Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PeWie:
Rabenthron von Rebecca Gablé
Dänen und Angelsachsen
England im 11. Jahrhundert. Für uns heute eine schreckliche Zeit, grausame Überfälle, drakonische Strafen, die meisten Menschen Freiwild. Die Angelsachsen leiden unter den Überfällen der Wikinger, sie haben einen schwachen König der nichts tut um seine Untergebenen zu schützen, wie es eigentlich seine Aufgabe ist.
In zweiter Ehe mit Emma aus der Normandie verheiratet, die er nicht als Partnerin ansieht sondern als Zuchtstute betrachtet. Sie ist eine starke Frau die am liebsten die Zügel selbst in die Hand nehmen würde. Aber als Frau wird sie von niemanden anerkannt. Etwas Respekt bekommt sie von ihrem zweitältesten Stiefsohn Edmund. Sie selber hat mit dem König drei Kinder. Als sie zur Flucht in die Normandie gezwungen wird, stehen ihr die fiktiven Personen Ælfric ein junger Engländer, Hakon der Däne und Eilmer ein Mönch zur Seite. Die drei werden über Jahrzehnte ihre treuesten Begleiter und Ratgeber, Sie begleiten sie ungeachtet eigener Familie und Aufgaben ins Exil und zurück, sie beschützen ihre Kinder und stehen stets loyal zu ihr.
Die Autorin vermittelt leicht die komplizierten Herschafts- und Verwandschaftsverhältnisse der damaligen Zeit. Sie beschreibt das Leben und die Gefahren in den Dörfern und Städten in diesen unruhigen Zeiten. Die widersprüchlichen Entscheidungen der Herschenden entsprechen oft nicht der Gerechtigkeit sondern der eigenen Vorstellung vom Königsein und der politischen Notwendigkeit. Das sind die historischen Tatsachen.
Dazu gehört die fiktive Geschichte von Ælfric, seiner Familie und seinen Freunden. Ælfric ist eine besondere Figur, er entspricht nicht unbedingt den Zeitgeist. Er ist mitfühlend, überlegend in seinen Entscheidungen, am wichtigsten ist aber seine loyale Einstellung, denn er hängt nicht sein Mäntelchen in den Wind. Auch wenn es schwierig ist, gar gefährlich, er geht den steinigen Weg und gibt diese Einstellung auch an seine Kinder weiter..
Schade war an diesem spannenden starken Roman, das die Frauen in Ælfrics Umfeld zu kurz kamen, außer die historische Emma waren sie nur Nebenfiguren..
Es ist der dritte Band der Helmsby Reihe, sollte aber der Chronologie wegen als Erstes gelesen werden, dann das "Zweite Königreich" und abschließend "Hiobs Brüder"..
Man kann natürlich jedes Buch unabhängig als Einzelband lesen. Sie sind spannend, sehr gut recherchiert und bringen dem Leser auf unterhaltsame Art das englische Mittelalter nahe. Es geht in der Reihenfolge einfach darum das die Angelsachsen und Dänen vor den Normannen kamen..
Rezensionen von readpassion9:
Die Farbe des Schattens von Susanne Tägder
atmosphärischer Krimi
Im zweiten Teil der Reihe "Die Farbe des Schattens" ermittelt Hauptkommissar Arno Groth im Fall eines vermissten Jungen. Schauplatz Mecklenburg, der kleine Ort Wechtershagen. Matti Beck sollte am späten Nachmittag Brot kaufen, doch er kommt nicht wieder zurück. Der Elfjährige bleibt verschwunden, in der Kaufhalle, wo er Brot kaufen sollte, ist er nie aufgetaucht.
Seine Eltern sind in Sorge, die Ungewissheit, was mit Matti passiert ist, belastet. Hatte er einen Unfall? Die Suche nach ihm bleibt ergebnislos, bis Mattis Leiche gefunden wird. Matti wurde ermordet. Groth muss den Mörder finden und stößt auf einen alten Fall, der nie gelöst wurde. Hat der Killer schon einmal zugeschlagen?
Ich habe Arno Groths ersten Fall verschlungen und auch der zweite Teil hat mich überzeugt. Mir gefällt die Retro-Atmosphäre in der Zeit nach dem Mauerfall, eine Zeit, die für die Menschen belastend war, alles war im Umbruch. Groth, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft gibt alles, um den Mörder von Matti zu finden. Der atmosphärische Schreibstil und die kantigen Protagonisten machen die Handlung authentisch. Der Krimi verläuft eher ruhig, etwas mehr Spannung wäre schön gewesen.
