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Persönliche Lese- tipps

Foto von Ina Cassik

Ina Cassik empfiehlt:

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Freie Liebe von Tessa Hadley

Ein literarisches Highlight!

England Ende der 1960 er Jahre, Phyllis lebt ein ruhiges und grundsolides Hausfrauenleben in einem beschaulichen Vorort. Doch die Zeiten sind in Aufruhr, die sexuelle Revolution bricht über die Welt herein – und auch über Phyllis, und zwar in Form des um Jahre jüngeren Studenten Nicholas Knight.

Hals über Kopf lässt Phyllis sich auf eine Affäre ein und wirft schließlich ihr gesamtes Leben über Bord.

Phyllis ist kein klassisches Happy End gegönnt; dennoch verfolgt man als Leser*in die Geschichte ihres Aufbruchs, die auch eine Geschichte der Befreiung ist, mit großer Begeisterung und großer Empathie. Durch die Handlungsfäden, die sich um Phyllis‘ Kinder und ihren Mann Roger drehen, wird das Buch zum vielschichtigen Familien- und Gesellschaftsroman.

Große Empfehlung!

Aus dem Englischen übersetzt von Christa Schünke.

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Freie Liebe
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Ein Sommer in Niendorf von Heinz Strunk

Sonne, Strand, Kontrollverlust

Herr Roth möchte drei Monate an der Ostsee verbringen, bevor er seinen neuen Job antritt. Während seines Aufenthalts in Niendorf möchte er ein Buch über seine Familiengeschichte schreiben, inklusive Nazivergangenheit natürlich. Aber das mit dem Schreiben ist nicht so einfach wie gedacht, vor allem weil der Verwalter seiner Ferienwohnung Herrn Roth anscheinend für seinen neuen besten Freund hält und versucht, ihn mit sich in den Abgrund des Alkoholismus zu reißen.

Mit seinem typisch schmerzhaften Humor führt uns Strunk durch die Abwärtsspirale eines einst erfolgreichen Menschen. Wie sich im Laufe des Buches aber herausstellt, ist bei Herrn Roth auch vor dem Niendorfer Sommer schon einiges danebengegangen.

Wer Strunk mag, kommt voll auf seine Kosten. Wer Strunk noch nicht kennt, sollte das mit diesem Buch unbedingt ändern!

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Ein Sommer in Niendorf
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Dschinns von Fatma Aydemir

Von Familiendämonen und Rachegeistern

Sein ganzes Leben lang hat Hüseyin Yilmaz für seinen Traum einer Eigentumswohnung in Istanbul geschuftet; bevor er mit seiner Frau Emine dort einziehen kann, erleidet er einen Herzinfarkt.

Für seine Bestattung kommen seine Frau Emine und ihre gemeinsamen Kinder in der Wohnung zusammen; Hüseins Tod wird so zum Ausgangspunkt für die Erzählung der Lebensgeschichten der einzelnen Familienmitglieder zwischen Deutschland und der Türkei, zwischen Tradition und modernem Lebensstil, zwischen Fremdsein und Assimilation.

Atemlos verfolgt man die einzelnen Fäden dieser Familiengeschichte, die weit zurück in die Vergangenheit führen. Fatma Aydemir schafft dabei das Kunststück, für jede ihrer Figuren, die doch oft miteinander im Konflikt stehen, Sympathie zu erzeugen.

Ein großartig konstruierter, inhaltlich wie sprachlich bemerkenswerter Roman, der den verschiedenen Aspekten migrantischer Erfahrungen und Lebenswelten einen vielstimmigen Ausdruck verleiht. Große Empfehlung!

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Dschinns
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Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau von Phenix Kühnert

Ein wichtiges und einfühlsames Buch aus der Sicht einer trans Frau

Phenix Kühnert bietet in "Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau" einen Einblick in ihr Heranwachsen als trans Frau. Neben persönlichen Erzählungen, die das Verständnis der Thematik bereichern, kommen geschichtliche Ereignisse und Erklärungen nicht zu kurz. Sie thematisiert beispielsweise, dass dringend Handlungsbedarf im Umgang mit trans und inter Menschen im Leistungssport besteht.

Ein Buch, das nicht nur für Neulinge queerer Literatur wertvolle Einblicke bietet, sondern auch als weiterführende Literatur geeignet ist. Kühnert beschreibt ihren Weg der Identitätsfindung von einer männlichen gelesenen Person bis hin zur geschlechtsangleichenden Veränderung zur Frau.

Als Lesende fieberte ich mit, freute mich, wenn sie über Allies (unterstützende Personen) in ihrem Umfeld berichtete und fühlte die Enttäuschung und Traurigkeit bei Schilderungen der offenen Anfeindung und Ungerechtigkeit gegenüber trans Personen.

Ganz klare Leseempfehlung, nicht nur während des Pridemonths.

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Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau
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Frau Merian und die Wunder der Welt von Ruth Kornberger

Eine Frau entdeckt die Geheimnisse des Urwaldes

Amsterdam Ende des 17. Jahrhunderts: Maria Merian ist Künstlerin und Naturforscherin. Ihr Ehrgeiz und ihre Wissbegier stehen für sie an erster Stelle und ihr größter Traum ist es, eine Forschungsreise in die niederländische Kolonie Surinam zu unternehmen, um dort Flora und Fauna zu untersuchen und auf Papier zu bannen.

Doch solch eine Reise ist nicht leicht zu finanzieren und Maria unternimmt viele vergebliche Versuche Sponsoren für ihre Unternehmung zu gewinnen.

Der Roman basiert größtenteils auf historischen Tatsachen, nur Marias Liebesgeschichte mit dem geheimnisvollen Jan, die sich hier und da durch den Roman webt, ist der Fantasie der Autorin entsprungen.

