Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Feindbild Frau von Ingrid Brodnig
Eine klare Leseempfehlung!
„Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden und was wir alle dagegen tun können“
Wie schon in ihrem Buch „Hass im Netz“ zeigt Autorin und Expertin für digitale Gesellschaft auf, wie sehr die Anonymität im Netz Menschen ihre Hemmungen nicht, weshalb sie immer und überall ungefragt ihre Meinung kundzutun und das vor allem Frauen gegenüber, in einer menschenverachtenden Weise.
„Beleidigungen sind wirkungsvoll, weil sie uns Menschen signalisieren, welchen Stellenwert wir in der Gesellschaft haben“ (S. 39).
Ingrid Brodnig analysiert in 13 Kapiteln die digitale Gewalt die Frauen in Führungspositionen entgegen schlägt. Darüber hat sie mit Politikerinnen in Österreich und Deutschland gesprochen, die, weil sie in der Öffentlichkeit sichtbar sind, einer besonderen Aggression ausgesetzt sind. Vor allem die sexualisierte Gewalt der Hetze im Netz ist für Frauen besonders verletzend. Das Beispiel eines Mannes, der zunächst eine Politikerin sexistisch beleidigt, den Prozess leider gewinnt, anschließend die Frau, die sich gewehrt hat wegen Rufschädigung klagt, und letztlich eine Frau, nämlich seine eigene Lebensgefährtin ermordet, zeigt auch, dass vermeintlich harmlose Übergriffe im Netz recht schnell an anderen Stelle eskalieren können.
Das Ergebnis der Analyse überrascht nicht: Es ist vor allem Männer, die sich die Anonymität des Netzes zu Nutze machen, Frauen werden bedroht, beleidigt und diffamiert, um sie mundtot zu machen und in Schranken zu weisen.
Die Autorin weist auf die Motive und die Mechanismen dieser Bedrohungsszenarien hin und entwirft gleichzeitig zahlreiche Strategien der Gegenwehr und zeigt, was jede Einzelne tun kann, gegen Gewalt im Netz aufzutreten. „Denn die Gewalt im Netz ist kein individuelles Problem, sondern ein Angriff auf demokratische Teilhabe.“
Im Anhang gibt Ingrid Brodnig zahlreiche Tipps, von rechtsicheren Screenshots über Buddy-Systeme bis hin zu strategischem Blockieren, die das Buch auch praktisch nutzbar machen.
Fazit:
Auch dieses Buch von Ingrid Brodnig zeichnet sich durch klare Struktur und fundierte Sachkenntnis aus. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Hat mich gut unterhalten
Maxim Leo bietet in seinem neuen Roman Einblick in Seele seiner Protagonisten. Da ist zum einem die erfolgreiche Managerin Marlene, die vor einem weiteren Karriereschritt steht, dafür aber an ihren Social Skills arbeiten muss, und zum anderen Alex, der eine exklusive Coaching-Schmiede führt, in der Alex Marlene coachen soll.
Doch auch Alex hat so seine Probleme und Ängste. Eines davon sind Bankkredite, die bedient werden sollen und ein anderes ist Johanna.
Daneben bekommen wir es noch mit Hausmeister Matthissen, der seine Mutter pflegt und der 14-jährigen Ausreißerin Connie zu tun. Jede und jeder dieser vier Hauptpersonen hat sein bzw. ihr Schicksalspäckchen, das weit in die Familiengeschichte hineinragt, zu tragen. Wie weit, wird für Marlene gleich in den ersten Tagen ihres Aufenthalts klar, als eine Familienaufstellung unter Alex‘ Anleitung, das Schicksal ihrer Großmutter offenlegt.
Wie wird Marlene damit umgehen? Kann sie diese Erkenntnisse annehmen?
Meine Meinung:
Ich kenne fast alle Werke von Maxim Leo, weshalb ich diesen Roman sehr gerne gelesen habe.
Schmunzeln musste ich, wie genau Maxim Leo die Klischees, die so einem Coaching-Tempel oft vorauseilen, beschrieben hat: Klangschalen, vegane Mahlzeiten Yoga sowie das Kommando „Einatmen - Ausatmen“, das Marlene gehörig auf die Nerven geht. Ich finde mich in Marlenes Gedankenwelt wieder. Also nicht, dass ich CEO eines Unternehmens sein wollte, sondern dass ich dem einen oder anderem Angebot nichts abgewinnen kann. Wobei, an einer Familienaufstellung teilzunehmen, sehr interessant ist.
