Persönliche Lese- tipps
Andrea Scheiber empfiehlt:
Im Jahr der Finsternis von Callis I.L.
Im Jahr der Finsternis
Brisant – Aktuell – Zeitgemäß „So ein Terroranschlag würde nicht nur Europa erschüttern, sondern die ganze Welt.“ Kurz vor den Europaparlamentswahlen plant eine Rechtsextremistische Organisation einen Anschlag auf eine der mächtigsten Männer der Welt. Als Hellberg die Beerdigung seiner Mutter in Wien organisiert wird plötzlich seine Tochter entführt.
Was wollen die nur von Ihr und wie weit hat das mit seiner verstorbenen Mutter zu tun? Spannend bis zum Schluss.
Die guten Tage von Marko Dinic
Die guten Tage
Vor zehn Jahren hat der Icherzähler Belgrad fluchtartig verlassen, nun kehrt er zum Begräbnis der Großmutter zurück und stellt sich den Dämonen der Vergangenheit: den Erinnerungen an die Bombardierung Belgrads, den nationalistischen Indoktrinationen in Schule und Elternhaus, der ewigen Spirale von Hass und Gewalt und der bohrenden Frage: Wie konnte es sein, dass unsere Eltern das zugelassen und mitgetragen haben? Marko Dinic? setzt einer vom Zerfall Jugoslawiens traumatisierten Generation ein sprachmächtiges Denkmal.
jana, vermacht von Anja Utler
jana, vermacht
Wenn das Wort plötzlich körperlich erfahrbar wird, vermacht uns Anja Utler gerade neue Laute, zerstückelt sie Sprache in Musik, vers-splittert sie das Gedicht in Basallaute, in Basalgefühle. Es ist vielleicht eine Vertonung, eine Verschriftlichung der Nachkriegsgeneration mit all ihren Brüchen, Lücken und Ungereimtheiten.
Da werden dann Konsonanten und Vokale zu den Molekülen des Gefühls. Gerade die beigefügte CD offenbart den zweigestückelten Monolog, das atemlose Panoptikum, das Klangmosaik.
Jahre des Jägers von Winslow Don
Jahre des Jägers
Art Keller at his best – Art Keller in Hochform! Don Winslows Abschluss der Trilogie um den mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg, ein Wiedersehen mit Totgeglaubten und in Vergessenheit geratenen Freunden, Feinden und Drogen. Die amerikanische Drogenpolitik ist gescheitert und der Hunger nach Heroin ist stärker als jemals zuvor.
Auch hier schafft es Don Winslow wieder seine Geschichte spannend und nah an der Realität zu erzählen.
Wer hat meinen Vater umgebracht von Édouard Louis
Wer hat meinen Vater umgebracht
Édouard Louis ist Mitte 20 – und Frankreichs neuer Großdenker. Seine Methode nennt er „konfrontativ“. In „Wer hat meinen Vater umgebracht“ macht er keine Gefangenen. Der Text ist eine Abrechnung mit dem Frankreich der Gegenwart. Und der Vater eine Übermetapher: Ein einstiger Polterer, ein Prügler, ein insgeheim sentimentaler Täter und das abgewrackte Opfer optimierungssüchtiger Zeiten.
Das Buch ist aber auch die Geschichte einer Annäherung. Zorn war selten rührender. Und Rührung selten aufschlussreicher.
GIER - Wie weit würdest du gehen? von Marc Elsberg
Gier
Seit Blackout steht Marc Elsberg für perfekten Mix aus Thrill, Wissenschaft & Gesellschaftspolitik, Gier ist eine Neuauflage dieser Bestseller-Kombi. Jan wird in Berlin Zeuge eines Mordes, das Opfer ist Nobelpreisträger Thompson, der sich auf dem Weg zu einer wichtigen Rede befindet. Denn die Welt steht am wirtschaftlichen Abgrund, Thompson hätte die Lösung, ein revolutionäres neues Wirtschaftskonzept, im Gepäck.
Nicht im Sinne von Hedgefonds, Heuschrecken & Co, die eine mörderische Jagd auf Jan beginnen.
Robert Renk empfiehlt:
Kiras Version von Emil Hakl
Kiras Version
Emil Hakl ist wohl eine der eigenwilligsten Stimmen der aktuellen tschechischen Literatur. Er, der unter Pseudonym schreibt, die Schule erst nach einer 10jährigen Pause, wegen Drogenkonsums, abgeschlossen hat, legt nun mit „Kiras Version“ ein modernes Robotermärchen vor. Ein sich recht motivationsfrei durchs Leben schlängelnder Typ wird auserwählt, den Prototyp einer künstlichen Frau zu testen.
Was künstlich beginnt wird schnell all zu menschlich. Flott zu lesen!
Fähre nach Manhattan von Armin Thurnher
Fähre nach Manhatten
Das neue Buch von Armin Thurnher ist autobiografisch und fiktional zugleich. Der Roman „Fähre nach Manhattan“ reflektiert die reale Reise des Autors in die USA kurz vor dem symbolträchtigen 68er Jahr, aber Thurnher besteht darauf, dass der Protagonist, der im Präsens erzählt, kein Alter Ego sei.
Wir wollen das gerne glauben, auch weil ein Buch vorliegt, das witzig, klug und liebevoll den kurzen Studienaufenthalt in den USA schildert. Ein Buch, das bei der Lektüre Spaß macht, eines, das man am Ende ungern weglegt.
Uneingeschränkte Leseempfehlung!
Frau im Dunkeln von Elena Ferrante
Frau im Dunkeln
Leda beobachtet am Strand ihres süditalienischen Urlaubsorts eine neapoletanische Großfamilie, besonders die junge Nina und ihre Tochter Elena. Die eigene Vergangenheit drängt sich heftig in ihre Erinnerung, und sie begeht eine Tat, die ihr selbst unerklärlich ist. Der Roman ist ein elegantes Meisterwerk schonungsloser und kristallscharfer Offenlegung der Schönheit und Grausamkeit in den Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern.
Spannung bis zum letzten Satz bekommt man als Draufgabe dazu.
Rechtswalzer von Franzobel
Rechtswalzer
Österreich 2024, türkis-blau ist Vergangenheit, LIMES verpasst dem Land ein orbanitäres Antlitz. Bobo Malte Dinger stolpert über eine Fahrscheinkontrolle in 25 Jahre Häfn, Kommissar Groschen über eine innerlich verbrühte Leiche in korrupte Machenschaften. Georgische Kriminelle, hysterische Buschenschaftlerinnen, Neonazis und Anarchisten treffen sich schließlich zum Finale infernale am Opernball.
Stilsicher, sprachgewandt, wort- und lautverdrehend setzt Anzfrobel eine neue Muftdarke in die kottaneske Limikrandschaft.











