Kunden em pfehlungen
Rezensionen von rosetheline :
Gym von Verena Keßler
Wahnsinn im reinsten Sinne des Wortes
In Verena Kesslers Buch "Gym" geht es um eine namenlose Protagonistin, die obwohl sie vorher in einem guten Bürojob gearbeitet hat, nun dringend nach einem neuen Job sucht. Was für ein Job ist ihr dabei erstmal egal und so findet sie eine Anstellung im MEGA Gym, welches von dem selbsternannten Feministen Ferhat geleitet wird.
Schnell gewöhnt sich die namenlose Protagonistin an ihren neuen Job hinterm Tresen, doch fühlt sie sich nicht ganz zugehörig, denn so durchtrainiert wie die meisten ist sie eben nicht. Als einzigen Ausweg sieht sie die Erfindung einer Lüge: Sie hat erst vor Kurzem ein Kind geboren. Ferhat bietet ihr daraufhin an, einen Trainingsplan für sie zu erstellen, der für sie als neue Mama genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Diesen befolgt sie anfangs auch, doch reicht ihr dieser nicht aus...
Kessler hat in diesem Roman mehrere Themen aufgegriffen, die vor allem auch in der heutigen Zeit mehr Beachtung finden: Fitnesswahn, Leistungsdruck, Vergleiche, Konkurrenz. Hinzu kommt der Deckmantel des Mutterseins. Denn wer, wenn keine frischgebackene Mutter hat die Erlaubnis "nicht in Form" zu sein?
Neben der Haupthandlung erfährt man als Leser*in zudem noch in Bruchstücken warum die Protagonistin nicht mehr in ihrem vorherigen Job arbeitet und was das alles mit ihrer Entwicklung im MEGA Gym zu tun hat.
Mir hat das Buch gut gefallen. Ich hätte mir dennoch etwas mehr zur Vorgeschichte gewünscht und auch das Ende war nicht ganz ausgefertigt. Darüber hinaus fand ich, dass die Lüge der Protagonistin viel zu einfach aufgenommen wurde und nicht genug Personen kritisch darauf reagiert haben. Daher vergebe ich 3,5 Sterne.
Rezensionen von clematis:
Als uns die Hoffnung am Leben hielt von Henriette Küpper
Grubenubglück
Lengede ist Bergbau, alle Männer arbeiten unter Tag, so soll auch Harald endlich erstmals als Kumpel einfahren, obwohl der Großvater einst unten geblieben und der Vater später schwer verletzt worden ist. Dem jungen Mann bleibt aber keine andere Wahl, will er nicht mit der Familientradition brechen.
Zum Glück ist auch Marius, sein bester Freund seit Kindertagen, in derselben Partie dabei, wenn es mit dem engen Gitterkorb in die Tiefe geht. Just an diesem Herbsttag passiert ein Unglück.
Auf außerordentlich beeindruckende Weise packt Autorin Henriette Küppers eine wahre Begebenheit in einen atemberaubenden Roman. Tatsächlich hat sich im niedersächsischen Lengede am 24. Oktober 1963 ein Grubenunglück ereignet, aus dem Klärteich 12 haben riesige Wasser- und Schlammmassen die Grube Mathilde geflutet. Wie in der Realität kämpfen auch die Männer aus dem Buch ums Überleben, suchen Halt an Grubenstempeln, klettern auf Erzhaufen, um sich vor dem steigenden Wasser zu schützen oder suchen Zuflucht in einem „Alten Mann“, einem stillgelegten Stollen, den man unter anderen Umständen niemals betreten hätte. Die unvorstellbaren Zustände in den finsteren Stollen schildert Küpper hervorragend, Angst und Hoffnung, Verzweiflung und Zuversicht wechseln einander ab, die Kameraden unterstützen einander so gut es in dieser Situation möglich ist. Die Beklemmung springt durch die fesselnde Schreibweise schnell auf den Leser über, wobei sich jede Stunde, jeder Tag in der Realität genau so abgespielt haben könnte.
Neben den Ereignissen im Bergwerk ist aber auch an der Oberfläche einiges los und wie die beiden „Außenseiter“, eine junge Reporterin und ein italienischer Truppführer der Bergemannschaft ins Geschehen eingebunden werden, ist einfach nur fabelhaft. Jede einzelne Figur in diesem Roman ist derart lebendig dargestellt, dass man sich nicht als Zuseher fühlt, sondern als kleines Rädchen mittendrinnen zwischen eingeschlossenen Bergarbeitern und emsigen Helfern, zwischen bangenden Familienmitgliedern und aufgeregten Reportern.