Der Roman lässt sich leicht lesen und trifft immer wieder den richtigen Ton. Mir haben die unterschiedlichen Protagonisten sehr gut gefallen. Jede, jeder darf zweifeln und hoffen, Fehler machen und bleibt dabei durchwegs liebenswert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem kurzweiligen Buch, das mich sehr gut unterhalten hat, weil es auch ein Körnchen Wahrheit enthält, 5 Sterne.
Rezensionen von Bockonia:
Astrologica von Suki Ferguson
Eine strahlend bunte Einladung, mitten hinein in die Welt, die uns der Himmel zeigt
Egal, von wo auf der Erde wir in den Himmel schauen, dort wartet eine magische Welt auf uns, mit all dem Leuchten, das sich zu ganzen Bildern zusammenfügt. Und die Geschichten, die diese Phänomene mit sich tragen, sie sind so spannend und variantenreich, umfassen sowohl wissenschaftliche Aspekte allerfrühester Zeiten wie auch die Mythologie der Götter, mit denen die Völker damals lebten.
Und das diese Himmelskörper auch einen außerordentlichen Nutzen für die Menschen hatten und auch heute noch zu einem gewissen Teil haben, wenn sie sich daran orientierten, bei ihren gefährlichen Fahrten über die Weltmeere, das ist extrem faszinierend und zeigt uns auch, wie stark verbunden die Menschheit schon immer war mit 'dem großen Dach', das unsere Erde umgibt. Und wenn man auch heute mit all den Möglichkeiten, die die fortgeschrittene Wissenschaft, insbesondere mit ihren grandiosen Gerätschaften, hat, ganz weit vorzudringen in neue Welten, neue Galaxien, weit von unserem kleinen Heimatplaneten entfernt, gibt es da doch auch oder vor allem die Nähe
und man weiß, dass der Himmel in eine unendliche Weite führt, die alten Geschichten bringen uns die Nähe und Verbundenheit, wenn wir in der Stille der Nacht zu den Sternen hinauf zu sehen.
Und diese große Allumfassenheit, dieses Buch vermittelt seinen jungen Lesern und auch den Älteren ganz viel davon, in warmen bunten Bildern, so lebendig und die ganze Vielfalt ausdrückend, was zu diesem Thema alles dazu gehört.
'Astrologica' ist ein tolles Buch, das spannendes Wissen vermittelt, das das, was wir selbst am Himmel erleben können, mit Inhalt füllt und zeigt, das irgendwie alles miteinander verbunden ist.
Ein Erlebnis, nicht nur für Kinder. Hieran kann sich die ganze Familie erfreuen.
Rezensionen von Cxicken:
Salto von Kurt Prödel
Aus dem Leben gefallen
Der Roman „Salto“ von Kurt Prödel befasst sich mit der Realität einiger junger Menschen, deren Traum des Medizinstudiums in Deutschland nicht erreichbar scheint. Der junge Marko, der nach seinem Abi nach Ungarn ziehen muss/darf, um Medizin studieren erlebt genau dies. Dafür verlässt er seine Freundin Claire, nimmt das letzte Geld von der Lebensversicherung seiner Mutter und lässt seinen Vater im Wohnblock zurück.
Das Cover ist vielleicht nicht ideal gewählt. Zwar ist es äußerst ästhetisch, jedoch ist, meines Erachtens, nicht der Hauptaspekt der Geschichte dargestellt. Zwar geht es auch viel um Claire, aber ich denke, dass Marko und seine Selbstfindung im Fokus stehen sollte. Auch die Bezeichnung einer Liebesgeschichte erachte ich als ungenau. Hübsch ist die Gestaltung jedoch allemal.
Ich bin wirklich von der Umsetzung der Geschichte überzeugt. Ich wurde so toll mitgenommen, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie schnell ich das Buch durchgelesen hatte. Es geht um Finanzsorgen, Krankheiten, Träume und Erwartungen. Ich befinde mich aktuell an einem ähnlichen Punkt in meinem Leben wie Marko und Claire, weswegen ich viel mitfühlen konnte. Es ist wirklich unglaublich, welchen hohen NC man aktuell für Medizin benötigt.
Den Schreibstil kann ich nur lobpreisen. Ich habe das Buch fast schon durchflogen, so flüssig und catchy war es.