Fazit: Gelungener zweiter Teil der Reihe
Rezensionen von PeWie:
Rabenthron von Rebecca Gablé
Dänen und Angelsachsen
England im 11. Jahrhundert. Für uns heute eine schreckliche Zeit, grausame Überfälle, drakonische Strafen, die meisten Menschen Freiwild. Die Angelsachsen leiden unter den Überfällen der Wikinger, sie haben einen schwachen König der nichts tut um seine Untergebenen zu schützen, wie es eigentlich seine Aufgabe ist.
In zweiter Ehe mit Emma aus der Normandie verheiratet, die er nicht als Partnerin ansieht sondern als Zuchtstute betrachtet. Sie ist eine starke Frau die am liebsten die Zügel selbst in die Hand nehmen würde. Aber als Frau wird sie von niemanden anerkannt. Etwas Respekt bekommt sie von ihrem zweitältesten Stiefsohn Edmund. Sie selber hat mit dem König drei Kinder. Als sie zur Flucht in die Normandie gezwungen wird, stehen ihr die fiktiven Personen Ælfric ein junger Engländer, Hakon der Däne und Eilmer ein Mönch zur Seite. Die drei werden über Jahrzehnte ihre treuesten Begleiter und Ratgeber, Sie begleiten sie ungeachtet eigener Familie und Aufgaben ins Exil und zurück, sie beschützen ihre Kinder und stehen stets loyal zu ihr.
Die Autorin vermittelt leicht die komplizierten Herschafts- und Verwandschaftsverhältnisse der damaligen Zeit. Sie beschreibt das Leben und die Gefahren in den Dörfern und Städten in diesen unruhigen Zeiten. Die widersprüchlichen Entscheidungen der Herschenden entsprechen oft nicht der Gerechtigkeit sondern der eigenen Vorstellung vom Königsein und der politischen Notwendigkeit. Das sind die historischen Tatsachen.
Dazu gehört die fiktive Geschichte von Ælfric, seiner Familie und seinen Freunden. Ælfric ist eine besondere Figur, er entspricht nicht unbedingt den Zeitgeist. Er ist mitfühlend, überlegend in seinen Entscheidungen, am wichtigsten ist aber seine loyale Einstellung, denn er hängt nicht sein Mäntelchen in den Wind. Auch wenn es schwierig ist, gar gefährlich, er geht den steinigen Weg und gibt diese Einstellung auch an seine Kinder weiter..
Schade war an diesem spannenden starken Roman, das die Frauen in Ælfrics Umfeld zu kurz kamen, außer die historische Emma waren sie nur Nebenfiguren..
Es ist der dritte Band der Helmsby Reihe, sollte aber der Chronologie wegen als Erstes gelesen werden, dann das "Zweite Königreich" und abschließend "Hiobs Brüder"..
Man kann natürlich jedes Buch unabhängig als Einzelband lesen. Sie sind spannend, sehr gut recherchiert und bringen dem Leser auf unterhaltsame Art das englische Mittelalter nahe. Es geht in der Reihenfolge einfach darum das die Angelsachsen und Dänen vor den Normannen kamen..
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Das kleine Zuhause in Prag von Julie Caplin
Prag im Herbst
Im neuesten "Romantic Escapes"-Band geht es um Leo, den wir bereits in "Die kleine Villa in Italien" kennengelernt haben. Dort wurde er von seinem Bruder Ralph nicht wirklich verstanden, da Leo ziemlich lebensfreudig und neugierig ist und dadurch unzuverlässig wirkt.
Dies denkt auch Anna, Leos Ex-Frau, die genau wie er in Prag weilt, um während einem halben Jahr ein Praktikum in einer Brauerei zu absolvieren.
Sie ist überrascht ihn zu sehen, erst noch in der Wohnung, die sie für die Dauer des Praktikums teilen müssen. Ihrem aktuellen Freund Steve, der sie nach Prag begleitet hat, verschweigt sie allerdings, dass sie Leo bereits kennt. Und Leo spielt mit.
Schnell freundet er sich mit Nachbarn und seinen Mitarbeitern in der Brauerei an. Anna ist eifersüchtig, was sie aber nie zugeben würde, da sie Leo bereits wieder Dinge unterstellt, die er nie getan hat. Dabei ist er durchaus sensibel und treu.
Immerhin freunden sich beide mit ihren Nachbarn an: mit Michaela und Jan, einem jungen Paar, die unter ihnen wohnen und mit Ludmilla, die weise Frau hat gute Ratschläge parat.
