Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Havers:
Vega Varg - Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg
Gut gemacht, Frau Hellberg!
„Das Schweigen der Insel“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe, in der Vega Varg die zentrale Rolle spielt.
Schon das Cover unterscheidet sich deutlich von dem, was man üblicherweise bei skandinavischen Krimis gezeigt bekommt. Kein farbenfrohes Häuschen am strahlenden blauen Wasser, sondern eine abgerockte Bretterbude in the Middle of nowhere.
Gelb-braun-schwarze Düsternis.
Und auch Vega Varg, die Polizeichefin von Koster (zwei dünnbesiedelte Inselchen zwischen Schweden und Norwegen), unterscheidet sich deutlich von den Ermittlern/Ermittlerinnen, mit denen man es üblicherweise in den skandinavischen Krimis zu tun hat. Keine durchtrainierte Superwoman, sondern eine 62jährige Frau mit scharfem Verstand, die wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und mich schon nach den ersten Seiten an Ann Cleeves „Vera“ erinnert hat, obwohl Vega wesentlich empathischer mit ihren Mitmenschen umgeht.
Eine Leiche wird gefunden. Es ist Fredde, ein Kindheitsfreund ihrer beiden Söhne (beide auch bei der Polizei), der als Kind regelmäßig bei ihnen am Tisch saß, wenn es in seinem Zuhause mal wieder dicke Luft war. Und dann verschwindet auch noch eine Person aus der Gruppe derjenigen, die den Toten gefunden haben, was zur Folge hat, dass Unterstützung aus Oslo anrückt. Lepold Posse, nicht nur Kollege sondern auch bester Freund...
Ja, es dauert etwas, Åsa Hellberg lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte, was aber bei einem Reihenauftakt nicht ungewöhnlich ist, muss der Leser/die Leserin doch sowohl die Personen als auch das Setting erstmal kennenlernen. Ihre Erzählweise ist völlig unaufgeregt, fast schon entspannt, und dass sie Routine hat, merkt man. Hat sie ja bereits erfolgreich bewiesen.
Gelungen sind die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht sind, was Zuordnungschaos vermeidet. Aber auch die Familienkonstellation Vegas ist interessant, denn wann hat man das schonmal, dass eine ganze Familie bei der Polizei beschäftigt ist und sich der Verbrechensaufklärung widmet?
Ich lese seit Jahrzehnten Krimis und freue mich immer wieder, wenn mich ein/e Autor/in mit Wendungen überrascht, die ich nicht vorhersehen konnte. Und auch die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht wurden, fand ich gelungen, weil damit das Zuordnungschaos vermieden wird.
Gut gemacht, Frau Hellberg, und ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Vega Varg!
Rezensionen von Havers:
Vega Varg - Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg
Gut gemacht, Frau Hellberg!
„Das Schweigen der Insel“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe, in der Vega Varg die zentrale Rolle spielt.
Schon das Cover unterscheidet sich deutlich von dem, was man üblicherweise bei skandinavischen Krimis gezeigt bekommt. Kein farbenfrohes Häuschen am strahlenden blauen Wasser, sondern eine abgerockte Bretterbude in the Middle of nowhere.
Gelb-braun-schwarze Düsternis.
Und auch Vega Varg, die Polizeichefin von Koster (zwei dünnbesiedelte Inselchen zwischen Schweden und Norwegen), unterscheidet sich deutlich von den Ermittlern/Ermittlerinnen, mit denen man es üblicherweise in den skandinavischen Krimis zu tun hat. Keine durchtrainierte Superwoman, sondern eine 62jährige Frau mit scharfem Verstand, die wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und mich schon nach den ersten Seiten an Ann Cleeves „Vera“ erinnert hat, obwohl Vega wesentlich empathischer mit ihren Mitmenschen umgeht.
Eine Leiche wird gefunden. Es ist Fredde, ein Kindheitsfreund ihrer beiden Söhne (beide auch bei der Polizei), der als Kind regelmäßig bei ihnen am Tisch saß, wenn es in seinem Zuhause mal wieder dicke Luft war. Und dann verschwindet auch noch eine Person aus der Gruppe derjenigen, die den Toten gefunden haben, was zur Folge hat, dass Unterstützung aus Oslo anrückt. Lepold Posse, nicht nur Kollege sondern auch bester Freund...
