Kunden em pfehlungen
Rezensionen von DoraLupin:
Creepy Castle - Die Schule der Geisterjäger (1). Total verspukt! von Thomas Poppe; Heiko Wolz
Perfektes Eltern- Kind- Buch
Ich lese immer wieder gerne gemeinsam mit meinem Sohn Kinderbücher und bei diesem Cover waren wir gleich Feuer und Flamme! Wir lieben leichten Grusel und die schöne Zeichnung auf dem Buch mit dem kleinen Dämonen hat uns direkt angefixt! Aber nicht nur das Cover ist ganz zauberhaft, auf die Zeichnungen im Buch und die Geschichte selbst sind einfach super und wir haben es unheimlich gerne zusammen gelesen!
Die Story handelt von Creepy Castle, seit Jahrhunderten lernen hier angehende Geisterjäger alles, was man wissen muss, um Geister, Vampire, Dämonen und sonstigen Spuk unschädlich zu machen.
Endlich darf auch Weeny, die Tochter des Direktors, auf die Schule gehen! Gleich am ersten Tag trifft sie ihren Mitschüler Finn, der ihr die kalte Schulter zeigt. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm! Doch bevor Weeny hinter sein Geheimnis kommen kann, muss sie sich mit ihm zusammentun. Denn Creepy Castle schwebt in großer Gefahr. Ein uraltes und gefährliches Wesen bedroht die Schule. Können Weeny und Finn sie gemeinsam retten? Vielleicht mithilfe eines (leider viel zu niedlichen) Dämons? Und werden sie dabei vielleicht sogar Freunde?
Der Schreibstil war wirklich toll! Sehr einfach, kindgerecht und leicht verständlich, aber auch immer so spannend und mitreißend das man als Erwachsener seinen Spaß hatte. Das Schloss und die Charaktere werden mit wenigen Worten bildhaft beschrieben und die tollen Zeichnungen nehmen einen noch besser mit auf diese ganz besondere Schule. Mit Finn und Weeny konnte mein Sohn schnell mitfiebern und da die Geschichte wechselt aus beiden Sichten erzählt wird, kann man sich als Leser sehr gut in die Charaktere hineinversetzen. Vorallem Weeny war uns auch sehr schnell sympathisch, wie auch der kleine Dämon Whisk, der der heimliche Liebling wurde.
Einerseits besteht das Buch aus vielen tollen Alltagssituationen die sich an Schulen finden wie neue Freunde finden, Heimweh und auch mal fürs quatschen ermahnt zu werden, das Buch hat aber auch immer wieder schöne Details für die Erwachsenen bereit. Mein Sohn und ich haben uns bestens unterhalten gefühlt und haben am Ende ein kleines Wechselbad der Gefühle durchlebt. Wir freuen uns schon jetzt auf den zweiten Teil und können das Buch nur weiterempfehlen, gerade für Eltern-Kind- Gespann ist die Geschichte ein Hit!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Jenseits von Gut und Böhme von Adrian Draschoff
Herrlicher Krimi-Spaß!
Friedel Böhme ist seit einiger Zeit Witwe und lebt mit ihrem Kater allein. Friedel ist schrullig bis missmutig. Als sie mit einem Messer eine Scheibe Brot aus dem eingeschaltenen Toaster stochern will, gibt es einen Kurzschluss und Friedel ist kurz tot. Danach ist nichts mehr wie zuvor, denn vor ihrer Wohnungstüre stehen zahlreiche Geister, die sie um Hilfe bitten.
Denn eines haben die Geister gemeinsam: Sie sind alle Geister von Ermordeten.
„Es war 8:46 Uhr an einem Dienstagmorgen, und Friedel Böhme hatte soeben begriffen, dass sie Geister sehen konnte.“
Nun entspinnt sich ein interessanter Cozy-Krimi, denn die Geister können einiges zur Aufklärung ihres Todes beitragen. Nur, wie soll Friedel das der Polizei verklickern? Natürlich wird sie nicht ernst genommen und man verbindet sie mit Salima Rahmani, einer jungen Kommissarin, die man im Keller Akten ungeklärter Morde schlichten lässt.
