Persönliche Lese- tipps
Markus Renk empfiehlt:
Das tiefschwarze Herz von Robert Galbraith
Das tiefschwarze Herz
F
all sechs des Ermittlerduos Robin Ellacott und Cormoran Strikes. Wieder einmal greift Robert Galbraith, oder besser gesagt J. K. Rowling ein aktuelles und weitverbreitetes Thema auf, Hass im Netz. Die Co.-Entwicklerin einer Kult-Animationsserie wird brutal ermordet, findet sich der Mörder unter den zahlreichen Internet-Trollen eines Online-Spiels und wie kann sich die Detektei Zugang zu diesen Foren schaffen?
Markus Renk empfiehlt:
Todesrache von Andreas Gruber
Todesrache
Ich gebe es zu, ich liebe die Bücher von Andreas Gruber, vor allem seinen egozentrischen BKA-Profiler Maarten S. Scheijder. Wenn dieser dann noch auf den exzentrischen Kripoermittler Walter Pulaski trifft, dann schlägt das Gruber-Fan-Herz höher. Können die beiden die verschwundene Kollegin Sabine Nemez finden? Der siebte geniale Fall des Marihuanas rauchenden Kripo Psychologen.
Markus Renk empfiehlt:
Die magischen Buchhändler von London von Garth Nix
Die magischen Buchhändler von London
Eine magische Welt voller Phantasie, in der Buchhändler die Aufgabe haben, diese zu beschützen. Dies gefällt nicht nur einem Buchhändler. Ein magischer Geheimbund von Buchhändlern, Hüter und Verbreiter von Wissen und mysteriöse Vorkommnisse rund um London. Ein junges Mädchen auf der Suche nach ihrem Vater.
Sehr schnell zeigt sich, dass dies alles zusammenhängt.
Markus Renk empfiehlt:
Staat der Angst von Hillary Rodham Clinton; Louise Penny
Staat der Angst
Nach ihrem Mann, hat nun auch Hillary Rodham Clinton den Sprung in die Welt der Thriller-Autorinnen gewagt. Gemeinsam mit Louise Penny ermöglicht sie ihren Lesern einen spannenden Blick hinter den Kulissen der Schalthebel des Weißen Hauses. Ihre Erfahrungswerte als Außenministerin Amerikas lässt sie geschickt in diese rasante Geschichte einfließen, an der die Welt nicht nur einmal an den Rand des Abgrunds gedrängt wird.
Ina Cassik empfiehlt:
Fretten von Helena Adler
Eine geballte Ladung Sprachgewalt
Von der Jugend auf dem Land, vom Überwinden der Herkunft und vom Muttersein handelt der neue Roman der Salzburger Autorin Helena Adler. Mit großer Formulierungslust legt sie die zerstörerischen Mechanismen einer provinziellen Gesellschaft bloß und seziert die Zumutungen der menschlichen Existenz.
Als Leser*in taucht man begeistert ein in die Fülle an Wortschöpfungen, Anspielungen, Doppeldeutigkeiten und Sprachspielereien. Meisterhaft konstruiert und dekonstruiert die auch als bildende Künstlerin tätige Autorin ihr Sprachmaterial – Lesegenuss vom Feinsten!
Nominiert für den Österreichischen Buchpreis 2022.
Melanie Winkler empfiehlt:
Aufklärung von Angela Steidele
Das Zeitalter der Aufklärung aus weiblicher Sicht
Leipzig, 18. Jahrhundert: Dorothea Bach, die älteste Tochter des berühmten Komponisten, berichtet aus ihrem alltäglichen Leben rund um die Thomasschule, über intellektuelle Diskussionen, neue Freundschaften und ihre Liebe zur Musik, wie auch über schmerzliche Entbehrungen während des Siebenjährigen Krieges.
Im Mittelpunkt des Romans jedoch steht ihre besondere Freundschaft zu Luise Gottsched, dem gelehrtesten Frauenzimmer ihrer Zeit. Sie eröffnet Doro die Welt der Literatur, Geschichte, Philosophie und der Naturwissenschaften.
Die Herren der Epoche zeigen sich hier nicht immer von ihrer besten Seite, sind dabei aber umso unterhaltsamer: Gottsched als eitler Frauenheld, Gellert als hypochondrischer Wichtigtuer und Lessing als besserwisserischer Aufrührer laden zum Schmunzeln wie zum Kopfschütteln ein.
Mit intelligentem Humor und spürbarer Liebe zum Sujet gelingt Angela Steidele ein historischer Roman der Meisterklasse!
Melanie Winkler empfiehlt:
Nichtmuttersein von Nadine Pungs
Wenn das Persönliche politisch wird
„Kinder sind toll? Mag sein. Ich finde Giraffen auch toll und habe dennoch keine im Garten stehen.“
Einfühlsam und radikal zugleich bringt Nadine Pungs in diesem Buch ihre Gedanken zum Thema Mutterschaft bzw. Nichtmutterschaft auf den Punkt. Anhand von Beispielen aus ihrem persönlichen Umfeld sowie verschiedenen Studien und Forschungsbeiträgen werden die Vor- und Nachteile beider Lebenswege aufgezeigt.