Ja, es dauert etwas, Åsa Hellberg lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte, was aber bei einem Reihenauftakt nicht ungewöhnlich ist, muss der Leser/die Leserin doch sowohl die Personen als auch das Setting erstmal kennenlernen. Ihre Erzählweise ist völlig unaufgeregt, fast schon entspannt, und dass sie Routine hat, merkt man. Hat sie ja bereits erfolgreich bewiesen.
Gelungen sind die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht sind, was Zuordnungschaos vermeidet. Aber auch die Familienkonstellation Vegas ist interessant, denn wann hat man das schonmal, dass eine ganze Familie bei der Polizei beschäftigt ist und sich der Verbrechensaufklärung widmet?
Ich lese seit Jahrzehnten Krimis und freue mich immer wieder, wenn mich ein/e Autor/in mit Wendungen überrascht, die ich nicht vorhersehen konnte. Und auch die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht wurden, fand ich gelungen, weil damit das Zuordnungschaos vermieden wird.
Gut gemacht, Frau Hellberg, und ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Vega Varg!
Rezensionen von hohleborn8:
Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson
Fünf vor zwölf
Die Naturschutzbiologin Anne Sverdrup-Thygeson schreibt einen Roman über eine Frau, die an einem Tiefpunkt ihres Lebens, eine Auszeit von ihrem bisherigen Leben in Oslo nimmt, um in der entlegensten Ecke ihres Landes den als ausgestorben geltenden Eremitenkäfer zu suchen und nebenbei eine Kartierung der Flächen vorzunehmen.
Ein Buch über das Thema unserer Zeit, den Naturschutz, so denkt man.
Aber dieses Buch ist so viel mehr. Die Autorin handelt in ihrem knapp 500 Seiten umfassenden Roman viele wichtigen Themen unserer Zeit ab.
Die 33 Jahre alte Biologin Eva lernt an ihrem neuen Wirkungsort ihre Nachbarin Olga kennen, eine eigenwillige 76 Jahre alte Frau, die ihr ganzes Leben auf dem Hof ihrer Familie verbrachte und nun seit 12 Jahren alleine dort lebt. Die beiden Frauen, die zunächst keinen Draht zueinander finden, verbindet so viel in ihrem Leben. Sie leben beiden nicht nur mit und für die Natur, sie haben auch beide ihr neugeborenes Kind verloren. Ein Trauma, das ein Leben prägt und grundlegend verändert.
Bald stellt sich heraus, dass die einzigartigen uralten Eichenwälder von Olgas Heimat demnächst einem Tagebau zum Opfer fallen sollen.
Bei ihren Gesprächen über den Verlust ihres Kindes freunden Eva und Olga sich an und erkennen, dass sie einander helfen können. Nicht nur in der Bewältigung ihrer Trauer, sondern auch beim Schutz der von beiden so geliebten Natur, aber auch bei der Bewältigung von 68 Jahre alten Familiengeheimnissen.
In einer stillen Geschichte über die Gefahr für unsere Natur packt Anne Sverdrup-Thygeson eine zu Herzen gehende Geschichte über die Freundschaft zweier Frauen, die gemeinsam den Verlust ihrer Kinder überwinden und wieder zu sich selbst finden. Das Schicksal von Olga ist tragisch. Mit der späten Freundschaft findet sie nicht nur aus ihrer Isolation sondern auch zu einer Versöhnung mit ihrem Vater in letzter Minute.
Der Autorin gelingt es exzellent in der Geschichte zweier Frauen und ihrer persönlichen Traumata ihr Fachgebiet, den Naturschutz, dem Leser näher zu bringen.
Ein Buch für jung und alt, packend bis zum Schluss. Es lädt dazu ein, der faszinierenden Natur Skadinaviens mal wieder einen Besuch abzustatten.
Rezensionen von C. P.:
Feine Risse von Elisa Hoven
Eine Art Episodenroman über mehrere Fälle einer Strafverteidigerin
Eva Herbergen ist eine Strafverteidigerin des älteren Semesters. Einige kennen sie bereits aus Elisa Hovens Roman Dunkle Momente, ich durfte sie mit diesem Buch neu kennenlernen. Das funktionierte auch ohne Vorkenntnis der ersten Bandes recht gut.