Besonderes Aufsehen erregen mehrere Todesfälle an alten, aber vermögenden und alleinstehenden Personen, die alle von einer Pflegeagentur betreut worden sind. Nebenbei kann man sich schon darüber wundern, dass der Bestatter gleichzeitig auch den Nachlass entfernen darf/soll. Und das ziemlich schnell, damit die Wohnungen bzw. Häuser wieder vermietet werden können.
Der geneigte Leser hat bestimmt schon eine Ahnung, was hier los ist. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, denn hier ist wenig, wie es zunächst scheint.
Als dann dieser komplexe Cold Case gelöst worden ist, steht plötzlich der Geist von Friedels Ehemann vor ihrer Türe. Ist er auch ermordet worden?
Meine Meinung:
Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen, der mit viel schwarzem Humor und Hartnäckigkeit zahlreiche Cold Cases auflöst. Friedel und Salima fördern dabei Wahrheiten ans Tageslicht, die manche Personen lieber weiterhin verborgen gewünscht hätten.
Neben allem feinen Humor, spricht der Autor auch ernste Themen an: Personalengpässe in Pflegeagenturen, fehlende Verwandte, die sich um die Beerdigung der Toten kümmern, sodass Behörden immer wieder die Kosten dafür übernehmen müssen. Dass sich da nicht viel mehr als ein Sozialbegräbnis ausgeht, ist wohl auch klar.
Gerne lese ich von diesem höchst ungleichen Ermittler-Duo mehr. Dass der Geist von Friedels Ehemann auftaucht, scheint zumindest einen Nachfolge-Krimi zu gewährleisten.
Fazit:
Diesem köstlichen Krimi, der ein wenig skurril und mit feinem Humor daherkommt, gebe ich gerne 5 Sterne und warte auf die Fortsetzung.
Rezensionen von cosmea:
Der Prätorianer von Tobias Bukkehave
Ein Fall von Splanchnophilie
Tobias Bukkehaves Thriller “Der Prätorianer“ ist der Auftakt einer Reihe um das Ermittlerteam Sara Levin und Janus West. Ein Mann, der offensichtlich Opfer eines Ritualmordes wurde, wird gefunden mit lateinischen Wörtern auf der Haut, wertvollen alten Goldmünzen in den Augenhöhlen und grausamen Verletzungen.
Unzählige brennende Kerzen beleuchten die Szene. Saras Bruder Adam, ein in den USA ausgebildeter Profiler von Serienmördern, wird hinzugezogen, denn bald gibt es ein weiteres Opfer. Die Geschwister sind schwer traumatisiert durch ihre Familiengeschichte, denn ihr Vater Christian wurde vor über zehn Jahren in einem Indizienprozess als Mörder verurteilt. Seitdem hat Sara den Kontakt zu ihm abgebrochen, während Adam versucht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Der Vater ist Historiker und weiß wie der Täter eine Menge über die griechische und römische Mythologie. Außerdem war er einst der Besitzer der gefundenen Goldmünzen. Immer wieder wird durch Fakten und Andeutungen die Verbindung zwischen den Morden und dem Vater hergestellt, ohne dass diese am Ende geklärt wird. Der Leser erfährt einiges mehr durch Kapitel aus der Sicht des Täters, ohne dass eine Identifikation möglich ist. Diese Kapitel und die aufgefundenen Leichen zeigen, dass es sich beim Täter um einen perversen Psychopathen handelt, der an Splanchnophilie leidet, denn er schneidet Organe, vor allem die Leber, aus den Leichen heraus und isst sie.
Nicht nur diese abstoßenden Details haben mich gestört. Der Thriller ist zwar teilweise spannend, aber insgesamt eine wenig plausible Konstruktion, vor allem zum Ende hin, wo ein Täter aus dem Hut gezaubert wird, der im Roman keine Rolle spielt. Es bleiben etliche lose Enden, und Cliffhanger machen übertrieben deutlich, dass es eine Fortsetzung geben wird. Die Charakterisierung der Figuren bleibt blass, und viele Handlungselemente wirken unlogisch und absolut unrealistisch. Insgesamt war dieser Roman für mich eine Enttäuschung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Erfinder von Rolf von Siebenthal
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Der Schweizer Limmat-Verlag hat ein Händchen für Porträts ungewöhnlicher Personen. Dieser biografische Roman stellt uns Jakob Degen (1760 - 1848), einen genialen Tüftler und Erfinder vor, der beinahe in Vergessenheit geraten ist.
