Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Havers:
Four Heads Missing von Thorsten Schleif
Kopflose Leichen und die Suche nach dem Täter
Auch wenn ich True Crime Krimis üblicherweise nicht mag, habe ich doch nach der Leseprobe zu Thorsten Schleifs „Four Heads Missing“ gegriffen, da ich seit langer Zeit ein besonderes Faible für die englische Metropole und deren, auch kriminelle Historie, habe.
Ich wurde nicht enttäuscht, denn der Autor schafft es, diesen auf den ersten Blick doch sehr grausigen Fall mit der nötigen Distanz zu schildern, sowie durch den fiktionalen Anteil (d.
h. die Beteiligung von William Berger und Irene Adams an den Ermittlungen) dem Ganzen dann doch etwas die Schwere zu nehmen.
Schleif gelingt es sehr gut, das historische Setting mit all seinen Schattenseiten anschaulich zu beschreiben, ganz gleich, ob das nun spezielle Orte in London z.B. das Embankment (Themse-Ufer) oder die Lebensumstände der Ärmsten sind. Er verzichtet auf übermäßiges psychologisieren, konzentriert sich auf die Ermittlungsarbeit und baut kontinuierlich Spannung durch die eingeschobenen Kapitel aus Tätersicht auf. Die Auflösung des Falls entwickelt sich logisch, bringt aber am Ende dann doch noch einen ganz besonderen Twist.
Hilfreich ist das Personenregister zu Beginn des Buches und was Stil und Sprache angeht, gibt es aus meiner Sicht auch nur einen Punkt, der mich mit zunehmendem Lesen gestört hat, nämlich die schon fast inflationäre Verwendung des Wortes „Leibwächter“ für William Berger. Das geht besser.
Alles in allem ein spannender Kriminalfall aus der viktorianischen Londoner Vergangenheit, den ich fast ohne Unterbrechung in einem Rutsch gelesen habe.
Rezensionen von Havers:
Four Heads Missing von Thorsten Schleif
Kopflose Leichen und die Suche nach dem Täter
Auch wenn ich True Crime Krimis üblicherweise nicht mag, habe ich doch nach der Leseprobe zu Thorsten Schleifs „Four Heads Missing“ gegriffen, da ich seit langer Zeit ein besonderes Faible für die englische Metropole und deren, auch kriminelle Historie, habe.
Ich wurde nicht enttäuscht, denn der Autor schafft es, diesen auf den ersten Blick doch sehr grausigen Fall mit der nötigen Distanz zu schildern, sowie durch den fiktionalen Anteil (d.
h. die Beteiligung von William Berger und Irene Adams an den Ermittlungen) dem Ganzen dann doch etwas die Schwere zu nehmen.
Schleif gelingt es sehr gut, das historische Setting mit all seinen Schattenseiten anschaulich zu beschreiben, ganz gleich, ob das nun spezielle Orte in London z.B. das Embankment (Themse-Ufer) oder die Lebensumstände der Ärmsten sind. Er verzichtet auf übermäßiges psychologisieren, konzentriert sich auf die Ermittlungsarbeit und baut kontinuierlich Spannung durch die eingeschobenen Kapitel aus Tätersicht auf. Die Auflösung des Falls entwickelt sich logisch, bringt aber am Ende dann doch noch einen ganz besonderen Twist.
Hilfreich ist das Personenregister zu Beginn des Buches und was Stil und Sprache angeht, gibt es aus meiner Sicht auch nur einen Punkt, der mich mit zunehmendem Lesen gestört hat, nämlich die schon fast inflationäre Verwendung des Wortes „Leibwächter“ für William Berger. Das geht besser.
Alles in allem ein spannender Kriminalfall aus der viktorianischen Londoner Vergangenheit, den ich fast ohne Unterbrechung in einem Rutsch gelesen habe.
Rezensionen von Havers:
Four Heads Missing von Thorsten Schleif
Kopflose Leichen und die Suche nach dem Täter
Auch wenn ich True Crime Krimis üblicherweise nicht mag, habe ich doch nach der Leseprobe zu Thorsten Schleifs „Four Heads Missing“ gegriffen, da ich seit langer Zeit ein besonderes Faible für die englische Metropole und deren, auch kriminelle Historie, habe.
