Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Grado im Traum von Andrea Nagele
Eine Leseempfehlung
In diesem, ihrem 11. Kriminalfall für die Gradeser Commissaria Maddalena Degrassi kehrt Autorin Andrea Nagele wieder zum oft eintönigen Alltag der Polizei in Grado zurück.
Degrassi und ihr Team sind mit der Ausbildung von drei jungen Neuzugängen, darunter Gina Biasut, die ihre Anstellung vorrangig der Verwandtschaft mit dem Bürgermeister und nicht ihrer Sachkenntnis verdankt und dabei ein völlig unangebrachtes Selbstbewusstsein sowie eine Ellbogenmentalität an den Tag legt, die man noch selten gesehen hat, beschäftigt.
Damit noch nicht genug, bekommt es das Team mit einem Reifenschlitzer zu tun, der bereits zahlreiche Autos beschädigt hat.
Wenig später erscheint Felix Bischofsberger, ein vom Leben und der Moral seiner Firma enttäuschter Österreicher, auf der Dienststelle und gibt zu Protokoll, dass er zwei Männer, die einen Mord an einer Frau planen, gehört hat. Das Blöde ist nur, dass Bischofsberger mehr als betrunken war und die Polizei ihm nicht glaubt.
Als dann der Hund eines Touristenehepaar tatsächlich die Leiche einer toten Frau am Strand findet, ist klar, dass Bischofsberger das Gespräch über das Mordkomplott nicht im Rausch geträumt hat ....
Meine Meinung:
Das hat Maddalena Degrassi gerade noch gebraucht! Ein blondes Gift, dass sich wichtig macht, ihre Kollegen desavouiert, auf ihren Maddalens Posten spekuliert und sich beim Big Boss Scaramuzza, Degrassis Stiefvater, einschleimt.
Auf dem Weg zu Scaramuzzas Penthouse, der sie und ihren Onkel, den Bürgermeister zu einem Diner eingeladen hat, ergibt sich zwischen den beiden folgender Dialog, der darlegt, das das Selbst- und Fremdbild von Gina Biasut weit auseinanderklafft:
„Der Comandante ist von mir angetan. Die Commissaria hingegen ...“ Gina stockte „nun, sie will immer alles bestimmen. Auf mich reagiert sie neidisch. Was kann ich dafür, dass sie älter ist und verhärmt aussieht? Ich gehöre eindeutig nicht zu ihren Lieblingsmenschen.“
Auf Onkels Frage, wie sie sich mit den anderen Kollegen versteht, antwortet sie wie folgt:
„Piero Lippi ist so eine Art Leibeigener, fast wie ein Sklave seiner Chefin. Rita Beltrame, eine aus der Form geratene Frau, rühmt sich einzig und allein damit, die Tochter des Hausarztes von Grado zu sein. Der übergewichtige Guido Lippi ist wirklich fies zu mir. Bevor ich kam, war er Scaramuzzas erklärter Favorit, sein Thronfolger gewissermaßen. Er lässt keine Gelegenheit aus, um sich mit mir auf eine oberlehrerhafte Art zu duellieren. Die Rechthaberei scheint sein einziges Vergnügen zu sein. Wann immer es geht, lässt er mich auflaufen.“
In der Tonart geht es weiter und unter Verdrehung der Tatsachen, behauptet sie, sie alleine hätte den Reifenschlitzer dingfest gemacht.
Doch das Abendessen läuft für die Biasut so gar nicht nach ihrem Geschmack. Zum einem hat sie nicht mit der aristokratischen Noblesse von Maddalenas Mutter gerechnet, die ihr sehr unterschwellig, aber bestimmt zeigt, wo ihr Platz ist und zum anderen hat das blasierte und verwöhnte Gör Austern, Hummer und dergleichen erwartet, aber dann Gradeser Hausmannskost von Scaramuzza eigenhändig gekocht, vorgesetzt bekommen.
