Persönliche Lese- tipps
Die Aussprache von Miriam Toews Monika Baark
Die Aussprache
Acht Frauen einer streng gläubigen Mennoniten-Gemeinde in Kanada planen den Aufstand. Gegen Männer. Vergewaltiger, zum Teil aus den eigenen Familien-Clans. Nichtstun, bleiben und kämpfen, gehen: Wofür werden sie sich entscheiden? Miriam Toews, preisgekrönte kanadische Autorin Mitte 50, lässt die Protagonistinnen in ihrem fulminanten Roman-Kammerstück ebenso naiv wie gewitzt zu Wort kommen.
Women talking - so der Originaltitel - ist ein lysistratischer hochkomisch-philosophischer Wurf!
Wir, die wir jung sind von Preti Taneja
Wir die wir jung sind
Ein spannendes Epos über eine moderne Familien- und Firmendynastie in Indien vor dem Hintergrund „König Lears“. Taneja transferiert die Geschichte des mächtigen alten Mannes, der sein Erbe verteilt, in eine Welt, in der Armut und gigantischer Reichtum wie nirgendwo sonst nebeneinander existieren.
In dem gefeierten Romandebüt lässt die Tochter indischer Migranten ihre Arbeit als Menschenrechtsaktivistin genauso einfließen wie ihre Studien in englischer Literatur und Kreativem Schreiben.
Die geheimen Leben der Schneiderin von Waldis Angelika
Die geheimen Leben der Schneiderin
Im Nähatelier gibt sich Schneiderin Jolie ihren Tagträumen hin und notiert ihre geheimsten Gedanken in ihr Auftragsbuch. Der Verlust ihres Bruders Franz, der mit 17 von einem Badeausflug nicht mehr zurückkehrte, überschattet ihr Dasein. Für ihrer Eltern organisiert sie ein Fest, erträgt aber das Schweigen der Familie nicht länger.
Jolie begibt sich auf die Suche nach dem Verborgenen und wagt den Sprung in eine Unterwelt. Könnte Franz vielleicht noch am Leben sein? Angelika Waldis schreibt, wie sich ein warmer Sommerregen anfühlt.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Fünf Tage in Paris von Rosnay Tatiana de
Fünf Tage in Paris
Ein Roman berührend und schön, der viele Geheimnisse hegt. Paris - die Seine droht über das Ufer zu treten so wie damals 1910, alles ist in Alarmbereitschaft. Genau zu dieser Zeit trifft sich Familie Melegrade um ein Jubiläum zu feiern. Aber es wir nicht nur vom Hochwasser überschattet auch der Vater fällt ins Koma.
Sein Sohn Linden hält wie die anderen Wache am Krankenbett und auch er hat vor dem Vater was verschwiegen. Werden alle Familiengeheimnisse gelüftet? Wie kann da die Zukunft aussehen?
Robert Renk empfiehlt:
Kaffee und Zigaretten von Ferdinand von Schirach
Kaffee und Zigaretten
Das wohl persönlichste Buch des Autors. Könnte ein gemütlicher Kaffeeplausch sein. Ist es auch, und doch sehr ungemütlich. “Würde & Einsamkeit” könnt es auch heißen. Erstmals gibt es Direktes über den Großvater (Gauleiter und Reichsstadthalter von Wien) zu lesen. Die Einsamkeit aber zieht sich von Beginn an durch dieses schmale Meisterwerk.
Schirach schont sich nicht und berichtet u.a. von seinem Suizidversuch, in der Zeit, als er sich in einem Jesuiteninternat nach dem Tod des Vaters zum sterben einsam fühlte.
An den Mauern des Paradieses von Martin Schneitewind
An den Mauern des Paradieses
Passend zur Luftikus-Debatte um Robert Menasse legen Michael Köhlmeier (Nachwort) und Raoul Schrott (Übersetzung) mit An den Mauern des Paradieses eine literarische Schnitzeljagd vor, um die Grenzen und Möglichkeiten von Literatur auszuloten. Was ist Fiktion und was nicht in dieser Entdeckung des Schriftstellers Martin Schneitewind, dessen Manuskript quasi ein Dachbodenfund ist.
Der Roman selbst ist ein sehr lesbarer, pointierter Krimi, die Geschichte seiner Entstehung mutet – nun ja – märchenhaft an.
Robert Renk empfiehlt:
Wallace von Anselm Oelze
Wallace
Alfred Russel Wallace hat mit seinen Theorien die Welt auf den Kopf gestellt. Ein anderer aber erntet – mit nicht ganz fairen Mitteln, wie man aus diesem vergnüglich, lehrreichen Roman erfährt – die Lorbeeren. Die berühmte Evolutionstheorie verbinden wir nicht mit Wallace sondern mit Charles Darwin.
Ein Museumsnachtwächter wird auf das Schicksal von Wallace aufmerksam und möchte die Geschichte gerade rücken. Oelze erzählt wunderbar mit beflügelter Phantasie auf den erdigen Schwingen der wissenschaftlichen Realität.
Der Sommer meiner Mutter von Ulrich Woelk
Der Sommer meiner Mutter
Ulrich Woelks ebenso faszinierender wie tragischer Roman dreht sich um das erotische Erwachen eines Elfjährigen im Sommer der Mondlandung 1969. Die Liebe und die Mädchen sind schwer erforschbares Gebiet für den noch kindlichen Tobi, der vom Nachbarmädchen Rosa in die Geheimnisse des Universums eingeführt wird.
Auch für Tobis Mutter öffnet sich eine Welt in diesem langen Sommer, doch das muffige, konservative Nachkriegsdeutschland ist noch meilenweit entfernt von einem Summer of Love. Gelungen!
Maria Leitner empfiehlt:
Bridge of Clay von Markus Zusak
Bridge of Clay
More than a decade after the bookthief Markus Zusak returns! His newest novel tells the story of the five Dunbar brothers, who lead an unusual yet regulated life until Clay decides to change something. Clay builds a bridge both in literal and metaphorical sense to overcome the past and bring his family back together.
Bridge of Clay shines because of Zusak's writing style: in part lyrical, often volatile and full of unusual similes and metaphores. The moving past and peculiar present of the Dunbar family are told in an unpredictable chronological order. Bridge of Clay is different from Zusak's other books, it's something truly special that stands out from the mass.
Verschüttete Milch von Barbara Frischmuth
Verschüttete Milch
In ihrem neuen Roman betreibt die große Barbara Frischmuth Erinnerungsarbeit und geht ganz weit zurück in der persönlichen Geschichte. Mittels Fotos wird Vergessenes wach gekitzelt, rekonstruiert und wunderbar einfühlsam vermittelt. Aus einer heutigen Perspektive wird aber auch kommentiert.
„Verschüttete Milch“ ist ein autobiografisch angelegter Roman der über die Kriegs- und Nachkriegszeit am Land erzählt, wie man es so abwechslungsreich, unterhaltsam und informativ noch nie gelesen hat.