Wer ist er nun, der Jakob Degen?
Jakob Degen, dessen Geburtsjahr nicht eindeutig feststeht und mit 1760 angenommen wird, arbeitet er bereits als kleines Kind in der Seidenband-Fabrik in der sein Vater Werkmeister ist.
Um 1770 übersiedelt die Familie, trotz Ausreiseverbots (man hütet akribisch das Geheimnis der Seidenverarbeitung) nach Wien, um dort ihr Glück zu machen.
Jakob, der sich schon als Kind als Tüftler erwiesen hat, lernt, zum Leidwesen des Vaters, den Beruf des Uhrmachers und wird hier durch seine Präzision höchst erfolgreich.
Seinem Traum zu fliegen wird er im Laufe seines Lebens alles, aber auch wirklich alles unterordnen. Mehrmals schrammt er mit seinen Flugmodellen am Konkurs vorbei. Eine große Stütze bei seinen Unternehmungen ist ihm seine Ehefrau Carolina.
Meine Meinung:
Autor Rolf von Siebenthal hat für diese Romanbiografie des Flugpioniers Jakob Degen, die sein Debüt als Autor darstellt, penibel recherchiert und zahlreiche Details zu seinen Erfindungen präzise beschrieben. Besonders interessant ist der Lebensweg der Herkunftsfamilie Degen, die aus einem kleinen Ort Liederswil bei Basel, die ihren Lebensunterhalt als Weber in einer Bandweberei verdienten. Wie es zu dieser Zeit üblich ist, müssen schon kleine Kinder in der Weberei arbeiten, sind sie doch klein und wendig, um unter oder auf die Webstühle zu klettern, um verhedderte Kett- oder Schussfäden zu entwirren. Das Geheimnis um die (Seiden)Weberei wird penibel gehütet. So ist es den Webern verboten, ihre Heimat zu verlassen. Wenn sie gegen diese Richtlinie verstoßen, ist eine Rückkehr nicht möglich. Es ist ein großes Wagnis von Vater Degen, dem Ruf des österreichischen Hofs zu folgen und nach Wien zu übersiedeln. Maria Theresia hat per Dekret Maulbeerbäume pflanzen lassen, um eine eigene Seidenproduktion wie z. B. in Lucca zu errichten. Wie wir in diesem historischen Roman lesen können, ist auch in Wien nicht alles Gold, was glänzt.
Rolf von Siebenthal hat das historische Umfeld, in dem Jakob Degen lebt, sehr gut beschrieben. So ist zu lesen, dass die Erfindung des kleinen Jakobs zwar eine deutliche Verbesserung an den Bandwebstühlen bedeutete, aber sein Arbeitgeber diese, wie es üblich gewesen ist, für sich reklamierte.
Weiters sind zum einem die Französische Revolution (1789) und deren Folgen, wie die Napoleonischen Kriege, die bis 1815, die Welt in Atem halten, sowie der Ausbruch des Tamboras 1816, als dessen Folge es zu einer Klimaveränderung und jahrelangen Missernten gekommen ist. In Kriegs- bzw. Krisenzeiten kauft niemand Uhren, weshalb der Uhrmacherbetrieb mehrmals knapp vor dem Bankrott steht und Jakob Degen mit seiner Familie mehrmals umziehen muss.
Als Wienerin, die in unmittelbarer Nähe des Wiener Praters aufgewachsen ist, wo Jakob Degen seine Flugversuche gemacht hat, sind mir sowohl der Name von Jakob Degen als auch jener des Ballonfahrers Jean-Pierre Blanchard (1753-1809) als auch die im Roman erwähnte Familie Stuwer bekannt. Im Wiener Uhrenmuseum (Schulhof 2, 1010 Wien) kann eine Uhr mit der Degens Flugmaschine besichtigt werden. Im Technischen Museum in Wien sind einige Modelle der Flugmaschinen ausgestellt.
