Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Maria Domes:
Mit gläubigem Herzen und wachem Geist von Reinhold Stecher
Ein wacher Geist ist gefragt
R. Stecher, Rezension, Mit gläubigem Herzen und wachem Geist.
Dieses Buch ist so umfassend, dass es mit nur einem Lesedurchgang nicht aufzunehmen ist. Die menschlich-logisch gehaltenen Beiträge schließen das gesamte Dasein des Menschen in Bezug auf das Leben, den Glauben, das Kirchenwesen, die Arbeitswelt, das Sozialwesen, Christliche Traditionen, Bereiche der damaligen politischen Situation und des menschlichen Verhaltens während dieser Zeit, ein.
Und noch viel mehr. In diesem Buch beleuchtet er viele Themen aus verschiedenen Perspektiven.
Er behandelt obige Punkte mit Durchblick und Tiefe, wie man es so bei Menschen nur selten antrifft. Bestimmt, aber ohne Groll.
In diesem Buch – das meiner Meinung nach in einer Schul-Oberstufe gelesen werden soll – will er zeigen, dass eine Menge an Unstimmigkeiten zwischen Menschen/Kulturen nicht ausufern muss. Nur Nachdenken fordert er. Einfaches Drüberlesen gibt nicht alles preis.
Er schreibt nicht belehrend, aber zeigt Wege. Er spricht manche kirchliche Gepflogenheit/Tradition aus seiner klaren Sicht kritisch an. Zitat auf Seite 108: "Die Frömmigkeit darf den Hausverstand nie ins Ausgedinge schicken."
Ich wünsche viel Freude und Neugierde beim Lesen.
Rezensionen von mithrandir:
Mit gläubigem Herzen und wachem Geist von Reinhold Stecher
Was für´s Herz
Nele und Heike sind Schwestern, grundverschieden und waren früher ein Herz und eine Seele. Sie haben sogar gemeinsam Frauenromane geschrieben und waren damit sehr erfolgreich. Doch irgendwann haben die beiden sich nur noch gezankt, so dass sie jetzt bloß noch das Aushängeschild für ihre Bücher sind und die eigentliche Arbeit von einem Ghostwriter erledigt wird.
Während einer Talkshow eskaliert es dann plötzlich zwischen den beiden und es fliegen öffentlich die Fetzen. Auf dem gemeinsamen Nachhauseweg geraten sie durch den fortgeführten Streit in einen Unfall, bei dem Heike schwer verletzt wird. Voller Schuldgefühle und mit dem Bedürfnis, dem Grund ihrer schlechten Beziehung zu ihrer Schwester auf die Spur zu kommen, quartiert sich Nele bei deren Familie ein und versucht zu helfen. Dabei fördert sie interessante Dinge zu Tage.
Meine Meinung:
Dies war nicht mein erster Anne Hertz-Roman und wird auch bestimmt nicht mein letzter sein. Die aus Neles Sicht geschriebene Geschichte war durchweg unterhaltsam. Manche Stellen haben mich nachdenklich gestimmt, bei anderen musste ich laut heraus lachen. Als Leser wird man in ein Wechselbad der Gefühle geworfen, die das Autorenduo ausgewogen dosiert hat.
Dabei fühlt man sehr schnell mit Nele mit, auch, wenn ich nicht immer alle ihrer Aktionen nachvollziehen kann, ist sie mir sympathisch geworden und ich war sehr an ihrem Wohlergehen interessiert und habe mit ihr mitgefiebert. Gemeinsam haben wir nach den Gründen ihres Zerwürfnisses mit ihrer Schwester gesucht. Sehr hilfreich und interessant waren hier auch die immer wieder eingestreuten, alten Tagebucheinträge der beiden Schwestern.
Dabei lernt Nele auch viel über sich selbst. Längst verdrängte Ereignisse kommen zum Vorschein und helfen ihr, vieles in einem neuen Licht zu sehen. Der Einblick in das Leben ihrer Schwester bringt sie ihr seit langem wieder nahe und weckt auch Verständnis für die Hürden, die Heike tagtäglich nehmen muss. Ganz nebenbei verschieben sich auch Neles Prioritäten und es hat Spaß gemacht, bei ihrer diesbezüglichen Entwicklung mit dabei zu sein.
