Kunden em pfehlungen
Rezensionen von fantasia:
Elbland von Claudia Rikl
Spuren der Vergangenheit
„Elbland“ ist ein Roman über Traumata, wie sie entstehen können und sie gar die Nachkommen belasten können. Der Roman spielt in drei Zeitebenen: 1945, 1987 und der Jetztzeit. Die letzten beiden Zeitebenen werden von Nina, der Tochter von Irma erzählt, und die Anfänge des Traumas erzählt ein auktorialer Erzähler.
Das Geschehen rankt sich von Böhmen/Tschechien über die DDR bis in die Bundesrepubik - passend zu dem Titel: Gegenden um die Elbe, Elbland. Interessant fand ich auch, dass man etwas über die Sudetendeutschen erfährt, die als Nachfahren von Siedlern über Jahrhunderte eine bedeutende Minderheit bildeten und nach 1945 vertrieben wurden.
Ob die Butterblume auf dem Cover auch symbolisch zu verstehen ist? Butterblumen sind oft ein Zeichen für eine lebendige Wiese, aber in frischem Zustand giftig. Das Trauma vergiftet Irma und trägt Früchte bis in die Jetztzeit.
Nach dem Tod der Mutter reist Nina ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Dort versucht sie herauszufinden und zu verstehen, warum die Mutter zu der Person geworden ist, als die sie die Familie erlebt hat. Gleichzeitig ist die Reise für Nina ein Versuch, sich von der Last der Vergangenheit zu befreien. Ein unbeschwertes Verhältnis zu Schwester und Vater scheint zunächst in weiter Ferne, ebenso unerreichbar wie der Frieden mit sich selbst.
Ein berührendes und absolut empfehlenswertes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte.
Rezensionen von fantasia:
Elbland von Claudia Rikl
Spuren der Vergangenheit
„Elbland“ ist ein Roman über Traumata, wie sie entstehen können und sie gar die Nachkommen belasten können. Der Roman spielt in drei Zeitebenen: 1945, 1987 und der Jetztzeit. Die letzten beiden Zeitebenen werden von Nina, der Tochter von Irma erzählt, und die Anfänge des Traumas erzählt ein auktorialer Erzähler.
Das Geschehen rankt sich von Böhmen/Tschechien über die DDR bis in die Bundesrepubik - passend zu dem Titel: Gegenden um die Elbe, Elbland. Interessant fand ich auch, dass man etwas über die Sudetendeutschen erfährt, die als Nachfahren von Siedlern über Jahrhunderte eine bedeutende Minderheit bildeten und nach 1945 vertrieben wurden.
Ob die Butterblume auf dem Cover auch symbolisch zu verstehen ist? Butterblumen sind oft ein Zeichen für eine lebendige Wiese, aber in frischem Zustand giftig. Das Trauma vergiftet Irma und trägt Früchte bis in die Jetztzeit.
Nach dem Tod der Mutter reist Nina ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Dort versucht sie herauszufinden und zu verstehen, warum die Mutter zu der Person geworden ist, als die sie die Familie erlebt hat. Gleichzeitig ist die Reise für Nina ein Versuch, sich von der Last der Vergangenheit zu befreien. Ein unbeschwertes Verhältnis zu Schwester und Vater scheint zunächst in weiter Ferne, ebenso unerreichbar wie der Frieden mit sich selbst.
Ein berührendes und absolut empfehlenswertes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte.
Rezensionen von lesemaus:
Lisa Heynrichs: Der Abgrund vor uns von Anke Schläger
tolles Finale
Lisa Heynrichs ermittelt in „Der Abgrund vor uns“ nun bereits zum dritten Mal.
Als vorübergehende Chefin der neunten Berliner Mordkommission ist sie in einen Fall involviert, bei denen die Tatorte eine gemeinsame nationalsozialistische Vergangenheit haben. Jedoch scheint ihre Kollegin Jule in den Fall verstrickt zu sein, denn es finden sich Mikrochips in den Kleidungsstücken der Toten.