Während Anna und Leo versuchen, sich aus dem Weg zu gehen und ihre Nachbarn sie trotzdem verkuppeln wollen, essen und trinken sich die beiden durch tschechische Spezialitäten und schauen sich das herbstliche Prag an, ein toller Schauplatz. Als Leserin kann man da durchaus mal Hunger bekommen. Biertrinker bekommen sicher auch Lust die einheimischen Biere auszuprobieren. Zum Glück gab es auch Weintipps, die mich mehr interessierten, da ich kein Bier trinke. Den Roman würde ich wohl nochmals lesen, wenn ich selbst vor Ort wäre und mir Prag anschauen würde.
Annas Verhalten ist manchmal speziell, und ich hätte sie mir zwischendurch mutiger gewünscht. Aber aufgrund ihrer Biographie versteht man ihr unsicheres Verhalten und ihre Vorurteile gegenüber Leo. Die zwei sind sehr gegensätzlich: Leo ist lustig und kommunikativ, sehr extrovertiert und Anna eher introvertiert, jemand der sich schnell verschliesst, aber sehr kreativ ist. Auch bei ihren beiden Chefs bestehen grosse Gegensätze, obwohl sie miteinander verwandt sind: der junge innovative Karel und sein traditionsbewusster Onkel Jakub. Die Praktikumsplätze wurden clever zugeschanzt, obwohl ich gerne gesehen hätte, ob Anna bei Karel ein anderes Bier gebraut hätte. Mir gefiel nicht nur die Entwicklung der zwei Protas, sondern auch jene von Karel und Jakub und besonders, wie der mit dem Praktikum verbundene Wettbewerb am Ende entschieden wurde.
Auch mit diesem Band lässt uns Julie Caplin mit ihren Protagonisten auf eine Reise gehen und sie entführt uns hier einige schöne Lesestunden nach Prag. Im empfehle, diesen Band im Herbst zu lesen, weil er zu dieser Jahreszeit spielt und viele saisonale Gerichte gekocht, gegessen und probiert werden. Und auch wenn sich auf den ersten Blick der Titel mit dem "Zuhause" ein wenig anders anhört als bisher, er ist treffend.
Fazit: Eine schöne und gefühlsbetonte Story, die den Herbst versüsst.
4 Sterne.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Die echtere Wirklichkeit von Raphaela Edelbauer
Irritierend und realitätsauflösend
In einer anderen Rezension zu einem Roman von Raphaela Edelbauer hatte ich die Österreicherin, die bereits mehrfach für den Deutschen Buchpreis nominiert war und den Österreichischen Buchpreis gewonnen hat, als „Literarisches Genie“ bezeichnet.
Dementsprechend gespannt war ich natürlich auf ihren neuen Roman.
Und dementsprechend war ich mental auf eine fordernde Lektüre eingestellt.
Denn die Romane von Edelbauer kann ich quasi nicht im herkömmlichen Sinn lesen und verstehen. Ich durchlebe sie in einem Rausch traumhafter Verwirrung und Desorientierung.
Auch bei „Die echtere Wirklichkeit“ habe ich wieder das Gefühl permanenter intellektueller Überforderung. Ihr neuer Roman ist hochgradig philosophisch, gesellschaftskritisch und stellt die aktuellen Fragen unserer Zeit.
Ihre Protagonistin heißt Byproxy oder bürgerlich Petra, und ist eine junge Frau, die im Rollstuhl sitzt. Natürlich wählt Edelbauer nicht irgendwelche Namen, sondern alles hat Bedeutung. Und manchmal eben auch nicht.
Byproxy hat sich einer philosophischen Aktivismusgruppe angeschlossen, die aus dem Untergrund agiert und eine klare Agenda hat.
„Aletheia - das bedeutet auf Altgriechisch Wahrheit, es ist aber auch der Name einer mythologischen Person, der Göttin der Wirklichkeit, der Tochter des Zeus. Dieser Name ist Programm. Wir sind eine Gruppe, der der Verlust der Wahrheit in der Gesellschaft, der das Zeitalter der post-truth, wie man heute sagt, ein Dorn im Auge ist.“
Der Gegensatz von Wahrheit und Meinung, der in heute immer mehr verschwimmt, ist der zentrale Diskussionspunkt in Edelbauers Roman, und das philosophische und agitative Hauptanliegen von Aletheia.
Allerdings ist sich die Gruppe selbst nicht einig, ob sie ihre Ziele durch Kunstaktionen, Aktivismus oder Terrorismus erreichen will. Aufmerksamkeit oder Disruption?