Ich denke, die Probezeit wird nicht verlängert, denn solche Intrigantin braucht das Team um Degrassi nicht wirklich. Sie muss ja nicht unbedingt getötet werden, wenn sie einen törichten Alleingang wagt. Sie könnte ja noch Rom wechseln. Vielleicht ist dort ein Platz für eine blonde Intrigantin frei.
Andrea Nagele hat für Maddalena Degrassi ein positive Überraschung in petto: Lupo Salomon, ein Kollege aus Gorizia/Görz und Spezialist für Phantombilder holt längst vergessen geglaubtes Gefühl, nämlich ein leichtes Kribbeln in ihrem Bauch hervor. Bahnt sich hier eine zarte Liebesgeschichte an?
Zwar gehen über den Trubel mit Biasut, die weiter ihre Intrigen spinnt, die Ermittlungen rund um Bischofsbergers Traum und den Mord ein wenig unter. Doch der Showdown am Ende macht es wieder wett.
Fazit:
Diesen 11. Fall für Commissaria Degrassi, die langsam zu ihrer alten Form findet, habe ich sehr gerne gelesen. Diesem Krimi, der für mich wie Heimkommen ist, gebe ich gerne 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Das Lavendelkloster von Alexander Oetker
Krimiautor Oetker einmal anders
Krimiautor Alexander Oetker einmal anders. Gemeinsam checken wir für eine Woche in einem Schweigekloster ein und begleiten mehrere Personen auf der ungewohnten Reise in die Stille. Wir, das sind wir Leser, der erfolgreiche Geschäftsführer Julien und Emma, die endlich ihre toxische Beziehung hinter sich lassen möchte, sowie andere Reisende, die jeweils für sich den Weg aus dem lauten Alltag zur inneren Ein- und Umkehr beschreiten möchten.
Unter dem beruhigendem Duft des Lavendels und der fachkundigen Anleitung der Klostergemeinschaft, fällt das Schweigen gar nicht mehr so schwer, werden doch alle anderen Sinne geschärft und die nonverbale Kommunikation sagt mehr als tausend Worte.
Meine Meinung:
Zunächst bin ich mit ein wenig Vorsicht an dieses Buch herangetreten, habe ich doch erst vor Kurzem Professor Reinhard Hallers Buch „Toxisches Schweigen. Wenn Schweigen zur Waffe wird“ gelesen. Alexander Oetker, den ich von seinen zahlreichen Krimis her kenne, hat hier ein tollen (Liebes)Roman geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat. Üblicherweise bin ich ja nicht so die Herz-Schmerz-Leserin, aber hier ist alles wohl temperiert und gar nicht kitschig.
Der Schreibstil ist fast schon poetisch zu nennen und bezaubert durch die intensive Beschreibung der neuen Wahrnehmungen von Julien und Emma. Man kann den intensiven Duft des Lavendels richten.
Gut hat mir gefallen, wie oft Julien während der Anreise ans Aufgeben und Umkehren gedacht hat. Dass er den inneren Schweinehund überstimmt hat, um diese Auszeit für sich selbt in Anspruch zu nehmen, ist ein großer Gewinn.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Erzählung von sich selbst Finden und einen Neuanfang wagen, 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Fährmann von Regina Denk
Eine klare Leseempfehlung!
Schauplatz sind die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch den Grenzfluss Salzach in Österreich-Ungarn und Deutschland getrennt sind. Man kennt sich und heiratet über die Grenze hinüber. Der einzige, der davon ausgenommen ist der Fährmann. Er darf wegen des gefährlichen Berufs, den aber jeder braucht, keine Familie gründen.
In Zeiten ohne Sozialversicherung würden seine Hinterbliebenen der jeweilige Dorfgemeinschaft zur Last fallen. Diese Ehelosigkeit führt oft dazu, dass der Fährmann ein Gspusi mit der einen oder anderen verheirateten Frau eingeht, was auch nicht ganz ungefährlich ist.
