Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:
Liebe auf den ersten Blick von Nelly Berlin
Wenn die Liebe alles durcheinander bringt
Ich mag die Bücher von Nelly Berlin sehr, ihr Schreibstil und die Figuren sind immer so schön leicht und authentisch, dass man sich gut darin wiederfindet.
So war ich auch kurz nach den ersten Seiten völlig im Buch gefesselt : Emmy, Helia und Ina sind drei Freundinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Emmy ist Biochemikerin, Helia Chirurgin und Ina möchte die Nachfolge ihres Vaters in einer der Hohenfeld Kliniken antreten.
Alle drei arbeiten viel und sind zielstrebig, aber mit der Liebe klappt es bei allen nicht so gut. Und dann plötzlich tauchen Gefühle auf, die die drei völlig durcheinander bringen.
Die Autorin hat hier einen sehr bildhaften und auch unterhaltsamen Roman geschrieben, der mich sehr gut unterhalten hat.
Die Figuren haben mir sehr gefallen und gerade, weil sie so verschieden sind, findet man sich auf jeden Fall immer ein Stück weit in einer der Protagonistinnen wieder. Die Geschichte ist spannend, lustig und auch authentisch und ich habe das Buch fast in einem Rutsch durch gelesen – das war eine wirklich schöne Lesezeit.
Von mir gibt es dafür eine klare Herzensempfehlung : Emmy, Helia und Ina sind auf jeden Fall ein tolles Mädels-Trio, das von ihrer Freundschaft getragen wird.
Rezensionen von Lara:
Firewatch von Colin Hadler
Ein Spiel mit Zweifel und Vertrauen
Firewatch von Colin Hadler lebt von der Kombination zweier scheinbar widersprüchlicher Genres. Aaron, der beste Freund des Protagonisten Robin, ist verschwunden und vermutlich ermordet worden. Nachdem die Polizei den Fall schließlich ad acta legt, beschließt Robin, selbst zu handeln. Er nähert sich jener Person, die Aaron zuletzt lebend gesehen hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter sein muss: Kian, der sich im Laufe der Handlung zunehmend in Widersprüche verstrickt.
Doch schon bald geraten auch Robins eigene Gedanken und inneren Stimmen ins Wanken, sodass er nicht mehr weiß, was er glauben kann - und was er fühlen darf.
Die Figuren des Romans sind sorgfältig ausgearbeitet und verfügen über komplexe Hintergründe, die ihr Handeln nachvollziehbar machen, ohne dabei auf platte Klischees zurückzugreifen. Die Handlung ist hervorragend strukturiert: Leser:innen wissen stets nur so viel wie Robin selbst und zweifeln daher gemeinsam mit ihm an Aussagen und Motiven der Menschen um ihn herum. Die Spannung wird bereits in den ersten Kapiteln aufgebaut und über die gesamte Länge des Buches auf hohem Niveau gehalten, sodass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen.
Auch die Liebesgeschichte fügt sich nahtlos in die Handlung ein und wirkt weder konstruiert noch fehl am Platz. Dennoch bleibt Firewatch in erster Linie ein Thriller und ist als solcher auch allen Fans des Genres absolut zu empfehlen.
Rezensionen von DoraLupin:
Das Haus in Charlottenburg von Beate Sauer
Toller historischer Roman mit interessantem Themengebiet
Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin.
Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht – ihre und Johanns kleine Tochter.
Der Schreibstil liest sich sehr locker und leicht, die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin und ich wollte in jeder freien Minute wissen wie es weitergeht! Das Buch ist aus Sicht von Elise und Johann geschrieben, aber auch die Sicht der Baronin von Rienäcker kommt im Buch vor und dies fand ich anfangs ungewöhnlich, hat mir dann aber so gut gefallen, dass es in meinen Augen sogar die interessantesten Passagen waren! Die Personen-egal ob sympathisch oder weniger- wurden alle sehr gut gezeichnet und handeln immer authentisch. Und eine solche Antagonistin in einem Roman, die so viel Tiefe mitbringt, das erhält man auch selten.
