Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Mein Freund Kim Jong-un von Keum Suk Gendry-Kim
Unglaublich interessant und spannend
Die südkoreanische Comiczeichnerin Gendry-Kim berichtet in der vorliegenden Graphic Novel vom Leben im geteilten Korea und geht besonders auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un ein.
Das Leben von Kim Jong-un wird von seiner Kindheit bis in die Gegenwart erzählt. Es wird über die Familiengeschichte berichtet und über jene Familienmitglieder, die bei seiner Machtübernahme, nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-Il, ermordet wurden.
Die Welt setzte große Hoffnung in Kim Jong-un, da er auf einer Schweizer Schule seine Ausbildung erhielt.
Um überhaupt Nordkorea und seine Menschen kennenzulernen, führte die Autorin Interviews mit Geflüchteten aus Nordkorea, einem Freund des Halbbruders von Kim Jong-un (der ermordet wurde) und dem ehemaligen Präsident Südkoreas Moon Jae-in, der Kim Jong-un öfter traf.
Die Autorin lebt in Sichtweite zur nordkoreanischen Grenze, nahezu täglich hört sie Militärübungen, die ihr Angst machen – immer auch in Gedanken, dass einmal eine Atombombe über die Grenze fliegt, und ob sie mit ihrem Mann nicht lieber auswandern sollte.
Am Ende bleibt zu hoffen, dass es zu keinem neuerlichen Krieg zwischen den beiden Koreas kommen wird, den auch Donald Trump konnte in seiner ersten Amtszeit nicht vermitteln.
Vieles habe ich bereits gewusst und trotzdem fand ich die Graphic Novel sehr spannend und interessant zu lesen und möchte sie jeder*jedem ans Herz legen.
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Was wir wissen können von Ian McEwan
Ein verklärter Blick in unsere Gegenwart
In diesem Roman blicken wir aus dem Jahr 2119 zurück in unsere Gegenwart.
Der erste Teil des Romans ist im Jahr 2119 angesiedelt. Die Welt hat alle Konsequenzen unserer ungeheuer laschen Klimapolitik zu tragen: ganze Erdteile sind aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels überschwemmt, es kam zu Nuklearkatastrophen und insgesamt hat sich die Weltbevölkerung auf vier Milliarden halbiert.
Wohlstand gibt es keinen mehr.
Thomas Metcalfe ist Literaturprofessor, jedoch im Jahr 2119 sind Geisteswissenschaften nicht mehr gefragt. Der Professor hat seinen wissenschaftlichen Fokus auf Literatur von 1990-2030 eingegrenzt.
Metcalfe ist auf der Suche nach einem Liebesgedicht von dem damals berühmten Francis Blundy. Sämtliche Archive hat er bereits durchforstet, aber es gibt keinen Hinweis, wo das Gedicht geblieben sein könnte. Beim Lesen des archivierten Materials bekommt Metcalfe eine Ahnung, wie die Welt 2020 ausgesehen hat und die Menschen gelebt haben, welche Krisen sie meistern mussten und welche Kriege sie geführt haben. Er kann nicht begreifen, warum in dieser Zeit nicht mehr für die Umwelt und das Klima getan wurde. Er stellt sich die Jahre 1990-2030 sehr verklärt vor (im Gegensatz zu dem, wie wir sie derzeit selbst erleben).
Im zeiten Teil des Romans erzählt dann Vivien Blundy ihre Geschichte, denn für sie wurde das Gedicht „Ein Sonettenkranz für Vivien“ geschrieben und so löst sich auch das Rätsel rund um den Verbleib des Gedichtes. Dieser Teil des Romans ist großartig konzipiert und geschrieben.
Ich fand den ersten Teil etwas zu lang und fast ein wenig zäh zu lesen, wurde jedoch im zweiten Teil mehr als belohnt. Bei dem Roman handelt sich nicht nur um eine Umwelt- bzw Klimadystopie, weil der Roman so viele andere Themen verhandelt und sich auch nicht wie eine Dystopie liest. Liebe, Alzheimer und Ehebruch sind weitere zentrale Themen.
Insgesamt dann am Ende ein gelungener Roman.
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
Rezensionen von Tara:
Sommer auf Perigo Island von Perry Chafe
Wenn das Meer das Leben bestimmt
„Sommer auf Perigo Island“ ist der Debütroman des kanadischen Autors Perry Chafe.
Die Handlung beginnt im Sommer 1991 auf der Insel Perigo Island die vor der Küste Neufundlands liegt. Der 12-jährige Pierce hat drei Jahre zuvor seinen Vater verloren. Dieser ist mit seinem Kutter zur See gefahren und nicht zurückgekehrt.