Fazit:
"Die Sache mit meiner Schwester" ist ein gefühlvoller Frauenroman, der trotz der Ereignisse eine gewisse Leichtigkeit verströmt. Ich fühlte mich die ganze Zeit gut unterhalten, während ich begeistert der spannenden Geschichte folgte, die wie immer auch eine gehörige Portion Witz hat und, die ich nur ungern wieder aus der Hand legen wollte.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer:
Mit gläubigem Herzen und wachem Geist von Reinhold Stecher
Klischeevorstellungen bestätigt
Wir haben viele Vorurteile gegen Muslime. Und in diesem Buch kommen alle vor. Egal ob es um Heirat, um das Tragen des Hijabs, um die "organisierte" Verwandtschaft oder die Kontrolle der Frauen durch die männlichen Familienmitglieder geht.
Aber Azime, die weibliche Protagonistin des Romans wehrt sich dagegen.
Sie will nicht als unglückliche, selbstmordgefährdete Kurdin enden. Sie will ihr Leben selbst in die Hand nehmen und das tun, was sie gut kann.
McCarten räumt in diesem Roman nicht mit den Vorurteilen, die wir in unseren Köpfen haben, auf. Er bestätigt sie eher. Aber er macht dies auf eine äußerst humorvolle Weise, die einen immer wieder schmunzeln lässt.
Rezensionen von jungesjo:
Mit gläubigem Herzen und wachem Geist von Reinhold Stecher
Hinein in die schönste Fantasie
möchte man sich auf die spuren seiner Fantasie machen, ist diese buch bestens dazu geeignet. Ich bewundere es sehr, diese manchmal seltsam Sprache und die Abenteuer der vier Buben. Ein paar Sekunden nur und ich war sprachlos Verwirrt und betrugt und im wahrsten Sinne des Wortes haltlos geworden, erlebt der Betroffene die alle Erwartungen übersteigende Vorgänge.
Eindringlich gelingt es dem Autor, den Orientierungsverlust des fantasievollen Menschen ins Bild zu setzen. Ein gutes Buch.
Rezensionen von Lektor:
Kunstführer Tirol von Reinhard Rampold
Kunstführer Tirol
Kunstführer Tirol
Reinhard Rampold (Hg.)
Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, Jänner 2014
Rezension von Josef Mair, Elmen/Tirol
und Herbert Wittmann, Ebenhofen/Ostallgäu
Ein längst überfälliger ?Kunstführer Tirol? mit den 400 bedeutendsten Kunstschätzen in Nord- und Osttirol ? ?von einem Team aus erfahrenen Kunsthistorikern verfasst? ? weckt Neugier und will offensichtlich auch Maßstäbe setzen.
Der Leser darf unter anderem erwarten, in kompetenter Weise nach dem neuesten Stand der Kunstforschung unterrichtet zu werden. Als Rezensenten sehen wir uns allerdings nur in der Lage, über die Beschreibungen jener Objekte ein Urteil zu fällen, die uns persönlich sehr gut bekannt und vertraut sind. Es handelt sich dabei, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, um die ?Kunstschätze? im Bezirk Reutte.
Einige allgemeine Bemerkungen seien uns jedoch schon vorab erlaubt:
Die Beschreibungen sind in aller Regel sehr sachlich, knapp und sprachlich kompetent abgefasst. Wertende Prädikate wie ?bedeutend, sehenswert, bemerkenswert oder gar schön, herrlich, großartig? usw. werden weitgehend vermieden. Allenfalls ist von ?qualitätsvoll? die Rede. In vielen Fällen wird deswegen auch nicht so recht deutlich, warum ausgerechnet das beschriebene Objekt erwählt wurde, zu den 400 bedeutendsten Kunstschätzen Tirols zu zählen.
Dass die aufgeführten Künstler im Druck nicht hervorgehoben wurden (z. B. kursiv), erschwert die rasche Suche nach deren Namen und stellt jedenfalls einen Mangel dar. Ebenso wird deutlich, dass allenthalben an Platz gespart wurde. Eine stärkere Gliederung der Texte durch sinnvolle Absätze hätte der Lesbarkeit gut getan. Warum die altehrwürdigen Namen der Gotteshäuser fast immer ?verkürzt? wiedergegeben wurden (also ?Filialkirche hl. Leonhard? statt ?Filialkirche zum hl. Leonhard?), bedürfte auch einer Erklärung (Ausnahme aber z. B. auf Seite 338).