Bis Byproxy zu der Gruppe stößt und sie auf die dilettantische Lächerlichkeit und Wirkungslosigkeit ihrer bisherigen Aktionen aufmerksam macht.
Die Figur Byproxy gefällt mir ausgesprochen gut. Edelbauer legt sie als Mensch mit Alexithymie an (sorry, aber wenn du Fremdwörter scheust, sind Edelbauers Romane nichts für dich).
„Man nennt einen Menschen, der wahlweise die Gefühlslagen, die in ihm herrschen, nicht benennen kann oder die Identifikation derselben durch eine allgemeine Dunkelheit verunmöglicht sieht, alexithym.“
Durch Byproxys dissoziatives Verhältnis zur sogenannten »normalen emotionalen Reaktion kommt Edelbauers trockener und zynischer Humor bestens zur Geltung.
Neben der politischen und gesellschaftlichen Ebene des Romans gibt es noch eine persönliche Ebene mit der Geschichte von Byproxy (und natürlich hängt alles mit allem zusammen).
In Rückblicken erzählt sie die bis in die Kindheit zurückreichende Beziehungsgeschichte zu Dorothee, die dann bei dem Autounfall, der der Grund für Byproxys Wirbelsäulenverletzung war, gestorben ist.
Diese Liebesgeschichte hat mir sehr gut gefallen und mir die mesmerisierenden
Edelbauer-Vibes gegeben, die bei mir rund um den Aletheia-Erzählstrang nicht aufkommen wollten. Gerade die theoretischen Philosophierereien der Gruppe waren mir doch zu ausufernd und anstrengend.
„DAVE“ und „Das flüssige Land“ waren da in meiner Erinnerung tendenziell weniger langatmig, wenn auch gleichermaßen irritierend und realitätsauflösend.
Definitiv schreibt Edelbauer für eine intellektuell exklusive Leserschaft, ich möchte aber betonen, dass eine vollständige Durchdringung ihrer Texte gar nicht unbedingt notwendig ist und die Romane vielleicht auch gar nicht so konzeptioniert sind. Vielmehr gelingt es Edelbauer durch ihren einzigartigen Stil bei mir unbekannte Denkräume aufzustoßen und mich für einen Moment mental aufs nächste Level zu heben. Ich fühle mich dann kurz frei von Logik, chronologischen Abläufen und Realitäten. Ich fühle mich kurz schwerelos.
Rezensionen von Katja K.:
Grand Hotel Avalon von Maggie Stiefvater
Luxus und Menschlichkeit in Zeiten des Krieges
Vorab: Dieses Buch ist nicht mit den bekannten Jugend-Fantasy-Romanen der Autorin (Nach dem Sommer, Raven Boys, Dreamer) zu vergleichen. Stattdessen handelt es sich hier um einen alleinstehenden literarischen Roman für Erwachsene, in dem fantastische Elemente (die magischen Quellen) nicht so sehr im Vordergrund stehen und zudem, zumindest meiner Interpretation nach, starken Symbolcharakter haben.
Die Geschichte ist insgesamt sehr viel ruhiger erzählt, auch wenn es um hoch brisante und explosive Ereignisse geht. Ich war sehr neugierig auf diesen Roman und wurde nicht enttäuscht. Meiner Meinung nach ist Maggie Stiefvater eine begnadete Geschichtenerzählerin und ihr Schreibstil ist auch hier lebendig, klug und charmant. Die Charaktere werden liebevoll und differenziert ausgearbeitet, es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Besonders June, die charismatische, selbstbewusste und raffinierte Hoteldirektorin und der Dreh- und Angelpunkt des Avalon, habe ich direkt ins Herz geschlossen. Die fiktive Geschichte beruht auf sorgfältigen historischen Recherchen. Nach Pearl Harbor stellte sich in den USA die Frage, was mit den feindlichen Diplomaten geschehen sollte. Mir war neu, dass Diplomaten-Delegationen der Achsenmächte unter Betreuung durch das FBI schlussendlich vorübergehend in amerikanischen (Luxus-)Hotels interniert wurden, bis ihre Rückführung im Gegenzug für von den Feinden festgehaltene amerikanische Diplomaten verhandelt wurde. Maggie Stiefvater verarbeitet dieses heikle Kapitel der Weltgeschichte in einer spannenden, lehrreichen und berührenden Geschichte über die damit einhergehenden Herausforderungen für die Hotelangestellten, das FBI und die Gefangenen selbst. Wie bedient man als amerikanisches Luxushotel den deutschen, italienischen oder japanischen Feind? Wie geht man damit um, dass man nicht weiß, ob das Gegenüber möglicherweise ein Nazi