Kunden em pfehlungen
Rezensionen von booklover3:
Plant Lady von Minyoung Kang
Eine feministische Story von Frauen, die endlich frei sein können
Das Buch hatte schon mein Interesse geweckt, als ich das Cover sah. Als ich anschließend den Klappentext und die Leseprobe las wollte ich unbedingt wissen wie es weiter geht. Ich habe es in ein paar Tagen verschlungen, weil ich einen guten Leseflow hatte.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen.
Es war ein Buch in dem Frauen Sicherheit gegeben wird und ihnen eine andere Frau hilft, auch wenn sie es selbst nicht können. Ein feministischer Beitrag dazu sich als Frau nicht alles von Männern bieten zu lassen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Die Protagonistin ist auch ein interessanter Charakter, wobei man immer mehr auch zu ihr als Person erfährt und auch mehr zu ihrer Vergangenheit.
Die Umsetzung des Buchs fand ich gut. Es war kurz, ein wenig unterschwellig und teilweise nicht sehr direkt, aber dennoch auf den Punkt gebracht. Das Nachwort der Autorin hat mir auch noch einen schönen Einblick gegeben, welche Ideen sie zu dem Buch hatte und welche Gedanken sie sich darüber gemacht hat.
Abschließend kann ich sagen, dass es ein tolles feministisches Buch war, das nicht zu langatmig gewesen ist. Also für jeden der das Gefühl hat in dieser Welt ein wenig unterzugehen und ein kurzes, aber einprägsames Buch lesen möchte.
Rezensionen von Anndlich:
Mit kalter Hand von Michael Tsokos
Dritter Fall für Dr. Sabine Yao!
Sabine Yao ermittelt in einem ungewöhnlichen Fall. In Lübars werden Pferde ermordet aufgefunden und der Profiler Milan Hasanović benötigt Yaos Expertise, um Verbindungen zwischen den toten Pferden zu ziehen und denjenigen zu finden, der es auf die wehrlosen Tiere abgesehen hat. Außerdem bekommt Yao Leichenteile von der Ermittlerin Monica Monti vorgelegt, anhand denen sie das oder die Opfer identifizieren soll.
Kann Yao entscheidende Hinweise finden, bevor der Täter erneut zuschlägt?
Mit kalter Hand ist der dritte Teil des Rechtsmedizin-Thrillers des Rechtsmediziners Dr. Michael Tsokos’. Dieser dreht sich um die Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao und kann grundsätzlich ohne Vorwissen der ersten Bände gelesen werden.
Wie seine Vorgänger überzeugt auch dieser Band nicht durch spannende, action- oder blutreiche Szenen, sondern über sehr detaillierte Beschreibungen und interessante Fakten aus der Rechtsmedizin. Aufgrund dieser detailtreuen Beschreibungen ist der Inhalt des Buchs nichts für Zartbesaitete, vor allem weil die Beschreibungen sehr authentisch sind, wirken sie doppelt!
Obwohl auch die vorherigen Bände bereits viel Informationen dargelegt haben, fand ich diesen Part in Mit kalter Hand noch präsenter. Es werden viele Fälle aufgemacht und die Bedeutung der Rechtsmedizin dargestellt. Man spürt einfach, dass der Autor vom Fach ist und sein Wissen gerne einfließen lässt. Ein Aspekt, der den Thriller/die Reihe für mich höchst interessant macht, obwohl die Spannung auf der Strecke bleibt.
Der Schreibstil ist angenehm und obwohl viel Wissen angewendet wird, hat man nicht das Gefühl von Fachausdrücken erschlagen zu werden. Der Autor schafft es, die Wissensübermittlungen sehr geschickt in die Story einzubauen, sodass sie authentisch und nicht deplatziert oder belehrend wirken. Durch Zeit und Ortsangaben ist zu Beginn eines Kapitels ist man stets mitten im Geschehen und kann den (geringen) Perpektivwechseln ohne Probleme folgen. Gedankengänge der entsprechenden Perspektive werden durch eine kursive Schreibweise verdeutlicht und erleichtern das Erkennen und Deuten.
Mit kalter Hand hat mich auf der Ebene der Rechtsmedizin wirklich wieder gut unterhalten. Mir fehlte allerdings etwas die Entwicklung der privaten Person Dr. Sabine Yao. Im Vergleich zu den Vorgängern hatte ich das Gefühl, dass es keine Atempause gab, in der Yao mir näher gebracht wurde und die Fälle nicht voll im Fokus lagen. Das hat mich möglicherweise vor allem deswegen gestört, weil ich die Fälle auch nicht so interessant fand (wie die der beiden Vorbände).
