Kunden em pfehlungen
Rezensionen von ReiShimura:
Wir zwei - Geschichten zum Einkuscheln von Michael Engler
Ein Platz im Herzen – Mit Hase und Igel durch emotionale Herbstgeschichten
Obwohl es von Hase und Igel, den beiden ungleichen Freunden, schon einige Bücher gibt, sind wir bis dato noch nie mit ihnen in Berührung gekommen. Dies hat sich nun geändert und die beiden haben sich einen Platz in unserem Herzen erobert, wenn auch mit einem etwas holprigem Start.
Der erste Eindruck des Buches war durchwegs positiv.
Das Cover vermittelt bereits einen sehr guten Eindruck in welchem Stil die Illustrationen des Buches sein werden. Grelle und schreiende Farben sucht man hier vergeblich, dafür bekommt man liebe- und stimmungsvolle Bilder, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen. Die Tiere sind sehr realistisch dargestellt und es kommen nie Zweifel auf um welches Tier es sich denn handelt. Die gedämpften Farben passen hervorragend zu den Geschichten und vermitteln eine wundervolle und kuschlige Herbststimmung.
Im Buch sind elf Geschichten enthalten die sich, je nach Alter des Kindes, entweder zum Vorlesen oder auch zum Selbstlesen eignen. Aufgrund des Titels "Geschichten zum Einkuscheln" dachte ich, dass es sich bei diesem Buch um ein Gute Nacht Buch handeln würde. Allerdings musste ich feststellen, dass es sich, zumindest für uns, eher um ein Buch für einen kuschligen Nachmittag handelt. Ich habe es zwar als Einschlafbuch probiert, allerdings wurde dies am zweiten Tag vom kleinen Leser kategorisch abgelehnt. So schade ich dies auch fand, kann ich den kleinen Leser doch auch verstehen.
Viele der Geschichten beginnen mit einem melancholischen und träumerischen Unterton und auch die Themen, die behandelt werden, sind nicht ganz einfach. Denn es geht um Angst, Wut, um Unsicherheiten, Trauer, aber natürlich auch um Zusammenhalt und Freundschaft. Gerade für sehr feinfühlige Kinder können diese Themen gerade vor dem Schlafengehen zu aufwühlend sein. Das Buch bietet viel Raum für Gespräche mit dem Kind, man kann die Geschichten aber natürlich auch einfach nur lesen und wirken lassen.
Besonders hervorheben möchte ich, dass der Autor Michael Engler in diesem Buch zwar viele emotional schwierige Themen anspricht, dies aber auf eine sehr feinfühlige und kindgerechte Art und Weise macht. Es gibt weder einen erhobenen Zeigefinger noch wird einem alles mit dem Holzhammer eingetrichtert. Die Geschichten sind zauberhaft, durchdacht und auch für Erwachsenen ansprechend, berührend und lehrreich.
Die Altersempfehlung des Buches ist mit 5 Jahren angegeben und dies finde ich sehr passend. Der kleine Leser unterschreitet das empfohlene Lesealter deutlich und ich habe gemerkt, dass der Erklärungs- und Redebedarf nach dem Lesen sehr groß war. Ich möchte damit sagen, dass man das Buch durchaus auch mit jüngeren Kindern lesen kann, allerdings sollte man sich auf jedem Fall im Anschluss die Zeit nehmen, um das Gelesene mit dem Kind zu besprechen.
Normalerweise gebe ich kein Statement zum Preis eines Buches ab. In diesem Fall möchte ich allerdings eine Ausnahme machen, da ich über den im Vergleich niedrigen Preis überrascht und begeistert bin. Vor allem wenn man die hochwertige Verarbeitung des Buches berücksichtigt und die Länge der einzelnen Geschichten. Außerdem ist dies meiner Meinung nach ein Mitwachsbuch. Damit meine ich, dass dies ein Buch ist, dass ein Kind sehr lange durch die Kindheit begleiten kann, ohne langweilig zu werden. Je nach Alter des Kindes wird es die angesprochenen Themen anders auffassen und verarbeiten, aber immer eine Menge daraus lernen und nicht zu vergessen, eine kuschlige Zeit haben.