Eine Erfindung, die Jakob Degen gemeinsam mit seinem Sohn Karl gemacht hat, ist das sogenannte „Guillochen-Gravier-“ oder „Guillochiergerät“, das ein fälschungssicheres Drucken von Banknoten und Wertpapieren ermöglicht. Dieses Verfahren ist heute noch in vielen Ländern in Gebrauch. In den Jahren 1825 bis 1841 war Degen Leiter der mechanischen Werkstätten der Österreichischen Nationalbank. Eine gelungene Karriere eines mittellosen Bandwebers, oder? Im Wiener Geldmuseum ist eine dieser Maschine zu sehen. Mit der Umstellung von Schilling auf Euro endet die Ära der Guillochen auf den meisten Banknoten. Heute werden andere Sicherheitsstandards bevorzugt. NUr der US-Dollar, das Britische Pfund sowie der japanisch Yen verwenden noch den Guillochendruck.
Im Nachwort erläutert der Autor was Fakt und was Fiktion ist. Anhang finden sich ein Personenverzeichnis und ein umfangreiches Quellenverzeichnis.
Fazit:
Gerne habe ich diese penibel recherchierte und gekonnt erzählte Biografie von Jakob Degen, eines genialen Tüftlers und Erfinders, dessen lebenslanges Interesse der Flugtechnik gegolten hat und der trotz seiner ungewöhnlichen Erfindungen und seines Erfolges beinahe aus der öffentlichen Erinnerung verschwunden ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Grenzwertig von Andreas Pittler
Eine klare Leseempfehlung!
Historiker und Autor Andreas Pittler, der durch sein Krimis rund um David Bronstein bekannt ist, entführt uns mit „Grenzwertig“ in das Jahr 1990, das vom Fall des Eisernen Vorhangs und diffusen bzw. durchaus berechtigten Ängsten der österreichischen Bevölkerung geprägt ist. Man fährt gerne nach Znaim/Znojmo (damals noch Tschechoslowakei) oder nach Sopron/Ödenburg (Ungarn), um um wenig Geld fein zu speisen oder billig einzukaufen.
Umgekehrt sind Tschechen und Slowaken sowie Ungarn nicht so gerne gesehen, verpesten sie doch einerseits mit ihren Zweitaktern die Luft und verstopfen die Straßen, andererseits wird ihnen jede Schandtat, Mord inklusive zugeschrieben.
So ist es auch kein Wunder, dass der Mord am alten Säufer Höller nur von einem Auswärtigen begangen worden sein kann. Die Hiesingen, also die einheimischen Bewohner der Waldviertler Stadt Hardegg, würden so etwas nie machen, oder?
Beinahe gleichzeitig wird in einer Wiener Innenstadtbar eine Animierdame brutal erstochen und verstümmelt. Inspektor Paul Zedlnitzky übernimmt die Ermittlungen, die ihn und seine Kollegen tief ins Wiener Rotlichtmilieu eintauchen lassen. Dort ist die Sorge groß, dass es wegen der Ostöffnung zu Revierkämpfen zwischen den etablierten Strichgrößen und den Neuen kommen wird, streben doch nun zahlreiche Zuhälter mit ihren Prostituierten in den „Goldenen Westen“.
Für die aufmerksamen Leserinnen und Leser stellt sich natürlich sofort die Frage: WIE hängen die beiden Mordfälle zusammen? Denn, dass es einen gemeinsamen Bezug geben muss, ist dem geneigten Pittler-Fan klar.
