Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Sheilo:
Herbstleuchten über dem Möwenhof von Frida Jacobsen
Eine besondere Rückkehr auf den Möwenhof
Ole weiß nicht mehr weiter. Seine kompletten Ersparnisse hat er in sein Restaurant, die Strandkrabbe gesteckt, aber die Gäste bleiben aus und es sieht finanziell schwierig aus. Seine Freunde wollen helfen und so melden die Kinder vom Möwenhof Ole für ein Casting an, allerdings soll er dort mit seinen Kindern kochen, die er nicht hat.
Doch Nico, Nele, Noah und Johannes unterstützen ihn und bilden mit Merle eine humorvolle Fakefamilie. Nur wird das alles wirklich so problemlos klappen?
"Herbstleuchten über dem Möwenhof" ist der zweite Band der Möwenhof-Reihe von Frieda Jacobsen und wieder ein schöner Wohlfühl-Roman, der uns an die Küste in St. Peter-Ording enführt, einem wunderschönen Setting mit einer Dorfgemeinschaft, zu der wohl jeder gerne dazu gehören würde. Der Schreibstil ist sehr angenehm und man trifft auf geliebte Charakter des ersten Bandes und auch Levke mit ihrem norddeutschen Dialekt ist wieder mit dabei.
Ole ist ein wirklich liebevoller, umsichtiger Mann, der aktuell so einige Schwierigkeiten zu meistern hat. Er bleibt dabei positiv und versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen, was ihn für mich sehr sympathisch macht. Man merkt schnell, dass er sich zu Allegra, der Assistentin einer erfolgreichen Köchin, hingezogen fühlt, doch um die Scharade rund um seine "Familie" aufrecht zu erhalten, muss er sich von ihr fernhalten.
Allegra ist ebenfalls eine sehr sympathische Protagonistin, die sich liebevoll um die Kinder ihrer Schwester kümmert und gleichzeitig sehr erfolgreich in ihrer Arbeit als Assistenz ist. Auch sie spürt eine stake Anziehung durch Ole, doch sie schämt sich für ihre Gedanken, da Ole für sie ein vierfacher Vater und Ehemann ist.
Die Geschichte zeigt für mich, dass man wundervolle Liebesgeschichten auch ganz ohne spicy Szenen schreiben kann. Der liebevolle und humorvolle Umgang der Charakter miteinander gefallen mir sehr gut und ich liebe das Wiedersehen mit Henning und Maren aus dem ersten Band. Ich selbst mag diese herbstliche Romance sehr und hier und da hat mich die erwähnte Kochshow im Buch ein bisschen an "Kitchen Impossible" mit Tim Melzer erinnert.
Ich kann "Herbstleuchten über dem Möwenhof" und auch den ersten Band der Reihe sehr empfehlen und würde mich sehr freuen, falls es eine erneute Rückkehr zum Möwenhof gibt.
Rezensionen von April1985:
Dragon Cursed – Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe) von Elise Kova
Drachen, Hexenjagd-Vibes und eine Welt, in der Angst zur Waffe wird
Worum geht es?
Vingard ist eine der letzten Bastionen der Menschheit. Drachen gelten als tödliche Bedrohung, denn der Drachenfluch verwandelt Menschen in willenlose Bestien. Mit 18 müssen sich deshalb alle Einwohner einem Tribunal stellen. Durch verschiedene Prüfungen soll herausgefunden werden, ob jemand den Fluch in sich trägt – und wer betroffen ist, wird eliminiert.
Isola hat bereits als Kind einen Drachenangriff überlebt. Seitdem gilt sie als Reinkarnation von Valor, dem großen Retter und Drachentöter. Doch während alle in ihr die Erlöserin sehen, fürchtet Isola selbst, genau das zu sein, was die Kirche vernichten will.
Während des Tribunals wird ausgerechnet Lucan, der Sohn des Vikars, zu einem wichtigen Verbündeten. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?
Meine Gedanken:
Die Welt war für mich ganz klar eine der größten Stärken von Dragon Cursed. Vingard ist grausam, streng und von Angst geprägt. Gesetze und Glaubenssätze bestimmen den Alltag und schon kleine Abweichungen können tödliche Folgen haben. Dazu kommen Drachen, der geheimnisvolle Drachenfluch und eine spannende Sigillenmagie, die aus Ätherlicht geschöpft wird.
Besonders stark fand ich die Rolle der Kirche. Gnadenritter, Inquisitoren und das Tribunal erzeugen eine beklemmende Stimmung. Immer wieder musste ich dabei an historische Hexenjagden denken: Das vermeintlich Böse muss gefunden und ausgelöscht werden, damit die eigene Seite weiterhin als die Gute dastehen kann.
Die letzte Bastion der Menschheit:
Vingard wirkt mittelalterlich angehaucht und gleichzeitig wie eine dystopische Gesellschaft. Es gibt klare Regeln darüber, was geglaubt werden darf, was erlaubt ist und wer darüber entscheidet, was Wahrheit ist.
Wissenschaft und Forschung haben in diesem System kaum Platz. Das bekommt auch Isolas Mutter zu spüren, die Drachen erforscht und dafür einen hohen Preis zahlt.
Und genau hier beginnt die Geschichte Fragen aufzuwerfen, die ich besonders spannend fand:
Warum darf Isola ihre Mutter nicht mehr sehen? Was versucht das Tribunal zu verbergen? Und was steckt wirklich hinter dem Drachenfluch?
Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen sind in dieser Welt allgegenwärtig.
Die Prophezeiung:
Für alle anderen scheint Isolas Rolle längst festzustehen. Sie ist die Retterin. Die Erlöserin Vingards. Die Reinkarnation Valors.
Zumindest ist das die Geschichte, die die Kirche aus ihr gemacht hat.
