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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes
Bin begeistert, fortan ein Lieblingsroman
Schon auf den ersten Seiten hat mich Autorin Sandra Lüpkes abgeholt, ich war gefühlsmässig voll drin und streifte erst mit Mehpare, dann mit Imke und später auch mit Magda durch die Strassen von Istanbul, durch "ein Mosaik aus türkisblauen Steinchen". Der Roman ist in verschiedene Zeitebenen aufgeteilt, in denen wir drei Frauen - und einige Männer - auf ihren Lebenswegen begleiten.
Der Roman beginnt im Jahre 1926 mit Mehpare Başarman. Mehpare liebt die naturwissenschaftlichen Fächer in ihrem Mädchengymnasium, welches leider bald abbrennt. Sehr wahrscheinlich war es Brandstiftung durch die religiöse Behörde, die nicht will, dass Mädchen Bildung erfahren. Die Schule wird andernorts wieder aufgebaut, Mehpare wird Studentin und freut sich, dass ein deutscher Genetik-Professor bald hier ihr Lieblingsfach unterrichten wird. Sie hofft, dass er auf alle ihre Fragen Antworten geben kann. Fragen hat sie unendlich viele, denn "Wissen hat kein Ende".
Ihre frühere Lehrerin Sarah, mit griechischer Abstammung, ehrenvoll immer Sara Hanım (= Frau Sarah) genannt, spricht deutsch und trifft Mehpare überraschend wieder, als der Professor seine erste Vorlesung hält. Auch ihren Lebensweg streift man öfters.
Magda Heilbronn ist Protestantin, ihr Mann Alfred Jude. Als es 1933 in Deutschland immer schlimmer wird und jüdische Menschen aus ihren Berufen und aus Universitäten und Schulen verbannt werden, nimmt sie die Gefahr eher wahr als ihr Mann, Typ schusseliger Professor. Schlussendlich sieht er es auch und nimmt die Einladung und Berufung nach Istanbul an. Magda reist von Münster aus mit ihren beiden Kindern mit dem Zug nach, und lebt sich sehr schnell ein.
In der Gegenwart soll Imke, eine Stadtplanerin, Kai in Istanbul assistieren. Sie sollen herausfinden, wie bedeutend ein altes, abgebranntes Schulgebäude in Istanbul ist, um es entweder zu schützen oder ganz abzureissen. Doch Imke merkt schnell, dass sie ihre Stelle nur aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Kais Freundin bekommen hat und Kai die Arbeit vor allem ihr überlässt. Den Grund dafür muss sie erst noch herausfinden.
Sandra Lüpkes nimmt hundert Jahre türkische Geschichte auf in ihrem Roman und bettet zudem viele Details über den Holocaust mit ein. Sie bringt sie in Verbindung mit der Türkei, vor allem der Stadt Istanbul und obwohl ich viel über das Land weiss, schloss sich für mich eine Wissenslücke. Über hundert deutsche und österreichische Professoren wurden nach Istanbul an Schulen und Universitäten geschickt, um nach den neuen, von Mustafa Kemal Atatürk festgelegten Reformplänen zu unterrichten. Mit ihren Familien, Assistenten und Lieblingsschüler*innen befanden sich nun fast tausend Menschen in grösserer Sicherheit als im judenfeindlichen Mitteleuropa. Leider verirrten sich aber auch fremdenfeindliche Deutsche an den Bosporus und so fand man an der deutschen Schule in Istanbul damals leider einige Nazi-Unterstützer und musste aufpassen.
Der Roman ist gespickt mit liebevollen türkischen Ausdrücken, Redewendungen und sprachlichen Verbindungen. Da ich die Sprache verstehe, war das für mich wunderschön zu lesen. Zudem schreibt Lüpkes kleine, feine Hinweise auf bereits stattgefundene Ereignisse, die nur Sinn machen, wenn man alles gelesen hat. Zum Beispiel, als auf einem Friedhof in Bebek eine kleine handgeschriebene Notiz gefunden wird. Diese Hinweise haben mir immer sehr gut gefallen.
"Ein Ort, der bleibt" ist ein sehr intensiver Roman, den ich nicht am Stück lesen konnte, sondern immer wieder Pausen machen musste, um das Gelesene sacken zu lassen. Er ist einer der besten mir untergekommenen Romane in den letzten Jahren. Deshalb habe ich nun nicht nur ein neues Lieblingsbuch, sondern auch ein neues Lieblingswort: es heisst "Haymatloz".