Soweit der historische Hintergrund vor dem dieser Roman spielt. Es ist auch die Zeit, in denen Frauen nichts, aber auch gar nichts zu sagen hatten, sondern möglichst viel Mitgift und Arbeitskraft in die Ehe mitbringen soll und für zahlreiche Söhne (Töchter sind nur eine Last) zu sorgen hat.
Der aktuelle Fährmann ist Hannes Winkler, ein Bauernsohn, der wegen seines älteren Bruders keine Chance hat, den elterlichen Hof zu übernehmen. Er liebt heimlich seine Jugendfreundin Elisabeth, die allerdings Josef Hofer, den Erben des größten Hofes diesseits der Salzach heiraten soll - so haben es die beiden Väter seit langem ausgemacht. Diese Entscheidung trifft nicht nur Hannes und Elisabeth, die seine Gefühle erwidert, hart, sondern auch die Wirtstochter Annemarie, Elisabeths beste Freundin, die sich Chancen auf eine Heirat mit Josef ausgerechnet hat. Doch Josef ist ein gewalttätiger Mann, der nur sein Vergnügen im Sinn hat und sich seinem ebenfalls brutalen Vater unterordnet.
Als Österreich-Ungarn an der Seite Deutschlands Serbien 1914 den Krieg erklärt, ist Josef wie Tausende andere junge Männer Feuer und Flamme für den Krieg. Man(n) verspricht, bis Weihnachten siegreich wieder zu Hause sein - das Ergebnis ist bekannt. Erst im Großen Krieg kann Josef endlich aus dem Schatten seines dominanten Vaters heraustreten. Als er dann, an Körper und Seele schwerst versehrt sowie morphiumsüchtig, auf den Hof, den Elisabeth, seine Mutter und Schwester in seiner Abwesenheit so gut wie möglich bewirtschaftet haben, zurückkehrt, bereitet er seiner Familie und da vor allem Elisabeth, die Hölle auf Erden. Das von den Frauen erwirtschaftete Geld gibt er ohne nachzudenken für Morphium aus. Er macht den Frauen Vorwürfe den Hof abgewirtschaftet zu haben. Als der erstgeborene Sohn Vinzenz verschwindet, eskaliert die unhaltbare Situation.
Meine Meinung:
Regina Denk hat mit diesem historischen Roman ein Dokument der patriarchalischen und oft archaischen Lebensart entworfen, in der die Männer über Leben und Tod ihrer Familien geherrscht haben. Die Frauen haben keinen Wert, sind oft nur ein personifiziertes Objekt, an dem man(n) sich, je nach Laune abreagieren konnte. Das muss Annemarie am eigenen Leib über sich ergehen, wie ehedem auch ihre Mutter, die Wirtin. Für die ist es selbstverständlich zur Ankurbelung des Schnapskonsums (und damit zum höheren Einkommen), ihre Tochter zu prostituieren.
Sprachlich ist der Roman ein Hochgenuss, auch wenn es für die eine oder andere Leserin schwer ist, über solche Zustände zu lesen.
Gerne hätte ich mehr über die alte Fanny gelesen, die als Kräuterfrau in einer Kate lebt. Natürlich abseits der Gemeinschaft und scheel angesehen. Ich bin sicher, hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand wird sie Hexe genannt. Dass Fanny letztendlich Annemarie als Lehrling aufnimmt und sie aus der übergriffigen Wirtsstube entkommt, ist für Annemarie eine gute Lösung.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der durch Regina Denks fesselnden Schreibstils in seiner düsteren und intensiven Art besticht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
1776 von Joseph J. Ellis
Hat mich leider nicht überzeugt
Im Sommer des Jahres 2026 jährt sich die Unabhängigkeitserklärung der USA zum 250. Mal. Grund genug für zahlreiche Autorinnen und Autoren diesem Gründungsmythos nachzugehen. Stimmt das, was seither überliefert worden ist? Oder ist die Sache vielleicht doch ein wenig anders verlaufen als überliefert? Hat wirklich EIN Sommer die Welt verändert?