Die Charaktere waren sehr authentisch. Der Ort, in dem der Roman spielt ist bewusst offengehalten. Es wird immer wieder von der „deutschen Kleinstadt“ geredet, vielleicht um möglichst viele Leute abzuholen. Die Protagonist:innen sind sehr konträr zueinander. Während Claire scheinbar aus einem Traum-Elternhaus kommt, mit präsenten Eltern und einem Geldsegen, muss Marko alleinig mit seinem Vater in einem Block leben. Durch diese große Spannweite der Charaktere lässt sich für jede:n etwas finden, mit dem man mitfühlen kann. Mir sind keine Inkonsequenten aufgefallen.
Ich mag das Buch sehr gerne, da es so alltagsnah ist und die Sorgen und Ängste von Jugendlichen aufzeigt.
Rezensionen von Anjulia :
Zwei in einem Bild von Morgan Pager
In Kunst gebannt
Jean ist schon viele Jahrzehnte im Museum, eingefangen als gemalte Figur, in einem berühmten Kunstwerk seines Vaters Henri Matisse. Tagsüber seine Pose einnehmend, bieten auch die Nächte, in denen er sich frei durch die anderen Gemälde des Museums bewegen kann, wenig Abwechslung. Das ändert sich, als die junge Claire einen Job als nächtliche Reinigungskraft beginnt.
Sie bemerkt schnell, dass die gemalten Figuren lebendig sind, und kann sogar in Jeans Bild eintauchen. Gemeinsam erleben sie die Kunstwerke neu und verlieben sich dabei. Doch Jean kann nicht in die reale Welt und Claire hat dort Verpflichtungen.
Zwei in einem Bild von Morgan Pager ist ein Roman über eine magische, ungewöhnliche Liebe. Ich mochte die Idee, der lebendigen Figuren in Kunstwerken, die vor allem nachts ihr Eigenleben führen, sehr gerne. Zwischen Jean und Claire entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. Die Geschichte ist abwechselnd aus Jeans und Claires Perspektive erzählt. Beide sind glaubwürdig dargestellt und haben auch charakterliche Tiefe. Claire, die früh erwachsen und verantwortungsvoll werden musste, kann in den Bildern ungezwungene Erfahrungen nachholen. Für Jean bedeutet Claires Anwesenheit nach jahrelanger Langeweile tatsächlich Abwechslung. Es sind gestohlene nächtliche Stunden und es stellt sich die Frage, ob eine Beziehung, getrennt durch Raum und Zeit, überhaupt dauerhaft möglich ist. Ich mochte vor allem die Szenen, die in den Bildern spielten. Einige Bilder habe ich mir im Anschluss auch angeschaut. Tatsächlich habe ich mir Jean und das Bild, in dem er lebt, anders vorgestellt. Der Schreibstil des Buches ist angenehm und flüssig zu lesen. Insgesamt habe ich die Thematik gemocht, auch wenn das Buch sein Potenzial weder spannungstechnisch noch bei der Lovestory richtig ausnutzt.
Rezensionen von Normanfips:
Das Kuchen-Paradox von Tim Hollstein
Ein wertvoller Ratgeber
Man könnte denken, ach noch ein weiterer Ratgeber zum Thema Abnehmen. Allerdings finde ich, dass dieser Ratgeber wirklich positiv heraussticht. Obwohl ich schon einiges zu den Themen Stoffwechsel und Abnehmen gelesen habe, erfuhr ich hier tatsächlich noch einige neue und durchaus interessante Fakten.
Der Aufbau des Buches ist klar und gut strukturiert. Der Schreibstil ist flüssig und der Autor erklärt komplexe Sachverhalte verständlich. Nach der Lektüre bin ich motiviert die acht Tools umzusetzen, die am Ende des Buches noch einmal auf sechs Wochen verteilt dargestellt werden. Besonders interessant fand ich den Teil mit der Funktion des braunen Fettes und die Möglichkeit, mit Kälte darauf einzuwirken. Ich bin wirklich froh, dass ich diesen Ratgeber gelesen habe und kann ihn nur weiterempfehlen.
Rezensionen von Lilli33:
Das Camp von Linus Geschke
Gut, aber nicht so gut wie Band 1
Gut, aber nicht so gut wie Band 1
„Das Camp“ ist Band 2 der Donkerbloem-Trilogie. Man sollte den ersten Band „Der Trailer“ besser gelesen haben, denn beide hängen inhaltlich doch stark zusammen.
Von Band 1 war ich absolut begeistert. Band 2 ist zwar auch gut, aber wirkt vor allem anfangs sehr zerrissen.
