Kunden em pfehlungen
Rezensionen von lesen=liebe:
Lasst uns reden von Lou Elvarsdóttir; Julia Dibbern
Wertvolle Tipps für den Umgang mit Konflikten
Lasst uns reden – Die Familienkonferenz – Wo Klein und Groß zusammenwachsen. Der Titel sagt schon aus, dass das Buch darauf abzielt, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, gemeinsame Nenner zu finden, sich auszureden, sich auszutauschen und ein respektvolles Miteinander zu fördern. Viele praxisnahe Beispiele geben einen guten Leitfaden, wie Konflikte gelöst werden können.
Die Sprache ist leicht verständlich und durchaus humorvoll. Die kleine Eule gibt immer wertvolle Tipps – die lese ich mir gerne durch. Der Teil mit den Arbeitsblättern ist sehr gut gelungen. Für mich haben sie aber eher weniger mit der Familienkonferenz selbst zu tun, sondern dienen eher dazu, sich selbst zu finden und zu stärken. Der Schutzkreis zum Beispiel ist eine schöne Möglichkeit, negative Schwingungen abprallen zu lassen – auch außerhalb der Familie. Wir werden das Tool der Familienkonferenz bzw. die im Bereich Arbeitsblätter beschriebenen Methoden zur Selbststärkung auf alle Fälle in unseren Alltag integrieren.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Der Buchladen am Ende der Welt von Ruth Shaw
Fesselnde und bewegende Lebensgeschichte
Die Neuseeländerin Ruth Shaw ist 70 Jahre alt, als sie beschließt, gemeinsam mit ihrem Mann Lance in Manapōuri im Süden des Landes zwei kleine, bunt bemalte Buchläden zu eröffnen. Diese sind immer von Ende September bis Mitte April geöffnet, der kleinere der beiden Läden enthält nur Kinderbücher.
Ruth führt sie mit viel Liebe und Herzlichkeit, sorgt dafür, dass ihre Kunden sich wohl fühlen und hat den Ehrgeiz, für jeden das richtige Buch zu finden.
In "Der Buchladen am Ende der Welt" erzählt die Autorin, deren Schreibtalent sich schon früh zeigte, die fesselnde und bewegende Geschichte ihres Lebens. Die 1946 Geborene verbringt gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Jill eine unbeschwerte Kindheit. Mit 16 Jahren schließt sie die Schule ab und wird stellvertretende Küchenchefin in einem Krankenhaus. Sie erleidet mehrere Schicksalsschläge, erlebt Gewalt, leidet zeitweise unter Depressionen und wird zunehmend rastloser. Immer wieder sieht sie sich nach neuen Beschäftigungen um und wird nirgends sesshaft. Zunächst geht sie als medizinische Assistentin zur Marine und arbeitet danach in den verschiedensten Berufen: als Köchin für einen Bischof, als Nachtschwester in einem Krankenhaus für Senioren. Später eröffnet sie ein Café, ist als Küchenhilfe, Krankenpflegerin, Bauzeichnerin, Haushüterin und Sozialarbeiterin tätig und geht auf abenteuerliche Segeltörns. Drei Ehen scheitern, ehe sie nach 20 Jahren ihre Jugendliebe Lance wiedersieht.
Die 28 Kapitel umfassende Geschichte ist abwechselnd in zwei Handlungssträngen erzählt. Während sich rückblickend Ruths Lebensgeschichte aufblättert, erzählt sie im zweiten Handlungsstrang unterhaltsame Episoden aus den Buchläden über interessante Begegnungen und Erlebnisse mit ihren Kunden.
Das Buch ist in klarer Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Ich habe es sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und zutiefst berührt. Mit großer Offenheit und ohne Selbstmitleid beschreibt Ruth Shaw die Höhen und Tiefen ihres Lebens, wir erleben ihren Schmerz und ihre Trauer. Immer wieder flieht sie vor ihren eigenen Emotionen und stürzt sich schnell in das nächste Abenteuer. Trotz aller Widrigkeiten geht sie entschlossen ihren Weg und schafft es, an der Seite ihrer großen Liebe ihren inneren Frieden wiederzufinden.
Sehr gut gefallen haben mir auch die Abschnitte mit den Geschichten aus dem Buchladen, in denen Ruth von schönen und besonderen Begegnungen mit ihren Kunden erzählt. Die Tätigkeit in ihren Buchläden bedeutet ihr sehr viel, sie hat ein großes Herz für ihre großen und kleinen Kunden und verschenkt fast genauso viele Bücher, wie sie verkauft.