ist? Die Stimmung im Hotel kippt immer mehr ("das Wasser schlägt um") und die zunächst sehr rigide und pragmatische June sieht sich gezwungen, ihre bislang erfolgreiche Haltung zum Führen eines Luxushotels und auch ihre eigene Identität neu zu überdenken. Die Liebe spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Generell wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei mir besonders gefallen hat, dass wir auch an den Beobachtungen eines deutschen autistischen Mädchens teilhaben dürfen, das im weiteren Verlauf noch eine größere Rolle spielt. Hier wird dann auch noch deutlicher, warum das Buch im Englischen "The Listeners" heißt. Fazit: Maggie Stiefvater ist es gelungen, ein historisch relevantes Ereignis nicht nur plausibel und spannend darzustellen, sondern dank der liebenswerten Charaktere und dem Charme des Luxushotels auch mit einer gewissen Leichtigkeit auszustatten, ohne die Schrecken des dritten Reichs und des Kriegs außen vor zu lassen. Ich hatte das Gefühl, durch die Geschichte von June und dem Avalon ganz sanft und charmant zum Nachdenken angeregt zu werden; über die tatsächlich stattgefundenen historischen Ereignisse, heikle politische Schachzüge, ethische Fragen und persönliche Dilemmata in Krisensituationen.
Rezensionen von yellowdog:
Zeit ihres Lebens von Ulrike Ulrich
Zwei Monate in Paris
Ulrike Ulrich hat eine Art gefunden, ihre Geschichte zu erzählen. Sie lässt ihre Hauptfigur Liane Steffen, eine 60zigjährige Schriftstellerin, in einen Dialog mit einer verstorbenen Freundin treten.
Schauplatz ist Paris, 2021, die Zeit der Pandemie. Corona überlagert die Handlung teilweise.
Es ist ein reflektierendes Buch, dass die Zeit ihres Lebens versucht zu beschreiben.
Ulrike Ulrich macht das sensibel.
Besonders interessant fand ich die Abschnitte, in denen es um das Schreiben an sich geht. Schließlich ist nicht nur Liane Schriftstellern sondern auch ihre verstorben Freundin war eine, und auch ihr neuer Freund Carmine. Dann entdeckt Liane auch noch eine vergessene Schriftstellerin des 19.Jahrhunderts,
Die Literatur, Bücher, Autoren und das Schreiben sind tief in der Handlung verwurzelt.
Das Buch schließt, als Lianes Aufenthalt in Paris endet.
Der Roman verfügt über eine sprachliche Dichte und die Autorin hat einen überzeugenden Ton gefunden.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Katabasis von R. F. Kuang
Das Leben muss man aktiv betreiben
Rebecca F. Kuang ist als eine Autorin bekannt, die außergewöhnliche und bemerkenswerte Bücher verfasst. Werke, die aus der Masse der Neuveröffentlichungen herausstechen, im Gedächtnis bleiben und herkömmliche Schreibkonventionen und Genregrenzen überwinden. Das macht sie so besonders, aber durchaus auch anspruchsvoll zum Lesen.
Das war schon bei „Babel“ und „Yellowface“ so, den beiden mir vor der Lektüre von „Katabasis“ bekannten Werken dieser Autorin. Schon für „Babel“ galt: es ist nur vordergründig ein fantastischer historischer Roman, dahinter liegt ganz viel Kolonialismus- und Rassismuskritik, Wissensvermittlung im Bereich Linguistik und vieles mehr. Die Bücher der Autorin sind also sehr tiefgründig und man braucht Zeit und Energie, um sich wirklich darauf einzulassen.
Das gilt noch einmal mehr für „Katabasis“. An dieser Stelle schon mal eine Warnung: wer sich aufgrund der Kurzbeschreibung eine unterhaltsame, vergnügliche, leicht und schnell zu lesende Fantasyreise durch die Hölle erwartet, der halte bitte inne und schaue sich dieses Buch genau an, lese auch hinein! Denn nein, genau darum handelt es sich hier nicht.
Ja, das Buch spielt in der Hölle und es weist einige Fantasy-Elemente auf, insbesondere die verwendete Magie. Doch selbst diese ist in einen äußerst wissenschaftlichen Kontext eingebettet und unterliegt genauen Regeln. Typische Leserinnen und Leser von Fantasyromanen, die um anspruchsvolle Literatur und Sachbücher normalerweise einen weiten Bogen machen und sich nicht für Philosophie und Wissenschaft interessieren, werden mit diesem Werk wohl keine große Freude haben.