Viele verschiedene Handlungsstränge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, vermitteln nicht den Eindruck einer einzigen runden Geschichte. Für meinen Geschmack dauert es zu lange, bis die Verbindungen klar werden. Dem fällt die Spannung etwas zum Opfer, weil man immer wieder durch Orts- und Perspektivwechsel aus dem Geschehen gerissen wird. Hamburg, Köln, Hannover, Lausitz, Donkerbloem - das waren mir einfach zu viele Sprünge.
Gut gefallen hat mir die Entwicklung der Charaktere, die ich sehr authentisch empfand. Die vier Hauptfiguren Wout, Tayfun, Kathinka und Frieda sind ja bereits aus Band 1 bekannt und wir lernen sie hier noch besser kennen. Der Barbesitzer und Kriminelle Wout und die Polizistin Frieda sind dabei keine einfachen Personen, doch auch wenn sie nicht immer sympathisch rüber kommen, kann man doch gut verstehen, warum sie so denken und handeln, wie sie es nun mal tun. Ihnen zur Seite stehen der Ex-Boxer Tayfun und Kathinka, die wesentlich mehr Empathie für ihre Mitmenschen aufbringen und die ich beide ins Herz geschlossen habe.
Der Thriller endet mit einem Teilabschluss, aber immer noch ein wenig offen, sodass ich nun schon sehr gespannt bin auf den letzten Band, der für Juli 2026 geplant ist.
Die Donkerbloem-Reihe:
1. Der Trailer
2. Das Camp
3. Die Schlucht (erscheint voraussichtlich im Juli 2026)
Rezensionen von gerlisch:
We Who Will Die von Stacia Stark
Vampire und Gladiatoren
„We who will die“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen – nicht nur wegen des bildgewaltigen Schreibstils, sondern vor auch wegen der Figuren, die Stacia Stark so lebendig und vielschichtig zeichnet.
Im Zentrum steht Arvelle, eine Protagonistin, die man einfach gernhaben muss: Um ihren schwerkranken Bruder zu retten, geht Arvelle einen Pakt mit einem Vampir ein.
Dafür muss sie den Imperator töten, aber um an ihn heranzukommen warten zahlreiche gefährliche Aufgaben auf sie und lassen sie um ihr Leben kämpfen. Mutig, willensstark und voller Liebe für ihre Brüder und gleichzeitig bringt ihr Pflichtgefühl sie immer wieder an ihre Grenzen. Besonders spannend fand ich, das Erwachen ihrer magischen Kräfte mitzuerleben.
Und dann kommt das Love Triangle, das mich emotional komplett abgeholt hat. Da ist Tieron, der Primus des Imperius, ein geheimnisvoller Anführer, der Stärke zeigt, aber gleichzeitig auch gefühlvolle Vibes versprüht, manchmal ist er allerdings auch etwas langweilig. Ganz anders auf der anderen Seite Rorrik, moralisch grau und gefährlich. Aber trotzdem hat er diese Ausstrahlung, die mich immer wieder zu ihm hingezogen hat. Dies macht ihn zu einem der spannendsten Charaktere des Buches.
Besonders die Nebenfiguren haben mir gefallen, gefährlich, hilfsbereit, rätselhaft, so tragen sie dazu bei, dass die Welt lebendig wirkt und die Handlung an Tiefe gewinnt.
Der Schreibstil ist atmosphärisch und detailreich. Die Handlung ist komplex, fesselnd, voller magischer Wesen, gefährlicher Wettkämpfe und politischer Intrigen. Gleichzeitig muss ich gestehen, dass mich die Vielzahl an Fantasybegriffen manchmal die Übersicht verlieren ließ. Auch ein paar Längen schleichen sich ein, aber sie trüben das Leseerlebnis wenig.
Trotz kleiner Schwächen kann ich am Ende sagen, dass ich mich auf Band 2 freue. Ich bin unglaublich gespannt, wie sich die Romance weiterentwickelt und welche Wendungen Arvelles Weg noch für uns bereithält.
Ein toller Auftakt voller Emotionen, Magie und komplexer Figuren – perfekt für alle, die Love Triangles und düstere Fantasy mögen.
Rezensionen von Ruth:
Real Americans von Rachel Khong
Beste Unterhaltung mit einigen Denkanstößen
Der zweite Roman der in Malaysia geborenen US-amerikanischen Schriftstellerin war in den USA ein Riesenerfolg und steht auch bei uns schon kurz nach Erscheinen auf der Bestsellerliste. Möglicherweise trug dazu die groß angelegte Werbekampagne des Verlags bei.
