehr als gut davon unterhalten, denn hier wurde Geschichte richtig lebendig! Mich hat das Buch aber auch immer wieder sehr zum Nachdenken gebracht und ich konnte es nicht mehr zur Seite legen. In die Geschichte habe ich ohne Probleme hineingefunden. Der Schreibstil ist einfach nur toll! Er ist locker-leicht, schön bildlich und es ist ein schöner Lesefluss gegeben, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Überhaupt habe ich das Buch regelrecht verschlungen, da ich so von der Handlung mitgerissen wurde, dass ich es nicht mehr zur Seite legen konnte. Die beiden Protagonisten Asta und Leo wurden authentisch beschrieben und haben die meiste Zeit nachvollziehbar aggiert. Direkte Sympathieträger waren sie für mich beide nicht, sie haben ihre Geheimnisse und leben einfach in einer Zeit, die die Menschen hart gemacht hat und mit einigen Gedanken und Sätzen konnte ich mich deshalb auch schwer identifizieren. Beide Charaktere kommen deshalb aber auch sehr lebendig und für ihre Zeit menschlich und manchmal auch hart rüber. Dafür fand ich den Nebencharakter Robert wirklich toll und er ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen! Die Geschichte blieb die ganze Zeit unterhaltsam, lehrreich und spannend. Ich habe sehr viel neues über die Nürnberger Prozesse und über Hermann Göring dazulernen dürfen, ebenso wie über die Arbeit der damaligen Dolmetscher. Geschichte wird in diesem Buch wirklich lebendig und das Buch macht in vielerlei Hinsicht auch wirklich nachdenklich. Was war letzlich das wichtige am Prozess selbst und warum waren die Alliierten oft in einer Zwickmühle. Das Buch war unglaublich interessant und fesselnd bis zum Schluss. Vor allem gegen Ende wird noch einmal mächtig die Spannungsschraube nach oben gedreht und als Leser fiebert man regelrecht bis zur letzten Seite mit. Auch das Nachwort indem nochmal alle historischen Fakten aufgeklärt werden fand ich sehr aufschlussreich und interessant. Ein absolut tolles Buch und den Autor werde ich mir auf jeden Fall merken! Von mir erhält der Roman ganz klar 5 von 5 Sternen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Mein Name ist Emilia del Valle von Isabel Allende
Hat mich leider nicht überzeugt
Wie alle Bücher von Isabel Allende ist auch dieser Roman sprachlich ein Hochgenuss, was auch an der Übersetzung liegt.
Der Inhalt hingegen hat mich ein wenig zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits erfahre ich einiges über die Geschichte Chiles, die mir nicht so geläufig ist, andererseits finde ich die Protagonistin Emilia del Valle viel zu modern, da ihre Geschichte Ende des 19.
Jahrhunderts spielt.
Trotz der Erzählung in der Ich-Perspektive bin ich Emilia del Valle nicht wirklich nahe gekommen, schade.
Fazit:
Leider konnte mich diese Geschichte einer Frau, die ihren Weg sucht und findet, nicht richtig überzeugen. Daher gibt es nur 3 Sterne.
Rezensionen von ReiShimura:
Falling Like Leaves von Misty Wilson
Ein Buch wie eine Kuscheldecke – nur schwer wieder loszulassen
Es gibt Bücher, in die taucht man nicht einfach nur ein, sondern von denen wird man eingesaugt. Man kann es kaum erwarten zu erfahren, wie das Buch ausgeht, aber wenn man dann feststellt, dass es sich wirklich dem Ende neigt, überkommt einen eine unglaubliche Traurigkeit. Genau so ist es mir mit diesem Buch gegangen.
Obwohl ich alterstechnisch nicht mehr zur Zielgruppe von Young Adult zähle, greife ich hin und wieder gerne zu Büchern dieses Genres. Meine Erwartungen sind dabei meistens eher gering, was den literarischen Anspruch betrifft, aber nicht immer muss es hohe Literatur sein.
Misty Wilson hat mich mit ihrem Roman aber wirklich umgeworfen. Ihre detaillierten Beschreibungen der Kleinstadt Bramble Falls haben mich das Städtchen wirklich vor meinem inneren Auge sehen lassen und ich konnte zusammen mit Ellis und Cooper durch die Straßen streifen. Aber auch die ganze Herbstatmosphäre war so glaubwürdig und eindrucksvoll beschrieben, dass ich jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren habe. Dies ging bei mir so weit, dass ich phasenweise über die Außentemperatur am Balkon überrascht war, wenn ich eine Lesepause eingelegt habe. Im ersten Augenblick konnte ich nicht nachvollziehen, warum es über 30 Grad hat, bis ich mir wieder einfiel, dass in der "richtigen" Welt gerade Hochsommer ist.