Dennoch habe ich das bekommen, was ich bei Tsokos Rechtsmedizin-Thrillern erwarte: einen authentischen und wissensbeladenen Thriller. Wer bei Thrillern jedoch auf Action, Ermittlungsarbeiten und die ganz große Spannung steht, der ist hier an der falschen Stelle.
Rezensionen von gabiliest:
Nachtschattengewächse von Jill Johnson
Gift
Mit “Nachtschattengewächse” hat die bekannte Autorin Jill Johnson einen etwas anderen Krimi geschrieben, in dem Giftpflanzen und ihre Gärtnerin eine Hauptrolle spielen. Schon das gelungene Hardcover stellt einige dieser oft wunderschönen Pflanzen vor, die durch ihre Eigenheiten bezaubern, aber auch den Tod bringen können.
Ich-Erzählerin und Hauptfigur ist Professorin Eustacia Rose, eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Pflanzentoxikologie. Wer sie allerdings am Anfang dieses Buches trifft, wird von ihrer skurrilen Persönlichkeit überrascht sein. Sie trägt die Anzüge ihres verstorbenen Vaters auf, züchtet in ihrem Dachgarten Giftpflanzen, aber beobachtet auch von dort mittels eines starken Teleskops ihre Nachbarn. Eine junge Frau hat es ihr besonders angetan, Eustacia verfolgt sie und versucht sie zu beschützen. Denn bei Psycho, so hat sie die junge Frau nach einer Giftpflanze getauft, gehen eigenartige Männer ein und aus. Doch dann scheint es, dass Psycho entführt wurde….
Der Roman braucht einige Zeit, bis sich die Geschichte entwickelt, und hier sind verwirrende Vorkommnisse an der Tagesordnung. Ist Psycho wirklich Simone, wie sie sich nennt? Wonach sucht sie und warum hat sie Professorin Rose in ihrem Dachgarten besucht? Ist Eustacia in Gefahr? Und wer sind die Männer, die die junge Frau bedrohen, schlagen und sie zur Gewalt auffordern? In ihrem Abscheu ihnen gegenüber hat Eustacia allen Männern die Namen von Giftpflanzen gegeben. Doch der Schlimmste von allen lebt mit Eustacias Jugendliebe zusammen, Mary, die jetzt im Rollstuhl sitzt. Doch woher kennt Simone Marys Sohn und welche Rolle spielt der heruntergekommene Künstler?
Als ein Mord geschieht, bei dem Gift im Spiel ist, steht Professorin Rose unter Verdacht, denn schon einmal hatte sie mit der Polizei zu tun und damals hat sie dieses Vorkommnis ihren Job gekostet.
Jill Johnson hat mit “Nachtschattengewächse” einen Kriminalroman vorgelegt, der die Lesenden teilweise überfordert. Wer sich eine stringente Krimihandlung erwartet hat, wird enttäuscht sein. Zu viele und zu undurchsichtige Figuren, die schemenhaft bleiben, kommen in ihrem Buch vor. Professorin Rose selbst bleibt eine Gestalt mit vielen Eigenheiten, die es für sie schwer machen, Empathie zu empfinden. Doch Liebe kennt sie bis zur Obsession, früher zu ihrer ersten Liebe Mary, jetzt zu Psycho, die vielleicht eine ganz Andere ist. Lesende, die Interesse an Giftpflanzen haben und vielleicht wissen möchten, was bei ihnen auf dem Fensterbrett oder im Garten so wächst,- gerne Blauer Eisenhut, Engelstrompete oder Eibe- finden hier durchaus gelungene botanische Erläuterungen.
Der Roman hat ein offenes Ende, einerseits versöhnlich, andererseits wird ein begangener Mord nicht abschließend aufgeklärt. Dieses Buch ist geeignet für Lesende, die sich eine Hauptfigur mit vielen speziellen Eigenarten wünschen und wissen, dass Rache ein süßes Gift ist.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Aufsteiger von Peter Huth
Treffende Parodie aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse in der sozialen Blase des Journalismus
Dramaturgisch spannend beginnt "Aufsteiger", der neue Roman von Peter Huth, mit einem Leichenfund und einem ermittelnden Kommissar. Doch wer die Leiche ist und wie sie zu Tode gekommen ist, das werden wir erst ganz am Ende erfahren. Schon jetzt wissen wir aber: es wird wohl um eine sich zuspitzende Dynamik gehen, die am Ende mindestens für eine Person gar nicht gut ausgeht.