Der Roman ist ein drei Generationen umspannender Familienroman, der viele Themen aufgreift und große Fragen stellt.
Die Geschichte beginnt in Manhattan im Jahr 1999. Hier lebt die 22jährige Lily, Tochter chinesischer Einwanderer. Sie arbeitet als unbezahlte Praktikantin für ein kleines Medienunternehmen. Das ist für ihre Eltern, beide Wissenschaftler, eine Enttäuschung. Schließlich sind sie auch deshalb in die USA ausgewandert, weil sie sich hier ein besseres Leben versprochen haben. Dass ihre Tochter so gar keine Ambitionen zu haben scheint, frustriert vor allem ihre Mutter.
Auf einer Party lernt Lily den fünf Jahre älteren Mathew kennen, einen gutaussehenden, charmanten Mann. Mathew findet Gefallen an ihr, lädt sie in teure Restaurants ein und sogar zu einem Kurztrip nach Paris. Obwohl Welten zwischen ihnen liegen - da der reiche weiße Erbe eines Pharmakonzerns, hier eine junge Frau mit asiatischen Wurzeln, die kaum weiß, wie sie ihre Miete bezahlen soll - verlieben sich die beiden ineinander, heiraten und bekommen einen Sohn.
Das klingt nach einer wunderbaren Romanze, einer modernen Version von Aschenputtel. Und so endet der erste Teil des Romans, allerdings mit kleinen Irritationen.
Szenenwechsel. Wir sind nun im Jahre 2021 auf einer abgeschiedenen Insel an der Westküste der USA. Hier wächst Nick mit seiner alleinerziehenden Mutter Lily auf. Da Nick überhaupt keine Ähnlichkeit mit seiner Mutter aufweist, die aber auf Nachfragen nach dem Vater ihm jegliche Auskunft verweigert, beginnt Nick selbst, nach seinem Vater zu suchen. Mit Hilfe einer Datenbank stößt er auf Mathew, dessen Geld und Einfluss ihm den Weg auf eine Elite-Uni ebnet.
Im dritten und interessantesten Teil wechseln wir zu May, Lilys Mutter. In San Francisco im Jahr 2030 treffen Nick und seine hochbetagte Großmutter aufeinander. May erzählt ihm ihre erschütternde Lebensgeschichte, die zurück ins China der 1960er Jahre führt. Sie war damals eine junge Biologiestudentin, die davon träumte, eine chinesische Marie Curie zu werden. Dafür hat sie ihr Dorf, ihr armseliges Elternhaus verlassen, um dann in Peking die Brutalität der Roten Garden mitzuerleben. Sie verlässt ihre Heimat Richtung USA. „Amerika war ein Ort, von dem ein Versprechen ausging. In Amerika konnte eine Bauerntochter Wissenschaftlerin werden.“ Und tatsächlich findet sie Arbeit in einem Pharmaunternehmen und wird eine erfolgreiche Genetikerin.
Rachel Khong gliedert ihren Roman in drei Teile, die eine ganz eigene Erzählstimme haben. Das liegt an den wechselnden Ich- Erzählern. Aus Lilys Perspektive bekommen wir eine moderne Liebesgeschichte, bei Nick den typischen Campusroman und bei May haben wir eine Mischung aus historischem Roman mit Science-Fiction - Elementen. Spannung wird aufgebaut, weil sich manche Fragen und das große Familiengeheimnis erst am Ende erklären.
Real Americans - schon im Titel klingt die Frage an, was einen „ wirklichen“ Amerikaner ausmacht. Wie viel Anpassung wird von Migranten erwartet und gehört man am Ende dann tatsächlich dazu? Lilys Eltern haben nach ihrer Ankunft alles Asiatische abgestreift, sich völlig assimiliert. Ihre Tochter weiß wenig über die Heimat ihrer Eltern, sie selbst spricht kein Chinesisch, ist Amerikanerin von Geburt an. Trotzdem wird sie aufgrund ihres Aussehens immer als Asiatin identifiziert, wobei für Amerikaner Korea oder China dasselbe zu sein scheint. Ihr Sohn Nick, der ganz stark seinem weißen Vater Matthew ähnelt, stößt auf Unverständnis, wenn er Lily als seine Mutter vorstellt. Und eine schwarze Freundin wünschte , er „würde nicht so weiß aussehen“.