Die Gratwanderung zwischen realitätsgetreuer Fassung und spannendem Roman ist mehr als gelungen, stets bleiben die Schilderungen eher ruhig und genau deshalb auch so bewegend, dass man sich kaum abwenden kann. Insbesondere Ingos Schicksal unter Tage hat mich sehr berührt, aber auch alle weiteren Methoden, auf Hilfe zu hoffen und zu warten, sind beindruckend. Nicht nur über technische Ausrüstung und Bergegerät erfährt man viel Interessantes, sondern auch über die menschliche Stärke, unter schier ausweglosen Bedingungen die Hoffnung aufrechtzuhalten.
Als uns die Hoffnung am Leben hielt ist ein brillanter Roman, der einen da und dort den Atem anhalten lässt, der sich sehr nahe am realen Vorbild des Grubenunglücks von Lengede orientiert und gleichzeitig ausgezeichnete Romanelemente in die Geschichte einbindet. Überaus beeindruckend!
Rezensionen von gerlisch:
Heart of Night and Fire von Nisha J. Tuli
Verbotene Magie
Die 20jährige Zarya wächst abgeschieden auf und wird von Row bewacht und zum Kämpfen ausgebildet, doch warum darf sie ihre Magie nicht einsetzen? Eines Tages gelingt ihr die Flucht und sie landet in der Stadt Dharati, deren Bewohner sich Nacht für Nacht gegen Dämonenangriffe wehren muss. Zarya schließt sich den Verteidigern an und begibt sich in tödliche Gefahr.
Die Welt, inspiriert von südasiatischer Mythologie, ist reich an mystischen Kreaturen und verbotenen Kräften. Die Aazheri, die Dämonenjäger, und die Elemantarmagie verleihen der Geschichte eine exotische Tiefe. Bei den vielen ungewöhnlichen Namen und Begriffen hatte ich meine Schwierigkeiten, sie haben mich oft aus dem Lesefluss gebracht.
Die Charaktere sind zwar vielschichtig und wurden von der Autorin gut gezeichnet, allerdings fehlte es mir hier emotional an Tiefgang, ich fand keinen richtigen Zugang zu ihnen.
Zarya ist eine Heldin zwischen Licht und Schatten, ihre Unsicherheit und ihr Wille die Wahrheit ans Licht zu bringen, machen sie greifbar und sympathisch. Immer wieder spürt man regelrecht ihre Einsamkeit und Verwirrtheit, weil ihre Herkunft ein Geheimnis ist. Mein Lieblingscharakter ist allerdings Yasen, seine grummelige Art, die aber nach und nach zeigt, dass er das Herz am rechten Fleck hat, hat mir besonders gefallen.
Heart of Night and Fire ist ein interessanter Auftakt einer neuen Romantasy-Reihe mit düsteren Geheimnissen und komplexen Beziehungen. Wer die beliebten Tropes „Sow Burn, Enemies to Lovers und Grumpy and Sunshine mag, wird hier fündig.
Rezensionen von Daggy:
Jede Flut vergeht einmal von Lara Braun
Wenn die Angst uns die Luft nimmt
Auf dem Cover sehen wir die kleine Katze Luna, sie lebt fröhlich mit ihrer Menschenfamilie und liebt es im Zimmer der kleinen Tochter zu schlafen. Aber wenn dann die Dunkelheit ihr Angst macht, hat sie das Gefühl zu ertrinken. Im Zimmer steigt das Wasser immer höher und Luna ist froh, als es endlich hell wird.
Der Vogel Berti hat Lunas Angst und das Wasser gesehen und da er selbst weiß, wie sich Angst anfühlt, schlägt er vor Luna zu helfen. Die beiden machen sich auf in den Wald und dank Berits Hilfe übersteht Luna die Dunkelheit der Nacht.
Angststörungen gibt es in unserer Gesellschaft immer öfter und meist können die anderen sie nicht nachvollziehen. Hier hat Luna eine sehr verständnisvollen Freund in Berti, der ihr praktische Tipps gibt und der bei ihr bleibt und sie unterstützt. So einen Freund brauchen wir alle und dieses Buch kann sowohl den „Angstkatzen“ als auch den Helfenden zeigen, wie man mit einer solchen Situation umgehen kann und dass wir nicht die einzigen sind, denen es so geht. Das steigende Wasser und die Angst der Katze sind sehr schön in den Illustrationen dargestellt, der Text ist etwas länger, aber gut zu verstehen. Hier werden ängstliche Kinder liebevoll begleitet und getröstet.
