Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ruth:
Im ersten Licht von Norbert Gstrein
Großer Antikriegs-Roman
„Adrian war selbst nicht im Krieg gewesen, aber dreimal im Lauf seines Lebens hatte er es mit jungen Männern zu tun, die im Krieg gewesen waren und die dann sein weiteres Leben jeweils für lange bestimmten.“ Mit seinem ersten Satz legt Norbert Gstrein gleich das alles bestimmende Thema seines Romans fest.
Mit Adrian, seinem Protagonisten, genau ein Jahr jünger als das Jahrhundert, geht der österreichische Autor durch die gewaltsame, von Kriegen bestimmente Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Obwohl selbst kein Kriegsteilnehmer, ist Adrian Zeit seines Lebens vom Krieg fasziniert. Dass er nicht, wie die meisten seiner Generation, auf den Schlachtfeldern des Ersten großen Krieges kämpfen muss, hat er seinem Vater zu verdanken. Der, ein einfacher Postbeamter und überzeugter Sozialist, will seinen Sohn vor diesem Los bewahren und haut Adrian mit einer Axt in den Unterschenkel. „In den Krieg zu gehen war nur etwas für Dumme und nichts für seinen Sohn…“ Adrian hinkt seitdem und wird die fehlende Kriegserfahrung immer als einen mit Scham und Schuldgefühlen belasteten Mangel empfinden.
Die drei jungen Männer, die für Adrians Leben bestimmend waren, geben dem Roman Struktur. Chronologisch werden sie in den ersten drei Kapiteln vorgestellt.
Den Beginn macht Ernest Eller, Sohn einer wohlhabenden Adelsfamilie, der mit einer grauenhaften Gesichtsverletzung aus dem Krieg heimkehrt. Seine Eltern verstecken ihn mit ähnlich versehrten Leidensgenossen in ihrer Sommervilla im Salzburger Land und erklären ihn offiziell, auch für seine Verlobte, für tot. Adrian wird viele Tage in der Villa verbringen, wird zum Vertrauten des „ jungen Herrn“. Nach dem Suizid von Ernest Eller nimmt sich dessen aus England stammende Mutter um Adrian an und ermöglicht ihm ein Lehramtsstudium.
Später, als Adrian in Wien an einem Gymnasium Geschichte und Englisch unterrichtet, trifft er auf Martin Baumgartner, dem das mittlere Kapitel gewidmet ist. Bei ihm werden Adrians detaillierte und begeisterte Schilderungen der Schlachten des letzten Krieges auf fruchtbaren Boden fallen. Martin Baumgartner, in dem sich die Figur Kurt Waldheims spiegelt, wird aus Begeisterung für das Heer zum Nazi. Bei einem Fronturlaub besucht der ehemalige Schüler seinen früheren Lehrer und erzählt von Erschießungen im Osten, an denen er beteiligt war. Adrian wird so zu einem frühen Mitwisser von Kriegsverbrechen, doch er schweigt. Aber die Geschichte wird er nie mehr loswerden.
Frauen spielen in diesem Buch, das so sehr den Krieg ins Zentrum stellt, eine Nebenrolle - was nicht verwundert. Kriegsführung war und ist auch heute noch vorrangig ein Handwerk der Männer, Frauen müssen deshalb am Rande bleiben. Außerdem ist Adrian ein Mensch, der sich nur schwer auf Beziehungen einlassen kann. Zögerlich und verstockt strapaziert er die Geduld der Frauen, mit denen er liiert ist. So verlässt ihn seine erste Freundin Karla, ebenso Ehefrau Elfriede. Sie, die wie Adrian auch Geschichte unterrichtet, lässt sich nach dem Krieg von ihm scheiden.
Erst mit Mitte Fünfzig erlebt Adrian eine späte Liebe zu einer Engländerin, die ihren, im Ersten Weltkrieg als Deserteur verurteilten und hingerichteten Bruder, rehabilitieren will. Um diesen Teddy geht es im dritten Teil des Buches. Der zeigt Adrian, „ dass es immer auch eine andere Möglichkeit gab, schließlich konnte man sich jederzeit entscheiden, nicht mehr mitzumachen, welches Risiko auch man dafür in Kauf nehmen musste.“
Die Gespräche mit Vivian und ihre gemeinsamen Spaziergänge in den Downs helfen den beiden, ihre eigenen Kriegstraumata hinter sich zu lassen.
