Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kokoloreslot:
Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy
Wohlfühlroman mit Tiefgang
Simon Van Booys Roman „Eine Maus namens Merlin“ erzählt von einer Witwe, die durch eine unerwartet tierische Begegnung einen Neuanfang wagt.
Das Leben hält auch im hohen Alter noch Überraschungen bereit. Helen lebt seit kurzem zurückgezogen in einem kleinen Ort in der Nähe von Oxford. Plötzlich gerät ihr einsamer Alltag durcheinander, als sie versucht, eine Maus loszuwerden und dafür Kontakt zu anderen Menschen aufnimmt, den sie sonst vermeidet.
Hier darf man sich auf niedliche Momente, eine sanfte Annäherung zwischen Helen und Merlin und auch die ein oder andere Überraschung freuen. Diese außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte zeigt, dass das Schicksal manchmal ungewöhnliche Wege geht und es nie zu spät für eine Wendung ist. Das macht das Buch zu einer warmherzigen Kost mit wohltuendem Unterhaltungswert, toll geschrieben und voller liebenswerter Figuren. Durch das harmonische Zusammenspiel von Nachdenklichkeit und Zuversicht entsteht eine Geschichte, die sowohl tröstet als auch inspiriert.
Perfekt, um der Realität zu entfliehen, wenn man etwas Wärme und Zuversicht nötig hat. Deswegen würde ich sagen, für alle, die gefühlsvolle und positive Mensch-Tier-Geschichten lesen möchten, die tief gehen und ohne Kitsch auskommen. Danach sieht man Mäuse mit anderen Augen.
Rezensionen von Kokoloreslot:
Die Namen von Florence Knapp
Mitreißend geschrieben
Florence Knapps Roman „Die Namen“ erzählt mit starker Sogkraft, wie prägend der eigenen Name ist und von den kleinen Entscheidungen, die über Generationen hinweg Einfluss nehmen, während mit schonungsloser Offenheit häusliche Gewalt thematisiert wird.
Die vielseitige und gut durchdachte Struktur, die tief in die komplexen Beziehungen eintauchen lässt, haben mir sehr zugesagt.
Drei völlig unterschiedliche Leben werden eindringlich beleuchtet und stimmige Persönlichkeiten gezeichnet, die überzeugen, denn Knapp beobachtet genau und findet dafür klare Formulierungen. Sie schreibt mitreißend, erschütternd und gleichzeitig fesselnd. Ich fand den Erzählstil feinfühlig und reich an eindrucksvollen Bildern, was „Die Namen“ zu keiner leichten aber lesenswerten Kost macht, gerade weil sie so fesselnd und bereichernd ist. Dennoch verliert der Roman im letzten Drittel an Spannung, was die emotionale Wucht der vorherigen Kapitel etwas abschwächt, aber ich würde das nicht zu negativ bewerten wollen, weil das gesamte Werk mich so unterhalten hat, dass ich nicht nur weiterlesen wollte, sondern auch emotional abgeholt wurde. Die Gedanken, die mir über Namen dazu kamen, waren ein netter Zusatz.
Obwohl oder gerade weil die Geschichte wenig Optimismus aufbaut, einen aber trotzdem abholt, bleibt sie lange im Gedächtnis – ein Buch über familiären Zusammenhalt, das herausfordert und tief geht.
Rezensionen von jori1020:
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Kurzweilig, witzig, wunderbar
„Einatmen. Ausatmen.“ – das ist nicht nur der Titel des neuen Romans von Maxim Leo, sondern auch das Mantra vieler Achtsamkeitsübungen, die die Protagonistin Marlene Buchholz im Laufe der Geschichte absolvieren muss.
Marlene ist eine äußerst erfolgreiche CEO-Anwärterin, doch auf dem Weg an die Spitze ist ihr Einfühlungsvermögen dabei allerdings etwas auf der Strecke geblieben.