Fazit: Ein enorm eindrücklicher Roman mit viel historischem und politischem Hintergrundwissen, den man nicht so schnell vergisst. Er kommt auf meine Jahreshighlight-Liste und bleibt mir sicher noch viele Jahre in bester Erinnerung.
5 Sterne.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Quartett von Natasha Korsakova
Ein Spezialist für - tote - Musiker
Schade, dass die Cover aus dem Septime Verlag so dunkel und nichtssagend sind. Würde ich nicht wissen, wie gut die Autorin schreibt, würde ich in der Buchhandlung nicht zu diesen Krimis greifen, weil mich die Cover überhaupt nicht ansprechen. Das war bei den ersten zwei Bänden anders.
Aber immerhin passt der Titel sehr gut.
Vielleicht wäre eine dunkle, kleine Gasse ein angemesseneres Cover-Bild gewesen, denn dann wäre man bereits auf den ersten Blick direkt am Tatort. In so einer römischen Gasse wurde nachts der Geiger eines Quartetts tot aufgefunden.
Die Neue im Team von Commissario Di Bernardo kann an ihrem ersten Arbeitstag in Rom also nicht von Langeweile sprechen und ihre Befürchtung "Zuarbeiterin für irgendeinen Schlipsträger, der hoffentlich nicht so scheintot war, wie sein Name nahelegte" zu werden, bricht gleich in sich zusammen. Di Bernardo merkt allerdings, dass nicht nur die Mitglieder des Quartetts ein oder mehrere Geheimnisse umwehen, sondern auch die neue Ispettrice, Giulia Casavola, etwas verbirgt.
Die Liebe fast aller Figuren zur klassischen Musik ist deutlich spürbar und auch Di Bernardo wird langsam Spezialist für - tote - Musiker.
Langsam, aber stetig entwirren die Ermittler das Geflecht der Geheimnisse. Die Leserschaft ist anfangs eine winzige Spur voraus, denn in einer Rückblende wird etwas Vergangenes preisgegeben, und man ahnt, dass die gegenwärtigen Geschehnisse damit zu tun haben müssen.
Natasha Korsakova beweist viel Gespür für das Zwischenmenschliche, insbesondere in der Figur ihres Protagonisten Di Bernardo. Er ist ein behutsamer Commissario und agiert vorausschauend, manchmal auch sehr spontan, so dass der Kriminalfall sehr abwechslungsreich ist.
Die Autorin gestaltet den Fall spannend und ähnlich wie bei Bannalecs "Kommissar Dupin"-Bänden könnten alle Verdächtige Täter oder Täterin sein. Schlussendlich löst sich alles logisch auf.
Mir machte es sehr grossen Spass, mit dem Ermittlerteam in diesem vierten Band durch Rom zu streifen. Viel zu schnell flog ich durch die Seiten, so dass mir keine Zeit mehr blieb, nach den Musikstücken zu suchen, die sich in der Printausgabe einfach per QR-Code finden lassen. Im eBook fehlt dieser Code leider wie auch schon im dritten Band.
Fazit: Ein interessanter, musikalischer vierter Fall für Commissario Di Bernardo und sein Team!
4.5 Sterne.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell
Tolle Idee, witziger Start, aber dann...
Der Klappentext hörte sich interessant an - ich kann Laura Clark definitiv verstehen, dass sie abgehauen ist.
Der Anfang des Romans liest sich gut, denn alle wundern sich, wieso Laura nicht auf der Arbeit erscheint, nicht bei der Mutter irgendwas hilft oder zuhause abends nicht das Essen auf den Tisch stellt und anscheinend vergessen hat, vorher den Kühlschrank aufzufüllen, die Wäsche zu waschen und und und.
...
Was sich auf den ersten Seiten noch witzig liest, wird mit der Zeit sehr repetitiv, denn alle vermissen Laura auf die eine oder andere Art und Weise.
So sehr ich die Idee und den Anfang liebte, so sehr langweilte ich mich irgendwann von Seite zu Seite mehr. Mit den Charakteren, insbesondere Laura Familie, wurde ich auch nicht warm. Die ganze Familie, Mutter, Tochter und der Ehemann, alles sehr unsympathische Zeitgenossen.
Vielleicht waren sie alle zu überspitzt gezeichnet, aber für mich war es ein Grund mehr, nicht mehr weiter zu lesen und so habe ich nach 43% das Buch abgebrochen.
