Icon Kontrast wechseln
Logo Wagnersche Buchhandlung

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bücherfreundin:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

Nadim und die Frauen seines Lebens

Der deutsch-syrische Autor Rafik Schami, der 1970 aus Syrien floh und 1971 nach Deutschland kam, widmet sich in seinen Büchern neben dem Leben von Migranten in Deutschland auch intensiv der Darstellung der arabischen und syrischen Welt in der Vergangenheit und Gegenwart.

Im ersten Teil von "Das Mosaik der Frauen" lernen wir Said Mardini kennen, der 1971 als Student der Literatur und Philosophie von Syrien nach Deutschland flieht, weil er wegen einer Rede gegen die Diktatur festgenommen werden sollte.

Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet er in vielen Aushilfsjobs. Dabei lernt er die deutsche Sprache und besteht nach nur einem Jahr die Sprachprüfung mit Bestnoten. Nach Abschluss seines Studiums wird er Simultandolmetscher. Er verdient sehr gut und beginnt, seine eigenen Gedichte, Romane und Kurzgeschichten ins Deutsche zu übersetzen. Die Verlage sind an seinen Werken nicht interessiert, Jahre später verlegt ein Berliner Verlag einige seiner Bücher für arabisch Lesende. Die Jahre vergehen, wir schreiben mittlerweile das Jahr 2016, Said ist mit einer Lehrerin verheiratet und lebt in Mannheim. Ein Freund aus Studententagen, der mittlerweile Chef einer Klinik in Heidelberg ist, meldet sich bei ihm wegen eines Patienten, der schwer herzkrank ist und nicht mehr lange leben wird. Er heißt Nadim Suri, stammt wie Said aus Syrien und kennt dessen Bücher seit 20 Jahren. Sein Wunsch ist es, Said seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Im zweiten Teil des Buches lässt der Ich-Erzähler Nadim Suri, dessen Herzschwäche sich durch den Tod seiner Frau verstärkt hat, sein Leben Revue passieren. Der wohlhabende Geschäftsmann, der eine große Dolmetscher- und Übersetzerfirma besaß, floh vor über 45 Jahren von Damaskus nach Deutschland.
An 10 Tagen erzählt Nadim aus seinem Leben und stellt dabei die Frauen, die ihn prägten, in den Fokus. Die erste wichtige Frau ist seine Mutter Elisabeth, die von seinem Vater Monalisa genannt wird. Sie war 8 Jahre alt, als sie mit ihrer Familie vor dem Naziregime in Deutschland nach Damaskus floh. Sie heiratete einen Arzt, und 1945 wurde Nadim geboren. Seine Eltern gehen sehr respektvoll miteinander um, er hat keine Angst vor ihnen, sie sind ihm Freunde und Berater. Er beginnt, sich für Literatur zu interessieren und engagiert sich politisch ...

Nadim widmet seine Lebensgeschichte zwar den Frauen seines Lebens, schweift aber immer wieder ab und erzählt von Personen, die für die Handlung keine nennenswerte Bedeutung haben. Es ist typisch für Rafik Schami, dass sich innerhalb seiner Rahmenhandlungen eine Serie von Episoden entfaltet. Diese Ausflüge in andere Lebensläufe fand ich mal mehr, mal weniger interessant, die Geschichten über die wichtigsten Frauen in Nadims Leben interessierten und fesselten mich deutlich mehr.

Die Geschichte ist im Stil orientalischer Erzählkunst mit viel Herz und auch feinem Humor erzählt und liest sich flüssig. Die interessanten Charaktere sind mit viel Empathie und authentisch skizziert. Der Autor, der sich seit vielen Jahren für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis einsetzt, verknüpft jedes Kapitel mit den politischen Ereignissen und kritisiert jegliche Art von religiösem Fanatismus. Er gewährt uns nicht nur interessante Einblicke in die orientalischen Lebens- und Gedankenwelten, sondern beschreibt auch die Wirkung deutscher Verhaltensweisen auf die Geflüchteten.  

