Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Mandl-Mair:
Underground Railroad von Colson Whitehead
Menschen!
Cora, eine junge Sklavin wagt mit ihrem Gefährten Cäsar die Flucht aus der Plantage der Randells.
Sie fliehen vor den psychischen und physischen Grausamkeiten und hoffen auf ein freies leben im Norden. Mittels der Underground Railroad gelingt ihnen die Flucht in den Norden. Beherzte Bürger wahren das Geheimnis der Underground Railroad und verhelfen flüchtenden Sklaven zur Flucht.
Aber nicht die Freiheit ist nur vordergründig. Unter dem Deckmantel der Hilfe und dem Zugang zu Bildungseinrichtungen verbergen sich heimliche medizinische Experimente. In North Carolina ist die Sklaverei zwar abgeschafft, die Realität sieht aber anders aus. Grausame und systematische Verfolgungen und Lynchjustitz stehen auf der Tagesordnung. Wieder gelingt die Flucht auf eine Farm, die vom Gedanken von Gleichheit und Gleichberechtigung geleitet wird. Aber kann die wachsende weiße Bevölkerung das akzeptieren? Wieder sind die Tage bis zur nächsten Flucht gezählt?.
Das Buch spielt in der Vorbürgerkriegszeit in Amerika, trotzdem stellt sich bald die Frage: was hat sich wirklich verändert? Sehr lesenswert!
Rezensionen von heinoko:
Der Wal und das Mädchen von Tanja Kinkel
Von Walgesang und der Überwindung von Angst
Tanja Kinkel kannte ich bisher nur als Autorin guter historischer Romane. Deshalb waren meine Erwartungen an ein Bilderbuch, von ihr geschrieben, zugegebenermaßen sehr hoch.
Eine hübsche Geschichte wird erzählt, keine Frage. Eine Geschichte von Neugier, Angst, von Freundschaft und der Überwindung von Angst, wenn Hilfe nötig ist.
Der kleine Wal will nicht das machen, was die anderen Walkinder machen. Er will Neues entdecken! Und so schwimmt er ins Helle, Glitzernde, statt in der sicheren Tiefe zu bleiben. Maria fährt mit ihrer Familie in ein Ferienhaus am Strand. Sie hat Angst vor dem unberechenbaren Meer und vor den unsichtbaren Meeresbewohnern. Dennoch läuft sie allein zum Strand. (Eine Textstelle, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann?) Maria findet den kleinen Wal, der von der Ebbe überrascht im Sand steckengeblieben ist und Hilfe braucht. Sie und ihre gesamte Familie halten den Wal mit Tüchern feucht und ziehen ihn schließlich, als die Flut wieder kommt, zurück ins Wasser.
Was aber, bitte, ist eine Fluke? Dieser Begriff muss vermutlich auch von den Erwachsenen erst einmal nachgeschlagen werden müssen. Warum steht in diesem Bilderbuch (!) nicht einfach stattdessen das Wort ?Schwanzflosse? wie auch später im Text?
Auf den Bildern gefällt mir der Wal bzw. das Unterwasser-Leben sehr gut, aber die Menschen sind allesamt leider hölzern, steif und geradezu unnatürlich gezeichnet. Doch das wird nur aus Erwachsenensicht stören, nehme ich an. Den Kinder-Lese-Test konnte ich zum Zeitpunkt des Erstellens der Rezension leider noch nicht machen.
Rezensionen von spozal89:
Dann schlaf auch du von Leïla Slimani
Griff ins Klo
Leider kann ich mich persönlich den bisher nur positiven Rezensionen nicht anschließen. In meinen Augen war dieses Buch weder spannend, noch berührend noch sonst irgendwas und zählt zu meinen bisher schrecklichsten Fehlgriffen.
Der Klappentext und auch die Leseprobe klangen ganz spannend. Eine durchschnitts Familie mit zwei Kindern mitten in Paris, der Mann geht arbeiten und die Frau fühlt sich vom Kinderhüten alleine nicht mehr erfüllt und will wieder in die Arbeitswelt einsteigen.
Daher muss eine Nanny her. In Louisa haben sie sich auf den ersten Blick verliebt. Doch wie man ja direkt erfährt, geht dies gewaltig nach hinten los, denn die überaus liebenswerte und absolut zuverlässige Nanny bringt die beiden Kinder um. Die Frage aller Fragen: Warum?