Für mich fühlte sich Isola deshalb häufig wie eine Marionette des Vikars an. Nach außen ist sie mutig und stark, innerlich dagegen vollkommen zerrissen.
Was, wenn sie gar keine Erlöserin ist? Was, wenn sie selbst verflucht ist?
Dieser Gedanke könnte ihr zum Verhängnis werden. Gleichzeitig spürt man, dass etwas in ihr schlummert, das sie selbst noch nicht vollständig versteht. Gerade diese Unsicherheit hat sie für mich zu einer spannenden Protagonistin gemacht.
Lucan:
Lucan ist der Sohn des Vikars und zunächst schwer einzuschätzen. Man weiß nicht genau, warum er Isola beobachtet, was er wirklich weiß und auf welcher Seite er steht.
Während des Tribunals wird er jedoch zu einem wichtigen Verbündeten. Und schnell wird deutlich, dass hinter ihm mehr steckt, als man anfangs vermutet.
Gerade dieses Misstrauen zwischen den beiden funktioniert gut, weil man auch als Leser nie ganz sicher sein kann, wem in Vingard überhaupt zu trauen ist.
Slow-Burn-Romance:
Die Romance zwischen Isola und Lucan entwickelt sich sehr langsam und nimmt im Vergleich zur Fantasyhandlung nur wenig Raum ein. Für Young Adult fand ich das absolut passend.
Ich mochte, dass sich die Beziehung vorsichtig entwickelt und die eigentliche Handlung nicht überlagert. Gleichzeitig hätte ich mir zwischen den beiden etwas mehr Funkensprühen gewünscht.
Die Romance war für mich stimmig – aber das große Knistern hat noch gefehlt.
Handlungsverlauf & Ende:
Die Handlung ist geprägt von Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen. Allerdings braucht die Geschichte für meinen Geschmack etwas, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt.
Gerade der Einstieg ist ruhiger. Sobald die Deadly Trials beginnen, zieht das Tempo aber deutlich an. Die Prüfungen nehmen einen großen Raum ein und sorgen für einige der spannendsten und nervenaufreibendsten Momente des Buches.
Auch an Twists mangelt es nicht. Einige haben für mich gut funktioniert, andere konnte man als aufmerksamer Leser schon relativ früh erahnen. Deshalb hat mich das Ende nicht völlig überrascht.
Es kam ungefähr so, wie ich es erwartet hatte – natürlich inklusive Cliffhanger.
Wie klang die Geschichte?
Ich habe Dragon Cursed als Hörbuch gehört.
Die Sprecherin hat grundsätzlich eine angenehme Stimmfarbe und ich konnte ihr gut folgen. Gerade für längere Hörsessions war das sehr angenehm.
Ganz überzeugen konnte mich die Interpretation trotzdem nicht. Mir war sie stellenweise etwas zu eintönig.
Gerade weil Vingard so bedrohlich ist und das Tribunal mit so viel Angst, Gefahr und Misstrauen verbunden ist, hätte ich mir mehr Dynamik und stärkere Unterschiede in der Sprechweise gewünscht.
Die düstere Atmosphäre kam dadurch für mich nicht immer so intensiv an, wie sie hätte wirken können.
Angenehm zu hören – aber emotional hätte da für mich noch mehr drinstecken dürfen.
Was bleibt?
Dragon Cursed hat mich vor allem mit seiner Welt bekommen.
Eine letzte Bastion der Menschheit. Drachen als tödliche Bedrohung. Ein Fluch. Eine Kirche, die über Wahrheit und Leben entscheidet. Tribunale, die an Hexenjagden erinnern. Und eine junge Frau, die als Retterin verehrt wird, während sie selbst fürchtet, genau das zu sein, was alle vernichten wollen.
Die Geschichte braucht etwas, bis sie richtig Fahrt aufnimmt, aber spätestens mit den Deadly Trials wird es deutlich spannender. Intrigen, Machtspiele und einige Twists halten die Handlung in Bewegung, auch wenn manche Enthüllungen für mich etwas vorhersehbar waren.
Die Slow-Burn-Romance fügt sich angenehm ein und nimmt nicht zu viel Raum ein. Für Young Adult fand ich das sehr passend, auch wenn ich mir etwas mehr Funken gewünscht hätte.
Diese Mischung aus Fantasy, Dystopie, Religion, Macht und Angst hat für mich richtig gut funktioniert.
???????????????? / 5
Atmosphäre: ???????????????? / 5
Chemie: ✨✨✨ / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️ / 5
Vier Eulen für eine düstere Drachenfantasy mit Hexenjagd-Vibes, spannenden Trials und einer Welt, in der die größte Gefahr vielleicht nicht nur von den Drachen ausgeht.
Rezensionen von April1985 :
Dragon Cursed – Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe) von Elise Kova
Drachen, Hexenjagd-Vibes und eine Welt, in der Angst zur Waffe wird
Worum geht es?
Vingard ist eine der letzten Bastionen der Menschheit. Drachen gelten als tödliche Bedrohung, denn der Drachenfluch verwandelt Menschen in willenlose Bestien. Mit 18 müssen sich deshalb alle Einwohner einem Tribunal stellen. Durch verschiedene Prüfungen soll herausgefunden werden, ob jemand den Fluch in sich trägt – und wer betroffen ist, wird eliminiert.
Isola hat bereits als Kind einen Drachenangriff überlebt. Seitdem gilt sie als Reinkarnation von Valor, dem großen Retter und Drachentöter. Doch während alle in ihr die Erlöserin sehen, fürchtet Isola selbst, genau das zu sein, was die Kirche vernichten will.
Während des Tribunals wird ausgerechnet Lucan, der Sohn des Vikars, zu einem wichtigen Verbündeten. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?