Das Buch, in dem es neben Liebe und Verlust auch um Politik und Kultur, Migration und Religion geht, hat mir sehr gut gefallen, obwohl die häufigen Abschweifungen in Nadims Lebensgeschichte meinen Lesefluss etwas bremsten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücherfreundin
Das Mosaik der Frauen

Rezensionen von Annaja:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Schlafende Vulkane von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson

Fieberhafte Suche in Islands geheimnisvoller Landschaft

Ein passendes Cover für den aufregenden Thriller.
Der erste Band der Island-Thriller Reihe von Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. hat mich vollkommen in seinen Bann genommen.
Das Buch wurde aus den verschiedenen Perspektiven der Ermittler geschrieben.
Diese suchen nach dem Mörder einer jungen Frau, die tot in einem Pferdestall aufgefunden wurde.

Kurz darauf gibt es einen weiteren Todesfall und es besteht kein Zweifel, dass es der gleiche, wahsinnige Täter ist, also ein Serienmord aufzuklären ist.
Für Helga, eine junge schwedische Ermittlerin ist dies der erst Fall, bei dem sie mit der Leitung beauftragt wird. Man traut ihr eigentlich noch nicht viel zu. Ihr zur Seite wird ein Verkehrspolizist, ein Hüne namens Bjarki zur Seite gestellt, der bekannt dafür ist, dass er sehr unkonventionelle Ermittlungsmethoden bevorzugt. Mit sehr viel Mut und Engagement können die beiden zuerst ein 10jähriges Kind mit Hilfe von Bjarkis Hündin Salka in letzter Sekunde vor dem Tod retten, doch die Suche nach dem Mörder der Frauen, dessen Identität sie bald kennen, stellt sie vor große Herausforderungen.
Der Thriller ist ein spannungsgeladener Auftakt rund um das neue Ermittlerduo mit eindrucksvollen Charakteren, wie die von Helga und Bjarki. Ganz reizvoll finde ich die gute Beschreibung von Islands rauer und eindrucksvoller Landschaft und der tollen Atmosphäre.
Der aufregende, gute Schreibstil erlauben einem nicht, das Buch aus der Hand zu legen, bevor man zu Ende gelesen hat.
Tolle Lektüre!
Teilen
Weitere Rezensionen

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Annaja
Schlafende Vulkane

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Mittsommertod von Elin Blomgren

Ein Dorf und seine Geheimnisse

Die Sozialarbeiterin Ebba Lorenz hat gerade ihren Job verloren und braucht zudem eine Beziehungspause von ihrem Freund Andreas, der ihr in seiner Firma einen Job verschaffen will. Sie findet das übergriffig und reist kurz entschlossen von Hamburg in das kleine schwedische Dorf Björkberg, um zum einen Abstand zu gewinnen und zum anderen das alte Haus ihrer Urgroßmutter zu renovieren.

Kaum angekommen, wird der Grundschullehrer erschossen aufgefunden. Ein Jagdunfall kann recht bald ausgeschlossen werden, weshalb Kriminalkommissar Ole Lund und sein Kollege Albin Nordwall Ermittlungen aufnehmen, die sie unter anderem in eine Seniorenresidenz führen. Ebba gilt im Gegensatz zu Ole als Einheimische und kommt so recht leicht (und manchmal auch ungewollt) mit den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern ins Gespräch.
Als dann während des Mittsommerfestes eine zweite Leiche gefunden wird, scheint es einen Zusammenhang mit einem Doppelmord an zwei jungen Frauen zu geben, der sehr lange zurückliegt. Man hat damals einen 16-jährigen der Morde schuldig gesprochen, der nach der Verbüßung seiner Haft kurz wieder nach Björkberg zurückkehrt und plötzlich verschwunden ist. Ausgewandert sei er, so heißt es im Dorf. Doch stimmt das?
Und wer ist die geheimnisvolle Gestalt, die immer wieder unerwartet auftaucht und gleich wieder verschwindet?
Meine Meinung:

Dieser Krimi, der Auftakt zu einer neuen Reihe ist, beginnt eher gemächlich. Gemeinsam mit Ebba tauchen wir in die verschworene Gesellschaft in Björkberg ein. Viel Wald, bunte Häuser - so wie sich Touristen ein schwedisches Dorf eben vorstellen. Dennoch liegt eine eigentümliche Stimmung über Björkberg. Es scheint, als hätte die Bevölkerung etwas mehr zu verheimlichen als Familienzwistigkeiten oder Alkoholprobleme. Langsam, aber stetig nimmt die Spannung zu, bis sie eskaliert.