Die Downs, auf die schon im vorangestellten Zitat von Virginia Woolf hingewiesen wird, ziehen sich als zentrales Motiv durch den Text. Für Frau Eller sind sie ein Sehnsuchtsort und Adrian spaziert im dritten Teil durch diese Landschaft. Sie ist als Kontrast zu den Schlachtfeldern zu lesen und ermöglicht Adrian einen Perspektivwechsel. Mit dem Blick übers Meer kann Adrian mit Abstand auf seine Heimat und dessen Geschichte blicken.
Der Text ist voller Andeutungen, Verweisen und durchgängigen Motiven. Auch der sprechende Name „Adrian Reiter“ ist wohl überlegt. Der Zugang zur Adria, zum Meer wird mit Weite, Weitblick, mit Leichtigkeit verbunden. Und das alles ist verschwunden nach dem verlorenen Krieg und dem Ende der k.u. k. Monarchie. „ Wenn uns wenigstens die Adria geblieben wäre. Das Meer würde uns zu sanfteren Menschen machen.“ heißt es gleich zu Beginn im Roman. Und der Nachname „Reiter“ für einen, der nie in einem Sattel saß, aber fasziniert war von der Eleganz der k.u.k. Kavallerie, passt gleichfalls.
Im titelgebenden „Ersten Licht“ waren sowohl die Angriffe im Ersten Weltkrieg, wie auch die Erschießungen im Zweiten und die Hinrichtung des englischen Deserteurs, allesamt schicksalhafte und tragische Momente im Morgengrauen.
Im Epilog besucht der 80jährige Adrian die Lesung eines jungen Autors, in dem man unschwer Norbert Gstrein erkennen kann. Der aber wird der Einladung von Adrian nicht nachkommen, obwohl ihm dieser seine Geschichte verspricht.
In diesem letzten Teil wird auch explizit der Bezug zu Kurt Waldheim hergestellt. Steht doch der ehemalige österreichische Bundespräsident für das Beschönigen und Verdrängen der Nazi- Vergangenheit.
Mit seiner Hauptfigur hat Gstrein einen ambivalenten Charakter geschaffen, keinen Sympathieträger. Und obwohl wir alles aus seiner Perspektive erleben, stellt sich keine Nähe zu ihm ein. Seine Fixierung auf Schlachten, Formationen und kriegerischen Entscheidungen ist nicht nur für seine Ehefrau unbegreiflich. Kann man vielleicht noch Verständnis aufbringen für seine jugendliche Schwärmerei für die Kavallerie, ist seine Verklärung des Krieges später nicht mehr nachvollziehbar . Denn er hatte doch mit den Kriegsversehrten in der Villa eindringlich vor Augen, welche verheerenden Folgen ein Krieg hat. Diese jungen Männer sind stolz und siegesgewiss in den Kampf gezogen und an Körper und Seele versehrt zurückgekehrt. Viele von ihnen werden sich davon nie mehr erholen und ihr Leben selbst beenden.
Wie kann Adrian als Lehrer seine Kriegsbegeisterung an Schüler weitergeben?
Adrian ist der typische Mitläufer, der durch Kriegsverherrlichung, Anpassung und Schweigen schuldig wird.
Der Roman fordert einiges von seiner Leserschaft, nicht nur auf emotionaler Ebene. Er zwingt zum Nachdenken, eröffnet immer neue Aspekte. Gstreins lange Satzbögen erfordern Aufmerksamkeit. Dabei ist der Text elegant erzählt und von sprachlicher Brillanz.
Trotz des historischen Stoffes ist der Roman mit seinen Fragen nach Schuld, Mitverantwortung und Mitläufertum angesichts jetziger Kriege erschreckend aktuell. Zeigt er doch, dass keiner unversehrt aus einem Krieg hervorgehen kann.
„Im ersten Licht“ reiht sich somit ein in die großen Werke der Antikriegsliteratur.
Große Leseempfehlung!
Rezensionen von nessabo:
Dire Bound von Sable Sorensen
Gut geplottet, fesselnd geschrieben und hält absolut, was es verspricht
Sich vor dem Lesen vor Augen zu halten, was das Buch für einen Anspruch hat, halte ich für sehr wichtig. Es ist Romantasy und eben nicht High Fantasy - entsprechend kann ich die Kritik daran, dass es spicy Szenen und einen gewissen Fokus auf die Liebesbeziehung gibt, nicht so recht nachvollziehen. Abgesehen davon wird damit geworben, dass es für Fans von „The Hunger Games“ und „Fourth Wing“ geeignet ist - eine äußerst präzise Einordnung, die ich nur unterschreiben kann und die ihren Leser*innen von Anfang an nichts vormacht.