Schön fand ich auch die Fotos in der Mitte des Buches, die einige Lebensstationen von Ruth dokumentieren.
Absolute Leseempfehlung für alle, die Bücher lieben und sich für faszinierende Lebensgeschichten interessieren!
Rezensionen von PMelittaM:
Das Verschwinden der Adèle Bedeau von Graeme Macrae Burnet
Mehr Psychogramm als Kriminalroman
Die Kellnerin Adéle Bedeau verschwindet eines Tages spurlos. Wurde sie ermordet? Oder wollte sie ihr Leben ändern?
Manfred Baumann war Stammgast in dem Lokal, in dem Adéle bediente. Er macht sich schon immer viele Gedanken, wie er sich verhalten soll, wie er Menschen begegnen soll, was er dem Polizisten, der ihn immer wieder über Adéles Verschwinden fragt, sagen soll.
Dieser Polizist ist Georges Gorski. Er ist in einer nicht gerade glücklichen Ehe gefangen, vertraut seinen Gefühlen und bleibt gerne an einer Sache dran. „Das Verschwinden der Adéle Bedeau“ ist der erste Band der Georges-Gorski-Trilogie, den zweiten Band „Der Unfall auf der A35“ habe ich bereits gelesen, der dritte Band scheint in Deutsch noch nicht erschienen zu sein.
Manfred und Georges stehen im Mittelpunkt der Geschichte, aus ihrer beider Perspektiven wird erzählt, und als Leser:in kommt man schnell ins Grübeln, nicht nur darüber, wo Adéle sein könnte. Die Geschichte ist in der Vergangenheit im Elsass angesiedelt. Ein genaues Jahr wird nicht angegeben, aber es gibt zum Beispiel noch Kassettenrecorder. Die Geschichte geht vom aktuellen Geschehen aus noch weiter in die Vergangenheit der beiden Protagonisten.
Für mich sind die Romane des Autors besonders, weil sie immer mehr Psychogramm als Kriminalroman sind. Man taucht tief in die Gedankenwelt der beiden Männer ein, Adéle ist tatsächlich nur eine Nebenfigur. Vor allem Manfred ist psychologisch interessant, und so macht man sich von Anfang an Gedanken über ihn. Inwieweit diese am Ende recht behalten? Ich sage nur soviel, dass ich das Ende stimmig finde, und meine Gedanken hin und wieder schon in diese Richtung gegangen sind.
Burnets Romane sind besonders, weniger Kriminalroman als Psychogramme, für mich macht sie das erst recht interessant. Wer so etwas auch mag, sollte unbedingt zugreifen.
Rezensionen von begine:
Blinde Geister von Lina Schwenk
Ein Leben
Lina Schwenk lässt den Roman,
Blinde Geister, einen Familiengeschichte zwischen 1950er bis in die Gegenwart teilnehmen.
Sie lässt Olivia ihr Leben erzählen und die Ängste, die durch ihren Vater geschürt wurden. Es ist die Angst,, das die Russen einfallen könnten.
Ich bin im ähnlichen Alter wie Olivia, aber Gott sei Dank, haben meine Eltern mir keine Angst gemacht.
Auch meine Freundinnen und Verwandten mussten das nicht erleben.
Olivia lassen ihre Ängste dann auch nicht los und hat dann immer auch Angst um ihre Tochter.
Dieser vielschichtige Roman, ist ein Stück Zeitgeschichte Deutschlands.
Die Autorin hat ihn gefühlvoll gestaltet. Das Buch liest sich gut und ich kann es empfehlen.
Rezensionen von begine:
Die Kollaborateure von Katrina Tuvera
Manila über viele Jahre.
Der Wagenbach Verlag verlegt immer anspruchsvolle Literatur.
Die Philippinische Schriftstellerin Katrina Tuvera schreibt ihren Roman, Die Kollaborateure, mit großer Prosa.
Es ist der erste Roman, der Autorin, der auf deutsch übersetzt wurde.
Sie zeigt als Hauptpersonen Carlos und Renata durch die Jahre flanieren.
Carlos beteiligt sich in der Politik, versteht es öfter die Parteien zu wechseln.
Die politischen Situationen werden gut erzählt. Die Geschichte des Paares wird nicht chronologisch dargestellt.
