Kunden em pfehlungen
Rezensionen von rosetheline :
Öffnet sich der Himmel von Seán Hewitt
Die erste große (unerwiderte) Liebe
James, ein fast erwachsener Teenager, lebt mit seinen Eltern und seinem Bruder Eddie in der Thornmere, in der nordenglischen Provinz. Ein eher schüchterner Junge, hat James vor Kurzem sein Coming Out gehabt und wird dadurch zu einem Außenseiter in der Schule. Da seine Eltern nicht wohlhabend sind und sich das Schulessen für James nicht leisten können, verdonnert sein Vater ihn schließlich einen Job als Milchjunge anzunehmen.
Auf seinen täglichen Milchrunden lernt er Luke kennen, einen Jungen, der ein Jahr älter ist als er und von seinen getrennten Eltern auf's Land nach Thornmere geschickt wurde. James und Luke bauen eine Freundschaft auf, verbindet sie doch, dass sie beide Außenseiter sind. Doch für James ist Luke viel viel mehr als nur ein Freund.
Seán Hewitt hat einen Roman geschaffen, der mir sprachlich sehr gut gefallen hat. Er ist poetisch, metaphorisch und gefühlvoll.
Die Geschichte ist ein echter Coming-of-Age Roman und hat mich in einigen Punkten auch an "Call Me By Your Name" erinnert (welches ich aber besser fand).
Inhaltlich gab es für mich einige Schwachstellen, die vor allem in nicht ganz ausgefeilten und zu Ende erzählten Handlungen lagen. Daneben blieben Luke und Eddie (James Bruder, der unter "Anfällen" leidet) als Charaktere für mich zu blass.
Alles in Allem ist es für mich ein Roman, der mir zwar gefallen, aber nicht umgehauen hat. Ich empfehle ihn jeder/jedem, die/der Coming-of-Age Romane mag und gerne zum Thema "Liebe als Obsession" liest.
Rezensionen von rosetheline :
Zwischen zwei Leben von Minna Rytisalo
Nichts für mich
Jenni Mäki ist eine Frau mittleren Alters, die sich von ihrem Ehemann Jussi und ihrer unglücklichen Ehe trennt. Als Jenny Hill will sie ein neues Leben anfangen. Doch schnell merkt sie, wie schwer das ist und welche Tücken auflauern, vor allem für eine Frau, die älter wird. Themen wie Selbstfindung, Frausein und Feminismus spielen daher eine wichtige Rolle.
Die Erzählung ist dabei in zwei Ebenen aufgeteilt. Auf der einen Seite begleitet man als Leser*in Jenny, wie sie ihr Leben rückblickend betrachtet und auf der anderen Seite gibt es die Ajattaras, Gestalten der finnischen Mythologie, die im Namen bekannter Märchenfiguren, wie z.B. Rapunzel, Schneewittchen oder Gretel, sprechen und Jennys Leben in gewisser Weise mitkommentieren.
Die Prämisse des Buches hat mir total gut gefallen und somit war ich umso gespannter, was im Roman passieren würde. Leider habe ich jedoch gemerkt, dass mir das Buch nicht zusagt. Hierbei denke ich, dass es an mir selbst liegt und die Geschichte nicht meinem Geschmack entspricht, da die Bewertungen ansonsten ziemlich gut sind.
Ich hatte vor allem Probleme mit den Nebenhandlungen, die mir nur als Mittel zum Zweck schienen und sehr belanglos waren. Auch konnte ich keine Verbindung zur Protagonistin aufbauen. Auch das ständige Wiederholen des vollen Namens (Jenny Hill) in fast jedem Satz, ging mir einfach nur auf die Nerven. Obwohl die Themen des Buches wichtig sind und ich gerne mehr darüber lesen würde, war "Zwischen zwei Leben" leider nicht das richtige Buch für mich.