Das brisante daran: an der Entwicklung dieser Chips ist ihr Verlobter beteilig.
Die Ermittlungen laufen und die Schlinge um Jule scheint sich immer mehr zu verengen…
Die Autorin Anke Schläger bleibt sich zum Glück treu, den bekannten angenehm flüssigen und sehr mitreißenden Schreibstil behält sie bei. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, fliegt man nur so durch das Buch. Wie in den vorangegangenen Fällen ist auch dieser wieder von aktueller Brisanz gekrönt. Die Autorin schafft es hervorragend Historie, Fiktion und aktuelle Themen (IT, Programmierung, Anschläge) miteinander zu verknüpfen. Ich als Leser finde alles sehr plausibel und authentisch.
Lisa Heynrichs ist mir sehr ans Herz gewachsen, ist sie doch eine sympathische taffe junge Frau, die kein Risiko zur Aufklärung der Fälle scheut. Sollte es wirklich ihr letzter Fall sein? Das macht mich ganz traurig. Führt sie mich doch immer in ihren Ermittlungen an interessante Orte mit Vergangenheit in Berlin und ich begleite sie und ihr Team gern.
Natürlich ist der dritte Teil unabhängig von den beiden vorherigen Fällen lesbar, aber es macht es schon einfacher, wenn man sie kennt.
Eine klare Leseempfehlung von mir, ein spannender, gut recherchierter Krimi mit viel Atmosphäre.
Rezensionen von Manfred Fischer, Journalist u. Historiker:
Mit Feuereifer und Engelszungen von Rainer Metzner
Unterhaltsames Buch zu Bibelzitaten
Ja, Sie lesen richtig … unterhaltsam und Bibelzitate. Mit „Feuereifer und Engelszungen“, das kürzlich im C.H. Beck Verlag erschien, ist Rainer Metzner ein lesenswertes, unterhaltsames Buch zu Bibelzitaten gelungen.
Der Theologe der Humboldt-Universität Berlin und evangelische Pfarrer greift in einer lexikalen Zusammenstellung 280 Wendungen und Wörter aus der deutschsprachigen Übersetzung der Bibel durch Luther auf, die in unseren allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden haben.
Er legt ihr Vorkommen in der Bibel, ihre Bedeutung in der Originalsprache und in der deutschen Übersetzung dar. Er zitiert die Bibelstellen und liefert Hintergrundwissen zu den Textstellen.
So etwa zum Begriff „Denkzettel“: „Das Wort Denkzettel steht seit dem 15. Jahrhundert für ‚schriftliche Nachricht, Vorladung, Urkunde‘, dann auch für ‚Merkzettel, Notizbuch‘. Die alte Lutherbibel (LÜ 1545) gebraucht den Ausdruck als Übersetzung für das himmlische ‚Gedenkbuch‘ (revidiert) der Gerechten (Mal 3,16, hebr. sefär sikkaron) und für die an Stirn und Arm getragenen ‚Gebetsriemen‘ (revidiert), die auf Pergamentstreifen verzeichnete Schriftworte als Merkzeichen’ (Dtn 6,8; 11,18) enthalten (Mt 23,5, griech. phylakteria).“
Die Redewendung „sich ein Feigenblatt umhängen“ beziehungsweise „etwas als Feigenblatt benutzen“ (also etwas verbergen) spielt auf Gen 3,7 an. Feigenblätter sind bekanntlich „die als Notbehelf gewählte Kleidung“, die sich Adam und Eva als Schurze über die Genitalien legen, nachdem sie sich ihrer Nacktheit bewusst wurden.
Rezensionen von rikes_little_library:
Carli und Klecks gehen auf den Spielplatz von Lisa Hänsch
Die Reihe hat neue Fans gewonnen!