Die TW hinten sollten wirklich auch ernst genommen werden - ich empfand einige Szenen als arg brutal.
Zwischendrin hatte ich auch immer mal Bedenken, ob mir die Parallelen zu groß sind. Und ja, Innovationen gibt es meiner Meinung nach nicht zuhauf. Allerdings sind alle Elemente gut auf diese Geschichte adaptiert und einfach äußerst packend eingebunden. Ich fand sie damit insgesamt betrachtet fast fehlerfrei rund und habe sie inhaliert.
Ein großes Lob gibt es von mir für queere Nebencharaktere und eine schwerhörige Figur, die auch abseits davon ein interessanter Mensch ist. Außerdem werden Klassenunterschiede scharf thematisiert - hier werden die Parallelen zu „The Hunger Games“ sehr deutlich. Die Charakterentwicklung von Meryn hat mir richtig gut gefallen. An einigen Stellen erinnert sie in ihrer Naivität an Violet aus „Fourth Wing“ und das ist durchaus etwas fragwürdig, nimmt für mein Empfinden hier aber deutlich weniger Raum ein.
Stattdessen muss die Protagonistin lernen, ihre Einzelkämpferinnenrolle abzulegen und sowohl Freund*innenschaften zu knüpfen als auch in Kooperation mit anderen zu arbeiten. Das ist eine tolle Plotgrundlage und ich fand die Beziehungen mehrheitlich glaubwürdig geschrieben.
Da es Romantasy ist, spoilert das natürlich von Anfang an zumindest grob, in welche romantische Richtung das Ganze sich entwickelt. Der erste Teil ist diesbezüglich aber noch sehr sehr Slow Burn, obwohl es dennoch ordentlich Spice gibt. Das passende Maß ist da für jede Person verschieden. Für mich hat es total gepasst (von den üblichen Klischees mal abgesehen) und die Häufigkeit lässt sich meiner Meinung nach damit rechtfertigen, dass hier im Subtext die Veränderung der Beziehung abgebildet wird.
Ansonsten lässt sich nicht viel sagen ohne die Handlung zu spoilern. Ich habe selten so viel am Stück gelesen wie hier. Die Welt ist nicht zu komplex und die Handlung hat genau das richtige Tempo für mich. Die Figurentiefe empfand ich als völlig hinreichend, auch wenn mich einige Tropes einfach etwas nerven und ich so manche Männerfigur in ihrer Entwicklung bedaure.
Nichtsdestotrotz ist das Buch besonders in Bezug auf seine weiblichen Figuren voller Power, niedrigschwellig geschrieben und gut geplottet. Ein bisschen ziehe ich von der Wertung ab aufgrund der teils übermäßigen Brutalität und den wenigen unlogischen Stellen. Abgesehen davon empfehle ich es aber auf jeden Fall als eine packende Romantasy, die im Vergleich zu manch anderer für mich deutlich positiver abschneidet. Ich werde mir den zweiten Teil definitiv auch ansehen.
4,5 Sterne
Rezensionen von Novalie:
Sonnenaufgang Nr. 5 von Carsten Henn
Erinnerungen an ein Leben
Erinnerungen an ein Leben
Jonas hat sein Germanistikstudium abgebrochen und keine Lust, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Stattdessen will er als Ghostwriter die Biografie der Filmdiva Stella erzählen. Doch die exzentrische Dame, hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie ihr Buch aussehen soll und besteht darauf, aus ihrem Leben nur das Positive zu verewigen.
Aber können wir unsere Geschichte einfach neu schreiben?
Ich fand die Idee des Buches sehr kreativ. Bis zu einem gewissen Grad ist es ja auch verständlich, dass man sich am liebsten an die guten Zeiten erinnert. Das macht oft einfach viel mehr Spaß, aber letztendlich machen uns die guten und die schlechten Seiten gleichermaßen aus.
Stella hat ein bewegtes Leben hinter sich und es scheint mehrere Versionen der Vergangenheit zu geben. Die anderen schrullige Bewohner:innen des Örtchens, haben allerdings auch einiges zu erzählen.
Die Geschichte spielt an einem kleinen, verschlafenen Örtchen, das mit einer malerischen Landschaft besticht, und eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt. Durch die ruhige, poetische Erzählweise und die eigenwilligen Nebencharakter ist das Buch sehr gut als Urlaubslektüre geeignet.
Das Hörbuch hat mir sehr gut gefallen. Es ist perfekt, wenn man reflektieren und über das Leben nachdenken will, ohne sich zu sehr anstrengen zu müssen.