Meine Meinung:
Das Cover zeigt die wieder errichtete Thayabrücke Hardegg – Čížov, die eine Fußgänger- und Radverkehrsbrücke ist, deren Eröffnung am Gründonnerstag, den 12. April 1990 hier im Buch eine Rolle spielt. Der blaue Himmel trügt ein wenig, denn die Stimmung ist eher dunkelgrau und drückt aufs Gemüt. Da ist es ja gut, dass das Allheilmittel Doppler und Schnapsflasche gleich zur Hand sind. Jahrzehntelang sind die Staaten des Warschauer Pakts vom Westen abgeschottet. Nur vereinzelt und oftmals illegal gibt es heimliche Zusammenkünfte und Austausch - vornehmlich billige, weil geschmuggelte, Zigaretten. Und jetzt ist alles anders. Die Bewohner an der niederösterreichischen Grenze haben Angst um ihre Arbeitsplätze und um ihr ohnehin geringes Vermögen.
Andreas Pittler hat die düstere Stimmung dieser Zeit sehr gut eingefangen. Wer Pittlers Bücher kennt, weiß, dass er ausgiebige Milieustudien betreibt, wobei das diesmal (fast) nicht notwendig ist, denn der werte Herr Autor, ich darf es wohl sagen, ist Jahrgang 1964 und hat die Zeit „live und in Farbe“ (wie man in Wien sagt) erlebt. Deshalb sind seine Charaktere aus dem damaligen Leben gegriffen. Es wird in Wohnungen, Autos und Büros geraucht, was die Lunge aushält oder auch nicht, Alkohol am Steuer ist besonders am Land ein Kavaliersdelikt, die „g‘sunde Watschen“ hat noch nicht ausgedient und die Altvorderen haben ihre eigene Vorstellung von Erziehung:
„Sein Vater stünde der Problematik, dessen war sich Zedlnitzky sicher, vollkommen verständnislos gegenüber. Der eigene Enkel ein Schlurf? Dann ab ins Heim für schwer Erziehbare! Tagwache um 5 Uhr früh, Dauerläufe, Kniebeugen und Liegestütze bis zum Umfallen hätten noch jeden Halbstarken zur Räson gebracht, würde sein Credo lauten“
Gleichzeitig besteht die Exekutive noch aus Gendarmerie und (Stadt)Polizei, die einander nicht immer grün sind. Apropos Gendarmerie: Die Gepflogenheit, betrunkene Dorfbewohner manchmal auch mit dem Dienstwagen heimzufahren, ist nicht erfunden.
Schmunzeln musste ich über die (zumindest namentliche) Auftritte von echten Rotlichtgrößen (z. B. Heinz Bachheimer) sowie über das Einbinden von Charakteren aus anderen Krimi-Reihen wie Oberst Brandner, Ignaz Wessely, „Sandler“ Rudi, Kurt Brösler und natürlich Trautmann (aus der gleichnamigen Reihe von Ernst Hinterberger) oder Simon Polt aus den Romanen von Alfred Komarek, die ja im Pulkautal spielen.
Andreas Pittler ist es wieder meisterhaft gelungen, Kriminal- und Zeitgeschichte miteinander zu verknüpfen. Ich mag seinen Schreibstil, der immer wieder Erinnerungen an Kindheit und Jugend (ich bin Jahrgang 1960) hoch kommen lässt.
Die gesamte Handlung erstreckt sich zwischen dem 16. und dem 22. April 1990. Ermittelt wird so gründlich wie es ohne GPS, DNA-Abgleich oder Mobiltelefone eben geht. Paul Zedlnitzky dehnt hin und wieder den Spielraum der Gesetze ein wenig, um möglichst effizient zu sein.
Wer mehr über Paul Zedlnitzky lesen möchte, dem sei „Der Fluch der Sirte“ ans Herz gelegt, in dem er, nun längst zum Oberst befördert, in einem diffizilen Mordfall, der hochpolitisch ist, ermitteln muss.
Fazit:
Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen, sei ob Andreas Pittlers Schreibstils, seiner Charaktere oder sei es, dass ich mich an beiden Tatorten auskenne. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne. Mögen noch weitere Krimis folgen!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Astronautenfieber von Patrick Kilian
Eine klare Leseempfehlung!
Die Geschichte einer Sehnsucht, 1945 – 1969
Kaum hat Nazi-Deutschland kapituliert versuchen die Alliierten aus dem Westen und Osten deutsche Wissenschaftler und ihre Erkenntnisse für eigene Zwecke zu rekrutieren. Die einen mit Zuckerbrot, die anderen greifen zu handfesteren Argumenten.