Schon beim flüchtigen Durchblättern und Lesen fällt weiterhin auf, dass fachspezifische Begriffe wie ?frühbarock?, ?hochbarock? und ?spätbarock? nicht einheitlich verwendet wurden. So ordnet Veronika Sandbichler auf Seite 15 die Arbeiten der Brüder Asam (um 1723) dem ?Spätbarock? zu. Und auf Seite 95 wird der Maler Josef Anton Stecher ? von Reinhard Rampold ? noch 1840 [sic!] ?am Übergang vom Spätbarock zum Historismus? gesehen. Die Altäre der Pfarrkirche von Fließ (um 1696 bzw. 1701 entstanden) wiederum sind ? Magdalena Hörmann-Weingartner zufolge ? ?typische Werke hochbarocker Ausstattungskunst? (auf Seite 257). Als ?frühbarock? wird schließlich (auf Seite 353) von Herta Arnold die nach 1710 entstandene Ausstattung der Bichlbacher Zunftkirche eingestuft. Diese wenigen Beispiele (sie ließen sich leicht vermehren) reichen wohl aus, um das sprachliche Durcheinander zu dokumentieren. Wurzel dieses Übels ist die von mehreren Mitgliedern des Teams angenommene (aus unserer Sicht unzulässige) Gleichsetzung von Rokoko und Spätbarock. Hier hätte der Herausgeber im Vorfeld unbedingt für eine einheitliche Regelung Sorge tragen müssen.
Die genaue Lektüre der Beschreibungen von Kirchen bzw. Objekten, die wir sehr gut zu kennen glauben, zeigt vor allem Eines: Die unterschiedlichen Verfasser haben die einschlägigen Aufsätze in den Jahrbüchern ?Extra Verren? (und auch andere vom Museumsverein des Bezirkes Reutte veröffentlichte Arbeiten) entweder nicht genau gelesen oder überhaupt nicht gelesen oder doch weitgehend ignoriert. Dass dadurch alte Fehler festgeschrieben und neue, fundierte Erkenntnisse unterschlagen wurden, muss ihnen, den Autoren also, jedenfalls als absichtliches oder fahrlässiges Versäumnis angelastet werden.
Wir als Rezensenten dürfen also feststellen: Unsere Arbeit ist wohl völlig ?für die Katz? gewesen. Was wir in oft jahrelanger akribischer ?Feldforschung vor Ort? erarbeitet haben, wurde achtlos in den Wind geschlagen!
Eine so schwer wiegende Behauptung muss natürlich hieb- und stichfest mit Beispielen belegt werden. Bei dieser Gelegenheit weisen wir auch auf ein paar andere Fehler hin, die uns auffielen:
Seite 15: Johann Georg Fischer führte in Innsbruck St. Jakob keineswegs die Pläne seines Onkels Johann Jakob Herkomer aus. Er hat dessen Planvorgaben vielmehr ganz entscheidend verändert.
Seite 39/40, Innsbruck, Stiftskirche in Wilten: Es fehlt der Hinweis auf die unübersehbaren Veränderungen im Sinne des Rokoko in den Jahren 1767/68 durch Joseph Stapf. Selbst Stapfs prächtige Kanzel wird nicht erwähnt.
Seite 41-43, Innsbruck, Pfarrkirche und Basilika in Wilten: Stapf, hier wenigstens namentlich genannt, war kein ?Baumeister?, sondern Bildhauer und Bausachverständiger. Er stammte aus Pfronten und nicht aus Füssen. Nach den von Bernhard Rupprecht definierten Kriterien handelt es sich bei der Basilika um keine ?Rokokokirche?, sondern um eine Barockkirche mit Rokoko-Ausstattung. Das ?Altarzimborium? [sic!] geht höchstwahrscheinlich auf einen Plan von Joseph Stapf zurück. Franz Karl Fischer hat ?lediglich? die marmorne Mensaverkleidung und den Tabernakel ausgeführt. Stapfs ?großartige, figurenreiche? Kanzel findet ebenso wenig Erwähnung wie der bedeutende großformatige Kreuzweg von Balthasar Riepp.
