Kunden em pfehlungen
Rezensionen von verhei:
Die Krabbenfischerin - Das Erbe der Küste von Danela Pietrek
Überall warten Herausforderungen - beruflich wie privat
Für Runa Hansen ändert sich das Leben schlagartig. Während sie bisher mit ihrem 17jährigen Sohn Finn auf einem Hausboot in Hamburg lebt und als Betriebsleiterin in einem Fischhandel arbeitet, ändert sich zu Hause auf dem Familienbetrieb an der Nordseeküste alles. Ihr älterer Bruder Peer, der den Familienbetrieb gemeinsam mit dem Vater Hauke leitet, verunglückt auf dem Krabbenkutter.
Schon rasch nach der Beerdigung, bei der die gesamte Familie und der Ort zusammenkommt, zeigt sich, dass die Zukunft des Familienunternehmens ungewiss ist. Auch Konflikte und Vorwürfe aus der Vergangenheit kommen wieder ans Tageslicht. Wie wird Runa sich entscheiden für ihre bisherige Karriere oder den Ort ihrer Herkunft.
Ein Roman, der sich um Familienprobleme dreht, aber auch gut die Situation der Krabbenfischer ins Auge fasst.
Der Schreibstil ist fesselnd, wechseln sich doch die Schicksale und Probleme der Familienmitglieder mit gut geschilderten Beschreibungen der Nordseegegen ab. Man lernt die schöne Gegend und verschiedene Bräuche der Region kennen und hat auch die Gelegenheit so manchen Satz in Plattdeutsch zu lernen. Danke hierbei für das kleine Glossar am Ende. Doch rasch auch erkennt man, dass das Leben an der Nordsee nicht nur idyllisch ist, speziell wenn man im Krabbenfang aktiv ist. Man merkt wie sehr die Familien und Betriebe von Wetter und dem Glück einen großen Fang einzubringen abhängig ist. Die Arbeit ist anstrengend und die wirtschaftliche Lage durchwegs unsicher. Etwas das mir bisher nicht so bewusst war und ich aus dem Buch mitnehmen werde.
Die Charaktere sind stark und eigen, so mancher mit einem ordentlichen Dickkopf ausgestattet. Dennoch haben sie das Herz am richtigen Fleck und stehen füreinander ein. Obwohl ich so manche Entscheidung vielleicht nicht nachvollziehen konnte, fand ich die Charaktere authentisch und fieberte mit wie es ihnen gelingen würde ihre Vergangenheit zu überwinden.
Für mich war der Roman ein wunderbare Gelegenheit in eine gänzlich andere Region einzutauchen und eine Vorschau auf den nächsten Urlaub zu bekommen.
Rezensionen von qq:
Kosmos SchlauFUX Fußball, von Birk Grüling
kindgerechtes Fußballwissen
kindgerechtes Fußballwissen
Das Buch Kosmos SchlauFUX Fußball von Birk Grüling richtet sich vor allem an junge Fußballfans, die ihr Wissen rund um den beliebtesten Sport der Welt erweitern möchten. In einer kindgerechten und unterhaltsamen Aufbereitung vermittelt der Autor spannende Fakten, Regeln und Hintergründe zum Fußball.
Besonders gelungen ist die Mischung aus informativen Texten und anschaulichen Illustrationen. Dadurch bleibt das Buch abwechslungsreich und motiviert zum Weiterlesen. Die Inhalte sind verständlich erklärt, sodass auch jüngere Leserinnen und Leser problemlos folgen können. Gleichzeitig gibt es genügend interessante Details, die selbst kleine Fußball-ExpertInnen noch überraschen dürften.
Die verschiedenen Themenblöcke finde ich sehr interessant gewählt. Von dem Ursprung des Fußballs bis hin zu großen Spielereignissen oder beispielsweise den Regeln ist alles dabei. Auch das Frauenfußball thematisch aufgegriffen wurde, finde ich super.
Von uns gibt es eine Empfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
La vie en rose von Christoph Sator
Eine Leseempfehlung
Hier werden Frankreich-Fans Ohren machen und staunen ....
Ähnlich wie Eric Pfeil mit seinen beiden Büchern („Azzurro“ und „Ciao, Amore, Ciao“) über Songs aus Italien und deren Musiker, hat Christoph Sator versucht, mit seinen 100 Favoriten die breite musikalische Landschaft Frankreichs zu beschreiben.