Ich wurde nicht enttäuscht, denn der Autor schafft es, diesen auf den ersten Blick doch sehr grausigen Fall mit der nötigen Distanz zu schildern, sowie durch den fiktionalen Anteil (d.
h. die Beteiligung von William Berger und Irene Adams an den Ermittlungen) dem Ganzen dann doch etwas die Schwere zu nehmen.
Schleif gelingt es sehr gut, das historische Setting mit all seinen Schattenseiten anschaulich zu beschreiben, ganz gleich, ob das nun spezielle Orte in London z.B. das Embankment (Themse-Ufer) oder die Lebensumstände der Ärmsten sind. Er verzichtet auf übermäßiges psychologisieren, konzentriert sich auf die Ermittlungsarbeit und baut kontinuierlich Spannung durch die eingeschobenen Kapitel aus Tätersicht auf. Die Auflösung des Falls entwickelt sich logisch, bringt aber am Ende dann doch noch einen ganz besonderen Twist.
Hilfreich ist das Personenregister zu Beginn des Buches und was Stil und Sprache angeht, gibt es aus meiner Sicht auch nur einen Punkt, der mich mit zunehmendem Lesen gestört hat, nämlich die schon fast inflationäre Verwendung des Wortes „Leibwächter“ für William Berger. Das geht besser.
Alles in allem ein spannender Kriminalfall aus der viktorianischen Londoner Vergangenheit, den ich fast ohne Unterbrechung in einem Rutsch gelesen habe.
Rezensionen von tonton:
Schascha und der Buchspazierer von Carsten Sebastian Henn
Schönes Buch aber mit schweren Themen
Dieses Buch ist eine Neuerzählung von "Der Buchspazierer" für junge Leser: innen ab 9 Jahren. Ich kenne das Original nicht und kann daher nicht beurteilen, wie ähnlich die beiden Geschichten sind.
Dieses Buch folgt Schascha, einem kleinen Mädchen, das eines Tages beschließt, den "Buchspazierer" auf seinen Rundgänge zu begleiten, um herauszufinden, was er die ganze Zeit macht.
Sie entwickelt eine schöne Freundschaft mit dem alten Mann und lernt seine Kunden kennen, bis ihr Vater mitbekommt, dass sie ihre Tage mit dem Mann verbringt, anstatt zur Schule zu gehen.
Die Geschichte ist in einer kinderfreundlichen Sprache erzählt und die Aufmachung des Buches ist sehr schön.
Wo ich nicht ganz begeistert bin sind einige Themen, die ich ein bisschen schwer für jungere Leser finde. Eine der Figuren ist ein Opfer häuslicher Gewalt, und es wird ziemlich klar im Buch, dass sie geschlagen wird. Schaschas Vater reagiert auch aggressiv, wenn er erfährt, dass sie ihre Zeit mit einem alten Mann verbringt. Er beschwert sich beim Arbeitgeber des Buchspazierers, sodass dieser gekündigt wird, dann brüllt ihn an und schubst ihn, ohne sich danach darum zu kümmern, dass der Mann sich schwer verletzt hat.
Rezensionen von verhei:
tiptoi® Abenteuer Großwerden - Smilla lernt ein gutes Miteinander von Sandra Grimm
Umgang in Alltagssituationen in typischer Tiptoi Manier
Smilla lernt gutes Miteinander ist ein weiteres Buch der tiptoi Reihe von Ravensburger zum Thema Groß werden. Alle richten sich an die Altersgruppe 2-3 Jahre, und sollen für die Kleinen eine Welt im Buch zeigen, die ihrem Alltag ähnlich ist.
Hier geht es um den Umgang miteinander und den Gefühlen dabei: Wut, Streit und Entschuldigen, Rücksicht nehmen.
Eben dem Umgang mit Alltagssituationen. Man ist zu Hause, im Kindergarten, am Wochenmarkt, bei einer Kinderfeier, im Park und beim Abendritual. Also alles vertraute Situationen.
