Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gelesengelauschtgemacht:
Robin the Hood - Wie klaut man eine Stadt? von Rüdiger Bertram
Klappentext spoilert die Handlung
„Robin the Hood“ punktet mit einer originellen Grundidee und einem lockeren, mit comicartigen Elementen aufgelockertem Erzählstil, der das Lesen angenehm leicht macht.
Auch die warmherzige Beziehung zwischen Robin und seiner Oma gehört zu den stärksten Momenten des Buches. Leider nutzt das Abenteuer sein Potenzial nur teilweise aus.
Der Klappentext verrät bereits einen Großteil der Handlung, sodass echte Überraschungen ausbleiben. Die Mission selbst wirkt trotz aller absurden Elemente erstaunlich spannungsarm, und der Humor zündet nicht immer – zumindest nicht für Leser*innen, die etwas mehr Raffinesse oder weniger Slapstick erwarten.
Die finale „Flucht“ bleibt auf dem gleichen Niveau wie der Weg dorthin: unterhaltsam, aber weder besonders spektakulär noch emotional packend. Insgesamt ein sympathisches, aber eher blasses Kinder-Actionabenteuer, das vor allem jüngere Leser*innen anspricht, während ältere schnell spüren könnten, dass mehr drin gewesen wäre.
Der zweite Pluspunkt: das Hardcoverbuch kostet nur 13 Euro, was derzeit ein sehr guter Preis für ein hochwertig verarbeitetes Produkt ist.
Fazit: Das Lesen des Klappentextes hätte gereicht.
Rezensionen von brauneye29:
Was vor uns liegt von Alba de Céspedes
Hat mir gefallen
Zum Inhalt:
Acht junge Frauen leben und studieren im Jahr 1934 am Grimaldi-Konvikt in Rom, sehnen sich nach Selbstbestimmung und Freiheit, was aber unter den strengen Augen der Nonnen nicht einfach ist. Auch wenn sie einander nah sind, haben sie auch alle ein Geheimnis, dass sie nicht teilen.
Meine Meinung:
Man kann sich schon vorstellen, warum das Werk zum ursprünglichen Veröffentlichungstermin unter den damaligen Bedingungen verboten wurde, denn es dürfte für die Zeit schon ein Werk gewesen sein, dass nicht den Vorstellungen entsprach.
Ich habe erst später gesehen, dass es schon so früh sein Debüt hatte und hätte das während der Lektüre nicht erwartet, denn der Schreibstil wirkt frisch und eher neuzeitlich. Inhaltlich hat mir das Buch gefallen, die Protagonistinnen haben alle eine eigene Geschichte, mit der sie klar kommen müssen und wir erleben sie beim Erwachsenwerden, wobei sie mit den Umständen zu kämpfen haben, was aber im Grunde jede Generation hat.
Fazit:
Hat mir gefallen
Rezensionen von Eternal-Hope:
The Witch's Heart - Das Verhängnis von Genevieve Gornichec
Vom Weg in die Selbstermächtigung
Von Genevieve Gornichec habe ich vor diesem Buch schon “Sisters in Blood” gelesen, von dem ich absolut begeistert war und zu dem ich auch eine Rezension verfasst habe. Nun also dieses Buch, an das ich mit entsprechend hohen Erwartungen herangegangen bin, was man natürlich nicht sollte, da jedes Buch für sich stehen sollte.
Außerdem ist „The witch’s heart“ das Debüt der Autorin und „Sisters in Blood“ ihr zweites Buch. Das versuche ich, bei meiner Bewertung zu berücksichtigen.
Auch in diesem Buch geht es um alte nordische Mythologie: diesmal um die Riesin und Hexe Angrboda, die gemeinsam mit dem Trickster-Gott Loki drei Kinder in die Welt setzt, aus denen die Totengöttin Hel, der Fenriswolf und die Midgardschlange werden. Das ist eine uralte mythologische Geschichte, die sozusagen den Rahmen für dieses Buch setzt, das hier auf feministische Weise neu interpretiert wird.