Auf gut 220 Seiten erfahren wir nun die Geschichte der Nanny und der Familie. Doch ich finde, dass sich alles so unglaublich langweilig hingezogen hat, dass ich beinahe eingeschlafen wäre. Louisa ist ein so unglaublich dummer Charakter und ich konnte ihr Leben und ihr handeln anhand der erhaltenen Infos nicht nachvollziehen. Auch die Familie an sich und deren Umgangsformen mochte ich von Anfang an nicht, weshalb ich mit der Geschichte einfach nicht warm wurde. Für mich gab es auf keiner Seite Emotionen oder sonstiges, ich war einfach nur enttäuscht. Hinzu kam, dass ich den Schreibstil der Autorin auch überhaupt nicht mochte. Er war in meinen Augen einfach nichtssagend. Aber vielleicht bin ich einfach für so "anspruchsvolle" Kost nicht geschaffen.
Für mich eindeutig ein Griff ins Klo, daher nur ein magerer Stern.
Rezensionen von spozal89:
Amrita. Am Ende beginnt der Anfang von Khorana Aditi
Ein orientalisches Märchen
Die sechszehnjährige Prinzessin Amrita lebt zusammen mit ihrem Vater in einem goßen Palast im Reich Shalingar. Noch nie hat Amrita einen Fuß vor die Palastmauern gesetzt und noch nie jemand außerhalb des Palastes hat die Prinzessin zu Gesicht bekommen. Als sie eines Tages den großen Kaiser Sikander heiraten soll, beginnt für Amrita ein Albtraum.
Denn weder will sie fortan mit dem gewalttätigen Herrscher leben, noch will sie ihre große Liebe Arjun, ihren Vater und Shalingar verlassen. Daher beschließt sie zu fliehen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit dem Orakel Thala, macht sich Amrita auf, die Bibliothek des Seins zu finden, in der zu jedem Leben auf der Erde ein Schicksalsbuch verweilt. Doch auf der Reise passiert etwas komplett unvorhergesehenes und für Amrita ändert sich auch ohne ihr Schicksalsbuch alles.
Als erstes fiel mir Amrita natürlich wegen des absolut gigantisches Covers auf. Da dachte ich mir - dieses Buch will ich unbedingt - koste es was es wolle. *g* Nachdem mich dann auch noch der Klappentext angesprochen hat, war es um mich geschehen.
Doch leider lässt mich dieses Buch nicht recht glücklich zurück. Obwohl der Schreibstil der Autorin recht flüssig und bildhaft war, fand ich die Handlung doch teilweise ein wenig langweilig. Ich fand das erstmal nicht viel passiert ist und das Buch im Grunde erst weit nach der Hälfte spannend wurde. Oftmals bin ich beim Lesen ein wenig abgedriftet und musste den Satz dann nochmal lesen. Sowas passiert mir eher selten, das zeigt wie langweilig es manchmal war.
Auch die Charaktere waren für mich irgendwie nicht greifbar. Ich kann nicht sagen, dass Amrita ein Charakter ist, den ich besonders gerne mag. Vielmehr hat mich da Thala interessiert, aber von ihr erfährt man ja leider auch nicht sehr viel.
Was ich positiv fand, war die Welt, die die Autorin erschaffen hat. Der orientalische Einfluss setzt sich klasse in der Geschichte durch und ich mochte die Infos über Shalingar, Makedon, den Mangohain und sämtliche andere Orte im Buch wirklich sehr.
Im Nachwort wird etwas vermerkt, dass ich hier gerne noch mit aufnehmen möchte: "Wenn unser Handeln einzig von Eigeninteresse bestimmt ist und die Rechte und Erfahrungen anderer außer Acht lässt, verlieren alle. Handeln wir aber im Dienst einer übergeordneten Sache, selbst wenn es uns etwas, vielleicht sogar viel kostet, so werden wir von Liebe, Empathie und Weisheit tief greifend verändert. Und verändern unsererseits die Welt."
Diese Moral von der Geschicht wie man so schön sagt, kam in meinen Augen auf jedenfall gut zur Geltung. Der Verlauf der Geschichte geht in eine Richtung, mit der man nicht gerechnet hat und das finde ich wiederrum sehr positiv. Dennoch bin ich von dem Buch nicht gänzlich überzeugt. Daher gute drei Sterne von mir.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Barbara Maria Angerer:
Underground Railroad von Colson Whitehead
Sprachlos
Das Buch über die Sklaverei in Amerika, den Umgang von Menschen mit Menschen, hat mich betroffen und sprachlos gemacht und sehr begeistert. Colson Whitehead baut unterschiedliche Erzählstränge auf, gibt Erklärungen, fügt zusammen und reißt auseinander. Diese historische Geschichte über Sklaverei, Profitgier und Unmenschlichkeit ist brandaktuell, beunruhigend und doch auch Hoffnung gebend.
Unbedingt lesen!
Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Angerer:
Underground Railroad von Colson Whitehead
Sehr berührend, faszinierend geschrieben und sehr nachdenklich machend
Die Geschichte eines Sklavenmädchens aus Georgia, dem durch ein Netzwerk von Menschen über viele Umwege und Zwischenstationen die Flucht aus der Sklaverei gelingt. Ein bedrückender Inhalt, grandios geschrieben und bis zur letzten Seite spannend.
Trotz einiger abstoßender Szenen war es mir nicht möglich, das Buch längere Zeit wegzulegen, ich habe es in einem Satz durchlesen müssen.
Für empfindsame Gemüter: vorher warme Socken anziehen.
Das Buch ist wichtig und vermutlich zur richtigen Zeit auf dem Markt.
Wichtig, weil Colson Whitehead die Grausamkeiten der Sklaverei und Gräueltaten der Grundbesitzer und Sklavenaufseher in den Südstaaten der USA auch mit einem gewissen seinerzeitigen ?Selbstverständnis? darstellt, nach welchem die Sklaven nicht als Menschen sondern als Produktionsfaktoren gesehen wurden, die nach rein ökonomischen Kriterien handzuhaben, also brutalst auf das Funktionieren zu trimmen und zum richtigen Zeitpunkt zu entsorgen sind. Damit lenkt er den Focus auf ein Kapitel der amerikanischen Geschichte, das bei uns nicht allgemein im Bewusstsein ist, in der Geschichte der Menschheit aber sehr wohl einen ?angemessenen Platz? in der Kategorie von Holocaust, Stalin, Mao, Kolonialherrschaften, Genozide, uvm. ?verdient?.
Zur richtigen Zeit, weil das Buch auch zeigt, dass es an uns liegen wird, mit den ?anderen? Menschen, wer auch immer die sind oder sein werden, grundsätzlich menschenwürdig umzugehen. Und zwar egal, ob ?unser Boot voll? erscheint oder ?America First? als Motto hinausposaunt wird oder machthungrige Populisten/innen Keile in eine Gemeinschaft treiben, indem sie zwischen den ?unsrigen?, als den guten und wertvollen, und den ?anderen? als den bösen und minderwertigen, unterscheiden und so eine moralische innere Rechtfertigung für die Verfolgung der anderen aufbauen.
Empfehlung: kaufen und lesen und bei manchen derzeitigen politischen Ansagen an dieses Buch denken.
Rezensionen von yellowdog:
Dann schlaf auch du von Leïla Slimani
sprachliches Meisterwerk
Dieses Buch ist kein Thriller, dennoch habe ich es mit großen Interesse und Spannung gelesen. Es gibt zwar die Morde, aber kein Krimielement. Die Täterin ist von Anfang an klar, nicht jedoch ihr Motiv.
Der Mord an zwei kleinen Kindern durch ihre Nanny, die ihre engste Vertraute war, ist mehr als schrecklich.
Ich muss gestehen, der letzte Auslöser für die Bluttat erschließt sich mir auch nach Ende des Romans nicht, da das Verhältnis zwischen den Kindern und ihrer Mörderin so eng war. Das wurde so intensiv geschildert wie auch die Persönlichkeiten der Kinder gut herausgearbeitet wurden. Das schafft nicht jede Autorin.
Das Thema bleibt brisant. Man kann kein Verständnis für die Tat des Kindermädchens Louise haben, wobei immerhin ihre schwierige Lebenssituation erklärt wird.
Ich schätze an dem Buch, dass die Autorin ihre Figuren nicht denunziert. Auch die Eltern der Kinder, ein Paar aus der Mittelschicht, werden nicht einseitig dargestellt. Myriam und Paul sind ein normales Paar. Das Myriam nach der Geburt des zweiten Kindes wieder arbeiten muss, kann ich verstehen, auch wie sie zwischen Beruf und Mutterrolle etwas zerrissen ist. Ein Kindermädchen wie Louise, auf die sich die Kinder gleich einlassen und die auch noch putzt und kocht, ist ein Segen für die Kleinfamilie.
Aber man versteht, wie es zu gegenseitigen Abhängigkeiten kommen kann und das Louise trotz der Nähe letztlich als eigene Persönlichkeit außen vor bleibt. Das ist ein Problem, vor denen viele Eltern stehen.
Mich wunderte aber, dass das Paar nach dem Mord nicht mehr im Fokus stand. Es wird nahezu ausschließlich die Zeit nach der Einstellung von Louise bis zum Zeitpunkt der Morde gezeigt.
Man muss auch noch den Stil der Autorin erwähnen, der einen speziellen Ton erzeugt, ein eigener Sound. Bei dem schweren Thema nutzt die Autorin eine leichte Sprache, die sie aber sehr sorgfältig und genau ausführt. Das Buch ist nicht schwierig zu lesen, aber es ist doch anspruchsvolle Literatur.