Rezensionen von Shilo:
Mord auf der Klosterinsel von Heidrun Hurst
Zwischen Glaube und Aberglaube
Da ich schon mehrere Bücher von Heidrun Hurst mit Begeisterung gelesen habe, war ich besonders gespannt auf ihren ersten historischen Kriminalroman. Und auch diesmal konnte sie mich begeistern.
Die Geschichte spielt auf der Klosterinsel Reichenau zur Zeit der Karolinger. Mehrere Menschen kommen dort auf grausame Weise ums Leben, und schnell machen Gerüchte über einen Werwolf die Runde.
Besonders dieser Aberglaube, der damals fest im Denken der Menschen verankert war, wird von der Autorin sehr anschaulich beschrieben. Abt Walahfrid Strabo versucht, den Verstand über die Angst zu stellen und den wahren Täter zu finden – unterstützt von seiner Nichte Lindberga, die mit Mut und Klugheit handelt.
Ich fand es spannend zu lesen, wie sich die beiden in einem Netz aus Misstrauen, Machtinteressen und religiösem Fanatismus bewegen. Gleichzeitig zeigt das Buch sehr eindrucksvoll, wie schwer es war, in einer Zeit voller Zwänge und Hierarchien nach Gerechtigkeit zu suchen. Die Mischung aus historischem Hintergrund und Krimielementen ist der Autorin wirklich gut gelungen.
Besonders überzeugend ist, wie genau die politischen und kirchlichen Strukturen der Karolingerzeit eingefangen sind. Die Geschichte wirkt durchweg fundiert und sorgfältig recherchiert, ohne dass der historische Rahmen zu sehr in den Vordergrund rückt. Alles fügt sich stimmig in die Handlung ein und bleibt spannend bis zum Schluss.
Beim Lesen habe ich oft darüber nachgedacht, wie stark Angst und Glaube das Handeln der Menschen beeinflussen – damals wie heute. Diese Parallelen geben dem Buch Tiefe, ohne dass es belehrend wirkt.
Heidrun Hurst hat hier keinen lauten, bluttriefenden Krimi geschrieben, sondern eine kluge, fein gezeichnete Geschichte, die mit leisen Tönen wirkt. Sie bleibt ihrer Linie treu: historische Genauigkeit, spürbare Menschlichkeit und ein erzählerischer Stil, der mich immer wieder fesselt. Für mich ein starkes, stimmiges Buch, das lange nachwirkt. 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.
Rezensionen von Sheilo:
A Dancer's Kiss (Broken Artists, Band 2) von Rebekka Weiler
Eine Liebesgeschichte mit großem Tiefgang
Nele möchte endlich ihre Ängste überwinden und ist deshalb auf der Suche nach einem Mann für eine Nacht. Dabei trifft sie auf Mats, der ihr sofort sympathisch ist und auf den sie sich einlassen will. Sie verbringen den Abend zusammen, doch mit dem Ende ihrer Begegnung, hat Mats so gar nicht gerechnet.
Nele meldet sich nach einiger Zeit wieder und Mats nutzt die Gelegenheit, sie in der Abgeschiedenheit des Ferienhauses seiner Eltern besser kennenzulernen.
"A Dancer's Kiss" ist der zweite Band der wundervollen "Broken Artists"-Reihe von Rebekka Weiler. Wie auch schon im ersten Band darf man sich auf ein fantastisches Setting in Schweden freuen und Band zwei war für mich noch einmal wesentlich emotionaler als der erste Teil der Reihe. Einmal mit der Geschichte begonnen, hat mich die Handlung sehr gefesselt und ich wollte das Buch am liebsten gar nicht zur Seite legen.
Mats hatte sich bereits mit dem Reihenauftakt in mein Herz geschlichen und er ist wirklich ein sehr einfühlsamer und verständnisvoller Mann. Ich liebe seinen Umgang mit Nele, auch wenn er im Buch manchmal sehr spontane, emotionsgeladene Entscheidungen trifft, ist er ein absolut liebevoller Mann.