Ich habe das Buch als Beschreibung eines langen Weges in die weibliche Selbstermächtigung gelesen. Angrboda war schon früher eine sehr mächtige Hexe, doch wir lernen sie zu einem Zeitpunkt kennen, zu dem sie psychisch und auch körperlich sehr geschwächt ist. Nachdem sie sich geweigert hatte, mit Hilfe der mystischen Technik des „Seid“ in die tiefsten Dunkelheiten zu reisen, um dort für den Göttervater Odin Wissen über die Zukunft zu erlangen, wurde sie fürchterlich bestraft: drei Mal wurde ihr das Herz herausgerissen und sie wurde verbrannt. Tot ist sie nicht so ganz, aber sie hat kaum mehr Erinnerungen an ihre Vergangenheit und Identität und lebt zurückgezogen ganz alleine in einer Höhle im Wald. Da besucht sie der Außenseitergott und Trickster Loki und bringt ihr ihr Herz zurück und die beiden starten erst eine Affäre, dann eine Art On-Off-Beziehung und schließlich eine halbherzige Ehe, während ihre drei gemeinsamen Kinder entstehen: ein halbtotes Mädchen und zwei Söhne: ein Wolf und eine Schlange. Soweit zum Inhalt, ohne spoilern zu wollen.
Die mythologische Geschichte ist durchaus interessant. Schwierig fand ich beim Lesen das sehr wechselnde Tempo: im ersten Drittel des Buches passiert gefühlt kaum etwas Interessantes und in die Handlung plätschert nur so dahin. Dann spitzt es sich in der Mitte zu und es kommt zu dramatischen Ereignissen, die sehr schnell geschildert werden und wonach die Handlung zum langsamen Tempo zurückkehrt bis zum prophezeiten Ende zur Zeit der Götterdämmerung, samt überraschender Wendung. Gewünscht hätte ich mir also einerseits eine Straffung einiger Teile und andererseits, dass andere Teile ausführlicher erzählt worden wären.
Mythologisch gibt die Geschichte einiges an interessanten Themen her: es geht um Vorurteile, Magie, Hexenverfolgung, Ausgrenzung, Mutterliebe, Verrat, Frauenfreundschaft und Queerness (ein Thema, das der Autorin ein besonderes Anliegen zu sein scheint) und die Veränderlichkeit oder Unabwendbarkeit des Schicksals. Das stärkste Thema für mich in diesem Buch war, wie schon erwähnt, das der weiblichen Selbstermächtigung: zu sehen, wie die gedemütigte, geschwächte und verletzte Angrboda schrittweise wieder mehr in ihre Kraft kommt, sich für ihre Kinder einsetzt und eine mutige und selbstlose Entscheidung trifft.
Dazu ein Zitat aus dem Buch:
“Ich bin Angrboda Eisenhexe”, dachte sie. Die Alte. Mutter Hexe, die jene Wölfe gebar, die Sonne und Mond jagen. Ehemalige Gattin von Loki und Mutter sowohl der Gebieterin der Toten als auch der beiden Kreaturen des Chaos, die vom Schicksal dazu bestimmt sind, Verderben über eben die Wesen zu bringen, die unser Leben ruiniert haben. Ich kann das aus eigener Kraft schaffen.“ (S. 303)
Insgesamt ist es ein durchaus interessantes Buch, das mir eine mir bisher unbekannte nordische Mythologie nähergebracht hat und weitgehend unterhaltsam zum Lesen war. Gerade weil ich es als deutlich schwächer empfinde als das darauffolgende Buch der Autorin („Sisters in Blood“) zeigt es mir aber auch ihre Entwicklung und insgesamt ihr Talent, alte Mythologie auf unkoventionelle Art und Weise neu zu interpretieren.
Wer die Autorin noch nicht kennt, dem empfehle ich aber dennoch für den Einstieg eher „Sisters in Blood“, das über alle Stärken dieses Buches verfügt, in dem die erwähnten Schwächen aber nicht mehr vorkommen. Auf weitere Bücher dieser Autorin bin ich gespannt.
Rezensionen von C. P.:
HEN NA E - Seltsame Bilder von Uketsu
Sketch Mystery - ein Krimi mit in Bildern versteckten Hinweisen
Dieser Roman ist in Episoden aufgeteilt, die auf eine zunächst nicht erkennbare Weise miteinander in Verbindung stehen. Zugleich bedient sich der Autor einem Genre, welches sich Sketch Mystery nennt. Die Idee hierhinter ist, dass Bilder und Skizzen verwendet werden, auf denen mit kriminalistischem Gespür nach und nach Hinweise gefunden werden, welche zur Lösung eines Falles beitragen.
