Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Verlorene Schäfchen von Madeline Cash
Eine echt krasse Familie
Eine echt krasse Familie
Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan offen sein soll - gegen den Willen ihres Ehemanns Bud. Während Catherine sich mit dem Nachbarn vergnügt, zieht Bud in die Garage und liebäugelt damit, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Die drei Töchter Abigail, 17, Louise, 15, und Harper, 12, sind sich selbst überlassen. Abigail verliebt sich in den mysteriösen „Kriegsverbrecher-Wes“, Louise chattet online mit einem Fundamentalisten und die hochintelligente Harper wittert überall eine Verschwörung.
Mit einem lockeren Schreibstil, mit viel Wortwitz und Situationskomik erzählt Madeline Cash in ihrem Debütroman eine herrlich turbulente Geschichte mit Tiefgang. Es ist ein Mix aus Satire, Coming of Age, Tragikomödie und Krimi. Und dieser Mix ist wirklich gut gelungen. Dabei beginnt die Story eher humorvoll und wird dann nach und nach immer ernster und tiefgründiger, ohne den Humor aber jemals ganz zu verlieren.
Da aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und man dabei immer ganz nah an der jeweiligen Protagonistin bzw. dem Protagonisten dran ist, kann man alle Handlungsweisen und Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch wenn sie noch so skurril sind. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und konnten immer wieder meine Sympathie für sich gewinnen, selbst wenn ich ihr Verhalten nicht billigen konnte. Aber es ist alles so herrlich überzogen geschrieben, dass man gut hin und wieder ein Auge zudrücken kann.
Fazit:
Madeline Cash hat mich mit dieser turbulenten Familiengeschichte aufs Wundervollste gefesselt und unterhalten.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Yesteryear von Caro Claire Burke
Konsequent weiter gedacht
Mit Yesteryear gelingt Caro Claire Burke ein Roman, der weit mehr sein möchte als bloße Unterhaltung – und genau darin liegt eine seiner größten Stärken. Das Buch verbindet eine spannende, fast schon soghafte Handlung mit gesellschaftlichen Fragestellungen, die aktuell und kontrovers diskutiert werden.
Besonders die Auseinandersetzung mit dem sogenannten „Tradwife“-Ideal verleiht der Geschichte eine bemerkenswerte Relevanz und hebt sie deutlich von vielen vergleichbaren Romanen ab.
Was von Beginn an überzeugt, ist der Aufbau der Handlung. Burke entwickelt die Geschichte mit einem präzisen Gespür für Spannung und Timing. Die Erzählung entfaltet sich nicht linear, sondern arbeitet mit Wechseln in der Erzählzeit, die geschickt eingesetzt werden, um Stück für Stück neue Perspektiven auf die Ereignisse und insbesondere auf die Hauptfigur Natalie freizulegen. Diese Struktur sorgt nicht nur für einen konstanten Spannungsbogen, sondern macht die Handlung zugleich komplexer und vielschichtiger. Rückblicke und zeitliche Verschiebungen wirken dabei nie wie reine Stilmittel, sondern erfüllen einen klaren erzählerischen Zweck: Sie helfen dabei, Natalies innere Entwicklung nachvollziehbar und emotional greifbar zu machen.
Gerade Natalie ist das eigentliche Zentrum des Romans – und zweifellos dessen größte Stärke. Sie ist keine einfache oder eindeutig sympathische Figur, sondern eine komplexe Protagonistin mit Widersprüchen, Unsicherheiten und Entwicklungspotenzial. Genau das macht sie so interessant. Burke gelingt es hervorragend, Natalie als vielschichtigen Charakter darzustellen, dessen Entscheidungen zumindest anfänglich nachvollziehbar bleiben, auch wenn man sie nicht immer gutheißen würde. Dabei ist ist N. eine teils unsympathische Person, über die man dennoch gern mehr erfahren möchte.