Die Charaktere sind sehr fein herausgearbeitet. Ole Lund, der nach dem Tod seiner Frau von der Großstadt aufs Land gezogen ist, muss man einfach mögen. Er ist nicht als Wunderwuzzi oder als Ekel beschrieben, sondern als Person, die vom Schicksal ein wenig gebeutelt worden ist. Schmunzeln musste ich über die Gerichtsmedizinerin Uma Draken, von der die meisten Polizisten nur als „Drachen“ sprechen. Ja, sie ein wenig spröde, aber sehr kompetent und gibt klare Richtlinien vor. Ebba hingegen braucht noch ein wenig Zeit, sich neu zu orientieren. Ob aus den Ole und Ebba etwas wird? Ich denke, die Fortsetzung wird es uns zeigen.

Die Autorin beschreibt die Mentalität der Menschen der Provinz Värmland, die durch Wetter und karge Landschaft geprägt sind, recht gut.

Fazit:

Obwohl mir schwedische Krimi manchmal zu depressiv sind, hat mir dieser recht gut gefallen, weshalb ich 4 Sterne vergebe.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Mittsommertod

Rezensionen von Anno:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Alle wissen es. von Noèl Funke

Bestes Buch dieser Art

Ich habe schon mehrere Bücher zu diesem Thema gelesen, dieses Stichtags meinen Augen aber aus der Masse heraus. Erst geht es auf die einzelnen Risiken ein, denen man im Internet begegnet. Es erklärt Cybermobbing genauso wie z.B. Grooming, macht aber auch nicht vor den Gefahren von Selbstdarstellung und Fake News halt und hat somit ein weit größeres Spektrum zu bieten als andere Werke.

Und später wird sogar noch darauf eingegangen, wie man im Ernstfall reagieren sollte, zeigt hilfreiche Strategien und nennt sich Anlaufstellen.

Dass der Autor Ahnung von seinem Gebiet hat, merkt man rasch. Er wendet sich in seinen Texten sowohl an Eltern als auch direkt an Jugendliche. Vielleicht ist dieser Wechsel nicht immer klar gekennzeichnet, dennoch bietet das Buch sich sehr dafür an auch Jugendliche mit ins Boot zu holen und ihnen einzelne Passagen daraus vorzulegen. Das stärkt die elterliche Aussagekraft deutlich und lässt zu, dass man sich als Team dem Thema stellt. Denn mediale Aufklärung, Sensibilisierung und Stärkung gelingt nur im Miteinander. Noèl Funke spricht in klaren Worten, verharmlost nichts, aber verteufelt die Medien auch nicht grundsätzlich. Er lässt in wahren (und fiktiven) Beispielen Teenies auf schwarz hinterlegten Seiten, auch selbst zu Wort kommen und beeindruckt mit Stellungnahmen einzelner Rollen in einem konkreten Fall.
Seinen Weg Jugendliche miteinzubeziehen und zu stärken, gefällt mir sehr gut. Die Tipps schenkten uns deutlich mehr Sicherheit. Und wenn doch irgendwann der Ernstfall eintreten sollte, weiß ich jetzt welches Buch ich als erstes aus dem Regal und zu Rate ziehen werde.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Anno
Alle wissen es.

Rezensionen von yellowdog:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Was vom Sommer blieb von Mary Wesley

Die Kamillenwiese

Mary Wesleys Roman zeichnet sich durch einen lebhaften Stil und einer bildhaften Sprache aus. Die Handlung zeigt eine Reihe von Leuten zu einer bestimmten Zeit in Cornwall, während des Krieges und die Zeit danach. Es wird so ein Gesellschaftsporträt mit den Stimmungen dieser Zeit. Das erzeugt viel Atmosphäre.