Obwohl Eva in ihrer Karriere bereits viel gesehen und erlebt hat, dem Einfallsreichtum der Straftäter/innen sind keine Grenzen gesetzt.
Gegliedert ist der Roman in mehrere Einzelfälle, welche Eva Herbergen betreut, der Aufbau erinnert hierbei an einen Episodenroman. Der Stil der Autorin ist angenehm fokussiert, ohne sich in Fachvokabular oder endlosen Gerichtsszenen zu verlieren. Ihr Hauptaugenmerk liegt weniger darauf, den Lesenden ein Mitermitteln zu ermöglichen wie bei einem Krimi. Vielmehr darf man die Fälle aus Evas Perspektive erleben, also mitsamt ihren Gedanken, Emotionen und Zweifeln. Dabei hat sie Eva als Ich-Erzählerin so gut platziert, dass ich mich wiederholt daran erinnern musste, dass nicht Eva die Autorin ist, sondern nur ein fiktiver Charakter. Begleitend durch das ganze Buch gibt es eine Gegebenheit in Evas Privatleben, welche ebenfalls eine gewisse kriminalistische sowie ethische Relevanz hat.
Die genannten Fälle erinnern an TrueCrime-Fälle in abgeänderter Form und mögen dadurch versierten TrueCrime-Fans bekannt vorkommen, was der ethischen Sichtweise keinen Abbruch tut. Bei einigen Fällen war ich von der Arroganz und Abgebrühtheit, mit welcher die Täter davonzukommen glaubten oder gar tatsächlich davon kamen, regelrecht schockiert, während andere Fälle sich in moralische Grauzonen verschieben, über die sich gut in Lesegruppen diskutieren ließe.
Für mich ist Feine Risse eine gelungene Entdeckung einer interessanten Autorin, deren Schweibweise angenehm strukturiert ist, ohne die Menschen an sich aus den Augen zu verlieren oder sich auf Effekthascherei zu stürzen. Ein Buch, dass es zu lesen lohnt!
Rezensionen von Streiflicht:
Nebelbeute von Benjamin Cors
Unbedingt lesen!
Nachdem ich bereits die ersten beiden Bände voller Begeisterung gelesen habe, war ich natürlich auch auf dieses neue Werk von Autor Benjamin Cors sehr gespannt. Empfindlichere Seelen und Gemüter sollten es sich vielleicht überlegen, diese Reihe zu lesen, denn zum Teil ist es schon ziemlich krass und geht auch tief in die Abgründe der menschlichen Natur.
Immer könnte ich sowas auch nicht lesen, aber ich muss gestehen, dass die Reihe einen gewissen Sog auf mich ausübt.
Dieses Buch ist tatsächlich auch nicht so brutal, aber psychologisch schon sehr mitreißend. Hier wird es ziemlich persönlich für die Ermittler und zwischendrin muss mal schon mal die Augen zumachen und tief durchatmen, bevor man weiterlesen kann. Wer aber die ersten beiden Bücher der Reihe mochte, wird auch hier bei "Nebelbeute" wieder voll auf seine Kosten kommen. Ich bin nun sehr gespannt, wie es weitergeht wird. Oder war das schon der finale Band um die legendäre Gruppe 4? Was mit Mila passiert ist und ob der Fall gut für sie endet? Verrate ich nicht ... Unbedingt selbst lesen, aber bitte in der richtigen Reihenfolge, die die Bücher bauen sehr aufeinander auf!
Rezensionen von -Madita123-:
Alleinruhelage von Eva Menasse
Vielleicht wird das mein Buch des Jahres!
Wie lange habe ich mir gewünscht, mal wieder ein Buch in den Händen zu halten, das mich meine Umgebung, meinen Alltag, meine größeren und kleineren Verpflichtungen vergessen lässt. Ich wollte es nicht weg legen, wollte lesen, lesen, lesen.
Jetzt habe ich die letzten Seiten umgeblättert, habe mich gemeinsam mit der Ich-Erzählerin von einen kleinen Haus in "Alleinruhelage" an einem See irgendwo im Brandenburger Nirgendwo verabschiedet - und fühle mich irgendwie einsam.