Bevor sie befördert werden kann, soll sie deshalb ein Achtsamkeitstraining absolvieren, geleitet von Alex „Grow“. Doch auch Alex hat mit eigenen Problemen zu kämpfen. Seine immer größer werdende Achtsamkeits-Academy droht ihm über den Kopf zu wachsen, dazu kommen finanzielle Sorgen und Schwierigkeiten in seiner Beziehung.
So treffen zwei sehr unterschiedliche Menschen aufeinander, die – wenig überraschend, aber dennoch charmant erzählt – voneinander lernen und sich gegenseitig beeinflussen.
Es entwickelt sich eine warmherzige und sehr unterhaltsame Geschichte. Sie ist stellenweise vorhersehbar, bedient hier und da ein paar Klischees und wirkt manchmal fast ein wenig zu märchenhaft. Trotzdem macht es großen Spaß, Marlene und Alex auf ihrem Weg zu begleiten. Auch die Nebenfiguren bereichern die Handlung. Vor allem Hausmeister Mattissen und die Umweltaktivistin Connie wachsen einem schnell ans Herz.
Beim Lesen musste ich mehrfach laut lachen, oft schmunzeln, und manche Passagen regen durchaus zum Nachdenken an. Insgesamt hatte ich einige sehr schöne Stunden mit diesem Buch.
Sehr gelungen ist auch die Hörbuchversion aus dem Argon Verlag. Sprecherin Vera Teltz trifft genau den richtigen Ton und transportiert die Leichtigkeit und den Humor der Geschichte hervorragend. Damit wird das Hörbuch zu einer besonderen Empfehlung.
Rezensionen von spozal89:
Tiere und Pflanzen lebensgroß von Daniela Strauß; Dr. Hannes Petrischak; Holger Haag; Felix Weiss; Katrin Hecker
Ein Naturführer der Spaß macht
Der Naturführer Tiere und Pflanzen lebensgroß hat uns von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Die Informationen die darin enthalten sind, sind für die ganze Familie interessant. Am Anfang erhält man gleich eine Erklärung und Einführung in das Buch und passend zum Frühling jetzt, kann man gleich damit losziehen.
Das Buch ist in die verschiedenen Jahreszeiten eingeteilt und zeigt die Tiere und Planzen die typisch für die jeweilige Jahreszeit sind. Es sind die wichtigsten Merkmale erklärt wie man die jeweilige Pflanze und das Tier erkennt und was es so besonders macht. Dabei ist der Text sachlich, aber auch verständlich und nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz - quasi genau richtig. Toll fanden wir auch die Bastelideen, die im Buch mit enthalten sind. Mein Sohn wollte gleich die Nestbauampel für die Vögel fertigen. Auch die Bastelanleitungen werden einfach und Schritt für Schritt erklärt, sodass die Kids keine Probleme haben es nachzumachen. Für mich ist dieser Naturführer auch von der Größe her genau ideal und wir sind wirklich begeistert, weshalb wir ihn auf alle Fälle empfehlen können.
Rezensionen von spozal89:
Hilda Hasenherz. Das Abenteuer am Drachenfels von Tobias Goldfarb
Ein neues Abenteuer beginnt
Wir haben schon die beiden ersten Teile rund um Hilda Hasenherz gelesen und geliebt und haben uns daher sehr über dieses neue Abenteuer gefreut. Mit dabei sind wieder alle bekannten Gesichter wie der Igel Igromir, das Eichhörnchen Eicho, das Rotkehlchen Robinius und natürlich unsere Heldenhäsin Hilda.
Es geht weiter auf die Suche nach Hildas Eltern und diesmal bestreiten sie ein Abenteuer zum Drachenfels. Ob es den sagenumwogenden Drachen gibt, vor dem sich die Tierwelt fürchtet? Und wissen die Tiere rund um den Drachenfels vielleicht, wo Hildas Eltern sind? Hilda und ihre Freunde machen sich auf eine abenteuerliche Reise und lernen viele neue Freunde kennen. Es scheint nicht alles so wie es scheint und die Freunde müssen erneut zusammenhalten und Mut beweisen. Denn auch ein alter Bekannter, der nicht so gerne gesehen wird, taucht wieder auf.