Trotz eines etwas holprigen Starts mit dem Buch sind wir mittlerweile absolut begeistert und ich möchte dieses Buch wirklich aus ganzem Herzen weiterempfehlen.
Rezensionen von MarcoL:
Die Schattenfängerin von Michael Stavaric
Die Sehnsucht nach dem Unbekannten – ein modernes Märchen warmherzig erzählt
Stella ist fünfzehn, als ihr alleinerziehender Vater stirbt. Er hatte für sie gesorgt, das Haus ist in Ordnung, und finanziell muss sie sich keine Sorgen machen. Die Beerdigung läuft so ab, wie es auf dem Land so üblich ist. Ein paar tröstende Worte, weniger helfende Hände, und zahlreiche Säufer beim obligatorischen Leichenschmaus.
Er sei schon immer etwas sonderbar gewesen, ihr Herr Vater. So die Meinung – und seine Tochter, naja, wie soll man sagen, … Getratsche der Menschen, allen voran der Herr Pfarrer, der es sich auch hin und wieder nicht nehmen lässt, sein Hände und Augen dort zu positionieren, wo sie nicht sein sollen.
Zumindest auf das Wohlwollen des Bürgermeisters kann sie sich voll und ganz verlassen.
Stellas Vater war besessen von den Sonnenfinsternissen. So oft es ihm möglich war, reiste er über den ganzen Globus, um dem himmlischen Spektakel beizuwohnen. Das dauerte oftmals einen Monat, und er verabsäumte es nicht, alles genau zu dokumentieren, sodass Stella alles nachlesen konnte. Die Faszination schlägt über, und auch Stella begibt sich auf eine Reise zur Verdunkelung der Sonne in den Kongo.
Das ist der große Rahmen, aber dazwischen finden wir in den Zeilen dieses modernen Märchens so viel mehr. Wissen um den Planeten in seiner vielfältigen Form, fein verpackt in eine, ich möchte sagen, beinahe einfache Sprache. Das Leben von Stella – und ihre besondere Beziehung zu den Schatten.
Der Roman strahlt eine angenehme Ruhe aus, kommt mit einem großen Maß an Empathie daher und rührt in unserem Inneren ein wenig um. Was ist denn wichtig im Leben, neben all den Nebenschauplätzen, die das Überleben sicheren? Auf was kommt es an?
S.98: „Afrika lässt in Wahrheit bis heute mein Herz höherschlagen, auch wenn ich lange Zeit nicht ahnte, warum. Vielleicht hat ein jeder im Leben einen geheimen Sehnsuchtsort, von dem er sich erwartet, dort irgendwann mehr über sich selbst zu erfahren.“ Ob es ihr gelingt, verrate ich natürlich nicht …
S.164: „Eines der größten Mysterien der Kindheit war, mir ernsthaft vorzustellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt den ganzen Mond überblickte, sondern nur eine, uns Erdbewohnern zugewandte Seite.“
Auch das ist für so ein Satz, der in einem umrührt und ein Sehnsucht nach dem Unbekannten weckt. Und nur, so glaube ich, wer die Welt mit Kinderaugen betrachtet, wird tatsächlich all die Wunder entdecken können, die sich offenbaren.
Die Sprache ist einfach gewählt, leicht und flüssig, aus Sicht von Stella erzählt – und erinnert uns tatsächlich an ein Märchen – oder einen Coming-of-Age Roman mit (Vor)Zügen des magischen Realismus'.
Das Buch habe ich sehr gerne gelesen, und gebe eine große Leseempfehlung – Licht und Schatten – und wenn wir einen Schatten sehen, ist immer Licht im Spiel.
Rezensionen von Murksy:
Aus! Die Wissenschaft vom Ende von Science Busters
Das Ende vom Lied
Die Autoren des Buches, das sich auf dem Cover schlicht mit einem Schalter präsentiert, sind eine bunte Truppe aus Wissenschaftlern und Kabarettisten, die auch auf Tour zu bewundern sind. Ihre Wissenschaftsbücher sind demzufolge nicht bierernst, obwohl es die Themen sind. Dieses Mal, wie der Titel kurz und bündig aussagt, geht es um das Aus, also das Ende von allem.