Die Auswahl ist natürlich (s)eine sehr Persönliche. Er hat dafür seine individuelle Play List bzw. Interpreten das Alphabet von „Aznavour“ bis „Zaz“ bemüht. Nicht immer strukturiert oder chronologisch reiht er von 1945 bis 2021 Chanson an Chanson . Anders als Pfeil, der auch Opernsänger Enrico Caruso in sein „Repertoire“ aufnimmt, bleibt Sator bei der leichten Muse, was aber weder als Kritik am Musikgenre noch an der vorgenommenen Auswahl verstanden werden soll, denn nicht alle Chansons verdienen das Prädikat „leicht“, viele sind vielmehr dunkelgraue Lieder (© Ludwig Hirsch).
Ob die ausgewählten hundert Songs mit meinen persönlichen Vorlieben übereinstimmt? Ehrlich gesagt mag ich die alten Chansons einer Edith Piaf oder Jules Dassin oder Charles Aznavour lieber als die Popkultur der 2000er.
Mit Dalidas „Paroles, Paroles“ verbinde ich immer mein Scheitern im Französischunterricht. Wir mussten (1976) den Text von der Kassette auf Papier bringen. Nun, ich habe damals leider nur einen gebrauchten und eiernden Kassettenrecorder besessen, der das mehrmals überspielte Band nun mit Ach und Krach (im wahrsten Sinne der Wortes) durch den Lautsprecher gebracht hat.
Ein paar Jahre später hat mir ein bis heute unbekannter Verehrer die Single „Je t’aime“ an die Wohnungstüre gehängt.
Schmunzeln musste ich über die vielen Anekdoten, die Sator über die Interpreten zu schildern weiß, sowie Frankreichs Abscheu (?) Fremdsprachen, vor allem Englisch, gegenüber. Das eine oder andere Klischee wird liebevoll bedient. L‘amour toujours - auch wenn selbige nur die Halbwertszeit eines kurzen Sommerurlaubs hat.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser launigen Liebeserklärung an das musikalische Frankreich 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Bredouille von Martin Walker
Eine Leseempfehlung
In seinem Drang, allen helfen zu wollen, gerät der sympathische Bruno diesmal selbst in die Bredouille. Es scheint, als würde jemand versuchen, ihn zu desavouieren. Nun, der- oder diejenige hat nicht mit Brunos Netzwerk, das bis in den höchsten Gremien der französischen Regierung reicht, gerechnet - so viel sei an dieser Stelle verraten.
Auf einem abgelegenen Rastplatz entdeckt Bruno ein abgestelltes Fahrzeug mit einer toten Frau, Monique Duhamel. Obwohl alles auf einen Selbstmord hindeutet, hat Bruno das untrügliche Gefühl, an einem Suizid zweifeln zu müssen. Dieses Gefühl, etwas übersehen zu haben, beschäftigt auch Brunos Freundinnen, Fabiola, die Ärztin bei der Monique in Behandlung war, und die Richterin Annette, die Monique ebenfalls gekannt hat.
Während sich Bruno Moniques Leben durchleuchtet, gerät ein junger Rekrut der Polizeiakademie auf Abwege. Er ist korrupt und mit den sexuellen Übergriffen auf mehrere Frauen, darunter ist auch die Sekretärin des Bischofs, schlägt er dem Fass den Boden aus. Blöderweise ist er ein Neffe eines einflussreichen Generals, der seinem missratenen Verwandten die Stange hält. Wird der Rekrut zu Verantwortung gezogen werden können?
Beinahe gleichzeitig gerät Bruno in weitere Schwierigkeiten, als er versucht die Konflikte eines befreundeten Ehepaares zu schlichten. Dabei muss er wenig später erkennen, dass gut gemeint nicht automatisch gut bedeutet, vor allem wenn das allzu öffentlich passiert. Hier kann ihm Colette, die ihm als Verwaltungsassistentin zur Seite, aus der Bredouille helfen. Auch sonst erweist sich Colette als brillante Verbündete, hat sie doch selbst ein weit verzweigtes Netzwerk.