Meine Gedanken:
Die Welt war für mich ganz klar eine der größten Stärken von Dragon Cursed. Vingard ist grausam, streng und von Angst geprägt. Gesetze und Glaubenssätze bestimmen den Alltag und schon kleine Abweichungen können tödliche Folgen haben. Dazu kommen Drachen, der geheimnisvolle Drachenfluch und eine spannende Sigillenmagie, die aus Ätherlicht geschöpft wird.
Besonders stark fand ich die Rolle der Kirche. Gnadenritter, Inquisitoren und das Tribunal erzeugen eine beklemmende Stimmung. Immer wieder musste ich dabei an historische Hexenjagden denken: Das vermeintlich Böse muss gefunden und ausgelöscht werden, damit die eigene Seite weiterhin als die Gute dastehen kann.
Die letzte Bastion der Menschheit:
Vingard wirkt mittelalterlich angehaucht und gleichzeitig wie eine dystopische Gesellschaft. Es gibt klare Regeln darüber, was geglaubt werden darf, was erlaubt ist und wer darüber entscheidet, was Wahrheit ist.
Wissenschaft und Forschung haben in diesem System kaum Platz. Das bekommt auch Isolas Mutter zu spüren, die Drachen erforscht und dafür einen hohen Preis zahlt.
Und genau hier beginnt die Geschichte Fragen aufzuwerfen, die ich besonders spannend fand:
Warum darf Isola ihre Mutter nicht mehr sehen? Was versucht das Tribunal zu verbergen? Und was steckt wirklich hinter dem Drachenfluch?
Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen sind in dieser Welt allgegenwärtig.
Die Prophezeiung:
Für alle anderen scheint Isolas Rolle längst festzustehen. Sie ist die Retterin. Die Erlöserin Vingards. Die Reinkarnation Valors.
Zumindest ist das die Geschichte, die die Kirche aus ihr gemacht hat.
Für mich fühlte sich Isola deshalb häufig wie eine Marionette des Vikars an. Nach außen ist sie mutig und stark, innerlich dagegen vollkommen zerrissen.
Was, wenn sie gar keine Erlöserin ist? Was, wenn sie selbst verflucht ist?
Dieser Gedanke könnte ihr zum Verhängnis werden. Gleichzeitig spürt man, dass etwas in ihr schlummert, das sie selbst noch nicht vollständig versteht. Gerade diese Unsicherheit hat sie für mich zu einer spannenden Protagonistin gemacht.
Lucan:
Lucan ist der Sohn des Vikars und zunächst schwer einzuschätzen. Man weiß nicht genau, warum er Isola beobachtet, was er wirklich weiß und auf welcher Seite er steht.
Während des Tribunals wird er jedoch zu einem wichtigen Verbündeten. Und schnell wird deutlich, dass hinter ihm mehr steckt, als man anfangs vermutet.
Gerade dieses Misstrauen zwischen den beiden funktioniert gut, weil man auch als Leser nie ganz sicher sein kann, wem in Vingard überhaupt zu trauen ist.
Slow-Burn-Romance:
Die Romance zwischen Isola und Lucan entwickelt sich sehr langsam und nimmt im Vergleich zur Fantasyhandlung nur wenig Raum ein. Für Young Adult fand ich das absolut passend.
Ich mochte, dass sich die Beziehung vorsichtig entwickelt und die eigentliche Handlung nicht überlagert. Gleichzeitig hätte ich mir zwischen den beiden etwas mehr Funkensprühen gewünscht.
Die Romance war für mich stimmig – aber das große Knistern hat noch gefehlt.
Handlungsverlauf & Ende:
Die Handlung ist geprägt von Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen. Allerdings braucht die Geschichte für meinen Geschmack etwas, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt.
Gerade der Einstieg ist ruhiger. Sobald die Deadly Trials beginnen, zieht das Tempo aber deutlich an. Die Prüfungen nehmen einen großen Raum ein und sorgen für einige der spannendsten und nervenaufreibendsten Momente des Buches.
Auch an Twists mangelt es nicht. Einige haben für mich gut funktioniert, andere konnte man als aufmerksamer Leser schon relativ früh erahnen. Deshalb hat mich das Ende nicht völlig überrascht.
Es kam ungefähr so, wie ich es erwartet hatte – natürlich inklusive Cliffhanger.
Wie klang die Geschichte?
Ich habe Dragon Cursed als Hörbuch gehört.
Die Sprecherin hat grundsätzlich eine angenehme Stimmfarbe und ich konnte ihr gut folgen. Gerade für längere Hörsessions war das sehr angenehm.
Ganz überzeugen konnte mich die Interpretation trotzdem nicht. Mir war sie stellenweise etwas zu eintönig.
Gerade weil Vingard so bedrohlich ist und das Tribunal mit so viel Angst, Gefahr und Misstrauen verbunden ist, hätte ich mir mehr Dynamik und stärkere Unterschiede in der Sprechweise gewünscht.
Die düstere Atmosphäre kam dadurch für mich nicht immer so intensiv an, wie sie hätte wirken können.
Angenehm zu hören – aber emotional hätte da für mich noch mehr drinstecken dürfen.
Was bleibt?
Dragon Cursed hat mich vor allem mit seiner Welt bekommen.
Eine letzte Bastion der Menschheit. Drachen als tödliche Bedrohung. Ein Fluch. Eine Kirche, die über Wahrheit und Leben entscheidet. Tribunale, die an Hexenjagden erinnern. Und eine junge Frau, die als Retterin verehrt wird, während sie selbst fürchtet, genau das zu sein, was alle vernichten wollen.
Die Geschichte braucht etwas, bis sie richtig Fahrt aufnimmt, aber spätestens mit den Deadly Trials wird es deutlich spannender. Intrigen, Machtspiele und einige Twists halten die Handlung in Bewegung, auch wenn manche Enthüllungen für mich etwas vorhersehbar waren.