Carli ist zwei Jahre alt, geht schon in die Kita und erlebt gemeinsam mit seinem besten Freund Kater Klecks viele Alltagsabenteuer. In diesem Band geht es für die beiden auf den Spielplatz, wo Carli gerne rutschen möchte. Anders als er sich das vorgestellt hat, spielen dort aber seine zwei älteren Brüder, die sich vordrängeln und ganz schön wild spielen.
Da spielen die beiden doch lieber im Garten von Nachbarin Inga, vielleicht lässt es sich ja auch dort rutschen.
Das Buch ist altersgerecht in kurzen, einfachen Sätzen geschrieben und befasst sich mit einem Thema, dem die meisten kleineren Kinder auch schon selbst begegnet sind. Anderen Kindern, die zu wild und zu laut sind. Hier hätte man natürlich einen Weg gehen können, bei dem sich eine Erwachsene Person einmischt und vermittelt, ich finde es aber für einen Zweijährigen eine vollkommen schlüssige Handlung sich zurückzuziehen, statt die Konfrontation mit den älteren Brüdern zu suchen. Die Illustrationen sind sehr modern und unheimlich liebevoll gestaltet, beim Lesen fühlt man sich direkt wohl und möchte dort am liebsten auch leben - besonders, wenn man den liebevoll gepflegten Bücher- und Gemüsetauschstand im Park sieht.
Spannend finde ich auch, dass Carli nicht von seinen Eltern, sondern von einer Nachbarin betreut wird, das finde ich schön, denn so werden auch mal andere Betreuungsmodelle repräsentiert. Oft finde ich zudem, dass derartige Reihen mit Alltagsgeschichten eher veraltete Rollenbilder und wenig Diversität zeigen. Das ist hier definitiv nicht der Fall, besonders positiv ist mir aufgefallen, dass hier Behinderung nicht als Hindernis oder Besonderheit dargestellt wird, sondern ganz nebenbei existiert. Erst beim mehrmaligen Lesen ist mir daher aufgefallen, dass Carlis Bruder Junis eine Hand fehlt (im zweiten Buch sieht man das dann auch eindeutiger, da er dort eine Prothese für die Schule anzieht). Hier finde ich es auch gut, dass im Laufe der Reihe gezeigt wird, dass Menschen zwar eine Prothese haben können, sie aber nicht in allen Alltagssituationen nutzen. Schön finde ich auch, dass Nachbarin Inga im Hintergrund ihre Hochbeete selber baut und Carli dadurch dazu inspiriert wird sich seinen Spielplatz doch einfach selbst zu bauen.
Carli und Klecks gehen auf den Spielplatz ist ein wundervolles Buch, dass alltagsnahe Situationen zeigt, in denen sich die Kinder wiederfinden können, viele Sprechanlässe geschaffen werden und die Kreativität gefördert wird.
Die Reihe hat mit diesem wunderbaren Buch direkt neue Fans gewonnen und gefällt uns deutlich besser als viele vergleichbare Reihen für Kinder ab 2!
Rezensionen von rikes_little_library:
Carli und Klecks backen einen Kuchen von Lisa Hänsch
Die Reihe hat neue Fans gewonnen!
Carli ist zwei Jahre alt, geht schon in die Kita und erlebt gemeinsam mit seinem besten Freund Kater Klecks viele Alltagsabenteuer. In diesem Band hat Carlis Mama Geburtstag. Nach einem gemeinsamen Kuchenfrühstück mit der ganzen Familie bleiben Carli, sein Papa und Kater Klecks alleine zuhause zurück, während die Geschwister zur Schule und die Mama zur Arbeit geht, denn die Kita fällt heute aus.
Papa muss leider im Homeoffice arbeiten, doch Carli und Klecks haben eine perfekte Beschäftigungsidee - Sie backen einfach einen eigenen Kuchen. Ob das wohl gut geht?