Bei Nele spürt man ab Beginn, dass sie Dinge vor Mats verbirgt. Nach und nach fasst sie immer mehr Vertrauen und öffnet sich Stück für Stück. Man merkt, wie sie ihre Vergangenheit langsam verarbeitet und ich mag, wie Nele im Verlauf der Geschichte immer selbstbewusster wird.
Die Gefühle zwischen Nele und Mats sind greifbar und ihre Beziehung entwickelt sich langsam, jedoch auf einem sehr stabilen Fundament. Es ist eine sehr emotionale Geschichte, aber umso schöner ist es zu sehen, wie die beiden miteinander umgehen.
Neben den beiden Protagonisten, aus deren Perspektiven das Buch geschrieben ist, gibt es natürlich eine Reihe von Nebencharaktern, die ebenfalls jeder für sich einzigartig sind. Feen und Yva sind wieder dabei, genauso wie Linus, von dem der dritte Band der Reihe handeln wird. Ich werde aber vor allem noch lange an Elisa, die Freundin von Nele, denken, die True Crime Fan ist und ihre Kommentare zu Schaufeln und ihrer Verwendung mich immer wieder sehr zum Lachen gebracht habeb.
Alles in allem ist es Rebekka mit ihrem zweiten Band gelungen, ein sehr sensibles Thema in die Geschichte zu integrieren, um auch zu zeigen, welche Auswirkungen es für die Betroffenen gibt und somit eine wichtige Aufklärung erfolgt. Ich mag die Geschichte mit all seinen wunderbaren Charaktern sehr und durch die Einblicke, die wir jetzt schon von Linus erhalten haben, freue ich mich umso mehr auf den dritten Band. Von mir gibt es für diese Buchreihe eine ganz große Empfehlung.
Rezensionen von Michaela:
Aufgeben können die anderen von Lena Johannson
Eine beeindruckende Frau, dennoch nicht mein Buch
Alice Milliat kämpft in 'Aufgeben können die anderen' für die Teilnahme von Frauen an den Olympischen Spielen. Anfangs bin ich begeistert, wie der Kampfgeist der junge Alice erweckt wird. Je weiter das Werk jedoch fortschreitet, umso mehr verliert mich das Buch. Ich mag die Geschichte, ich mag den Schreibstil, den Ton, der getroffen wird und auch Alice Kampfgeist, dennoch habe ich das Gefühl, dass sich die Seiten ziehen und das Lesen zur Pflicht und weniger zur Freude wird.
Benennen, woran dies konkret liegt, kann ich nicht, denn die Geschichte ist nicht langweilig und Alice eine beeindruckende starke Frau. Gut, die Liebesgeschichte mit Jean-Luc hätte ich persönlich nicht in diesem Ausmaß benötigt, aber sie ist nicht so raumfassend, dass dies für mich ausschlaggebend ist, das Buch nicht zu mögen. In Summe hat mir der fiktive Roman die Sport-Pioniere Alice Milliat nähergebracht, wenn er mich auch nicht begeistert hat.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Tanzende Spiegel von Annette Byford
Macht das Nachkriegsdeutschland fühlbar
"Tanzende Spiegel" von Annette Byford ist eine autofiktionale Geschichte, die zum Teil auf dem Leben der Mutter der Autorin basiert. Diese war in den Nachkriegsjahren in Deutschland eine junge Frau, zu einer Zeit, als es einen großen Frauenüberschuss und damit bei weitem nicht für jede interessierte Frau einen passenden Heiratspartner gab: "Zwei von fünf Männern, die zwischen 1920 und 1925 geboren wurden, sind nicht aus dem Krieg zurückgekehrt, fünf Millionen deutsche Soldaten sind gefallen, und achteinhalb Millionen befinden sich noch in Kriegsgefangenenlagern" (S.
18).