Seitdem lebt Pierce allein mit seiner Mutter, denkt aber noch täglich an seinen Vater. Im Moment sind Ferien und er verbringt seine Zeit mit seinen beiden Freunden Bennie und Thomas am Hafen. Als ihnen zu Ohren kommt, dass Anna - ein Mädchen mit dem Pierce ein Geheimnis, seine Angst vor Wasser teilt - verschwunden ist, begeben sie sich gemeinsam mit Bennies Cousine Emily auf die Suche.
Die Ereignisse werden aus der Perspektive des 12-Jährigen Pierce erzählt. Pierce ist ein liebenswerter Protagonist durch dessen Augen die Atmosphäre auf Perigo Island lebendig wird. Die Bewohner leben vom Fischfang, das Meer ist ihr Lebenselixier, aber durch die permanente Überfischung ist ihre Zukunft bedroht.
In 25 kurzen Kapitel auf 272 Seiten bin ich in die Vergangenheit und das Inselleben eingetaucht.
Dabei werden zahlreiche Themen angesprochen. Es geht um Verlust, Trauer, Freundschaft, die Umweltproblematik der Meere, damit verbundene gesellschaftlicher Veränderungen und das Erwachsenwerden. Verbunden wird dies alles durch eine spannende Handlung mit lebendigen Dialogen und authentischen Charakteren.
Mich hat das Buch gefesselt und ich hätte nur zu gerne noch weitergelesen. Aber mit seinem Epilog rundet der Autor sein Buch so gelungen ab, dass ich es zufrieden zuklappen konnte und nun gespannt auf weitere Werke des Autors bin.
Rezensionen von Petra:
Books & Coffee - An Wunder muss man glauben von Ella Lindberg
Kuchen oder Schauspiel
Das Bücher Cafe geht in die zweite Runde. Emilia haben wir schon im ersten Band flüchtig kennengelernt. Hier taucht sie als Chaoten Emoji wieder auf. Eine freundliche Beschreibung, denn ihr Leben ist im Moment wirklich chaotisch, sie verliert ihren Job, ihre Wohnung und ihr Freund geht zurück zu seiner Exfrau.
Deshalb ist sie auch wieder zurück nach Nürnberg gekommen, die Stadt die sie eigentlich nie wieder betreten wollte.
Es werden sehr viele Klischees abgearbeitet die toxische Beziehungen betreffen. Die Lösung die die Autorin anbietet ist Alkohol, Freundinnen und Kuchen. Gleichzeitig kommt die Erkenntnis das das Schlimmste immer passiert wenn sie etwas zuviel getrunken hat. Was denn nun?
Es wird oberflächlich im Buchclub über Bücher gesprochen, das hätte ich gern vertieft gehabt. Genau so das die Mitglieder eher Statisten sind hat mich gestört. Aber vielleicht kommen sie in vielleicht folgenden Bändern wieder vor.
Die Liebesgeschichte die am Ende siegt, wirkt konstruiert, sie hat mich nicht überzeugt.
Das am Ende des Buchs endlich ein Kuchenrezept war hat mich dagegen sehr gefreut. Denn ein Buch über Kuchen und Bücher sollte auf alle Fälle auch mindestens ein Rezept und eine Empfehlung enthalten.
Rezensionen von melanie82:
The Woman in Suite 11 von Ruth Ware
Die Vergangenheit wiederholt sich
The Woman in Suite 11 ist ein solider Thriller, der insgesamt gut unterhält, auch wenn der Einstieg etwas Geduld verlangt. Die ersten rund 100 Seiten entwickeln sich eher gemächlich, bevor die Geschichte spürbar an Fahrt aufnimmt. Wer The Woman in Cabin 10 kennt, wird viele vertraute Elemente wiedererkennen – vielleicht sogar ein bisschen zu viele.
Die Bezüge zum Vorgänger sind sehr präsent, sowohl thematisch als auch in der Erzählstruktur, was stellenweise den Eindruck erweckt, man bewege sich auf bekanntem Terrain. Für Leserinnen und Leser, die das andere Buch nicht kennen, könnten diese Anknüpfungen verwirrend oder wenig greifbar sein. Trotzdem bleibt das Buch spannend genug, um dranzubleiben, und überzeugt mit Atmosphäre und einem insgesamt runden Plot. Kein absolutes Highlight, aber ein durchaus lesenswertes, solides Buch.
Rezensionen von Bibibabby:
Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton
Eine wunderschöne, komplexe Geschichte über Tod und Verlust
Ich bin von diesem Buch positiv überrascht und habe die Geschichte wirklich sehr genossen.