Das Buch ist altersgerecht in kurzen, einfachen Sätzen geschrieben und befasst sich mit einem Thema, dem die meisten kleineren Kinder auch schon selbst begegnet sind. Der Langeweile, wenn die Betreuungsperson keine Zeit zum spielen hat, erste Küchenexperimente und dem daraus resultierenden Chaos (und Spaß).
Die Illustrationen sind sehr modern und unheimlich liebevoll gestaltet, beim Lesen fühlt man sich direkt wohl und Carli Zuhause wirkt, wie ein richtiger Wohlfühlort für die Familie.
Oft finde ich, dass derartige Reihen mit Alltagsgeschichten eher veraltete Rollenbilder und wenig Diversität zeigen. Das ist hier definitiv nicht der Fall, besonders positiv ist mir aufgefallen, dass hier Behinderung nicht als Hindernis oder Besonderheit dargestellt wird, sondern ganz nebenbei existiert. So sieht man im Hintergrund Carlis Bruder, der seine Handprothese für die Schule anzieht. Daneben gefällt es mir wirklich gut, dass wir hier eine Familie mit vier Kindern haben. Zudem werden hier Stereotype gebrochen, denn Mama Jule ist mehrgewichtig, wird aber in den begleitenden Werbemaßnahmen des Buches (Personenbeschreibungen im Buch wären aber noch schöner gewesen) als sehr sportlich beschrieben und leitet den Schwimmverein der Stadt, während Papa Sayid zum Beispiel gerne Theater spielt.
Carli und Klecks backen einen Kuchen ist ein wundervolles Buch, dass alltagsnahe Situationen zeigt, in denen sich die Kinder wiederfinden können, viele Sprechanlässe geschaffen werden und ganz viel liebevolles Familienleben gezeigt wird.
Die Reihe hat uns als neue Fans gewonnen und gefällt uns deutlich besser als viele vergleichbare Reihen für Kinder ab 2!
Rezensionen von Nicole (Abby1810):
Du bist gesehen und geliebt von Tanja Stenzig
156 persönliche Ermutigungen und Liebesbotschaften
Das Andachtsbuch von Tanja Stenzig spricht die Leserin persönlich an. Das klingt besonders persönlich und liebevoll. Das Buch, welches ein sehr dezentes und schönes Hardcover hat, ist sehr hochwertig und beinhaltet wertvolle Verse aus der Bibel, welche die Autorin als persönliche Botschaft von Gott umgewandelt hat.
Die Andachten sind entweder Nachrichten und Ermutigungen vom Herrn, oder Botschaften aus der Sicht der Leserin an den Herrn. So beginnen manche Andachten mit "Du bist mein Gott, mein Wunscherfüller. Und genauso weckst du Wünsche in mir, damit dein Segen weitergegeben wird."
Die Andachten lassen sich flüssig lesen und ich persönlich lese sie gerne in der Früh. Sie sind wertvoll, einfühlsam und fühlen sich wie eine stille Umarmung an. Die Idee, dass Gott persönlich zu mir spricht finde ich wunderschön.
Jede Andacht ist ein kleiner Schatz und ja, ich fühle mich gesehen und geliebt. Ich freue mich täglich auf die neue Botschaft für den Tag. Das Buch gefällt mir sehr gut. Ich empfehle es gerne weiter für alle die sich über eine persönliche Botschaft von Gott freuen. Absolute Leseempfehlung meinerseits!
Rezensionen von Odina:
Moorland. Die Zwillinge von Andreas Winkelmann
Starker Auftakt
Der Thriller „Moorland" wurde von Andreas Winkelmann verfasst und erschien am 2. März 2026 im Droemer Knaur Verlag. Das Buch umfasst 432 Seiten und das Cover macht bereits neugierig. In der Geschichte geht es um die Zwillinge Nike und Jana, die nach einem Ausflug ins Moor verschwinden. Als beunruhigende Videos von Jana auf TikTok erscheinen, übernimmt Kommissarin Malia Gold die Ermittlungen und stößt auf ein Netz aus Lügen und Geheimnissen.
Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, sodass man direkt in die Geschichte eintaucht. Mit seiner bildhaften Sprache gelingt es Winkelmann, das Mysteriöse eindrucksvoll vor Augen zu führen. Die Kapitel bzw. Unterteilungen haben eine angenehme Länge. Der Spannungsbogen bleibt konstant hoch, unerwartete Wendungen sorgen immer wieder für Überraschungen. Die Charaktere sind präzise ausgearbeitet und wirken sehr authentisch, allen voran Kommissarin Malia Gold, die durch ihre Stärke und Glaubwürdigkeit beeindruckt. Ihre Entwicklung im Verlauf der Geschichte macht es leicht, mit ihr mitzufühlen und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Auch die Nebenfiguren sind abwechslungsreich und geheimnisvoll gezeichnet. Insgesamt ist das Buch ein sehr guter, düsterer Thriller für alle Fans von psychologischer Spannung.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Das gute Leben von Nadine Schneider
Was ist der Preis für das vermeintlich gute Leben?
Die 22-jährige Anni lebt in den 1960er Jahren bei ihrer Mutter im Westen Rumäniens. Die Familie gehört der deutschsprachigen Minderheit an, der Vater hat sich im Krieg freiwillig der Wehrmacht angeschlossen und ist danach in Deutschland geblieben, der Bruder ebenfalls schon dorthin geflüchtet. Nun ist Anni auch noch schwanger und in Rumänien möchte sie nicht bleiben - "Ich will hier nicht sein!", denkt sie immer wieder - hier will sie ihr Kind nicht aufziehen, und so nützt sie das, was sie als letzte Gelegenheit ansieht, um ebenfalls nach Deutschland zu flüchten.
Doch auch dort wird ihr Leben ein hartes sein: der Bruder hat selbst nicht viel und nimmt sie nur unwillig auf und sie muss sich als alleinerziehende Mutter durchschlagen, findet Arbeit am Fließband beim Quelle-Konzern und zieht daneben ihre Tochter Helene groß und später auch noch ihre Enkelin Christina, nachdem Helene sich in die USA davongemacht hat. In manchen Bereichen hat Anni auch Glück, so erbt sie vom Onkel ein Haus, doch insgesamt ist ihr Leben ein schwieriges.
Nicht unwesentlich trägt dazu neben den herausfordernden Umständen wohl auch ihre schwierige, verschlossene, harte, unerbittliche Persönlichkeit bei - ein Wesenszug, den sie vermutlich mit Tochter Helene teilt und der die Mutter-Tochter-Beziehung zusätzlich erschwert. Anni kümmert sich um das physische Wohlergehen ihrer Tochter, doch schafft sie es nicht, ihr ihre Liebe sonst so zu zeigen, dass es bei der Tochter ankommt. Die Tochter wächst also einsam bei ihrer viel arbeitenden, überforderten und kühlen Mutter in einer eher lieblosen Umgebung mit physischer Gewalt auf, wird später auf einen anderen Kontinent flüchten und ihrer Mutter Vorwürfe machen, sie hätte keine schöne Kindheit gehabt.
Auch Helene wird jung schwanger und schafft es vor diesem Hintergrund auch nicht gut, ihre Mutterrolle zu erfüllen, lässt wiederum ihre halbwüchsige Tochter Christina bei Oma Anni zurück. Zumindest zwischen der gereiften Anni und ihrer Enkelin entsteht eine liebevollere Beziehung und die beiden besuchen auch öfters miteinander die noch recht lange lebende Urgroßmutter Christinas, Annis Mutter, in Rumänien. So ist Christina schwer getroffen, als Oma Anni unerwartet mit 75 nach einer als unproblematisch angesehenen Operation verstirbt. Christina hätte gedacht, noch so viel Zeit mit ihr zu haben...