Im Mittelpunkt stehen die anfangs 19jährige Calypso, die später Hector heiraten wird, Oliver, der verletzt aus dem Krieg zurückkehrt, die junge Sophie , die in Oliver verliebt ist und die Geschwister Polly und Walter. Und noch ein paar. Das ist schon nahezu eine Überfrachtung an Figuren, deswegen sind nur ein paar wirklich gut herausgearbeitet.
Doch Calypso, Oliver und Sophie werden länger in Erinnerung bleiben.

Was vom Sommer blieb ist wohl der berühmteste Roman der Britin Mary Wesley. Er wurde auch als TV-Serie verfilmt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog
Was vom Sommer blieb

Rezensionen von Shilo:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Zwei Frauen von Katja Maybach

Sehr bewegend und einfühlsam geschrieben

Ein ruhiger Einstieg in eine Zeit, in der Frauen oft genau wussten, was von ihnen erwartet wurde. Hannah passt sich dem nicht an. Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt sie den Hof und steht plötzlich allein für viel Verantwortung da. Im Dorf sorgt das für Gesprächsstoff, doch sie bleibt bei sich.
In der Stadt begegnet sie Julie.

Zwei Leben, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Hannah mit harter Arbeit, klaren Aufgaben und wenig Raum für Leichtigkeit. Julie in einer Welt, die sicher wirkt, aber nicht frei von eigenen Grenzen ist. Aus dieser Begegnung entwickelt sich langsam etwas, das bleibt.
Mit der Zeit zeigt sich, wie sehr sich beide gegenseitig prägen, auch wenn sie völlig verschieden sind. Hannah wirkt fest verwurzelt in ihrem Leben auf dem Hof. Julie erlebt eine Welt, die von außen geordnet erscheint, aber innerlich nicht immer ruhig ist.
Beim Lesen entsteht ein Gefühl von Nähe zu beiden Frauen. Ihre Wege werden nicht überhöht erzählt, sondern eher leise begleitet. Gerade dadurch wirken ihre Entscheidungen und ihr Alltag sehr nah.
Als sich die Zeiten verschärfen und der Krieg näher rückt, verändert sich vieles. Sicherheiten gehen verloren, und das Leben wird für beide schwieriger. Trotzdem bleibt etwas zwischen ihnen bestehen, auch wenn es nicht immer im Vordergrund steht.
Am Ende bleibt das Bild zweier Frauen, die sich über viele Jahre begleiten, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren. Eine ruhige, einfühlsame Geschichte über Freundschaft, Zeit und das, was Menschen verbindet.
Fünf Sterne und eine Empfehlung für alle, die leise, gefühlvolle historische Geschichten mögen, die lange nachhallen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Shilo
Zwei Frauen

Rezensionen von Sheilo:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain von Sasha Peyton Smith

Regency meets Romantasy

Nach den schrecklichen Geschehnissen um ihre Schwester Lydia steht ihre Familie vor dem Abgrund. Von der Gesellschaft verachtet sieht sie die letzte Rettung in einer Hochzeit mit dem Prinzen Bram, der dieses Jahr seine Braut wählt und die Königin einen Wettkampf um seine Hand ins Leben ruft. Doch kann Ivy, die immer im Schatten ihrer Schwester stand, diese Herausforderung wirklich für sich entscheiden?

"The Rose Bargain" ist der erste Band der "Hof der Dornen"-Dilogie von Sasha Peyton Smith und für mich ein tolles Romantasy-Highlight, da es die Vibes einer fesselnde Romantasy und typischer Regency Romane auf eine wundervolle Art und Weise verbindet.

Dazu gesellen sich ein interessantes Liebesdreieck und ein Schreibstil, der mich dazu gebracht hat, das Buch innerhalb kürzester Zeit zu verschlingen.

Ivy scheut sich vor ihrem Debüt in der Gesellschaft, da ihre Familie jedes Ansehen verloren hat. Doch in dem Wettkampf um die Hand des Prinzen sieht sie vor allem die Chance, den Ruf ihrer Familie zu retten. Dabei finde ich es besonders toll, wie stark Ivy ist und wie sie teils persönliche Wünsche zurückstellt, um für das Allgemeinwohl zu kämpfen. Ivy hat ein sehr großes Herz und ihr Selbstbewusstsein steigert sich immer mehr im Verlauf der Handlung.