Irgendwann, wenn ich mal viel Zeit habe, werde ich die restlichen 57% noch überfliegen, um zu schauen, ob da doch noch mehr als nur motzendes Vermissen gekommen wäre oder doch nicht. Laut den Rezensionen, die ich mir nach dem Abbruch angesehen habe, mach ich mir nicht allzu viel Hoffnung.
Fazit: Tolle Idee, aber mehr bzw. eine schnellere Handlung anstatt das "nur" vermissen hätte mir besser gefallen und dann wäre ich wohl auch bei der Stange geblieben und hätte zu Ende gelesen.
3 Sterne.
Rezensionen von Mona_Leseliebe :
Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain von Sasha Peyton Smith
Dieses Buch hatte mich komplett in der Hand
Okay, The Rose Bargain war einfach genau mein Ding. Ich hatte gehofft, dass es mir gefällt, aber dass ich es SO lieben würde? Damit hab ich nicht gerechnet.
Die ganze Mischung aus Fae, High Society, einem Wettbewerb um die Hand eines Prinzen, Intrigen, Geheimnissen und Romance hat mich komplett abgeholt.
Es hat diese Bridgerton trifft The Selection trifft Fae-Fantasy-Vibes, ohne sich für mich wie eine Kopie von irgendwas anzufühlen. Vor allem die Idee mit den Bargains und der Einfluss der Fae auf die Menschen haben dem Ganzen nochmal etwas Eigenes gegeben.
Und IVY!! Ich mochte sie so gerne. Sie ist nicht diese perfekte, unantastbare Fantasy-Protagonistin, sondern macht Fehler, zweifelt und versucht trotzdem alles, um die Menschen zu beschützen, die sie liebt. Besonders die Beziehung zu ihrer Schwester und generell die Freundschaften zwischen den Frauen haben mir richtig gut gefallen. Ich hatte erst erwartet, dass der Wettbewerb in komplettes Zickenkrieg-Territorium abdriftet, aber nope. Girlhood statt gegenseitig Kleider anzünden.
Aber können wir bitte über die ROMANCE reden?! Die Spannung, dieses ganze verbotene Anschmachten. Ich wusste zwischendurch selbst nicht mehr, wem ich eigentlich vertrauen soll und genau das hat so Spaß gemacht.
Und dann kommen die letzten Kapitel und das Buch entscheidet einfach: So, genug Spaß gehabt. Jetzt zerstören wir sie. Die Twists?! Die Enthüllungen?! Ich hatte Vermutungen, aber definitiv NICHT damit gerechnet, wo das Ganze am Ende landet. Gerade der Schluss hat nochmal komplett einen draufgesetzt. Andere Leser beschreiben ebenfalls, wie stark sich die Wendungen und das Ende zuspitzen, und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen auch.
Ich hab wirklich alles daran geliebt: die Atmosphäre, die Fae, den Wettbewerb, die Charaktere, die Romance, die Intrigen und dieses märchenhaft-düstere High-Society-Setting.
Und dieses ENDE?! Entschuldigung, das kann man doch nicht einfach so stehen lassen?!
Rezensionen von Schlafmurmel:
Nächstes Mal für immer von Lucien Marant
Eine Liebe, die 20 Jahre überdauert
über Kopf Die Geschichte von Mona und Thibault wird auf zwei Zeitebenen erzählt – 1999 und 2019. Mona, eine Studentin aus Hamburg, geht für ein Semester nach Paris. Dort lernt sie den gutaussehenden Franzosen Thibault kennen, der das Leben scheinbar leicht nimmt und nichts anbrennen lässt. Mona verliebt sich Hals in ihn und zwischen den beiden beginnt eine Liebesgeschichte.
Zwanzig Jahre später kehrt Mona nach Paris zurück und ausgerechnet dort läuft ihr wieder Thibault über den Weg. Er scheint sich kaum verändert zu haben und auch das Kribbeln zwischen den beiden ist sofort wieder da. Doch was ist aus ihrer damaligen Liebe geworden und kann eine Liebe nach so vielen Jahren noch einmal neu beginnen?
Lucien Marant hat einen sehr fließenden und bildhaften Schreibstil. Obwohl ich Paris nicht kenne und auch die französische Sprache nicht beherrsche, hat er mir die Stadt mit seinen Beschreibungen ein Stück nähergebracht.