Doch erst einmal ist sie eine lebenshungrige, intelligente und gebildete junge Frau, die als Diplom-Volkswirtschaftlerin in einem Büro arbeitet und dort Wirtschaftsdaten analysieren soll. Währenddessen wirbt Walter um sie, ein junger Medizinstudent und scheinbar ein guter Fang. Sie willigt in die Verlobung ein, will sich jedoch lange auf keinen Hochzeitstermin festlegen. So richtig klar ist sie sich nicht, ob sie überhaupt heiraten soll, und Leidenschaft für Walter ist im Buch von ihrer Seite aus keine zu spüren... er wäre halt eine sehr gute Partie in einer schwierigen Zeit, und sie als seine Gattin für ihr Leben ökonomisch abgesichert. Es wäre die vernünftige Entscheidung.
Außerdem gibt es da auch noch die netten älteren Schwestern von Walter, die ihre zukünftige Schwägerin mit offenen Armen aufnehmen, sich auf sie freuen und ungeduldig auf die Hochzeit warten: "Sie scheinen sie alle sehr gern zu haben, denn Walter ist ihr kleiner Bruder, ihr Lieblingsbruder, und in ihren Augen ist meine Mutter fraglos die Richtige. Für ihn hat es nie wirklich eine andere gegeben, das wissen sie. Sie ist die Richtige, und sie werden sie liebhaben, und damit basta." (S. 59)
Glücklicherweise studiert Walter an einem Ort weiter weg, sodass sie sich nur alle paar Monate kurz sehen und sonst Briefkontakt unterhalten, sodass sie ihr freies, unabhängiges Leben als junge Frau erst einmal weiter führen kann und sich nicht entscheiden muss. Und da gibt es auch noch ihren älteren, verheirateten Chef, dessen Frau und Kinder ebenfalls weiter weg wohnen und mit dem sie sich seltsam verbunden fühlt...
Soweit zum Setting der einen Geschichte, die dieses Buch erzählt und die offenbar nah an der Lebensgeschichte der Mutter der Autorin ist. Diese Geschichte habe ich sehr gerne und mit großem Interesse gelesen und sie hat die Nachkriegszeit in Deutschland für mich, die ich erst einige Jahrzehnte danach geboren wurde, lebendig gemacht. Die Sprache ist eher einfach, dabei gut verständlich und dem Genre angepasst. Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln erzählt, immer wieder unterbrochen durch kursiv geschriebene Reflexionen der Tochter, die in der Gegenwart als Psychotherapeutin arbeitet, und insbesondere durch deren Leben in der Gegenwart.
Denn in diesem Buch gibt es noch eine zweite Geschichte, das Gegenwartssetting, in dem eine in England lebende und praktizierende, ursprünglich aus Deutschland stammende, Psychotherapeutin - die Tochter der erwähnten Mutter - ihr gegenwärtiges Leben und insbesondere ihr Verhältnis zu ihren Patientinnen und Patienten analysiert und in Verbindung zum Leben ihrer Mutter bringt. Während sie über ihre Patientinnen und Patienten nachdenkt, kommen ihr immer wieder Kindheitserinnerungen, z.B. "Ich konnte mich nicht ändern, konnte nicht ungeschehen machen, dass ich größer war als alle anderen in meiner Familie, dass mein Haar dunkel war unter all den Blonden. Immer wenn wir die Familienfotoalben herausholten, sagte meine Mutter, wie ähnlich ich ihr als Kind sah. Ich wusste damals schon, dass das nicht stimmte. Nur ihre Augen. Ich liebte ihre Augen und das half. Ich hatte ihre Augen." (S. 62)
Diese Geschichte hat mich beim Lesen etwas weniger begeistert als die Erzählung über die Mutter selbst. Zu diesen Teilen habe ich innerlich keine starke Verbindung aufbauen können, war streckenweise genervt von den auf mich unreif wirkenden Grenzüberschreitungen der eigentlich altersmäßig schon reiferen (sie hat schon einen Enkel und ist verwitwet) Therapeutin gegenüber den ihr Anvertrauten und auch von ihren Reflexionen über diese.