Das Buch ist aber auch wegen seines interessanten Themas, dem genossenschaftlichen Bauen sehr interessant. Man erlebt sehr nah und lebendig die Wohnungsnot der Menschen damals mit und muss als Leser schon ein paar mal schlucken wenn man über die Zustände liest. Aber auch ausserhalb dem Bereich Wohnen und mieten erkennt man immer wieder wie mächtig die Reichen damals waren und das für die andere Gesetze geherrscht haben als für die Menschen in Armut. Man lernt damalige Gesetze kennen auch wenn sich nicht alle daran halten und erhält einen guten Gesamtüberblick über die Stadt Berlin und seine Menschen in der damaligen Zeit.
Es gibt immer wieder überraschende Wendungen mit denen man so nicht gerechnet hat, das Ende ist mir in manchen Dingen ein klein wenig zu unrealistisch und zu "Happy" aber das darf es bei einem Roman ja auch mal sein.
Auf jeden Fall ein ganz toller historischer Roman, den man nur weiterempfehlen kann! Authentische und tiefe Charaktere, eine spannende Handlung und das interessante Thema genossenschaftliches Bauen machen den Roman einzigartig und wunderbar zu lesen. Große Leseempfehlung von mir!
Rezensionen von Lesemaus:
Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel
Hohe Spannung und Nervenkitzel
Arno Strobel ist immer ein Garant für hohe Spannung und Nervenkitzel. Auch dieser Thriller hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Verbindung von Cold Case, moderner Ermittlungsarbeit und persönlicher Vergangenheit fand ich gleich interessant. Medizinstudentin Luisa ist eine authentische und interessante Protagonistin.
Es gibt Verbindungen zu einem früheren Werk, der Roman lässt sich aber ohne Vorkenntnisse problemlos lesen. Das ermittelnde Team ist jedoch neu.
Nach der Haftentlassung von Joachim Lichner verschwinden erneut Mädchen. Luisa Menkhoff, selbst einst entführt und mit eidetischem Gedächtnis, hilft Kommissar Ramin Brunner bei den Ermittlungen. Ein alter Fall verbindet sich mit einem aktuellen Vermisstenfall. Es ist durchgehend spannend von Anfang bis Ende.
Auch die vielen unerwarteten Wendungen und falschen Fährten machen es aufregend.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und rasant. Spannende Unterhaltung, die sich super schnell lesen lässt.
Rezensionen von Bockonia:
Moosland von Katrin Zipse
Eine Frau, ohne Worte, das Nachwirken des Krieges und ein leiser Neuanfang
Wirklich wahr, dass Island 1949 auf der Suche nach Arbeitskräften für ihrer Landwirtschaft, in Deutschland junge Frauen aufrief, sich für ein Jahr zu verpflichten. 300 folgten diesem Aufruf, sich in der rauen Naturlandschaft der Insel nützlich zu machen. Und dann beginnt diese fiktive Geschichte.
Elsa, eine von den Erlebnissen des vergangenen Krieges immer noch zutiefst verletzte Seele, geht diesen Schritt. Sie kommt auf einem einsam gelegenen Hof unter. Die Sprache und die von der weiten Landschaft geprägten Menschen sind ihr fremd. Und diese Fremdheit, sie ist so greifbar, unheimlich, kalt, auf beiden Seiten. Die junge Frau spricht nicht, schweigt, ob der grauenhaften Erinnerungen, mit seinen bitteren Verlusten, die der zurückliegende Krieg ihr beschert hat. Und die Bauernfamilie, auch hier hält ein Geheimnis sie geradezu gefangen. Doch die gemeinsame harte Arbeit, die Zeit an sich und auch die eine Person, die mit ihrem doch zugewandtes Wesen Elsa einlädt, das gleiche zu tun, langsam vollzieht sich ein Wandel. Und es wird tatsächlich der Neuanfang, den sich die junge Frau, bewusst oder unbewusst, ersehnt.
Diese leise zarte Geschichte, von der Naturlandschaft Islands umhüllt, fast schon getragen, sie bewegt die Leser auf sehr berührende Weise. Und vieles von den wunderbaren Naturbeschreibungen spiegeln so ergreifend das eigene Erleben der Protagonistin wieder, man 'fühlt' ganz tief in sie hinein. Denn nach außen hin bleibt vieles unausgesprochen. Und trotzdem ist man ganz nahe dran, wenn die anfängliche Sprachlosigkeit, wenn in mehr wie einer Weise einfach die Worte fehlen, sich langsam wandelt und diese Wandlung auch möglich macht, in einem gewissen Umfang selbst zu heilen.