Doch nicht nur das ganze Drumherum hat dazu geführt, dass mich dieses Buch so begeistert hat. Auch mit den Charakteren hat die Autorin genau ins Schwarze getroffen. Natürlich erscheint vor allem Ellis auf den ersten Blick manchmal etwas naiv, störrisch und kindisch. Doch hier muss man sich immer wieder das Alter der Charaktere und auch der Zielgruppe vor Augen rufen. Denn wenn man dies berücksichtigt, sind sowohl das Verhalten von Ellis als auch ihre Sorgen, Ängste und Kommunikationsschwierigkeiten verständlich und nachvollziehbar.
Cooper ist der klassische Teenagerschwarm, herzensgut, freundlich, hilfsbereit und natürlich unglaublich gutaussehend. Hier hätte man fast das Gefühl bekommen können, dass die Autorin ein klein wenig zu sehr in die Klischeekiste greift. Doch Misty Wilson hat auch hier wieder elegant die Kurve bekommen und Cooper ein paar unerwartete Details eingebaut. Auf diese möchte ich aber, aufgrund von Spoilergefahr, nicht näher eingehen.
Apropos Spoilergefahr: Die Geschichte an sich ist an vielen Stellen vorhersehbar und es gibt nur einige wenige Überraschungen. Bei einem Liebesroman, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet, hätte mich dies vielleicht dazu verleitet, dass ich bei der Bewertung Punkte abziehe. In diesem Fall hat es mich aber nicht gestört. Dies liegt vor allem daran, dass es eben doch die eine oder andere mehr oder weniger unerwartete Wendung gab. Andererseits finde ich aber bei Young Adult Büchern eher die Charakterentwicklung ausschlaggebend. Auch diesen Punkt konnte Misty Wilson meiner Meinung nach mit Bravour erledigen.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und wie bereits anfangs erwähnt, konnte sie die herbstliche Stimmung und das Kleinstadtlebensgefühl perfekt einfangen. Beides ist ein absoluter Pluspunkt des Buches und hebt es auch von anderen Büchern dieses Genres ab. Das Einzige, dass mir ein klein wenig sauer aufstößt ist, dass ich das Buch leider schon beendet habe und mich von Bramble Falls und von ganz vielen liebgewonnen Charakteren verabschieden musste. Denn auch die Nebencharaktere haben sich einen Platz in meinem Herzen erobert.
Für dieses Buch möchte ich wirklich von ganzem Herzen eine Leseempfehlung aussprechen. Und zwar besonders auch für Personen die eigentlich nicht zur Zielgruppe gehören. Dieses Buch ist perfekt für alle, die die deutsche Erstausstrahlung von Gilmore Girls, One Tree Hill und ähnlichen Serien erlebt haben.
Rezensionen von Ruth:
Onigiri von Yuko Kuhn
Zwischen den Welten
Die Autorin Yuko Kuhn, 1983 geboren, hat sich für ihren Debutroman von ihrer eigenen Familiengeschichte inspirieren lassen. Wie ihre Ich-Erzählerin Aki ist sie als Tochter einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters in München aufgewachsen.
Die Großmutter ist im fernen Japan im hohen Alter gestorben , doch es dauert Monate, bis ihre Tochter Keiko in Deutschland davon erfährt.
Aber die Nachricht dringt kaum mehr ins Innerste der Tochter, denn diese ist dement. Aki beschließt eine letzte gemeinsame Reise mit ihrer Mutter in deren frühere Heimat. Wohl wissend, dass dieses Unterfangen auch scheitern kann. Aber sie hofft, dass die Rückkehr ins Elternhaus, die Muttersprache, das Essen und die vertraute Umgebung in ihrer Mutter etwas wachrufen.
Dieser neuntägige Besuch bei der japanischen Familie ist die Rahmenhandlung des Romans, immer wieder unterbrochen von Erinnerungen an die Vergangenheit.