Besonders spannend ist außerdem, wie der Roman aktuelle gesellschaftliche Debatten rund um traditionelle Rollenbilder und das Ideal der „Tradwife“ aufgreift. Statt diese Themen nur oberflächlich anzuschneiden, denkt Yesteryear sie konsequent weiter und stellt die Frage, welche Sehnsüchte, Zwänge und Machtstrukturen hinter solchen Lebensentwürfen stehen könnten. Allerdings zeigt sich hier auch eine kleine Schwäche des Romans. Durch die starke Konzentration auf Natalies persönliche Entwicklung bleibt die größere gesellschaftliche Dimension der Thematik stellenweise etwas unterbeleuchtet. Manche Fragen, die das Buch aufwirft, hätten noch ausführlicher reflektiert werden können – insbesondere im Hinblick auf die strukturellen und politischen Implikationen der dargestellten Rollenbilder. Der Fokus liegt klar auf der individuellen Erfahrung der Protagonistin, wodurch die umfassendere gesellschaftliche Analyse manchmal nur angerissen wird. Wirklich störend ist das jedoch nicht, weil die Geschichte insgesamt konsequent aus Natalies Perspektive erzählt bleibt und diese Begrenzung daher auch erzählerisch nachvollziehbar wirkt.
Insgesamt ist Yesteryear ein beeindruckender Roman, der Spannung, Charakterentwicklung und gesellschaftliche Relevanz gekonnt miteinander verbindet. Besonders die raffinierte Erzählstruktur und die starke Hauptfigur machen das Buch zu einer fesselnden Lektüre. Wer Interesse an psychologisch komplexen Figuren, intelligent aufgebauter Spannung und aktuellen gesellschaftlichen Themen hat, findet hier einen Roman, der lange im Kopf bleibt. Sprache und Schreibstil, in Übersetzung durch Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, tragen ausschließlich zu einem guten Leseerlebnis bei.
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Angst vor Männern von Nicole List
Nicole List gibt Erfahrungen eine Sprache, über die lange geschwiegen wurde
Was für ein kluges und sehr persönliches Buch hat Nicole List geschrieben. Und nein, das schreibe ich nicht, weil sie meine Freundin ist. Man könnte denken, ich kann ja nicht anders, als positiv über das Buch zu schreiben – aber so ist es nicht.
Ich schreibe positiv über diesen Essay, weil ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer grenzüberschreitend waren und ein unangenehmes Gefühl auslösten.
Ich lernte jedoch nicht sensibel dafür zu sein, dass dies nicht in Ordnung ist, sondern es wurde nie thematisiert, zur Sprache gebracht oder sonst darüber geredet. Fast war es so, dass uns gesagt wurde „freu dich doch über das Kompliment“ oder „dem gefällst halt“. Wir haben bei und zu Grenzverletzungen gelächelt, obwohl es uns unangenehm war. Man hat es ad acta geschoben, obwohl diese Ängste und unangenehmen Gefühle gegenüber Männern in vielen Situationen absolut bekannt waren – trotzdem hat niemand darüber nachgedacht, es war halt so.
Daher bin ich Nicole dankbar (wie vielen anderen jungen Autor*innen), dass sie uns als vorhergehende Generation sensibilisieren. Es gelingt ihr vielmehr persönlich erlebte singuläre Erfahrungen zu solchen für alle Frauen zu machen und in besonderer Weise uns alle zu sensibilisieren.
Ich war bei der großartigen Premierenlesung im überfüllten Literaturhaus anwesend und hatte beim Lesen ihre Stimme im Ohr und sie selbst sprechen hören.
Ich habe den Essay ausschließlich in der U-Bahn und Straßenbahn gelesen und es war schon ein komisches Gefühl, wenn Männer neben mir saßen und auf den Buchtitel und dann auf mich geschaut haben. Solche Gefühle hatte ich nicht, wenn Frauen auf den Titel des Buches sahen. Auch das eine spezielle Erfahrungen, die vielleicht Bewusstsein schafft.
Es benötigt genau solche Bücher von jungen Frauen über verletzende Ereignisse, die in ihrer banal-bösen kruden Alltäglichkeit hier nicht thematisch wiederholt oder gar ausgebreitet werden müssen. Ihr besondere Wert liegt darin, die erzählten Erfahrungen uns alle sensibilisieren. Männer sollte dieses Buch auch lesen, damit sie (besser) verstehen, welches Verhalten uns Angst vor Männern macht.
Meine liebe Nicole, ich gratuliere dir sehr herzlich zu dem Erfolg und wünsche dir, dass deine Geschichte von vielen Leser*innen auf- und wahrgenommen wird.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Weggewischt von Ela Jenni
Weggewischt
Mit „Weggewischt“ gelingt Autorin Ela Jenni ein unterhaltsamer und zeitgemäßer Blick auf Online-Dating und zwischenmenschliche Unsicherheiten im digitalen Zeitalter. Besonders positiv fällt dabei der angenehme, leicht zugängliche Schreibstil auf. Das Buch liest sich flüssig und unkompliziert, wodurch man schnell in die Handlung eintaucht.