Wir fanden auch den dritten Band wieder sehr toll und haben mit Hilda und ihren Freunden eine tolle Zeit verbracht. Der Drache war unser persönliches Highlight und kam ganz unterwartet daher. Der Schreibstil war gewohnt einfühlsam, spannend und die Kapitel jeweils nicht zu lang. Ergänzt wird die Geschichte wieder mit tollen Illustrationen. Man sollte die beiden Vorgängerbücher auf jeden Fall kennen, aber es ist für uns eine Reihe, die in keinem Kinderzimmer fehlen darf. Wir freuen uns schon jetzt auf Band vier, der im Oktober 2026 erscheinen soll und uns dann in die Welt des Schnees führt.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel,2 Audio-CD, 2 MP3 von Alena Schröder
ohne Titel
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist in der Hörbuchfassung von Julia Nachtmann gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen.
Die Stimme der Sprecherin kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören, Betonungen kamen gut heraus und auch verschiedene Charaktere waren durch eine gute modulierte Stimmführung erkennbar. Vor allem der Einsatz von Dialekten wirkte authentisch und konnte die Charaktere dadurch noch einmal realer erscheinen lassen.
Die Bücher von Autorin Alena Schröder lese ich immer gern. Dieses Buch reiht sich in die vorangegangenen Bücher ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ und ›Bei euch ist es immer so unheimlich still‹ ein, weswegen es für einen großen Zusammenhang sinnvoll ist diese Bücher auch gelesen zu haben. Inhaltlich ist jedes Buch in sich jedoch eine geschlossene Geschichte und kann alleinstehend gelesen werden. In diesem Buch werden zwei Geschichten in unterschiedlichen Zeitebenen parallel erzählt. Der Wechsel zwischen den Protagonistinnen hat mir gut gefallen und auch die Zusammenführung beider Handlungsstränge ist auf einer übergeordneten Ebene gut gelungen.
Gefallen haben mir ebenso Sprache und Schreibstil. Die Darstellung zweier unterschiedlicher und doch Gemeinsamkeiten habender Charaktere ist hervorragend gelungen - ebenso die Entwicklung beider. Für mich waren beide Erzählstränge gleichermaßen fesselnd. Schröder schafft es in einer ruhigen Atmosphäre dicht und zu erzählen und Emotionen zart herauszuarbeiten.
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" kann ich, genauso wie die zwei zugehörigen Bücher, nur empfehlen!
Rezensionen von Eternal-Hope:
Balagan von Mirna Funk
Jüdisch sein in Mitteleuropa nach dem 7. Oktober 2023
Amira ist aus einer jüdischen Familie, die in Berlin lebt. Sie ist Anfang 30 und hat es nicht leicht mit der Welt, und die Welt hat es nicht leicht mit ihr. Ihr Vater Wolf hat sich das Leben genommen, als sie gerade eingeschult wurde, Mutter Nina ist pünktlich mit der Volljährigkeit der Tochter nach Israel abgehauen.
Auch zur restlichen Verwandtschaft gibt es keine sonderliche gute Beziehung. Geschäftstüchtig und fleißig ist die junge Frau durchaus, hat ein erfolgreiches Online-Magazin gegründet, das aber nun auch die besten Zeiten hinter sich hat. Speziell seit dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023, der Geiselnahme und den darauffolgenden Bombardierungen des Gaza-Streifens fühlt sich Amira als Jüdin in Deutschland auch immer weniger wohl und hat den Eindruck, dass Antisemitismus immer salonfähiger wird, speziell in den kunstaffinen, politisch linken Kreisen, in denen sie sich bewegt.
Viele Belastungen im Leben einer jungen Frau. Und so irrt Amira durch ihr Leben, sauft sich regelmäßig an, nimmt Drogen, schläft mit verschiedenen Männern parallel und macht sonst so einige unreife Dummheiten, ist auch zu guten Freunden oft ruppig, schroff und unzuverlässig und insgesamt eine ziemlich unreife und selbstbezogene Persönlichkeit.