Die Slow-Burn-Romance fügt sich angenehm ein und nimmt nicht zu viel Raum ein. Für Young Adult fand ich das sehr passend, auch wenn ich mir etwas mehr Funken gewünscht hätte.
Diese Mischung aus Fantasy, Dystopie, Religion, Macht und Angst hat für mich richtig gut funktioniert.
???????????????? / 5
Atmosphäre: ???????????????? / 5
Chemie: ✨✨✨ / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️ / 5
Vier Eulen für eine düstere Drachenfantasy mit Hexenjagd-Vibes, spannenden Trials und einer Welt, in der die größte Gefahr vielleicht nicht nur von den Drachen ausgeht.
Rezensionen von Zwerg:
Das Fundbüro der verlorenen Schätze - Geisterspuk von Mascha Matysiak
Schaurig gut
Dieses Buch ist nun schon das dritte was wir aus dieses Reihe gelesen haben.
Das Cover passt sich super der Reihe an und ist passend zum Thema des Buchs, aber passt auch zu denen davor.
Auch hier konnten wir wieder selbst entscheiden, wie die Geschichte verlaufen soll.
Ein Geistermädchen wird vermisst und an Halloween im Freizeitpark müssen wir nach ihr Ausschau halten.
Meine Tochter hat sich beim ersten Mal lesen für eine recht schnelle Version entschieden und wir waren mit dem Buch fix durch. Aber es war trotzdem spannend und sie möchte es unbedingt nochmal lesen und wissen, wie es noch enden könnte.
Was mir noch aufgefallen ist. Auf dem Buchrücken scheint bei uns unserem Exemplar ein Druckfehler . In einem Kästchen steht sonst immer „das Fundbüro der verlorenen Schätze“ und dann daneben Geisterspuck, oder bei den anderen war es u. B. Poseidons Dreizack. Dieses Kästchen ist bei uns leer.
Rezensionen von nil_liest:
Love and Rent von Jo Cheetham
Liebesromane sind längst mehr als Herzklopfen und Happy Ends
Kaum ein Genre ist so vielseitig wie der Liebesroman. Mal ist er leicht und romantisch, mal gesellschaftskritisch, mal humorvoll und manchmal stellt er die Liebe sogar komplett infrage. *Love and Rent* von Jo Cheetham gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Zwar spielt eine Beziehung eine zentrale Rolle, doch eigentlich geht es um viel mehr: finanzielle Unsicherheit, weibliche Selbstbestimmung, Freundschaft und die Frage, wie viel von sich selbst man aufgibt, wenn Sicherheit plötzlich verlockender erscheint als Überzeugungen.
Hannah mochte romantische Komödien noch nie, in denen ein Mann das Leben einer Frau rettet – und findet sich ausgerechnet selbst in einer Situation wieder, die diesem Klischee erschreckend nahekommt. Als der wohlhabende Oscar in ihr Leben tritt, entscheidet sie sich weniger aus Liebe als aus pragmatischen Gründen für ihn. Eine warme Wohnung, finanzielle Stabilität und keine Existenzängste mehr – wer würde darüber nicht zumindest nachdenken? Gerade dieser Zwiespalt macht Hannah zu einer glaubwürdigen Figur. Man versteht viele ihrer Entscheidungen, auch wenn man sie nicht immer gutheißt.
Besonders gefallen hat mir, dass der Roman deutlich tiefgründiger ist, als das Cover oder der Titel zunächst vermuten lassen. Hinter den humorvollen Dialogen und den oft ironischen Beobachtungen verbergen sich ernste Themen: Klassenunterschiede, prekäre Lebensverhältnisse, schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen und die Unsicherheit einer Generation, die trotz Vollzeitjob oft kaum über die Runden kommt. Dabei gelingt Jo Cheetham ein schöner Spagat zwischen Leichtigkeit und Nachdenklichkeit.
Ein echtes Highlight sind für mich die Freundschaften. Die Dynamik zwischen Hannah, Kiera und Bex wirkt ehrlich, liebevoll und manchmal auch schmerzhaft. Gerade weil Hannah sich immer weiter von ihrem bisherigen Leben entfernt, wird deutlich, wie wichtig diese Beziehungen eigentlich sind. Für mich sind sie das emotionale Herzstück des Romans.
Auch der Schreibstil trägt viel zum Lesegenuss bei. Locker, witzig und angenehm unaufgeregt erzählt die Autorin von alltäglichen Situationen, ohne dabei oberflächlich zu werden. Die Geschichte liest sich schnell weg, regt aber gleichzeitig immer wieder zum Nachdenken an.
Ganz überzeugt hat mich allerdings nicht alles. Einige Figuren – insbesondere Oscar – bleiben etwas klischeehaft, und stellenweise hätte ich mir mehr Zwischentöne gewünscht. Auch Hannahs Entwicklung verläuft über weite Strecken eher zurückhaltend, sodass ich mir an manchen Stellen gewünscht hätte, sie würde früher konsequenter für sich selbst einstehen.
Das Ende hat für mich jedoch vieles aufgefangen. Es zeigt auf eine moderne und glaubwürdige Weise, dass persönliches Glück nicht davon abhängt, einen Partner zu haben, sondern den eigenen Weg zu finden und sich selbst dabei nicht aus den Augen zu verlieren.
Fazit: *Love and Rent* ist kein klassischer Liebesroman, sondern eine kluge, zeitgemäße Geschichte über Geld, Unabhängigkeit, Freundschaft und die kleinen Kompromisse, die wir manchmal eingehen. Unterhaltsam, ehrlich und mit mehr Tiefgang, als ich erwartet hatte.