Rezensionen von Daggy:
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 von Susanne Abel
Zu Herzen gehend
Das Heimkind mit der Nummer 104 spricht nicht und wird schnell als dumm und zurückgeblieben klassifiziert. Die Nonnen in dem Heim im Sauerland sind sehr streng mit ihren Zöglingen besonders eine Schwester fällt durch ihre brutale Art auf. Da wird geschlagen und kleinen Kinder werden in Dunkelhaft genommen, gedemütigt und durch Essensentzug bestraft.
Es soll nicht gesprochen werden und Gehorsam ist oberstes Gebot. Hartmut, wie 104 eigentlich genannt wurde, denn seinen Namen kennt man nicht, ist einsam und versteht viele Dinge nicht. Wie schön, dass Margret, ein älteres Mädchen ihn bei einem Gang zur Kirche an die Hand nimmt und ihn von da an beschützt so gut es ihr möglich ist. Leider verlieren sich die beiden dann und wir lernen sie dann viel später als Ehepaar kennen. Sie sind die Urgroßeltern von Emily, die bei ihnen wohnt, weil ihre Mutter Julia nicht genügend für sie sorgt, auch die Oma Sabine, die nicht Oma genannt werden will, kümmert sich nicht um das Kind. Margret, die die Familie immer zusammengehalten hat, versucht Emily zu erziehen, während ihre Mann sich sehr liebevoll um seine Raben und seine Enkelin kümmert.
Zum einen lies sich dieses Buch sehr gut lesen, sie verschiedensten Schauplätze wurden sehr gut geschildert und die Menschen wurden schnell zu lebendigen Wesen. Zum anderen waren manche Beschreibungen schwer zu ertragen. Aber leider beschreibt Susanne Abel die Realität, die viele Heimkinder ertragen mussten. Vielleicht geht die Geschichte deshalb so unter die Haut? Einiger der geschilderten Tatsachen gingen schon durch die Presse, aber hier eingebettet in eine Geschichte, in der noch in der viert Generation unter dem Geschehen gelitten wird, geht mir das Gelesene doch sehr nah und wird mich sicher noch einige Zeit bewegen.
Rezensionen von Daggy:
Bittere Nacht von Nikolas Kuhl; Stefan Sandrock
Winterliche Spannung
Juha und Lux sind ins LKA gewechselt und stehen nun vor ihrem ersten Mordfall. Zunächst wird die Leiche es Mannes aus dem Alsterkanal gefischt und noch ist nicht klar, ob es sich um einen Unfall handeln könnte. Als aber kurz darauf sein Geschäftspartner in einer Sauna, gefesselt mit Kabelbinder, gefunden wird, ist die Frage, geht es da um die gemeinsame Firma, die mit Bitcoins handelt oder haben die Morde private Gründe? Schon bald lernen die Kommissare ehemalige Studienkolleg*innen der beiden kennen.
Besonders fragwürdig sind zwei Schwestern, deren Lebensweg sehr unterschiedlich verlief.
Neben den Ermittlungen erfahren wir einiges über die private Situation der beiden Polizisten. Auch da gibt es in der Vergangenheit so einiges, was nicht aufgearbeitet wurde. So ist der Finne Juha als Kind im Eis eingebrochen und wurde von seinem Opa gerettet.
Besonders sympathisch sind mir die Protagonisten nicht und eigentlich gefällt es mir besser, wenn ich mich da ein wenig identifizieren kann. Das spannende Ende des Krimis spielt nachts am Wasser und ich muss zugeben, dass ich nicht alles nachvollziehen konnte, was da geschieht. Eine Geschichte in der die Vergangenheit, der Auslöser für die Taten ist und wo es für mich zu viel kompliziertes Privatleben gab.
Rezensionen von Claudia R.:
Der Laden in der Mondlichtgasse von Hiyoko Kurisu
liebevolle Impulse
Klappentext / Inhalt:
Willkommen in der magischen Confiserie, wo du genau das findest, was du brauchst!
Der heilsame Roman aus Japan erzählt in sechs herzerwärmenden zusammenhängenden Geschichten von Gefühlen, die uns verwundbar und gleichzeitig stark machen.