Warum? Es gilt, den vermeintlichen Wissensvorsprung Deutschlands zu nützen, um die Sehnsucht nach dem All zu befriedigen.
Dazu ist den USA und der UdSSR beinahe jedes Mittel recht. Über Wissenschaftler, die in die UdSSR verschleppt werden ist hier nichts zu lesen, dafür dürfen wir wissenschaftlichen Größen wie Wernher von Braun, Hubertus Strughold oder Heinz Haber über die Schulter schauen. Mit Dutzenden anderen haben die deutschen Physiker in den letzten Kriegsjahren Raketen für das NS-Regime entwickelt, während die Mediziner der Luftwaffe daran gearbeitet haben, den Menschen auf Einsätze in größeren Höhen vorzubereiten. Vor allem das Anpassen und Optimieren der Menschen ist das Gebot der Stunde. Dazu müssen die handverlesene Kandidaten (ja absichtlich männliche Form, die erste US-Amerikanerin ist Sally Ride 1983) allerlei medizinische und psychologische Tests überstehen.
Was für ein Schock für die NASA, als Juri Gagarin 1961 (und 1963 dann Walentina Tereschkowa als erste Frau) ins All geflogen ist.
In acht auch für Laien sehr gut lesbaren Kapiteln erzählt Patrick Kilian, wie sich die USA ihren Traum von der Eroberung des Weltalls erfüllt haben.
Am Anfang war der Affe
Die Sehnsucht nach der Zukunft
Das Raum-Zeit-Hirn-Problem
Die Traumfabrik
Die Suchmaschinen
Zwischen Wahn und Wirklichkeit
Was vom Monde übrig bliebt
Astronautenfieber Redux
Doch mit der Mondlandung 1969, die in diesem Buch den Höhepunkt darstellt, ist der Traum noch lange nicht ausgeträumt. Nun hat man schon, trotz zahlreicher Misserfolge, die Menschenleben und sehr viel Geld gekostet haben, ein neues Ziel vor Augen: den Mars. Doch das ist eine andere, zukünftige Geschichte, die allerdings ohne die Mondmission nicht stattfinden könnte.
Allerdings muss man immer vor Augen haben, dass der Mensch, das schwächste Glied in der Kette ist.
Fazit:
Dieses Buch ist die penibel erzählte Geschichte Geschichte der Epoche von 1945-1969 zwischen Größenwahn und Genialität. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Die strauchelnde Welt von Philipp Blom
Eine Leseempfehlung!
Viele Leserinnen und Leser werden noch den Titel von Philipp Bloms Buch „Der taumelnde Kontinent 1900-1914“ im Gedächtnis haben, in dem er die Umbrüche in Europa zwischen 1900 und 1914 beleuchtet.
Nun beschäftigt er sich in seinem neuen Buch mit den Jahren 2001 bis 2014 und richtet seinen Blick auf die ganze Welt.
Als das 21. Jahrhundert von vielen Menschen mit Jubel begrüßt wird, ahnt noch niemand, wie die Konflikte rund um den Erdball zunehmen und das Vertrauen in die Demokratie abnehmen werden. Noch weiß keiner, dass neben den beiden bekannten Größen USA und Russland sich beinahe unbemerkt China anschickt, ein dritter Player um die Macht zu werden. Allerdings rasselt man dort nicht mit dem sprichwörtlichen Säbel, sondern fordert Europa und die USA über den Umweg staatlich subventioniertes Waren heraus.
So legt Philipp Blom dar, wie die USA mit ihren Kriegen im Irak (2003-2011) ihre Reputation verspielt haben und wenig später, Russlands Annexion der Krim (2014), die wie man nun weiß, nur ein Probelauf für die Invasion auf die Ukraine (2022) war, nicht ernst genommen zu haben.