Zum Beispiel urteilt sie innerlich wiederholt ziemlich ungnädig über das Äußere ihrer Patientinnen, sobald diese auch nur minimal vom Idealgewicht abweichen... auch das eine Spiegelung der Mutter und ihres Verhaltens, damit durchaus interessant zu lesen, aber in der Häufigkeit eine unsympathische Figur zeigend. Hier etwa eine Stelle, bei der sie auf einem Konzert andere, fremde Menschen beobachtet und beurteilt: "Vor mir eine Frau mittleren Alters, leicht übergewichtig und aus ihrem weißen Minikleid herausplatzend..." (S. 139).
Mit dieser Therapeutin wurde ich nicht warm und besonders schräg wurde für mich die Geschichte, als sie eine Art Verliebtheit gegenüber einer Patientin aufzubauen scheint, die für mich nicht zu dieser Figur passte und ich nicht nachvollziehen konnte: "Doch in der Nacht träume ich wieder von ihr. Wir liegen im Bett, beide nackt, sie liegt hinter mir, und ich fühle ihre Hände auf meinem Körper." (S. 117).
Manchmal frage ich mich bei der momentanen Häufung dieser Themen in der Gegenwartsliteratur, ob es mittlerweile eine ungeschriebene Regel gibt, die verlangt, dass den Zeitgeistströmungen folgend in fast jedem veröffentlichen Roman queer-sexuelle Szenen vorkommen müssen, ob es sonst zum Buch nun passt oder nicht. Ich bin durchaus offen dafür, auf authentische Art und Weise über dieses Thema zu lesen, hier wirkt es auf mich aber künstlich hineinkonstruiert und unpassend.
Dieser Verliebtheit folgend überschreitet die Therapeutin mehrere ethische professionelle Grenzen, im vollen Bewusstsein dieser Grenzüberschreitungen. Das hat durchaus eine Parallele zu einigen weiteren Geschehnissen im Handlungsstrang mit der Mutter und ist insofern eine interessante Spiegelung. Dennoch habe ich diese Teile nicht sehr gerne gelesen, sie haben sich für mich beim Lesen komisch angefühlt und ich war immer froh, wenn ich wieder im Handlungsstrang mit der Mutter war, deren Geschichte ich gespannt weiterverfolgt habe.
Das mag damit zu tun haben, dass diese Psychotherapeutin - wie die Autorin am Ende des Buches darstellt - im Gegensatz zur auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte der Mutter, fiktiv ist und auch ihre Patientinnen und Patienten und deren Beziehungen zu ihnen erfundene Charaktere sind. Insgesamt ist für mich die Figurenentwicklung in diesem Teil aber nicht ganz so gelungen wie im sehr authentischen und berührenden Teil, in dem es um die Mutter und ihre Lebensgeschichte geht und bei dem ich mich jedes Mal sehr gefreut habe, wenn es wieder in diesem, für mich sehr interessanten, Erzählstrang, weiterging.
Literarisch betrachtet verstehe ich aber die Intention der Autorin, dieses Setting zu wählen und es finden sich tatsächlich bei näherem Hinsehen einige interessante Parallelen und Spiegelungen im Leben der fiktiven Tochter, das von der Mutter und ihren Entscheidungen bis heute geprägt ist, und in dem sich gleichzeitig interessante Gedanken über den Therapieprozess an sich finden:
"Ich bin schließlich Psychotherapeutin geworden. Dieses Haus bewohne ich, durch diese Räume des Erinnerns und Vergessens wandere ich immer und immer wieder. Ich helfe Menschen, das zu sagen, was sie sagen müssen, zu betrauern, was sie betrauern müssen, sich dem zu stellen, was geschehen ist, sich zu erinnern. Ich tue das, weil es meinen Patienten hilft, aber ich tue es nicht nur für sie, das weiß ich schon lange." (S. 53)
"Wenn du und ich richtig zusammenarbeiten wollen, wenn du dich wirklich darauf einlässt, dann werden zwei Dinge passieren, von denen du noch nichts weißt. Erstens: Wir beide werden eine professionelle Beziehung führen, die aber zugleich seltsam intensiv und intim sein wird. Zweitens: Wenn das Ende kommt, wird es nicht schmerzlos sein." (S. 151)
Insgesamt ist es, wie erwähnt, mit ganz leichten Abstrichen in Bezug auf den Erzählstrang der Therapeutin, ein lesenswertes und interessantes Buch insbesondere für alle, die sich dafür interessieren, was es bedeutet haben könnte, in der Nachkriegszeit eine junge Frau zu sein, sowie für alle mit Interesse an transgenerationaler Weitergabe von Verhaltensmustern und -einstellungen.