Das eigentliche Hauptthema dieses Buches, wie ich es verstehe, ist eine beißend-sarkastische Kritik an all den Missständen im universitären Betrieb, auch an Elite-Unis: an der extremen Ausbeutung von Doktorandinnen und Doktoranden, an sexuellen Übergriffen, Manipulation und Machtmissbrauch, am Schüren von Konkurrenzdenken zwischen den Studierenden und am Wecken falscher Hoffnungen, wenn man sich nur genug anstrengen würde sowie an der einseitigen Fokussierung nur auf das Geistig-Intellektuelle, während all das, was sonst noch das Leben ausmacht, zu kurz kommt. Wer selbst den universitären Betrieb näher kennen gelernt und kritisch zu hinterfragen begonnen hat, wird so einiges wiedererkennen.
So reisen unsere zwei Helden Alice und Peter – die zwei besten Studierenden des verunglückten Magiers und ihres Doktorvaters Jacob Grimes – zwar in die Hölle, um diesen zu retten. Doch die Hölle gleicht in vielem einem Zerrbild des akademischen Betriebs, hat ganz viel mit diesem zu tun und ist an ihn angelehnt. Auch wenn Alice und Peter sich über 90 Prozent des Buches tatsächlich in der Hölle aufhalten – innerlich und auch in dem, was ihnen gespiegelt wird, haben sie Cambridge niemals wirklich verlassen.
Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass auch in den verschiedenen Höllenkreisen studiert und geforscht wird oder Dissertationen verfasst werden, nicht nur, aber zu einem großen Teil. Zusätzlich gibt es natürlich auch noch klassische Bösewichte, die unseren Helden nach dem Leben und der Seele trachten, diverse Monster und den Fluss Lethe, der alle Erinnerungen auszulöschen droht… vor allem aber ganz viel Kargheit und Einsamkeit, auch das wohl wieder ein Spiegel des so auf die geistige Sphäre reduzierten Lebens der Promovierenden in Cambridge (die Autorin arbeitet selbst gerade an ihrer Promotion an einer Eliteuni).
Die Kapitel, in denen die aktuelle Handlung des Reisens durch die verschiedenen Höllenkreise Stolz, Wollust, Gier, Zorn usw. voranschreitet, werden immer wieder von sehr theoretischen philosophischen Rückblicken auf die Studierendenzeit in Cambridge, die Anwendung akademischer Magie und die Missstände im akademischen Bereich unterbrochen. Das setzt die Bereitschaft der Lesenden voraus, sich auf umfangreiche philosophische und theoretische Exkurse einzulassen, um das Interesse am Buch nicht zu verlieren.
Mit den Figuren im Buch warm zu werden hat bei mir auch einiges an Zeit gebraucht, insbesondere bei Alice, die zumindest anfangs sehr selbstbezogen und nur auf ihre akademische Karriere bedacht wirkt. Anfangs erscheinen die beiden als intellektuell-verknöcherte, ihren unsympathischen und ausbeuterischen Professor völlig unkritisch verehrende Gestalten, doch machen beide, und noch einmal mehr Alice, im Laufe des Buches eine enorme Entwicklung und Emanzipation durch. Es ist aber nur ein Buch für Menschen, die bereit sind, sich auf erst einmal nicht sonderlich sympathische Charaktere einzulassen.
Inhaltlich steckt enorm viel Weisheit und Tiefe in dem Buch. Doch es war an vielen Stellen hart und sperrig zu lesen und ich hatte zwischendurch immer wieder den Impuls, es beiseite zu legen und ich würde für die Lektüre mehrere Wochen und begleitende Diskussionen mit Mitlesenden empfehlen, um die Motivation aufrechtzuerhalten, dranzubleiben.