Ein wunderschönes kleines Buch, mit viel Seele.
Rezensionen von clematis:
You and Me - Die zweite erste Liebe von Josie Lloyd; Emlyn Rees
35 Jahre retour
Nach 35 Jahren hat sich die Liebe zwischen Adam und Jules schon abgenützt, Kleinigkeiten lösen Reibereien aus, der Alltagstrott wird zum zermürbenden Hamsterrad. Als Jules endlich den Schuppen ausmistet und alte Musikkassetten zum Sperrmüll bringen möchte, entdeckt Adam zahlreiche selbst bespielte Tapes mit ihrer Lieblingsmusik und persönlichen Botschaften.
Durch das neuerliche Abspielen und Anhören begeben sich Adam und Jules auf eine Zeitreise zurück zum Beginn ihrer Liebe im Jahre 1989.
Abwechselnd erzählt das Autorenduo aus Adams und Jules Sicht den Stand der Dinge. Jules erwacht aus einem Traum, der mit ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert, so lebendig und bildhaft geht es hier zu. Nach einer Bestandsaufnahme über die nunmehr 35jährige Beziehung kommen auch schon die eingangs erwähnten Mixtapes zur Sprache und wir reisen mehrfach in der Zeit zurück, um zu erfahren, wie Jules und Adam einander kennengelernt haben und auf welche Weise sich ihre Persönlichkeiten entwickelt haben. Was, wenn nicht alles so gekommen wäre, sondern das Leben andere Abzweigungen genommen hätte? Hätte man einen Schicksalsschlag abwenden können, eine andere berufliche Laufbahn einschlagen oder besser auf seine Gesundheit achten können? Was, wenn man im Nachhinein noch das ein oder andere Rädchen verstellen und der Geschichte einen positiveren Verlauf geben könnte? Die Handlung springt also munter zwischen den Figuren und verschiedensten Zeitpunkten hin und her und bietet allerlei Möglichkeiten, den Plan des gelebten Lebens neu zu denken. Was dabei herauskommt und wie die beiden Hauptfiguren damit umgehen, das erzählt dieser Roman, dessen Idee mir gut gefällt. Leider ist aber der Funke nicht wie erwartet übergesprungen, weder das Ehepaar selbst noch die weiteren Personen haben mich emotional berührt und die doch oft recht phantasiehaften Szenen lesen sich nicht unbedingt glaubwürdig und überzeugend. Die Erkenntnisse am Ende wiederum passen gut als Anregung zum Nachdenken und Nachahmen. Ebenso sind die flüssige Schreibweise und die umfangreiche Playlist positiv hervorzuheben.
Dieser teilweise sciencefictionähnliche Roman beleuchtet die ganz alltäglichen Schwierigkeiten einer langjährigen Ehe und bietet unterhaltsame Auswegmöglichkeiten aus dem Routinegeschehen. Der Humor trifft zwar nicht ganz meinen Geschmack, wird aber bestimmt eine größere Leserschar ansprechen.
Rezensionen von Petra:
Fünf Fremde von Romy Fölck
Im Sturm
Auf Neuwerk sind vor 30 Jahren zwei Jugendliche verschwunden. Dieses Unglück hat für alle Nachwirkungen. Freunde, Verwandte, Inselbewohner, Lehrer und Besucher. Jeder hat davon erfahren, keiner weiß was passiert ist. Nun im Jahr 2025 treffen verschiendene Personen auf die Insel ein, aus verschiedenen Gründen alle stehen irgendwie im Zusammenhang mit dem damaligen Ereignis.