Von allem? Das ist eine berechtigte Frage. Gibt es eine Unendlichkeit? Zumindest Atome scheinen ewig zu existieren. Endet das Universum oder die Zeit? Wieder berechtigte Fragen, die in diesem unterhaltsamen und lehrreichen Buch behandelt werden. Als Kind habe ich versucht ein Blatt Papier so lange zu zerschneiden, bis es weg war. Mein Gedanke war simple. Wenn die Schnipsel immer kleiner würden, wäre doch irgendwann alles weg. Aus dieser Neugier ist möglicherweise mein späterer Beruf als Wissenschaftler entstanden. Als Kind sieht man in eine unbegrenzte Zukunft. Wird man älter, ändert sich das. Wer glaubt, ewig Zeit zu haben, nehme sich ein Maßband. Man schneidet das Band bei der durchschnittlichen Lebenserwartung ab. Dann schneidet man sein Alter in cm ab. Und schließlich vom Rest noch ca. ein Drittel, denn so lange schläft man ungefähr am Tag. Die Zentimeter, die jetzt noch da sind, zeigen ungefähr die Lebenszeit, die bleibt, um seine Träume zu verwirklichen. Pessimismus? Nein, Realismus. Genauso verhält es sich mit diesem Buch. Das Ende der Menschheit, das kommen wird, denn Dinosaurier und unzählige ausgestorbene Arten geben uns ein Beispiel, wird auf humoristische Weise behandelt. Die Abstrakte Unendlichkeit des Universums, etwas, das wir nicht greifen können, wird zumindest so erklärt, dass auch Nicht-Physiker einigermaßen damit zurecht kommen. Ein Buch, das viele Aspekte des Endes aufgreift, dabei österreichischen Schmäh mit Fakten verbindet, die leider immer noch zu oft ignoriert werden. Die momentane Klimamüdigkeit ist ein gutes Beispiel dafür, warum der Mensch nicht wirklich zur Problemlösung solcher komplexer Dinge geeignet ist. Was unseren Zeithorizont übersteigt, wird ignoriert. Schafft das Buch eine positive Stimmung? Am Ende sicher nicht. Wie auch? Aber der Weg dorthin ist amüsant, spannend, informativ und kurzweilig.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Rezensionen von rainbowly:
The Academy von Elin Hilderbrand; Shelby Cunningham
Geheimnisse
Inhalt
Man begleitet ein Schuljahr an der Eliteschule Tiffin, Egal ob Lehrer oder Schüler jeder bringt seine Vergangenheit und Geheimnisse mit. Und als eine App beginnt diese aufzudecken und die Tiffin überraschend von Platz 17 auf Platz 2 der Ratings springt, wird das Schuljahr besonders herausfordernd.
Sprache
Die Geschichte ist in der Erzählerperspektive geschrieben und man beleuchtet den Verlauf der Geschichte immer wieder aus verschiedenen Perspektiven. Dadurch erfährt man viele Details über die einzelnen Charaktere der Geschichte.
Es gibt auch einige Kapitel die mit „Tiffin hautnah“ überschrieben sind und dort wechselt irgendwie der Erzählton, aber ich habe ehrlich gesagt nicht verstanden warum.
Das Internatssetting hat mich sehr gereizt, vor allem weil die Geschichte nicht in den Jugendbuchbereich fällt, in dem ich solche Geschichten schon häufiger gelesen habe.
Und es war auch wirklich anders - der Fokus lag weniger auf dem Drama zwischen den Schülerinnen und Schülern, sondern eher auf den Auswirkungen die die Geheimnisse und deren Enthüllungen verursachen und dem Internatsalltag mit all seinen Traditionen. Ich hätte mir dabei etwas mehr Spannung gewünscht.