Seite 47, Innsbruck-Mentlberg, Wallfahrtskirche beim Schloss: Kein Hinweis auf Joseph Stapf, der hier mit Sicherheit tätig gewesen ist.
Seite 66, Imst, Museum im Ballhaus: Hier hätte unserer Meinung nach unbedingt Josef Beyrers Meisterwerk ?Ave und Eva? erwähnt werden müssen.
Seite 96/97, Wenns, Margarethenkirche: Die Zuschreibungen an die verschiedenen Bildhauer der Imster Witwer-Werkstatt sind zum Teil unzutreffend. Völlig falsch, auf Seite 98, ?Josef Witwer? statt Joseph Georg Witwer. Auch die Datierungen sind korrekturbedürftig. Zudem verwundert es, warum die Pfarrkirche von St. Leonhard im Pitztal mit ihrer herrlichen Witwer-Altarausstattung nicht zu den auserwählten Objekten gehört.
Seiten 107 bis 110, Fulpmes und Medraz: Wieder keine Erwähnung von Joseph Stapf! Sein hl. Erzengel Michael am Hochaltar (um 1746/47) wird fälschlicherweise als ?hochbarock? eingestuft.
Seite 349, Vorwort zum Bezirk Reutte: Franz Anton Zeiller war nicht der Neffe von Paul Zeiller, sondern ein entfernter Verwandter.
Seite 352, Biberwier, Rochuskirche: Das Oberbild des Hochaltars stammt von Paul Zeiller (was von uns rechtzeitig erkannt wurde) und ist erst um 1700 entstanden. Auch Joseph Georg Witwers schöner Figurenschrein wurde völlig übersehen.
Seite 353: Bichlbach, Pfarrkirche: Der die Kanzel bekrönende Posaunenengel ist selbstverständlich nicht das Symbol für den Evangelisten Matthäus! Diese Funktion kommt einem Engelsköpfchen mit aufgesetztem Tintenfass am Kanzeldeckel zu.
Seite 353, Bichlbach, Zunftkirche: Der Bau wurde nicht nach Plänen von Johann Jakob Herkomer ausgeführt. Es muss zudem stark bezweifelt werden, dass die Deckenfresken und der (prächtige!) Hochaltar bereits 1710 entstanden sind. ?Frühbarock? ist beides nicht. Kein Wort zu den originellen Chorstühlen Nikolaus Babels!
Seite 354, Breitenwang, Pfarrkirche: Auch die monumentalen Hochaltarfiguren der Kirchenpatrone sind eigenhändige (und erhalten gebliebene!) Werke von Ignaz Waibl! Beim Bilderzyklus an der unteren Emporenbrüstung handelt es sich um ein archivalisch belegtes Werk von Paul Zeiller. Unbekannt waren der Autorin auch die hervorragenden Bildhauerarbeiten am Tabernakel (von Peter Heel) und am Orgelprospekt (immerhin vom bedeutenden Joseph Anton Weimüller).
Seite 355, Breitenwang, Auferstehungskirche: Bei den Deckenbildern handelt es sich nicht um ?Fresken?; denn sie wurden zweifelsfrei ?al secco? ausgeführt. Dass sich Paul Zeiller von Darstellungen in der Füssener Annakapelle anregen ließ, ist mit Sicherheit auch falsch. Bei der plastischen Ausstattung von Anton Sturm hätte unbedingt auch seine großartige, den Raum dominierende Pietà erwähnt werden müssen.
Seite 358, Elbigenalp, Pfarrkirche: Entwurf der Seitenaltäre und maßgebliche Beteiligung an der Figurenausstattung von Joseph Stapf bleibt unerwähnt. Im Zeillerschen Langhausfresko verkörpert die weinende, in weißes Tuch gehüllte Gestalt nicht die ?Trauer?, sondern ?Innocentia?, die Unschuld!