Es gibt noch ein Nachwort von Annette Hug, in dem die Geschichte der Philippinen genau erzählt.
Dieser Roman ist besonders aufschlussreich und unbedingt lesenswert.
Rezensionen von peedee:
Das kleine Bücherschiff 1 - Roman von Tessa Hansen
Nett für zwischendurch
Das kleine Bücherschiff, Band 1: Die Freundinnen Miri und Katja erfüllen sich endlich ihren Traum der eigenen Buchhandlung. Und es ist nicht irgendeine Buchhandlung: Es ist eine Buchhandlung auf dem Schiff, genauer auf einer alten Barkasse im Hamburger Hafen. Mit viel Arbeit bauen sie den heruntergekommenen Kahn um.
Privat läuft es für Miri nach der letzten Enttäuschung auch gut, denn mit ihrem Nachbarn Henning könnte sie sich ein deutlich intimeres Verhältnis vorstellen. Doch dann der Schock: Die Miete für das Bücherschiff wird kurzerhand exorbitant erhöht, so dass das für die Neuunternehmerinnen nicht zu stemmen ist. Das Schiff soll luxussaniert werden – ausgerechnet durch Hennings Architekturbüro!
Erster Eindruck: Das Cover passt gut zum gewählten Buchtitel.
Es braucht eine Menge Mut, Idealismus, Geld und vielleicht auch eine Portion Naivität, um in der heutigen Zeit eine Selbstständigkeit im Buchhandel zu wagen. Und dann erst noch für zwei Frauen, die von fachfremden Berufszweigen kommen. Vor der Eröffnung steht jede Menge körperliche Arbeit an, denn das Schiff ist in keinem guten Zustand. Aber Miri und Katja sind so voller Adrenalin und Vorfreude, dass sie diese Arbeit gerne stemmen. Der Start ist gelungen, das Angebot wird von den Touristen, aber auch von den Anwohnern sehr gut angenommen.
Miri hat eine neue Wohnung und findet in dem Mietshaus auch gleich etliche junge Leute, die sie in ihre Clique aufnehmen. Neu eingezogen ist auch Henning, ein alleinerziehender Vater. Miri und Henning verstehen sich gleich gut. Sehr gut. Aber die Trennung der Eltern war für den sechsjährigen Finn nicht einfach zu verdauen und daher findet er Frauen doof, was er auch sehr deutlich äussert.
Das Buch ist nett für zwischendurch, aber deutlich zu lang für die Story. Der in der Inhaltsbeschreibung bereits angekündigte Knall wird in ein paar wenigen Seiten abgehandelt. So wie die Freundinnen sich zuweilen verhielten, erinnerten sie mich mehr an Pubertierende als an Erwachsene. Ein Happy End ist bei solchen Romanen immer nett, aber hier renkte sich viel zu schnell alles wieder ein. In der Ausschreibung hiess es „Ein betörender Wohlfühlroman über zwei engagierte Buchhändlerinnen“ – betörend war da für mich leider nichts. Von mir gibt es 3 Sterne.
Rezensionen von lectrice:
All Better Now von Neal Shusterman
Positive Einstellungen
Ich liebe die Scythe-Reihe von Neal Shusterman und hatte deshalb hohe Erwartungen an das Buch. Und um es vorweg zu sagen: das Buch hat mir gefallen, aber es reicht nicht an die Scythe-Reihe ran.
Das Buch spielt einige Jahre nach Corona und mit Crown Royale gibt es eine neue weltweite Pandemie. Die Erkrankung ist heftig, aber wer sie übersteht, ist ein neuer Mensch.
Die Genesenen sehen alles positiv und sind mit sich im Reinen, führen ein glückliches Leben, setzen sich vorbehaltlos für Andere ein - auch wenn sie sich damit selbst in Gefahr bringen. Aber ist ein solches Leben wirklich erstrebenswert? Gerade für Machtmenschen und Superreiche ganz bestimmt nicht, denn sie sind nach der Erkrankung charakterlich stark verändert.
Rón ist der jüngste Sohn des drittreichsten Mannes der Welt und da er anfällig für das neue Virus ist, darf er das Penthouse nicht mehr verlassen. Mariel hingegen lebt mit ihrer Mutter im Auto und immer am Existenzminimum - also am entgegengesetzten Ende der Skala. Aber die beiden freunden sich an und es ist interessant zu lesen, wie sie sich entwickeln.