Wirklich geliebt gefühlt hat sich Amira von ihrem Opa Max Altman, der ein Vaterersatz für sie war und immerhin über 100 Jahre alt geworden ist... doch nun ist er verstorben. Amira trauert tief und muss sich gleichzeitig mit dem Erbe befassen. Während sie noch tief trauert, ist die Verwandtschaft schon dabei, eilig Post-Its mit der eigenen Farbe in der Wohnung des verstorbenen Großvaters auf Gegenständen zu verteilen, um Besitzansprüche zu markieren. Dann wird bekannt, dass die verschollen geglaubte Kunstsammlung der Altman-Familie doch schon seit langem wieder im Besitz des Großvaters war und er diese an Amira alleine vererbt. Der geschätzte Wert liegt im dreistelligen Millionenbereich. Amira ist mit dieser Nachricht völlig überfordert und verhält sich so, wie es ihrer unreifen Persönlichkeit entspricht: sie postet erst einmal im besoffenen Zustand ein Selfie von sich mit einem der Kunstwerke auf Instagram. So erfährt die restliche Verwandtschaft gleich davon, ist empört und will den eigenen Anteil am Vermögen einklagen (schließlich gibt es in Deutschland juristisch ein Recht auf einen Pflichtteil für nahe Verwandte), dazu stürzen sich die Medien auf das Thema. Amira muss einige weitreichende Entscheidungen treffen und ist einmal sehr überfordert, ihre Persönlichkeitsentwicklung kann nicht so schnell mit dem neuen Vermögen Schritt halten.
In diesem Buch begleiten wir also diese verlorene, unreife junge Frau dabei, wie sie mit diesem unerwarteten Erbe umgeht. Der Charakter Amiras ist konsistent gezeichnet und sie verhält sich gemäß ihrer Persönlichkeit: impulsiv und wenig durchdacht, was natürlich alle möglichen Komplikationen und Probleme nach sich zieht. Am interessantesten war es für mich, über diesen Roman ein Bild davon zu bekommen, um wie viel schwieriger es seit 2023 geworden sein könnte, sichtbar in Deutschland jüdisch zu sein und in was für eine schwierige Position ständigen Rechtfertigungsdrucks in Bezug auf Israels Aktionen alle jüdischen Menschen seitdem geraten sind. Dass sich manche oder viele von ihnen dadurch noch weniger heimisch in Mitteleuropa fühlen als schon davor. Und dass selbst gut gemeinte Erinnerungsaktionen bei manchen etwas anderes auslösen können als intendiert: etwa die "Stolpersteine", die zwar der Ermordeten gedenken, aber auch Angst machen können, weil sie daran erinnern, was möglich war und jederzeit wieder geschehen könnte.
Die Handlung spielt sich an mehreren Orten ab: Berlin, Genf und dann Tel Aviv und weitere Orte in Israel. Auch in Israel wird spürbar, wie viel sich seit dem 7. Oktober verändert hat: nicht nur sind die Sicherheitsvorkehrungen überall stärker geworden, sondern das Gedenken der Ermordeten und die Forderung nach Freilassung der Geiseln sind auch überall präsent, dazu sieht man laufend Militärflugzeuge Richtung Gaza fliegen oder von dort zurückkehren. Von all diesen schweren Themen muss sich Amira regelmäßig ablenken, deshalb nehmen Alkohol, Drogen und auch ausführlich und bis ins Detail geschilderte Sexszenen mit mehreren Männern auch recht viel Raum ein in diesem Buch.
