Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Petra Hesse:
Underground Railroad von Colson Whitehead
Eigentum Mensch - eine Empörung
In meinem Bewusstsein ist Sklaverei ein abgeschlossenes Kapitel, ein historischer Wissensbestand. Genauer: sie war es bis zur Lektüre dieses Buches. Whiteheards Erzählen vom Schicksal der Sklavin Cora, die von einer Baumwoll-Plantage in Georgia flieht, macht (mit- und nach-)fühlbar, was es heißt, Eigentum eines anderen zu sein.
Dabei sind Auspeitschung, Vergewaltigung oder steckbrieflich legitimiertes Einfangen nur (historische?) Formen einer Verfügung über menschliches Leben, die durchaus auch andere Formen annehmen kann: Wird ein Mensch einem - meist ökonomischen - Zweck untergeordnet, so geht er mit den Menschenrechten all seiner Menschlichkeit verlustig, und es gibt keine übergeordnete Instanz des Rechts mehr. Auch vom schwierigen Prozess der Wiedergewinnung einer menschlichen Identität, von Würde, Vertrauen und Liebe, erzählt dieses Buch. Den Bezug zu unserer Gegenwart müssen wir selbst herstellen, aber das fällt in einer Zeit der immer ausschließlicheren Orientierung an wirtschaftlichen Parametern nicht schwer. Ein Roman, der auch für unsere Gegenwart nachdenklich stimmt, aber mit seiner realisierten Metapher des "Untergrunds" zugleich Hoffnung gibt.
Rezensionen von Josetta:
Als die Träume in den Himmel stiegen von Laura McVeigh
Aufwühlend
Wir begleiten Samar und ihre Familie auf einer Reise mit der transsibirischen Eisenbahn. Eine Reise in eine ungewisse Zukunft, einem möglichen Neuanfang. Während der Zug durch die unendlichen Weiten Russlands gleitet, erfahren wir rückblickend die aufwühlende Geschichte einer Familie, deren Alltag vom Schrecken des Krieges in Afghanistan geprägt wurde.
Samar ist das vierte von 6 Kindern. Ihre früheste Kindheit verbringt das Mädchen in der Hauptstadt Kabul. Als die Stadt immer mehr in die Hände der Taliban fällt, sucht die Großfamilie Zuflucht bei Samars Großeltern in den Gebirgshöhen des Hindukuschs. Dort scheint die Welt noch friedlich zu sein. Doch auch an diesem Platz vergiftet das talibanische Gedankengut schleichend die Menschen und das Leben wird geprägt von Verboten und den irren Taten religiöser Fanatiker. Wieder muss die Familie fliehen, wieder stehen sie vor dem Nichts?
Wieviel Leid kann ein Mensch erdulden? Wieviel Angst, Entbehrungen und Hoffnungslosigkeit ertragen? Samars Geschichte zeigt es uns. Und doch, zwischen all den Trümmern, gibt es die Träume, die endlich wieder etwas Glück verheißen und die Samar so oft den Weg zurück ins Leben zeigten.
Einige Male konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Die Geschichte geht unter die Haut.
Mein Eindruck: Das Buch wurde in 6 Teile gegliedert. Die ersten drei davon verwirrten mich teilweise. Ich staunte über vergangene Entwicklungen und wie sie zur Flucht mit dem Zug passten. Aber die Geschichte klärt sich auf, wird rund und die Puzzleteile fügen sich zusammen. Nicht jeder Leser wird damit zurechtkommen, mich jedoch faszinierte dieses Buch und ich gebe eine absolute Leseempfehlung. Selbst das wunderschöne Cover, welches mir anfangs unpassend erschien, fügte sich als Puzzleteil in die Geschichte ein. Das Ende von Samars Geschichte bleibt offen. Schade. Diese Geschichte hätte ein Happy End verdient.
Laura McVeigh brachte mir die Bevölkerung und das harte Leben in Afghanistan authentisch rüber. Die Wichtigkeit der Familie, die Ehre, das Leben. Aber auch die schier aussichtslosen Fluchten der Zivilbevölkerung, die Schrecken in den Flüchtlingslagern, den Horror des Krieges. Ihr ist ein großartiger Roman gelungen. Vielen Dank, dass ich Samar und ihre Familie auf einer Strecke ihres Lebens begleiten durfte.
