Kunden em pfehlungen
Rezensionen von qq:
Alt genug von Ildikó von Kürthy
Inspirierend
Inspirierend
War das jetzt schon alles? Die Frage, die sich durch das Buch zieht und mit der sich auch die Protagonistin beschäftigt. Jedoch ist das Buch mehr wie ein Roman über das Erreichen einer Altesmarke.
Die Protagonistin reflektiert ihr Leben, ihre unerfüllten Träume, verpassten Chancen und die Angst vor dem Älterwerden.
Es geht um Freundschaft, Liebe, und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen - große Themen, die behandelt werden.
Der Schreibstil ist typisch für Ildikó von Kürthy: humorvoll mit etwas Selbstironie. Auch Emotionen kommen nicht zurück - generell eine tolle Atmosphäre wurde in diesem Buch gesfchaffen. Alles sehr sehr offen und ehrlich geschrieben.
Ein ehrlicher, warmherziger Roman über das Älterwerden, mit Tiefgang der somit auch nachdenklich macht - sehr lebensnah geschrieben. Von mir gibt es eine Empfehlung.
Rezensionen von C. P.:
The Poet Empress von Shen Tao
Die Kaiserin aus dem Reisfeld
Würde mich jemand fragen, was mir an The Poet Empress nicht gefallen hat: Mir fiele nichts ein. Das Buch hat mich emotional und stilistisch dermaßen mitgerissen, sowas erlebe ich selten. An einer Stelle kamen mir sogar die Tränen, so schockiert war ich in dem Moment von der Tat einer Person. Und die Aufmachung des Hardcovers (Erstauflage) mit dem faszinierenden Cover, dazu passendem Buchschnitt und dem Leseband machen das Buch zu einem richtigen Schmuckstück.
Der Aufhänger des Buches ist schnell erklärt: Für den zweitgeborenen kaiserlichen Prinzen werden Konkubinen gesucht, da er von seinem Vater als Nachfolger favorisiert wird. Prinz Terren gilt als grausam und gewalttätig, dennoch kämpft sich Yin Wei in die Gruppe der Anwärterinnen in der Hoffnung, aus dem Palast heraus ihrem Heimatdorf finanziell sowie mit Nahrungsmitteln helfen zu können. In den Augen der wohlhabenden Mädchen ist Yin Wei als Tochter ärmlicher Reisbauern das perfekte Mobbingopfer, doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was sie ab dem Zeitpunkt der Auswahlzeremonie erwartet.
In diesem Buch wird nichts romantisch verklärt. Terren ist wirklich grausam, und das wird beim Lesen in mehrfacher Hinsicht deutlich. Und gleichzeitig liefert die Autorin uns ein ganz anderes Bild: das des jüngeren Prinzen, sensibel und einfühlsam. Gemeinsam mit Yin Wei erlebt man nicht nur ihren Alltag im Palast, der ihr so manches Mal sehr viel abverlangt, sondern begibt sich auf die Suche nach den Hintergründen zu Prinz Terrens Verhalten.
Das Buch ist wirklich emotional sehr bewegend. Dabei machen die Palastintrigen nur einen Teil davon aus, hauptsächlich sind es die Szenen mit Prinz Terren in der Gegenwart oder die Szenen aus der Vergangenheit des Prinzen, welche Yin Wei aus Quellen verschiedenster Art erzählt bekommt. Ein wenig Magie kommt ebenfalls ins Spiel: die männlichen Nachkommen der Kaiserfamilie erben jeder eine Art von Magie, welche sich in ihrer Kindheit manifestiert. Ebenso können Segenssprüche Magisches bewirken, was sich Yin Wei für ihre Ziele zunutze machen will.
Schritt für Schritt tastet man sich in dem Buch bis zur erschütternden Wahrheit voran, während die Gegenwart nicht minder aufreibend ist. Ein absolut packender Roman vollgepackt mit tragischen Geheimnissen, Intrigen, Lügen, Verrat und einer wirklich mutigen Protagonistin, die für sich und ihresgleichen kämpft.