Allerdings waren für mich die vielen Straßennamen und vor allem die Zeitsprünge teilweise etwas verwirrend. Auch dass die Protagonisten nach 20 Jahren kaum gealtert zu sein schienen, fand ich etwas ungewöhnlich – aber darüber konnte ich hinwegsehen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Liebe über die Jahre verändern kann und ob man nach so langer Zeit noch einmal zueinanderfinden kann. Insgesamt war es für mich eine stimmungsvolle und emotionale Geschichte mit viel Gefühl und einem schönen Ende.
Eine romantische Geschichte über eine Liebe, die vielleicht nie ganz aufgehört hat zu existieren.
Rezensionen von Anabellb:
DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Hochspannung pur - Top-Thriller
DAISY ist das erste Buch, welches ich von dieser Autorin gelesen habe, aber ganz sicher nicht das Letzte.
Das Cover mit dem Farbschnitt und der rot-schwarzen Farbgestaltung ist auffällig und paßt perfekt zu einem Thriller. Es wirkt düster und blutig.
Der Titel hat mich anfangs verwundert, aber gottseidank habe ich den Klappentext gelesen und war auf Anhieb neugierig auf dieses Buch!
Die Autorin hat einen flüssigen und eindringlichen Schreibstil, der mir sehr zusagt.
Mit der Rechtsanwältin Luca, die ein Doppelleben führt, hat die Autorin eine außergewöhnliche Protagonistin erschaffen, die mich total in ihren Bann gezogen hat. Sehr gut gefallen hat mir auch die Interaktion mit ihrem väterlichen Freund Walther.
Melanie Raabe hat in diesem Buch ein Geschichte erzählt, die bei mir einen absoluten Nervenkitzel hervorgerufen hat. Psychologische Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite, wie ich sie bisher selten erlebt habe.
Ein absoluter Pageturner, den ich nur empfehlen kann!!
Schade, dass ich die Lesung am 01.09. in Aachen nicht wahrnehmen konnte; das wäre bestimmt ein zusätzliches Highlight gewesen.
Rezensionen von Baerbel82:
DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Rache ist süß
Tatsächlich habe ich von Melanie Raabe erst ein einziges Buch gelesen, „Die Wälder“. Alles andere hatte ich abgebrochen, weil langweilig, langatmig oder gar nicht erst angefangen.
Aber der Klappentext zu „DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören“ klang vielversprechend. Dazu das Cover in schwarz, wie der Tod und rot, wie die Liebe.
Natürlich darf auch das Gänseblümchen nicht fehlen. Worum geht es?
Luca Palmer ist Anwältin in einer Berliner Kanzlei. Nachts sorgt sie auf andere Art für Gerechtigkeit. Dann nämlich sucht sie die Reichen und Mächtigen auf, die straflos mit etwas Bösem davongekommen sind. Und hinterlässt dabei ihr Markenzeichen - ein Gänseblümchen.
Eines Tages wird Luca bei einem ihrer nächtlichen Einsätze fast erwischt. Und plötzlich hängen in der ganzen Stadt rätselhafte Plakate: „Ich werde dich finden. Und all deine Geheimnisse werden mir gehören.“ Zusammen mit ihrem fast 80-jährigen Vertrauten Walther versucht sie, ihren Verfolger aufzuspüren…
„Daisy“ ist leidlich spannend und vorhersehbar. Die Sprache ist einfach. Lucas Aktionen finde ich ein bisschen kindisch. Wie ein weiblicher Robin Hood, der Rächer der Enterbten und Beschützer von Witwen und Waisen. Luca war mir nicht sympathisch, ihre 10-Dinge-Listen haben mich genervt.
Rückblicke in die Vergangenheit, vor siebzehn Jahren, erzählen, wie es zu Lucas Racheplan kam. „Daisy“ ist eher ein Spannungsroman als einen Thriller. Denn für einen Thriller hat mir der Thrill gefehlt. Alles in allem vermochte mich die Geschichte nicht zu überzeugen.
Fazit: Ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss.
Rezensionen von Oliver Voerster:
Memories of Heidelberg von Heinz Strunk
Pulp Fiction nach 17 Jahren Ehe
Urlaubslektüre hin oder her… Egal, dieses Buch liest man wohl in einem Zug durch! LIterarisch auf erfreulichem Niveau und mit einer Handlung, die immer wieder neu überrasch.
Die Geschichte ist sehr stark erzählt wird und man kann kaum glauben, was dieses Ehepaar alles erlebt. Da kommt es gar nicht darauf an, für wie realistisch man die Erlebnisse hält, sondern man wird immer mehr in einen Strudel hinein gezogen, der uns in einen Bann versetzt, weiter zu lesen, was hier noch alles schiefgehen kann.