Stark gelungen sind außerdem die unterschiedlichen Figuren und Perspektiven. Durch die zwei Charaktere von Sophie, Thiento und auch den Männern, mit den sich S. trifft, werden mehrere Sichtweisen auf Dating-Apps, Erwartungen, Enttäuschungen und moderne Beziehungen gezeigt. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Bild davon, wie unterschiedlich Menschen mit Nähe, Unsicherheit und Selbstinszenierung umgehen. Gerade diese Vielfalt macht den Roman interessant und nachvollziehbar. Dabei ist die Darstellung des Online-Datings recht realitätsgetreu gelungen. Weniger gelungen fand ich jedoch die Umsetzung der Perspektivwechsel. Da die unterschiedlichen Sichtweisen nicht immer klar gekennzeichnet waren, entstand teilweise Verwirrung darüber, aus welcher Perspektive gerade erzählt wird. Das hat den Lesefluss stellenweise erschwert.
Die Handlung bleibt über weite Strecken eher ruhig und ohne größere Spannungskurven. Die Geschichte entwickelt sich zwar kontinuierlich weiter, plätschert dabei aber oft etwas vor sich hin. Dadurch gab es immer wieder Passagen, die mich nicht komplett fesseln konnten und bei denen mir etwas mehr Dynamik oder emotionale Zuspitzung gefehlt hat. Inhaltlich bleibt der Roman zudem ein bisschen zu oberflächlich für mein Empfinden. Gerade problematische Verhaltensweisen wie Ghosting werden zwar angesprochen, aber nur bedingt kritisch eingeordnet oder weiter reflektiert, vor allem durch die druchführende Person. Dadurch wirken manche Konflikte weniger tiefgründig, als sie eigentlich sein könnten. Hier hätte ich mir mehr emotionale Auseinandersetzung und eine stärkere Einordnung der Figurenentscheidungen gewünscht.
Insgesamt ist „Weggewischt“ ein angenehm geschriebener Roman mit interessanten Figuren und einem aktuellen Thema, der besonders durch seine unterschiedlichen Perspektiven punktet.
Rezensionen von Kwinsu:
Onigiri von Yuko Kuhn
Die Spuren, die bleiben
Akis Mutter Keiko ist an Demenz erkrankt. Erst im Zuge dieser Krankheit merkt sie, wie wenig sie eigentlich über deren Leben weiß. Als junge Frau wanderte sie einst von Japan aus und nach Deutschland ein, lernte den Vater kennen und bekam zwei Kinder. Die Ehe klappte nicht und so fristete sie ein arbeitsreiches Leben, ohne viele Spuren zu hinterlassen.
Aki möchte nun die Biographie ihrer Mutter erkunden, solange das noch irgendwie möglich ist. So entschließt sie sich, mit Keiko zu ihrer Familie nach Japan zu reisen, eine Reise die größte Herausforderungen - aber auch Erkenntnisse - mit sich bringen.
Was für ein tolles Buch ist Yuko Kuhn hier gelungen! Sie schildert sehr eindringlich, wie wenig die Protagonistin doch über ihre eigene Herkunft weiß, wie viel Kultur sie von ihrer Familie mitbekommen hat und wo und wie sie schließlich sie selbst ist - eine ruhige, aber erkenntnisreiche Spurensuche. Das Buch wirkt sehr authentisch und nachvollziehbar, wem ergeht es im Laufe des Lebens nicht auch so, dass sie oder er sich die Frage stellt: wie viel weiß ich eigentlich über meine Eltern? Besonders lebt die Geschichte von den vielen Begegnungen Akis - mit ihrer Mutter und ihrer Verwandtschaft in Deutschland und in Japan. Es sind alles ruhige, aber bewegende Kontakte, die das Lebensbild der Mutter peu á peu zum Vorschein holt - auch wenn es nie vollständig sein wird, schon gar nicht, weil ihr Sein sich langsam verabschiedet.