Rezensionen von Gute_Laune:
Das Gemüsegarten 1 x 1 von Kai Meret Brieske
Wissen rund um den Gemüsegarten
Inzwischen würde es mich wundern, wenn ein Koch-, Back- oder Gartenbuch nicht von einem Influencer geschrieben worden wäre, von dem ich noch nichts gehört habe, weil ich keinen Blogs oder ähnlichen sozialen Medien folge. Aber dieses Buch hier ist echt klasse! Es ist ganz sicher nicht für Profis gedacht, das ist ja klar.
Daher finde ich die Informationen, die es bietet, hilfreich und nützlich. Klar, es finden sich auch Dinge, die ich längst wusste. Doch das stört nicht, denn es gehört zu einem Nachschlagewerk meiner Meinung nach dazu.
Die Kapitel lauten Anzucht; Im Garten; Schädlinge & Nützlinge; Krankheiten; Pflanzen; Praxistipps fürs erste Jahr; Pflanzen erkennen. Beim letzten Kapitel hätte ich mir noch viel mehr Pflanzen gewünscht, weil ich tatsächlich immer wieder strauchle, ob da jetzt eine Pflanze oder ein Unkraut wächst. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich viele Ecken angelegt habe, in denen insektenfreundliche Blumen wachsen sollen. Gerade da macht sich aber auch gern das Unkraut breit.
Für totale Newbies ist das Buch besonders interessant. Aber obwohl ich seit Jahrzehnten immer mal wieder Phasen auslebe, in denen ich besonders viel und gern gärtnere, finde ich hier für mich noch immer neue Erkenntnisse bzw. fühle mich in einigen Erfahrungen bestätigt. Der Aufbau ist logisch und intuitiv findet man die Informationen, die man gerade braucht. Das meiste ist für alle Pflanzen passend. Aber es gibt auch Pflanzenportraits und spezielle Informationen dazu. Hier ist natürlich auf 240 Seiten nicht für alle Pflanzen Platz, aber doch für die, die am häufigsten im Hobbygarten angepflanzt werden.
Insgesamt überzeugt mich das Buch tatsächlich rundum. Besonders die Markierungen am Buchschnitt, um leichter zum passenden Abschnitt bzw. Kapitel zu kommen, machen das Buch sehr gut nutzbar. Ich bin davon überzeugt, dass es mir hilft, die Ernte dieses Jahr noch mehr zu verbessern und auch mit Pflanzen Glück zu haben, die mir bisher Schwierigkeiten machten. Fünf Sterne!
Rezensionen von Philiene :
Der Schrein der Könige von Sabine Weiß
Toller Mittelalterroman
Ich bin schon lange ein großer Fan der historischen Romane von Sabine Weiß. Ich mag es einfach das sie sich in jedem Buch mit einem anderen Thema beschäftigt. Unterschiedliche Länder, Epochen und Menschen bereichern ihre Geschichten. Diesesmal geht es in die Stadt Köln im zwölften Jahrhundert und um nicht weniger als den Schrein für die Heiligen Drei Könige.
Im Mittelpunkt steht der Goldschmied Nicolaus der mit seinen drei Kindern aus Verdun nach Köln zieht um hier den Schrein anzufertigen. Doch bei den ansässigen Goldschmieden stößt das nicht gerade auf Begeisterung und auch Nicolaus Sohn Louis ist alles andere als Begeistert von dem Umzug.
Wie immer bei Sabine Weiß glänzt der Roman durch Elemente Recherche die sich vor allem in den Beschreibungen der Lebensumstände der Charaktere wiederspiegeln. Dazu kommt eine Geschichte die mich ab der ersten Seite mitgerissen hat und mich mitten ins zwölfte Jahrhundert hineinversetzt hat. Ob nun die Goldschmiedekunst oder die Heiligen Verehrung, ob nun der Umgang mit Fremden oder mit den ortsansässigen Juden oder auch das Familienleben alles wird detailliert erzählt und fügt sich zu einen großartigen Geschichte zusammen.
Ein Muss für Fans von historischen Romanen.