Leider habe ich mit diesem Buch ausgerechnet jenes erwischt, das die Ereignisse für mich (vermutlich wie für die meisten Leser) viel zu kompliziert und detailreich darstellt.
Ja, es stimmt, die Lage von Mai bis Oktober 1776 ist komplex und kompliziert. Dennoch hätte ich mir eine anschaulichere Schilderung gewünscht. Denn gleichzeitig fehlt mir ein wenig eine Zusammenfassung was die Jahre zuvor passiert oder eben nicht passiert ist. Und trotzdem, nicht alles, was Historiker und Autoren wissen, muss den Lesern in dieser Fülle an Informationen nahe gebracht werden. Dem Buch deutlich anzusehen, dass Ellis‘ Spezialgebiet „Die Gründerväter der Vereinigten Staaten“ sind.
Joseph J. Ellis‘ Standpunkt, die politische Dimension und die militärischen Ereignisse sind untrennbar miteinander verbunden, weil sie einander bedingen, sind für mich (noch) schlüssig. Dass der US-amerikanische Autor und Historiker behauptet, sie würden bei anderen Autoren getrennt behandelt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht unterliege ich dem aktuellen „Priming“, in dem ich alle Informationen, die direkt aus den USA kommen, einmal mit Vorsicht betrachte.
Wer die USA und ihr spezifisches Sendungsbewusstsein verstehen will, muss zu ihrem Ursprungsmythos zurückgehen: zur Amerikanischen Revolution, die bereits 1763 mit dem Steuerstreit zwischen dem Britischen Mutterland und den Kolonisten in Nordamerika, begonnen hat. Aber, dafür bräuchte es eine einleitende Zusammenfassung des Status Quo, der die Jahre vor 1776 betrachtet. Die hat uns der sonst so detailreich dozierende Autor leider vorenthalten, so dass sich der Eindruck manifestiert, in eine komplexe Sache einfach hineingeworfen zu werden. Um diese Lücke zu schließen, empfehle ich Volker Depkats Buch „Die amerikanische Revolution“ aus der Reihe C.H. Beck Wissen, vorab zu lesen. Dann wird einiges, das Joseph J. Ellis hier beschreibt, ein wenig klarer.
Dieses Buch ist nichts für Einsteiger in die Materie und schon gar kein Sachbuch für Jugendliche, wie es an einigen Stellen angepriesen wird.
Fazit:
Diesem Buch, das die sechs Monate des Jahres 1776 sehr detailliert darstellt, gebe ich 3 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Die Welt in ihren Händen von Olivier Guez
Eine Leseempfehlung
Olivier Guez hat mit diesem Buch, der unkonventionellen Gertrude Bell (1868-1926), die man in außerhalb Großbritanniens kaum kennt, ein Denkmal gesetzt.
Wer war sie nun, diese Frau, die den überwiegenden Teil ihres Lebens im Mittleren Osten verbrachte, die von Freunden und Feinden ehrfurchtsvoll “Effendi” genannt wurde?
Geboren 1868 als Tochter des reichen Industriellen Thomas Hugh Bell und seiner Frau Mary Shield.
Drei Jahre später stirbt ihre Mutter kurz nach der Geburt des Sohnes Maurice. Das wissbegierige Mädchen darf in Oxford studieren, den Doktortitel verweigert man ihr wie allen Studentinnen. Heiraten will sie nicht, verliebt sich aber in Henry Cadogan, einem notorischen Spieler, der von der Familie als Ehemann abgelehnt wird. Sie beugt sich ihrem Vater und setzt ihre Reisen im Zweistromland fort. Sie lernt Farsi und verbringt viele Jahre als Archäologin in Mesopotamien. Sie trifft auf Männer wie T. E. Lawrence, der als Lawrence von Arabien bekannt wird, der sie nicht leiden kann und ihre Erkenntnisse als die seinen ausgibt. Dennoch werden sie gemeinsam den Aufstand der Araber gegen die Türken organisieren.