Rezensionen von yellowdog:
Darcy - Der Glückskater und der Geist von Renfield Hall von Gesine Schulz
Afternoon Tea at Renfield Hall
Dieser Kurzroman wurde mir empfohlen, und ich habe ihn dann wirklich gerne gelesen.
Der herumwandernde Kater Darcy sorgt durch seine Begegnungen mit Menschen dafür, dass man einen Einblick in ihre Probleme und Sorgen bekommt. Das gilt auch für die eigentlich noch relativ junge Witwe Freda, die Darcy bei sich aufnimmt.
Sie nennt ihn Beresford.
Freda hat einen alten Landsitz Renfield Hall, der hohe Kosten verursacht, aber keine finanziellen Mitteln. Die inzwischen erwachsenen Kinder ihres verstorbenen Mannes haben auch wenig Möglichkeiten sie zu unterstützen und eine Halbtagsstelle findet sie auch nicht so leicht. Letzte Hoffnung, den Landsitz zu erhalten, ist ein Bed & Breakfast zu eröffnen. Dank Darcys Einsatz kommt eine alte Frau namens Sally zum Landsitz, die möglicherweise Teil eines alten Familiengeheimnisses ist.
Darcys und Fredas Abschnitte wechseln sich ab, dabei wird Darcy zum Glück nicht über Maß vermenschlicht. mir gefallen Passagen, die das Geschehen sozusagen aus beiden Perspektiven schildern.
Die Passagen mit Freda Putzfrau Tracy sind auch ganz witzig. Sie ist eine Person mit Herz.
Gesine Schulz schreibt einen Stil, den man vielleicht als Cozy bezeichnen kann. Das bedeutet ein entspanntes Lesen ohne zu große Spannungsmomente, dennoch ist der Roman ganz interessant.
Eine weitere Qualität des Buches ist, dass es so englisch wirkt und dadurch entsprechende Atmosphäre aufbaut. Ich glaube, ich werde demnächst noch einmal einen Teil der Reihe lesen. Es interessiert mich auch, ob es einmal einen Abschluß gibt, in dem Darcy heimkehren wird.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Fangirl von Rainbow Rowell
Fangirl
?Fangirl? ist mein erstes Buch der Autorin, von der ich bisher ausschließlich gutes gehört hatte und daher durchaus hohe Erwartungen an das Buch hatte. Diese wurden teilweise erfüllt, zu anderen Teilen habe ich im Vorfeld einfach zu viel erwartet ? der Hype um die Bücher der Autorin ist auch enorm groß.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, er liest sich zügig und ist sehr bildhaft. Die Sprache passt allgemein sehr gut ins Setting, nichts wirkt gekünstelt oder unpassend.
Die Charaktere haben mir gut gefallen, sie wirken allesamt authentisch und lebensnah. Die Beschreibungen waren ausreichend, um mir ein gutes Bild von allen machen zu können, wobei die Nebencharaktere etwas blasser und verschwommener waren. Cath als Protagonistin habe ich sofort in mein Herz geschlossen, ihre verkorkste Art ist erfrischend und meiner Meinung nach enorm liebenswert.
Die Handlung an sich ist nicht ungewöhnlich für dieses Genre und hat mich daher nicht überraschen können. Dennoch hat sie mir gut gefallen ? den Charakteren wegen. Der Spannungsbogen war teilweise eher flach, dann wieder angenehm. Nicht so gut gefallen haben mir die Einschübe der Fanfiction, einfach, weil ich mit Simon und Baz nicht so viel anfangen kann. Die Idee an sich ist jedoch gut und passt zur Story ? Simon Snow ist ja ein wichtiger Teil in Caths Leben.
Insgesamt ist ?Fangirl? meiner Meinung nach ein schönes Jugendbuch für gemütliche Lesestunden, dem aber irgendwie der Wow-Effekt fehlt.