Für mich war die Gefahr, die von der App ausging nicht so stark, denn natürlich hatten die Personen Sorge, dass ihr Geheimnis herauskommen könnte (denn alle haben eins), aber da man die meisten Geheimnisse als Leser bereits kannte, brachten die Enthüllungen keinen besonderen Überraschungseffekt. Ich habe allerdings die ganze Zeit gerätselt, wer hinter der App steckt und auf die Auflösung bin ich wirklich nicht gekommen. Das fand ich sehr gelungen.
Da noch nicht alle Rätsel aufgelöst sind und in der Danksagung angedeutet wird, dass Mutter und Tochter gemeinsam weiter schreiben, wird es wohl einen zweiten Band an der Tiffin geben.
Charaktere
Man trifft an dem Internat natürlich viele verschiedene Schüler und Lehrkräfte. Für mich stechen dabei die Rektorin Audre Robinson, die Schüler East, Charlotte, Dub und die Lehrkräfte Simone Bergeron und Rhode Rivera heraus.
Simone, die als Geschichtslehrerin neu an die Schule kommt, ging mir leider sehr auf die Nerven. Sie ist einfach unprofessionell und sehr anstrengend. Und ich habe nur gehofft, dass sie endlich auffliegt.
Die Charaktere sind alle sehr vielschichtig. Keiner ist einfach nur gut oder nur schlecht. Die verschiedenen Facetten der Persönlichkeiten waren gut ausgearbeitet.
Fazit
Eine gute Geschichte bei der mir ein wenig die Spannungskurve gefehlt hat.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Plattenspieler unter der Dachschräge von Herbert Dutzler
Erinnerungen an die eigene Jugend
Wir begleiten Siegfrid „Sigi“ Niedermayr seit er zehn Jahre alt ist und in die erste Klasse des Gymnasium kommt. Nun, in diesem 4. Band ist er 16 Jahre alt und seine Welt ist steter Veränderung unterworfen. Das einzige, das sich nicht ändert sind seine Liebe zu Büchern und gutes Essen, das er sich nun selbst kochen kann, obwohl er deswegen von seinem Vater gehänselt wird.
Wie schon in den Vorgängern erinnert sich der erwachsene Sigi beim Digitalisieren der zahlreichen Dias aus seiner Kindheit und Jugend, die er beim Ausräumen des Hauses seiner verstorbenen Mutter, entdeckt hat.
So führt er uns an bei der Betrachtung der Fotos in seine Welt von damals zurück. Eine Welt, die sich um die Schule, Mädchen und schicke Klamotten (beides beinahe unerreichbar) sowie das Erwachsenwerden in einem oberösterreichischen Dorf dreht. Es gibt kaum Unterhaltung und für Vergnügungen außerhalb fehlt Sigi das Geld. Deshalb zieht sich Sigi mit seiner Stereoanlage, die er sich von seinem Lohn aus dem Ferialjob gekauft hat, in sein Zimmer unter der Dachschräge zurück und hört die Rockmusik der 1970er. Statt wie früher Karl May liest er nun Peter Handke und Perry Rhodan. Der erste Bartflaum sprießt wie die Pickel und Sigi beginnt abzunehmen.
Sigi entwickelt sich zu einem selbstbewussten Schüler (mit durchwachsenem Noten), der seinen Mund noch nicht halten kann, wenn es um Ungerechtigkeiten geht. Schließlich wird er zum Klassensprecher gewählt und findet sich in einer undankbaren Situation wieder.
Doch nicht alles geht glatt in seinem jungen Leben: Die Eltern trennen sich, nachdem der Vater betrunken einen Autounfall verursacht hat und nicht Sigis Mutter auf der Beifahrerseite gesessen ist. Auch seine geliebte Großmutter wird von Woche zu Woche vergesslicher. Mit der häuslichen Situation ist Sigi ziemlich überfordert. Da tritt mit Tante Irmgard endlich eine Person in seine Welt, die ihn und seine Sorgen ernst nimmt und ihm einige gute Ratschläge (bezüglich Frauen) mit auf seinen weiteren Lebensweg geben kann. Ob er sich daran hält, werden wir hoffentlich in einem nächste Band lesen können.