Meine Meinung:
Nach dem Bruno in seinem 18. Fall mit vereinten Kräften den diversen Bedrohungen entkommen ist, hat Autor Martin Walker beschlossen, seinem unbefriedigendem Privatleben einem Schubs zu geben. Was genau, müsst ihr selbst lesen. Schön, dass Bruno auch auf diesem Gebiet ein wenig erwachsen wird. Aber, es muss ja nicht alls perfekt sein. Vielleicht gelingt es Bruno ja, endlich eine passende Partnerin zu finden. Vermutlich werden dann Legionen von Frauen heiße Tränen vergießen. Vielleicht wird ja die eine oder andere aus Enttäuschung auch Rache nehmen? On verra!
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 18. Fall, der neue Möglichkeiten für Bruno eröffnet, 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Entscheidung in Spanien von Paul Ingendaay
Eine klare Leseempfehlung!
Der Beginn des Spanischen Bürgerkrieg am 17. Juli 1936 jährt heuer zum 90. Mal und ist kein Grund zum Feiern, sondern eher einer zum Innehalten, zumal diese blutigen Jahre und ihre nachfolgende Geschichte noch nicht zur Gänze aufgearbeitet worden sind. Nach wie vor gibt es Familien, die nicht wissen, in welchem der noch unbekannten Massengräbern ihre Liebsten verscharrt oder wohin ihre Kinder verschleppt worden sind.
Mir ist zwar einiges über den Spanischen Bürgerkrieg bekannt, sei es aus Sachbüchern (Uwe Wittstock, Florian Illies et al.) oder sei es aus Biografien (Carlos Collado Seidel) oder historischen Romanen (Arturo Pérez-Reverte) doch dieses Buch von Paul Ingendaay erweitert mein Wissen beträchtlich.
Nach Vorspann und Prolog gliedert Paul Ingendaay sein Buch wie folgt in vier Kapitel, die den vier Kriegsjahren entsprechen und noch in weitere Unterkapitel unterteilt sind, die einzelne Ereignisse örtlich und zeitlich genau auflisten. Dabei werden Gräueltaten auf beiden Seiten nicht ausgespart.
Eins - 1936
Zwei - 1937
Drei - 1938
Vier - 1939
Das Buch endet mit einem Epilog, der sich mit Picassos monumentalem Bild „Guernica“ beschäftigt sowie einem Abspann, der die weiteren Lebensdaten zahlreichen Beteiligten auf beiden Seiten aufzählt. Ergänzt wird dieses umfassende Werk zum Spanischen Bürgerkrieg mit zahlreichen Fotos und Landkarten.
Der Autor verschweigt weder die abwartende Haltung Frankreichs und Großbritanniens noch Hitlers und Mussolinis Rollen bei der Unterstützung der Faschisten, die ihnen als Blaupause für den Zweiten Weltkrieg dient, den Hitler am 1. September 1939 beginnt.
Den Titel „Entscheidung in Spanien“ finde ich recht gut gewählt, den Untertitel „Der große Kampf der Literatur 1936 - 1939“ weniger. Ja, es haben zahlreiche Schriftsteller wie die Manns (mit Texten von der sicheren Schweiz aus) oder vor Ort mit Waffen, Ernest Hemingway, George Orwell, OrsonWells oder Simone Weil in den internationalen Brigaden gekämpft, doch auch Journalisten und Fotografen wie Robert Capa & Gerda Taro und Martha Gellhorn haben ihren Anteil.
Das Cover gefällt mir nicht wirklich, da es auf mich viel zu friedlich wirkt und der Tragödie keine Rechnung trägt. Hier hätte ich einen blutroten Hintergrund und eine zerbombte Stadt und/oder Flugzeuge besser gefunden. Ich denke, das wurde im Verlag diskutiert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch, das den Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939, das ganz unüblich aus der Sicht der Verlierer betrachtet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Die letzten Tage der Diktatur von Svenja Falk
Eine klare Leseempfehlung!
Die Flensburger Historikerin Svenja Falk nimmt ihre Leserinnen und Leser, ähnlich wie Volker Ullrich, auf eine fesselnde Zeitreise in die letzten Tage der NS-Diktatur mit. Während Ullrich in seinem Buch (Acht Tage im Mai) die Tage zwischen 30. April und dem 8. Mai 1945 beleuchtet, erstreckt Svenja Falk ihren Beobachtungszeitraum bis zum 23.