Rezensionen von cosmea:
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Das Ende einer glücklichen Kindheit
Im Sommer 1972 ist Giogio Bellandi 12 Jahre alt. Sein Vater ist ein erfolgreicher, gutaussehender Rechtsanwalt, seine Mutter Betty eine gebürtige Irin. Er hat eine fünf Jahre jüngere Schwester namens Gilda. Wie immer verbringt die Familie den Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste. Der Vater kommt am Wochenende dazu und verbringt viel Zeit auf dem Wasser mit seinem geliebten Segelboot Tivatú.
Er nimmt Giogio mit auf diese Fahrten und führt mit ihm teilweise sehr riskante Manöver durch. In diesem Sommer verliebt sich der pubertierende Giogio in Astel, die dreizehnjährige bildhübsche Tochter einer Äthiopierin, die mit dem sehr reichen Geschäftsmann Lucido Raimondi verheiratet ist. Die Raimondis halten sich in der benachbarten Strandkabine auf, und ihre Häuser befinden sich auch in Sichtweite voneinander. Astel bitte Giogio um Hilfe beim Erlernen der englischen Sprache, und die beiden Jugendlichen übersetzen zusammen Songtexte von David Bowie und Cat Stevens. Sie kommen einander näher und verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander, hören ihre Lieblingsmusik und tanzen dazu. Giogio interessiert sich auch für alle Sportarten und das Schachspiel und verfolgt aufmerksam die Olympischen Spiele in München. Doch dann passieren zwei schreckliche Dinge, und von einem Tag zum anderen ist nichts mehr, wie es war.
Etwa fünfzig Jahre später schreibt Giogio seine Geschichte auf. Er hat nichts vergessen, vor allem seine erste Liebe nicht. Der Autor lässt sich viel Zeit, wenn er die Ereignisse dieses Sommers nachzeichnet, und es passiert insgesamt nicht viel. Es gibt immer wieder Vorausdeutungen, die auf die unaufhaltsam nahenden Katastrophen hinweisen, wodurch die Spannung erhöht wird. Allerdings verringert die Tatsache, dass der Klappentext viel zu viel verrät, die Wirkung dieser Erzähltechnik erheblich. Mir hat der Roman gut gefallen, nachdem ich mich an die detaillierte Darstellung gewöhnt hatte, denn es geht ja auch um Sommer am Meer mit wunderbarem italienischem Ambiente.
Rezensionen von begine:
Fünf Fremde von Romy Fölck
Auflösung nah 30 Jahren
Romy Fölcks Thriller, Fünf Fremde, hat zwei Zeitebenen. Einmal 1995 und dann 2025.
Der Schauplatz ist die Insel Neuwerk.
Es beginnt mir der Überfahrt mit der Fähre im Jahr 2025 bei Sturm. Da bekommt man die Witterung gleich hautnah mit.
Im Prolog erfährt man, das 1995 aus dem Schullandheim zwei Jugendliche verschwinden.
Das Mädchen erscheint plötzlich wieder, spricht aber nicht. Der Junge bleibt verschwunden.
2025 geschehen eigenartige Dinge.
Die Polizistin Annika kommt aus Hamburg zurück auf die Insel. Sie ist in den Fall involviert.
Es beginnt eine fesselnde Geschichte, in der ich gefangen war.
Es ist ein lesenswerter Roman.
Rezensionen von gabiliest:
Und das Glück duftet nach Wolken und Meer von Susa Bartel
Heimat ist dort, wo dein Herz schlägt
Mit “Und das Glück duftet nach Wolken und Meer” hat Autorin Susa Bartel einen gefühlvollen Debütroman vorgelegt und lädt die Lesenden ein, mit Kayla in das wunderschöne Irland, nach Old Quay, zu reisen. Schon das stimmungsvolle Cover weckt die Sehnsucht danach, an der stürmischen Atlantikküste zu stehen und den rauen Wind zu spüren.