Rachel Khong hat den Roman während Trumps erster Amtszeit geschrieben. Aber Sätze wie diese sind heute aktueller denn je. „Weiße Rassisten fühlten sich bedroht und schlugen wild um sich. Sie glaubten, nur sie könnten entscheiden, wer ein echter Amerikaner war und wer nicht, wobei sie bequemerweise vergaßen, dass sie selbst gestohlenes Land besetzten.“
Aber auch das Thema Klassenzugehörigkeit wird auf verschiedenen Ebenen durchgespielt. Dass Geld viele Türen öffnet, erleben einige Figuren, auch wenn sie sich gegen manche Privilegien stellen.
Ein zentraler Aspekt des Romans ist die Genetik. Mays Forschungen werfen viele ethische Fragen auf. Darf man alles machen, was möglich ist und welche Folgen hat es, wenn der Mensch Gott spielt?
Dies und noch viel mehr hat Rachel Khong in ihren umfangreichen Roman gepackt. Manchem mag die Fülle an Themen zu viel sein, manches dabei zu konstruiert wirken. Und es stimmt, dass nicht immer alles plausibel erscheint, es keiner phantastischen Ebene bedurft hätte und manche der Figuren zu blass wirken.
Trotzdem habe ich den Roman gerne gelesen, bin den Lebenswegen der Protagonisten gerne gefolgt. Rachel Khong schreibt ungeheuer packend, so dass sich die 500 Seiten in einem Rutsch lesen lassen.
„ Real Americans“ ist für mich beste Unterhaltung, die einige Denkanstöße liefert.
Rezensionen von Shilo:
Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien
Auf der Suche nach Verlässlichkeit
Lale wächst in einer Berliner Wohngemeinschaft auf, in der vieles erlaubt ist und kaum feste Regeln gelten. Erwachsene diskutieren über Politik, feiern lange Nächte und sprechen von Freiheit. Für ein Kind wirkt dieses Leben zunächst offen und grenzenlos. Doch zwischen Gesprächen, Partys und ständig wechselnden Menschen fehlt etwas, das für ein Kind wichtig ist: Verlässlichkeit, Schutz und ein fester Platz im Alltag.
Der Roman begleitet Lale durch diese ungewöhnliche Kindheit in den achtziger Jahren. Kleine Szenen aus dem Alltag zeigen, wie sie zwischen Freiraum und Vernachlässigung ihren eigenen Weg sucht. Schon früh wird spürbar, dass sie vieles allein verstehen muss, weil sich kaum jemand wirklich um ihre Fragen kümmert.
Die Geschichte wird in ruhigen, klaren Bildern erzählt. Viele Szenen wirken fast unscheinbar. Oft sind es gerade diese kleinen Beobachtungen, die im Kopf bleiben. Immer wieder versucht Lale, ihren Platz zu finden, während die Erwachsenen um sie herum mit ihren eigenen Ideen und Konflikten beschäftigt sind. Neben Momenten von Freiheit liegt über manchen Situationen auch ein leises Unbehagen.
Im Verlauf der Kindheit wird deutlich, dass Grenzen nicht immer geachtet werden. Einige Begegnungen zeigen, wie wenig Schutz ein Kind in dieser Umgebung manchmal hat. Diese Übergriffe werden nicht dramatisch ausgeschmückt, sondern ruhig und direkt geschildert. Durch diese nüchterne Erzählweise wirken manche Szenen besonders belastend.
Mit den Jahren verändert sich der Blick auf das Erlebte. Aus dem Mädchen, das lange nur versucht hat, zurechtzukommen, wird eine junge Frau, die beginnt, ihre eigene Geschichte zu ordnen. Das Erzählen wird dabei zu einer Möglichkeit, das eigene Erleben langsam zu begreifen.
Die Sprache des Buches bleibt über weite Strecken ruhig und klar. Viele Gedanken werden eher angedeutet als ausführlich erklärt. Dadurch entsteht eine große Nähe zu Lale und zu ihrem inneren Erleben. Vor allem in den stillen Momenten wird spürbar, wie sehr ihr Halt und Geborgenheit fehlen.
Dieser Roman erzählt von einer Kindheit, die nach außen frei wirkt und zugleich von Unsicherheit geprägt ist. Gerade dieser Widerspruch zieht sich durch die ganze Geschichte. Zwischen politischen Ideen, langen Nächten und vielen Menschen wächst ein Mädchen auf, das sich nach etwas ganz Einfachem sehnt: jemandem, der wirklich für sie da ist.
Ein ruhiger und ehrlicher Roman über Kindheit, über Verletzlichkeit und darüber, wie ein Mensch irgendwann beginnt, die eigene Geschichte auszusprechen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.