Ich möchte aber gar nicht mehr zum Inhalt verraten. Nur, dass es sich hier um den ersten Teil einer Dilogie handelt und am Ende die Weichen alle neu gestellt werden.
Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und sich gut lesen lässt.
Rezensionen von downey_jr:
Himmel ohne Ende von Julia Engelmann
Feinfühliger Coming-of-Age-Roman mit Tiefgang und Herz
Es ist nicht einfach, 15 Jahre alt zu sein, unglücklich verliebt, und mit der besten Freundin läuf es auch nicht gut. Charlie hadert mit ihrem Leben, mit ihren Gefühlen und Gedanken:
"Und als es klingelte, wünschte ich mir zum tausendsten Mal in diesem Schuljahr, ich wäre weg. Oder wenigstens woanders.
Und ich dachte mit einem komischen Gefühl daran, dass es allen egal wäre. Das ist keine Rolle spielte, ob ich da war oder weg. Weil ich an niemandem hin. Und niemand an mir."
Und Charlie vermisst ihren Vater, über sein Weggehen ist sie nie ganz hinweggekommen:
"Er hatte ein Loch hinterlassen, ein Loch in der Form meines Vaters, und ich, ich hatte durch das Loch in den Abgrund geschaut, während in mir die Liebe überlief, die jetzt nirgends mehr hin konnte.
Ich war zu jung, um zu wissen, wie das beides ging: Am Abgrund stehen, ohne hineinzufallen. Die Liebe behalten, ohne darin zu ertrinken. Also tat ich, was Mama tat: Ich gab ihm die Schuld und nannte ihn einen Feigling. Aber im Inneren gab ich die Schuld meiner Stille. Denn natürlich war ich es, die ihm zu viel geworden war. Und dann, dann versuchte ich es mit dem Vergessen."
Ihre Mutter hat einen neuen Freund, und so sehr sie ihr eigentlich dieses Glück gönnt, fühlt sie sich noch trauriger und einsamer. Sie zieht sich von allem und allen zurück; lässt niemanden an sich heran, ist oft den Tränen nahe.
Als im neuen Schuljahr Kornelius, genannt Pommes, in ihre Klasse kommt, ist er ein Lichtstrahl am Himmel für sie. Die beiden werden beste Freunde. Kann Charlie doch noch zu der werden, die sie gerne wäre?
"Ich konnte das nie zusammen bringen - wie ich aussah und wie ich mich innen drin fühlte."
"Und da wusste ich es. Dass ich etwas Eigenes aus meinem Leben machen musste. Dass ich es wenigstens versuchen musste. Dass ich lange genug eine Charlie gewesen war, die wartete, bis sie abgeholt wurde, eine Charlie, die andere aus der Ferne beobachtete und die sich das Herz brechen ließ. Dass ich nicht erst irgendwann jemand für jemanden sein wollte, sondern jetzt. Dass ich nicht warten wollte, bis ich an mein Leben rankam, sondern jetzt drankommen wollte. Nicht dass ich glaubte, jeden Moment sterben zu müssen, das nicht. Aber man wusste ja auch nicht, wie lange das Leben noch ging, das ist schon alles."
Julia Engelmann hat mit " Himmel ohne Ende" einen wunderschönen und berührenden Roman geschrieben, der allein schon sprachlich ein Genuss ist.
Die Geschichte von Charlie hat mich von Anfang an in den Bann gezogen, ihre Gedanken und Gefühle konnte ich sehr gut nachempfinden.
Die Charaktere fand ich alle ganz wunderbar getroffen; teils ein wenig skurril und sehr liebenswert - I love it (besonders Charlie, Pommes, Karl, Charlies Oma, und auch Doug).
"'Du bist ja selber komisch, du kannst das also gar nicht beurteilen', sagte er, und mir wurde warm im Bauch, und ich musste daran denken, wie Kathi mich letztes Jahr komisch genannt hatte und dass es aus Karls Mund ganz anders klang - wie etwas, das man nie wieder nicht sein wollte."
Der Roman liest sich wie ein Jugendroman, habe aber so viel Tiefgang, dass ich ihn unbedingt Erwachsenen genaus ans Herz legen möchte.
"'Wir müssen uns was wünschen', sagte ich. 'auf drei!'
Dann schloss ich die Augen. Und wünschte mir alles."
Ganz klare Leseempfehlung von mir!