Kayla hat bis jetzt in Berlin gelebt. Ihre Beziehung mit Partner Ben steht auf der Kippe und ihr Business, Trauerbegleiterin beim Tod eines Haustieres, läuft gar nicht gut. Nun fliegt sie aus einem traurigen Anlass nach Hause. Ihr Dad ist schwer krank und stirbt. Sie selbst wird im Dorf ihrer Kindheit teils wohlwollend, teils mit Vorwürfen empfangen. Denn manche sind der Meinung, sie hätte ihre alte Gran im Stich gelassen. Auch Kaylas Bruder Logan wirft ihr das vor, daher herrscht zwischen ihnen Eiszeit. Denn die Geschwister haben sich noch nicht vom größten Schicksalsschlag ihrer Jugend erholt: Ihre Mutter ist verschwunden, als sie noch Kinder waren.
Langsam erkennt Kayla, wie schön es in ihrer Heimat ist und dass Gran sie brauchen würde. Denn ihr verstorbener Vater war in den letzten Jahren sehr aufbrausend und trunksüchtig. Auch trifft sie ihre Freundin aus Kindertagen, Maeve, wieder, die eine Galerie betreibt. Als Kayla ihr die Fotographien zeigt, die sie in Berlin gemacht hat, eröffnen sich neue Perspektiven und der Wunsch, nach Berlin zurückzukehren und ihre alte Beziehung wieder aufzunehmen, tritt immer mehr in den Hintergrund. Denn da gibt es Nathan, einen jungen Witwer, zu dem es Kayla immer mehr hinzieht. Soll Kayla mutige Entscheidungen treffen und die Beziehung mit Ben beenden, sich sogar mit ihrem Bruder aussöhnen und die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter aufnehmen?
Susa Bartel hat mit “Und das Glück duftet nach Wolken und Meer” nicht nur einen Sehnsuchtsroman nach Irland geschrieben, sondern es hervorragend verstanden, tiefe Gefühle, Trauer und die Suche nach den eigenen Wurzeln zu einer atmosphärischen Wohlfühlgeschichte zu verdichten, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es fällt leicht, sich in das Geschehen zu versetzen, die Gefühle der Protagonisten sind lebendig dargestellt und gut nachvollziehbar. Die Autorin beschreibt überzeugend, in welch innerer Zerrissenheit gepaart mit Schuldgefühlen sich Kayla lange Zeit befindet und wie schwierig es ist, wieder auf ihren Bruder zuzugehen. Besonders beeindruckt, wie Gran Kayla sofort das Gefühl gibt, bei ihr zu Hause und geborgen zu sein. Zusätzlich stürzt Nathan, der im Burren- Nationalpark eine Parfümerie betriebt und augenscheinlich Interesse an Kayla hat, sie in Verwirrung. Sehr gut dargestellt ist die Ablehnung, die ihr Bruder Logan Kayla entgegen bringt, lange ist ungewiss, ob sich die Geschwiste annähern werden. Trotzdem hat man als Leserin das Gefühl, dass hier eine Entwicklung beginnt, die für alle Beteiligten ein versöhnliches und gutes Ende nehmen wird.
“Und das Glück duftet nach Wolken und Meer” ist ein außergewöhnlicher Roman mit Tiefgang, der große Gefühle beschreibt und die Lesenden an einer Geschichte teilnehmen lasst, deren Höhen und Tiefen sich erst langsam erschließen, aber deren Erforschung sich wirklich lohnt. Trotzdem liest sich das Buch leicht und bietet witzige Situationen. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen und ich möchte ihn gerne allen Lesenden empfehlen, die die grüne Insel mögen und gerne in Familiengeschichten eintauchen.
Rezensionen von cosmea:
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman
Ist Überleben nicht mehr als das Warten auf den Tod?
Ein namenloses junges Mädchen ist zusammen mit 39 Frauen in einem unterirdischen Käfig eingesperrt. Hier gelten strenge Regeln. Sie werden von drei Wärtern bewacht, die bei jeglichem Verstoß mit der Peitsche knallen. Sie sprechen nicht mit den Gefangenen, die nicht wissen, warum sie eingesperrt sind und auch nicht, warum sie überhaupt am Leben gehalten werden.