Rezensionen von Petra:
Schwesternland von Katharina Fuchs
Antonia
Antonia schreibt ihre Masterarbeit über Flucht, neue Heimat und Existenzgründungen anhand dem Beispieleiner Vorfahrin von ihr. Diese Jeanne ist im 17. Jahrhundert als Hugenottin aus Frankreich geflohen und über die Schweiz nach Berlin gekommen. Dort war der Kürfürst begeistert über die neuen Handwerker die neues Leben und Fähigkeiten mitbrachten.
Vor allem waren sie anspruchslos und bescheiden. Während der französische Sonnenkönig sein ganzes Land katholisch haben wollte. Religionsfreiheit hob er auf und die Hugenotten hatten die Wahl zwischen Taufe und Tod. Die Flucht gelang ihnen nur unter sehr erschwerten Umständen.
In zwei Zeitebenen berichtet die Autorin über Antonia ihre Schwestern und ihre Arbeit die sie für Nachforschungen auch nach Lyon führt. Paralell dazu lesen wir über Jeannes Flucht und ihren Neuanfang.
Katharina Fuchs vergleicht das Schicksal und die Ursachen von Migration und ihre Folgen. Am Beispiel der Hugenotten die im Winter über die Berge fliehen, die zwar von der Herrschaft willkommen geheißen aber vom gemeinen Volk als Froschfresser bezeichnet und wegen der Unterstützung beneidet werden, zieht sie Paralellen zu heute,. Damals war es die Freiheit der Religionsausübung, heute sind es Krieg oder Armut als Grund. Sie reißt die Probleme nur an, bekannt sind sie mehr als genug.
Das Buch war unterhaltsam ohne einen moralischen Zeigefinger. Der Eindruck entstand als ob sie aufzeigen will, das wir oft nachplappern was in sozialen Medien oder im Umfeld gesagt wird ohne über die Folgen nachzudenken. Wenn dann jemand wie in diesem Buch Antonia protestiert, wird es überdeutlich.
Rezensionen von GB:
Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit von Silke Vry
Unterhaltsame Wissensvermittlung
Bisher kannte ich die Dusty Diggers-Reihe noch nicht. Mir hat diese Art von Sachbuch sehr gut gefallen. Hier wird Geschichte richtig anschaulich erzählt. Es ist nicht, wie sonst oft in Sachbüchern der Fall, eine Sammlung von vielen einzelnen Fakten, sondern es wird die Entdeckung des Neandertalers als Geschichte nacherzählt.
Dabei erfährt der Leser ganz nebenbei viel Wissen über Paläoanthropologie und Evolution. Unterstützt wird die Erzählung durch sehr viele, sehr ansprechende Illustrationen, die die Erzählung noch lebendiger werden lässt.
Das Buch erinnert in seiner ganzen Aufmachung und vom Format her auch eher an ein Lesebuch. Der Umfang schüchtert junge Leser nicht gleich ein. Es wird aber trotzdem sehr viel Wissen auf den 70 Seiten vermittelt. Es war bestimmt nicht der letzte Band dieser Reihe, den ich gelesen habe.
Rezensionen von GB:
Summer Tides von Sarah Fulmar
Sommer, Sonne, Meer
Das wunderschöne Cover hat mich sofort angesprochen. Der Roman macht gleich gute Laune und Vorfreude auf Sommer, Sonne und Meer mit dem tollen blaugelben Einband mit dem Sonnenuntergang von St.Ives. Die Charaktäre sind alle recht interessant und sehr sympathisch. Scarlett hat sich einen tollen Ort mit vielen nette Menschen ausgesucht, um neu anzufangen.
Aber schon gleich zu Anfang gibt es einige Probleme. Zum Glück ist gerade auch Joah wieder zurück nach Hause nach St. Ives gekommen und kann ihr einige Male aus der Patsche helfen. Die beiden fühlen sich gleich zueinander hingezogen, machen es sich aber beide wegen ihr Vorgeschichte nicht ganz leicht.