Er lenkt unseren Blick auf die wirtschaftlichen Probleme, die durch raffgierige Spekulanten zum Zusammenbruch zahlreichen Banken vor allem in den USA (z.B. Lehman Brothers, 2008) dazu führten, dass Zehntausende Menschen ihre Häuser verloren haben, weil sie ihre Hypothekarkredite nicht mehr bedienen konnten. Über verdrängen machtgierige Präsidenten (Berlusconi, Trump), die nichts anderes im Sinn haben, als sich und ihren Familien die Taschen und Bankkonten zu füllen, den Sozialstaat und das Gemeinwohl. Die Kluft zwischen arm und reich wird breiter, der lange Zeit als sicher geltende Mittelstand schwindet zusehends. Zudem beginnt der Kampf um die digitale Vorherrschaft. Große US-Konzerne reißen die Macht an sich.
Einige Mahner sehen durchaus Parallelen mit den Jahren 1900 - 1914. Philipp Blom arbeitet in seinem Buch Ähnlichkeiten und Unterschiede heraus. Dabei bringt er zahlreiche Beispiele und erläutert seine Thesen in gewohnt ansprechender Weise.
Es gilt: Wer die Krisen der Gegenwart verstehen will, muss ihre Geschichte kennen: Philipp Blom ist ihr souveräner Chronist. Dennoch muss uns klar sein: Nichts wird wieder, wie es jemals war!
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Analyse 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von reimon:
Tschikago von Alexandra Stahl
Altersmild
Der Erstlingsroman von Alexandra Stahl besteht aus zwei Teilen. Zuerst erzählt sie sehr empathisch von ihrer Kindheit und ihren Großeltern aus Unterfranken. Die beiden „zankten ständig wie Laurel und Hardy“, ihre Liebe hielt aber 57 Jahre lang. Die fränkischen Ausdrücke, die reichlich vorkommen, zeigen sich auch im Titel - „Frangfodd is schlimmer als Tschikago.
“
Die recht kurzen Abschnitte sind wie Momentaufnahmen. Auch im zweiten Teil, hier erzählt die Autorin sehr amüsant von ihrer späteren ehrenamtlichen Arbeit in einer Biografiegruppe in einem Seniorenheim. Gerade in den knappen Beschreibungen entsteht ein sehr lebendiges Bild von den Teilnehmenden. Hier kommt auch der Berliner Dialekt immer wieder vor.
Vergänglichkeit und Abschiednehmen sind der rote Faden, der sich durch das Buch zieht. Wenn man bereit ist, sich auf den ungewohnten Erzählstil einzulassen, kann „Tschikago“ eine wunderbare Einstimmung aufs Älterwerden sein, die mit so manch Beschwerlichem versöhnlich stimmt.
Rezensionen von reimon:
Tschikago von Alexandra Stahl
Altersmild
Der Erstlingsroman von Alexandra Stahl besteht aus zwei Teilen. Zuerst erzählt sie sehr empathisch von ihrer Kindheit und ihren Großeltern aus Unterfranken. Die beiden „zankten ständig wie Laurel und Hardy“, ihre Liebe hielt aber 57 Jahre lang. Die fränkischen Ausdrücke, die reichlich vorkommen, zeigen sich auch im Titel - „Frangfodd is schlimmer als Tschikago.
“
Die recht kurzen Abschnitte sind wie Momentaufnahmen. Auch im zweiten Teil, hier erzählt die Autorin sehr amüsant von ihrer späteren ehrenamtlichen Arbeit in einer Biografiegruppe in einem Seniorenheim. Gerade in den knappen Beschreibungen entsteht ein sehr lebendiges Bild von den Teilnehmenden. Hier kommt auch der Berliner Dialekt immer wieder vor.
Vergänglichkeit und Abschiednehmen sind der rote Faden, der sich durch das Buch zieht. Wenn man bereit ist, sich auf den ungewohnten Erzählstil einzulassen, kann „Tschikago“ eine wunderbare Einstimmung aufs Älterwerden sein, die mit so manch Beschwerlichem versöhnlich stimmt.