Es geht in diesem Buch also um vier Frauen einer Familie mit rumäniendeutschen Wurzeln. Männer spielen in diesem Buch nur sehr am Rande eine Rolle, es stehen klar die schwierigen Mutter-Tochter-Beziehungen vor dem Hintergrund der Suche nach einem besseren Leben im Vordergrund. Christina hat das Haus der Oma geerbt und nimmt sich Zeit für den Trauerprozess und um die Verlassenschaft zu ordnen, schaut Unterlagen durch, spricht mit dem noch lebenden Bruder der Oma und blickt auf ihre Zeit mit Anni zurück.
Mit Abstand am meisten erfahren wir über Anni und ihr Leben, wobei mir nicht vollständig klar wurde, wie sich Christina aus den wenigen Unterlagen und der doch recht verschlossenen Oma ein so umfangreiches Bild über deren Leben machen konnte. Jedenfalls war es aber eine interessante Geschichte.
Gerne hätte ich auch mehr über Helene erfahren, die nur sehr am Rande vorkommt: als Kind, für das Anni nicht viel sichtbare Liebe übrig hat, und später als bald in den USA lebende Mutter von Christina, mit der Christina gelegentlich in Kontakt ist, die sich aber sonst sehr der Verantwortung erzieht. Insgesamt ist Helene für mich als Persönlichkeit nicht sehr greifbar geworden. Auch Christina selbst erleben wir hauptsächlich in der Trauersituation und auf das Leben ihrer Oma zurückblickend, doch als Person ist sie mir nicht so wirklich nahe gekommen. Von der Urgroßmutter wiederum kann ich mich nicht einmal daran erinnern, dass überhaupt ihr Name erwähnt wurde, auch wenn sie im Kontakt mit Anni immer wieder vorkommt und dabei deutlich wird, von wem Anni diese Härte gelernt hat.
Im Zentrum steht also insgesamt klar das Psychogramm der als junge Frau ausgewanderten Anni, bei der es sich - wie schon angedeutet - um keine sehr sympathische Persönlichkeit handelt. Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit ihrer Tochter, sondern auch darin, wie sie dem Vater des Kindes (obwohl dieser durchaus bemüht wirkt), nicht einmal die Chance gibt, gemeinsam eine Familie zu sein und regelmäßig Kontakt zu seiner Tochter zu haben, in Gewaltszenen gegenüber der Tochter und auch in reiferen Jahren noch im plötzlichen Fallenlassen einer jahrzehntelangen Freundin und treuen Weggefährtin wegen einer persönlichen Verletzung, für die diese nichts konnte.
Es handelt sich bei Anni also um eine sehr selbstbezogene, unreflektierte und unreife Persönlichkeit, die mit ihrem Verhalten viele andere Menschen verletzt, dafür kaum Einsicht zeigt und keine Verantwortung für die emotionalen Auswirkungen ihres Handelns auf andere Menschen übernimmt - was sicher auch ihrer Sozialschicht und der Zeit geschuldet ist, in der Fleiß, harte physische Arbeit und materieller Aufstieg im Vordergrund stehen, und es noch wenig Bewusstsein für emotionale Bedürfnisse gab. Dass Anni keine große Sympathieträgerin ist (jedenfalls für mich), macht aber natürlich das Buch nicht schlecht, denn solche Menschen gibt es und psychologisch ist Anni stimmig und tiefgründig gezeichnet.
Was die Hintergrundkulisse der Auswanderung aus Rumänien betrifft, so gibt es genug historischen und geographischen Kontext, um das Buch stimmig in diesem Zusammenhang zu verorten, auch wenn klar Annis Psychogramm und die Beziehungen zwischen den Frauen im Vordergrund stehen und nicht eine umfangreiche Vermittlung der Atmosphäre dieser Region. Wer sich aber tiefgründig für diese Region und die Situation der Deutschsprachigen dort interessiert, dem seien eher andere Bücher (z.B. von Iris Wolff) angeraten.