Rezensionen von nil_liest:
Querfeldein von Alex Capus
Wo Grenzen enden und Geschichten anfangen
Manche Dörfer liegen an einer Grenze. Andere sind eine Grenze.
In Ramsen allerdings scheint sie nicht auf einer Landkarte zu verlaufen, sondern mitten durch die Geschichten der Menschen. Sie kommen nachts, heimlich und querfeldein, verschwinden wieder im Schnee, tragen Waren, Geheimnisse, politische Überzeugungen oder einfach nur die Sehnsucht nach einem anderen Leben über die unsichtbare Linie.
Und irgendwo dazwischen steht ein Wirtshaus namens „Zur Moskau“, in dem die Welt einkehrt, bevor sie wieder auseinandergeht.
Hier beginnt Alex Capus’ Querfeldein – und zunächst beginnt es erstaunlich unspektakulär: mit Arnold, einem jungen Mann, der sich nicht recht vorstellen kann, sein ganzes Leben an einem Ort zu verbringen. Arbeit, weiterziehen, wieder Arbeit, weiterziehen. Bloß nicht dieses bürgerliche Leben, das sich wie ein schlecht sitzender Mantel über einen legt. Bis das Leben andere Pläne mit ihm hat. Arnold bleibt. Er baut einen Gasthof. Und dann kommt Betty – hoch zu Ross durch den Schnee. Aus zwei Menschen werden acht Kinder, aus einem Gasthof ein Mittelpunkt des Dorfes und aus einem scheinbar kleinen Familienroman langsam ein Stück großer Geschichte.
Capus erzählt dabei nicht einfach die Geschichte einer Familie. Er erzählt, wie Geschichte in Küchen, Wirtshäusern und Schlafzimmern landet. Wie politische Entscheidungen, die irgendwo weit entfernt getroffen werden, plötzlich darüber bestimmen, wer eine Grenze passieren darf, wer Schmuggler ist, wer Verbrecher, wer Held – und wer sich verliebt.
Besonders Clara, Arnolds älteste Tochter, bringt Bewegung in diese Welt. Sie scheint schon früh nicht dafür gemacht zu sein, sich in die vorgesehenen Linien ihres Lebens einzufügen. Als sie sich 1933 in Hermann Weber verliebt, einen Schmuggler, der sich weder von Uniformen noch von Grenzen besonders beeindrucken lässt, bekommt der Roman eine andere Temperatur. Aus Dorfgeschichten wird Widerstand, aus einer Liebesgeschichte eine politische Angelegenheit. Und plötzlich ist dieses kleine Grenzdorf nicht mehr klein.
Was mir an *Querfeldein* besonders gefällt, ist, dass Capus die große Geschichte nicht von oben erzählt. Keine Staatsmänner im Mittelpunkt, keine endlosen politischen Erklärungen. Stattdessen stehen da Wirt, Schmuggler, Tochter, Bauern, Handwerker und die Menschen am Stammtisch. Diejenigen also, die Geschichte nicht schreiben, aber mit ihr leben müssen.
Und genau darin liegt eine große Stärke des Romans.
Capus hat einen ausgesprochen liebevollen Blick auf seine Figuren. Er lässt ihnen ihre Schrullen, ihre Widersprüche und ihre kleinen Absurditäten. Manche sind dabei fast ein wenig zu eigenwillig, beinahe wie Figuren aus einem modernen Märchen. Aber vielleicht ist genau das die richtige Form für diese Geschichte. Denn *Querfeldein* möchte gar kein nüchterner historischer Tatsachenroman sein. Es ist eher eine Dorfchronik mit Märchenstaub an den Schuhen und Schnee im Kragen.
Der Schreibstil passt wunderbar dazu. Capus schreibt ruhig, klar und mit einer unaufdringlichen Eleganz. Er muss seine Pointen nicht mit einem Ausrufezeichen markieren. Oft steckt der Humor in einem Nebensatz, einer Beobachtung oder einem Dialog. Es ist dieser leise, verschmitzte Humor, der die Geschichte davor bewahrt, schwer zu werden – obwohl sie von Flucht, politischen Spannungen, Verlust und den Zumutungen ihrer Zeit erzählt.
Überhaupt hat Capus ein bemerkenswertes Gespür für **Zwischentöne**. Er interessiert sich für die kleinen Bewegungen eines Menschenlebens: dafür, wie jemand älter wird, wie sich ein Paar verändert, wie Kinder ihre Eltern irgendwann überholen, wie aus einem jungen Mann ein Wirt und aus einem Mädchen eine Frau wird. Das Leben passiert hier nicht in großen Kapiteln, sondern in vielen kleinen Verschiebungen.
Und dann ist da diese Landschaft.
Schnee. Wald. Grenzwege. Ein abgelegenes Dorf. Das Wirtshaus mit seinem Stammtisch. Die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz, die auf dem Papier eine klare Linie sein mag, im Leben der Menschen aber erstaunlich durchlässig erscheint. Capus macht aus diesem Ort beinahe eine eigene Figur. Die Landschaft wird zum Resonanzraum für das, was die Menschen nicht aussprechen.
Besonders reizvoll fand ich die Verbindung von erfundener Familiengeschichte und historisch verbürgten Ereignissen rund um Hermann Weber. Historische Dokumente und Briefe geben dem Roman dabei einen zusätzlichen Boden unter den Füßen. Gleichzeitig erlaubt sich Capus erzählerische Freiheit und einen modernen Ton. Nicht jede Figur und nicht jede Entwicklung wirkt dadurch vollkommen realistisch – manches ist bewusst zugespitzt, fast grotesk. Aber gerade diese Mischung aus Recherche und Fabulierlust macht den besonderen Charme des Romans aus.
Querfeldein ist deshalb für mich weniger ein Roman über Schmuggel als ein Roman über Grenzen geografische, politische, gesellschaftliche und ganz persönliche.