Rezensionen von liesmal:
DUMONT direkt Reiseführer Bamberg von Andreas Reuß; Stefan Fröhling
Von Bamberg bekomme ich nie genug
Bamberg ist die zweite Heimat meiner Familie. Darum sammeln wir so viele Informationen wie möglich. Dass wir dabei auf ´“DUMONT DIREKT Bamberg“ gestoßen sind, ist ein Glückstreffer.
Gut sortiert findet man in dem kleinen Büchlein, das nur wenige Zentimeter länger ist als eine Postkarte und 120 Seiten umfasst, Ideen und jede Menge Informationen aus allen Bereichen, die auf Reisen von Interesse sein könnten.
Wer direkt eintauchen möchte in die Stadt, der kann sich von dem Bamberg-Kompass mit 15 verschiedenen Wegen leiten lassen.
Stichwortartig wird man über die Museumslandschaft ebenso informiert wie über seine „Bierseligkeiten“ (was für ein Wort!).
Übernachtungsmöglichkeiten und die Rubriken „Satt und glücklich“, „Stöbern und entdecken“ sowie „Wenn die Nacht beginnt“ findet man auch noch.
Insgesamt habe ich viel Liebgewonnenes und Bekanntes zum Erinnern entdeckt, aber auch eine Menge Neues, das es noch zu erforschen gibt. Dabei kann vielen auch der beigefügte Stadtplan eine Hilfe sein.
Ich empfehle den „DUMONT DIREKT Bamberg“ sehr gern als nützlichen Reisebegleiter.
Rezensionen von liesmal:
Der Sommer am Ende der Welt von Eva Völler
Es sollte eine Zeit der Hoffnung sein
„An manche Dinge sollte man sich nicht erinnern müssen“
Hauptprotagonistin der Geschichte ist die Journalistin Hanna, die in einem Artikel über sogenannte Verschickungskinder berichten will, die in den Sechzigerjahren in einem Kinderkurheim auf Borkum schlimme Erfahrungen gemacht haben und dabei seelisch zutiefst verletzt worden sind.
Hanna reist zu Recherchezwecken nach Borkum. Sie wohnt mit ihrer Tochter in dem Hotel, das früher ein Kinderkurheim war. Von hier aus führt sie auch Telefongespräche mit Sabine, die selbst vor 60 Jahren eines der Verschickungskinder war.
Durch diese Gespräche mit Sabine, die aus dem Heimalltag berichtet, spielt die Geschichte in zwei verschiedenen Zeitebenen. Rein äußerlich sind sie durch verschiedene Schriftarten gut zu unterscheiden.
Was Sabine zu berichten hat, lässt meinen Atem stocken und in ganz schlimmen Momenten fast das Blut in den Adern gefrieren. Was mich besonders schwer betroffen gemacht hat, ist allein die Vorstellung, dass die Kinder dort ihren Namen abgeben mussten und nur noch Nummern waren. Nummern, die zum Beispiel essen mussten, was ihnen vorgesetzt wurde – und um jeden Preis musste der Teller leer gegessen werden, sonst …
Es ist schlimm und fast nicht zu glauben, wie unmenschlich die Kinder von einigen der Betreuerinnen und Betreuern behandelt worden sind. Zum Glück gab es aber auch Menschen wie Louise, durch die den Kindern wenigstens ab und zu liebevolle Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde.
Die Geschichte, die Eva Völler schreibt, ist fiktiv, doch überall in Deutschland hat es in den Sechzigerjahren und weit darüber hinaus Kinderkurheime gegeben, in denen Kinder Dinge wie diese erzählten erlebt haben.
Lange hat mich das Buch nicht losgelassen, bis zu dem Augenblick, der schon in der Buchbeschreibung zu lesen ist: Das Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin wird Hanna zugespielt, es ergeben sich Hinweise auf ein Verbrechen, Hanna versucht die Wahrheit ans Licht zu bringen. Damit habe ich nach etwa zwei Dritteln des Buches leider den Zugang zur Geschichte verloren. Es ging weiter zurück in die Vergangenheit. Alles, was dann kam, wirkte für mich „überladen“, ich war nicht mehr in der Geschichte, für mich war es eine andere geworden, eine, die ich in diesem Zusammenhang nicht gebraucht hätte.
Ich gebe trotzdem die Empfehlung, das Buch zu lesen, das die Zeit der Verschickungskinder beschreibt. Vielleicht ist die Geschichte nur für mich „überladen“.