Es handelt sich insgesamt um ein solides und diskussionswertes Buch. Noch etwas gewonnen hätte es vielleicht dadurch, wenn wir neben Anni auch über Helene und Christina noch mehr erfahren hätten. Sprachlich hat es mir sehr gut gefallen, es hat eine charakteristische, unverwechselbare Sprache und eindringliche Metaphern. Insgesamt kann ich es jenen, die gerne Bücher über schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen lesen und mit unsympathischen Charakteren kein Problem haben, durchaus empfehlen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Cooks letzte Reise von Hampton Sides
Eine Leseempfehlung
Über James Cook (1728-1779) gibt es zahlreiche Bücher, die unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können - Sachbücher wie (historische) Romane.
In diesem Buch nähert sich der amerikanische Autor und Historiker Hampton Sides der Person James Cook an. Dazu hat er zahlreiche Archive durchforstet.
In fünf Abschnitten, die in insgesamt 39 Kapitel unterteilt sind, zeichnet der Autor den Lebenslauf von James Cook nach:
Europas führender Seefahrer
Das Ausmaß meines Missfallens
Unter hohem Himmel
Ein neues Albion
Apotheose
Dabei richtet er seinen Blick, soferne das möglich ist, auf die Persönlichkeit James Cook, der zum einen als kluger, umsichtiger Kapitän, der über eine natürliche Autorität verfügt, gilt und zum anderen den indigenen Völkern auf seinen Reisen mit, für diese Zeit, bemerkenswerten Respekt gegenübertritt, auffällt. Umso dramatischer sind die Ereignisse auf seiner dritte Reise, die ihn letztlich das Leben kostet, beschrieben. Warum hat er alle seine bisherigen Gepflogenheiten über Bord geworfen? Erfolgsdruck, als erster die Nordwestpassage zu entdecken? Oder eine wesensverändernde Krankheit? Oder schlichtweg Überforderung, Cook wollte sich ja eigentlich zur Ruhe setzen?
Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen. Zudem bin mehr als erfreut und beeindruckt von diesem Buch über Cooks letzte Reise, das mich trotz, oder gerade wegen seiner korrekten Sachlichkeit, gefesselt hat. Hampton Sides vermittelt ein glaubhaftes Abbild der Zeit, in denen Monarchen um die Vorherrschaft zu Wasser und zu Land kämpfen. Der ethnografische Blick auf die Unterschiede zwischen Briten und Indigenen zu Eigentum und/oder die Ehe wird sehr gut herausgearbeitet. So erhalten wir auch Einblick in einige religiösen Riten, die sich vom europäischen Monotheismus wesentlich unterscheiden.
Dieses Buch über James Cook beschert uns ein Wiedersehen mit einer weiteren interessanten Person: Dem noch jungen William Bligh (1754-1817), der uns aus der Belletristik bzw. aus zahlreichen Verfilmungen bestens (?) vertraut ist.
Mich hat auch der Ausflug in die Instrumentenkunde der damaligen Zeit begeistert. So erfahren wir einiges über die von John Harrison (1693-1776) im Jahr 1762 hergestellte präzise Uhr H4, mit der man auch auf See die Zeit exakt messen konnte, um die Geografische Länge festzustellen. Cook hat allerdings bei seiner zweiten Südssereise von 1775 das baugleiche Modell K1 von Larcum Kendall (1719-1790) an Bord. Als Vermesserin bin ich ein Fan von historischen Seekarten und Vermessungsinstrumenten. Gut haben mir auch die Passagen gefallen, die James Cook als gewissenhaften Kartographen schildern, der sich, bei seinen Bemühungen eine Nordwest-Passage zu finden, sich über die schlechten Karten aus dem Zarenreich ärgert. Darüber habe ich mehrmals schmunzeln müssen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem aufschlussreichen Buch über James Cook eine Leseempfehlung und 5 Sterne.