Was darf man überschreten? Was muss man überschreiten?
Und wann wird aus einem Menschen, der sich nicht an eine Grenze hält, plötzlich jemand, der für seine Freiheit bezahlt?
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, ein ganzes Dorf kennengelernt zu haben – mit seinen Stammtischgeschichten, Liebesgeschichten, Geheimnissen und politischen Abgründen. Capus erzählt große Geschichte, ohne sie groß aufzublasen. Er macht sie klein genug, dass man sie anfassen kann.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kunst dieses Romans: Die Weltgeschichte kommt nicht durch das große Tor. Sie schleicht nachts über den Feldweg. Querfeldein.
Rezensionen von Simone:
Alpine Vitalküche von Karin Hofinger
Verbindung aus Genuss, bewusster Ernährung und regionaler Küche
Als ich das Kochbuch Alpine Vitalküche – 120 nachhaltige Genussrezepte von Karin Hofinger aus dem Tyrolia Verlag durchgeblättert habe, war ich sofort von der Verbindung aus Genuss, bewusster Ernährung und regionaler Küche begeistert. Das Buch zeigt für mich sehr schön, dass eine ausgewogene Ernährung keineswegs langweilig sein muss, sondern abwechslungsreich, kreativ und vor allem richtig lecker sein kann.
Besonders gut gefällt mir die große Vielfalt der Rezepte. Das Buch beginnt mit Brot sowie Salaten und Vorspeisen, bietet anschließend verschiedene Suppen und Eintöpfe und führt weiter zu den Hauptgerichten. Dabei kommen sowohl vegetarische und vegane Gerichte als auch Rezepte mit Fleisch oder Fisch vor. Auch für Naschkatzen ist einiges dabei: Süße Speisen und Getränke runden die Sammlung ab. Dadurch finde ich für ganz unterschiedliche Gelegenheiten und Geschmäcker passende Ideen.
Für mich ist das Buch aber mehr als eine reine Rezeptsammlung. Neben den Gerichten vermittelt Karin Hofinger viel Wissenswertes über alpine Lebensmittel und deren Besonderheiten. Gerade diese zusätzlichen Informationen finde ich interessant, weil ich dadurch nicht nur neue Rezepte kennenlerne, sondern auch mehr über die Produkte erfahre, die in der alpinen Küche eine wichtige Rolle spielen.
Ein weiterer Pluspunkt ist der saisonale Ansatz. Die Rezepte orientieren sich an dem, was zu unterschiedlichen Jahreszeiten verfügbar ist. Das empfinde ich als besonders sinnvoll und nachhaltig, weil dadurch regionale Lebensmittel stärker in den Mittelpunkt rücken. Gleichzeitig bekomme ich Anregungen, wie ich mit einfachen Zutaten abwechslungsreich kochen kann.
Auch optisch macht das Kochbuch einen sehr schönen Eindruck. Die übersichtliche Gestaltung und die ansprechenden Fotos machen direkt Lust darauf, die Gerichte selbst auszuprobieren. Die Anleitungen sind verständlich aufgebaut, sodass auch weniger geübte Köchinnen und Köche gut damit zurechtkommen. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, am liebsten sofort in die Küche gehen und eines der Rezepte ausprobieren zu wollen.
Insgesamt empfinde ich Alpine Vitalküche als ein sehr vielseitiges Kochbuch, das Genuss und bewusste Ernährung miteinander verbindet. Besonders überzeugt mich die Mischung aus abwechslungsreichen Rezepten, saisonalen und alpinen Produkten sowie dem umfangreichen Hintergrundwissen. Wer gerne frisch, ausgewogen und mit regionalem Bezug kocht und dabei neue Ideen sucht, findet in diesem Buch meiner Meinung nach eine inspirierende und schön gestaltete Sammlung.
Für mich ist Alpine Vitalküche deshalb ein Kochbuch, das nicht nur zum Kochen einlädt, sondern auch dazu, sich bewusster mit Lebensmitteln und ihrer Herkunft auseinanderzusetzen.
Rezensionen von nil_liest:
Honey und Blondie von Ubin Eoh
Zwei Körper, ein Herz – und eine Freundschaft, die alles aushält
Manche Freundschaften beginnen mit einem „Willst du mit mir spielen?“. Andere mit einer Schleckmuschel. Und manche gehen so tief, dass man irgendwann nicht mehr weiß, wo der eigene Körper aufhört und der des anderen beginnt.
Honey und Blondie lernen sich als Kinder im Berlin der 90er kennen.
Eine Koreanerin und eine Deutsche, zwei Mädchen aus unterschiedlichen Familien und Lebenswelten – und doch sofort miteinander verbunden. Sie teilen Süßigkeiten, Geheimnisse, erste Schwärmereien, später Geld, Alkohol, Liebeskummer und die großen und kleinen Katastrophen des Erwachsenwerdens. Vor allem aber teilen sie etwas, das niemand sonst verstehen kann: ihre „Schleckmuschel“. Wenn eine von beiden von Angst oder Panik überwältigt wird, kann die andere buchstäblich in ihren Körper schlüpfen. Was zunächst wie ein seltsamer Zufall erscheint, wird zu einer Art geheimem Zufluchtsort und schließlich zu ihrer ganz eigenen Superkraft. Und vielleicht ist genau darin die schönste Idee dieses Romans verborgen: Was wäre, wenn Empathie nicht nur bedeuten würde, den anderen zu verstehen, sondern für einen Moment tatsächlich er selbst zu sein?