Zudem eine sicherlich in vielen Fällen zutreffende Darstellung, wie eine Beziehung über die Jahre ermüdet,, was wohl viele Paare dabei erleben und wie man eigentlich gegen den Trott und die Ermüdung des Alltags ankämpfen sollte, um eine Beziehung lebendig zu erhalten.
Rezensionen von Anabellb:
Alles wird Asche (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 12) von Nele Neuhaus
Packender Krimi
Als Fan von Nele Neuhaus freue ich mich, dass nach 18 Monaten der nunmehr 12. Teil der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe erschienen ist.
Das Cover mit dem Vogel wirkt düster und gefällt mir sehr. Außerdem gibt es diesmal eine Art Farbschnitt, wodurch das Buch optisch noch besser wirkt und sehr wertig ist.
Der Schreibstil der Autorin ist unverändert flüssig und sehr bildhaft, so dass ich mich wieder direkt in das Geschehen und die Umgebung hineinversetzt gefühlt habe.
Pia und Oliver sind mir seit Jahren ans Herz gewachsen und daher habe ich mit Neugier und teilweise Überraschung die Entwicklung ihres Privat- u. Berufslebens in diesem Band verfolgt.
Etwas schwierig war für mich, die vielen Personen zuzuordnen. Die Übersicht am Anfang des Buches war hierfür sehr hilfreich und ich habe sie mir kopiert, damit ich nicht zurückblättern mußte.
Nele Neuhaus hat wieder eine spannende Geschichte erzählt, die mich vom Anfang bis zum Ende, auch durch gekonnte Wendungen, gefesselt und immer wieder auf falsche Spuren geleitet hat.
Ich war begeistert und hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe und weitere Verfilmungen!
Rezensionen von Eternal-Hope:
Geteiltes Haus von Alice Horácková
Ein Stück Zeitgeschichte erlebbar gemacht
Aus Erzählungen Vertriebener und ihrer Nachkommen kennen viele Menschen aus Deutschland und Österreich die Beneš-Dekrete, im Rahmen derer nach dem 2. Weltkrieg mehrere Millionen zur deutschen Volksgruppe gehörende Menschen in der damaligen Tschechoslowakei entschädigungslos enteignet und oft brutal vertrieben wurden, und die formal bis heute in Kraft sind.
Damit ging eine lange Zeit des oft friedlichen, gerade am Ende aber sehr konflikthaften Zusammenlebens von deutschsprachigen, tschechischsprachigen und weiteren Volksgruppen in dieser Region zu Ende.
Woher kam dieser enorme Hass auf die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe im eigenen Land, sodass ein gemeinsames, gemischtkulturelles Weiterleben nicht nur unmöglich erschien, sondern auch mit großer Härte selbst gegen Kinder und alte Menschen vorgegangen wurde (was im Buch nur ganz am Rande thematisiert wird)? Dieses Buch zeigt die Hintergründe davon auf und macht verständlich, wie es schließlich zu diesem Ende kam. Passend dazu beginnt das Buch mit einem Brief einer vertriebenen Deutschen aus dem Exil in Deutschland an ihre tschechische Freundin, das Ende wird also schon vorweggenommen.
Die 1980 in Prag geborene Autorin Alice Horáčková hat beim Erforschen ihrer eigenen Familiengeschichte entdeckt, dass sie selbst aus einer gemischt tschechisch-deutschen Familie stammt und Teile ihrer Vorfahren nach 1945 nach Deutschland vertrieben wurden, wo deren Nachkommen bis heute leben. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur ihre Familiengeschichte, sondern auch die Lebensumstände der damaligen Zeit detailliert zu recherchieren, um daraus ein lebendiges, zwar grundsätzlich fiktives, aber doch auch auf realen Personen und historischen Geschehnissen basierendes autofiktionales Familienepos zu erschaffen.
Herausgekommen ist dabei ein opulentes Werk von fast 900 Seiten in der gebundenen Ausgabe, das zwar aufgrund seines Umfangs durchaus einiges an Lesezeit benötigt, sich aber durch die kurzen Kapitel und die lebendige, spannende Erzählweise sehr unterhaltsam und kurzweilig liest.