Rezensionen von Mel.E:
Als die Träume in den Himmel stiegen von Laura McVeigh
Leider bleibt vieles ungeklärt und überzeugt daher nicht komplett
"Als die Träume in den Himmel stiegen" erzählt von Flucht, Angst und einer ungewöhnlichen Reise in die Freiheit. Es ist eine Flucht vor dem Krieg, der in Afghanistan Einkehr hielt und vielen Menschen das Leben kosten wird. Die Taliban wird immer nur kurz in einigen Nebensätzen eingefügt, dennoch ist der Fanatismus dieser Gruppierung sehr deutlich und beängstigend.
Gerade für uns Frauen denen jegliches recht auf Bildung genommen wird ist dieser Fanatismus schmerzhaft und auch gefährlich, da ihneneine eigene Meinung nicht zugestanden wird.
Samar die Protagonistin des Romans ist diejenige, die die komplette Story lang glänzen kann, wobei ich mir leider auch eingestehen muss, dass meine Erwartungshaltung, die der Klappentext weckte nicht erfüllt sehe. Am Ende bleibt vieles offen und ich fühlte mich nicht genügend informiert über die eine oder andere Begebenheit, die grob angeschnitten, aber nicht erklärt wurde. Samar erscheint zu Anfang an anders, als dann im weiteren Verlauf der Story, bleibt aber präsent, ebenso wie der Schrecken des Krieges. Es stimmt recht nachdenklich, gerade was die Zustände der Flüchtlingslager betrifft. Hunger, Kälte und der Kampf ums Überleben wird oft deutlich. Letztendlich ist sich jeder selbst der Nächste, was nicht utopisch erscheint, sondern jede Menge Wahrheiten beinhaltet. Mich hat es schockiert, obwohl ich natürlich darum weiß, dennoch empfand ich es als unmenschlich.
Das Cover ist durch seine sanften Töne und den leichten Sonnenstrahlen sehr ansprechend und vielleicht auch mutmachend, dennoch ist die Story hart und wenig freundlich. Ein Mädchen, welches vor den Bergen spielt und sich in der untergehenden Sonne scheinbar wohlfühlt, wird uns im Roman wenig begegnen, dafür ist die Story zu grausam. Sie beginnt im Zug und endet im Zug, zwischendrin wird das Leben in Kabul und an anderen Orten beschrieben, während um die Familie herum Krieg herrscht und sie zur Flucht gezwungen werden.
Ein Roman mit vielen lauten und leisen Untertönen, welches nachdenklich stimmt, aber eben nicht alles aufdeckt, sondern nur in den Raum stellt, ohne beantwortet zu werden. Dies führt dazu, dass ich leider nicht gänzlich begeistert bin wie ich es erhofft hatte, sondern eine leichte Unzufriedenheit beim Beenden des Romans entstanden ist. Ich kann daher nur eine eingeschränkte Leseempfehlung vergeben, da ich natürlich die große Not erkannte, aber letztendlich eine doch andere Geschichte erwartet hatte und mich dadurch nicht komplett auf Samar und ihre Familie einlassen konnte. Schade!
»Es gibt Reisen, die wir niemals unternehmen wollten. Und dennoch treten wir sie an, weil es der einzige Weg ist, um zu überleben. Dies ist meine Reise.«
Rezensionen von Gaby 2707:
Bea macht blau von Tessa Hennig
Eine erfrischende Sommerlektüre
Tochter Caroline hat ihr Abi in der Tasche und will in Passau studieren. Ehemann Matthias vergnügt sich seit einiger Zeit mit einer Anderen. Da hat Bea Völker die Nase voll und beschließt eine Auszeit zu nehmen. Ihr Ziel: das kleine Gästehaus von Maria in San Sebastian, wo sie mit ihren Eltern so oft Urlaub gemacht hat.
Außerdem lebt ihre Schwester Karin als Aussteigerin in der Nähe.
Im Baskenland hat sich allerdings so viel verändert und Bea steht vor einer gewaltigen Entscheidung?
Mit ihrem leichten, flüssigen Schreibstil hat mich Tessa Henning sehr bald vollkommen in die Geschichte hineingezogen. Ich versuche zusammen mit Bea ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, buddle in der Erde eines Kräutergartens, lasse mich im Guggenheim Museum in Bilbao von einem tollen Mann in die Welt der modernen Kunst entführen, lerne einige sehr schöne Ecken des Baskenlandes kennen und sitze mucksmäuschenstill beim Notar in der Ecke und verfolge die spannenden Geschehnissen und Wortwechsel.