Nach diesem Einstieg lernen wir Felix Licht kennen, der, wie er meint, kurz vor dem Höhepunkt seiner Karriere steht. Der jetzige Chefredakteur des Magazins, für das er seit Jahrzehnten als Journalist tätig ist, hat sich einen kritischen Faux-Pas geleistet. Und wer könnte ihm nachfolgen, wenn nicht Felix Licht? Das müsse doch die logische Konsequenz all seiner Anstrengungen und Verdienste sein, niemand kenne das Magazin so gut wie er, niemand beherrsche das journalistische Handwerk so gut wie er (ach, das grenzenlos überhöhte Selbstbewusstsein so mancher Männer!), und außerdem hat er es bewusst darauf angelegt, zum neuen Eigentümer eine nahe Verbindung aufzubauen. Nun also ist es so weit, die Position wird frei und Felix Licht hat auch schon einen Gesprächstermin beim Eigentümer, er sieht sich innerlich schon feiern und plant seinen Triumph.
Doch es kommt anders, statt ihm bekommt die bildschöne, kluge, junge Zoe Rauch die Position: Zoe, mit der ihn eine Geschichte von vor über zehn Jahren verbindet, als sie als blutjunge Volontärin kurz für das Magazin gearbeitet hat. Inzwischen ist sie zu einer Lichtgestalt des neuen Journalismus aufgestiegen und hat ein Buch veröffentlicht. Vor allem ist sie aber alles, was Felix Licht nicht ist: jung, weiblich und mit dunkler Hautfarbe. Insgesamt hoffen der Eigentümer und vor allem seine Frau, damit das Magazin neu und entsprechend dem aktuellen linkswoken Zeitgeist positionieren zu können. Für Felix Licht hingegen bricht eine Welt zusammen, er kann mit der Niederlage nicht umgehen, und auch privat geht es mit ihm bergab: nach einer Entgleisung im Beisein von Frau und Tochter muss er von Zuhause aus- und ins Hotel umziehen (um 300 Euro pro Nacht, man sieht hier den extrem privilegierten finanziellen und sozialen Hintergrund) und die Trennung steht bevor. Verzweifelt möchte er das Magazin auf Diskriminierung verklagen.
So viel zum bekannten Inhalt. Dieser hat mich schon in der Ankündigung neugierig auf dieses Buch gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. Auch wenn aus satirischen Gründen einiges auf die Spitze getrieben wurde: der aktuelle links-woke Zeitgeist wird mit diesem Buch passend porträtiert, genauso wie die manchmal verunglimpfend "alten weißen Männer" genannten älteren Herren, die sich so lange ihrer Positionen, Privilegien, Machtansprüche und dem, was ihnen vermeintlich zustehen würde, so sicher waren... bis sie von einer Welle des aktuellen Zeitgeistes überrollt und oft psychisch in den Abgrund getrieben werden. Jedenfalls nehmen sie selbst es als Abgrund wahr - realistisch betrachtet fallen sie finanziell und sozial oft sehr weich - viel weicher als all jene, die zu früheren Zeiten auch mit noch so viel Talent niemals eine Chance auf solche Positionen gehabt hätten - und haben immer noch ein bestens abgesichertes, privilegiertes Leben, doch das fragile Ego dieser Männer kann manchmal keinerlei Degradierung ertragen und hält sich noch lange verbissen an der vermeintlichen Ungerechtigkeit fest, ist oft nach Jahren noch verbittert und voll Hass.
Mein Mitleid mit diesen privilegierten Herren, für die es ein Leben lang nur beruflichen Aufstieg gegeben hat, hält sich persönlich sehr in Grenzen, denn selten habe ich von ihnen viel Mitgefühl gegenüber weniger Privilegierten erlebt, als sie selbst noch an der Macht waren. Und ich habe persönlich in meinem Berufsleben schon einige Demontagen dieser aus der Zeit gefallenen Gestalten durch selbstbewusste, junge Frauen, die plötzlich aufgrund ihrer Netzwerke und des veränderten Zeitgeistes mehr Gestaltungsmacht haben, erlebt.