Schöne leichte Unterhaltung, sehr zu empfehlen. Auch wenn ich nicht immer alle Handlungen, Entscheidungen und Gefühle der beiden logisch nachvollziehbar fand, hat es den Lesespaß nicht geschmälert. Es war trotzdem sehr schön mitzuerleben, wie die beiden sich immer näher kommen und wie sie ihr Leben meistern
Rezensionen von Daggy:
Gedi, Geda, Gedichte von Uwe-Michael Gutzschhahn; Arne Rautenberg; Lena Raubaum; Mona Harry; Michael Augustin; Manfred Schlüter; Nils Mohl
Gedichte aller Arten rund um Helgoland
Sowas kommt dabei raus, wenn sich Autorinnen und Autoren auf Helgoland treffen. Erstmal eine Cover mit einem schiefen Leuchtturm und dann viele Gedichte, die sich um das Meer und die kleine Hochseeinsel Helgoland drehen.
Und dann wird James Krüss, der große Kindergedichtschreiber zum 100. Geburtstag geehrt.
Ich kann mich noch erinnern, dass er in meiner Kindheit persönlich im Fernsehen seine Gedichte zum Besten gab und ich habe es geliebt.
So erinnert das Gedicht „Lieselotte Hafenfähre“ von Lena Raubaum an „Henriette Bimmelbahn“. Spannend ist auch was „Am siebzehnten Oktebruar“ laut Mona Harry geschieht. Im „Inselkonzert“ machen laut Michael Augustin viele Tiere Musik. Mit Arne Rautenberg geht es ins „Helgaland“ wo alle Helga heißen. „Helgolands Trottel und Lummen“ sucht Nils Mohl in seinem Gedicht. Über tuschelnde „Miesmuscheln“ dichtet Uwe-Micheal Gutzschhan. Zum Schluss gibt es von Manfred Schlüter einen „Musenkuss“.
Eine wunderschöne Sammlung von Lyrik die Erinnerungen wachruft und mich lächeln ließ. Dazu fröhliche Zeichnungen von der See. So machen Reime Spaß!
Rezensionen von clematis:
Sturmtage von Sibel Daniel
Unter falschem Namen
Obwohl sich die Naziherrschaft in Deutschland immer mehr zuspitzt, übernimmt Johanna den Platz ihres Bruders und reist unter falschem Namen von Oslo nach Berlin. Sie sammelt Informationen, knüpft Kontakte und erfährt, in welches Lager ihre frühere Freundin Ruth deportiert worden ist. Während sie viel länger in Deutschland bleibt als geplant, verändert sich ihre Familiensituation in Norwegen drastisch.
Auch wenn dieser zweite Teil der Trilogie einige wesentliche Informationen zum Vorgeschehen liefert, ist es meiner Meinung nach doch ratsam, die Bücher hintereinander zu lesen. Die Handlung knüpft an im Jahre 1938 und wird von denselben Figuren getragen, welche wir bereits kennengelernt haben. Die Atmosphäre dieser furchtbaren Zeit fängt Sibel Daniel wieder gekonnt ein, das Misstrauen unter der Bevölkerung ist sehr gut spürbar. Was ist ernst gemeint, wann könnte man in eine Falle tappen? Schwierig ist das Abwägen, wem man sein Vertrauen schenken darf, besonders, wenn man schon einmal in einer engen Beziehung verraten worden ist. Was schuldet man seiner Familie, wie verhält man sich gegenüber besten Freunden? Viele Fragen stellen sich einer mutigen Johanna, die alsbald an den Geschehnissen zu zerbrechen droht. Der Wechsel zwischen spannenden und ruhigeren Szenen löst eine fesselnde Dynamik aus, die Neugierde auf den abschließenden Teil ist jedenfalls groß.
Ein angenehmer Schreibstil ohne reißerische Elemente, klug aufgebaute Szenen und eine detaillierte Recherche bilden die Basis für diese Reihe aus der Zeit des Nationalsozialismus, bestens geeignete für Leser von Romanen, welche auf wahren Begebenheiten fußen, auch wenn die Handlung selbst frei erfunden ist.
Rezensionen von Lilli33:
Ultramarin von Ann-Christin Kumm
Beziehungsdrama mit Thrillerelementen
Beziehungsdrama mit Thrillerelementen
Schon lange ist Lou in Raf verliebt, aber Raf entzieht sich ihm immer wieder. Doch Lou kann einfach nicht von ihm lassen, auch wenn Raf ihm noch so weh tut. Zusammen mit Rafs Schwester Sophie verbringen sie seit Jahren die Sommer miteinander. Doch dieses Mal kommt statt Sophie Nora mit nach Dänemark - eine unbekannte Variable in der Beziehung, die alles durcheinander bringt.
Ann-Christin Kumms Debütroman ist interessant aufgebaut und auch durchaus lesenswert. Die toxische Beziehung zwischen Raf und Lou ist bedrückend. Man will die beiden mal so richtig durchschütteln, damit sie künftig die Finger voneinander lassen. Für meinen Geschmack wurden die Figuren ein bisschen zu schwarz-weiß dargestellt.