Interessante Personen, allen voran Bea, die eine tolle Wandlung durchläuft; aber auch Alba und Angel, machen die Geschichte lebendig, lebensecht und farbenfroh. Ich bekomme Appetit auf die leckeren Tapas, die Angel zaubert und die eine außergewöhnliche Wirkung zeigen. Einige Wendungen lassen keine Langeweile aufkommen und der erstaunliche Schluss lässt für mich keine Fragen offen.
Was mir sehr gut gefällt: es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, sondern auch ernste Töne werden hier und da angeschlagen. So wie das Leben halt ist.
Eine leichte, erfrischende Sommerlektüre, die meine Lust, das Baskenland mal zu besuchen angefacht hat und die mir einige wunderbare Lesestunden beschert hat.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Swing Time von Smith Zadie
Sing Time
Das Buch ist mir durch die kräftigen Coverfarben und die große Aufmachung vom Titel und Autorennamen sofort ins Auge gesprungen: die Gestaltung ist simpel und doch wirkungsvoll.
Der Schreibstil ist schon auf den ersten Seiten sehr bildhaft, was schon auf der ersten Seite ein bildhaftes Kino in meinem Kopf entstehen ließ.
Die verwendete Sprache passt gut zur Situation und den Personen und wirkt somit sehr authentisch.
Die Charaktere sind ausreichend beschrieben, ich konnte mir von allen wichtigen Personen ein gutes, prägnantes Bild machen. Alle Beschreibungen sind aus Sicht der Protagonistin, so dass man als Leser alles durch ihre Wahrnehmung beschrieben bekommt. So ist es nicht möglich die Geschehnisse aus einer unvoreingenommeneren Perspektive zu sehen.
Die Handlung gefiel mir in den ersten Kapiteln sehr gut, ich war interessiert an der Protagonistin und Tracey und ihrer Entwicklung, der Spannungsbogen war gespannt. Je weiter ich gelesen habe, desto weniger haben mich die Geschehnisse interessiert, ich war schon fast gelangweilt von der Handlung. Das lag weniger an dem Schreibstil oder der Art der Beschreibung, als an dem Inhalt. Denn das lebensfrohe junge Mädchen vom Anfang des Buches entwickelte sich zu einer jungen Frau, mit der ich mich nicht identifizieren konnte, deren Anliegen mich nicht bewegen konnten und deren Ansichten ich nicht teile. Aimee als Charakter war mir von Beginn an unsympathisch, und die Protagonistin wurde mir auch von Kapitel zu Kapitel unsympathischer? Vielleicht konnte ich mich auch als Leser momentan nicht gut auf die Handlung einlassen, zum jetzigen Zeitpunkt habe ich wenig Zielführung in der Storyline erkennen können, es ist mir unklar, worauf die Autorin mit diesen Ausführungen genau hinauswollte.
Insgesamt ist ?Swing Time? ein interessantes Buch, das mich zu Beginn durchaus unterhalten und fesseln konnte, mit zunehmender Seitenzahl für mich aber immer undurchdringlicher und langatmiger wurde.
Rezensionen von heinoko:
Totenkalt von Stuart MacBride
Langweiliges Märchen, ordinär erzählt
Dass ein Thriller sooo schlecht sein kann, konnte ich mir vor Lektüre dieses Buches nicht vorstellen. Durch mehr als 600 Seiten quälte ich mich, immer mit der Hoffnung, doch noch etwas Positives an diesem Werk
zu entdecken, leider vergebens.
Es widerstrebt mir, die Handlung im einzelnen darzustellen, denn einen solch hanebüchenen Plot , völlig spannungsfrei erzählt, habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
Ein unkaputtbarer Sergeant, der mal eben seine an Maschinen hängende Gothic-Freundin relativ emotionsfrei abschaltet, der sich nicht an die Legalität hält, eine von ihm fabrizierte Leiche im Wohnwagen der Gothic-Freundin versteckt, den wiederum ein anderer Gangster freundlicherweise abfackelt, ein Sergeant, der sich zu Brei schlagen lässt, mit dem Messer massakrieren lässt, aber natürlich am nächsten Tag weiter seinen Dienst tut und nur mal gelegentlich der Schmerzen wegen Luft durch die Zähne zieht, der eine Ladung Schrotkugeln in seinem Gesicht wie Mitesser ?ausdrückt? ? man könnte immer weiter die Fülle abstruser Details aufzählen, die das Buch zu einer Märchensammlung der sinnlosesten Art machen.