Dieses Buch lässt keines der aktuellen Zeitgeistthemen aus: ob es um die Coronazeit und ihre Nachwirkungen geht, das Wiedererstarken konservativer Kräfte, die Klimakleber, gendergerechte Sprache, Transgenderthemen und vieles mehr - alles davon findet im Buch seinen Platz. Wer sich ein realistisch geschriebenes Buch erwartet, mag diese Häufung übertrieben finden, für eine satirisch-parodistische Überzeichnung der aktuellen Verhältnisse insbesondere in der links geprägten Blase des Journalismus finde ich das aber durchaus passend.
Das Buch liest sich sehr unterhaltsam und regt dabei an vielen Stellen zum Schmunzeln und Nachdenken an. Ich mochte auch, dass es für keine der Seiten klar Position bezieht, sondern die Vielfältigkeit der verschiedenen gesellschaftlichen Positionen und des damit verbundenen Handelns aufzeigt. Gerade, dass keine eindeutige Botschaft und Intention des Autors daraus ablesbar ist und über seine eigenen politischen Einstellungen spekuliert werden kann, macht für mich eine der Qualitäten des Buches aus. Ich kann es allen an den aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen interessierten Menschen sehr empfehlen. Ganz besonders eignet es sich auch für Leserunden und Diskussionsabende.
Rezensionen von Katzenmicha:
Apfelzeit am Deich von Frieda Lamberti
Altes Land,Land des Obstes und der Äpfel
Merle und ihr Bruder Paul sind Scheidungskinder.Als Merle zwölf war hat der Vater Hauke die Familie verlassen und eine neue gegründet.Auch hat er den Apfelhof im Alten Landverlassen.Sein Verhältnis zu seiner Mutter Grete ist auch nicht gut-er gibt ihr die Schuld am Tod seines Vaters.Merle und Paul gehen unterschiedlich mit der Trennung ihrer Eltern um.
Merle kann sich nicht binden,eine Affäre ja -aber nichts festes.Was Falk gerne ändern würde-er wünscht sich eine Familie.Merle bemerkt bei einem Besuch ihrer Großmutter das diese mit dem Hof alleine nicht mehr zurecht kommt und fast einen Endschluß und stößt auf ein Geheimnis…..
Die Autorin Frieda Lamberti hat einen fließenden und bildhaften Schreibstil.Durch ihre Beschreibung hatte ich das Gefühl im Alten Land bei den Obstbäumen zu stehen,die Familie -besonders Grete zu begleiten-sehr gerne 5 Sterne.
Rezensionen von Sichtbarer Benutzername:
Hustle von Julia Bähr
Rachegeschichten
Mir gefällt der Roman von Julia Bähr sehr gut. Die Protagonistin Leonie finde ich sehr sympathisch, auch, wenn sie ein illegales Hobby als Nebenverdienst hat. Sie übt für andere Menschen Rache aus an Personen, die ihnen das Herz gebrochen haben. Die Idee ist wirklich nett und es gibt scheinbar einen Bedarf an solchen anonym ausgeüben Racheplänen.
Leonie achtet darauf, daß sie nie Menschen dabei körperlich verletzt oder Existenzen zerstört - aber peinlich und unangenehm muss es natürlich trotzdem sein - und für ihre Auftraggeberinnen natürlich auch lustig. Ihr Nebenjob wechselt mit ihrem richtigen Job im Insektenarchiv eines Instituts ab - das sind Leonies langweilige Zeiten, in denen sie vor sich hin dümpelt. Ihr zweites Hobby sind Schleimpilze, die sie mit Menschen und der Gesellschaft vergleicht und diese Vergleiche sind nicht immer unverständlich. Alles in Allem ein sehr amüsantes Buch, wenn es auch einige Längen beinhaltet. Es ist aber richtig gut und flüssig geschrieben und die Kapitel sind kurz gehalten, so daß man das Buch recht schnell lesen kann.
Rezensionen von Daggy:
Das Feuer vergessen wir nicht von Sarah Jäger
Zarte Liebe und andere Probleme
Kennst du das, wenn du ein Buch schnell auslesen möchtest, weil es dich so interessiert, du dann aber traurig bist, dass es zu Ende ist. Du hättest gerne noch so viel erfahren wollen. Mir ging es mit diesem Buch so.
Ari lebt mit ihrer schwangeren Schwester und ihrer Mutter zusammen in einem Haus, in dem sich die Bewohner*innen als Freunde betrachten und sich auch so verhalten.