Während des Ersten Weltkriegs sammelt sie als Agentin des Britischen Geheimdienstes Zahlen, Daten, Fakten und erhält im Oktober 1917 die Auszeichnung “Commander of the British Empire”. Gleichzeitig zieht sie die Fäden bei der Einsetzung von Prinz Faisal als König im Irak, der recht bald versucht, ihren Einfluss zurückzudrängen.
Gertrude Bell wird nicht mehr nach England zurückkehren. Sie stirbt 1926 im Alter von 58 Jahren unter nicht ganz geklärten Umständen. In der New York Times erscheint folgender Nachruf
„Seit Königin Zenobia hat keine andere Frau für die Geschicke des Mittleren Ostens eine so wichtige Rolle gespielt.“
Aber stimmt das? Und was bleibt von Gertrude Bell?
Sie gilt als gemeinsam mit Sir Percy Cox als die eigentliche Gründerin des Irak und bestimmte die Landesgrenzen.
Sie hat nach Inkraft-Treten der Balfour-Deklaration die Konflikte zwischen Juden und Arabern in Palästina vorhergesehen.
Sie wird ehrenamtliche Leiterin des archäologischen Museums in Bagdad sein, dessen Gründung sie vorangetrieben hat.
Sie hat zahlreiche Werke persischer Dichter ins Englische übersetzt.
Doch bei allen politischen Erfolgen Gertrude Bells darf nicht vergessen werden, dass sie durch ihre Tätigkeit den Grundstein für die Gewalt im Nahen und Mittleren Osten, die uns bis heute beschäftigt und Abertausende Tote gefordert hat (und noch immer fordert), gelegt hat.
Von Autor Olivier Guez habe ich bereits das Buch „Das Verschwinden des Josef Mengele“ gelesen, das ähnlich gut strukturiert ist. Das Buch ist in 27 Kapitel geteilt, die sowohl Orts- als auch Datumsangabe enthalten, sodass die Rückblenden sofort erkennbar sind.
Guez hat für seine Biografie über Gertrude Bell penibel recherchiert und zeichnet ein interessantes Bild dieser unkonventionellen Frau, die so emanzipiert erscheint. Dennoch ist sie gegen das Frauenwahlrecht und reist in typisch britischer Frauenkleidung, also Hut, Mieder und Dutzende Meter Stoff im Damensattel durch die Wüste. Auch wenn das Coverbild vielleicht gestellt war, zeigt es sie in dieser Aufmachung.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Buch, das zum besseren Verständnis der Örtlichkeiten eine Landkarte enthält, 4 Sterne.
Rezensionen von Niko:
Pause von Lena Kupke
Pausr
Hanna, die Protagonistin aus Lena Kupke’s Roman „Pause“, kehrt nach einer Panikattacke von Berlin nach Lüneburg zurück, wo ihre Eltern und Geschwister leben. Sie versucht weiterzumachen, ihr Leben weiterzuleben, ohne Hilfe von außen zu bekommen, als es nichts passiert wäre. Doch das ist nicht so leicht und sie muss endlich akzeptieren, dass sie erst eine Pause braucht.
Lena Kupke’s Buch beschreibt den ganzen Prozess, ab dem Zeitpunkt, wo die Dinge nicht mehr zusammenhalten, bis Hanna endlich Frieden mit sich selbst macht und die Heilung möglich wird. Die Autorin lässt die LeserInnen an allen Selbstgesprächen der Protagonistin teilzunehmen und ihre Gedanken und Hoffnungen kennenzulernen. Die wichtigsten Menschen in Hanna’s Leben sind ihre Familie, ihre Schwester und die Eltern. Alle Charaktere haben für mich authentisch gewirkt. Auch wenn niemand so ist, wie Hanna vielleicht bräuchte oder sich gewünscht hätte, sie lieben sich als Familie und halten zusammen auch in den schweren Zeiten.