Ich war davon ziemlich beeindruckt und würde gerne weitere Bücher von Leila Slimani lesen. Mal sehen, was in Zukunft von ihr noch erscheinen wird.
Rezensionen von Vicky:
Dann schlaf auch du von Leïla Slimani
Hakuna Matata - es gibt mehr zwischen Himmel und Erde
Das Cover ist schön und passt gut in die Optik der anderen Bände der Reihe.
'Schatten der Vergangenheit' ist der dritte Band der Buchserie 'Die Chroniken der Seelenwächter'. Unter 'Was bisher geschah' gibt es eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse wodurch man sich einfach und schnell wieder in die Geschichte einfindet - das finde ich gut!
Die einzelnen Kapitel sind aus Sicht von unterschiedlichen Personen geschrieben.
Hauptsächlich berichten Jaydee und Jess aber dazwischen reihen sich auch immer wieder andere Sichten ein. Die Kapitel fliegen hier nur so dahin, die Geschichte ist total spannend und ehe man sich?s versieht hat man bereits das Ende von diesem Band erreicht. Ich hatte am Morgen nur vor 'ganz kurz' rein zu lesen und das erste, vielleicht auch noch das zweite Kapitel in Angriff zu nehmen aber ich konnte das Buch absolut nicht mehr aus der Hand geben und so habe ich in nur wenigen Stunden bereits die letzte Seite erreicht!
Zum 'Bonusmaterial': Die Vorschau auf den nächsten Band macht Lust sofort weiterzulesen. Die Bilder der Charaktere, es werden am Ende zwei 'neue' besprochen, sind total super, diese gefallen mir sehr gut :-) Durch die 'Besprechung' erfährt man noch mehr Details über die Figuren und fühlt sich ihnen dadurch außerdem noch etwas näher. Das Glossar und die Übersicht der Charaktere ist gut, klärt für mich einige Fragen auf. Allerdings sind diese beiden Rubriken für mich falsch platziert, ich finde sie würden am Anfang besser passen als am Ende des Bandes.
Fazit: ACHTUNG - Nicole Böhm erzeugt mit ihren Seelenwächtern absolute Suchtgefahr!
Rezensionen von HEYN Leserunde, Harald Schellander :
Underground Railroad von Colson Whitehead
Geniales Wechselspiel der Perspektiven
Mit Underground Railroad bin ich in das Universum Mensch mit all seinen bewundernswerten und seinen schrecklichsten Ausprägungen eingetaucht. Im Fall des Pulitzer-preisgekrönten Romans von Colson Whitehead heißt der Angelpunkt dieses Universums Cora, die Anfang des 19. Jahrhunderts als Sklavin in eine von weißen Farmern brutal geführte Baumwollfarm in Georgia hineingeboren wird.
Mit welch? unbändiger Überlebenslust Cora ihren Leidensweg meistert, schildert der Autor in einem genialen Wechselspiel der Perspektiven aus Sicht der Sklaven, ihrer vermeintlichen Eigentümer und Jäger und ihrer todesmutigen Helfer. Das alles führt auf einen Fluchtpunkt hin ? eben die Underground Railroad, die es als geheimes Netzwerk für geflüchtete Sklaven tatsächlich gegeben hat. Dass Colson Whitehead die Railroad wörtlich nimmt und eine unterirdische Eisenbahnlinie als Flüchtlingsroute erfindet, entspricht zwar nicht der historischen Wahrheit, verschafft dem Roman jedoch mehr Spannung und Spielraum. Das ist nicht nur für Cora sondern auch für mich als Leser befreiend, der nach all den drastisch geschilderten Grausamkeiten ein Licht am Ende des Tunnels sehen kann. Und diese Perspektive brauchen wir auch heute ganz dringend.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer:
Underground Railroad von Colson Whitehead
Hoffnung - trotz allem
Das Buch ist ein beklemmendes Meisterwerk über den Umgang mit Menschen, die keinerlei Rechte haben, weil sie schwarz sind.
Sklaven können jederzeit missbraucht, verkauft oder vernichtet werden, jeder Fluchtversuch wird blutig bestraft, und trotzdem geben sie den Wunsch nicht auf, eines Tages den Weg in die Freiheit zu finden.
Underground railroad zeigt diesen Weg mit allen Rückschlägen und Gefahren, mit aller Bedrohung und Hoffnungslosigkeit, und doch mit einem möglichen Ziel.
Ein spannendes Buch, das mich auch durch seinen eher ruhigen Ton besonders beeindruckt hat. Nichts für trübe Stunden, aber unbedingt lesenswert !