Die Handlung ist originell, mit einer unerwarteten Tiefe. Es geht um ein tapferes Mädchen, eine wertvolle Münze, einen Aristokraten, der versucht, den Reichtum seiner Familie wiederherzustellen, und eine alte, verborgene Ballade, die den Schlüssel zu allem birgt.
Die Geschichte ist spannend und zugleich ein bisschen traurig. Die Protagonistin Bo muss das Rätsel der Münze lösen, bevor der alte Muncaster sie einholt. Zur gleichen Zeit zieht ihr Bruder in den Krieg, was schließlich zu seinem Tod führt. Als die Macht der Münze deutlich wird, steht Bo vor einem Dilemma: Soll sie die Prophezeiung der alten Ballade erfüllen oder versuchen, die Macht der Münze zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen?
Die Handlung ist für ein Kinderbuch überraschend komplex. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und haben konkurrierende Wünsche und Ziele, auch die "Bösen".
Das Buch behandelt die Themen Tod und Verlust auf einer einfühlsame Art und Weise. Die Botschaft, dass "was man liebt, kann man nicht verlieren", ist so schön und zutiefst traurig.
Rezensionen von Pusteblümchen:
24 Sekunden ab jetzt von Jason Reynolds
Eine besondere Liebesgeschichte
Der Untertitel des Buches lautet „Eine ganz normale Liebesgeschichte“. Für mich war es aber eine ganz besondere Liebesgeschichte. Der Autor berichtet aus der Perspektive eines jungen Mannes, der kurz davor ist, das erste Mal mit seiner Freundin zu schlafen. Für ihn ist es wichtig, dass es für beide Seiten schön wird.
Die Ereignisse werden rückwärts erzählt. Sie beginnen in der Gegenwart und enden 24 Monate zuvor.
Wenn es um Gefühle geht, ist es ist nicht einfach die richtigen Worte zu wählen. Hier ist es dem Autor hervorragend gelungen. Der Protagonist ist aufgeregt, unsicher und lebt ein Leben wie unzählige andere Teenager auch.
„24 Sekunden“ ist ein tolles Jugendbuch, das einfach geschrieben und schnell zu lesen ist. Dennoch hat es Tiefgang und berührt.
Jason Reynolds gelingt es immer wieder, sich in seine jungen Leser einzufühlen und wichtige Themen zu behandeln, die ansonsten leider oft viel zu kurz kommen.
Rezensionen von PMelittaM:
Das Erbe rechtlich und steuerlich optimal gestalten von Otto N. Bretzinger
Empfehlenswerter Ratgeber
Wer Vermögen hat, wird sich Gedanken machen, was damit nach seinem Ableben passieren soll, vor allem auch, wenn keine Familie da ist oder es innerhalb der Familie Probleme gibt. Wer nicht die gesetzliche Erbfolge möchte, vielleicht auch, weil er jemanden besonders bedenken möchte, wird daher über ein Testament und eventuelle andere Möglichkeiten nachdenken.
Dr. Otto N. Bretzinger hat einen Ratgeber zum Thema geschrieben, in dem er über die gesetzliche Erbfolge informiert, genauso wie über Möglichkeiten, Teile des Vermögens vielleicht schon vor dem eigenen Ableben zu übereignen, sowie über die verschiedenen Möglichkeiten, die man hat, festzulegen, was nach dem Ableben mit dem Vermögen passieren soll. Dabei werden nicht nur die Vor- und Nachteile benannt und Begrifflichkeiten erklärt, es finden sich auch Beispiele, Checklisten und Mustertexte.
Am Ende ist man wirklich umfassend informiert, und kann so zu dem jeweils für einen selbst passenden Weg greifen. Checklisten und Mustertexte, die man nur noch individuell ergänzen muss, werten das Buch zusätzlich auf.
Rezensionen von _Le4_:
Starfish von Lisa Fipps
Schockierend aber auch unfassbar befreiend
Ellie engagiert sich für Hunde, ist eine Dichterin, geht jeden Tag schwimmen und kann ganz fantastisch mit ihrer besten Freundin Viv tanzen. Leider begeistert das ihre MitschülerInnen, ihre Mutter und viele wildfremde Leute nicht. Ellie ist nämlich dick und aus irgendeinem Grund interessieren sich die Leute oft mehr dafür als für den Fakt, dass sie auf dem Weg ist, die beste Dichterin ihrer Generation zu sein.
Als ihre Familie Ellie zu einer Therapeutin schickt, denkt sie, dass ihre Mutter dahintersteckt, um sie zum Abnehmen zu bewegen. Doch langsam aber sicher kann sie sich ihrer Therapeutin öffnen und geht damit den ersten Schritt, sich gegen ihre Mobber zu wehren.