Das Konzept ist mir bereits aus dem Manga-Bereich bekannt, hier kenne ich The Strange House von Uketsu (worauf der zweite Roman, Das seltsame Haus, basiert). In diesem Roman bekommt man unterschiedliche Fälle geboten, in denen Todesfälle aufgeklärt werden. Verschiedene Zeichnungen, Skizzen und Tabellen sind in den Text eingefügt, so dass man bildhaft vor Augen hat, worauf die Lösung jeweils aufbaut. Der Kniff hierbei ist, aufs Detail zu achten, wobei man verständlich erklärt bekommt, woran sich was erkennen lässt. Man wird also nicht mit irgendwelchen Zeichnungen allein gelassen. Der Stil ist dabei immer ein wenig distanziert statt stark ausgeschmückt, wie ich es bereits von anderen Romanen aus Fernost kenne. Das mag für einige vielleicht zunächst etwas ungewohnt wirken, hat dafür den Vorteil, dass wichtige Details nicht in einer Flut unwichtiger Ausschmückungen untergehen.
Die Fälle selbst sind ziemlich verzwickt, vor allem beim dritten Fall musste ich gedanklich die skrupellose Cleverness loben, die dahinter steckte. Zum Schluss schließt sich der Kreis, die Fälle ergeben ein großes Ganzes und das Kinderbild aus dem Prolog ergibt endlich einen Sinn.
Raffiniert konstruiert, bietet der Roman die Möglichkeit, mitzurätseln und über perfide Idee zu staunen. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.
Rezensionen von C. P.:
Fantastische Weihnachten in Snow Falls: Glut & Asche von Helen Rose Sky
Weitere Phoenix-Geheimnisse sorgen für Herzschmerz mit Happy End
Willkommen zurück in Snow Falls. Es ist rund ein Jahr her seit dem Band Feder&Flamme und Ryze plant bereits seine Hochzeit. Dafür wünscht er die Phoenixe Aden und Enya an seiner Seite, die sein Ziehvater zusammen mit ihm wie Geschwister aufgezogen hat. Warum zwischen Aden und Enya seit einiger Zeit Funkstille herrscht, obwohl sie früher ein Herz und eine Seele waren, ist Ryze nicht ganz klar, daher seine Hoffnung, die beiden rappeln sich für seine Hochzeit endlich mal wieder zusammen.
Dass romantische Gefühle zwischen den beiden stehen und deswegen alles so kompliziert machen, kann ja niemand ahnen. Auch nicht, ob das wirklich so gefährlich wäre, wie ihr Vater ihnen weisgemacht hat. Vielleicht weiß jemand in Snow Falls Rat?
Dies ist mein zweites Phoenix-Buch in Snow Falls und ich finde, es baut gekonnt auf dem ersten auf. Meine Sorge, es könnte sich etwas schräg lesen, wenn Geschwister sich ineinander verlieben hat sich nicht bestätigt, da bei den beiden Phoenixen... ach, zuviel will ich gar nicht verraten. Zwischendurch habe ich mich regelrecht über diesen Vater-Phoenix geärgert, der seinen Schützlingen, also Ryze, Enya und Aden, in vielen Dingen wohl nicht die ganze Wahrheit erzählen wollte. Ich finde jedenfalls, die beiden sind eine willkommene Bereicherung für Snow Falls und bin schon gespannt, welche Geheimnisse in Folge-Phoenix-Band gelöst werden.
Das Buch ist nach dem Adventskalender-Konzept aufgebaut: Wer mag, kann sich die 24 Kapitel des Romans zur Adventszeit auf jeden Tag aufteilen, oder man lässt sich von der Handlung so sehr mitreißen, dass man das Buch in einem Rutsch durchliest. Zudem gibt es weitere Bücher rund um Snow Falls, bei denen jeweils andere Charaktere im Mittelpunkt stehen. Die Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen.