Besonders beeindruckt hat mich die einfühlsame und komplexe Schilderung über die Demenz von Keiko: die Momente der absoluten Verwirrtheit, die für das eigene Kind so schmerzhaft sind, die ständigen, mühsamen Wiederholungen und die tiefe Ergriffenheit, sich mit der Krankheit nicht abfinden zu wollen, sondern die Person zu halten, auch wenn sie Schritt für Schritt verschwindet. Über allem schwelt eine um sich greifende Melancholie, die einem bewusst macht, dass auch das eigene Leben vergänglich ist und es gut tut, sich die Frage zu stellen: welche Spuren möchte ich hinterlassen?
Mein Fazit: Onigiri ist ein melancholischer, authentischer Roman über eine bewegende Spurensuche über das Leben der eigenen Mutter im Zeichen einer Krankheit, die die eigene Biografie auszulöschen droht. Ein Lieblingsbuch und eine absolute Leseempfehlung für alle, die ruhige, reflektierte Erzählungen mögen, die nicht ohne Tiefgründigkeit und Komplexität auskommen.
Rezensionen von Kwinsu:
Im Leben nebenan von Anne Sauer
Es ist so, wie es ist
Was, wenn Frau aufwacht und merkt: irgendetwas ist falsch? So ergeht es Toni - eigentlich lebt sie mit ihrem Freund Jakob in der Stadt, der Kinderwunsch wird irgendwann zentral. Doch in einer zweiten Erzählperspektive ist es die gleiche Person - hier Antonia genannt - die mit ihrer Jugendliebe Adam ein Kind hat, am Dorf lebt und sich ständig fragt: wie konnte es nur dazu kommen?
Anne Sauers Roman "Im Leben nebenan" ist ein kluges Buch, das in unkonventioneller Art und Weise die Was-wäre-wann-Frage thematisiert.
Bis zum Schluss wird nicht klar: gibt es dieses alternative Leben tatsächlich oder ist es alles nur ein Traum? Oder ist Tonis eigentliches Leben nur im Schlaf erdacht? Zentral ist: die Figur der Antonia ist verwirrt, hat das Leben als Toni verinnerlicht und weiß nicht, wie sie mit ihrem neuem Ich "Antonia" - und ihrem plötzlich existenten Kind - umgehen soll. Warum ist sie wieder mit Adam zusammen und lebt nun am Dorf? Wie konnte es dazu kommen, dass sie mit ihm ein Kind bekommt - und ist es wirklich das was sie will?
Ich habe das Hörbuch zu dem Roman gehört und bin von der Erzählweise der Sprecherin Chantal Busse begeistert! Mit ihrer eindringlichen Stimme schafft sie es, der Geschichte eine Lebendigkeit zu verschaffen und ihr die nötige Melancholie und Rückfrage zu geben, die im gesamten Buch mitschwingen. Es hat ein wenig gedauert, bis ich das Gehörte einordnen konnte: wer ist Toni und wer Antonia? Doch einmal verstanden, begeisterte mich das Buch zunehmend. Die ruhige und nachdenkliche Art, in der es geschrieben ist, hat mich speziell eingenommen. Besonders beeindruckt war ich von dem Gefühl der Verwirrtheit, die Antonia über die gesamte Erzähldauer begleitet, denn sie kann sich nicht erklären, wie sie hier gelandet ist, in einem Leben, das vielleicht nicht ganz so aufregend verlaufen ist, aber ihr doch einen Wunsch erfüllt, den sie als Toni nicht haben kann: ein Kind. Aber ist es wirklich das, was sie will? Zum Ende hin deutet sich eine Auflösung an, die dann aber doch nicht kommt, was mich persönlich mit einem Lächeln zurückgelassen hat, denn es braucht nicht immer eine Klarheit um zu verstehen, um was es geht.
Mein Fazit: "Im Leben nebenan" ist ein tolles Hörbuch, das zum Denken anregt, lange nachhallt und aus dem man mit der Erkenntnis zurückbleibt: es gibt kein Wenn- und Aber.
Rezensionen von Ryria:
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
Eine ganz besondere Fantasy-Welt
Zunächst vorweg: Dies ist der erste Band einer Trilogie, jedoch war es der Autorin auch wichtig, dass man die Bücher auch einzeln lesen kann und nicht mit fiesen Cliffhangern gequält wird - und trotzdem kann ich es kaum erwarten, dass es weitergeht.
Naomi Ishiguro erschafft in ihrem Fantasy-Debüt eine ganz besondere Welt, die klassische sagenhafte Elemente mit modernen Twists kombiniert.