Wir begleiten den Ort Benecko im tschechischen Riesengebirge und seine Einwohnerinnen und Einwohner über die Zeitspanne der österreichischen-ungarischen K.u.k.-Monarchie, den darauffolgenden Ersten Weltkrieg, der das Ende dieser mit sich bringen würde, die Erste und Zweite Tschechoslowakische Republik bis durch den Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung und in die Zeit der Dritte Republik in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg hinein. Das bei weitem längste Kapitel widmet sich dabei der Zeit des Zweiten Weltkrieges, doch auch von den Epochen davor wird ein lebendiges Zeitporträt gezeichnet und es wird spürbar, wie selbstverständlich die Menschen zwischen den Sprachen wechselten, untereinander heirateten, Freundschaften pflegten und friedlich miteinander lebten.
Mir hat es besonders gut gefallen, dass der Roman aus so vielen Perspektiven geschrieben ist und so viele unterschiedliche Personen zu Wort kommen, wodurch er für mich so lebendig und einprägsam erzählt war, dass ich das angehängte Personenregister kaum konsultieren musste und rasch ein Gefühl für die vorkommenden Personen und sozialen Beziehungen vor Ort hatte.
Da gibt es die schöne, unabhängige, freigeistige Zdenka, eine Tschechin und die Urgroßmutter der Autorin, die sich mit mehreren Männern einlässt, mitten im Krieg alleine mit einem Kind dasteht und schließlich doch ihren bisherigen Verlobten Vinzenz aus deutschsprachiger Familie heiratet, dafür aber einen hohen Preis zahlt. Vinzenz wiederum schafft es durch List, Glück, NS-Anhängerschaft und Opportunismus, aus beiden Kriegen einigermaßen unverletzt und vor allem lebendig hervorzugehen. Sein Bruder Hans, ein erfolgreicher Unternehmer, kennt nur sein Geschäft und seinen Erfolg, keinerlei Prinzipien oder Moral, übernimmt bedenkenlos zusätzlich das Unternehmen enteigneter Juden und rechtfertigt das alles auch noch damit, er habe ihnen einen Gefallen getan.
Dann gibt es den Lehrer Tomek, dem seine Schülerinnen und Schüler, aber auch Gerechtigkeit und das Überleben der tschechischen Identität sehr am Herzen liegen, der eine Dorfchronik schreibt und für seine Widerstandstätigkeit lange Jahre im Gefängnis sitzt – der aber auch eine langjährige Liebesaffäre mit Anežka, auf Deutsch Agnes, der Ehefrau des Unternehmers Hans betreibt, wobei auch letztgenannter kein Kind von Traurigkeit ist und diverse Affären hat. Anežka wiederum ist ebenfalls Lehrerin und unterrichtet, obwohl selbst zur deutschsprachigen Volksgruppe gehörend, an der tschechischen Schule.
So sind diese und noch viele weitere Personen nicht nur durch Freundschaften und Ehen, sondern auch noch im Geheimen durch diverse Liebschaften miteinander weit über Volksgruppengrenzen hinaus verbunden.
Und wer ist eigentlich der Vater von Ernst/Arnošt, Zdenkas unehelichem Sohn, und was bedeutet das für dessen Schicksal in einer Zeit, in der es immer wichtiger wird, sich über die eigene Nationalität zu definieren?
Anežka, Tochter des ehemaligen deutschsprachigen Bürgermeisters, und die Tschechin Zdenka, sind schlussendlich durch ihre Heirat mit Brüdern Schwägerinnen, doch gibt es auch so einiges, was sie potentiell trennen kann… wie wird ihre Freundschaft all diese Widrigkeiten überstehen?
Ich habe dieses Buch mit sehr viel Freude, Spannung und Interesse regelrecht verschlungen und habe mich die ganze Zeit sehr nah dran an den handelnden Personen und ihren Schicksalen gefühlt. Die sehr interessante Zeitepoche von Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts in der Gegend des Riesengebirges, ihre vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen und Zerwürfnisse und deren reale Konsequenzen für all die betroffenen Menschen sind dadurch noch einmal neu und anders für mich erlebbar geworden und ich habe den Eindruck, mir mit diesem Buch – auch wenn es eine fiktionalisierte Geschichte ist – ein Stück mitteleuropäischer Zeitgeschichte noch einmal neu erschlossen zu haben.
Deshalb kann ich dieses Buch allen, die sich für Zeitgeschichte interessieren, aber genauso auch jenen, die einfach gerne ein umfangreiches, aber kurzweiliges, spannend geschriebenes und vielperspektivisches Familienepos lesen, absolut empfehlen, und freue mich auf weitere Bücher dieser talentierten Autorin.