Rezensionen von Kwinsu:
Noatun von William Heinesen
Das Buch: ein Land
Unwirtlich, lebensfeindlich und doch Heimat: das sind die Färöerinseln für ihre Einwohner und Einwohnerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Da sie in der Stadt keine Zukunft sehen, beschließt eine kleine Gruppe Menschen, in den vormals als "Dødmansdal" bekannten, entlegenen Landstreifen, den die neuen Einwohner*innen hoffnungsvoll "Noatun" nennen, Schiffsplatz - Sitz des Meeresgottes in der Nordischen Mythologie, um ihm eine positivere Konnotation zu verleihen, zu ziehen.
Doch gleich zu Beginn gibt es ein Unglück und die Menschen sind sich unsicher, ob ihr neuer Wohnort ein Überleben möglich macht. Schließlich ist es die Gemeinschaft, die sie doch an eine sicherere Zukunft glauben lässt.
Der färingische Autor William Heinesen lebte von 1900 bis 1991, Noatun war sein zweiter Roman, der 1938 erschien. Doch der Stil ist zeitlos, auf gewaltige Art und Weise veranschaulicht er uns das harsche Leben auf den Inseln im Atlantik, die Landschaft scheint - wie bei vielen nordischen Werken - die zentrale Rolle zu spielen, sie prägt das Überleben und die Menschen, gibt ihnen einen eigenen, rohen Charakter, wobei die Gemeinschaft immer im Mittelpunkt steht. Und vielleicht ist das auch, was den Roman von der Gegenwartsliteratur abgrenzt, denn nicht das Individuum steht im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Überleben.
Die Geschichte Noatuns wird in Form eines Kollektivromans erzählt - ein literarische Gattung, die ich bislang noch nicht bewusst kannte. Dabei stehen nicht einzelne Charaktere im Mittelpunkt, sondern immer wieder wechseln sich die Personen ab, über die erzählt wird. Wir kommen ihnen dabei niemals nah, die Sprache und der Umgang miteinander ist roh, aber trotzdem lässt sich auch Herzlichkeit und Wärme für die Gemeinschaft, füreinander herauskennen, sehr stark sogar. Erstaunlich offen und mitfühlig zeigen sie sich gegenüber Menschen, egal welche mutmaßlichen Fehler sie mitbringen: ob die Ehefrau, die sich aus ihrem ehelichen Korsett löst, oder der Verbrecher, dessen wahren Kern die Dorfgemeinschaft sieht, die Frau, die einer Geisteskrankheit anheim fällt oder der ausgenutzte Nichtsnutz, der trotzdem viel beizusteuern hat. Dass das nicht jedem gefällt und die Gemeinschaft mit erheblichen Widerstand von Außen rechnen muss, ist fast schon klar. Da wundert das Urteil der anderen nicht: "Es ist ein allzu hartes und armes Leben, ein solches Leben kann die Menschen nur hart und sonderbar machen und abgestumpft, [...], nicht wahr, sie werden anders als andere Menschen... anders als die guten alten Färinger, die unser Land aufgebaut und unsere Kultur bewahrt haben..." (S. 271) Doch die Unterstellung geht zu weit, denn Glaube und Tradition sind auch Werte, die die Noatuner prägen, sehr sogar - und trotzdem sind sie offen für das Anderssein, eine Stärke, die die Gemeinschaft nicht nur solidarischer, sondern auch für die Leser*innen anziehend macht.
Mein Fazit: Noatun ist ein wunderschöner Roman aus den späten 1930er Jahren, der Einblick gibt in die harsche Lebenswelt der Färöer Inseln, der uns aber auch zeigt, wie wichtig Gemeinschaft und Offenheit sind, um ein Überleben in der Wildheit der unberechenbaren Natur zu garantieren. Sprachlich bewegt er sich im typischen nordischen Stil, der uns viel Atmosphäre und Rohheit bietet und ist ein absoluter Lesegenuss für alle, die das zu schätzen wissen.
Rezensionen von Kwinsu:
Goldstrand von Katerina Poladjan
Der Film, den Eli niemals drehte
"Ich stellte das Drehbuch fertig, fand eine Produktionsfirma, und Berlusconi wurde als Steuerbetrüger verurteilt. Das Leben war voller Hoffnung" (S. 119)
Eli ist ein egozentrischer, schrulliger Kerl, knapp über 60, mutmaßlicher Erfolgsregisseur und sein Lebensmittelpunkt scheinen seine Besuche bei der "Dottoressa" zu sein.