Ganz langsam führt uns die Autorin an die Ereignisse damals und heute heran. Wir erleben mehr von dem nahendne Sturm als von den Gedanken und Gefühlen der Protagonisten. Die kleine Insel mitten im Orkan, dieses klaustropobische Setting überträgt sich beim Lesen. Der laute unheimliche Wind, das Knarren der Bäume und Dächer, die Wucht der Böen, es ist als ob man es spürt. Über allem liegen die Unsicherheiten, warum sind diese Personen auf der Insel, die eine weil sie eine Auszeit vom Job braucht und sich um ihre Mutter kümmern will, die andere um eine alte Freundin zu besuchen, Das sind ganz allgemeine Themen aber unterschwellig ist da mehr. Darüber erfahren wir nach und nach. Auch was vor dreißig Jahren passiert ist. Ganz langsam erleben wir Teenager im Schullandheim, harmlose Streiche, erste Liebeleien usw. Die Steigerung der Erwartung wann kommt es zum Verbrechen oder einem anderem Ereignis ist kaum auszuhalten. Immer mehr Hinweise, Indizien, begonnene Gespräche. Allmählich reimt man sich als Leser etwas zusammen. Dann das fulminante Ende. Mit allem war zu rechnen, aber das was dann kam nicht. Soviel verqueres Denken kann man sich kaum ausdenken, aber nach dem Sacken lassen, erscheint es auf eine absonderliche Art logisch. Schrecklich, abartig, Rache eben.
Rezensionen von clematis:
Das gute Leben von Nadine Schneider
Generationen
Anni ist tot und Christina, ihre Enkelin, steht vor dem Erbe, einem Haus in der Nähe von Nürnberg. Aber anstatt dass sie rasch alles ausräumt und Ordnung schafft für den Verkauf, schweifen ihre Gedanken zur Oma, bei der sie aufgewachsen ist und lässt deren Leben Revue passieren – Annis Neuanfang in Deutschland, nachdem sie Rumänien verlassen hat, ein fordernder Job bei der Quelle und ein kleines Kind, das sie alleine aufziehen hat müssen.
Voller Poesie und doch so nah an der harten Realität schreibt Nadine Schneider, bildhaft und gefühlvoll fließen die Szenen aus ihrer Feder und verschwimmen fern jeglicher Chronologie zu diesem wunderbaren Roman. Vier Generationen haben teil am Geschehen, manche nur am Rande, Anni deutlicher und Christina als Ich-Figur muss schlussendlich die Scherben aufsammeln und aus der Geschichte ihrer Vorfahren ihr eigenes Leben zurechtzimmern. Aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Anni und Christina wird das Leben von vier Frauengenerationen betrachtet und besonders der Einfluss der Altvorderen auf ihre Nachkommen dargestellt. Was erwarten die Älteren, wie fühlen die Jüngeren, hat jemand Schuld am Lebensfluss der anderen in der Familie? Wer darf Vorhaltungen aussprechen und wer hält sich für zu minder? Warum flieht man aus der aktuellen Konstellation und was gibt man an seine Kinder und Enkel weiter? Ein schier unendliches Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Gefühlen dreht sich im Kreis und reißt den Leser mit, lässt in der Rückschau erkennen, dass alle ihre berechtigten Perspektiven und Vorstellungen vom Leben haben und dass es so viel mehr gibt als Schwarz und Weiß.
Ein großartiger Roman mit viel Realitätssinn und Blick auf die Wahrheit, die für jeden eine andere ist – absolut lesenswert!
Rezensionen von peedee:
Schattenmädchen von Frida Skybäck
Knappe 4 Sterne
Fredrika Storm, Band 3: Die Studentin Isabelle Karlsson verschwindet von einer Party des erfolgreichen Tech-Unternehmens „BubbleBuy“. Erste Recherchen ergeben, dass sie wohl anwesend war, aber scheinbar niemand sie bemerkt hat. Wie kann das sein? Die Polizisten Fredrika Storm und Henry Calment stehen vor einem rätselhaften Geflecht von Beziehungen, Geheimbünden und widersprüchlichen Aussagen.
Sie entdecken Parallelen zum Mord an der Studentin Petra Olsen von vor sieben Jahren. Ein Täter wurde seinerzeit verurteilt, aber es gibt mittlerweile grosse Zweifel, ob alles korrekt abgelaufen ist…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir sehr gut – passt gut zur Reihe.
Dies ist Band 3 der Reihe, kann aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden. Da mir Band 2 um Fredrika Storm und ihren Kollegen Henry Calment sehr gut gefallen hat, war ich gespannt, wie es weitergeht.