Als Halbjapanerin war sie bisher nur einmal als Kind im Land ihrer Vorfahren, hat sich für ihr Worldbuilding daher sehr von ihrer eigenen Vorstellung von Japan, fremden Erzählungen und Medien wie Anime und Ghibli inspirieren lassen.
Dies merkt man wunderbar an der Atmosphäre, die Stadt weist japanische Elemente auf, hat jedoch ihren ganz eigenen Charakter.
Gleichzeitig wird Magie mit modernster Technik kombiniert, Drachen mit Bots, das Alte mit dem Neuen.
All das funktioniert erstaunlich gut zusammen, die Beschreibungen sorgen zusätzlich dafür, dass man sich direkt in diese Welt versetzt fühlt.
Dazu beschränkt es sich nicht nur auf eine Stadt, die durch eine Karte auch toll dargestellt wird, sondern weitere Orte in der Welt finden Erwähnung und sind zukünftig noch relevant.
Der Schreibstil war durchweg sehr angenehm zu lesen und recht unkompliziert.
Anstatt zu Beginn direkt von Informationen erschlagen zu werden, wird die Welt und die Charaktere gemächlich vorgestellt, sodass man in einem tollen Tempo in die Geschichte eintauchen kann.
Auch passt sich der Stil an die jeweilige Erzählperspektive an, wirkt so beim jungen Prinzen entsprechend etwas kindlicher.
Die unterschiedlichen Perspektiven sorgen zusätzlich dafür, dass man alles aus ganz verschiedenen Blickwinkeln kennenlernen kann, mir haben alle tatsächlich sehr gut gefallen.
Generell sind die Charaktere sehr liebenswert, jeder hat ganz eigene besondere Fähigkeiten und gerade für jüngere Leser können sie durchaus auch als Vorbilder dienen. Die Autorin hat sich hier von ihren eigenen Schülern inspirieren lassen, die schon im jungen Alter einen tollen Zusammenhalt und Charakterstärke zeigen. Dementsprechend kann man auch herauslesen, dass die Charaktere mit Liebe geschrieben wurden, besonders Fans des Found Family Tropes werden hier auch auf ihre Kosten kommen.
Rezensionen von robertp:
Die Toten von morgen - Thriller (Berliner Schattenwelt 2) von Kim Koplin
Liebe und Tote in Berlin
Eine Liebesgeschichte, die mit einem Mord beginnt, findet statt. Die Kommissarin Nihal hat es nicht leicht mit ihrer Leiche, die in Berlin im österreichischen Alpengarten gefunden wird. Eine Hinrichtung, aber wer steckt dahinter? Gleichzeitig mit den Ermittlungen kehrt der „Geduldete“ Asylant Saad mit seiner Tochter Leila wieder nach Berlin zurück.
Die beiden – Nihal und Saad – umgibt eine toxische Liebesbeziehung, im wahrsten Sinn des Wortes. In immer kleineren Kreisen kommen sich die beiden und die Mordermittlungen näher. Vorweg, es gibt noch mehr Leichen und die beiden finden zusammen.
Kim Koplin führt hier die Geschichte der Kommissaranwärterin Nihal mit dem Asylanten Saad weiter. Es ist jedoch nicht notwendig den ersten Band zu lesen. Die Rückblenden erklären das Verhältnis der beiden und im vorliegenden Buch vertieft sich die Beziehung zwischen Leila und Nihal – wird daraus bald ein Mutter Tochter Verhältnis (3. Band?).
Ich als Österreicher tue mir hier anfangs schwer die Sprache zu verstehen. Ist das nun tatsächlich Umgangston im Norden oder eine Erhöhung der Umgangssprache in einen künstlichen Slang? Es entsteht aber ein Sog, der mich in das Buch hineinzieht. Die Geschichte ist spannend, witzig und lässt mich nicht vom Haken. Weshalb der Buchtitel zukünftige Tote prophezeit ist mir aber nicht verständlich geworden.
Für alle, die Krimis aus Berlin lieben und eine Liebesgeschichte mit einigen Haken und Ösen nicht verachten. Sehr modern geschrieben und rasch gelesen. Vielleicht kaufe ich mir auch noch den ersten Band (Die Guten und die Toten).