Immer wieder geht es aber auch um Resilienz und Überlebensfähigkeit, um Weisheiten aus dem Judentum und die Herkunft mancher hebräischer Wörter, aber vor allem um die Widerstandskraft des jüdischen Volkes. Dabei kommen auch so einige Fachbegriffe und hebräische Begriffe vor, die nicht alle im Detail erklärt werden (hier wären ein paar Fußnoten oder Anmerkungen dazu gut gewesen). Es lohnt sich also für ein vollständiges Verständnis dieses Buches, schon einiges an Vorwissen zum Thema Judentum mitzubringen oder die Bereitschaft zu haben, parallel zur Lektüre in weiteren Quellen dazu nachzulesen. Zusätzlich schwingt auch einiges an Abgeklärtheit bis Enttäuschung und Desillusionierung in Bezug auf die Deutschen und ihre heutige Haltung zu Juden und Israel mit.
Insgesamt ist es ein spannend erzähltes und nachdenklich machendes Buch, das ich allen, die kein Problem mit einer nicht sonderlich reifen, nicht sehr sympathischen und promiskuitiven Hauptfigur haben, und sich für aktuelle Themen Israels und des Jüdisch-Seins in Deutschland interessieren, jedenfalls empfehlen kann.
Rezensionen von nil_liest:
Niemands Töchter von Judith Hoersch
Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch einen Debütroman vor, der leise beginnt – und genau dadurch eine erstaunliche emotionale Wucht entwickelt. Es ist ein Buch über Herkunft, über das Schweigen in Familien und über Frauen, die versuchen zu verstehen, wo sie eigentlich hingehören.
Im Zentrum stehen mehrere Frauenfiguren, deren Leben sich über Generationen hinweg miteinander verknüpfen.
Alma wächst in den 1980er-Jahren in der Eifel auf und spürt früh, dass etwas in ihrer Familie nicht ausgesprochen wird. Parallel dazu begleitet man Isabell, die viele Jahre später in Berlin lebt und ebenfalls mit einer schmerzhaften Lücke in ihrer Familiengeschichte ringt. Erst nach und nach entfaltet der Roman das Geflecht aus Beziehungen, Entscheidungen und Geheimnissen, das diese beiden Lebenswege miteinander verbindet.
Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie der Roman seine Geschichte erzählt. Die Handlung entwickelt sich nicht geradlinig, sondern in Fragmenten: Erinnerungen, Perspektivwechsel und Zeitsprünge fügen sich Stück für Stück zusammen. Diese Struktur spiegelt das zentrale Thema des Buches wider – das bruchstückhafte Wissen über die eigene Herkunft. Als Leserin tastet man sich gemeinsam mit den Figuren an eine Wahrheit heran, die lange verborgen blieb.
Thematisch bewegt sich der Roman im Spannungsfeld von Familie, Mutterschaft und Identität. Dabei zeigt Hoersch sehr differenziert, wie komplex und widersprüchlich Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern sein können. Neben Liebe und Fürsorge stehen auch Verlust, Schuldgefühle und unerfüllte Wünsche im Raum. Besonders berührend ist, wie der Roman das Weiterwirken vergangener Verletzungen schildert: Nicht laut oder dramatisch, sondern leise und oft erst auf den zweiten Blick spürbar.
Auch sprachlich bleibt die Autorin dieser Zurückhaltung treu. Der Stil ist ruhig, klar und stellenweise fast poetisch, ohne jemals ins Sentimentale zu kippen. Vieles bleibt bewusst angedeutet, sodass zwischen den Zeilen eine eigene Spannung entsteht. Gerade dieses Spiel mit dem Ungesagten verleiht der Geschichte ihre Intensität. Man liest nicht nur, was passiert – man spürt auch, was unausgesprochen im Raum steht.
Das Erzähltempo ist eher gemächlich und verlangt etwas Geduld, besonders zu Beginn. Doch je näher das Ende rückt, desto mehr fügen sich die einzelnen Handlungsstränge zusammen und entfalten ihre emotionale Wirkung. Die Figuren gewinnen dabei zunehmend an Tiefe, und die lange angedeuteten Geheimnisse erhalten schließlich eine Erklärung.
Für mich ist „Niemands Töchter“ kein klassischer Familienroman und auch kein reines Drama. Es ist vielmehr eine literarische Suche nach Identität – nach den Geschichten, die uns geprägt haben, und nach denen, die nie erzählt wurden.