Wenn eine Person vermisst wird, ist dies eine Horror-Vorstellung: Was ist mit dem Menschen passiert? Wo ist er/sie jetzt? Jede Minute ohne Wissen um den Verbleib des geliebten Menschen ist zermürbend. So geht es Isabelles Mutter. Ihr Mann, der Stiefvater von Isabelle, ist beruflich im Ausland und kann ihr nicht beistehen. Warum kommt er nicht umgehend nach Hause, um seiner Frau moralisch beizustehen? Merkwürdig. Aber das ist nicht das einzig Merkwürdige: Denise, dies sich als Freundin von Isabelle bezeichnet, scheint etwas zu verbergen. Und was ist mit diesem Tech-Unternehmen? Hat der CEO, Martin Zenberg, etwas mit Isabelles Verschwinden zu tun oder will ihm jemand etwas anhängen?
Fredrika und Henry sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team – trotz aller Unterschiede. Sie ist nach wie vor sehr verschlossen und hat die Tendenz, impulsiv zu handeln. Er ist sehr belesen und teilt sein Wissen gerne mit seinem Umfeld. Beide haben auch dieses Mal im Privatleben einiges zu „sortieren“.
Wenn ein Thriller reine Fiktion gut ist und den Leser:innen unter die Haut geht, ist das das Eine. Aber wenn die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht – so wie die Story hier teilweise auf wahren Verbrechen an der Elite-Universität Lund basiert –, ist es ganz etwas anderes: beängstigend zu sehen, wozu Menschen fähig sind. Der Showdown hat mich überrascht, war unbefriedigend. Dieses Mal nur knappe 4 Sterne.
Rezensionen von Anno:
Pepper von Nils Mohl
Kann man vermissen, was man nie gekannt hat?
Wow, das ist ein richtig starkes Buch- sehr ausdrucksstark und enorm realistisch! Da haben die Charaktere auch mal Ecken und Kanten, was besonders auf Kimme zutrifft. Doch auch Personen, wie Pepper oder August sind so authentisch dargestellt, dass es einem nicht schwer fällt sich in sie hineinzuversetzen.
Pepper erfährt von ihrer Mutter erst nach Jahren den Namen ihres abwesenden Vaters. Und beschließt, um ihn unbefangen kennenzulernen, ohne dessen Wissen um die verwandtschaftlichen Verhältnisse in seine Altmänner-WG zu ziehen. Doch ganz so rosig, wie sie es sich vorgestellt hatte, läuft es dann doch nicht. Warum ist dieser Mann so unzugänglich und abweisen und kann er überhaupt der Vater sein, den sie sie immer gewünscht und vorgestellt hatte?
Trotz Musikerkarriere wirkt die Handlung bodenständig. Sie spielt in Wilhelmsburg/Hamburg und ist durchzogen von Melancholie, aber auch von Tagebucheinträgen Peppers und den Songtexten einer Band namens ‚Kimme und Popkorn‘, die zum Zeitpunkt der Handlung faktisch nicht mehr existent war und auch nie den großen Durchbruch hatte. Trotzdem musste ich sie einfach googeln, weil alles, wirklich alles in diesem Buch so echt wirkt, dass es mich nicht gewundert hätte, wäre ich im Internet auf diese Band gestoßen. Sogar ihre Cover und Titel sind im Buch abgedruckt.
Pepper steht im Zentrum der Handlung. Sie versucht durch ihren Einzug in die WG, DEM Mann näher zu kommen, den sie bereits ihr gesamtes Leben über vermisst hatte, die Handlung hat aber auch noch deutlich mehr zu bieten. Da gibt es z.B. diesen jungen, aufstrebenden Musiker, der mir sehr ans Herz wuchs, ein toller Typ!, das ADE ADE mit ganz besonders herzlichen Leutchen, eine hippe Redakteurin, die Pepper im richtigen Moment unter die Arme greift, eine griesgrämige Vorgesetzte, die irgendwann ihr ‚wahres Ich’ zeigt und zwei, nein eigentlich drei Herren, die irgendwo in ihrem Leben gestrandet zu sein scheinen. Und allesamt scheinen durch Pepper miteinander verbunden. Loslassen kann ich sie aber jetzt, so kurz nach der Beendigung des Buchs, noch nicht. Ich glaube da bleibt mir nur es ein zweites Mal zu lesen.