Mai 1945. In beiden Büchern werden unzählige zeitgleich stattfindende, dabei aber oft gegenläufige Ereignisse, die auf Grund ihrer Absurdität fast schon zum Schmunzeln verleiten, zu einer Gesamtdarstellung zusammengeführt.
Svenja Falk hat in zahlreichen deutschen und britischen Archiven nach offiziellen und privaten Dokumenten gegraben. Dabei hat sie einige interessante, der Öffentlichkeit noch nicht so geläufige Ereignisse entdeckt.
Flensburg ist die Drehscheibe von zahlreichen Personen, die unterschiedlichsten Interessen nachgehen. Da sind vor allem jene abertausenden Flüchtlinge aus dem Osten, die vor den russischen Truppen fliehen, die Nazis, die versuchen, sich über die nördliche Rattenlinie abzusetzen, Wehrmachtsangehörige und Soldaten von Sondereinheiten, gestrandete Fremd- und Zwangsarbeiter, die noch nicht wissen, ob und wie sie in ihre Heimatländer zurückkehren werden können, sowie Spione und Namen, die nur wenig später wichtige Funktionen im neuen Deutschland inne haben werden (z.B. Reinhard Gehlen (1902-1979) als Chef des Bundesnachrichtendienstes).
Kopfschütteln musste ich über Großadmiral Karl Dönitz, der - gemäß des letzten Willens Hitlers und trotz der bedingungslosen Kapitulation - sich als legitimer Regierungschef der letzten NS-Regierung inszeniert. Es scheint, als hätte er noch nicht mitbekommen, dass für Seinesgleichen im Deutschland ab 1945 außer auf der Anklagebank kein Platz mehr sein wird. Staunen ist auch den Alliierten gegenüber angebracht, die diese eigenartige Inszenierung von Dönitz & Co zunächst einmal dulden und zugleich die wissenschaftliche Elite herausfiltern, um ihr Knowhow für eigene Zwecke einzusetzen, obwohl einige den Ideen des NS-Unrechts-Regime mehr als nahe gestanden haben. Dazu hat Svenja Falk erstaunliche Zahlen zu Tage gefördert.
Das Buch ist sehr gut strukturiert, was auf das chronologisch angeführte Kalendarium zurückzuführen ist. Als Beispiel sei der 30. April 1945 angeführt:
Hitlers Erbe
Warum Dönitz?
Die Verschlüsselungsmaschine Enigma im Einsatz
Von der „schwarzen Propaganda“ zu ersten deutschen Nachrichtendienst
„Rattenlinie Nord“
Spione, die zu spät kommen
Berlin fällt
Flucht im letzten Moment
Heinrich Himmlers Führungsanspruch
Wie die Autorin schon in der Einleitung schreibt, soll hier die Geschichte nicht neu geschrieben werden, sondern die Ereignisse zwischen dem 30. April und 23. Mai 1945 mit den Augen der Flensburgerinnen und Flensburger, deren Stadt relativ unbeschadet aus dem Krieg hervorgegangen ist, erzählt werden. Zudem dient das Buch allen jenen, die, so wie sie, über sich selbst schreibt, bislang wenig über die Geschichte ihrer Heimatstadt während des NS-Regimes erfahren haben, als Einstieg in weitergehende Literatur.
„Das Alte hatte seine Ordnungskraft verloren, das Neue war noch nicht gefestigt.“ (S. 13)
Fazit:
Gerne gebe ich diesem sehr gut strukturierten Buch, das sich sehr gut lesen lässt, zahlreiche Abbildungen sowie eine gute Auswahl an Quellen bietet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Tod auf Hohenzollern von Yvette Eckstein
Schatten der Vergangenheit
Wolfgang Kramer, seines Zeichens Schlossermeister und so etwas wie das Mädchen für alles auf der Burg, findet seinen Freund Sebastian tot in der Schlosskapelle. Schnell sind alle, außer Wolfgang, davon überzeugt, dass es sich hier um einen unglücklichen Unfall handeln muss, ist doch Basti, wie er von allen genannt wird, ein langjähriger Alkoholiker.