Jede Doppelseite ist von einem kurzen Text begleitet, um die Situation zu umrahmen. Doch die zeichnerische Gestaltung gibt auch ohne Text genug Kontext und viel zu entdecken. Mit dem tiptoi-Stift, lassen sich fast alle Darstellung antippen und es gibt entsprechend Geräusche, Dialoge und auch Gedichte. Aber auch die Illustrationen allein bieten viel zum Entdecken. Zusätzlich gibt es auch noch auf zwei Seiten ein Liedersymbol. Das Nein-Sagen-Lied fand ich hier sehr wichtig, da auch vermittelt werden soll, dass auch Kinder nein sagen dürfen. Und auch das Hörspiel war sehr gelungen.
Die Handhabung des Tiptoi Stiftes ist wie bei den anderen Büchern der Serie. Alles sehr übersichtlich und gleich lokalisiert. Schnell können sich die Kinder damit auch selbst beschäftigen.
Eine wirklich schöne Ergänzung der Tiptoi-Reihe, weil sie so nahe am Alltag ist. Wir haben uns auch noch für Piet kommt in den Kindergarten entschieden.
Rezensionen von Shilo:
Hummerjahre von Beatrix Gerstberger
Eine Rückkehr mit Folgen
Die Geschichte auf Eagle Island hat mich wieder schnell in ihre Welt hineingezogen. Dabei geht es erneut um Menschen, deren Leben schon im ersten Band eine wichtige Rolle gespielt haben. Gleichzeitig bekommen einige Dinge aus der Vergangenheit noch einmal eine andere Bedeutung.
Besonders Julie ist mir beim Lesen nahegegangen.
Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Freundin ist Julie zunächst sehr allein. Trotzdem versucht sie, wieder etwas mehr am Leben teilzunehmen und nicht nur auf das zu schauen, was sie verloren hat. Gerade diese Entwicklung fand ich sehr gelungen.
Auch Mina und ihre Familie haben einiges aus der Vergangenheit mit sich herumzutragen. Auf Eagle Island kommen Dinge wieder zur Sprache, die lange zurückliegen. Dabei geht es um Liebe, Enttäuschungen und um die Frage, ob man irgendwann mit dem Vergangenen abschließen kann.
Die Figuren wirken sehr menschlich. Niemand macht immer alles richtig und manche Entscheidungen waren beim Lesen nicht leicht nachzuvollziehen. Trotzdem konnte man verstehen, warum die Menschen so handeln. Gerade diese unterschiedlichen Seiten haben die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht.
Eagle Island selbst gehört für mich einfach zu dieser Geschichte dazu. Das Meer, die Hummerboote und das alte Ferienhaus geben dem Ganzen den passenden Rahmen. Manche Szenen waren traurig, andere haben wieder Hoffnung gegeben.
Viele Dinge entwickeln sich eher langsam. Gespräche und Begegnungen sorgen dafür, dass sich nach und nach etwas verändert. Das hat für mich gut zur Geschichte gepasst.
Hummerjahre ist für mich ein stimmiger Abschluss der Hummerfrauen-Reihe. Verlust, Erinnerungen und die Menschen, die einem im Leben wichtig sind, spielen eine große Rolle. Gerade Julies Umgang mit ihrer Vergangenheit hat mich beschäftigt und auch nach dem Lesen noch etwas begleitet.
Am Ende bleibt eine Geschichte über Frauen, die trotz mancher schweren Erfahrungen ihren eigenen Weg suchen. Die Gefühle wirken dabei nicht überzogen, sondern passen zu den Figuren und ihren Erlebnissen. Dafür vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
Rezensionen von Bücherwurmine:
Most Hated Girl von Kirsty Lockwood
Spannende Ausgangslage, ruhige Umsetzung
???? Ein Mord, den alle gesehen haben
Die Ausgangslage hat mich sofort neugierig gemacht: Ein Mord passiert live im Internet und innerhalb kürzester Zeit glaubt jeder zu wissen, was passiert ist. Dazu die Frage, ob Odette tatsächlich das Monster ist, als das sie online dargestellt wird.
⚖️ Mehr als nur die Mordgeschichte
Im Mittelpunkt steht allerdings weniger die Frage nach dem Mord, sondern vor allem Odettes Geschichte.
Sie ist in Armut und ziemlich abgeschottet aufgewachsen und wirkt dadurch sozial etwas unbeholfen. Als sie Amos kennenlernt, scheint sich ihr Leben langsam zu verändern. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen den beiden aber ein immer deutlicheres Machtgefälle.
