Kunden em pfehlungen
Rezensionen von verhei:
Ein kleines Lied über das Sterben von Timo Blunck
Faszinierend skurriler Thriller, mit schwarzem Humor-nichts für zarte Nerven
Tom Mangold, ein in Ungnade gefallener, ehemaliger Mordermittler, arbeitet als Hausmeister in der Laubenkolonie, in der er illegalerweise auch wohnt. Eine Aufgabe, einen streunenden Hund einzufangen, doch dieser verhält sich eigen und man fragt sich, ob er Zuschauer bei einem Verbrechen war. Eines vorweg, ein Buch wie dieses kannte ich noch nicht.
Beworben als Kriminalroman, mit abgründigem Humor und einem brutalen Mord, würde ich auch Horror und Thriller in die Beschreibung hinzufügen. Ohne zu viel der Handlung preiszugeben, lässt sich das allerdings nicht ausreichend erklären. Jedoch wenn man zartbesaitet ist, sollte man eher die Finger davonlassen, denn es wird eben blutrünstig und nimmt auch Folter auf.
Das Setting ist modern, vollkommen in der derzeitigen modernen Gesellschaft verwachsen, auch wenn das Cover vielleicht einen 70er Jahre Krimi erwarten lassen würde. Man wird in einen Strudel an Ereignissen geworfen, und tut sich schwer das Buch beiseitezulegen, auch auf Grund des lebendigen oft bildhaften Erzählstils. Man wird von (schwarzem) Humor unterhalten, und ruhige Szenen wechseln sich mit actionreichen, teils grotesken Szenen ab, alle paar Kapitel eine neue Überraschung. Eben ein wilder Ritt. Gut unterstützt wird dies durch die aus wechselnder Perspektive erzählten Kapitel, die dem Leser im Gegensatz zur Figur natürlich einen Wissensvorsprung geben und damit noch mehr mitfiebern lassen.
Ich mochte die Charaktere, ihre Dialoge und die Beziehungen untereinander. Speziell der gefallene Held/Antiheld Tom Mangold und der kleine Hund sind mir ans Herz gewachsen.
Ein großartiger Lesespaß und eine Mischung die ich so bisher noch nicht kannte. Jedoch nichts für schwache Nerven.
Rezensionen von xxx:
Noch einmal ... von Oliver Jeffers
Ein visuelles Kunstwerk mit Herz, Verstand und Vision.
„Noch einmal...“ von Oliver Jeffers ist ein außergewöhnliches Bilderbuch, das sich nicht nur durch seine eindrucksvolle Gestaltung, sondern auch durch seinen tiefgründigen Inhalt auszeichnet. Es richtet sich an Erwachsene – und das merkt man: Es lädt dazu ein, über die Menschheitsgeschichte, unsere Gegenwart und unsere gemeinsame Zukunft nachzudenken.
Die Kombination aus poetischem Text und großartigen Illustrationen hat mich sofort begeistert. Jede Textpassage ist durch die Bilder perfekt unterstrichen und erweitert, sodass ein ganz besonderes Leseerlebnis entsteht. Oliver Jeffers schafft es, mit wenigen Worten und eindrucksvollen Bildern große Fragen zu stellen: Woher kommen wir? Wo stehen wir? Und wohin gehen wir?
Besonders berührt hat mich, wie es Jeffers gelingt, mit Leichtigkeit und gleichzeitigem Tiefgang zentrale Themen unserer Zeit anzusprechen. Das Buch regt zum Innehalten und Reflektieren an – ein Geschenk an sich selbst oder an Menschen, denen man etwas wirklich Besonderes mitgeben möchte.
Rezensionen von carola1475:
Über die Toten nur Gutes von Andreas Izquierdo
Unterhaltsamer und auch tiefgründiger Krimi mit einem ungewöhnlichen Ermittler
Mads Madsen ist Trauerredner und lebt mit seinem Vater zusammen in Glücksburg an der Ostsee. Beim Erstellen seiner Reden leistet Mads oft Detektivarbeit, damit seine Worte dann auch passen und dem Verstorbenen gerecht werden.