Irgendwann in der Vergangenheit hat es ein unbekanntes Ereignis gegeben, das ihr bisheriges Leben beendete. Die anderen Frauen haben noch vage Erinnerungen an die Vergangenheit, an Ehemänner und Kinder, an Liebe und Sex. Das Mädchen wird unter anderem auch deshalb von den anderen ausgrenzt, weil ihre Situation völlig anders ist. Sie wurde schon als Kleinkind in den Käfig gesperrt, kennt ihren Namen nicht und weiß nicht, wer ihre Eltern sind. Sie kann weder lesen noch schreiben, kann sich unter all den Dingen, die zu einem normalen Alltag gehören, nichts vorstellen. Irgendwann findet sie in Anthea eine Freundin, die ihr Zahlen und Buchstaben beibringt. Das Mädchen entwickelt ein System, das es ihr ermöglicht, Zeit zu messen. Bisher gab es für die Frauen keine Möglichkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden, denn das Licht wurde nie ausgeschaltet. Eines Tages ertönt eine Sirene, und die Wärter, die gerade die Zellen geöffnet haben, um die karge Mahlzeit zu bringen, verschwinden spurlos. Als erste verlässt das Mädchen das Gefängnis. Sie schaut sich in dem Bunker um, findet reichlich Lebensmittel und tiefgefrorenes Fleisch, etwas Kleidung, einige Paar Stiefel. In der Folge erforschen die Frauen erst die Umgebung und machen dann immer längere Expeditionen. Sie hoffen, auf andere Menschen zu treffen, eine Stadt zu finden. Stattdessen stoßen sie im Laufe der Jahre auf immer neue verschlossene Bunker mit jeweils 40 toten Frauen, manchmal auch Männern. Im Lauf der Jahre werden sie eine Gemeinschaft, weil sie nur überleben können, wenn sie einander unterstützen und helfen. Da das Mädchen mit Abstand die Jüngste ist, ist von vornherein klar, dass sie irgendwann die einzige Überlebende sein wird.
In dieser ungewöhnlichen Dystopie behandelt die Autorin viele Themen. Was macht menschliches Leben aus? Was macht uns zu denen, die wir sind? Sind die Frauen außerhalb des Käfigs wirklich frei? Welchen Sinn hat das (Über-)Leben? Auf viele Fragen bekommt der Leser bis zum Schluss keine Antwort, zum Beispiel, welches Ereignis jegliche Normalität beendet hat und ob sie sich noch auf dem Planet Erde befinden. Wo kommt die Energie für die Beleuchtung der Bunker her, und wer sorgt für die Nahrungsmittel?
Die neue Übersetzung dieses zuerst 1995 in französischer Sprache veröffentlichten lange vergessenen Romans ins Englische hat einen Hype ausgelöst, den ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Es ist ein interessanter Roman, der für mich aber zu viele Fragen unbeantwortet lässt und einige Ungereimtheiten enthält.
Rezensionen von Ryria:
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Momentaufnahmen eines Sommers
Schwarzer September ist vermutlich ein Opfer seines doch eher misslungenen Klappentextes: Dort wird zwar von dem Sommerurlaub des zwölfjährigen Gigio und seiner Strandfreundin Astel berichtet, aber gleichzeitig auch schon verraten, dass später ein Mord passieren wird.
Meine Erwartungen waren dementsprechend, dass wir vielleicht eine kurze Einführung bekommen, es danach schnell an den Strand geht und kurz darauf der Mord geschieht, der dann im Zentrum der Handlung steht - dem war jedoch nicht so, stattdessen wird es zwar immer wieder angedeutet, um Spannung aufzubauen, allerdings ja auch wiederum schon im Klappentext verraten.
Man muss daher mit anderen Erwartungen in dieses Buch starten: 50 Jahre später erzählt Gigio von seiner Kindheit und diesem Sommer, der Schreibstil ist daher zwischendurch erwachsen, aber der Sicht eines Jungen nachempfunden.
Auch berichtet er von sich selbst, dass er autistische Züge hat, was in Kombination mit seinem Alter zu vielen Endlossätzen führt, die quasi wie aufgeschriebene, sprunghafte Gedanken wirken und dabei auf alle möglichen Details fixiert sind.