Rezensionen von Marie aus E.:
Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat,1 Audio-CD von Marc-Uwe Kling
So lustig und so realistisch
Ich habe das Hörspiel so genossen, das waren die lustigsten 54 Minuten seit langem. Zu schade, dass es nicht länger ging.
Ich kenne die Vorgänger nicht, aber das war überhaupt kein Problem. Es gibt zwar Sidekicks zu anderen Klingschen Werken, die ich deshalb wahrscheinlich nicht alle erkannt habe, das hat das Vergnügen aber kein bisschen geschmälert.
Es ist eine Autofahrt des Grauens, die die Familie angesichts von Tantchens Hochzeit in das weit entfernte Wuppertal auf sich nehmen muss.
Opa wiederholt gebetsmühlenartig, dass er ja den Zug genommen hätte.
Der männliche Teenie leidet unter der etwas zu ausgeprägten Feierei vom Vortag und der weibliche Teenie findet die ganze Fahrt sowieso völlig überflüssig.
Und die Mutter? Die fragt immerzu „Wieso bin ich eigentlich diejenige, die immer alles packen muss?“ Dabei ist die Antwort doch total einfach, findet die Achtjährige. Weil sie hier die Mama war. Wenn sie nicht packen gewollt gehätte, dann hätte sie nicht Mama gewerden gedurft. Logisch, oder?
So geht das die ganze Fahrt und es ist so dermaßen lustig, aber auch so dermaßen realistisch zugleich.
Der Autor liest das Hörbuch selbst und auch das macht er großartig. Mit unterschiedlichen Stimmen, sehr vergnüglich.
Ich habe im Anschluss auch mal in das Buch hineingelesen, finde das Hörbuch aber noch besser. Das hat mich von Anfang an so richtig abgeholt.
Ich wäre gerne noch weiter mit der Familie gereist, leider sind wir irgendwann in Wuppertal angekommen. Aber das nächste Abenteuer kommt bestimmt.
Ach ja, eins noch. Die Geräuscheeinspieler und die Musikeinlagen, die waren fürchterlich. Damit ich hier nicht nur über den grünen Klee lobe.
Rezensionen von Immenhof:
Huhu und Momo - Für dich trau ich mich! von Smriti Halls
Nette Idee
Achtung, diese Rezension enthält Spoiler.
In „Huhu und Momo – Für dich trau ich mich“ schliessen Maus und Eule an einem Abend eine herzige Freundschaft. Als die Maus Eule überreden möchte, mit ihr nach draussen zu gehen, traut sich die Eule zunächst nicht, denn sie hat Angst, einem Fuchs zu begegnen.
Ihre Ängste sind eine Mischung aus realen Gefahren und eher irrationalen Sorgen, was zunächst eine charmante Idee ist, gerade weil Eulen eigentlich nachtaktiv sind. Später gerät die Maus in Gefahr, und Eule überwindet ihre Angst, um sie zu retten. Damit vermittelt das Buch eine schöne Botschaft über Mut, Freundschaft und Zusammenhalt. Etwas schade finde ich jedoch, dass nicht klar zwischen rationalen und irrationalen Ängsten unterschieden wird. Letztlich tritt genau das ein, wovor sich die Eule gefürchtet hat, denn ein Fuchs ist für Mäuse eine echte Gefahr. Ich hätte mir deshalb eine andere Ursache für die Angst gewünscht. Das Thema Mut und Angst überwinden ist grundsätzlich stark, aber hier wird die Grenze zwischen Angst, Vernunft und Leichtsinn nicht ganz deutlich.