Am allerschlimmsten jedoch ist die Sprache: Aaargh?., gnnnff?, mmmmnggf?., piep?., krack?., miep?. usw. usw. Wenn ich auf diesem Niveau lesen möchte, nehme ich mir ein Mickymaus-Heftchen, das bringt mich wenigstens noch zum Lachen und will vor allen Dingen gar nicht erst ernst genommen werden! Und dann dieser unfassbar widerliche Umgang der Kollegen untereinander. Respekt ist ein Fremdwort. Man unterhält sich auf niederstem, primitivstem Niveau, die Fäkalsprache ist normal, und Popel und Spuckebatzen in anderer Leute Kaffeetassen fallen zu lassen, gehört zur normalen Umgangsweise, wenn man jemand nicht so gut leiden kann. Das kleine Kind wird beschrieben als ?Kreuzung zwischen ET und rosafarbener Made?. Selbst für simpelste Beschreibungen, z. B. für eine Gewürzpaste, die in einem Lokal auf Fisch gestrichen wird, findet der Autor kein besseres Wort als ?rotzfarben? und bleibt damit in allen Details seinem Ekel-Niveau treu.
Was mich aber noch viel mehr entsetzt hat: Dass es tatsächlich Leser gibt, die solchen inhaltlichen und sprachlichen Schund für lesenswert halten oder dies gar für ?typisch schottisch und lustig? erklären. Erschreckend!
Rezensionen von rewa:
Totenkalt von Stuart MacBride
Franziskas Albtraum
Das traurige und erschütternde Leben von Franziska Schwarz beginnt schon als Ungeborenes im Leib ihrer Mutter Anna. Jeder Versuch das Kind bereits vor der Geburt zu töten scheitert und so wird Franziska als ungeliebtes und gehasstes Kind von Anna von Beginn an gequält, misshandelt und ihrem Schicksal selbst überlassen.
Sowohl körperlich als auch geistig vernachlässigt wird sie mit 8 Jahren zufällig entdeckt und in ein Kinderheim gebracht, wo sie das erste Mal in ihrem Leben so etwas wie Liebe und Zuneigung erfährt. Nach ein paar Jahren flüchtet sie aus dem Kinderheim und sie lebt jahrelang auf der Straße. Zeugin eines Mordes, ihre Vergewaltigung, Einweisung in eine Psychiatrie sind danach nur einige Stationen ihres verpfuschten Lebens. Franziska kämpft ständig mit ihren inneren Dämonen und ein Leben in Frieden scheint für sie unmöglich zu sein. Trotz vieler Schicksalsschläge und Menschen, die sich immer wieder für sie einsetzen und daran glauben, dass es auch für sie irgendwann ein glückliches und selbstbestimmendes Leben geben kann, will es Franziska letztendlich schaffen ihren Weg zu gehen.
Die Autorin Margarete-van-Marvik hat mit dem Roman ,,Albtraum´´ einen Roman geschrieben, der authentisch und real vom Leben der Hauptperson erzählt. Der Titel des Buches ist sehr passend, denn nach den brutalen und grausamen Schilderungen der Misshandlungen und Quälereien, kann man durchaus Albträume bekommen.
Da die Autorin in ihrer Jugend selbst einige Jahre auf der Straße gelebt hat, spürt man, dass sie zu dieser Geschichte eine besondere Beziehung hat. Sie beschreibt viele Szenen sehr eindringlich und bildhaft, dass man als Leser oft nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Für mich war ein wenig für den Lesefluss der Schreibstil hinderlich. In der Gegenwart geschrieben habe ich immer wieder das Gefühl gehabt, ich würde einem Erzähler zuhorchen und so ist für mich immer eine unsichtbare Distanz zwischen den Personen und mir vorhanden gewesen und ich konnte, trotz der ganzen Tragik, keine wirkliche Nähe aufbauen. Vielleicht ist aber für die Autorin dieser Schreibstil gerade der richtige gewesen, damit sie auch ihre eigene Geschichte aufarbeiten konnte.