Als sein Kindheitsfreund Patrick getötet wird und Mads merkwürdige Hinweise erhält, versucht er mehr über ihn herauszufinden, denn sein Kontakt zu Patrick war vor vielen Jahren abgebrochen.
Weil er trotzdem eine gute Trauerrede halten will, beginnt er mit den Recherchen, die sich als schwierig und verwirrend erweisen.
Andreas Izquierdo ist seinen Figuren ebenso zugewandt wie Mads den Menschen. Mads verschrobener Vater Fridtjof widmet sich immer mal wieder einem neuen Hobby, für das er dann auch seinen Sohn zu begeistern versucht, und er vermisst nach 20 Jahren immer noch seine verstorbene Frau. Neugierig macht mich ebenso der verschlossene Thanatopraktiker Herr Barnardy vom Bestattungsunternehmen Amelung, dessen Juniorchef Fiete Mads' bester Freund ist. Manche Charaktere sind etwas überspitzt dargestellt, was der Unterhaltsamkeit für mich keinen Abbruch tat, im Gegenteil.
Rückblenden zu Mads' Kindheit, seiner Freundschaft mit Patrick, dessen Jugend und Entwicklung und auch ein unerwartet enthülltes Familiengeheimnis der Madsens, das zu Diskussionen mit Fridtjof und den Geschwistern führt, zeigen, dass man sich der Auseinandersetzung mit den Überraschungen des Lebens nicht entziehen kann.
Izquierdo schreibt einfühlsam, lebendig und bildhaft. Die Geschichte hat Wortwitz, ist humorvoll und auch tiefgründig, wenn es um Trauer, Verlust und Freundschaft geht.
Besonders gefallen hat mir, wie der Autor schon zu Beginn mit den Erwartungen des Lesers spielt und auch das Lokalkolorit Flensburgs und Glücksburgs hat er gut eingefangen. Richtig spannend wird der Krimi etwa ab der zweiten Hälfte. 'Über die Toten nur Gutes' hat mir gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Band der neuen Reihe dieses vielseitigen Autors.
Rezensionen von liesmal:
Über die Toten nur Gutes von Andreas Izquierdo
Eine Geschichte, die alle Sinne berührt
Wenn ich einem farbigen Cover ansehen kann, dass das Buch einen witzigen Krimi beinhaltet, dann lasse ich lieber die Finger davon. Anders bei einem Roman von Andreas Izquierdo. Da weiß ich, dass er es versteht, Spannung und Humor so in Einklang zu bringen, dass es auf keinen Fall kitschig oder albern wird.
„Über die Toten nur Gutes“ hat Witz und trotzdem eine tiefgründige und spannende Handlung.
Mads lebt mit fast 30 Jahren immer noch mit seinem Vater Fridtjof und einer kleinen Malteserhündin zusammen. Dass der Beruf des Trauerredners für ihn der richtige ist, davon kann ich mich schnell überzeugen. Bei einer etwas ungewöhnlichen Trauerfeier ist allerdings auch bald klar, dass Fridtjof etwas speziell ist.
So überwiegend witzig, wie das Buch beginnt, so spannend wird es, nachdem Mads vom Tod seines früheren Freundes Patrick erfährt, für den er eine Trauerrede halten soll. Er fragt sich, warum sein Freund so früh gestorben ist, beginnt mit seinen eigenen Ermittlungen und stößt dabei auf Menschen, die alles andere als vertrauensvoll erscheinen.
Mit Hauptkommissarin Mills bringt eine Polizeibeamtin, die in dem Fall ermittelt, frischen Wind, aber auch zusätzliche Verwirrung in Mads‘ Spurensuche.
Mich hat die Geschichte großartig unterhalten, sämtliche Fragen über Beweggründe und Entscheidungen der Menschen um Patrick herum beantwortet und damit alle meine Sinne angesprochen.