Wie schon erwähnt, ist es definitiv keine einfache Unterhaltungslektüre, sondern ein Buch, das die Lesenden auf vielen Ebenen fordert. Wer sich darauf einlässt, wird schlussendlich aber doch mit einer jedenfalls im Rückblick interessanten Geschichte, viel Stoff zum Nachdenken und Hinterfragen und tiefgründigen philosophischen Gedanken belohnt. Es ist ein Buch, aus dem ich mir so einige Zitate rausgeschrieben habe und das noch länger bei mir emotional und intellektuell nachwirken wird:
"Im Kern ging es bei Magie nicht um komplizierte Mathematik oder Logik oder Linguistik, sondern darum, dass man daran glaubte. Durch den Glauben entfaltete ein Zauber seine Wirkung. Es war gar keine Frage der Algorithmen, sondern der Selbsttäuschung. Man musste genug Beweise sammeln, um sich selbst davon zu überzeugen, dass die Welt anders sein konnte, und solange man sich selbst belügen konnte, galt das auch für den Rest der Welt.“ (S. 156/157)
„Man könnte sagen, Karma verhält sich wie ein Same. Aus Samen wachsen Früchte. Karma ist eine natürliche Konsequenz. Das Schlechte sammelt sich an. Es beeinflusst, wie du lebst und die Welt wahrnimmst. Wenn du Böses tust, betrachtest du die Welt als engherzig und selbstsüchtig und grausam. Und in der Hölle erlebst du einfach nur die endgültige Konsequenz deiner ursprünglichen Bösartigkeit.“ (S. 340)
„Wenn ich sterbe, sterbe ich“, sagte Alice. „Aber anders ist das Leben nicht zu haben, glaube ich. Das Leben muss man aktiv betreiben. Man muss darum kämpfen. Sonst ist es gar kein Leben. Darum geht es. Sonst ist es nur ein Impuls. Und wir haben beide gemerkt, dass das nicht reicht.“ (S. 563)
„Da fiel ihr alles wieder ein. Das süße dunkle Gras, das Rauschen der Baumkronen, Rotkehlchen, die in ihre Nester hüpften. Stakhölzer, die ins Wasser tauchten, Fahrradreifen auf Kopfsteinpflaster. So viele Details, die sie jeden Abend beim Vorübergehen ignoriert hatte, gefangen in ihrem eigenen Schädel. Jetzt schien alles zu lebhaft, um echt zu sein; eine Projektion, ein Lichtspiel. Die Welt war so voller Dinge!“ (S. 650)
Ich empfehle das Buch ausdrücklich jenen buchinteressierten Menschen, die nicht nur hauptsächlich zur Unterhaltung lesen, sondern an intellektuell anstrengender Denkarbeit, vielen neuen Impulsen und persönlicher Weiterentwicklung interessiert sind. Für jene, die bereit sind, die damit verbundene Arbeit und Anstrengung auf sich zu nehmen, ist es ein lohnendes, interessantes und außergewöhnliches Werk.
Rezensionen von youngreaders:
Herzlauschen von Nicole Swidler; Uli T. Swidler
Wunderschön!
Vorab: Ich bin sehr begeistert von diesem Buch der ruhigen Töne. Gerne würde ich die Meinung von gehörlosen zu diesem Buch erfahren und ob die beschriebene "Welt der Gehörlosen" halbwegs realistisch dargestellt wurde. In den Danksagungen schreiben Nicole und Uli Swidler, dass sie sich vorab mit Gehörlosen, CODAs (hörende Kinder von Gehörlosen) und Gebärdenlehrern ausgetauscht haben - insofern gehe ich jetzt einfach davon aus, dass neben dem fiktiven Aspekt des Romans viel Auseinandersetzung mit dem Thema steckt.
Nun aber zu dem Buch - es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es wird aus zweierlei Perspektiven erzählt, Einmal gibt es da Tessa, eine Starsopranistin, die sich zwar auf der Bühne wohlfühlt, aber im echten Leben weitgehend vereinsamt (abgesehen von ihrem Manager und Babette, mit der sie aber auch keine echte Freundschaft zulässt) und auf der anderen Seite Paul, ein gehörloser Künstler, der ein Jahr lang (nach dem Tod seiner Frau) zurückgezogen hat aus seinem eigentlichen Beruf (und dafür Lehrer für Kunst an einer gehörlosenschule geworden ist) und auch aus seiner Wohnung (und nun i n einem Hausboot lebt). Diese zwei Welten treffen aufeinander, werden zu einer Welt und wir erleben eine ganz besondere Liebesgeschichte auf eine ganz besondere Weise. Wunderschön!
Rezensionen von MeinSohnPrinzAndreas:
Rabenthron von Rebecca Gablé
gelungener historischer Roman aus dem angelsächsischen England
Das England im frühen 11. Jahrhundert ist geprägt durch politische instabilität unter der Herrschaft Æthelred des Unberatenen und den beständigen Überfällen dänischer Invasoren. In dieser Zeit macht sich Ælfric of Helmsby zusammen mit seinem Sohn und einen dänischen Gefangenen auf den Weg in die Hauptstadt des angelsächsischen Englands.