Der Schreibstil ist eigentlich sehr ansprechend, teilweise fast poetisch. Aber beim Hörbuch fielen mir sich wiederholende Formulierungen besonders auf: …sagte ich, … sagte Raf, … sagte er. Das mag eventuell als Stilmittel gedacht sein; mich hat es gestört.
Da Lou als Ich-Erzähler von den Ereignissen im Sommer in Dänemark erzählt und auch immer wieder in vergangene Jahre zurückspringt und dabei die Entwicklung der Beziehung zu Raf beleuchtet, hatte ich viel mehr Emotionen erwartet. Die Erzählung ist jedoch eher lakonisch und distanziert.
Das Hörbuch erschien im März 2026 bei Der Audio Verlag. Es ist ungekürzt und hat eine Lauflänge von 6 h 10 min. Gesprochen wird es von Jannik Schümann.
Rezensionen von PMelittaM:
Kleopatra von Saara El-Arifi
Kleopatras Geschichte - von ihr selbst erzählt
Kleopatra, berühmt und berüchtigt, jede:r kennt ihren Namen, doch über die wahre Persönlichkeit weiß wahrscheinlich niemand Bescheid, denn, wie so oft, haben auch hier die Sieger die Geschichte geschrieben.
Die Geschichte beginnt 51 v. Chr. Kleopatras Vater stirbt, und sie wird mit 18 Jahren Pharaonin.
Man erfährt viel über den historischen Hintergrund, ihre Familie und Beziehungen, ihre politischen Probleme und Erfolge.
Saraa El-Arifi lässt Kleopatra in Ich-Form selbst erzählen, sie hat, sieht man sich die Quellen und ausgewählte Literatur im Anhang an, vielfältig recherchiert, doch, auch sie musste sicher interpretieren und konnte ihrer dichterischen Freiheit freie Bahn lassen, viele Zeugnisse, vor allem von Kleopatra selbst, gibt es nicht. Zu Beginn des Romans lohnt es sich, die Anmerkungen der Autorin zu lesen. Dass auch Fiktion im Spiel ist, sieht man unter anderem daran, dass sie einen mystischen Aspekt hinzugezogen hat, denn sie gibt den Ptolemäern eine göttliche Gabe, die allerdings bei Kleopatra vermisst wird, weshalb sie auch zeitweise von ihrem Volk nicht anerkannt wurde. Bezüglich dieser Gabe gibt es gegen Ende des Roman eine überraschende Wendung, die mir persönlich gefallen hat, und die einiges erklärt.
Die Ich-Form passt hier meiner Meinung nach sehr gut, man ist nahe dran an Kleopatra, die auch hin und wieder die Lesenden selbst anspricht. Kleopatra kann dadurch ihre Intentionen bezüglich ihrer Handlungen erläutern, und man erhält auch bessere Einblicke in die Beziehungen zu ihrer Familie und ganz besonders auch zu ihren beiden berühmten und mächtigen Geliebten, Julius Cäsar und Marcus Antonius.
Die Autorin erzählt eingängig und bildhaft, der Roman lässt sich zügig lesen und hat mich gut unterhalten, ich habe Kleopatra schon in Büchern, Filmen und anderen Medien getroffen, und so natürlich ein bestimmtes Bild von ihr, auch optisch, gleiches gilt auch für Cäsar und Antonius. Der Roman hat einen durchaus feministischen Touch, was man auch in manchen der Fußnoten erkennen kann. Kleopatra war eine starke Frau, eine Herrscherin, die wusste, was sie wollte, und die versucht hat, ihr Land zu schützen und zu bewahren, auch wenn sie sich dafür mit dem Ausland verbinden musste. Ich glaube, dass sich meine Sicht auf sie gewandelt, neue Facetten bekommen hat, und bin jetzt schon gespannt darauf, wann und wie ich sie wieder treffen werde.
Mich hat der Roman gut unterhalten, man darf natürlich nicht alles auf die Goldwaage legen, doch so oder so ähnlich könnte es gewesen sein. Besonders gut gefällt mir die Prämisse unter der Kleopatra ihre Geschichte erzählt, diese erfährt man erst sehr spät. Für mich ist der Roman gut geeignet, sich ein etwas anderes Bild der Pharaonin zu machen, und womöglich angeregt zu werden, sich weiter mit ihr zu beschäftigen.