Ubin Eoh macht aus diesem fantastischen Einfall kein großes Fantasy-Spektakel. Im Gegenteil. Die Magie wird so selbstverständlich in den Alltag der beiden eingebaut, dass man sie irgendwann nicht mehr hinterfragt. Viel wichtiger ist nämlich, was sie ermöglicht: Honey kann erfahren, wie es ist, mit Blondies Leben zu leben – und Blondie mit Honeys. Dadurch werden Unterschiede plötzlich körperlich spürbar: Herkunft, Rassismus, soziale Ungleichheit, Sexismus, Verletzlichkeit. Die „Schleckmuschel“ ist damit nicht nur Zauberei, sondern ein ziemlich kluges literarisches Bild für radikale Nähe.
Besonders schön ist, wie lange wir die beiden begleiten dürfen. Aus den Mädchen werden Teenagerinnen, aus Teenagerinnen junge Frauen, und irgendwann stehen sie mitten im Leben. Die Freundschaft verändert sich, wird erwachsener, bekommt Risse und neue Formen – bleibt aber dieser eine Ort, an dem beide ganz sie selbst sein dürfen. Als Blondie schwer erkrankt, bekommt dieses Band eine ganz andere Schwere: Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, die Ängste der anderen mitzutragen, sondern um die Frage, wie weit man für einen Menschen gehen kann, den man liebt.
Dabei erzählt Eoh erstaunlich leicht. Ihr Stil ist modern, direkt und wunderbar ungekünstelt. Die Dialoge haben Tempo, die Sprache klingt nach echten Menschen und nicht nach Figuren, die gerade einen Roman bevölkern. Besonders die kleinen Alltagsbeobachtungen machen den Text lebendig. Und dann ist da dieses herrliche 90er-/2000er-Gefühl: Diddlmäuse, Fructis, Cola-Kracher, Prinzenbad und all die kleinen Dinge, die plötzlich wie Zeitkapseln funktionieren. Wer in dieser Zeit groß geworden ist, dürfte beim Lesen mehrfach denken: Oh Gott, ja – genau so war das!
Gleichzeitig bleibt der Roman nicht in Nostalgie stecken. Hinter dem Humor liegen Fragen nach Identität, Herkunft, Zugehörigkeit und den Zumutungen des Erwachsenwerdens. Eoh schafft es dabei, schwere Themen nicht mit Bedeutungsschwere zuzudecken. Vieles darf gleichzeitig komisch, traurig, absurd und schmerzhaft sein – so wie das Leben eben.
Und vielleicht ist das Schönste an *Honey und Blondie*, dass die Freundschaft hier nicht als perfekte Harmonie verkauft wird. Sie ist manchmal selbstverständlich, manchmal kompliziert, manchmal beinahe zu eng. Aber sie besitzt etwas, wonach sich wahrscheinlich jeder Mensch sehnt: emanden, bei dem man nichts erklären muss.
Ein warmherziger, witziger und überraschend berührender Debütroman über Freundschaft, die nicht nur neben einem steht, sondern buchstäblich unter die Haut geht.
Rezensionen von nil_liest:
Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange
Manche Wege führen nicht nach Norden, sondern zurück
Manchmal muss man einem Menschen bis ans Ende der Welt folgen, um ihm endlich wirklich zu begegnen. Bei Liliane ist es ausgerechnet ihr 89-jähriger Vater, der sie auf diesen ungewöhnlichen Weg zwingt: Nach einem Herzinfarkt in den schottischen Highlands will er keineswegs zurück ins sichere Zuhause.
Er will weiter. Genau dorthin, wo er als junger Mann schon einmal unterwegs war. Und Liliane, frisch geschieden und eigentlich gerade erst dabei, ihr eigenes Leben neu zu sortieren, bleibt nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.
So beginnt eine Wanderung, die schnell zu etwas ganz anderem wird als einer Reise durch die raue schottische Landschaft. Zwischen Wind, Einsamkeit, Feldsteinhütten und körperlicher Erschöpfung brechen nach und nach die verschlossenen Türen einer Familiengeschichte auf. Der Vater erzählt von seiner Kriegskindheit in Potsdam, vom Verlust seiner Frau und Lilianes Mutter, von einem Leben, über das bisher vieles unausgesprochen geblieben ist.
Dabei ist besonders schön, wie die äußere Landschaft und die innere Reise ineinandergreifen. Jeder zurückgelegte Kilometer scheint ein Stück Vergangenheit freizulegen. Liliane begegnet ihrem Vater dabei neu – und muss gleichzeitig erkennen, wie viel von seiner Härte, seinen Vorstellungen und seinen alten Mustern in ihrem eigenen Leben weiterlebt. Vor allem ihre Beziehungen zu Männern und ihr Verhältnis zu ihrem Sohn erscheinen plötzlich in einem anderen Licht.
Alexa Hennig von Lange erzählt diese Annäherung nicht geradlinig. Erinnerungen tauchen auf, verschwinden wieder, neue Puzzleteile kommen hinzu. Dadurch entsteht das Bild einer Familie, deren Geschichte lange aus Lücken, Missverständnissen und unausgesprochenen Verletzungen bestanden hat. Die „alten Pfade“ sind deshalb ein treffendes Bild: Es geht nicht nur um einen früheren Wanderweg, sondern um die Wege, die Menschen innerhalb einer Familie immer wieder gehen – manchmal, ohne zu bemerken, dass sie dabei alte Muster wiederholen.
Besonders atmosphärisch sind die Highlands. Sie sind hier nicht bloß pittoresche Kulisse, sondern fast ein stiller Gegenpart zu den beiden Figuren: weit, rau, einsam und unberechenbar. Die körperliche Anstrengung der Wanderung schafft zugleich einen Raum, in dem Gespräche möglich werden, für die im normalen Alltag offenbar nie der richtige Zeitpunkt da war.
Der Schreibstil bleibt dabei angenehm klar und unaufgeregt. Gerade dadurch können die emotionalen Momente wirken, ohne dass sie ständig dramatisch ausgestellt werden. Die Rückblicke fügen sich nach und nach zusammen und geben sowohl dem Vater als auch Liliane immer neue Konturen.