Unterwegs machen sie bekanntschaft mit dem wissensbegierigem Mönch Eilmer of Malmesbury und eine langanhaltende Freundschaft entsteht. Dabei geraten unsere Helden schnell in den inneren Kreis des Hofes und finden sich schnell zwischen politischen Ränkespielen wieder.
Zeitlich schließt der Roman nahe vor "Das Zweite Königreich", dem ersten Band der Helmsby-Reihe an. Allerdings lässt sich Rabenthron gut lesen, ohne dass man die anderen beiden Romane aus der Reihe gelesen haben muss.
Schnell habe ich auch hier wieder in den Schreibstil Gablés hineingefunden, flott und raumgreifend wird die Geschichte erzählt, und die Seiten sind bei mir nur so dahingeflogen. Auch die Atmosphäre für Umgebung in räumlichen und historischen Sinn wurde wieder sehr gut getroffen und man hat wirklich das Gefühl, an den histroischen Schauplätzen mitdabei gewesen zu sein. Was dieses Mal aber hinter meinen Erwartungen zurückblieb war die Ausbildung der einzelnen Charaktere. Nach Klappentext und den ersten Kapiteln habe ich mir erwartet, dass wir mit Ælfric, Hakon und Eilmer drei gleichwertige Hauptcharaktere haben, zwischen denen in der Geschichte die Perspektiven hin und herwechseln. Allerdings blieb uns die Autorin dies schuldig. Der Fokus liegt deutlich auf Ælfric und später dann auf seinem Sohn Penda, den wir schon als kleinen Jungen zu Beginn des Buches kennenlernen. Bruder Eilmer taucht in den späteren Kapiteln des Buches hin und wieder mal auf, spielt allerdings keine wirklich tragende Rolle und auch Hakon - der zwar mehr auftritt als Eimer - blieb deutlich unter meinen Erwartungen. Nicht nur, was den Anteil an der Handlung anbelangt, sondern viel mehr auch die Charakterentwicklung. Hakon und andere auch, bleiben den ganzen Roman über nur sehr schwer greifbar für mich. Andere Figuren widerum wurden ihrer Rolle entsprechend in guter Art und Weise Gablés gezeichnet und dargestellt. Aber so muss ich leider sagen, dass der Roman ohne Hakon und Eilmer nicht sehr viel schlechter funktioniert hätte. Das Potential für intensive Zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte zwischen den drei jungen Männern mit doch sehr unterschiedlichem Hintergrund wurde leider nicht angetastet, obwohl es mitunter eines der Themen war, auf das ich mich zu Beginn des Romanes am meisten gefreut hatte. Auch muss ich sagen, dass mir im vergleich zu anderen Roman der Autorin unser Hauptprotagonist Ælfric weniger symathisch war. Er ist nicht unsympathisch, aber er macht durch gewisse Dummheiten und Wesenszüge auf mich doch einen bisschen stark naiven Eindruck.
Was Rebecca Gablé aber ohne Zweifel wieder sehr gut gelungen ist, ist es die historischen Gegebenheiten und das Leben am Hof spannend aufzubereiten. Nach diesem Roman weiß glaube ich jeder darüber Bescheid, was es mit den letzten Königen vor der normannischen Eroberung Englands auf sich hatte. Wir erleben - zwar mit vielen Zeitsprüngen - die Herrschaften von 5 englischen Königen mit und finden uns immer wieder mit dabei bei wichtigen Einzelereignissen. Besonders Augenmerkt wird von der Autorin auf Königin Emma, die uns den ganzen Roman über begleitet und ihren Sohn Prinz Edward, den späteren Eduard der Bekenner, gelegt. DSas ist der Autorin auch hier wieder sehr gut gelungen, diese nahbar zu machen und ihnen ein stark menschliches Antlitz zu geben. Auch wenn wir es nicht wissen, ich kaufe es der Autorin ab, dass die beschriebenen historischen Persönlichkeiten wirklich so drauf waren.
Auch wenn die Kritik hart wirken mag, ist der Roman immer noch außerordentlich spannend und unbedingt lesenswert. Als jemand, der beinahe alle Bücher der Autorin gelesen hat, komme ich nicht umhin, Rabenthron in seiner Umsetzung mit diesen zu vergleichen. Und dabei schneidet dieser Roman für mich persönlich einfach in einigen Aspekten schlechter ab. Dennoch kann ich den Roman wirklich jedem ans Herz legen und ich hatte sehr viele spannende Stunden damit.