Mirjam und Milan kennt Ari schon ihr Leben lang und sie nennt sie kurz ihre MiMis. Die drei verbringen ihre Tage und manchmal auch ihre Nächte zusammen und kennen sich total gut.
Ari liest, um etwas Geld zu verdienen, in einem Altersheim vor. Dort trifft sie Flint, der hier aushilft. Die beiden verbindet etwas und es ist angenehm zu lesen, wie Ari dieses Zusammentreffen empfindet. Etwas Zartes wird sich entwickeln. Als die alte Frau Martin, die nie spricht, Ari Streichholzmädchen nennt, möchte Ari gerne verstehen, was sie damit gemeint hat. So erfährt sie von einem Streik, der vor 100 Jahren in einer englischen Streichholzfabrik stattfand. Und für sie taucht die Frage auf, was in 100 Jahren noch von ihr übrig sein wird.
Schnell war ich beim Lesen in den Zauber dieser jungen Liebe eingetaucht, aber auch die äußeren Umstände, die nicht so einfach waren, die ich aber durch den Zusammenhalt und die Freundschaft rund um Ari so angenehm empfunden habe. Das Ungeborene der Schwester wurde „das kleine Wesen“ genannt, daraus spricht die ganze Zärtlichkeit einer werdenden Tante. Die Berührung von Flints Hand so zart und forschend, die ein Kribbeln bei Ari auslöst, da kann ich beim Lesen die Schmetterlinge spüren.
Das etwas karge Cover passt hervorragend zur Geschichte, die zum Ende noch an Dramatik zunimmt. Ein Buch geschrieben für Jugendliche ein Coming-of-Age-Roman, wie es heute genannt wird. Ich kann aber auch allen Erwachsenen dieses Buch ans Herz legen.
Rezensionen von Morten:
Monstergott von Caroline Schmitt
Halleluja!
Gut möglich, dass Caroline Schmitts zweiter Roman auf ein kontroverses Echo stoßen wird, schreibt sie doch über Menschen in einer Freikirche. Zur Beruhigung all jener, die sich bereits mit Blasphemie-Plakaten auf dem Weg zum Verlag machen möchten: Glaube und Religion wird in „Monstergott“ nicht kritisiert – wohl aber diejenigen, die diese bigott ausleben und andere darunter leiden lassen.
Ben und Esther sind in ihren 20ern und seit Jahren in der Freikirche aktiv, deren Gründung ihre Eltern mitbegleitet haben. Der Pfarrer ist ein hipper Typ, der mit „Ostersonntag Mindset“-Cap und Elektroroller durch die Gegend düst und vor sich hinkumpelt. Neben ihren Jobs als Krankenpflegerin und Fluglotse sind die Geschwister Teil des Lobpreis-Teams, das die Gottesdienste musikalisch untermalt, ja, sogar aufwertet. Gleichzeitig haben sie zu kämpfen. Esther mit dem Pfarrer, Ben mit sich selbst. Und dann heiratet auch noch Esthers beste Freundin – und lädt Leute aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit ein.
Hatte schon ihr Debüt „Liebewesen“ großartig gezeichnete Figuren, legt Caroline Schmitt hier noch einmal eine Schippe drauf. Ausnahmslos alle Charaktere sind schlüssig, greifbar, bekannt. Man lernt sie zu lieben oder zu hassen, je nachdem welche Rolle sie in diesem Geflecht spielen.
Wie wunderbar Esther ausrastet, als sie ihre Jugendliebe wiedertrifft, Paul, der von jetzt auf gleich weg war. Und wie sie innerlich zusammenbricht, als sie den wahren Grund dafür erfährt.
Wie Ben hadert, mit sich und seiner nie ausgesprochenen, aber doch klar skizzierten sexuellen Orientierung, die doch scheinbar der Bibel widerspricht. Wie er Hilfe sucht und dabei doch nur erniedrigt wird, genötigt wird zu einer Konversationstherapie, die mehr Schein als sein ist und ihn in nur noch tiefere Depression stößt.
Wie der scheinbar sympathische Pfarrer Esther und Ben gleichermaßen manipuliert, welche Geheimnisse er selbst verbirgt und wie klein er wird, nachdem Esther Tacheles redet. Überhaupt, wie schlüssig sich die Figuren auf diesen nicht einmal 300 Seiten entwickeln, auf dieser Tour de Force im Namen des Herrn.