Gerne gebe ich meine volle Leseempfehlung allen, die die Art ernsthafter Krimis lieben, die gut abgestimmt und mit Herz, einer guten Prise Humor und Spannung gefüllt sind.
Rezensionen von Morten:
Oishii! von Stefan Braun
Japans kulinarischer Alltag (mit Rezepten)
Ist es ein Kochbuch? In Teilen. Eigentlich ist Stefan Brauns Oishii eine Reise in den kulinarischen Alltag Japans. Wundervoll bebildert, charmant beschrieben. Und mit einzelnen, auch in Europa leicht nachkochbaren Rezepten ergänzt. Kleine Abzüge gibt es allerdings in der B-Note. Dazu später mehr.
Oishii ist japanisch und heißt so viel wie lecker.
Was im Buch selbst, wenn ich es nicht überblättert habe, gar nicht aufgelöst wird. Stattdessen geht es um den Tagesablauf der Japaner:innen und was diese dabei essen – auf dem Weg zur Arbeit, in der Pause und nach Feierabend. Und ganz besonders um letzteres, um die Izakayas, eine Art gemütlicher Gastro-Pubs, in denen einfache, leckere Speisen und Bier serviert werden. Auch schon mittags übrigens.
Was mir gut gefällt: Stefan Braun, renommierter Fotograf, zeigt das Leben in den Gaststätten mit wunderbaren Fotos. Die Menschen, die dort sitzen, essen und trinken. Er erklärt die Gewohnheiten, Begriffe, Bräuche und Sitten. Und er gibt ganz am Ende auch ein paar persönliche Tipps für die Suche nach den besten Izakayas. Davon hätte ich mir fast ein bisschen mehr gewünscht, aber er nennt auch passende Instagram Seiten, um Japans Kulinarik abseits der großen, teuren Restaurants zu entdecken.
Ich mag auch sehr die Vielfalt der Rezepte, vom Rührei für die Bentobox über gebratene Nudeln mit Hackfleisch bis zu Ramen und gefüllten Kroketten. Sachen, die in die Pausenbox oder für ein Picknick passen. Oder für ein familiäres Mittag- und Abendessen. Kein Rezept braucht exotische Zutaten, vieles findet sich in gut sortierten Super- oder wenigstens in anliegenden Asia-Märkten. Manche Rezepte setzen auf Fertigprodukte, was vielleicht in einem Kochbuch erst einmal befremdlich wirkt, aber mit Blick auf eine schnelle Zubereitung sinnvoll ist.
Ein (klitzeklein) wenig störend ist die Tatsache, dass sich manches wiederholt. So behandeln gleich zwei Doppelseiten, eine in der ersten Hälfte, eine gegen Ende, die Shokuhin Sampuru, Nachbildungen von Speisen vor Restaurants aus Kunststoff. Das ist interessant, aber eben auch leicht repetitiv. Und Leser:innen sollten wissen, dass Oishii kein klassisches Kochbuch ist. Dafür sind einfach zu wenige Rezepte enthalten. Eher ein schönes, toll inszeniertes Coffee Table Book über den kulinarischen Tag der Japaner:innen. Und das ist vielleicht ja auch ein Alleinstellungsmerkmal. Ein richtig gutes.
Rezensionen von brauneye29:
Protokoll eines Verschwindens von Alexander Rupflin
Interessanter Mix
Zum Inhalt:
Die Ärztin Isabella überzeugt ihren Bruder Gabriel aus der Favela Rios zu ihr nach Deutschland zu kommen. Erst funktioniert auch alles für Gabriel. Er findet einen Job, verliebt sich. Doch dann verschwindet er spurlos. Für Isabella beginnt eine verzweifelte Suche. Gleichzeitig versucht Fabio sein unauffälliges Leben weiterzuführen, während in seinem Gästezimmer eine Leiche vor sich hin verwest.