Eine wunderbar kurzweilige Lektüre über eine starke Frau, die alles daransetzt, ihre Träume zu verwirklichen, auch wenn niemand sonst an sie glaubt.

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Frau Merian und die Wunder der Welt
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Mary Shelleys Zimmer von Timo Feldhaus

Das Jahr ohne Sommer

In Indonesien bricht ein Vulkan aus und hüllt Europa in Dunkelheit. Im Jahr 1816 gibt es keinen Sommer. Es ist kalt, es regnet, es hagelt, es schneit. In diesem Jahr beginnt die damals 19-jährige Mary Shelley am Genfer See ihren weltberühmten Roman “Frankenstein” zu schreiben. Goethe und Casper David Friedrich beobachten faszinierende Wolkenformationen und Napoleon fristet sein einsames Dasein in der Verbannung auf St.

Helena.

Das Buch von Timo Feldhaus bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Sachbuch und Roman. Es wird von historischen Begebenheiten berichtet, aber aus einer derartigen Nähe und subjektiven Sichtweise der Akteur*innen, dass dies ohne den Griff zur Fiktion nicht möglich wäre. Und so gelingt es ihm meisterhaft, diese historischen Ereignisse lebendig werden zu lassen!

Zudem wird nicht nur der Blick dieser berühmten Persönlichkeiten auf dieses außergewöhnliche Jahr nachgezeichnet, sondern auch Hunger, Elend und Tod aufgrund von ausgefallenen Ernten unter den ärmeren Bevölkerungsschichten werden einprägsam dargestellt. So wirft diese historische Klimakatastrophe auch eine beklemmende Perspektive auf unsere Gegenwart und nahe Zukunft im Zuge des Klimawandels.

Ein großartig düsteres Lesevergnügen!

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Mary Shelleys Zimmer
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Die Verschwörung der Krähen von Markus Gasser

Die Verschwörung der Krähen

Verschmutze Straßen, Korruption und Gewalt, überfüllte Kerker – so lernen wir das London um 1700 kennen. Die von Pest und Verwüstung heimgesuchte Stadt ist in fester Hand von Queen Anne Stuart. Wer nicht ihrem Regiment folgt landet im gefürchtetsten Kerker Europas, Newgate Prison. Daniel de Foe durchschaut dieses vertrackte Spiel, erkennt die wahren Agierenden und begehrt auf.

Ein literarischer Historienroman der viele Motive wie Fake News, Paranoia und andere Unsicherheiten plötzlich unglaublich vertraut erscheinen lässt. Ein Pageturner der Meisterklasse!

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Die Verschwörung der Krähen
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Hamster im hinteren Stromgebiet von Joachim Meyerhoff

Hamster im hinteren Stromgebiet

Eigentlich hat Meyerhoff nicht mehr vorgehab, einen Roman zu schreiben. Sein Leben bis zum Theater sei auserzählt meite er in Interviews. Doch dann wird er als Notfall auf eine Intensivstation eingeliefert. Er, der sich immer durch körperliche Verausgabung zum Glühen brachte, liegt
an Apparaturen angeschlossen in einem Krankenhausbett in der Wiener Peripherie.

Kann das Erzählen von Geschichten zur Rettung beitragen? Und kann Komik heilen? Ganz klares JA! Jetzt auch als Taschenbuch.

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Hamster im hinteren Stromgebiet
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Die Sammlerin der verlorenen Wörter von Pip Williams

Die Sammlerin der verlorenen Wörter

Oxford, Ende des 19. Jahrhundert. Wir lernen Esme kennen. Sie liebt es, heruntergefallene Papiere vom Schreibtisch ihres Vaters zu lesen. Begriffe, die die Welt der Frauen betreffen. Ihr Vater arbeitet am ersten Oxford English Dictionary und Esme erkennt nach und nach, was achtlos weggeworfen wird und somit nicht ins Wörterbuch aufgenommen wird.

So legt Esme ihre eigene Sammlung an, kämpft für die Rechte der Frauen und will all jene Wörter festhalten, über die niemand spricht. Außergewöhnlich, charmant und Balsam für die Seele.

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Die Sammlerin der verlorenen Wörter
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Nie, nie, nie von Linn Strømsborg

„Kannst du glücklich sein, wenn dich alle für unglücklich halten?“

Eine junge Frau ist sich sicher, dass sie keine Kinder haben möchte, und ständig muss sie sich dafür rechtfertigen. Sie werde sich das sicher noch anders überlegen; sie werde das auf jeden Fall bereuen, wenn sie älter ist; die Erfahrung ein Kind zu bekommen, sollte doch jede Frau machen…

In diesem einfühlsamen Roman werden verschiedene Lebensentwürfe (mit und ohne Kind) gegenübergestellt und die jeweiligen Vor- und Nachteile diskutiert.

Die beste Freundin der Protagonistin bekommt ein Baby und ist völlig überwältigt von der einzigartigen Liebe, die sie für diesen kleinen Menschen empfindet; eine Erfahrung, auf die die Protagonistin dennoch bereit ist zu verzichten, weil sie sich in ihrer Lebensgestaltung eine Freiheit bewahren möchte, die mit einem Kind nicht mehr möglich wäre. Trotz dieser unterschiedlichen Lebensmodelle schaffen die beiden es, sich ihre Freundschaft zu bewahren und kein Weg wird als der „richtige“ propagiert.

Ein klares und wichtiges Fazit des Buches: Es gibt diverse Gründe sich für oder gegen Kinder zu entscheiden und niemand muss sich für diese Entscheidung rechtfertigen! Absolute
Leseempfehlung für jede*n!

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Nie, nie, nie