Neben Ivy gibt es im Buch noch zwei Männer, die einen großen Stellenwert einnehmen - die Prinzen Bram und Emmett. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Bram als hilfsbereit, stets zuvorkommend und freundlich bekannt ist, prägt Emmett vor allem der Ruf als Verführer und seine bekannten Skandale hängen ihm an. Doch nur einer der beiden löst ein wahres Gefühlschaos bei Ivy aus und ich liebe das Liebesdreieck in der Geschichte wirklich sehr.
Ich finde, sowohl Bram als auch Emmett sind wirklich gelungene Charakter und freue mich schon, im zweiten Band noch mehr über die beiden erfahren zu können.

Für mich ist "The Rose Bargain" ein wirkliches Highlight, mit tollem Plot-Twist und einem Ende, dass mich kaum erwarten lässt, den Folgeband in den Händen zu halten. Ich liebe dieses Buch und wen der Mix zwischen Regency Roman und Romantasy anspricht, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Sheilo
Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain

Rezensionen von Eternal-Hope:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Im Blick der Anderen: Die Kunst, sich gesehen zu fühlen von Ellen Kuhn

Anspruchsvolle, vielperspektivische Betrachtung des Themas

"Im Blick der anderen" von Ellen Kuhn ist ein Werk, das wahrhaftig seinesgleichen sucht. Es ist eine Seltenheit, dass jemand ein Thema dermaßen vielschichtig, vielperspektivisch und differenziert behandelt, wie das der Autorin mit ihrem Buch gelungen ist. Offensichtlich hat sie sich wirklich extrem tief in das Thema eingearbeitet, es für sich und die Leserinnen und Leser neu geordnet und mit ihren eigenen Gedanken und Lebenserfahrungen verbunden.

Dadurch ist es ihr gelungen, Gesehen-Werden so zu betrachten, wie es noch nie betrachtet worden ist und ein wahrhaftig umfassendes und originelles Werk zu verfassen.

Wer sich an dieses über 400 Seiten starke und inhaltlich sehr gehaltvolle, durchaus philosophisch anspruchsvolle Buch heranwagen will, dem oder der empfehle ich viel Zeit, Ruhe, Konzentration und am besten andere Menschen, mit denen man sich über die Inhalte austauschen kann. In elf Kapiteln geht es darum, was es bedeutet, gesehen zu werden und andere zu sehen.

Dabei werden sowohl diverse philosophische Theorien vorgestellt und mit dem Thema verknüpft, als auch auf aktuelle und historische Erkenntnisse der Psychologie und Psychotherapie Bezug genommen, beispielsweise die Bindungstheorie, Resonanz, das eigene Selbstbild, Selbstwert und Selbstbewusstsein, Identität und vieles mehr. Ganz am Ende gibt es auch noch einen Vergleich mit Weltbildern und Konzepten, die nicht aus dem westlich geprägten Kulturbereich stammen, etwa Wu-Wei, Dao oder Konfuzianismus aus dem asiatischen Raum.

Sehr spannend ist auch, wie verschiedene Psychotherapieschulen kurz in ihrem Weltbild vorgestellt werden und dann überlegt wird, was diese aus ihrer individuellen Perspektive zum Thema Gesehen-Werden beitragen können. Hier, genauso wie an vielen anderen Stellen des Buches, wird sichtbar, wie wertvoll es ist, unterschiedliche Perspektiven zu kennen, um ein komplexes Thema differenziert zu betrachten, weil durch jede davon wieder etwas Neues sichtbar war, das sich davor so nicht gezeigt hatte.

Zugänglich und praktisch anwendbar werden die vorgestellten Theorien auch dadurch, dass sich im Buch zahlreiche Fallbeispiele finden und am Ende jedes Kapitels Reflexionsfragen dazu einladen, das Gelesene mit dem eigenen Leben zu verknüpfen und auf einer persönlichen Ebene vertieft darüber nachzudenken oder auch sich mit anderen dazu auszutauschen.