Rezensionen von Anilam:
Was tun, wenn man nichts tun kann? von Dr. Martin Bartenberger
Ein kluges, hoffnungsvolles Buch für unsichere Zeiten
Das Buch hat mich von Anfang an abgeholt, weil es ein Gefühl beschreibt, das wohl viele kennen: die Unsicherheit unserer Zeit. Dr. Bartenberger schafft es, dieses komplexe Thema ruhig und verständlich aufzubereiten, ohne in Pessimismus zu verfallen. Besonders mochte ich, dass er aktuelle Beispiele aufgreift und so eine Brücke zwischen Philosophie und Alltag erschafft.
Mit jedem Kapitel wird deutlicher, dass Pragmatismus kein abstrakter Begriff ist, sondern eine echte Haltung, die im täglichen Leben hilfreich sein kann. Gerade die Gedanken zu Überzeugungen, zum Experimentieren und zur Fehlbarkeit fand ich sehr nachvollziehbar. Viele Passagen haben mich dazu gebracht, mein eigenes Denken zu hinterfragen – aber auf eine angenehme, motivierende Art.
Auch die Gestaltung und Übersicht des Buches haben mir sehr gut gefallen. Die klare Struktur, die zusammenfassenden Kästen und besonders der „Werkzeugkasten“ am Ende machen es leicht, die zentralen Ideen noch einmal auf einen Blick zu erfassen. Das Buch ist dadurch nicht nur inhaltlich stark, sondern auch praktisch nutzbar – man kann immer wieder hineinschauen und einzelne Gedanken vertiefen.
Insgesamt ein kluges, hoffnungsvolles Buch, das Mut macht, selbst in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Ich werde es sicher noch einige Male zur Hand nehmen, um bestimmte Passagen nachzulesen und die Ideen zu festigen. Eine klare Empfehlung!
Rezensionen von Blackcat:
Our darkest Lies von Sara Rivers
Überraschend gut!
✨4/5✨
Zu Beginn war ich sehr skeptisch, ob dieses Buch wirklich etwas für mich ist, da ich davor noch kein Dark-Romance gelesen habe… Doch ich bin positiv überrascht worden!
Von der ersten Seite an war ich wie gebannt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen und der flüssige Schreibstil hat mich durch das Buch fliegen lassen.
Sara Rivers schafft es, dass wir uns in die Charaktere hineinversetzen können, jedes Gefühl und jede Emotion werden genau beschreiben, sodass man bis zum Ende mitfiebern konnte.
Sowohl Cheryl - eine starke, clevere Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt - als auch Kyrill und Colson - zwei geheimnisvolle und attraktive Männer - überzeugen als Charaktere und wir erfahren nach und nach immer mehr über sie. Die Kapitel werden aus verschiedenen Sichten geschrieben, was uns noch mehr mit ihnen mitfühlen lässt. Die Beziehungen zwischen den dreien sind voller Höhen und Tiefen und ich selbst konnte mich nicht entscheiden, ob Colson oder Kyrill Cheryls Herz mehr verdient.
Die Geschichte selbst war ebenfalls sehr spannend und hat mich bis zur letzten Seite gefesselt, weshalb ich auch kaum den 2. Teil erwarten kann. Sowohl die Atmosphäre, die Charaktere, der Humor,… alles passt perfekt zusammen und schafft ein unvergessliches Leseerlebnis!
Das Cover ist ebenfalls sehr gelungen. Die Spinnennetze passen perfekt zu Cheryl, der „schwarzen Witwe“ und es verrät direkt die düstere Stimmung, die im ganzen Buch vertreten ist.
➡️ Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen, auch für Dark-Romance Anfänger wie mich. Es ist eine perfekte Mischung aus Romance und trotzdem noch einer spannenden Handlung und man muss einfach nur mit den Charakteren mitfühlen. Der zweite Band wird auf jeden Fall auch von mir verschlungen werden!