Meine Meinung:
Wie schon bei den Vorgängern erzählt Autor Herbert Dutzler die Episoden aus Sigis (und vermutlich seiner eigenen) Jugend mit ein wenig Augenzwinkern.
Für alle jene, die die rund um 1960 geboren sind, ist dieses Buch eine Reminiszenz an die eigene Jugend: Nachprüfung in der Schule, Liebeskummer, (Hard)Rock hören sowie erste Jeans und Glockenhosen, inklusive. Einige werden sich vermutlich mit Abscheu an das Brummen des Schädels nach übermäßigem Konsum von Bier oder Wein und dem Rauchen erinnern.
Jetzt eben, beim Rezension schreiben, habe ich Deep Purple (Made in Japan, Machine Head) sowie Black Sabbath und Uriah Heep gehört.
Fazit:
Gerne bin ich mit Sigi wieder in die 1970er-Jahre eingetaucht, auch, wenn die eine oder andere Erinnerung für mich persönlich nicht so angenehm gewesen ist (verpatzte Nachprüfung in Französisch und sitzenbleiben). Aber, das ist eine andere Geschichte. Für die von Sigi gibt es jedenfalls 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Sieben Jahre von Tanja Kinkel
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Wer kennt sie nicht, die Erzählungen über die Schlesischen Kriege, deren dritter als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist? Ursprünglich als österreichischer Erbfolgekrieg geführt, um die Pragmatische Sanktion, die der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia ihre Recht auf den Thron sichern sollte, und sich zu einem Machtkampf in Europa entwickelt, weil jeder Herrscher glaubt, vertragsbrüchig werden zu müssen und der jungen Regentin Gebiete entreißen zu können.
Und in genau jene Epoche entführt uns Tanja Kinkel nun. Dabei geht es ihr nicht ausschließlich um militärische und politische Erfolge, sondern auch um das Selbstverständnis der Herrscherfiguren. Als Österreicherin liegen ja meine Sympathien bei Maria Theresia, die nie gekrönte Kaiserin von Österreich sondern Erzherzogin der österreichischen Erblande, Königin von Böhmen und Mähren sowie Königin von Ungarn und Herrscherin über Dutzende andere (kleine) Reiche, die hier zu erwähnen, den Rahmen sprengen würden. Kaiserin ist sie nur als Gemahlin von Franz Stephan von Lothringen, der als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zum KAISER desselben gewählt worden ist. Friedrich spricht auch in diesem Buch von Maria Theresia immer abschätzig als Königin von Ungarn. Nach ihrem Tod im Jahr 1780 wird er in einem Brief an d’Alembert 1781 schreiben.
„Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht.“
Geschickt und bildhaft versucht Tanja Kinkel die komplexe Person Friedrich, der sich 1756 am Zenit seiner Macht befindet, zu beschreiben. Wir lesen von seiner bekannten Beziehung zu seinem Vater, der ihn und seinen Freund Katte wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt, das Urteil dann aber doch nur an Katte vollstrecken lässt, aber Friedrich zum Zuschauen zwingt. Was das mit einer ohnehin schwierigen Vater-Sohn-Beziehung macht, kann man sich ausrechnen bzw. in weiterer Folge zum Beispiel an Hand seines Verhaltens seinem Neffen Friedrich Wilhelm gegenüber, den er zum Thronfolger bestimmt, aber gleichzeitig ziemlich ruppig behandelt, nachlesen.
Wir erfahren aber auch um andere, höchst emotionale Beziehungen innerhalb der Familie der Hohenzollern. Ich habe vor einigen Jahren das Buch von Katrin Feuerstein-Praßer Friedrich der Große und seine Schwestern gelesen, in dem das innige Verhältnis zu seinen Schwestern beschrieben wird. Zu den Brüdern Heinrich und August Wilhelm ist das Verhältnis ein wenig schwieriger, besteht es doch aus einem komplexen Geflecht aus Loyalität und Rivalität.
Was ich an Tanja Kinkel schätze, ist ihr Gespür für die Sprache in jener Zeit, in der das Werk spielt sowie das geschickte Verknüpfen von historischen Fakten und Fiktion. Dazu ist genaue Recherche erforderlich, die Tanja Kinkel perfekt beherrscht.