Besonders gern mochte ich persönlich auch die Stellen, an denen die Autorin von sich und ihrer Lebenserfahrung erzählt, Theorien kritisch hinterfragt und mit ihren eigenen Ideen neue Impulse gibt, das Thema neu zu betrachten, z.B. zum Thema, ob Weisheit und Interesse an existenziellen Fragen in jedem Fall mit einem höheren Lebensalter verbunden sein müssen bzw. was es bedeuten könne, sich schon sehr früh tiefgründig damit auseinanderzusetzen.

Die ausführliche Beschäftigung mit dem Buch hat mir einiges an Zeit und Energie abgefordert, mich aber zugleich mit vielen neuen Perspektiven auf ein spannendes Thema und so einigen Impulsen auch zum längerfristigen weiterführenden Nachdenken beschenkt.

Es ist ein Buch, das man am besten nicht nur einmal liest und dann ins Regal stellt, sondern das in seiner Vielschichtigkeit und Multiperspektivität richtig dazu einlädt, es als längerfristigen Begleiter an der Seite zu haben und immer mal wieder zu konsultieren, wenn man Interesse hat, einen der vielen Aspekte des menschlichen Seins und miteinander in Begegnung Gehens ausführlicher zu explorieren.

Ich kann es allen Menschen, die Freude an anspruchsvoller intellektueller Auseinandersetzung und tiefgründiger Persönlichkeitsreflexion und -entwicklung haben und bereit sind, sich auf die damit einhergehende Tiefe einzulassen, sehr empfehlen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope
Im Blick der Anderen: Die Kunst, sich gesehen zu fühlen

Rezensionen von clematis:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen RahmenStern mit grünen Rahmen

REM von Annika Strauss

Horror im Hotel

Alysee hat Angst vor dem Schlaf, denn einst hat ihr Vater sie gewarnt: „Du darfst nicht einschlafen!“ Mit ihren vier Jahren hat sie das nicht geschafft und dafür ihren Vater in den Tod geschickt. Als Erwachsene erbt Alysee ein Hotel, in welchem sie die Geheimnisse um ihre Familie ergründen kann, der Horror hält mit ihr Einzug.

Eine aufregende Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln nimmt ihren Lauf, Alysee und ihr Ziehbruder Nico versprechen Spannung, die Leute im VW-Bully Horror. Die flotte Schreibweise und die kurzen Kapitel samt häufigen Perspektivwechseln tragen ebenfalls zum Lesevergnügen bei. Allerdings sinkt dieses im Laufe der Geschichte deutlich ab, die Elemente aus dem Horrorgenre werden oft nur angedeutet oder beziehen sich auf Filme und Computerspiele, werden aber dann doch kaum szenisch umgesetzt. Die Handlung selbst wird – speziell zum Ende hin – immer skurriler und nimmt science-fictionartige Formen an, welche für mich nicht wirklich zum so fesselnden Beginn passen. Der Horror im Hotel, der Vorraum zur Hölle, hätte noch dramatischer ausfallen können, die Glaubwürdigkeit wäre mit einer weniger fantastischen Gedankenwelt wohl höher geblieben.

Ein interessantes Thema, das im Laufe der Kapitel leider an Spannung und Überzeugungskraft einbüßt. 3 von 5 Sternen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von clematis
REM

Rezensionen von Cellissima:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen RahmenStern mit grünen Rahmen

The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota

Nicht ganz überzeugend

Fantasy ist nicht mein Lieblingsgenre, aber cosy fantasy lese ich ganz gerne mal, wenn mich ein Buch anspricht. Bei "The House Witch" war das der Fall: es hat ein wunderschönes Cover (das perfekt zum Inhalt passt), es soll "eine Tasse Kakao in Buchform" sein, der Klappentext klang toll, die Leseprobe überzeugte .

.. das konnte eigentlich nur gut werden, dachte ich. Leider lässt mich "The House Witch" aber ziemlich zwiegespalten zurück.

Kulisse ist der Hof des Königreiches Daxaria. Im Mittelpunkt steht Finlay Ashowan, der neue Koch. Er kocht nicht nur unglaublich gut, sondern ist eine Hexe. Eine ganz besondere Hexe - eine Haushexe.
Es droht ein Krieg mit dem Nachbarreich, und auch sonst geht es bei Hofe nicht ruhig zu: es gibt natürlich viele Intrigen!

