Persönliche Lese- tipps
Helena Töchterle empfiehlt:
Russland und wir von Hugo Portisch
Russland und wir / Eine Beziehung mit Geschichte und Zukunft
Hugo Portisch zählt zu den bedeutendsten Journalisten Österreichs und erarbeitet hier seine Perspektive auf Russland und seine komplizierte Geschichte, das ebenso komplizierte Verhältnis zu Europa und die Zukunftsperspektiven. Denn bestehen kann man im internationalen Wettbewerb nur gemeinsam. Portisch gelingt eine einzigartige Darstellung eines schwierigen aber durchaus chancenreichen Verhältnisses.
Er schafft es, das historisch gewachsene Russland für Europäer begreifbar zu machen.
Maria Leitner empfiehlt:
Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell
Meine dunkle Vanessa
Vanessa ist 15, als sie zum ersten Mal mit ihrem Englischlehrer schläft. Als dieser 17 Jahre später von einer ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt wird, soll auch Vanessa gegen ihn aussagen. Doch sie ringt mit sich – Wie kann das, was sie damals hatten, Missbrauch gewesen sein, wo sie doch in ihn verliebt war? War sie nun seine Geliebte oder sein Opfer? Ein faszinierender, verstörender und unglaublich wichtiger Pageturner, der unter die Haut geht.
Robert Renk empfiehlt:
Das abenteuerliche Leben von Mary S. Lovell
Das abenteuerliche Leben / Eine Biographie von Richard & Isabel Burton
Richard Burton kennt man aus dem grandiosen Roman Der Weltensammler von Ilija Trojanow. Hier kommt nun die äußerst ausführliche Biographie von Mary S. Lovell, die von Alfred Goubran mit Liebe zum Detail übersetzt wurde. Interessant dabei ist, dass man auch nahezu alles über Isabel Burton erfährt, die ihren Mann auf unzählige Reisen begleitet hat und sein Vermächtnis ausgewählt weitertrug.
Authentisch, einfühlsam und mit gebührendem Respekt hat Mary S. Lovell ein mitreißendes Porträt zweier Leben verfasst.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit von Ken Follett
Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
Mit der Vorgeschichte zu Die
Säulen der Erde führt uns Ken
Follett ins tiefste Mittelalter,
als drei mächtige Gruppen
um die Herrschaft kämpften,
Angelsachsen, Wikinger und
die Normanen. Edgar, der auf
seine Geliebte wartet, entdeckt
als Erster die Drachenboote,
die Tod und Verderben bringen.
Während andere ums Überleben
kämpfen, streiten andere um
Macht und Reichtum, auch der
skrupellose Bischof. Sklavengesellschaft
und starke Frauen
werden sehr gut dargestellt,
auch wunderschöne Illustrationen
bietet der Roman.
Long Bright River von Liz Moore
Liz Moore: Long Bright River
Kensington, das Drogenviertel Philadelphias, ist das Revier der Schwestern Mickey und Kacey. Während Mickey als Cop durch die Straßen patrouilliert, steht dort die drogensüchtige Kacey und wartet auf Freier. Doch dann werden Frauen ermordet und Kacey verschwindet. Mickeys Suche nach ihrer Schwester wird eine Reise in eine Vergangenheit voller Lügen und in die korrupte Welt der Polizei.
Ein wunderbarer Roman, so trist und wunderschön zugleich wie Springsteens Ballade Streets of Philadelphia.
Pandatage von Gould-Bourn James
James Gould-Bourn: Pandatage
Hinter „Panda Tage“ verbirgt sich die Geschichte des alleinerziehenden Vaters Danny. Seine Frau starb bei einem Unfall. Der gemeinsame Sohn Will weigert sich seitdem zu sprechen und zieht sich immer weiter zurück. Danny versucht alles, um seinen Sohn wieder glücklich zu sehen, auch wenn es ihm selbst nicht allzu gut geht.
Ein Pandakostüm als Seelenrettung für den Sohn als auch für den Vater. Eine berührende und humorvolle Hommage an die Liebe zwischen Vater und Sohn, die beim Leser Spuren hinterlässt.
Maria Leitner empfiehlt:
Die Optimisten von Rebecca Makkai
Rebecca Makkai: Die Optimisten
Chicago 1985: Yale ist dabei, Kunstwerke für die Galerie, für die er arbeitet, zu organisieren, als in Boystown die AIDS-Epidemie ausbricht. Paris 2015: Auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter wird Fiona mit ihren Erinnerungen an die Schicksalsschläge der 80er konfrontiert. Aus den beiden Zeitsträngen webt Rebecca Makkai eine Geschichte über Verlust und Liebe.
Ein tragisches und berührendes Buch, das es nicht umsonst auf die Shortlist des Pulitzer Preises geschafft hat.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Raffael - Das Lächeln der Madonna von Martin Noah
Noah Martin: Raffael – Das Lächeln der Madonna
Der Maler Raffael Sanzio ist ein Ausnahmetalent und zählt in jungen Jahren schon zu den bekanntesten Künstlern der Renaissance. Dieser lebendige historische Roman gibt uns einen tollen Einblick in eine der wichtigsten Epochen. Geprägt von Intrigen, politischen Machtkämpfen und verheerenden Feldzügen.
Natürlich erfährt man viel über Kunst und die Leidenschaft des Malens und über die Freundschaft mit Leonardo da Vinci sowie Michelangelo. Auch seine persönliche Liebesgeschichte spielt eine Rolle.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Ich bleibe hier von Marco Balzano
Marco Balzano: Ich bleibe hier
Jeder kennt den Kirchturm, der am Reschensee aus dem Wasser ragt, es ist ein malerischer, aber zugleich auch ein deprimierender Anblick, vor allem, wenn man die Geschichte dahinter kennt. Vor siebzig Jahren wurden die Bewohner von Graun enteignet. Ein großer Staudamm sollte gebaut werden ohne Rücksicht auf Verluste.
Unsere Protagonistin Trina erzählt uns, was ihre Familie damals schmerzvoll erlebt hatte. Sehr aufwändig recherchiert und nahe an historischer Realität. Ein Roman, der mich fasziniert hat.
Ich erwarte die Ankunft des Teufels von Mary MacLane
Mary MacLane: Ich erwarte die Ankunft des Teufels
Ein literarisches Debüt, über 100 Jahre alt, aber im Sound von heute und übermorgen. Getarnt als Tagebuch schreibt es an gegen tristes Leben und feiert das eigene Ich. MacLane wütet gegen marktwirtschaftliches Denken, Bigotterie und Langeweile, preist dabei Natur, (Frauen-)Liebe und Größenwahn.
Dabei ist sie Feministin, Ironikerin, exakte Beobachterin. Sie träumt, hofft, bleibt realistisch, sprachlich kühn. Ach ja, und dann ist da noch der Teufel. Damals ein Skandal, heute immens wichtig.