Gerade diese Entwicklung fand ich interessant, denn das Buch greift einige wirklich relevante Themen auf: Macht und Abhängigkeit, Vorurteile und wie schnell auf Social Media ein Urteil gefällt wird.
???? Sehr aktuell, aber etwas distanziert
Die Themen rund um Social Media haben für mich ganz gut funktioniert. Die Illusion von Nähe durch Online-Präsenz und öffentliche Vorverurteilung kamen zwar rüber, aber für mich hätte die Handlung hier mit einer zusätzlichen Perspektive noch etwas abwechslungsreicher gestalten können.
Was mir zusätzlich gefehlt hat war die emotionale Nähe zu den Figuren. Für mich fühlten sie sich oftmalst eher wie Beobachtungsobjekte als wie echte Menschen an.
???? Ich hatte mehr Spannung erwartet
Durch den Klappentext hatte ich ehrlich gesagt deutlich mehr Spannung erwartet. Stattdessen geht es viel stärker darum, Odettes Vergangenheit zu verstehen und zu beobachten, wie sich das Machtverhältnis zwischen ihr und Amos verändert.
Das fand ich durchaus interessant, war aber einfach nicht ganz das, was ich erwartet hatte.
???? Fazit
Most Hated Girl ist für mich kein schlechtes Buch – im Gegenteil: Die angesprochenen Themen sind aktuell und regen definitiv zum Nachdenken an. Ich hatte mir aufgrund der Ausgangslage allerdings mehr Spannung und emotionalen Sog gewünscht.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fulvia von Jane Draycott
Fulvia - eine ungewöhnliche Frau
Jane Draycott, die britische Historikerin und Archäologin nimmt sich in dieser Biografie einer Frau an, die zu Lebzeiten gehasst und verunglimpft worden ist, weil sie so gar nicht dem Abbild der Frau in der römischen Antike entsprochen hat: Fulvia, Tochter des Marcus Fulvius Bambalio und seiner Frau Sempronia, Tochter des Sempronius Tuditanus.
Ihre exakten Lebensdaten sind nicht gesichert. Geboren um 84–73 v. Chr. und gestorben Mitte 40 v. Chr. ist sie unter anderem eine Zeitgenossin von Gaius Iulius Caesar, verheiratet mit Publius Clodius Pulcher, Gaius Scribonius Curio und in dritter Ehe mit Marcus Antonius.
Fulvia ist eine der wenigen Frauen, die politischen Einfluss offen geltend gemacht hat. Sie ist schon in der Antike bekannt, wird in Briefen und Schriften genannt. Allerdings als abschreckendes Beispiel, wie eine tugendhafte römische Ehefrau NICHT zu sein hatte. Vor allem Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. - 43 v. Chr.) sticht mit seinen wüsten Schmähschriften gegen Fulvia und ihre drei Ehemänner besonders heraus. Dass Cicero nach dem Mord an Gaius Iulius Caesar den Proskriptionen zum Opfer gefallen ist, kommt nicht von ungefähr. Fulvias Mitwirkung bei der Erstellung der Proskriptionslisten ist durchaus möglich, hat sie doch erheblichen Einfluss auf ihren dritten Mann Marcus Antonius. Dass sie allerdings. wie auf dem Bild dargestellt, das das Cover ziert, Ciceros Zunge mit Haarnadeln durchbohrt hat, gehört zur Legende wie vieles andere auch. Das Bild stammt von Pawel Svedomwsky (1849-1904), der es 1898 gemalt hat.
Meine Meinung:
Fulvia ist mir unlängst bei einer Dokumentation über Octavian, also Kaiser Augustus, der als „Friedenskaiser“ gilt, obwohl sein Weg dorthin mit zahlreichen Kriegen innerhalb und außerhalb Roms gepflastert ist, untergekommen. Fulvias Name fällt in historischen Roman häufig, sobald man eine Hassfigur braucht.
Es ist erstaunlich, wie es der Autorin gelungen ist, aus den sehr einseitigen antiken Quellen dieses fesselnde Porträt von Fulvia zu gestalten. Jane Draycott spürt ihr nach, liest akribisch historische Texte über Fulvia, die vorrangig von ihren Gegnern stammen und füllt die Leerstellen ihrer Biografie mit überlieferten Analogien von antiken Frauenleben.