Doch bei näherem Hinhören kommen langsam leichte Zweifel auf, ist doch erst vor Kurzem ein anderen Mann aus Wolfgangs Freundesrunde gestorben. Also beginnen der Schlossermeister und seine Tochter Hannah in Bastis Leben zu schnüffeln und fördern nicht nur einen Kreditvertrag sondern weitere Familiengeheimnisse zu Tage, die besser unentdeckt geblieben wären.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist mein erster von Yvette Eckstein. Tja, der Emons-Verlag kann mich immer noch mit bislang unbekannten Autorinnen und Autoren überraschen.
Der Prolog, der im Zweiten Weltkrieg spielt, macht auf mögliche Zusammenhänge in der Gegenwart neugierig. Yvette Eckstein beschreibt die Atmosphäre auf dem Stammsitz der Hohenzollern bildhaft. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass Wolfgang ständig etwas zu reparieren hat. Allerdings herrscht seitens des Betreibers der Burg sowohl Wolfgang gegenüber als auch im Burgrestaurant ein rauer Befehlston, den ich mir als Wolfgang längst verbeten hätte.
Das Finale, das ich jetzt nicht näher ausbreite, überrascht ein wenig.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander verknüpft, 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Und sie schenkten ihnen ein Zuhause von Laura Baldini
Eine Leseempfehlung
Die Wiener Autorin Beate Maly hat unter ihrem Pseudonym Laura Baldini wieder einen gut gelungenen historischen Roman verfasst. Diesmal erzählt sie die Geschichte von Anna Freud und ihren War Nurseries. Geschickt verquickt sie dabei reale Ereignisse und echte Personen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zudem spannt sie den Bogen in das Jahr 1986 als Rose nach dem Tod ihrer Mutter Claire entdeckt, dass diese adoptiert worden ist. Roses Großmutter hüllt sich beharrlich in Schweigen.
Doch gemeinsam mit ihrer Freundin, der Buchhändlerin Julia und dem Lehrer Matthew, dessen Familie nun in einem jener Häuser, in denen damals Kriegswaisen untergebracht waren, lebten. Neugierig geworden, tauchen Rose und Matthew in die schier unglaubliche Lebensgeschichte von Claire ein.
Dazu entführt uns die Autorin zunächst in das Wien von 1938 wo Helene Moser, Charlotte Böhm und Lili Schmidt in der von Anna Freud gegründeten Jackson-Kindergruppe am Wiener Rudolfsplatz Kinder betreuen und ihre Verhaltensweisen studieren. Während Helene und Lili gerade noch die Ausreise nach London gelingt (und Lili weiter nach Amerika emigrieren kann), schafft es Lotte nicht, Wien zu verlassen. Sie wird später in das KZ Theresienstadt und anschließend nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wird.
Helene arbeitet zunächst bei Anna Freuds War Nurseries, jenen Betreuungsstellen, in denen Kinder von berufstätigen Frauen tagsüber und recht bald Kriegswaisen rund um die Uhr betreut werden. Als London bombardiert wird, werden die Kinder in das Umland wie z.B. nach Brighton evakuiert und Helene zieht mit der Kindergruppe aufs Land.
Nach Kriegsende werden rund 300 Kinder, die in den diversen Konzentrationslagern entdeckt worden sind, nach Großbritannien gebracht. Nach wenigen Monaten Aufenthalt, unter anderem in Anna Freuds Institutionen, wird ein Großteil von britischen Familien adoptiert. Eines dieser Kinder ist ein kleines, namenloses Mädchen von ungefähr zwei Jahren, das Helene zur Betreuung übernimmt. Sie nennt das Mädchen Charly, zur Erinnerung an ihre Freundin Charlotte. Am liebst würde sie das Mädchen selbst adoptieren. Doch als unverheiratete Frau, die noch dazu in einer heimlichen Lebensgemeinschaft mit einer anderen Frau lebt, ist ihr eine Adoption verboten. Als auch Charly Adoptiveltern findet, bricht Helene beinahe das Herz.
Meine Meinung:
Wie Beate Maly im Nachwort erzählt, hat sie von den War Nurseries anlässlich einer Vortrags erfahren und intensive Recherchen zu diesem Thema angestellt. Mir ist grundsätzlich das Hilfsprogramm für jüdische Kinder, die aus Nazi-Deutschland und Österreich nach Großbritannien evakuiert und damit gerettet worden sind, bekannt. Dass man Kinder, die das KZ Theresienstadt überlebt haben, ebenfalls nach Großbritannien gebracht hat, wusste ich bis lang nicht.