Die Mondlichtgasse ist ein geheimnisvoller Ort: Zwischen Vollmond und Neumond ist sie geöffnet und nur Menschen, deren Leben aus dem Gleichgewicht geraten sind, können sie betreten.
Wie die Schülerin Kana, die sich einsam fühlt und an ihrer Beziehung zweifelt, oder der Immobilienmakler Koguma, der glaubt, wegen seines Äußeren nicht ernst genommen zu werden. In der Confiserie verkauft ihnen der rätselhafte Kogetsu eine traditionelle japanische Süßigkeit, die scheinbar ihre Probleme löst. Anschließend beobachtet Kogetsu ungesehen, wie sich das Leben seiner Kunden zum Besseren verändert. Denn Kogetsu ist ein Fuchsgeist, der verstehen will, was es bedeutet, ein Mensch zu sein …
Der japanische Wohlfühlroman mit fantastischen Elementen und dem Zauber Japans
Hiyoko Kurisus heilsamer Feel-Good-Roman "Der Laden in der Mondlichtgasse" ist durchwoben von japanischen Mythen und Märchen. Der Fuchsgeist Kogetsu führt uns auf seine ganz eigene Weise durch Geschichten, die beim Lesen glücklich machen. Ein lebensweiser Roman für alle, die Satoshi Yagisawas Romane und die renommierten Filme des Studio Ghibli lieben.
Cover:
Das Cover ist stilvoll und passend umgesetzt. Ein kleiner Laden ist durch einfache Striche und einer sehr schönen Skizze angedeutet und auch einige andere Elemente sind hier skizzenhaft mit aufgenommen und eingebaut. Der Hintergrund gleicht dem Himmelblau und setzt so die weiten des Himmels sehr schön um. Optisch und farblich passend zur Thematik des Buches ist es sehr schön umgesetzt.
Meinung:
Eine niedliche und liebevolle Aneinanderreihung verschiedener Fabeln und Kurzgeschichten, dessen Gemeinsamkeit der Besuch der Confiserie ist. Eine Mischung aus kleinen Weisheiten mit märchenhaften Flair und japanischem Backround.
Die Idee dahinter finde ich sehr niedlich und auch toll. Die Geschichten sind jede für sich liebevoll umgesetzt. Einige Ansätze und Impulse wiederholen sich jedoch durchaus. Der Grundgedanke ist toll und um dem alltäglichen zu entfliehen und einfach etwas kurzweiliges zu genießen, ist dieses Büchlein genau richtig.
Inhaltlich möchte ich hier nicht zu viel verraten, ein Blick hinein lohnt sich.
Die Aufmachung ist sehr schön gemacht. Der Schreibstil ist einfach und teils auch recht simpel. Schnell findet man sich in die einzelnen Geschehnisse hinein. Im gesamten ist es schön umgesetzt. Für Zwischendurch auf jeden Fall ein kurzweiliger und angenehmer Genuss.
Die einzelnen Abschnitte und Kapitel sind gut erkennbar und die kleinen Illustrationen zu Beginn toll gewählt. Auch die Überschriften sind interessant, nach verschiedenen Speisen und Süßigkeiten gewählt und verraten dabei nicht zu viel.
Die Umsetzung ist niedlich gemacht, gespickt mit einigen tollen Impulsen und Weisheiten.
Fazit:
Eine Mischung aus kleinen Weisheiten und Impulsen mit märchenhaften und fabelähnlichem Flair.
Rezensionen von rosetheline :
Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann
Schreibprozess und Aufarbeitung
Mit "Die Ausweichschule" hat Kaleb Erdmann seinen zweiten Roman veröffentlicht. Hier schreibt der Autor autofiktional von dem Amoklauf am Gutenberg Gymnasium in Erfurt, der vor dreiundzwanzig Jahren, am 26.04.2002 stattfand und den Erdmann als elfjähriger Schüler selbst miterlebt hatte.
Anders, als ich erwartet hatte, geht es in dem Roman nicht unmittelbar um den Amoklauf oder das Geschehen danach, sondern wird vor allem aus der Sicht des fast Mitte dreißigjährigen Protagonisten erzählt.
Dabei besteht die Geschichte vor allem aus drei Handlungssträngen: Gespräche und Zusammenleben mit seiner Freundin Hatice, Gespräche und Treffen mit dem "Dramatiker", einem Mann, der den Amoklauf als Theaterstück inszeniert, sowie dem eigenen Denken und Handeln des Protagonisten.