Meine Meinung:
Das Erschreckende an dem Buch, dass die ganze Geschichte auf einem wahren Fall beruht. Ja, die Namen sind angepasst und natürlich ist das ein oder andere sicherlich für den Romanfluss angepasst worden, aber den wahren Fall hat man schnell gegoogelt und die Geschichte ist schon nah am Geschehenen wie es scheint. Der Autor hat viel recherchiert. Was ich schon erstaunlich fand, dass dies ein Erstlingsroman ist, das finde ich schon bemerkenswert, wieviel Mühe der Autor sich gemacht hat und wie einerseits sachlich berichtet wird, anderseits doch auch die Personen nahbar werden und das selbst beim Täter. Ich hatte auch die Hörbuchversion, da musste ich mich schon ein wenig an die Art des Vortrags gewöhnen, aber am Ende gefielen mir beide Varianten.
Fazit:
Interessanter Mix
Rezensionen von Katrin:
Im Dickicht der Erinnerungen von Ursel Schmid
Eine Journalistin auf Selbstfindung
Das Cover fand ich persönlich sehr ansprechend. Beim Lesen wurde mir dann erst bewusst, dass es den verstorbenen Charakter der Musikerin Loulou zeigt und eventuell angedeutetes Blut.
Story:
Dora ist Journalistin. Sie ist von Selbstzweifel und Traumata ihrer Kindheit und Jugendzeit geplagt. Ihr Verlag möchte, dass sie einen Artikel über eine Sängerin und ehemalige Schulfreundin namens Loulou schreibt, doch bevor sie das Interview führen kann, stürtz Loulou in den Tod.
Selbstmord, Unfall, oder wurde eventuell sogar "nachgeholfen"?
Dora klagt in einer Bar der Wirtin ihr Leid. Ein Mann der nur flüchtig erwähnt wurde, war nicht nur stummer Zuhörer, sondern ebenfalls Journalist, ein Konkurrent. Harry, er war ein Mann von bärenhafter Figur, stellte sich Dora vor und gegen aller Skepsis Vertraute sie ihm beinahe augenblicklich. Er half ihr mit seinen Verbindungen und beide waren fortan befreundet. Eine sehr vertraute Dynamik entstand zwischen den Beiden.
Dora führte einige Interviews mit Zeitzeugen der Sängerin. Obgleich es ein Ex-Geliebter, Bandkollege oder sogar die Physiotherapeutin war, jeder hatte einen anderen Blick und andere Ansichten auf das Leben der großartigen Loulou.
Am Weg den Tod ihrer Freundin aufzuklären, fand sie sich immer wieder in einem Dickicht aus Erinnerungen, die vor ihren inneren Augen aufflammte wieder. Dora war kurz davor sich selbst in den Gedanken an ihre Probleme in der Familie/ Freunde und den starken Selbstzweifel zu verlieren, doch Harry stärkte sie ungemein.
Werden sie Zusammen die Puzzleteile der Interviews aneinanderreihen und so herausfinden was Loulous Tod heraufbeschworen hatte? Werden Harry und Dora ein Paar? Kann Dora ihre Selbstzweifel hinter sich lassen?
Viele Fragen, deren Antworten sich im Buch verbergen und die es sich herauszufinden lohnt.
Fazit:
Anders als die Romane die ich sonst lese, ist diese Geschichte sehr ruhig. Viele Seiten mit jede menge Details, aber eigentlich sehr wenig Inhalt. Die Rund 230 Seiten sind dennoch sehr schnell gelesen. Trotz eigentlich wenig Story verliert man weder Lust noch Faden. Ich persönlich fand die zweite Hälfte des Buches besser als die erste. Auch das Ende fand ich wunderbar.
Die Autorin Ursel Schmid hat meiner Meinung nach, sehr viel Liebe zum Detail in beide Hauptcharaktere Dora und Harry gelegt. Ich mochte die Dynamik zwischen ihnen sehr gerne. Was mir nicht gefiel, das Englisch-Deutsche Interview. Mir wäre da entweder oder lieber gewesen.