Ein stiller, nachdenklicher Roman über Familie, Verlust und Zugehörigkeit, der nicht laut auftrumpft, aber lange im Kopf bleibt. ⭐⭐⭐⭐☆ (4/5)
Rezensionen von Tina:
Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten von Anna Schneider
Wenn die Natur zur tödlichen Bühne wird
Ich habe "Grenzfall - Ihr Grab in den Fluten" von Anna Schneider mit großer Spannung gelesen und war insgesamt sehr begeistert. Der Roman spielt in einer deutsch-österreichischen Grenzregion, die von einem extremen Unwetter und massiven Überschwemmungen heimgesucht wird. Inmitten dieses Chaos wird eine Leiche entdeckt, die nicht ertrunken ist, sondern ermordet wurde.
Das Ermittlerduo Alexa Jahn und Bernhard Krammer nimmt die Arbeit auf und gerät dabei nicht nur gegen die Naturgewalten, sondern auch in eine Tragödie, deren Wurzeln weit in der Vergangenheit liegen.
Mich hat besonders überzeugt, wie intensiv und beklemmend die Atmosphäre geschildert wird. Das Unwetter ist nicht nur Hintergrund, sondern ein ständiger Bedrohungsfaktor, der die Spannung enorm steigert.
Der Schreibstil ist flüssig, sehr bildhaft und temporeich, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die Figuren wirken authentisch und menschlich, vor allem Alexa Jahn, die als starke, aber auch verletzliche Ermittlerin glaubwürdig dargestellt wird. Auch emotional hat mich die Geschichte abgeholt, da persönliche Schicksale und alte Schuld geschickt mit dem aktuellen Fall verknüpft werden.
Das Cover hat mir ebenfalls sehr gut gefallen: Die dunkle Schlucht, das tosende Wasser und die düstige Farbgestaltung spiegeln die bedrohliche Stimmung des Romans perfekt wider und machen sofort klar, dass es sich um einen spannenden, ernsten Kriminalroman handelt.
Insgesamt ist Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten für mich ein äußerst gelungener, atmosphärisch dichter Krimi mit hohem Spannungsfaktor, den ich allen Fans von anspruchsvollen und packenden Kriminalromanen klar empfehlen kann.
Rezensionen von clematis:
Die fremde Frau von Guillaume Musso
Varianten der Wahrheit
Die Millionenerbin Oriana Di Pietro wird auf ihrer Jacht vor der Côte d’Azur attackiert und erliegt wenige Tage später ihren schweren Verletzungen. Vom Täter fehlt jede Spur, die Rekonstruktion der letzten Tage aus Orianas Leben ergibt höchst unterschiedliche Bilder. Wer erzählt die Wahrheit? Oder ist die Wahrheit einfach eine Tochter der Sichtweise?
Dieser so nüchterne Bericht und gleichzeitig so fesselnde Roman zieht mich als Leserin sofort in seinen Bann.
Oriana selbst, ihr charmanter Ehemann Adrien, dessen junge Geliebte Adele und schließlich die eifrige Polizistin Justine kommen abwechselnd zu Wort und legen ihre Meinung dar. Die Puzzlesteine rücken nur langsam an ihren Platz, dennoch ist das Geschehen von Anfang bis zum bemerkenswerten Ende durchwegs spannend und hervorragend durchdacht. Die wenigen Figuren charakterisiert Guillaume Musso treffend, die Handlung wird zwar nicht chronologisch erzählt, die einzelnen Kapitel fügen sich aber übersichtlich und logisch aneinander. Die wesentliche Frage, welche sich hier stellt, ist, wer sagt die Wahrheit und wer lügt. Aber das herauszufinden ist vielleicht unmöglich?
Ein außergewöhnlicher Roman, eine beklemmende Atmosphäre, eine perfekte Auflösung! Leseempfehlung!