Das Hörbuch ist von Autorin selbst vorgelesen. Am Anfang musste ich mich an der Stimme gewöhnen, doch nach einer Zeit sah ich wie viel Wärme und Zuneigung die Autorin ihrer Protagonistin einbringt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Lena Kupke erzählt überraschend lustig über ein schweres, aber heutzutage sehr gewöhnliches Thema, psychische Gesundheit und wie man nach einem Zusammenbruch heilen kann.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Meine Gesundheitsretter aus der Natur gegen Bluthochdruck von Dr. med. Franziska Rubin
Eine Leseempfehlung
Kampf dem Bluthochdruck!
Dr. Franziska Rubin hat nach ihrem Ratgeber „Meine Gesundheitsretter aus der Natur gegen Bauchfett“ einen gegen Bluthochdruck verfasst. Für alle jene, die schon länger Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen (müssen), zeigt sie, wie diese durch angepasste Ernährung die erhöhten Werte dauerhaft absenken lassen.
Zunächst erklärt die Autorin wie Bluthochdruck entsteht und wie man ihn senken kann. Auch die Auswirkungen, die leider nicht nur eine optische Beeinträchtigung sind, werden gut erläutert. Die Grafiken und Abbildungen sowie die Beiträge machen deutlich, worum es nötig ist, dem Bluthochdruck den Kampf anzusagen, bzw. es tunlichst gar nicht entstehen zu lassen. Beides nicht einfach zu bewerkstelligen. Klar ist es einfacher ein Blutdruck senkendes Medikament einzunehmen als mehrmals täglich frisch zu kochen oder Bewegung zu machen.
Der Rezept-Teil hätte für mich ein wenig ausführlicher sein können. Übrigens, es gibt eine gute Nachricht für alle jene die Schokolade lieben. 10 bis 30 Gramm dunkler Schokolade ab 70% Kakaogehalt bzw. Kakao-Nibs sind dem Absenken der Bluthochdrucks durchaus zuträglich. Juhu!
Fazit:
Ein kompakter Ratgeber, der sehr gut erklärt wie Bluthochdruck entsteht und warum man ihm den Kampf ansagen sollte. Gerne gebe ich dem anschaulichen Buch 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Tod im Piemont - Weißer Trüffel, schwarzer Tod von Anna Merati
Ein feiner Urlaubskrimi
Anna Merati lässt Sofia Dalmasso, die Betreiberin eines kleinen Cafés im oberhalb des Lago Maggiore gelegenen Ort Corazzo, abermals ermitteln. Das Café ist die Drehscheibe im Ort bei dem sich der Pfarrer und mehrere ältliche Damen zum Kartenspiel treffen. Man spielt nicht um Geld, sondern nur um ein Gläschen Prosecco.
Dass der Pfarrer ins Hintertreffen gerät, ist nicht die einzige Besonderheit im Café. Denn Sofias Nonna Valerija hat sie nicht nur das Torten, Kekse und Nudel machen gelehrt, sondern auch das Kaffeesatzlesen. Das erfreut sich bei den Dorfbewohnern und Fremden großer Beliebtheit, den Karten spielenden Pfarrer ausgenommen.
Nachdem sie vor ein paar Monaten den Tod eines Kunden vorhergesagt hat, vermeidet sie das Kochen von Mokka, wie der Codename für das Kaffeesud lesen ist. Für die betagte Anna, ihres Zeichens Käseverkäuferin, die auch immer wieder Trüffel anbietet, will sie eine Ausnahme machen. Doch dann erscheint Anna nicht zum vereinbarten Termin. Sofias Sorge ist berechtigt, denn Anna wird tot aufgefunden, Todesursache unklar. Also übernimmt Sofias Freund Commissario Alessandro Ranieri die Ermittlungen. Ranieri ist eigentlich Neapolitaner und kann deshalb mit der Mentalität der Leute im Piemont, die ihm viel zu direkt und geradlinig erscheinen, nicht so gut umgehen.