Zudem kommen hier mehrfach Perspektivenwechsel zum Einsatz, so dass ein und dieselbe Situation von unterschiedlichen Blickwinkel betrachtet werden. Das gefällt mir, weil sich si ein mehrdimensionales Bild der entsprechenden Lage ergibt.
Am Beginn dieses rund 850 Seiten starken historischen Romans finden wir ein Personenverzeichnis, das uns hilft die zahlreiche Mitglieder der Hohenzollern, ihre Feinde und Freund (auch in wechselnden Allianzen) auseinander zu halten.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman, der weder vom Umfang noch vom Inhalt ein Leichtgewicht ist, 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Dunkles Wien - Die Morde von Lainz von Lisa Jeglitsch
Fesselnd bis zur letzten Seite
Der Titel dieses Krimis hat mich sofort an die Mordserie jener Krankenschwestern erinnert, die in den Jahren 1983 bis 1989 zahlreiche Menschen im Krankenhaus Lainz ermordet haben. Doch das Lesen des Klappentextes hat mich eines Besseren belehrt. Hier geht es um eine Frau und einen Mann, die im Lainzer Tiergarten jeweils mit acht Messerstichen und mit einem Abstand von mehreren Jahren ermordet worden sind.
Doch von Anfang an:
Als man die Leiches des jungen Mannes aus dem Lainzer Tiergarten als Sohn einer wohlhabenden Wiener Familie identifiziert, weiß noch niemand, welche Kreise dieses Verbrechen ziehen wird und wie Ermittlerin vom LKA Wien
betroffen sein wird.
Zunächst sind die Kriminalbeamten Laura Sturm und ihr Kollege Karl Suchanek einem mutmaßlichen Täter auf der Spur. Sie stehen unter Druck, weil ihr Chef Martin Farkas den Fall noch vor den nahenden Weihnachtsfeiertagen abschließen.
Doch dann zweifelt Laura an dem Ermittlungsansatz. Sie erinnert sich an den Mord an einer Hebamme einige Jahre zuvor. Die tote Frau ist ziemlich genau am Fundort der aktuellen Leiche abgelegt worden und der modus operandi ist nahezu ident. Doch der damalige Täter sitzt im Gefängnis. Der Besuch in der Vollzugsanstalt Krems-Stein, in der jene Täter einsitzen, die eine lebenslange Haft verbüßen müssen, bringt außer einem Wiedersehen mit dem psychopathischen Mann und der Erkenntnis, dass er für den zweiten Mord das beste Alibi hat, wenig Erkenntnisse. Dennoch lässt Laura die Akten zum alten Fall ausheben.
Haben sie es mit einem Trittbrettfahrer zu tun?
Meine Meinung:
Lisa Jeglitsch präsentiert einen fesselnden Debüt-Krimi, bei dem wenig so ist, wie es scheint. Das beginnt bei den Eltern des toten Mannes, die wenig sympathische wirken und allerhand zu verbergen haben. Geld und Macht allein machen weder glücklich noch liebenswürdig.
In diversen Rückblicken erhalten wir Einblick sowohl in die Leben und Hintergründe der beiden Toten. Doch es gibt noch andere, die durch das Fehlverhalten der Hebamme Leid erfahren haben.
Die Charaktere, sowohl die guten als auch die schlechten, sind vielschichtig angelegt. Sie haben ihre Ecken und Kanten. Laura Sturm und Karl Suchanek sind ein gutes Team.
Ich habe recht bald eine Idee gehabt, wer für die Morde verantwortlich sein könnte, bin aber dann von der Autorin gehörig in die Irre geführt worden, um dann zum Schluss doch den richtige Riecher gehabt zu haben. Die zahlreichen Wendungen machen den Krimi so richtig spannend. Die Auflösung ist sehr gut gelungen.
Dieses Krimi-Debüt überzeugt durch eine stringente Handlung, komplexe Charaktere und das Flair von Wien abseits der üblichen Schauplätze. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung.