Beate Malys Schreibstil fesselt wie üblich. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Rose (1986), Helene und Lotte (NS-Zeit), wodurch der Spannungsbogen hoch gehalten wird. Die Autorin findet die richtigen Worte, besonders dort, wo das Grauen des KZ-Alltags beschrieben wird.
Da Beate Maly eine fundierte Ausbildung im Bereich der frühkindlichen Pädagogik hat, weiß sie worüber sie schreibt. Anna Freuds Engagement und Lehren werden bis heute leider nicht so gewürdigt, wie das Werk ihres Vaters, Sigmund Freud. Mit Anna Freud werde ich mich in Zukunft noch weiter beschäftigen, versprochen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der ein eher unbekanntes Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs behandelt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Vater meiner Tochter von Nenad Velickovic
Hat mich leider nicht überzeugt
Mit diesem Roman von Nenad Veličković bin ich nicht wirklich warm geworden. Zum einem liegt es wohl am Schreibstil, zum anderen an dem Protagonisten, der mir als ein zutiefst unglücklicher Mensch erscheint. Nun, das ist wohl nicht ganz verwunderlich, denn er hat den Bosnien-Krieg erlebt. Zwar musste er selbst keinen einzigen Schuss abgeben, scheint aber dennoch oder gerade deswegen traumatisiert.
So laviert er durch sein Leben, hadert mit seiner Ehe, ist unzufrieden mit seinem Job als Werbetexter, den er für sinnlos hält und kündigt. Sein großer Traum ist es, Schriftsteller zu werden, der ebenso wenig wie jener, seine ehemalige Kollegin anzugrapschen, in Erfüllung gehen wird.
Es scheint als wäre sein aufgeweckte kleine Tochter das einzig Positive in seinem Leben.
Meine Meinung:
Dieser Roman ist bereits 2002 erstmals erschienen. Möglicherweise hätte mich dieses Buch, dessen Protagonist ein Mann, der den Bosnien-Krieg (1992 - 1995) erlebt hat, vor mehr als 20 Jahren mehr angesprochen, als die Auswirkungen des Krieges auf die Männer noch frisch sichtbar waren. Jetzt wirkt das Buch nur depressiv auf mich. Wahrscheinlich bräuchte der Ich-Erzähle therapeutische Hilfe. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es erstens eine solche gibt und zweitens, dass er sie annehmen könnte.
Die Dialoge mit der vorwitzige Tochter haben mir ja noch ganz gut gefallen, die mit seiner Frau schon sehr viel weniger. Die beiden Eheleute haben sich sichtlich wenig bis nichts zu sagen. Während er für die kleine Tochter ein neues Bett kaufen will, strebt sie eine Generalsanierung der Wohnung an. Auch die Gedankensprünge und Fantastereien des Ich-Erzählers haben mich nicht mitgerissen.
Fazit:
Ich finde diesen Roman ziemlich depressiv und kann mich mit dem Ich-Erzähler leider gar nicht anfreunden. Daher reicht es gerade einmal für 2 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Pestzug von Rein Raud
Eine Leseempfehlung
Der estnische Autor Rein Raud verwebt Teile seiner eigenen Familiengeschichte zu einem interessanten historischen Roman.
Worum geht‘s?
Vordergründig um die Eindämmung einer Epidemie an der russisch-chinesischen Grenze. Doch wenn man den fünf abkommandierten Sanitätsoffizieren folgt, geht es um mehr, als das Ausbreiten der Pest zu verhindern.
Doch zunächst begleiten wir die fünf Soldaten, darunter Jakob aus Estland, 1911 an die russisch-chinesische Grenze. Schon allein die Anreise in die Mandschurei mit dem Zug liest sich wie ein Abenteuer.
Die jungen Sanitätsoffiziere folgen genau den Befehlen ihres Vorgesetzten. So arbeiten sie sich entlang der Bahnlinie von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf weiter. Nicht alle Dorfbewohner heißen die Männer in ihren Schutzanzügen willkommen. So werden einige Leichen versteckt bzw. die Soldaten bedroht.