“Starfish” beschäftigt sich mit Fatshaming und dem daraus resultierenden Mobbing, dem Ellie aber auch viele Kinder und Erwachsene im echten Leben ausgesetzt sind. Auch wenn das Buch eine fiktive Geschichte ist, sind alle Gegebenheiten, denen Ellie ausgesetzt ist, leider realistisch.
Es ist schockierend zu sehen, wie andere Menschen mit Ellie umgehen, nur weil sie dick ist. Was wildfremde Menschen ihr ins Gesicht sagen und auch, wie sich ihre MitschülerInnen ihr gegenüber verhalten, ist grausam. Am furchtbarsten jedoch fand ich die Art und Weise, wie Ellies Mutter sich verhalten hat. Sie schreibt die schlimmen Dinge, die Ellie passieren, ihrem Gewicht zu und besteht ständig darauf, dass sie abnimmt. Dabei verbietet sie Ellie nicht nur normal zu essen, sondern geht auch so weit, dass sie ihre eigene Tochter einer OP zur Magenverkleinerung aussetzen will. Das Schockierende daran ist, dass diese Dinge auch im echten Leben geschehen.
Das Mobbing und Ellies Gefühle dazu sind unheimlich realistisch und haben öfter dafür gesorgt, dass ich Tränen in den Augen hatte. Mobbing ist besonders niederträchtig, weil die betroffene Person das zumeist internalisiert und die Schuld bei sich sucht.
Trotz all dieser erschreckenden Dinge ist das Buch letztendlich überaus hoffnungsvoll. Wir sehen, wie Ellie Therapieerfolge durchlebt und sich mit ihren eigenen Gefühlen und mit ihren Mobbern auseinandersetzt. Die Hauptcharakterin ist ein unfassbar wundervolles und starkes Mädchen und ich habe es genossen, sie auf diesem Weg begleiten zu dürfen.
Auch wenn das Buch teils bedrückend ist, gibt es viele hoffnungsfrohe und berührende Momente.
Ich kann dieses wundervolle Buch nur jedem ans Herz legen, der gemobbt wird oder wurde. Sei es nun Fatshaming oder etwas anderes, ich glaube, dass alle irgendwie von Ellies wunderbarem Mut profitieren können.
Rezensionen von Island :
Die weiße Nacht von Anne Stern
Mit dem Kriegsende war noch lange nicht alles gut
Ich mag die "Fräulein Gold"-Reihe von Anne Stern sehr, daher war ich auch auf diese neue historische Krimireihe der Autorin neugierig. Der erste Band "Die weiße Nacht" spielt im Berliner Hungerwinter 1946, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Covergestaltung passt sehr gut dazu, zeigt sie doch das vermeintlich Gegensätzliche, ein Kettenkarussell mit Menschen, die sich amüsieren, vor dem vom Krieg zerstörten Berliner Stadtschloss.
Das Ganze wird durch das Objektiv einer Kamera betrachtet, passend zur Protagonistin Lou Faber, die mit ihrer Leica, die sie anscheinend von einem amerikanischen Liebhaber bekommen hat, auf der Suche nach der Schönheit zwischen all der Zerstörung ist.
Die zweite Hauptperson, Kriminalkommissar Alfred König, war während der Herrschaft der Nationalsozialisten inhaftiert und hat davon auch körperliche Schäden zurückbehalten. Durch diese schrecklichen Erlebnisse gilt er den Allierten als unbelastet und wurde daher nach kurzer Vorbereitung auf diesen Posten gesetzt.
Als Fotografin Lou auf einem ihrer Streifzüge zufällig eine Frauenleiche vor der Linse hat, wird Alfred König zum Fundort der Leiche gerufen. Lou lässt der Fall aber nicht kalt und so kreuzen sich die Wege von ihr und dem Kriminalkommissar immer wieder.
Anne Stern schildert die prekäre Situation im Nachkriegs-Berlin sehr anschaulich mit wirklich vielen sprachlichen Bildern. Es wird sehr deutlich, wie alle unter Hunger und dem Mangel an vielen anderen überlebenswichtigen Dingen leiden, selbst die Polizei ist weiter sehr dürftig ausgestattet. Dazu kommen Revierkämpfe zwischen den einzelnen Siegermächten, wer in Berlin wofür zuständig ist, was für zusätzliches Durcheinander sorgt. Lou ist mir als Protagonistin sehr sympathisch, in sie konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, während mir Alfred König noch etwas fremd blieb, in mancher Hinsicht. Der Fall selbst passt natürlich in diese Zeit, tritt aber fast etwas in den Hintergrund bei all den weiteren Problemen, die die Menschen damals zu bewältigen hatten.