Sofia macht sich Vorwürfe und beginnt ihre Nase in Annas Familienangelegenheiten zu stecken. dabei fördert sie eine seit Generationen dauernde Feindschaft um ein Stück Wald zu Tage.
Meine Meinung:
Anna Merati entführt ihre Leser wieder in das Piemont, das für seine Trüffel und liebliche Landschaft bekannt ist. Corrazo ist vom Tourismus noch nicht entdeckt und daher eher ein Ort der Ruhe, nicht so überlaufen wie Alba oder andere Orte am Lago Maggiore.
Sofias Café ist der Mittelpunkt der dörflichen Gesellschaft, weshalb sie darauf achtet, lange Öffnungszeiten anzubieten. Daher ist ihr Privatleben ein wenig eingeschränkt. Mit der neuen Aushilfe, die noch dazu herrliche Baklava backen kann, scheint sie einen Haupttreffer gemacht zu haben. Schauen wir einmal, wie sich das weiterentwickelt, denn allzu weltoffen, scheinen die Einwohner von Corrazo nicht zu sein.
Wie es sich für einen Cozy-Krimi gehört, ist er leicht zu lesen und bietet eine Reihe skurriler Charaktere sowie zahlreiche regionale Spezialitäten. Rezepte hierfür finden sich am Anhang.
Fazit:
Der Krimi liest sich leicht und flüssig - eine richtige Urlaubslektüre, die bei einem Glas Wein, Grissini und Oliven genossen werden kann. 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Bretonisch mit Meeresrauschen von Gabriela Kasperski
Hier ist wenig, wie es scheint
In ihrem nunmehr 7. Fall, steht Tereza Berger so ziemlich alleine da. Ihre besten Freundinnen sind weggezogen und sie selbst hat Gabriel Mahon vor dem Traualtar stehen lassen. Dass er wieder im Lande ist und sich nicht bei ihr gemeldet hat, findet sie, in Verkennung der Tatsachen, unerhört, zumal alle anderen Bewohner von Camaret-sur-Mer davon wissen.
Wenig später findet Tereza die Betreiberin der neuen Musikbar schwer verletzt auf einem Parkplatz auf. Sie ruft mit verstellter Stimme Rettung und Polizei. Sie will ja Gabriel nicht (oder vielleicht doch) begegnen. Was sie nicht weiß ist, dass der Parkplatz heimlich mittels Videokameras überwacht ist und Gabriel, der natürlich mit dem Fall betraut wird, die Gestalt erkennt, die sich über die Verletzte beugt, zumal sie seinen Ledermantel trägt ...
Es ist herrlich zuzusehen, wie Tereza versucht Gabriel aus dem Weg zu gehen. Allerdings hält sie es nicht lange aus und muss ihm ihre Erkenntnisse mitteilen. Denn der Fall ist nicht so, wie es den Anschein hat.
Meine Meinung:
Dieser 7. Krimi ist wieder beste Krimiunterhaltung. Gerne habe ich Tereza bei ihren nicht ungefährlichen Alleingängen über die Schulter geschaut. Schmunzeln musste ich, als sie Gabriels Motorrad, eine Royal Enfield, ohne sein Wissen in Betrieb nimmt, obwohl sie nur wenig Erfahrung beim Motorrad fahren hat. An seine Stelle wäre ich mehr als sauer gewesen! Aber er ist nach wie vor so verliebt in Tereza, dass er ihr (fast) keinen Vorwurf macht.