Der Roman ist nichts für Menschen, die eine heile Welt Geschichte suchen, denn die wird man hier nicht finden. Margarete-van-Marvik zeigt schonungslos wie brutal die Welt, gerade für Kinder sein kann, die keine Lobby hinter sich haben und schutzlos den Erwachsenen ausgeliefert sind. Ein starkes Buch von einer starken Frau!
Rezensionen von Krimine:
New York Diaries - Zoe von Carrie Price
Ein turbulenter und liebenswerter Roman
Zoe Hunter zieht gemeinsam mit ihrer pinken Wohlfühlcouch von der Westküste nach New York, um dort als Schauspielerin Fuß zu fassen. Doch ihr großer Traum platzt gleich am ersten Tag, als sie erfährt, dass ihre Wohnung anderweitig vergeben ist und sie mit ihren Sachen auf der Straße steht. Ein Desaster, dass Zoe fast zum Aufgeben zwingt, wäre da nicht der Multijobber Matt, der mit ihr die Nacht auf der Straße verbringt und Zoe zu einer neuen Bleibe verhilft.
Aber auch die Suche nach einem Job läuft nicht, wie gedacht und schon bald muss Zoe sich entscheiden, was ihr wirklich wichtig ist. Eine Karriere als Schauspielerin oder die Liebe zu Matt, mit dem sie etwas ganz Besonderes verbindet.
"New York Diaries ? Zoe" ist ein turbulenter, leicht zu lesender und liebenswerter Roman, der es als vierter und wohl auch letzter Teil der New York Diaries Reihe versteht, seine Leser zu verzaubern. Gemeinsam mit der Schauspielerin Zoe und ihren neu gewonnen Freunden taucht der Leser in das Leben einer Großstadt ein, die viel zu bieten hat, aber auch viel verlangt. Eine Stadt, die von der Autorin Adriana Popescu, die hier unter ihrem Pseudonym Carrie Preis schreibt, mit allen ihren Vorzügen geschildert wird und damit die Lust auf einen Besuch in der gigantischen Metropole weckt.
Besetzt wurde der unter der Kategorie New Adult einzuordnende Roman mit der ambitionierten Hauptfigur Zoe Hunter, die nach ihrer kleinen Rolle in einer Soap nach Höherem strebt. Dass sie das Talent dafür mitbringt, wird im Verlaufe der Handlung klar. Aber Talent allein ist nicht alles. So stolpert Zoe in die Fänge eines Agenten, der ein falsches Spiel mit ihr treibt und sie in der Glitzerwelt regelrecht verheizt. Eine Figur, die sehr sympathisch ist, aber auch unheimlich naiv. So möchte der Leser sie ständig schütteln, wenn sie dem windigen Agenten vertraut, und leidet unter dem entstehenden Fiasko genauso wie sie.
Neben Zoe erscheinen auf der Bühne New Yorks aber auch noch weitere Figuren, die gut durchdacht und nachvollziehbar beschrieben sind. Beginnend mit Matt und Becca, die Zoe zu einem Neuanfang verhelfen und ihr zeigen, wie wichtig es ist, Fehler einzugestehen. Über den smarten Agenten Peter Nicholls, der Talente zwar von Weitem erkennt, allerdings nicht vertrauenswürdig ist. Bis hin zu weiteren Bewohner des Knight Buildings, die der Leser in den vorangegangenen Teilen bereits kennenlernen durfte und die hier eine Nebenrolle spielen. Eine gelungene Charaktervielfalt, die das Geschehen ungemein belebt und dem vorhersehbaren Ende geschickt Steine in den Weg zu legen versteht.
Fazit:
"New York Diaries ? Zoe" ist der mit einer spontanen Leichtigkeit geschriebene vierte Teil der Reihe um eine Handvoll Frauen, die ihr Glück im Herzen New Yorks suchen. Ein Leseerlebnis, das viel zu schnell verfliegt und trotz anderer Ankündigungen auf weitere Teile der ungemein unterhaltsamen Romanreihe hoffen lässt.