Das Buch ist sehr strukturiert. Wir erhalten einen Einblick in das römische Leben sowie Kenntnis über über die komplexe Nomenklatur der römischen (Herkunfts)Namen. Wie es sich für eine Wissenschaftlerin gehört, hat Jane Draycott ein ausführliches Quellenverzeichnis und eine Zeittafel sowie den Stammbaum der Fulvia und einige Abbildungen und Karten im Anhang angeschlossen- Zudem gibt es eine Bewertung der antiken Quellen.
Bleibt für mich nur die Frage offen, ob der Lancia Fulvia nach der starken Frau benannt worden ist (wahrscheinlich nicht) oder doch eher nach der Via Fulvia, die ihre Bezeichnung zu Ehren des Konsuls Marcus Fulvius Flaccus, einem Weggefährten und Verbündeter der beiden Gracchen, erhalten hat?
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Porträt einer Frau mit ungewöhnlichem Charisma, deren Geschick für strategische Bündnisse nicht immer von Erfolg gekrönt waren und ihr letztlich den Tod ihrer drei Ehemänner sowie ihrer Kinder und ihr selbst die Verbannung eingetragen hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Kwinsu:
Unshame von Louisa Dellert
Die Wahrheit über unsere Körper
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich etwas gewehrt habe, dieses Hörbuch anzuhören. Natürlich hat es damit etwas zu tun, dass ich die Thematik unangenehm finde und ich auch nicht verneinen kann, dass ich das Thema gerne verdränge. Aber auch deswegen, weil es mir in meinem zugegebenermaßen gut gebildeten und akademischen Umfeld gut gelingt, Körper nicht zu thematisieren, weil jede*r doch so sein kann, wie sie oder er ist.
Klarerweise war mir bewusst, dass das aber nicht üblich ist, dass - auch wenn ich mich Körperbewertungen persönlich entziehe - es trotzdem für viele Frauen ein belastendes Thema ist. Wir alle werden bewertet, völlig egal ob wir dick oder dünn sind, ob wir Schönheitsidealen entsprechen oder nicht. Denn das ist die Quintessenz aus dem Buch - egal, was wir äußerlich "leisten" oder nicht, wir als Frauen werden immer bewertet. Und wir bewerten uns selbst, weil es uns in den patriarchalen Strukturen, in denen wir seit Jahrtausenden leben, so gewohnt sind, es uns sozialisiert worden ist.
Besonders eindringlich bleibt mir das erzählte Beispiel von den Fidschi-Inseln in Erinnerungen. Hier erzählt die Autorin von einer wissenschaftlichen Studie. In den 1990ern wurden auf den Fidschi-Inseln, wo es zu dieser Zeit kein "westliches" Fernsehen gab, Schülerinnen befragt, wie sie zu ihren Körpern stehen. Das gängige Schönheitsideal war zu dieser Zeit ein rundliches, wohlgenährtes und beinahe alle Schülerinnen waren zufrieden mit ihrem Körpern, solange er rundlich war. Nur wenige Jahre später, als das westliche geprägte Fernsehen auch auf den Fidschis Einzug gehalten hatte, wurde die Umfrage erneut durchgeführt. Und es zeigte sich: viele Schülerinnen fühlten sich viel zu dick, litten teilweise sogar an Essstörungen. Das zeigt: wie wir Körper sehen, ist "einfach" sozialisiert und vor allem: von Männern geprägt.
Louisa Dellert war selbst Fitness-Influencerin und berichtete jahrelang auf ihrem Insta-Account von ihrem Körperwahn. In "Unshame" berichtet sie uns nicht nur glaubhaft, sondern auch eindringlich, wie manipulativ sämtliche vermittelte Körperideale sind. Sie erklärt historische Entwicklungen, patriarchale Einengungen und Body Positivity anschaulich und nachvollziehbar, macht uns darauf aufmerksam, dass es niemals darum geht, jemanden gefallen zu müssen und dass es essentiell ist, immer das Individuum und dessen körperlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen zu betrachten.
