Persönliche Lese- tipps
Maria Leitner empfiehlt:
Die Optimisten von Rebecca Makkai
Rebecca Makkai: Die Optimisten
Chicago 1985: Yale ist dabei, Kunstwerke für die Galerie, für die er arbeitet, zu organisieren, als in Boystown die AIDS-Epidemie ausbricht. Paris 2015: Auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter wird Fiona mit ihren Erinnerungen an die Schicksalsschläge der 80er konfrontiert. Aus den beiden Zeitsträngen webt Rebecca Makkai eine Geschichte über Verlust und Liebe.
Ein tragisches und berührendes Buch, das es nicht umsonst auf die Shortlist des Pulitzer Preises geschafft hat.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Raffael - Das Lächeln der Madonna von Martin Noah
Noah Martin: Raffael – Das Lächeln der Madonna
Der Maler Raffael Sanzio ist ein Ausnahmetalent und zählt in jungen Jahren schon zu den bekanntesten Künstlern der Renaissance. Dieser lebendige historische Roman gibt uns einen tollen Einblick in eine der wichtigsten Epochen. Geprägt von Intrigen, politischen Machtkämpfen und verheerenden Feldzügen.
Natürlich erfährt man viel über Kunst und die Leidenschaft des Malens und über die Freundschaft mit Leonardo da Vinci sowie Michelangelo. Auch seine persönliche Liebesgeschichte spielt eine Rolle.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Ich bleibe hier von Marco Balzano
Marco Balzano: Ich bleibe hier
Jeder kennt den Kirchturm, der am Reschensee aus dem Wasser ragt, es ist ein malerischer, aber zugleich auch ein deprimierender Anblick, vor allem, wenn man die Geschichte dahinter kennt. Vor siebzig Jahren wurden die Bewohner von Graun enteignet. Ein großer Staudamm sollte gebaut werden ohne Rücksicht auf Verluste.
Unsere Protagonistin Trina erzählt uns, was ihre Familie damals schmerzvoll erlebt hatte. Sehr aufwändig recherchiert und nahe an historischer Realität. Ein Roman, der mich fasziniert hat.
Ich erwarte die Ankunft des Teufels von Mary MacLane
Mary MacLane: Ich erwarte die Ankunft des Teufels
Ein literarisches Debüt, über 100 Jahre alt, aber im Sound von heute und übermorgen. Getarnt als Tagebuch schreibt es an gegen tristes Leben und feiert das eigene Ich. MacLane wütet gegen marktwirtschaftliches Denken, Bigotterie und Langeweile, preist dabei Natur, (Frauen-)Liebe und Größenwahn.
Dabei ist sie Feministin, Ironikerin, exakte Beobachterin. Sie träumt, hofft, bleibt realistisch, sprachlich kühn. Ach ja, und dann ist da noch der Teufel. Damals ein Skandal, heute immens wichtig.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Carbon von Christian Mähr
Christian Mähr: Carbon
Mal ein etwas anderer Kriminalroman. Ein Mann versucht eine etwas exotische, übelriechende Pflanze zu entfernen mit einer Motorsäge, womit er sich den Hals durchschneidet. Die Rückkehr des Carbonzeitalters stürzt Europa ins Chaos. Plötzlich gibt es wieder Libellen von der Länge eines Unterarmes oder Pflanzen, die seit Hunderten von Jahrmillionen ausgestorben sind und deren Düfte Menschen betören.
Ein Roman, der unter die Haut geht und einen Einblick gibt in die zukünftige Menschheit.
Fremdes Licht von Stavaric Michael
Michael Stavarič: Fremdes Licht
Elaine erinnert sich an Kindheitsbesuche in Grönland, an die zauberhaften Worte ihres Großvaters in der Inuitsprache, ihren Jugendfreund Dallas. Jahre später ist sie scheinbar als einzige Überlebende im Eis gefangen. Ihre Erinnerung und ihre langjährigen Erfahrungen mit der Kälte helfen ihr dabei, am Leben zu bleiben.
Die packende, filmische Erzählweise birgt absoluten Suchtfaktor. Was manche schon wissen, bewahrheitet sich hier erneut: Michael Stavarič gehört zu den großen Erzählern unserer Zeit.
Felix und die Quelle des Lebens von Schmitt Eric-Emmanuel
Eric-Emmanuel Schmitt: Felix und die Quelle des Lebens
Der 12-jährige Felix lebt mit seiner Mutter Fatou in Paris. Das kleine Café seiner Mutter ist seine heile Welt, prall gefüllt mit eigenwilligen Stammgästen und ihren Schrullen. Als die lebensfrohe Fatou plötzlich depressiv wird, gerät diese Welt aus den Fugen. Nur im Senegal, dort, wo Fatous Wurzeln sind, kann sie geheilt werden.
Eine kleine, feine Nachtlektüre von Eric-Emmanuel Schmitt – über Freundschaft, Zusammenhalt, Familie, und Heimat. Psychologisch, dialogisch und flott geschrieben.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Und am Ende werden wir frei sein von Hall Kelly Martha
Martha Hall Kelly: Und am Ende werden wir frei sein
Dieser Roman basiert auf wahren Begebenheiten des zweiten. Es geht um drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aus drei Ländern, deren Wege sich an einem der dunkelsten Orte kreuzen. Von Fliegerangriffen, Deportationen und Ängsten wird nichts beschönigt. Über die „Kaninchen“, deren medizinische Versuche wirklich an Frauen gemacht wurden.
Die Geschichte ist geprägt von Leid, aber auch Hoffnung. Schonungsloser, gut recherchierter, erschreckender Kriegsroman.
Bald sind wir aber Gesang von Friedrich Hölderlin
Friedrich Hölderlin: Bald sind wir aber Gesang. Eine Auswahl von Navid Kermani
2020 jährt sich der 250. Geburtstag des bekannt-unbekannten Dichters: Oh ihr Musen, singt mir … Die Poesie spricht leise, darin gleicht sie der Liebe. Und nur Liebe und Poesie helfen gegen das Klirren der Fahnen, egal ob politische, existenzielle oder religiöse. In Hölderlins Dichtung zählt der Moment, jede einzelne Wunde des Seins: Wahrlich ein Rätsel diese Texte, das Leben, der ganze Rest.
Im Irrgarten der Wörter liegt die Welt, manchmal gar Heil, immer aber Abgrund und Licht. Nehmt und lest!
Robert Renk empfiehlt:
Echo des Schweigens von Markus Thiele
Markus Thiele: Echo des Schweigens
Ein packender Justizkrimi, der diverse Grauzonen gut auslotet. Recht oder Gerechtigkeit, Gesetz oder Moral, und wie viel Berufsskandal verträgt eine Beziehung. Inspiriert von einem der großen Justizskandale Deutschlands, dem Fall Oury Jalloh in Dessau, breitet Markus Thiele seinen Fall rund um den Strafverteidiger Jansen aus, der einen Polizisten vertritt, der des Mordes an einem Asylbewerber angeklagt ist.
Für Leser von Schirach oder Schlink!