Auch wenn mich das Buch nicht 100% überzeugt hat und ich mir dann doch noch mehr in Richtung Krimi und Aufklärung des "Falles Loulou" gewunschen hätte, war es für mich eine willkommene Abwechslung es zu lesen.
Von mir gibt es 4 von 5 Sterne, weil mir Schreibweise und Handlung sehr gut gefallen hat.
Rezensionen von Petra Sch.:
Aber bitte mit Sonne von Angelika Schwarzhuber
trotz ernstem Thema ein wundervoller Wohlfühlroman
4,5 Sterne
Die 29jährige Lucy glaubt plötzlich, bald sterben zu müssen. Denn sie ist familiär vorbelastet.
Um den Rest ihres Lebens lieber schön zu verbringen anstatt sich mit Behandlungen zu quälen, beschließt sie zu kündigen und ihren Traum wahr zu machen: eine Reise in die Karibik!
Doch das Leben macht ihr einen Strich durch die Rechnung.
Aufgrund eines Unfalls kann sie nicht reisen und muss mit einem Gipsbein bei ihrem Onkel Mike in Bayern bleiben. - Doch Mike hat einen neuen Koch aus Italien, Matteo, und den hält sie nicht länger aus.
Die Geschichte ist in Ich-Form aus Sicht von Lucy geschrieben, wodurch man noch tiefer in ihre Gedanken- und Gefühlswelt abtauchen kann.
Die Erzählweise ist lebendig, authentisch und mitreißend; und man fühlt so sehr mit Lucy mit!
Auch die Kabbeleien zwischen ihr und Matteo konnte ich gut nachvollziehen und waren teilweise humorig; und ich war genauso wie Lucy überrascht, als Matteo sich plötzlich als so achtsam und einfühlsam entpuppt, und durch die verschiedenen Einfälle, Karibik-Feeling in Lucys Leben zu bringen, ihre Stimmung heben will.
Und auch Onkel Mike (der mein heimlicher Favorit war) ist so ein besonderer Mensch, denn er kümmert sich liebevoll um seine erwachsene Nichte.
Die ganze Geschichte, die Atmosphäre ist so wundervoll, doch ich hatte einen großen Kritikpunkt: mich hat soo geärgert, dass Lucy einfach etwas angenommen hat, ohne sich überhaupt untersuchen zu lassen. Da hätte ich sie gerne mal geschüttelt - ja, ich kann ihre Angst durchaus nachvollziehen, aber gerade deshalb sucht man in so einem Fall doch so rasch wie möglich einen Arzt auf!
Fazit:
Ein humorvoller, sommerlicher Wohlfühlroman mit einem ersten Thema - doch Lucy hätte ich öfter mal schütteln wollen.
Rezensionen von Miro:
Plant Lady von Minyoung Kang
Das Ende der toxischen Männlichkeit
Yu-hee hat genug von ihrem Bürojob, der sie nicht erfüllt und stürzt sich in ihrem Traum, einen eigenen Pflanzenshop zu eröffnen. Schnell wird dieser zu einer grünen Ruheoase und von Menschen aus allen Ecken der Stadt aufgesucht. Vor allem Frauen finden in dem Laden einen Platz zum Ausruhen und bei Yu-hee ein offenes Ohr für ihre Nöte.
Yu-hee hat keine guten Erfahrungen gemacht mit Männern. Schon als Teenager war sie Mobbing-Attacken ausgesetzt und als Erwachsene ist sie auch immer wieder an Männer geraten, die in ihr ein leicht manipulierbares Opfer sahen. Doch irgendwann wollte Yu-hee auch aus diesem patriarchalen Gesellschaftsgefüge aussteigen und begann an der toxischen Männlichkeit Rache zu nehmen. Männer sind ein guter Dünger und ihre Pflanzen gedeihen hervorragend!