Dieser Schreibstil ist wirklich Geschmackssache, einerseits wird die damalige Zeit und Italien durch die unzähligen Details sehr zum Leben erweckt und man kann sich alles super vorstellen, andererseits führt es doch auch manchmal zu einigen Längen. Für das Kind war es vermutlich extrem spannend, wer welchen Sportwettkampf gewonnen hat, für den heutigen (jüngeren) Leser ist es jedoch eher oft uninteressant. Nichtsdestotrotz hatte dieser Stil auch seinen ganz eigenen Charme, der mir doch überwiegend gut gefallen hat.
Wer eine spannende Erzählung über einen Kriminalfall erwartet, sollte vermutlich eher zu einem anderen Buch greifen. Für alle, die einfach ein wenig in das damalige Italien eintauchen und einem Jungen beim langsam erwachsen werden zuschauen möchten, ist dieses Buch aber durchaus zu empfehlen.
Rezensionen von Murksy:
Der Comic-Club von Scott McCloud
Wie gestalte ich einen Comic
Ich bin mit Comics aufgewachsen. Natürlich habe ich auch normale Bücher gelesen, aber die Faszination für die gezeichneten Geschichten hatte mich lange im Griff. Mittlerweile ist, im Gegensatz zu vielen anderen Erwachsenen, der Reiz bei mir etwas verschwunden. Vielleicht noch ab und zu ein Heft über die renitenten Gallier, mehr aber auch nicht.
Beim Lesen des Comic-Clubs wurde etwas dieser Faszination wiederbelebt. Obwohl natürlich das Buch eine andere Altersgruppe anspricht. Vor mir hat allerdings mein knapp 9jähriger Sohn das Buch kritisch gelesen. Genau wie mir gefielen im die Zeichnungen und die farbige Gestaltung sehr gut. Das Buch erklärt wunderbar, wie ein Comic entsteht, wie er aufgebaut wird und welche Tricks man einbauen kann, um einen solchen Comic interessant und witzig zu gestalten. Da mein Sohn auch schon eigene kleine Geschichten malt, hat er das sehr aufmerksam verfolgt. Sehr gut hat ihm der Abschnitt gefallen, in dem Gefühle erklärt werden und wie man sie darstellen kann. Nach dieser Lektüre werde ich mir vielleicht unter diesem Gesichtspunkt meine alten Comics noch einmal anschauen. Es sind doch erstaunlich viele Feinheiten, die man vielleicht einfach so überfliegt, die aber im kreativen Schaffen viel Nachdenken und künstlerisches Können verlangen. Was meinem Sohn nicht immer so gut gefallen hat, waren die schwierigen Wörter. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass das Buch aus dem amerikanischen Raum kommt. Die Namen werden natürlich anders gesprochen, als gelesen. Als Beispiel sei der Name Gene genannt. Außerdem wurden Neopronomen wie xiem erwähnt, damit konnte mein Sohn nichts anfangen. Viele andere Begriffe aus dem Comicbereich sind englisch. Die werden zwar mit Masse erklärt, aber Aussprache wird für die meisten jüngeren Leser eher ein Problem darstellen. Es gab also einige Fragen zum Text, die de Lesefluss bremsten.
Die Verständlichkeit der Geschichte war allerdings sehr gut. Auch die sozialen Botschaften, also dass man sich ruhig an etwas heranwagen soll und es nicht so wichtig ist, alles perfekt zu machen, werden gut transportiert. Der Comic ist übersichtlich gestaltet und nicht überladen. Ein weiterer Höhepunkt des Buches ist das Interview mit den Autoren und der Abschnitt im hinteren Teil des Buches, der die verschiedenen Berufe und Schritte zum fertigen Comic zeigt, inklusive der Werkzeuge, sprich Software, die dazu genutzt werden. Ein Glossar rundet das gute Gesamtbild ab.
Rundherum ein Buch, das also nicht nur genau zeigt, wie das Medium Comic entsteht, welche Arbeit dahintersteckt, sondern auch ein Buch, das Kinder dazu ermutigt, sich auszuprobieren, sich etwas zu trauen, ohne Angst davor zu haben, zu scheitern.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen unterliegt dem Urheberrecht.