Die Unterhaltungen während der Bahnfahrt in ihrem Komfortabteil drehen sich um ihre Heimat, Schnaps und Sex.
„Aber die Gesellschaft von gefälligen Mädchen konnte er sich absolut nicht vorstellen, denn ein gewisses Dingsbums hängt doch nicht an den Männern, um es einfach irgendwo hineinzustopfen.“ (S. 8)
Eigentümlich ist nur, dass Solomjatin, der immer, wenn das Gespräch auf seine Herkunft kommt, schnell das Thema wechselt. Hat er etwas zu verbergen?
So eilen die Tage und Wochen dahin, bis sie in Harbin der Einladung von Herrn Mögling, einem Eisenbahndirektor, folge leisten. Diese Einladung wird die fünf Sanitätsoffiziere Folgen haben, denn eine junge Frau wird von nun an das Abteil mit ihnen teilen.
Zweiundzwanzig Jahre später begegnen sich zwei von ihnen wieder. Der eine, Jakob, inzwischen verheiratet und Vater, ist für die medizinische Versorgung der Gefangenen im Patarei-Gefängnisses in Tallin (bis 1918 hieß die Stadt Reval) verantwortlich, der andere, sitzt dort unter dem Namen Kameratow ein. Solomjatin gilt als gefährlicher kommunistischer Agitator, weshalb er seine Strafe in Einzelhaft verbringen muss. Nicht nur zwischen ihm und Jakob, steht eine unausgesprochene Schuld, sondern auch Siina, eine an TBC erkrankte Gefangene hat Grund, Kameratow/Solomjatin zu hassen ...
Meine Meinung:
Wie schon eingangs erwähnt, hat Rein Raud für diesen historischen Roman auf Teile der Lebenserinnerungen seines Großvaters zurückgegriffen. Dabei fließt auch die Geschichte Estlands zwischen 1900 und 1933 ein, das mehrmals Anstrengungen unternommen hat, aus dem Zarenreich zu entkommen.
Interessant sind Jakobs Gedanken zu lesen, die zu Beginn der medizinischen Ausbildung ziemlich idealistisch sind. Gleichzeitig hat er eine ziemliche Wut auf Solomjatin entwickelt, der geneigte Leser ahnt, warum. Als Ehemann und Vater, muss Jakob jeden Job annehmen, der ein regelmäßiges Einkommen und eine Wohnung bietet. Weil ihm die eine oder andere Prüfung fehlt, um als Zivilfeldscher oder gar als Arzt zu arbeiten, kann er nicht allzu wählerisch sein. Auch für seine Ehefrau ist dieser Zustand nicht befriedigend. Erst als er seine Ideale über Bord wirft, keimt für die kleine Familie ein Hoffnungsschimmer auf.
„Vergebung und Gerechtigkeit müssen nicht unbedingt Gegensätze sein.“ (S. 241)
Autor Rein Rauds historischer Roman hat mir sehr gut gefallen, weil er neben den der Elemente seiner eigenen Familiengeschichte auch die Geschichte Estlands verquickt, die reich an Unterdrückung und Freiheitsdrang, von politischer Verblendung und persönlicher Verantwortung ist. Diese Verantwortung, als junge Sanitätsoffizier an die äußerste Grenze des Zarenreiches zur Seuchenbekämpfung eingesetzt zu werden, hat vor allem Jakob ernst genommen. Schade finde ich, dass ich über die Jahre dazwischen nicht allzu viel erfahren habe. Was ist aus den anderen (außer Solmojatin, dessen Schicksal wir nun kennen) geworden?
Der Schreibstil ist ruhig. Man nimmt den Personen ihre Handlungen ab. Das schließt auch die beiden Frauen im Gefängnis ein.
Das Baltikum mit seinen Staaten Estland, Lettland und Litauen ist seit einigen Jahren ein beliebtes Reiseziel. Ich selb habe Tallinn anlässlich eines Kongresses besucht. Die mittelalterliche Stadt sowie ihre äußerst freundlichen Bewohnerinnen und Bewohner haben mich sehr beeindruckt. Ein Grund, nochmals nach Estland zu reisen, bzw. sich mit der Geschichte des Baltikums zu beschäftigen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der sich an der Familiengeschichte von Rein Rauds orientiert, 4 Sterne und eine Leseempfehlung.