Fazit:
Diesem gelungenen Reihenauftakt, der mir ein unverwechselbares Lesevergnügen bereitet hat, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Eternal-Hope:
So tickt Wien von Norbert Philipp
Humorvoll geschriebener Versuch, sich dem Wiener Lebensgefühl anzunähern
Was macht Wien aus? Wie kann man die Seele dieser Stadt verstehen lernen?
Diesem vielschichtigen Thema nähert sich der "Presse"-Journalist, Kulturvermittler und Fremdenführer Norbert Philipp mosaikhaft von verschiedenen Seiten an. Das Buch liest sich unterhaltsam und leicht, auch wenn es ein paar Seiten gebraucht hat, bis ich mich eingelesen gehabt habe.
In lockerem, essayartigem Stil geht der Autor auf verschiedene Aspekte Wiens ein: da geht es um die verschiedenen Architekturprojekte wie die Oper oder ein Jahrhundert später das Museumsquartier, die alle am Ende nicht ganz so aussahen als ursprünglich geplant, aber schlussendlich ihren Platz im Herzen der Menschen gefunden haben. Genauso wie um Wienerlieder, Wiener Schmäh, aus der Zeit gefallene Fiaker, aber auch die Donauinsel und Neue Donau (ein marketingtechnisch wesentlich günstigerer Name als das ursprüngliche "Entlastungsgerinne", der zeigt, wie sich Wien charmant zu verkaufen weiß), die Fußgänger- und Begegnungszone auf der Mariahilfer Straße oder die Seestadt Aspern.
Ganz viel Prägung aus der Habsburgermonarchie gibt es, die man bis heute an vielen Gebäuden insbesondere in der Innenstadt oder an den sich immer noch so nennenden k.u.k. Hofzuckerbäckereien merkt, aber auch an der legendären Gemütlichkeit der Wienerinnen und Wiener, die einerseits mit einer Abgrenzung von den preußischen Tugenden verbunden war und andererseits auch mit einer Resignation zu Zeiten des Absolutismus, als man eh nicht viel tun konnte, fürs Nichtstun aber wiederum nicht belangt werden konnte: "Man kann Wien nicht unterstellen, dass es nicht versucht hätte, sich mit der Zeit zu arrangieren. Aber eben in seinem eigenen Tempo. Dass die Zeit anderswo fließt und läuft, aber hier nur tröpfelt und strawanzt, dafür kann man ja nix." (S. 129)
Immer wieder auch die Frage danach, was Wien und die dort lebenden Menschen verbindet und zusammenhält: "Doch in die riesigste von allen bringt man die größte Gemeinsamkeit unter: die Stadt selbst, in der man lebt. Sie ist die Klammer. Sie betrifft alle zugleich. Wie das Wetter, Sonntag und Winterschlussverkauf. Wien verbindet. Ob man will oder nicht." (S. 84)
Dabei hat Wien aber auch schon immer von der kulturellen Vielfalt gelebt, die die unterschiedlichen Menschen, die hierher gezogen sind, in die Stadt eingebracht haben: "Die "Wiener Luft" zwischen Kapuziner Gruft und Spitze des Donauturms ist prall gefüllt mit den unterschiedlichsten kulturellen Molekülchen. Doch das Einzige, was hier höchstwahrscheinlich nicht herumschwirrt, ist so etwas wie ein "echter Wiener". Dieser ist inzwischen hauptsächlich eine Figur der Folklore. Und war es höchstwahrscheinlich auch immer. Oder besser gesagt: eine Figur der Mythologie. Natürlich glaubt man manchmal, eine unscharfe Silhouette von ihm an irgendeiner Ecke gesehen zu haben, aber das glaubt man vom Christkind und vom Ungeheuer von Loch Ness auch." (S. 112)
Als eine, die ihr ganzes Leben in der Nähe von Wien verbracht und auch einige Jahre dort gelebt hat, habe ich die Lektüre des Buches sehr unterhaltsam und interessant gefunden, einiges wiedererkannt und viel Neues gelernt. Insofern kann ich das Buch allen, die sich für Wien interessieren, durchaus empfehlen.