Ihr erzählt er in fantastischen Bildern und nicht immer ganz glaubhaft seine Lebensgeschichte und seine persönlichen Qualen . Dabei nimmt er uns mit in eine bewegte Familiengeschichte: über seinen Großvater Lew, der mit seinen beiden Kindern Vera und Felix aus Moskau flieht, Vera geht dabei verloren und am bulgarischen, zukünftigen Goldstrand gelandet, will er die Hoffnung immer noch nicht aufgeben, seine Tochter doch noch zu finden. Während der Vater Lew ein karges Leben führt, verwirklicht Felix - Elis künftiger Vater - seinen Traum und wird Architekt, kehrt an den Goldstrand zurück, um ihm architektonisch zu Glanzzeiten zu verhelfen. Dort trifft er auf die Italienerin Francesca, die schließlich Elis Mutter wird. Doch da ein uneheliches Kind für deren Eltern eine Schande ist, muss Eli bei den Großeltern aufwachsen. So nimmt die erzählte Geschichte ihren Lauf und wird zu dem großen Film, den Eli niemals drehte.
Katerina Poladjan ist mit "Goldstrand" ein großartiger, sehr humoriger Roman gelungen, der einen absolut unzuverlässigen Erzähler vorweist und man so schließlich niemals weiß, was an Elis Erzählung Fantastik oder erzählerische Wirklichkeit ist. In nur knappen 160 Seiten packt die Autorin nicht nur eine bildgewaltige Szenerie, die sich tief im Gedächtnis absetzt, sondern unterschwellig auch eine zeitgeschichtliche Abhandlung vom östlichen Teil Europas bis Italien. Eli ist ein gnadenloser Blender, der sich selbst und seine Familiengeschichte groß macht. Zuerst habe ich ihm (oder vielmehr der Autorin), alles abgekauft, doch langsam und unauffällig, spitzt sich die Fantastik zu und man beginnt sich zu wundern. Höhepunkt in dieser Trügerei war für mich, als in den Therapiesitzungen mit der Dottoressa plötzlich Paolo auftaucht - und durch seine bloße Anwesenheit in den Verlauf der Therapiesitzungen eingreift. Eli wird plötzlich klein und zurückhalten und beginnt vielleicht, sich selbst zu reflektieren. So genau weiß man es aber nicht, genauso wenig, ob nun Halluzinationen, Vergesslichkeit oder bloß eine Verwunderung auftritt. Jedenfalls besinnt er sich nun mehr auf die Gegenwart, als die Vergangenheit und beginnt, sich mit seiner eigenen, gescheiterten Familie auseinanderzusetzen. Was aber niemals fehlen darf, ist der Glauben an den Film.
Die Autorin zeichnet den Charakter Elis so eindrücklich mit ihrer bildhaften Sprachkunst, dass man ihn trotz - oder vielleicht gerade aufgrund - etlicher Unzulänglichkeit einfach mögen muss. Generell ist ihr Schreibstil beeindruckend, denn er protzt nicht mit Schnörkeleien, sondern ist eingänglich und zugleich charakterstark. Die humorige Note, die im ganzen Roman an den Tag gelegt wird, wenn Eli von sich selbst spricht, ist wirklich witzig und trotzdem nimmt sie dem Protagonisten nichts an Ernsthaftigkeit, stellt ihn nicht bloß. Die Themen sind zeitgeschichtlich und politisch äußerst geschickt in die Geschichte verwoben, ohne dass sie zu sehr in den Vordergrund treten, was dem Buch eine zusätzliche Tiefe verleiht.
Mein Fazit: Goldstrand ist für mich definitiv eines meiner Lesehighlights im Jahr 2025. Wer ein humoriges, tiefgründiges und bildhaftes Buch, mit unterschwelligem zeitgeschichtlichen und politischen Kolorit mag, das zudem noch sehr eingänglich zu lesen ist, muss unbedingt zu diesem großartigen Roman greifen!
Rezensionen von C. P.:
Fantastische Weihnachten in Snow Falls: Feder & Flamme von Helen Rose Sky
Das brisante Geheimnis der Phoenix-Familie
Das Buch ist nach dem Adventskalender-Konzept aufgebaut: Wer mag, kann sich die 24 Kapitel des Romans zur Adventszeit auf jeden Tag aufteilen, oder man lässt sich von der Handlung so sehr mitreißen, dass man das Buch in einem Rutsch durchsuchtet (ich gehöre zur zweiten Sorte). Zudem gibt es weitere Bücher rund um Snow Falls, bei denen jeweils andere Charaktere im Mittelpunkt stehen.