Seite 362, Heiterwang, Pfarrkirche: Schreibfehler ? ?Johann Fischer? statt Joseph Fischer. Dieser hat auch den Stuckmarmor-Hochaltar gefertigt (Hinweis fehlt).
Seite 367, Lermoos, Pfarrkirche: ?Für seine Heimatkirche schuf er [= Josef Beyrer] ? sowie Christus und die 12 Apostel (Gruftkapelle)?. Hier liegt gar ein doppelter Fehler vor: Die gemeinte Gruftkapelle mit Christus und den Aposteln gehört zur Bichlbacher Zunftkirche, und die genannten Figuren haben definitiv nichts mit Beyrer zu tun. An den Figurengruppen in der Lermooser Unterkirche war auch Jakob Witwer beteiligt. Ein Hinweis auf die prachtvolle Kanzel (1782 vom Imster Bildhauer Franz Hosp) wäre wünschenswert gewesen. Denn die Arbeiten von Hosp sind noch weitgehend unerforscht.
Seite 372, Reutte, Franziskanerkirche: Wenn die Kirche schon aufgeführt wird, wäre es auch angebracht gewesen, auf hervorragende Werke weiterer Künstler hinzuweisen (Jais, Reindl, Sturm, Zeiller).
Seite 374, Steeg-Hägerau, Expositurkirche: Die Beichtstuhl-Aufsatzbüsten stellen nicht Petrus und Magdalena dar, sondern Hieronymus und Magdalena.
Seite 375, Tannheim, Pfarrkirche: Dass Johann Jakob Herkomer den Innsbrucker Dom nicht plante, wurde schon richtig gestellt. Schon gar nicht wäre dies 1722/1724 möglich gewesen, weil Herkomer bereits 1717 starb.
Seite 377, Tannheim-Bogen, Mariahilfkapelle: Ein Großteil des Figurenbestands stammt nicht von Nikolaus Babel (um 1680), sondern muss früher datiert (um 1650) und Martin Schneider aus Pfronten zugeschrieben werden. Von Balthasar Riepp stammt auch keineswegs das laienhaft gemalte Auszugsbild am Hochaltar!
Seite 378, Vils, Stadtpfarrkirche: Das Chorfresko geht höchstwahrscheinlich nicht auf Johann Heel, sondern auf Bartholomäus Stapf aus Pfronten zurück. Mit Sicherheit falsch ist die Zuweisung des Auszugsbildes am Hochaltar an Alexander Kranzner (1682). Maler dieses Bildes war vielmehr Paul Zeiller aus Reutte (1705). Die einheitliche Datierung der Skulpturen Nikolaus Babels ?um 1680/90? ist ebenfalls unzutreffend. Babel war im Übrigen mehrfach auch als Altarbauer in Vils tätig. Seine Kanzel ? ein Prachtstück übrigens! ? kam wohl erst nach1714 in die Kirche.
Seite 379, Wängle, Pfarrkirche: Anton Sturm soll der Autorin zufolge die zwei ?ausdrucksstarken? Seitenfiguren am Hochaltar 1705 geschaffen haben. Ihr hätte auffallen müssen, dass Sturm 1705 erst 15 Jahre alt war. Außerdem ist eine der Skulpturen, nämlich die des älteren Jakobus, längst schon Maximilian Hitzelberger (um 1732) zugeschrieben worden. Weitere Arbeiten Sturms werden jedoch ignoriert (zwei Engel, ein Kruzifixus). Die Seitenaltäre mit ihren Auszugsbildern sind nicht um 1705 entstanden, sondern erst um 1735/36 (wobei die Altäre Franz Schleterer zuzuschreiben sind). Das linke Auszugsbild stammt von Balthasar Riepp (Frühwerk), nur das rechte ist von Paul Zeiller (Spätwerk)! Bei den vermeintlichen Altarblättern ?Anbetung der Könige? bzw. ?Anbetung der Hirten? handelt es sich um kleine, querformatige Predellenbilder (Frühwerke von Franz Anton Zeiller). Alle genannten Altargemälde entstanden um1735/36!
Die angeführten Beispiele sollten eigentlich genügen. Freilich darf nun nicht der Eindruck entstehen, die Beschreibungen der Außerferner Kirchen seien insgesamt ?schlecht?. Die meisten der aufgeführten Fakten entsprechen der Realität. Sie wurden jedoch von einer teilweise veralteten Literatur mit sämtlichen Fehlern übernommen.
