Persönliche Lese- tipps
Andrea Scheiber empfiehlt:
Wenn ich wiederkomme von Marco Balzano
Wenn ich wiederkomme
Ein brisantes Thema, das
Marco Balzano in seinen neuen
Roman anspricht. Rumänien –
Familie Matei ist nicht wohlhabend,
die finanzielle Situation
ist sehr schlecht, da beschließt
die Mutter als Pflegekraft nach
Mailand zu gehen, damit es
ihren beiden Kinder mal besser
geht. Aber ist es nur das, was
sie möchte? Was wird aus den
Kindern und werden sie ihre
Mutter je wiedersehn? Oder nur
den Scheck? Der Roman ist aus
drei Sichtweisen erzählt, eine
für mich sehr aufwühlende Geschichte,
die mich zum Nachdenken
brachte.
Markus Renk empfiehlt:
Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch
Das Buch des Totengräbers
Wien im späten 19. Jahrhundert. Mysteriöse Morde schweißen das ungleiche Duo des jungen Inspektors Leopold von Herzfeld und des schrulligen Totengräbers Augustin Rothmayer zusammen. Sie suchen fieberhaft einen Serientäter, welcher sich in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen bewegt und mehrere Dienstmädchen ermordet hat.
Tauchen Sie ein ins Wien der Vergangenheit…
Markus Renk empfiehlt:
Über Menschen von Juli Zeh
Über Menschen
Gute Romane sind vielschichtig
lesbar – und Juli Zehs Über
Menschen ist ein warmes, witziges
Buch über Freundschaft,
Liebe und Menschlichkeit, eine
sanfte Satire auf die Werbebranche
und gutsituierte Linksintellektuelle,
für die Pfandflaschen
im Restmüll Revolte
bedeuten, ja: auch ein Coronaroman;
Stadt und Land prallen
aufeinander, während Klischees
und Vorurteile zerplatzen.
Leichthändig eingestreut sind
überraschende, harte Sätze, zu
denen man „Ja, genau!“ rufen
möchte … Leseempfehlung?
Unbedingt!
Neun seltsame Frauen von Daniela Chana
Neun seltsame Frauen
Dieser Band hat etwas zu
sagen: Zwischen Prekariat und
Magie erzählt Daniela Chana
neun Frauenschicksale. Jede
Geschichten hat dabei keine
Geringere als eine der neun
Musen zur Patin. Dabei lässt sie
weder das Alltägliche noch das
Surreale aus. Selten ist so ein
Sprachwitz in Verbindung mit
Sprachbewusstsein zu erleben
wie in den Werkes Chanas.
Doch Achtung: Diese Sprache
hat Suchtcharakter schon nach
dem ersten Satz und eine lange
Nachwirkzeit!
Wir bleiben noch von Daniel Wisser
Wir bleiben noch
Mit vierzig stellt Victor Jarno
das Leben noch einmal auf
die Probe. Sein sozialdemokratischer
Hintergrund und sein
Hang zum Geschichtenerzählen
bringen ihn Familien- und beziehungstechnisch
nicht gerade
weiter. Einen Wendepunkt markiert
der Tod seiner Urlioma.
Das damit verbundene Erbe –
ein Haus in Hollabrunn – sowie
die Rückkehr seiner großen
Liebe, die blöderweise auch
seine Cousine ist, stellen Victor
vor neue Herausforderungen.
Ein humorvoller wie kluger
Roman. Frisch und spannend
erzählt
Robert Renk empfiehlt:
Die Beichte einer Nacht von Marianne Philips
Die Beichte einer Nacht
Das nächtliche Gespräch der
Insassin einer Nervenklinik
gerät zur Lebensbeichte. Der
Roman war eigentlich als Therapie
für die Autorin gedacht
und hat deswegen auch etwas
einzigartig Unmittelbares und
Ehrliches. Auch wenn er en gros
fiktiv ist (Mord an der jüngeren
Schwester), ist er en detail von
eigenen Erfahrungen geprägt
(Arbeit in einer Schneiderei,
längere Aufenthalte in der
Klinik).
Mit Die Beichte einer
Nacht macht der Diogenes-Verlag
einen vergessenen Klassiker
der niederländischen Literatur
zugänglich.
Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken von Anaïs Meier
Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken
Anaïs Meier bringt in 13 Kurzgeschichten
gerne Verschwiegenes
unverblümt zur Sprache.
Sie macht aber auch das Gegenteil
davon. Sie schreibt über die
größten Schweiz-Klischees und
weidet diese genussvoll aus, ist
dabei aber immer sprachlich
eigenwillig anders und erfreulich
komisch. Das ist Satire,
die manchmal im Kleid einer
Reportage, mal in Form eines
analytischen Kommentars,
dann wieder als Persiflage einer
literaturwissenschaftlichen
Arbeit daherkommt und immer
überrascht und unterhält.
Markus Renk empfiehlt:
Reise mit zwei Unbekannten von Brisby Zoe
Reise mit zwei Unbekannten
Die Romane Der Hundertjährige,
der aus dem Fenster stieg
und verschwand und Tschick
haben wohl als Grundlage
für dieses Buch gedient,denn
Brisby steckt eine alte Frau,
die trotz ihrer optimistischen
Lebenshaltung sterben will, und
einen vor Liebeskummer depressiven
jungen Mann in einen
Renault Twingo und schickt
sie von Paris nach Brüssel.
Da
die alte Dame vom Seniorenheim
ausgebüxt ist, wird sie
von der Polizei gesucht. Das
Abenteuer beginnt. Ein Buch
voller Lebensweisheiten und
Situationskomik.
Robert Renk empfiehlt:
Der letzte Mensch von Mary Wollstonecraft Shelley
Der letzte Mensch
Was für eine Autorin! Mit
Frankenstein (1818) hat sie nicht
nur den Horrorroman mitbegründet
und genial die Dualität
des technischen Fortschritts
behandelt, nun lernen wir, dass
sie auch für die erste Dystopie
der Weltliteratur verantwortlich
ist! Noch dazu ein Pandemieroman,
denn im 21.
Jahrhundert
breitet sich über Griechenland
eine neue Pest aus – mit
verheerenden Auswirkungen
auf Menschheit, Politik und
Wirtschaft. Mehr up to date
kann man wirklich nicht sein,
wenn man 1797 geboren wurde.
Großartig!
Bogners Abgang von Hans Platzgumer
Bogners Abgang
Ein Unfall in der Innsbrucker
Leopoldstraße, ein verletzter
Fußgänger und eine Fahrerflucht:
Hans Platzgumer setzt
in seinen Romanen gern
existenzielle Fragen in Szene.
In Bogners Abgang dreht sich,
ausgehend von dem nächtlichen
Zusammenstoß, alles um Begriffe
wie Schuld und Einstehen
für persönliches Versagen.
Wird
Bogner, Typ „gescheiterter, sich
unverstanden fühlender Künstler“,
die Verantwortung für sein
Tun übernehmen? Platzgumer
fordert seine Leser*innen zum
Mit- und Nachdenken auf.