Lesend habe ich mehr als zwanzig Jahre mit der Protagonistin, ihren wachsenden und wechselnden Familienmitgliedern verbracht, bin mit ihr weit zurück in die Zeit des Nationalsozialismus, in die Zeit des Kalten Krieges, in die Zeit der Wiedervereinigung und in die aktuelle Zeit gereist.
Wie klug, überlegt und sprachgewandt sie Dinge darlegt, hinterfragt, wertet und auch eine Wertung dem lesenden Publikum überlässt, all das hat mich außerordentlich begeistert. An vielen Stellen hat sie mich amüsiert, weil ihre Sprache voller Witz und Farbigkeit ist. Aber sie kann auch anders, versteht Zwischentöne zu setzen, Nachdenklichkeit zu provozieren und Emotionen zu wecken.
Mein Fazit: Ein großartiges Buch von einer großartigen Autorin, das ich uneingeschränkt empfehle!
Rezensionen von C. P.:
Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen. von Amy Coombe
Verflucht zur Gemütlichkeit
Prinzessin Tandy reist von einer Verpflichtung zur nächsten. Sie nimmt den Stress mit Humor: wenigstens kann sie auf ihren vielen Reisen mit der Kutsche ausreichend lesen. Es sei denn, ihr gehen die Bücher aus, wie im beschaulichen Little Pepperidge, bekannt für seine pastellfarbenen Bauten sowie seine erfolgreiche Schafzucht.
Ihr spontaner Besuch im hiesigen Buchladen ist allerdings auf eher unerwartete Weise ihre Rettung: Ein Fluch bindet sie an den Buchladen. Als neue Besitzerin ist sie fortan zur Gemütlichkeit gezwungen, bis ihr Herzenswunsch sich erfüllt. Nach der Logik ihrer Eltern kann das nur der Kuss eines der sieben Prinzen sein.
Ihr ahnt es bestimmt bereits, so einfach ist die Sache dann doch nicht. Welche Frau hat schon als Herzenswunsch, von jemandem geküsst zu werden, für den sie keinerlei Gefühle hegt? Die Cozy Fantasy entwickelt sich auf ruhige, aber charmante Weise mit dem Ziel, für sich selbst zu entscheiden, was man will, statt es immer nur anderen Recht zu machen. An Tandys Seite gibt es eine Katze, bei der man nie weiß, wo sie gerade wirklich ist. Teenager-Drakonin Sasha (so eine Art Drachenmensch) räumt sowohl im Buchladen als auch in Tandys Leben mal so richtig auf. Und dann wäre da noch ein Pirat, der auf frech-charmante Weise Tandys Herz gewinnt und nebenbei ihre Sachen klaut.
Die Besuche der verschiedenen Prinzen sind natürlich ebenfalls ganz amüsant, wenn auch meist wenig spektakulär, und ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich sie jeweils mit teilweise veralteter Etikette umgehen. Wie Tandy machen sie eine kleine Charakterentwicklung durch, sind allerdings eher Nebenbei-Charaktere, die kommen und gehen. Der Fokus liegt auf Tandy, Drakonin Sasha und dem Piraten.
Das Buch bildet in etwa ein halbes Jahr ab und ich empfand es als sehr (!) gemütliche Fantasy mit dem Ziel, dass Tandy endlich für ihre eigenen Wünsche einsteht, die sie für sich erstmal definieren muss. Da Tandy und der Pirat bereits Erwachsene sind entwickelt sich ihre Beziehung zueinander auch entsprechend, wenn auch sehr, sehr slow-burn, wobei das Buch ohne explizite Szenen auskommt.