Die Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen.
Alles beginnt damit, dass Ryze Solaris im tiefsten Schneegestöber den Weg ins Kanadische Snow Falls sucht. Hier erhofft er sich Antworten. Denn was kaum jemand weiß: Ryze ist ein Phönix. Was das genau bedeutet, erfährt man mit der Zeit. Was auch viele nicht wissen: Snow Falls ist in der Welt der Magischen Wesen als ganz besonderer Ort bekannt. Von all dem weiß die B&B-Besitzerin Ivy Bishop zunächst nichts, bei der Ryze sich einmietet. Was sie jedoch weiß: Obwohl der Fremde ziemlich eigensinnig ist, ist er zugleich verdammt heiß. Und auch Ryze ist von Ivys frech-fröhlicher Art schnell angetan. Doch zunächst hat er wichtigere Pläne. Glaubt er.
Snow Falls ist definitiv ein Ort, an welchem ich nicht das letzte Mal gewesen bin. Diese wunderschöne Kombination aus Schnee und Adventsstimmung, gepaart mit magischen Geheimnissen und einer Lovestory, die Schneemänner zum Schmelzen bringen könnte, konnte mich durch alle Kapitel hindurch überzeugen. Vor allem die Idee, welche hinter dem Phoenix steckt, ist einfach zauberhaft und erfrischend anders. Ein wunderschöner Adventskalender mit ganz viel Liebe und Zucker und nicht einer einzigen Kalorie.
Rezensionen von Kwinsu:
Drei Tage im Schnee von Ina Bhatter
Ein Lebensratgeber als Roman
Hannah will ihrem hektischen und durchgetakteten Leben entfliehen und bucht sich kurzerhand für ein verlängertes Wochenende eine Hütte am See. Dort lernt sie die kleine Sophie kennen, mit der sie viel Zeit verbringt, Schneeengel formt, ein Schneinhorn baut. Doch vor allem bringt das kleine Mädchen sie zum Nachdenken darüber, wie kasteiend sie ihr Leben verbringt.
Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, dachte ich, mich würde ein leichter Roman über eine schöne Begegnung erwarten, die die Protagonistin vielleicht etwas zum Umdenken über ihr hektisches Leben bringen würde. Tja, das tun die Begegnungen mit Sophie tatsächlich - allerdings anders als erwartet. Hannah reflektiert in den wenigen Tagen ALLES, was in ihrem Leben schief gelaufen ist oder es immer noch tut. Das kleine Mädchen Sophie ist dafür ihr Spiegel, mit einfachen Fragen aus Kindersicht bringt sie Hannahs Welt zum Wanken. Soweit so unkritisch. Allerdings ist für meinen Geschmack der Reflexionsprozess viel zu ratgeberisch überladen: Hannah hat eine Erkenntnis nach der anderen, weiß plötzlich, was sie ändern muss oder was falsch läuft, die paar Begegnungen scheinen ihr Leben komplett umzuwerfen. Die Geschichte rückt dabei vollkommen in den Hintergrund, wir verfolgen Hannahs Gedankengänge, ihre Erkenntnisse über ihre Unglücklichkeiten, die Zwänge, in denen sie sich - und vermutlich auch alle Leser*innen - tagtäglich befindet. Für mich persönlich ist das alles viel zu überkonstruiert, überladen und deshalb unglaubwürdig. Nicht, dass ich etwas gegen Texte hätte, die eine dazu bewegen, über das eigene Leben nachzudenken, aber ich bevorzuge dann eher unterschwelligere Hinweise. Bei diesem Buch hätte ich mir gewünscht, dass es als "Ratgeber-Roman" gekennzeichnet ist, dann hätte ich vermutlich nicht dazu gegriffen, da ich ehrlicherweise nichts mit Ratgebern anfangen kann (was mir dieses Buch auch wieder zeigte).