So persönlich die Entscheidung für bzw. gegen ein Kind auch ist, so politisch aufgeladen ist sie auf der anderen Seite – besonders für Frauen. Das zeigt sich allem voran in der Abtreibungsdebatte. Offensichtlich endet die körperliche Selbstbestimmung der Frau mit einer befruchteten Eizelle, denn Abtreibung gilt in Deutschland (und vielen anderen Ländern) weiterhin als Straftat.
Letztendich ist das Buch ein Plädoyer für eine Entscheidungsfreiheit in Reproduktionsfragen, die nicht von gesellschaftlichen und politischen Erwartungen belastet wird.
Melanie Winkler empfiehlt:
Wo die Wölfe sind von Charlotte McConaghy
Ein Buch, das es in sich hat!
Inti Flynn zieht ins ländliche Schottland, um dort ein Projekt zu leiten, das Wölfe in den Highlands wieder ansiedeln will und so zur Renaturierung der Wälder beiträgt. Von Anfang an stößt sie bei den einheimischen Bäuer*innen auf Widerstand, weil sie Angst um ihre Weidetiere haben. Beide Seiten fühlen sich missverstanden, wodurch ein hohes Aggressionspotenzial herrscht.
Als dann plötzlich ein Bauer tot aufgefunden wird, droht die Situation völlig aus dem Ruder zu laufen.
Aber nicht nur die Anwohner*innen machen Inti zu schaffen. Sie ist mit ihrer Schwester auch deshalb nach Schottland gekommen, um nach einem traumatischen Ereignis neu anzufangen. Aber vielleicht wird sie einsehen müssen, dass man manche Dinge nicht einfach hinter sich lassen kann.
Diese Geschichte geht unter die Haut, wenn Inti von ihrer Liebe zur Natur, den Wölfen, aber vor allem zu ihrer Schwester spricht. Der Schmerz und die Brutalität, die die beiden durchmachen mussten, erschüttern tief und man kann das Buch nicht aus der Hand legen!
(Übersetzt von Tanja Handels)
Melanie Winkler empfiehlt:
Quality Time von Miika Nousiainen
Auf der Suche nach Glück braucht man vor allem Humor
Samis größter Wunsch ist es eine tolle Frau kennenzulernen und endlich Vater zu werden. So simpel sein Traum auch sein mag, so schwierig ist seine Umsetzung. Als ob sein Pech in Liebesdingen nicht ausreichen würde, gerät er auch noch in Schwierigkeiten mit einer Bikergang. Samis Schwester Hanna kämpft ebenfalls mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch, der zunehmend zur Belastung für Ihre Ehe wird.
Glücklicherweise kann man sich in Blogs wie Quality Time flüchten, um dort das perfekte Leben mit Kinderglück, Yogatrends und Hirsekeksrezepten zu bewundern. Aber letztendlich verbirgt sich hinter diesem heilen Traumbild auch eine ganz normale Frau mit ganz alltäglichen Problemen. Alle Figuren in diesem Buch schließt man sofort ins Herz und drückt ihnen fest die Daumen, dass sie am Ende ihr Glück finden werden.
Die Geschichte ist wunderbar unterhaltsam, lustig und kurzweilig erzählt - ein echter Feelgood-Roman!
(Übersetzt von Elina Kritzokat)
Ina Cassik empfiehlt:
Luftpolster von Lena-Marie Biertimpel
Von Lebenskrisen und dem Weitermachen
Die in Wien lebende Autorin Lena-Marie Biertimpel (geb. 1991) schreibt in ihrem Romandebüt über eine junge Frau, die nach dem Selbstmordversuch ihrer Schwester selbst ins Wanken gerät und sich schließlich in der Psychiatrie einweisen lässt. Ohne Pathos, eindringlich und nicht ohne Humor beschreibt die Autorin den Alltag in der Klinik zwischen verschiedenen Therapieangeboten, Medikamenteneinnahme und Essensausgabe, sowie die Beziehungen der Protagonistin zum Personal, den Angehörigen und verschiedenen Mitpatient*innen.
Die Hintergründe, die zu der seelischen Krise geführt haben, werden im Verlauf der Erzählung schrittweise ausgerollt.
Das Tröstliche an diesem Buch: Es deutet unmissverständlich an, dass es auch nach oder mit einer psychischen Erkrankung Hoffnung auf ein gutes Leben geben kann.
Die sprachliche Souveränität und der spezielle Tonfall, der dem Gegenstand absolut gerecht wird, haben mich an diesem Buch sehr begeistert. Lena-Marie Biertimpel ist schonungslos offen, stellt ihre Figuren aber niemals bloß.
Ein starker Roman, der mich mit seiner hohen literarischen Qualität überzeugt hat, und der dazu beiträgt, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren und das Verständnis für Betroffene zu erweitern. Darum wünsche ich dem Buch viele Leser*innen!