Obwohl das Thema Amoklauf natürlich ein Thema des Buches ist, geht es vor allem viel um das sich zurück erinnern, darum, wie man so eine schlimme Tat (literarisch) richtig aufarbeiten kann/sollte/darf. Als Leser*in bekommt man dadurch schnell den Eindruck, dass man eigentlich eher den Schreibprozess des Autors und sein Leben drumherum mitbekommt und vergebens auf den fertigen Roman wartet.
Der Schreibstil des Autors ist dabei trotzdem gut zu lesen und hat mir gut gefallen.
Alles in Allem ist es ein Roman, der anders ist, als man erwarten würde. Ich habe ihn trotzdem gerne gelesen, auch, wenn ich finde, dass man viel viel mehr damit hätte machen können. Dabei ist mir bewusst, dass die Thematik schwer ist.
Rezensionen von rosetheline :
Hundesohn von Ozan Zakariya Keskinkiliç
Poesie versus Derbheit
Mit "Hundesohn" hat Ozan Zakariya Keskinkılıç seinen Debütroman im Suhrkamp Verlag veröffentlicht.
In dem Buch geht es um Zakariya, einem homosexuellen Deutschtürken, der in Berlin lebt und auf Grindr unterwegs ist, obwohl er immerzu an seine Jugendliebe Hassan denken muss, der weit weg in der Türkei lebt.
Doch geht es hier nicht um eine klassische Liebesgeschichte. Themen wie Herkunt, Identität und Sprache sind wichtige Elemente der Geschichte und es gibt viele Fragmente im Text, die in türkischer, aber auch anderen Sprachen vorkommen und nicht immer komplett übersetzt werden.
Passend hierzu kommt der wirklich poetische und bildhafte Schreibstil Keskinkılıçs dazu, der der Geschichte eine besondere Note gibt. So ist es auch kein Wunder, dass Keskinkılıç vorher Poesie geschrieben hat.
Doch wer nur poetische Sprache erwartet, der sei gewarnt. Schon auf der ersten Seite der Geschichte, kommt eine Derbheit zum Vorschein, die nicht für jede/n ist.
Mir persönlich hat die Leseprobe im Vorfeld sehr gefallen und ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das Ende des Buches hat mir nicht ganz so gut gefallen und auch einige Passagen im Text waren für mich eher langweilig. Dennoch muss ich die Sprache des Autors hervorheben und kann mir deshalb vorstellen seine Lyrikbände zu lesen. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne.
Rezensionen von rosetheline :
Lilianas unvergänglicher Sommer von Cristina Rivera Garza
Verlust der Schwester durch einen Femizid - Wer war Liliana?
Mexiko-Stadt, Juli 1990. Eine junge, zwanzigjährige Studentin wird von ihrem Ex-Freund ermordet. Ein Femizid zu einer Zeit und in einem Land, in dem dieses Thema noch stark unter den Teppich gekehrt wurde. Ein Mörder, der auch 29 Jahre später noch nicht gefasst wurde und immer noch irgendwo auf freiem Fuß ist.
Die Handlung klingt nach einem Kriminalroman, doch sie hat sich so im echten Leben zugetragen. Aber darum geht es nicht in diesem Buch, zumindest nicht so, wie es zu Beginn scheinen mag.
Cristina Rivera Garza hat mit diesem Buch die Geschichte ihrer Schwester Liliana aufgeschrieben. Sie zeichnet das Bild von Lilianas Jugendtagen bis hin ins junge Erwachsenenalter. Wer war Liliana? Und wer war sie für andere und andere für sie? Anhand von Briefen, Tagebucheinträgen, Gesprächen und Erinnerungen bekommt man als Leser*in einen Einblick in das Leben einer jungen Frau mit Stärken und Schwächen, einer Frau, die man kennen oder selbst sein könnte; einer Frau, die viel zu schnell gehen musste. Eine Frau, die in eine Beziehung geriet, die ihr im Nachhinein zum Verhängnis wurde, selbst nachdem diese schon lange vorbei war. Eine Frau die ermordet wurde und deren Fall kein faires Urteil erhielt.
Rivera Garza hat eine wichtige und herzzerreißende Geschichte über den Verlust eines geliebten Menschen geschrieben, aber darüber hinaus hat sie der Welt mit diesem Buch gezeigt, dass hinter jedem Femizid ein Mensch, eine Frau, mit ihrer eigenen Geschichte steckt. Daher vergebe ich 4,5 Sterne.