Am Schreibstil selbst ist nichts auszusetzen und ich bin überzeugt davon, dass das Buch sehr vielen Leser*innen helfen wird, ihr Leben zu überdenken, die die Art und Weise, wie das Buch mit allem Ratgeberpathos geschrieben ist, mögen. Die Geschichte selbst ist süß und unaufgeregt. Für mich war das es allerdings überhaupt nichts und darauf beziehen sich meine zwei Sterne.
Rezensionen von C. P.:
The Nightmare Before Kissmas von Sara Raasch
Hoher Fremdschäm-Faktor
Ich weiß gar nicht, wo ich bei diesem Buch anfangen soll. Die Idee an sich ist, dass die Feiertage in Form von Familien dargestellt werden, die aus dem Zauber dieser Feiertage ihr Magie ziehen, welche sie wiederum für diese Feiertage einsetzen können. Aus diesem Perpetuum Mobile hat die Autorin ein Problem generiert: Santa will unbedingt noch mehr Magie scheffeln, indem noch mehr Menschen an Weihnachten glauben, zur Not auch unter Zuhilfenahme von Billigspielzeug.
In dieses Familienunternehmen soll Coal einsteigen, Santas älterer Sohn und zugleich Ich-Erzähler. Von diesen Erwartungen völlig überfordert flüchtet der Kindskopf sich in Streiche und freche Sprüche, lässt sein Studium schleifen und muss von seinem Bruder Kris regelrecht zu anstehenden Terminen geschleift werden. Als dritte in der Clique kommt Osterprinzessin Iris hinzu. Was sie betrifft hat Papa Santa sich nun in den Kopf gesetzt, Coal und Iris sollten eine Zweckehe eingehen, damit Santa die Magie der Familie Ostern auch noch abzapfen kann. So weit, so irritierend.
Diese ganze Magie-aus-Freude Thematik wird leider nur mäßig erklärt, soll jedoch zugleich die Story signifikant vorantreiben, denn Santa soll hier als machtgieriger Santa glänzen, als der Böse, den die jungen Leute nun besiegen müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass der eh schon stark egozentrische und unreife Erzähler Coal sich in den Kopf gesetzt hat, in den Typen verliebt zu sein, den er vor zwei Jahren im Vollsuff hinter seiner Stammkneipe geküsst hat. Genau dieser Typ taucht nun als Hex, Prinz von Halloween wieder auf, um für die Medien als Rivale um die Gunst der Osterprinzessin einen Monat lang eine Show abzuliefern. Völlig hormongesteuert drehen sich fortan Coals Gedanken um Hex, dessen Aussehen und was er am liebsten alles mit ihm anstellen würde.
Das ganze Buch liest sich stark pubertär, einiges ist regelrecht zum Fremdschämen. Coal ist sehr ichbezogen, sehr auf Äusserlichkeiten fixiert und redet sich ein, in Hex verliebt zu sein. Der, nebenbei erwähnt, eher wie ein gefühlsbetonter Emo daherkommt.
Coal schwingt sich von Oberflächlichkeit zu Oberflächlichkeit, von Klischee zu Klischee, interessiert sich nicht für die Probleme seiner Freunde und wundert sich auch nicht mal darüber, dass sie ihm ihre Probleme gar nicht anvertrauen wollen. Und natürlich ist der naive Coal schlauer als alle lebenserfahrenen Familienoberhäupter der Feiertagsfamilien und glänzt am Schluss mit DER Idee. Die mich leider nicht so überzeugen konnte, wie es wohl angedacht war.
Mich hat das Lesen der Erzählung aus der Sicht eines lendengesteuerten jungen Typen arg angestrengt, die Handlungen waren oberflächlich, die expliziten Szenen waren leider überhaupt nicht reizvoll. Erschwerend kommt hinzu, dass mir Coal im Laufe des Romans immer unsympathischer wurde. Die versprochenen Tropes konnte ich auch im Buch wiederfinden: Enemies2Lovers? Coal und Hex waren nie Feinde, kommen nur aus unterschiedlichen Jahreszeiten-Familien. Grumpy&Sunshine? Hex ist nicht grumpy sondern feinfühlig, Coal kein Sunshine sondern ein Kindskopf voller Flachwitze. Slow Burn? Also dafür ging Coal ihm zu schnell an die Wäsche.
Für mich leider kein Lese-Highlight.