Rezensionen von PMelittaM:
How to Kill Fate (Fate Dilogie, Bd. 2) von Saskia Louis
Hält für mich nicht, was Band 1 versprochen hat
Kianas Versuch, die Schicksalsfäden zu manipulieren, macht sie und ihre beiden Begleiter Nevin und Tyron noch angreifbarer und ihr Leben noch gefährlicher. Und dennoch können und wollen sie nicht mehr zurück.
Der zweite Band der Dilogie setzt nahtlos da an, wo der erste endete und löst somit den Cliffhanger direkt auf.
Das heißt aber nicht, dass es nicht spannend weitergeht. Im zweiten Band gibt es noch mehr Gefahren, Kianas und Tyrons Fähigkeiten wachsen aber auch weiter an, wodurch die eine oder andere Gefahrensituation aufgelöst werden kann. Auch gibt es hin und wieder Personen, die unterstützen und die Gruppe bei ihrer mehr oder weniger selbstgewählten Aufgabe voranbringen. Allerdings gibt es auch Trennungen, auch innerhalb der Gruppe.
In diesem Band treten zudem die Götter mehr in den Vordergrund und man erfährt auch einiges über ihre Hntergründe. Auch in diesem Band wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, vorwiegend denen Tyrons und Kianas, wobei auch hier wieder Kiana den Hauptpart erhält.
Leider hat mich der zweite Band weniger überzeugt als der erste. Da Tyron und Kiana über längere Zeit alleine unterwegs sind, geht ein wichtiger Teil dessen, was mir gefallen hat, nämlich der Humor, in weiten Teilen verloren. Die Gespräche der beiden haben dafür eine Menge in meinen Augen pseudophilosophisches Blabla zu bieten, das für mich die Geschichte stellenweise sehr langatmig gemacht und ihr Spannung entzogen hat, zumal manches auch wiederholend ist. Manchmal möchte ich Autor:innen gerne zurufen, dass Leser:innen nicht alles bis ins kleinste vorgekaut werden muss.
Auch das Ende ist nicht ganz nach meinem Geschmack, es ist zwar sehr dramatisch, aber in meinen Augen auch sehr kitschig. Für mich war zudem manches vorhersehbar.
Band 2 der Dilogie hat mich leider nicht so gut unterhalten wie Band 2, mir war er vor allem in seinen Dialogen zu langatmig, weniger humorvoll und am Ende zu kitschig.
Rezensionen von cosmea:
In den Fängen der Verräter von Tuomas Oskari
Leo Koski in der Zwickmühle
Der ehemalige finnische Ministerpräsiden Leo Koski lebt inzwischen in den USA und zieht dort seine Tochter Daniela, 3 allein auf. Eines Tages wird Daniela entführt, und er kann sie nur retten, wenn er sein Land verrät. Die Russen erpressen ihn, damit er dafür sorgt, dass die Vereinigten Staaten die NATO verlassen.
Er wird ins Weiße Haus eingeladen, wo Präsident Chester Tyler vor seinen Augen vergiftet zusammenbricht. Koski gehört neben der mit ihm befreundeten Journalistin Ashley Pegula zu den Hauptverdächtigen. Es gelingt ihm, aus dem bewachten Gebäude zu entkommen, und er flieht, um sich einer Festnahme zu entziehen und weiter alles für die Freilassung seiner geliebten Tochter zu tun. CIA, FBI, der Sicherheitsapparat des Weißen Hauses und ausländische Geheimdienste beeinflussen das wendungsreiche Geschehen dieses Thrillers, der teilweise so kompliziert konstruiert ist, dass man als Leser kaum noch folgen kann.
Der spannende Thriller über Loyalität, persönliche Verantwortung und die gefährdete Freiheit ist ausgesprochen aktuell, ist doch die Figur des Präsidenten in enger Anlehnung an Donald Trump mit seinem Credo „America First“ und seinen Bestrebungen gestaltet, sich aus der beschützenden Rolle der NATO mit ihrer Verpflichtung zum Beistand für bedrohte Mitgliedsstaaten zurückzuziehen. Ich kenne die beiden ersten Romane der Serie nicht, finde aber die Figur des Leo Koski im Zwiespalt zwischen persönlicher Moral und den Belangen seiner Familie und der Verantwortung für die Allgemeinheit, vor allem für Finnland und die durch einen Natoaustritt ebenfalls bedrohten baltischen Staaten sehr gelungen.
Ein lesenswerter, realitätsnaher Thriller.