Auch wenn ich es erst nicht wahrhaben wollte, ist diese Buch ein so wichtiger Beitrag dafür, uns als Individuum anzuerkennen und uns klar zu machen, dass wir niemals wie "alle" sein können, dass wir niemals "genug" sein können, solange wir uns nicht selbst so akzeptieren, wie wir sind. Und dass wir gesellschaftlichen Zwängen unterliegen, gegen die wir uns auch wehren müssen. Dass die Scham nicht nur die Seite wechseln muss, sondern ganz verschwinden, wir uns nicht aufdrücken lassen müssen, was wir nicht sind!
Abschließend - neben der essentiellen Thematik - ist zum Hörbuch zu sagen, dass die Sprecherin Luise Georgi das Buch mitreißend und eindringlich einspricht und mit ihrer Eindringlichkeit jede mitreißt, die sich auf die schambehaftete Thematik einlässt. Das Buch - ob gelesen oder gehört - ist für jede Frau, die bereit ist, ihren Horizont zu erweitern, nicht nur ein schmerzlicher Genuss, sondern ein absolutes Muss!
Rezensionen von Libraphil:
Wildboden von Constantin Lieb
Tiefe Beziehungseinblicke
Constantin Lieb gelingt mit „Wildboden“ ein eindringlicher, intelligenter und hellsichtiger Roman über die außergewöhnliche Beziehung zwischen der jungen Erna Schilling und dem Maler Ernst Ludwig Kirchner, der vor dem Hintergrund des drohenden nationalsozialistischen Schattens 1936 in den Schweizer Alpen in Frauenkirch - Wildboden spielt.
Der Autor, der Philosophie und Deutsche Literatur studierte und als Dramaturg und Stipendiat der Villa Aurora arbeitet, verwebt in seinem ersten Roman Vergangenheit und Gegenwart zu einem berührenden Porträt menschlicher Stärke, das lange nachhallt. Lieb beleuchtet Kirchner nicht als bloßen Künstler, sondern als einen von inneren Dämonen und einer schweren Morphiumsucht gezeichneten Mann, dessen Tragödie trotz Ernas bedingungsloser Liebe und ihres Widerstandes gegen die äußere Gefahr unvermeidlich bleibt. Erna Schilling steht dabei als Protagonistin für die lebenslange Sehnsucht nach Halt und die Fähigkeit, aus schmerzhaftem Verlust beeindruckende menschliche Stärke zu entwickeln; sie muss ihr Leben radikal überdenken und selbstbestimmt um ihre eigene Zuversicht kämpfen, nachdem sie den Menschen verliert, dem sie sich bedingungslos verbunden fühlte.
Der Roman selbst stellt die unerzählte Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe dar und verdrängt damit das traditionelle, oft rein kunsthistorisch Biografische, um sich auf die emotionale und psychologische Realität der Beziehung zu konzentrieren. Zwar existieren zahlreiche Biografien, die Kirchner als Künstler porträtieren, doch Lieb fokussiert sich bewusst auf die private, unerzählte Dimension des Menschseins in dunklen Zeiten, die in anderen Werken oft nur am Rand behandelt wird.
Lieb stellt durch eine klare, aber tief emotionale Erzählweise die innere Zerreißprobe seiner Protagonisten und die bedrohliche politische Situation in Deutschland kunstvoll dar. Die Handlung begrenzt sich nicht nur auf die Alpenbezogenheit, sondern erweitert sich thematisch auf die menschliche Suche nach Halt und Widerstandskraft, was Lieb in seiner Sprache besonders gelöst und authentisch vermittelt.
Das Ende verweigert die klassische Romanbefriedigung und setzt stattdessen auf Nachhall. Es zwingt dazu, das Gelesene nicht als abgeschlossene Liebesgeschichte zu konsumieren, sondern als vielschichtige Geschichte über Macht, Beziehungsdynamik, Grenzen und den Preis von Nähe. Gerade diese Unruhe kann man als Stärke lesen, weil sie den Leser nicht entlässt, sondern zur eigenen Stellungnahme zwingt.
Zurück bleiben Nachdenklichkeit und die große Neugier, mit weiterer Recherche die fiktionalen von den realistischen Momenten zu unterscheiden, dem echten Ende doch noch auf die Spur zu kommen.
Und der Blick auf den „Potsdamer Platz“ von 1914 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin wird danach ein anderer sein.
Ein sehr gelungenes Debut.