Emotional funktioniert der Roman dagegen gerade dort, wo er nicht versucht, Vergangenheit einfach ungeschehen zu machen. Es geht vielmehr um das späte Verstehen: darum, einen Menschen nicht nur als den Vater zu sehen, der er für einen selbst war, sondern auch als den jungen Mann, das Kriegskind und den verletzten Menschen, der er einmal gewesen ist.
Und vielleicht liegt darin die leise Stärke dieses Romans: Man kann die alten Pfade nicht zurücknehmen. Aber man kann irgendwann aufhören, sie immer wieder zu gehen.
Eine einfühlsame Vater-Tochter-Geschichte über Nähe, Distanz, Vergebung und die manchmal erstaunliche Möglichkeit, einen Menschen ganz am Ende doch noch neu kennenzulernen.
Rezensionen von libraryoflaura:
Das Krähenzimmer von Carolin Frey
Sie suchte Schutz in ihrer Vergangenheit, und zog direkt in das Haus einer Toten.
WORUM GEHT ES?
Stell dir vor, der sicherste Ort deiner Kindheit wird plötzlich zum unheimlichsten Ort der Welt. Genau das passiert Lotta, als sie vor den Trümmern ihres Lebens aus Berlin flieht und im dunklen November Schutz im alten Reetdachhaus ihrer Kindheit sucht. Doch die erhoffte Zuflucht wird zum Albtraum.
Das Dorf begegnet ihr mit Ablehnung und feindseligen Blicken. Und hinter den Wänden des Hauses wartet das Grauen bereits. Schritte über ihr, die nicht sein dürften. Ein dumpfes Klopfen aus dem Keller, das nicht da sein sollte. Ein verhallendes Kinderlachen ohne jeden Ursprung. Dazu dieses eiskalte Gefühl im Nacken, dass ihr jemand ganz nah ist, selbst wenn sie schläft. Als schließlich ein Tagebuch auftaucht, verwandelt sich Lottas Flucht in einen beklemmenden Überlebenskampf. Denn das Haus hütet ein finsteres Geheimnis, und der Schatten, der Lotta auf Schritt und Tritt folgt, hat längst beschlossen, dass sie diesen Ort niemals wieder lebend verlassen wird.
WAS MIR GUT GEFIEL:
- Schreibstil, der einfach sprachlos macht: Carolin Frey schreibt unglaublich atmosphärisch und so souverän, als hätte sie in ihrem Leben nie etwas anderes gemacht, als Thriller zu schreiben. Die Beschreibungen, die Stimmung, die unterschwellige Bedrohung, alles greift perfekt ineinander und zieht einen immer tiefer hinein.
- Atmosphäre die unter die Haut geht: Kälte, Dunkelheit, Nebel, Meer, Einsamkeit und dieses Haus. Die Atmosphäre ist wirklich eine der größten Stärken des Buches. Es gibt Thriller, die spannend sind, und es gibt Thriller, die dafür sorgen, dass man abends noch einmal kontrolliert, ob wirklich alle Türen abgeschlossen sind. "Das Krähenzimmer" gehört definitiv zur zweiten Kategorie.
- Fesselnder Perspektiv-Mix: Durch Lottas Ich-Perspektive sind wir ihr unglaublich nah und erleben ihre Angst, Zweifel und Unsicherheit hautnah mit. Ergänzt wird ihre Sicht durch geheimnisvolle Tagebucheinträge und düstere Abschnitte mit beklemmenden Verhaltensregeln, bei denen man nie genau weiß, wer sie verfasst hat. Dieses Perspektivgeflecht macht das Buch so unglaublich vielschichtig und lässt einen ständig rätseln, wem man eigentlich trauen kann.
- Ein Finale wie ein emotionaler Totalschaden: Die letzten Seiten lösen alles in einem so extremen Tempo auf, dass man kaum zum Atmen kommt. Der Plot ist stark und schlüssig durchdacht, während man im Minutentakt zwischen Wut, Entsetzen, Fassungslosigkeit und Trauer hin- und hergeworfen wird. Wenn ein Finale einen emotional so komplett weggrätscht, hat die Autorin einfach alles richtig gemacht.
WAS MIR WENIGER GUT GEFIEL:
- Lottas nicht vorhandener Überlebensinstinkt: Ich hätte sie beim Lesen so oft einfach nur schütteln, ins Auto zerren und weit weg aus diesem Ort fahren wollen, denn sie hat mich streckenweise echt zur Verzweiflung gebracht. Aber gut, ohne ihre waghalsigen Entscheidungen hätten wir wohl auch keinen Thriller gehabt.
- Im Nebel verpuffte Fährten: Einige Nebenstränge und Details rund um den Ort und das Haus verpuffen zum Ende hin leider ohne echte Antwort. Das hat der durchgehenden Spannung zwar null Abbruch getan und war für den Plot nicht zwingend entscheidend, aber als Leserin bleibt man da mit ein paar offenen Fragen zurück. Bei so einem grandiosen Debüt drücke ich da aber mehr als gerne ein Auge zu.
FAZIT:
Ein absolutes Highlight und ein so unfassbar starkes Debüt! Ich habe mich gegruselt, mitgefiebert, mitgerätselt und am Ende emotional wirklich alles mitgenommen. Das Buch endet mit einem kleinen fiesen Cliffhanger, der mich mit der riesigen Hoffnung zurücklässt, dass wir ganz bald eine Fortsetzung bekommen. Aber ganz ehrlich, selbst wenn keine kommt, freue ich mich jetzt schon riesig auf absolut alles, was wir von Carolin Frey in Zukunft noch lesen dürfen.