Als Leserin kann ich ein bisschen mit Yu-hee mitfühlen, aber die Brutalität ihrer Taten geht doch über bloßen Rachegedanken weit hinaus. Es ist diese Ambivalenz, die diesen Roman so spannend macht. Da ist einerseits die gefühlvolle Pflege der Pflanzen, ihre Geduld und Empathie, wenn es um das Leid anderer Frauen geht und andererseits die kaltblütige Mörderin, die vor nichts zurückschreckt und nie Spuren hinterlässt.
Die Motive sind klar und die Opfer haben Strafe verdient, aber Selbstjustiz kann man natürlich niemals gutheißen. Somit lädt der Roman dazu ein, über Geschlechterrollen, Gerechtigkeit, Schuld und Verantwortung nachzudenken. Und das mit einer brise schwarzem Humor. Hat mir ausgesprochen gut gefallen!
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Die Assistentin von Caroline Wahl
Durchwachsen
"Die Assistentin" von Caroline Wahl ist in der Hörbuchfassung von der Autorin selbst gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen. Die Stimme der Sprecherin kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit kommen die Eigenheiten von Wahls Stimme klar heraus.
Stimmen sind unterschiedlich und indivduell, Sprechweisen unterscheiden sich voneinander. Insbeonsondere, wenn die sprechende Person kein professionelles Sprechtraining absolviert hat. Das wird bei der Vertonung dieses Buches deutlich und daher sollte jede Person vorab über die Hörprobe entscheiden, ob es sich für den individuellen Geschmack gut anhört oder nicht. Ich persönlich habe mich im Verlauf des Buches immer besser an die individuelle Sprechweise der Autorin gerwöhnt und habe keine negativen Auswirkungen aufs Gesamterlebnis empfunden.
Die Handlung selbst hat mir gefallen, auch wenn es einige Längen und auch ungewöhnliche Stilmittel im Buch gab. Die Handlung "zoomt" immer Mal heraus und als lesende/hörende Person wird man direkt angesprochen, es wird auf Zeitsprünge, Raffungen oder "dazu später mehr" verwiesen. Teils haben diese Stilmittel gut funktioniert, teils haben sie den Lesefluss eher gestört, als etwas für die Handlung zu tun. Grundsätzlich hat mir die Handlung um Charlotte gefallen, sie ist mir sympathisch gewesen, wenngleich sie insgesamt etwas eindimensional gezeichnet wurde. C. wirkt damit auch häufig passiv, scheint wenig Einfluss auf ihre eigene Situation zu nehmen. Gefühlt habe ich mehr Auseinandersetzung mit Cathy Hummels als mit sich selbst gelesen - möglichweise eine Persiflage auf aktuelle Social-Media-Trends und der Überhöhung des dortigen Inhaltes, aber für mich nicht gelungen. Viel eher las es sich teils misogyn und auf persönlicher Ebene abwertend, das ist schade (aber leider auch oft realistisch). Auch die Beziehung zur Mutter ist nicht durch Herzlichkeit und Vertrauen geprägt, auch hier ist viel Abwertung und negative Bewertung der anderen Person vorherschend. Dieses Muster scheint sich durch viele persönliche Beziehungen von Protagonistin Charlotte zu ziehen.
Die Charakterisierung des Verlegers hingegen habe ich als sehr gelungen gefunden, musste auch öfter schmunzeln und viel öfter empört den Kopf schütteln. Hier finde ich die Überspitzung gelungen und auch die fortwährende Übergriffigkeit ggü. C. gut dargestellt. Wenngleich das Hörbuch als ein ein Hörbuch über Resilienz und Überleben beworben wird, habe ich nur wenig beschriebene Reilienz vorgefunden....
Ich komme nicht umhin "Die Assistentin" mit den zwei vorangegangenen Büchern der Autorin zu vergleichen, auch wenn sie inhaltlich nicht vergleichbar sind. Dennoch habe ich in diesem Buch eine weniger starke Charakterdarstellung und einen weniger gelungenen Spannungsaufbau empfunden. Insgesamt ein solides Buch mit netter Storry - aber eher ein Buch für zwischendurch und nichts, was nachhaltig in meinen Gedanken bleibt.