Die Stärke des Romans ist zugleich auch dessen Schwäche, für manche ist der Roman evtl etwas zu gemütlich, denn wirkliche Highlights kommen kaum vor und Tandys Aussprache mit den königlichen Eltern würde ich doch eher in einem Jugendroman verorten. Ebenso wurde kaum kritisiert, dass eine Prinzessin hier von fremden Männern geküsst wird, weil jemand anderes es so wünscht, statt von vornherein gemeinsam mit der Verfluchten nach einer anderen Lösung zu suchen. Diese Übergriffigkeit wurde nur relativ am Schluss wie nebenbei angesprochen. Die Art des des Piraten, nur faul rumzusitzen und Fragen zu umschiffen, also Raum für sich zu beanspruchen ohne hilfreich zu sein, empfand ich mit der Zeit als immer nerviger. Und Tandy selbst war mir auf Dauer auch zu passiv, sie hat sich fast schon gegen alles gewehrt, was eine wirkliche Veränderung mit sich bringen könnte. Das hätte vielleicht auf eine 82-jährige gepasst, aber doch nicht auf eine 22-jährige, die noch was erleben will, weil sie bisher kaum etwas Eigenes erlebt hat!
Gute Ideen, denen in der Umsetzung der Pfiff gefehlt hat mit einer jungen Protagonistin, die zwar sympathisch ist, zugleich frei fast jeglicher altergerechter Ambitionen. Von mir 3,5/5 Sterne.
Rezensionen von Ruth:
Lori von Anousch Mueller
Verschweigen, verdrängen
Neben dem Klappentext war es hier v.a. das Cover, das meine Aufmerksamkeit erregt hat. Ein Bild, wie von Gerhard Richter gemalt. Es zeigt zwei Kinder, wobei nur das jüngere deutlich zu erkennen ist, das ältere wendet seinen Blick weg vom Betrachter, hin zum anderen Kind. Alles leicht verwischt, bewusst unscharf.
Wie gut das Cover zum Inhalt des Romans passt, erweist sich nach der Lektüre.
Neugierde weckt auch der Prolog: „Wenn sich ein Geheimnis löst, beginnt die Geschichte von Neuem.“ so lautet der erste Satz. Und es geht weiter mit: „Jeden von uns gibt es ab dann in der einen und in der anderen Version. In der ersten Version bin ich die älteste Tochter meiner Eltern, die Erstgeborene….In der anderen Version bin ich die Zweite, die Statthalterin. Die dem Vergleich nicht standhält.“
Es ist die Ich- Erzählerin Helena Ross, genannt Leni, die einen so kritischen Blick auf sich selbst hat und die sich hier auf die Suche nach dem Geheimnis begibt, das wie ein Schatten über ihrer Familie liegt.
Sie lebt mit ihren Eltern und den zahlreichen Geschwistern auf einem stillgelegten Bahnhofsgelände in der thüringischen Provinz. Im Dorf nennt man den Bahnhof „Das Ende der Welt“; vor ihnen wohnten hier „Asoziale“ - Kriminelle oder „Politische“. Und auch um Lenis‘ Familie ranken sich zahlreiche Gerüchte.
Trotzdem erleben Leni und ihre fünf Geschwister eine beinahe harmonische Kindheit, voller Abenteuer in der Natur. Auch wenn die Mutter oft abwesend wirkt, beständig beschäftigt ist mit dem neuesten Baby und sich ansonsten in jeder freien Minute hinter Büchern vergräbt.
Dafür ist der Vater stets liebevoll und besorgt, kümmert sich als Rettungssanitäter nicht nur um die kleinen und größeren Wunden seiner Kinder. „Immer war es Papa, der die tröstenden Worte sprach. Immer war es Mama, die sich abwandte, immer mit einem Baby auf dem Arm.“
Doch warum ist die Mutter oft so abweisend, in sich gekehrt, warum ist der Vater ständig in Sorge, seine Kinder könnten sich verletzen? Und was hat das mit den bruchstückhaften Erinnerungen von Leni zu tun, die sie immer wieder heimsuchen? Was ist das für ein Mädchen, das im Traum ihre Hand hält? Und weshalb steht im Mutterpass der Mutter: „Schwangerschaften: 7 Geburten: 7“, obwohl die Familie nur sechs Kinder hat? Hat sie ihre Erinnerung an eine Schwester namens Lori doch nicht getrogen?
Um Antworten auf all diese Fragen zu bekommen, muss zurückgegangen werden in die Geschichte der Eltern, die sich 1974 in Cottbus begegneten. Und dabei zeigt sich wieder einmal, wie sehr ein diktatorischer Staat in das private Leben seiner Bürger eingreift. Und wie stark das noch die nachfolgenden Generationen betrifft und belastet, bekommen wir hier ebenfalls zu lesen. Denn jenes unheilvolle Geschehnis, über das in der Familie beharrlich geschwiegen wird, belastet alle. Sämtliche Geschwister haben als Erwachsene mit psychischen Problemen zu kämpfen.