The House Witch ist eine auf drei Bände angelegte Reihe. Geworben wird u.a. mit Tiefe und überraschenden Wendungen.

Die Idee der Autorin fand ich toll - die Kulisse, Magie, das kulinarische Element ... dieser Auftakt hatte so viel Potenzial, aber leider ist die Umsetzung nicht so gelungen; es wurde viel Potenzial verschenkt.
Die Kulisse ist toll. Der Hof gefiel mir, und gerade auch das kulinarische Element. Die Szenen in der Küche gehörten zu meinen absoluten Liebingsszenen. Auch die Magie wurde gut eingebunden, und die Idee mit der Haushexe ist originell.
Der Schreibstil der Autorin ist großartig! Dieser sowie die Atmosphäre der Geschichte haben mir von Anfang bis Ende sehr gefallen. Auch einige Figuren, etwa Finlay, Finlays Mutter, Eric bzw. generell die Königsfamilie ... sind absolut gelungen.
Intrigen und alles, was sonst noch versprochen wurde, bekommt der Leser auch.
Gemütliche Szenen wechseln sich mit Spannung und Gefahr ab, wobei erst relativ spät mehr Tempo in die Geschichte kommt. Es ist insgesamt definitiv cosy fantasy. Mir gefiel das, weil ich das Genre mag.
Aber es ist definitiv ein ruhiger erster Band, in dem unterm Strich nicht viel passiert. Mir gefiel es, für mich war es richtig, auch, weil ich das kulinarische Element sehr mochte - aber für eingefleischte Fantasy-Leser könnte es zu langweilig sein.

Leider gibt es aber auch Kritikpunkte:
Es gibt immer wieder Längen. Dieser Auftaktband zieht sich leider immer wieder ziemlich. Man hätte ihn gut straffen und Seiten einsparen können. Das hätte ihm gutgetan.
Die Autorin wollte zu viel in diesen ersten Band packen. Zu viele Dinge werden anfangen, dann aber im Sande verlaufen lassen bzw. jedenfalls nur oberflächlich angekratzt. Das führt dazu, dass der Leser den Überblick verliert. Generell fehlt diesem Auftaktband der rote Faden.
Die beworbene Tiefe und die überraschenden Wendungen habe ich ehrlich gesagt vermisst - da hatte ich, nachdem damit geworben wurde, irgendwie mehr erwartet.
Und: Während auch der Humor diese Reihe ausmacht und dieser mir oftmals gut gefallen und gut gepasst hat, war er an mehreren anderen Stellen einfach völlig misslungen. Es gab Szenen, die auf Biegen und Brechen lustig sein sollten und es dann einfach definitiv nicht waren. Hier war der Humor dann einfach too much und völlig deplatziert.
Auch Dinge wie die ständigen Saufgelage haben mir überhaupt nicht gefallen.
Auch eine Personenübersicht zu Beginn wäre hilfreich gewesen.

Am Ende dieses Auftaktbandes bleibe ich leider ziemlich unschlüssig zurück - stellenweise habe ich ihn wirklich gerne gelesen, stellenweise musste ich mich leider ziemlich durchkämpfen.
Ich bin eigentlich schon gespannt darauf, wie es weitergehen wird, weiß aber noch nicht, ob ich die Folgebände wirklich lesen will und werde. Ich befürchte v.a., dass diese sich wieder so ziehen könnten ... vermutlich werde ich die Leseprobe und erste Rezensionen lesen und dann entscheiden. Aber die Begeisterung ist leider definitiv nicht so groß, dass ich unbedingt weiterlesen will und den zweiten Band kaum abwarten kann ...

Fazit: Tolle Kulisse, ein paar tolle Figuren, originell bzgl. der Idee mit der Haushexe und ihrer Magie und dem kulinarischen Element, aber leider auch mit Kritikpunkten. Wer cosy fantasy aber wirklich liebt und Lust hat auf das Leben bei Hofe, Liebe, Freundschaft, Leidenschaft, Abenteuer und Gefahr, Intrigen, Kulinarik sowie eine Haushexe und ihre Magie, für den könnte "The House Witch" das richtige Buch bzw. die richtige Reihe sein.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cellissima
The House Witch 1