Als junge Frau ist Aki nach Deutschland ausgewandert, so sehr hat sie eine zuvor unternommene Europareise beeindruckt. Sie lernt die Sprache, verdient sich ihren Unterhalt mit Aushilfsjobs und begegnet ihrem zukünftigen Mann. Karl ist einige Jahre jünger als sie und stammt aus einer wohlhabenden großbürgerlichen Familie. Doch er hat massive psychische Probleme. Das Paar bekommt zwei Kinder. Aber die Ehe zerbricht und die Geschwister wachsen bei der Mutter auf.
Es ist eine Kindheit zwischen den Welten. Besonders groß ist der Kontrast zwischen der bescheidenen Lebensweise daheim bei der Mutter und dem pompösen Lebensstil der Großeltern, die sich auch nach der Trennung um ihre Enkel kümmern. Sie sind großzügig mit Geschenken, aber die Atmosphäre im Haus ist kühl. Keiko fühlt sich nie richtig akzeptiert und Aki hat deshalb auch stets Vorbehalte gegen ihre Großeltern.
Die Mutter versinkt immer mehr in einer Depression, fühlt sich ständig müde und oftmals außerstande, für ihre Kinder da zu sein. Ausdruck dafür ist eine ständig wiederkehrende Geste: Die Mutter sitzt da, die Hände vor dem Gesicht, so, als wolle sie die Außenwelt ausblenden.
Die einzige Freude scheint sie noch im Singen zu finden. Jahrzehntelang ist Keiko Mitglied in einem Chor.
Ansonsten ist sie nie wirklich angekommen in der neuen Heimat. Aki hat lange ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Mutter. Als Kind ist ihr das Anderssein peinlich, hätte lieber eine Mutter, die nicht auffällt, sondern so ist, wie die ihrer Freundinnen. Als Erwachsene kümmert sie sich zwar fürsorglich um die zunehmend verwirrter werdende Frau, hat aber nicht immer die Geduld dazu. Bei dieser letzten gemeinsamen Reise lernt Aki ganz neue Seiten an ihrer Mutter kennen. Sie entdeckt, wie sie war als junge Frau, klug und voller Neugierde auf das Leben. Und sie stellt sich die Frage, „… warum meine Mutter geworden ist, wie sie ist, ob ihr Unglück schon in ihr war, bevor sie nach Deutschland gekommen ist.“ Oder war es die gescheiterte Ehe oder der Alltag in der Fremde?
Auffallend ist der fragmentarische Erzählstil, der es dem Lesenden nicht leicht macht. In unendlich vielen kurzen Einzelszenen, die keiner Chronologie entsprechen, erzählt die Autorin ihre Geschichte. Erst nach und nach ergibt sich daraus ein Gesamtbild. Nicht alles wird restlos geklärt, wie im richtigen Leben. Auch dort muss man mit Leerstellen auskommen.
Der Erzählstil ist nüchtern, auch und gerade wenn es um emotional berührende Themen geht.
Anfänglich hatte ich meine Schwierigkeiten mit den Figuren. Nicht immer hatte ich Verständnis für ihr Verhalten, fand sie zu ich- bezogen und ungerecht. Doch im Grunde ist es positiv, dass die Ich-Erzählerin die Situation so ehrlich und ungeschönt darstellt, niemanden schont, auch nicht sich selbst. Denn das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie ist belastend, ebenso wie der Alltag mit einem erst depressiven, dann dementen Menschen. Das alles wird nachvollziehbar dargestellt.
Die titelgebenden „Onigiri“, Reisbällchen, sind nicht nur das Lieblingsessen von Aki. Sie tauchen an verschiedenen Stellen im Roman auf und stehen sinnbildlich für Liebe und Zuwendung. An ihnen lässt sich das veränderte Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ablesen. Ist Aki bei der Geburt ihres ersten Kindes noch enttäuscht, dass ihre Mutter zu müde war, um ihr die gewünschte Leibspeise zuzubereiten, so macht Aki in Japan für ihre Mutter zum ersten Mal selbst Onigiri.
Die Reise nach Japan war für Aki nicht nur die Möglichkeit, eine andere Seite ihrer Mutter zu entdecken, sondern auch eine Reise zu ihren eigenen Wurzeln.
„ Onigiri“ ist ein berührender Roman über eine komplizierte Mutter-Tochter- Beziehung, über das Leben zwischen den Kulturen und nicht zuletzt über Demenz. Eine zum Teil für mich fordernde und schmerzhafte Lektüre.