Ein ganz wunderbares Buch, das nicht nur Leute anspricht, die nicht (mehr) an Gott glauben, sondern auch von Christ:innen gelesen werden sollte. Denn es zeigt, wie sehr Menschen gleichzeitig an Gott glauben und denn von vermeintlich nächstenliebenden Gemeinschaften ausgegrenzt werden können. Dabei könnte es doch so einfach sein – mit etwas mehr Empathie, Weltoffenheit und Liebe. Halleluja!
Rezensionen von Gaby 2707:
Sissi. Das kaiserliche Kochbuch von Sebastian Kadas
Ein Genuss für Gaumen und Augen
Schon das Cover mit einem Bild von Kaiserin Sissy und Kaiser Franz-Joseph macht richtig Lust sich mit dem Buch und den Rezepten zu beschäftigen.
Das Inhaltsverzeichnis vermittelt einen kleinen Eindruck von dem, was da alles auf mich zu kommt.
Nachdem ich einen Einblick in das Osterreich-Ungarn der damaligen Zeit bekommen habe, lerne ich viele der Figuren und Menschen kennen, die ich aus den Sissy-Filmen kenne.
Dann geht es um Sissy – Romy Schneider und um Franz-Joseph – Karlheinz Böhm.
Nach einem Willkommen in Possenhofen in Bayern, dem damaligen Lebensmittelpunkt der späteren Kaiserin von Österreich, bekomme ich Rezepte der bayerischen Küche. Von Kaspressknödelsuppe über Böfflamott, Hüttenpilzpfanne und Pudding Bavaroise ist hier für jeden etwas Delikates dabei. Gefolgt von kulinarischen Gaumenfreuden aus Österreich und aus Ungarn, wobei auch Torten und Kuchen zum nachbacken dabei sind. Ein paar Grundrezepte fehlen ebenso nicht, wie ein Glossar und das Register der Rezepte am Ende des Buches. Jedes Rezept enthält eine Angabe zur Portion, zur Zubereitungszeit, den Zutaten und der Koch- bzw. Backanleitungen, die wirklich leicht von der Hand gehen. Dazu auf der rechten Seite jeweils ein Foto der 60 authentischen Gerichte, die mir das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.
Immer wieder bereichert durch wunderschöne Bilder und Zitate aus den Sissy-Filmen macht dieses außergewöhnliche Kochbuch insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck.
Eine wundervolle Ergänzung und ein Blickfang in jedem Kochbuchregal. Nicht nur für diejenigen, die die bayerische, österreichische oder ungarische Küche zu schätzen wissen.
Rezensionen von Shilo:
Kopflos von Ariana Harwicz
Wenn Liebe, Schmerz und Besessenheit sich vermischen
Schon mit den ersten Seiten baut sich eine Spannung auf, die sofort spürbar ist. Lisas Verzweiflung, ihre Kinder nur noch selten sehen zu dürfen, überträgt sich beim Lesen direkt und schafft eine bedrückende, zugleich traurige Atmosphäre. Besonders die Szene im Supermarkt, in der sie versucht, ihre fünfjährigen Zwillinge aus der Ferne zu beobachten, hat sich mir stark eingeprägt.
Schmerz, Sehnsucht und langsam aufkommende Besessenheit sind so intensiv beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst mitten in dieser Situation zu stehen.
Ariana Harwicz erzählt stürmisch und eindringlich von einer Mutter, deren Liebe und Trauer sie an die Grenzen ihrer selbst bringen. Es wird deutlich, wie schnell Menschen über sich hinausgehen oder Dinge tun können, die sie vorher für unmöglich gehalten hätten. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen, in denen Lisa Orte aus ihrer Vergangenheit aufsucht: die Brücke, an der einst Streit und Leidenschaft aufeinandertrafen, das Landhaus der Schwiegerfamilie, die Erinnerungen, die wieder hochkommen.
Die Sprache ist klar, intensiv und manchmal schon schmerzhaft direkt, genau das macht die Geschichte so besonders. Das Buch ließ sich kaum zur Seite legen, so stark hat es mitgerissen. Es ist ein Roman über Leidenschaft, Schmerz und menschliche Abgründe, der noch lange nachhallt.
Vier Sterne, weil die Geschichte emotional sehr mitgenommen hat, die sprachliche Intensität beeindruckend ist, manche Kapitel aber schwer zu verdauen waren. Ein außergewöhnliches Buch über Mutterschaft, Grenzen und die zerstörerische Kraft von Gefühlen.