Dass dabei die Auswahl der Objekte, von unbestrittenen Spitzenwerken abgesehen, im Einzelfall auch von der subjektiven Wahrnehmung und Wertschätzung des Autorenteams abhängen musste, war zu erwarten und kann nicht überraschen. Trotzdem, was das Außerfern anbelangt, muss doch die Frage gestellt werden, warum z. B. die relativ unbedeutende Filialkirche von Pflach aufgeführt wurde, nicht jedoch die Pfarrkirche von Elmen? Immerhin birgt diese mit der Hochaltargruppe der Heiligen Drei Könige (um 1774) von Joseph Georg Witwer eine Sehenswürdigkeit von zweifellos überregionalem Rang, und zwar in mehrfacher Hinsicht! Dazu kommen noch das monumentale Laymann-Kruzifix von Bartholomäus Steinle (1614 datiert, sein bedeutendster ?Cristo morto?!), eine meisterhafte Marienfigur von Johann Richard Eberhard (signiert und 1784 datiert) und die expressiven Kreuzwegbilder (um 1750) von Balthasar Riepp. Aber auch die Deckenausmalung von Joseph Anton Köpfle ? sein Hauptwerk übrigens! ? lohnt allein schon den Besuch der Kirche! War dies alles der Autorin nicht bekannt?
Gewiss wäre es nun unzulässig, die Mängel im Außerferner Teil auch auf die anderen Bezirke zu übertragen. Freilich kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass dort ähnlich ?schlampig? gearbeitet wurde.
Die Frage schließlich, ob die über 400 Seiten starke Publikation den hohen Ansprüchen und Erwartungen gerecht werden konnte, muss differenziert beantwortet werden:
Experten mit vertieften kunsthistorischen Kenntnissen werden in der Regel nichts Neues erfahren, dafür aber manches Unrichtige entdecken.
Für die Mehrzahl der Leser, also Kunstfreunde ohne ?belastendes Vorwissen?, spielt natürlich beides keine wichtige Rolle. Von den sehr detaillierten Baubeschreibungen mit vielen Fachbegriffen könnten sie sich aber überfordert fühlen.
Auch für Tirol-Touristen, die nach Sehenswürdigkeiten Ausschau halten und sich einen raschen Überblick verschaffen möchten, wird der Führer zweckdienlich sein. Allerdings wären dazu Übersichtskarten der einzelnen Bezirke mit einer Hervorhebung der beschriebenen Orte bzw. Objekte gewiss von Nutzen gewesen.
Literatur
Josef Mair, Der Maler Balthasar Riepp (1703-1764), Reutte 2003
Josef Mair, Paul Zeiller, ?edler Herr in Reutte ? Maler und Bürgermeister?, 1658-1738, Reutte 2008
Josef Mair, in: ?Extra Verren 2006? (Wirth-Orgel) und 2011 (Zeiller-Fresko)
Bernhard Rupprecht, Die bayerische Rokokokirche, in: Münchner Historische Studien Bd. 5, Kellmünz 1959
Ingo Seufert, Johann Jakob Herkomer (1652-1717), Lindenberg 2009
Herbert Wittmann, in: ?Extra Verren 2006? (Anton Sturm), 2008 (Josef Beyrer), 2010 (Martin Schneider, Nikolaus Babel), 2011 (Joseph Stapf) und 2012 (Johann Richard Eberhard)
Rezensionen von Gerd Forcher:
Kunstführer Tirol von Reinhard Rampold
Ein Coachingbuch der anderen Art
Nikoletta Zambelis versteht es, in prägnanten kurzen Abschnitten alles zu sagen, um bei der Leserin bzw. beim Leser neue Blickwinkel und AHA-Erlebnisse entstehen zu lassen. Durch die humorvolle Art der Darbietung schafft es Zambelis, eine "ernste" Materie (nämlich Beratung und Wirtschaft) nicht nur Coachees, sondern auch Coaches selbst und anderen Interessierten genussvoll zu präsentieren.
In jedem Fall sehr zu empfehlen!