Lori stürzt sich schon früh in eine aussichtslose Beziehung zu einem verheirateten Mann. Dass ihr Lutz, Freund seit Kindertagen, immer zur Seite steht, hilft ihr dabei nicht. Zu spät erkennt sie, was sie selbst für Lutz bedeutet hat.
Erst als erwachsene Frau findet Leni den Mut, mit ihrer Mutter über all das Vergangene zu reden.
Anousch Mueller nähert sich ihren Figuren mit sehr viel psychologischem Feingefühl. Dabei schafft sie ambivalente Charaktere, Menschen mit Brüchen und Kanten, deren Entwicklung man interessiert folgt.
Die Geschichte wird nicht chronologisch entwickelt, sondern mit vielen Vorausdeutungen, Rückblenden usw. Das schafft Spannung und erzeugt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Dabei bleiben Leerstellen, auch das ist stimmig.
Atmosphärisch dicht sind vor allem die Beschreibungen von Lenis Kindheit und Jugend und ihre verschwommenen Erinnerungen. Berührend sind auch die Gedichte von Lutz, die die Autorin in den Text einfließen lässt.
Informationen über den Unrechtsstaat DDR werden meist organisch in die Romanhandlung eingebettet.
So ist „Lori“ ein leiser, aber umso eindringlicher Familien- und Entwicklungsroman, der die Folgen von Sprachlosigkeit und Verschweigen thematisiert, und der auch literarisch überzeugt. Lesenswert!
Rezensionen von Mabla59 :
Sunny Baking Time von Theresa Haubs
Sommerliche Backideen
Sunny Banking time" von Theresa Haubs ist ein Backbuch, das einlädt, sich quer durch die früchte des Sommers zu backen.
Schön das Cover macht große Lust auf Sommer, Sonne und die Früchte einer Saison.
Nach einem erfreulich kurzen theoretischen Teil geht's gleich rein in die Rezepte.
Hier habe ich zu meiner Freude auch das Rezept für "Himmel und Hölle" wiedergefunden. Ein Kuchen, den ich schon in meiner Jugend geliebt habe. Leider ist mir das Rezept dann abhanden gekommen.
Alle Anleitungen sind einfach nach zu backen und alle Zutaten sind eigentlich überall, wenn nicht aus dem eigenen Garten, dann aus dem Einzelhandel, erhältlich.
Ansprechende Fotos begleiten jedes Rezept
Sehr gut gefallen hat mir die Playlist. Nicht nur zum Backen, auch für den Sommer perfekt
Das Buch sollte keiner Hobbybäckerin oder keinem Hobbybäcker fehlen
Rezensionen von Barbara G.:
The New Love Times, Band 1 - Written into my Heart von Saskia Louis
Ich hab schon mehrere Bücher der Autorin gelesen und hab dieses nun gehört. Mir hat es so gut gefallen, dass ich das Buch auch gelesen habe. Wie immer hat mich der Schreibstil der Autorin total gefesselt, die Hörbuchsprecherin und der -sprecher haben das ihre dazu beigetragen. Haters to lovers ist super umgesetzt, ohne dass es nur ein Abspielen von Mustern wirkt.
Beide Charaktere sind gut fassbar gewesen für mich, man erfährt nicht so wenig von ihnen und kann ihre Beweggründe immer gut nachvollziehen. Also zumindest meist, natürlich kann man gegen Ende schonmal den Kopf schütteln, warum es da nochmal Reibungen gibt, aber das gehört ja dazu. Jedenfalls hab ich beide sehr gut getroffen gefunden. Das Setting mit Journalismus wurde sehr glaubwürdig eingefangen, ich fand auch das Kleinstadtflair der Zeitung gut eingefangen. Es war für mich ein Hörbuchhighlight, dass mir so manche Autofahrt versüßt hat und mich zum Schmunzeln gebracht hat. Und beim nochmals lesen sind mir dann nochmal andere Details aufgefallen, was perfekt für mich war.