Der Schreibstil ist detailreich und flüssig. Wie immer fügt Autorin Gabriela Kasperksi das eine oder andere historische Detail ein.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 7. Krimi rund um die Buchhändlerin Tereza Berger, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Verrat an der Loire von Catherine Duval
Wild West an der Loire?
Buffalo Bill, Annie Oakly und ihre Winchester - Wild West an der Loire
Im dritten Fall für Baron Philippe du Pléssis, den adeligen Privatdetektiv von eigener Gnade, steht der tödliche Jagdunfall von Claude de Murot im Mittelpunkt. Der Tote ist nicht unbedingt sehr beliebt, Weder bei der altehrwürdigen Jagdgesellschaft, noch bei den Nachbarn, die gegen die Hetzjagd sind und auch innerhalb der Familie weint man ihm, so scheint es, nur Krokodilstränen nach.
Philippes Tante Aude ist überzeugt, dass hier jemand nachgeholfen hat, zumal Claud mit einem regelrechten Blattschuss aus einer ungewöhnliche Waffe erschossen worden ist. Die Tatwaffe, eine alte Winchester aus dem Besitz des Toten ist verschwunden.
Noch ist völlig unklar, wie der tote Jogger da ins Bild passt, der von einem großen Hund getötet worden ist. Blöderweise gibt es zu den Bisswunden kein passendes Maul, obwohl die Jagdgesellschaft über Dutzende Hunde verfügt.
Also begibt sich unser doch etwas schnöseliger Baron auf die Suche nach Täter und Motiv. Leider ist bei keinem der Toten ein offensichtliches Fremdverschulden zu entdecken, weshalb Philippe einige Mühe hat, Madame le Commissaire Charlotte Maigret, davon zu überzeugen, polizeiliche Ermittlungen anzustellen. Erst als er seine eigenen adeligen Quellen anzapft, und Charlotte Zahlen, Daten und Fakten vorweist, ist sie bereit, den Polizeiapparat in Gang zu setzen.
Welche Rolle spielt eigentlich der Sohn des Toten, der ein besonders schrulliges Exemplar ist? Einerseits sammelt er Käfer und andererseits baut er Leonardo da Vinics Maschinen nach. Ein Blick auf die Ahnentafel im Schloss sowie in das italienische Adelsverzeichnis, eröffnen Philippe eine neue Sicht auf die Ereignisse.
Bei der zum Gedächtnis an Claude de Murot veranstalteten Jagd, eskaliert die Situation ...
Meine Meinung:
Schmunzeln musste ich diesmal über Philippes Angst vor Hunden bzw. seine Abscheu der Jagd im Allgemeinen und der Hetzjagd im Besonderen. Er ist also auch nicht ganz perfekt. Tante Aude ist da schon von anderem Schrot und Korn. Sie erklärt ihm kurzerhand worauf es bei der Jagd ankommt. Tante Aude ist weiterhin mein liebster Charakter in dieser Reihe. Ich kann sie mir sehr gut in der schwarzen Uniform der Jagdgesellschaft mit der Winchester in der Hand, wie weiland Annie Oakly (1860-1926), vorstellen und nehme ihr die skurrile Lebensweise gerne ab.
Unser Baron ist wieder leicht überheblich und gibt in den unmöglichsten Situationen sein Detailwissen über den französischen Adel zum Besten. Damit liegt er im Widerspruch zu Charlotte, die aus einer Arbeiterfamilie stammt und mit dem überkanditelten Getue der Adeligen wenig anfangen kann. Zudem scheint er sich auf amouröse Abwege zu begeben. Winzerin Florence oder Madame le Commissaire Charlotte - das ist hier die Frage.
Catherine Duval spricht das kontroversielle Thema Jagd und Hetzjagd an. Obwohl verboten, finden sie immer noch statt. Der eine oder andere französische Politiker frönt diesem elitären Hobby.
Fazit:
Dieser dritte Fall hat mir besser als der vorherige, weshalb es diesmal 4 Sterne gibt.