Klar sein muss einem dabei, dass es sich um eine humorvolle Kulturcharakteristik und keinen klassischen Reiseführer handelt. Im Anhang des Buches findet sich außerdem eine Literaturliste, mit der das Thema noch weiter vertieft werden kann, wenn sie auch kein richtiges Quellenverzeichnis ist, in dem man einzelne Details nachschlagen könnte, was ich ein bisschen schade finde.
Insgesamt ist es jedenfalls ein interessantes, gut geschriebenes und humorvolles Werk, das viele Aspekte der Wiener Kultur gut auf den Punkt bringt und interessante Hintergründe dazu liefert.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit von Ken Follett
Für mich persönlich ein Flop
Dieses Buch ist eine herbe Enttäuschung für mich. Es wirkt auf mich, wie aus zahlreichen Versatzstücken zusammengestoppelt. Ähnlichkeiten im Ablauf und den Charakteren aus der Kingsbridge-Reihe sind zu erahnen.
Die Geschichte selbst könnte überall und zu jeder Zeit spielen. Nur hin und wieder gibt es Hinweise auf die Errichtung von Stonehenge vor 2.
500 Jahren. Zu dieser Zeit leben Jäger, Bauern und Hirten in der Gegend. Man begegnet einander kaum, was gut ist, sind sich doch die Gruppen spinnefeind. Besonders ausgeprägt ist die Rivalität zwischen Hirten und Bauern. Die einen kultivieren das Land und die andern beanspruchen dasselbe als Weide für ihre Tiere. Ob sich die Gesellschaften der drei Gruppen wie beschrieben unterschieden hat? In der bäuerlichen Gruppe erhebt sich einer über alle und beansprucht alles Land, Vieh und Frauen, während bei den Hirten Mann und Frau gleichberechtigt und friedlich zusammenleben. Naja, ich weiß nicht.
Es kommt, wie es kommen muss: Nach einer Dürre eskalieren die köchelnden Konflikte und nichts ist mehr wie früher.
Obwohl lt. Verlagsinfo die bewährten Übersetzer am Werk sind, fällt der eher lieblose Umgang mit der Sprache auf. Zudem häufen sich Tippfehler, was bei einem Buch eines Bestsellerautors nicht passieren dürfte.
Die Handlung ist banal und zieht sich zusätzlich noch, es gibt kaum Spannung und die Charaktere sind nur schwarz oder weiß.
Fazit:
Dieser erschreckend banalen Handlung, die zudem lieblos niedergeschrieben (oder übersetzt) wirkt, kann ich leider nichts abgewinnen und bewerte den Roman, den man kaum als historisch bezeichnen kann, mit einem Stern.
Rezensionen von Claudia H.:
Good Boy von Sarina Bowen; Elle Kennedy
Manchmal muss Frau eben zum Glück gezwungen werden
Worum es geht:
Jess organisiert die Hochzeit ihres Bruders, dabei will sie ihrer Familie beweisen, wie gut sie in ihrem Job ist. Zudem möchte sie schon wieder einmal den Job wechseln und weiß nicht genau, wie sie das ihrer Familie erklären soll. Doch das ist nicht schon genug Stress, nein ausgerechnet der Eishockeyprofi Blake ist einer der Trauzeugen.
Und mit genau diesem total nervigen Typen hatte Jess mal ein One-Night-Stand, von dem sie eigentlich möchte, dass es nie jemand erfahren wird.
Mein Fazit:
Hierbei handelt es sich um eine lockere und teilweise auch ganz heitere Lovestory, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Jess und Blake sind mir beide gleich sympathisch gewesen. Blake findet Jess richtig gut, Jess dagegen findet Blake einfach nur nervig. Da Blake allerdings nicht locker lässt, gibt es so einige Interaktionen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Mir hat die Lovestory sehr gut gefallen und es gab auch ein paar nette spice Szenen. Dies ist das erste Buch der WAG-Reihe und ich freue mich schon auf den weiteren Teil.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ich gebe gerne 4 Sterne.