Rezensionen von gabiliest:
Legende der Schattenwächter - Jagd nach dem Gjallarhorn von Lars Meyer
Durch Feuer und Eis zu den Göttern
Im zweiten Band seiner Trilogie “Legende der Schattenwächter” entführt uns der bekannte Autor Lars Meyer in die nordische Götter- und Sagenwelt auf der “Jagd nach dem Gjallarhorn”. Schon das fantasievolle und ausdrucksstarke Hardcover dieses hochwertig mit Lesebändchen und farbigen Vorsatzblättern ausgestatteten Buches zeigt die drei Freunde Armin, Viktoria und Nari auf ihrer gefährlichen Mission.
Im Jahr 1889 begibt sich Rune, die die Blutlinie der Schattenwächter an Armin weitergegeben hat und die über magische Fähigkeiten verfügt, auf eine waghalsige Rettungsaktion. Sie will Gefangene des Konzerns Magus Signum, der die Schattenvölker versklavt, befreien. Doch die Mission misslingt, Rune verschwindet. Neun Jahre später sieht Armin ein Bild seiner totgeglaubten Mutter – sie ist in Norwegen.
Armin und die beiden Mädchen sind entschlossen, Rune zu finden und zu retten. In einer norwegischen Mine finden sie nicht nur Armins Mutter, sondern auch weitere Gefangene. Die Befreiung gelingt, doch Rune wird nur noch durch Magie am Leben erhalten. Heilung versprechen angeblich das Gjallarhorn eines nordischen Gottes und eine magische Quelle. Daher kämpfen sich die Freunde sowohl durch die eisige Kälte Norwegens als auch durch glühende Lava in unterirdischen Flüssen. Nach zahllosen Abenteuern und Gefahren finden sie in der zerstörten Welt der nordischen Götter nicht nur das Horn, sondern eines der stärksten göttlichen Artefakte überhaupt: Thors Hammer, der die Welt ins Verderben stürzen kann, wenn er in die falschen Hände gerät.
Lars Meyer hat ein ungeheuer vielschichtiges und ideenreiches Buch geschrieben, das die Lesenden sofort in magische Sagenwelten mitnimmt. Sie begleiten Armin und seine Gefährtinnen durch die trostlose Weite der norwegischen Landschaft, wobei ihr Überleben oft an einem seidenen Faden hängt. Nur der Zusammenhalt in der Gruppe und Ledermaul – eine magische Tasche, die nie schwerer wird, obwohl sie in ihren Tiefen alles Notwendige bereithält – retten die Mission.
Der Autor lässt seine Protagonisten eine wahre Höllenfahrt erleben, denn aus jeder Seite seines Buches kriechen gefährliche Kreaturen. Dabei wird lange nicht klar, welches Ziel Rune wirklich verfolgt. Armin sieht sich in Rückblenden als den kleinen Jungen, der am Fenster sitzt und auf seine verschwundene Mutter wartet. Für ihn bleibt die emotionale Distanz von Rune nach der Rettung unverständlich. Diese psychologische Ebene vertieft die Charakterzeichnung der Hauptfiguren. Die Halbelfe Viktoria kennt ihre Abstammung nicht und kann ihre magischen Kräfte kaum einordnen. Auch sie leidet unter ihrer Familiengeschichte, da ihre Adoptiveltern sie verstoßen haben. Erst spät werden die wahren Motive von Rune klar, denn sie sucht gar keine Heilung. Dieser unerwartete Twist ändert den Blickwinkel auf die Akteure und verleiht dieser Geschichte von Freundschaft und Loyalität, aber auch von Lüge und Verrat, zusätzlichen Reiz.
Die “Legende der Schattenwächter – Jagd nach dem Gjallarhorn” lässt sich unabhängig von Band eins lesen, doch ist es empfehlenswert, die Vorgeschichte zu kennen. Dann kann man den Freunden in diesem epischen, spannend und bildhaft geschriebenen Fantasy-Roman, der ab zwölf Jahren empfohlen wird, noch besser in eine geheimnisvolle Welt voller Rätsel folgen. Jugendliche Leserinnen und Leser mit Interesse an Abenteuer, Magie und Mythologie greifen hier sicher zum richtigen Buch.










